{"id":9719,"date":"2023-07-06T13:22:38","date_gmt":"2023-07-06T13:22:38","guid":{"rendered":"https:\/\/tippingpoint.net\/?p=9719"},"modified":"2023-07-26T07:33:12","modified_gmt":"2023-07-26T07:33:12","slug":"die-geburt-der-kultur-aus-dem-geist-der-revolution","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/die-geburt-der-kultur-aus-dem-geist-der-revolution\/","title":{"rendered":"Die Geburt der Kultur aus dem Geist der Revolution"},"content":{"rendered":"
\n\tDie Kyiv Biennial<\/strong> wurde inmitten der turbulenten politischen Ereignisse des Jahres 2015 vom Visual Culture Research Center (VCRC) ins Leben gerufen. Die Majdan-Revolution stie\u00df zwar wesentliche politische, gesellschaftliche und kulturelle Ver\u00e4nderungen in der Ukraine an, diese wurden jedoch von der russischen Besetzung der Krim und dem Beginn des Krieges im Donbas \u00fcberschattet. <\/strong><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tWir haben uns online mit Vasyl Cherepanyn, dem Leiter des VCRC<\/a>, \u00fcber die neuen Wege, die die Kyiv Biennial<\/a> seither beschritten hat, unterhalten. Wir sprachen \u00fcber Themen wie das Erbe und den Einfluss der Majdan-Revolution(en) auf den ukrainischen Kunst- und Kulturbetrieb, die Besonderheiten des Kunst- und Kulturschaffens in der Ukraine, die Zukunftsperspektiven des Kulturbereichs in Europa und die Frage, wie Osteuropa eine neue Subjektivit\u00e4t f\u00fcr sich gewinnen kann.\u00a0<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tVasyl CherepanynVasyl Cherepanyn (Ukraine, 1980) ist Leiter des Visual Culture Research Center (VCRC), das er 2008 in Kyjiw als Kooperationsplattform f\u00fcr Wissenschaft, Kunst und Aktivismus mitbegr\u00fcndet hat. Er promovierte in Philosophie (\u00c4sthetik) und war Dozent an der Nationalen Universit\u00e4t Kiew-Mohyla-Akademie, der Europa-Universit\u00e4t Viadrina<\/a> Frankfurt (Oder), der Universit\u00e4t Helsinki, der Freien Universit\u00e4t<\/a> Berlin, der Merz Akademie<\/a> Stuttgart, der Universit\u00e4t Wien, dem Institut f\u00fcr H\u00f6here Studien der politischen Kritik Warschau und der Universit\u00e4t Greifswald. Au\u00dferdem war er 2016 Visiting Fellow am Institut f\u00fcr die Wissenschaften vom Menschen<\/a> in Wien. Cherepanyn ist Mitherausgeber des Guidebook of the Kyiv International<\/em> (Medusa Books, 2018) sowie \u201968 NOW<\/em><\/a> (Archive Books, 2019) und kuratierte unter anderem The European International<\/em> (Rijksakademie van beeldende kunsten, Amsterdam, 2018), Hybrid Peace<\/em><\/a> (Stroom, Den Haag, 2019) und Armed Democracy<\/em> (zweite Ausgabe der Biennale Warschau, 2022).<\/sup> ist Mitbegr\u00fcnder des VCRCDas VCRC organisiert die Biennale in Kyjiw (The School of Kyiv<\/a><\/em>, 2015; The Kyiv International<\/em>, 2017; The Kyiv International<\/em> –\u201968 NOW<\/em><\/a>, 2018; Black Cloud<\/em><\/a>, 2019; Allied<\/em><\/a>, 2021) und ist Gr\u00fcndungsmitglied der East Europe Biennial Alliance. 2015<\/a> erhielt das VCRC den European Cultural Foundation Princess Margriet Award for Culture 2015<\/a> der Europan Cultural Foundation und 2018 ein Arbeitsstipendium des Igor Zabel Award for Culture and Theory<\/a>.<\/sup>, das 2008 in Kyjiw als Kooperationsplattform f\u00fcr Wissenschaft, Kunst und Aktivismus ins Leben gerufen wurde. Seit 2015 organisiert das VCRC die Biennale in Kyjiw, ein internationales interdisziplin\u00e4res Kunst-, Wissens- und Politikforum, das Ausstellungen und Diskussionsplattformen umfasst. Die Kyiv Biennial ist Gr\u00fcndungsmitglied der East Europe Biennial Alliance<\/a>, zu der auch die Biennale Warschau, die Biennale Matter of Art Prag, die OFF-Biennale Budapest und das Survival Kit Festival Riga geh\u00f6ren.\u00a0<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tVon au\u00dfen betrachtet f\u00e4llt es schwer, die komplexen Umst\u00e4nde zu erfassen, unter denen der ukrainische Kunst- und Kulturbereich derzeit zu arbeiten versucht. F\u00fcr ein besseres Verst\u00e4ndnis lohnt sich meiner Meinung nach ein Blick in die Vergangenheit und eine genauere Betrachtung der Richtung, die der Kultursektor und die Kyiv Biennial in den letzten Jahren eingeschlagen haben. Der Majdan scheint mir hierf\u00fcr ein geeigneter Ausgangspunkt. Was bedeutet er r\u00fcckblickend f\u00fcr Sie?\u00a0<\/strong><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tDer Majdan ist tats\u00e4chlich in vielerlei Hinsicht ein wichtiger Ausgangspunkt. Auf diesem zentralen Platz der Unabh\u00e4ngigkeit fanden im Verlauf der Geschichte der Ukraine verschiedene Unruhen und Aufst\u00e4nde statt. Diesbez\u00fcglich hat der Majdan Tradition. Die Proteste im Jahr 2014 kann man wohl als die bislang letzte europ\u00e4ische Revolution bezeichnen. Neben ihrer Bedeutung f\u00fcr das Land selbst waren sie auch von gesamteurop\u00e4ischer Relevanz und Teil einer globalen Welle von Aufst\u00e4nden, die mit Occupy Wall Street in den USA begann und zu der auch der sogenannte Arabische Fr\u00fchling z\u00e4hlte. <\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tIm osteurop\u00e4ischen Kontext, wo Rechtspopulismus und verschiedene autorit\u00e4re Tendenzen die politische B\u00fchne beherrschten, war der Majdan ein einzigartiges Beispiel des Widerstands gegen all diese Entwicklungen. Ich w\u00fcrde sogar sagen, dass die ukrainische Gesellschaft, wie wir sie heute kennen, auf dem Majdan ihren Anfang nahm. Er war insofern wichtig, als er eine Chance des Protests aufzeigte, die andere Proteste erst m\u00f6glich machte. So gesehen handelte es sich um einen Gr\u00fcndungsakt, der die Mobilisierung der Zivilgesellschaft und des sozialen Sektors als solchen erm\u00f6glichte. Nicht nur die Kyiv Biennial, sondern jede Art von kulturellem Engagement im gesellschaftlichen Kontext w\u00fcrde ohne den Majdan keinen Sinn ergeben. Der Majdan war auch richtungsweisend f\u00fcr das politische Leben, denn mit ihm begann eine neue Form des Umgangs der ukrainischen Gesellschaft mit dem Staat.\u00a0<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tDer Majdan ist als Gesamtkunstwerk zu verstehen. Er fungierte als eine Gesamtinstallation<\/em> von unterschiedlicher \u00e4sthetischer, politischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Dimension, die im Laufe ihrer Entwicklung eine fortw\u00e4hrende Medialisierung erfuhr. Dar\u00fcber hinaus hat sich der Majdan vor allem als politisches Ph\u00e4nomen durchgesetzt, der die osteurop\u00e4ische Region etwas Entscheidendes gelehrt hat: Revolutionen funktionieren tats\u00e4chlich und machen den Staat besser.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tVasyl Cherepanyn am Majdan. Foto: Diana Iwanowa \n\tDer Majdan hat die Menschen in der gesamten Ukraine erfasst und gezeigt, in welchem Ma\u00dfe ihre Bev\u00f6lkerung zur Selbstorganisation f\u00e4hig ist. Nach dem anf\u00e4nglichen Schock gelang es der ukrainischen Gesellschaft, sich am 24. Februar 2022 neu zu formieren und in einem unglaublichen Ausma\u00df Widerstand zu leisten. Das ganze Land ist zu einem kollektiven bewaffneten Majdan geworden, aber diesmal Seite an Seite mit dem Staat.\u00a0<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tDie erste Ausgabe der Kyiv Biennial<\/strong>, The School of Kyiv<\/em>, baute stark auf den Erfahrungen der Revolution auf und versuchte, anhand von R\u00fcckschl\u00fcssen aus der Majdan-Bewegung zu untersuchen, was die Ukraine und Europa voneinander lernen k\u00f6nnen. Als Sie die Biennale ins Leben riefen, was war das Verm\u00e4chtnis des Majdan, das Sie in Ihre Aktivit\u00e4ten einflie\u00dfen lassen wollten?<\/strong><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tDie Kyiv Biennial basierte nicht nur im politischen, sondern auch im kulturellen Sinn auf der Idee der Platzbesetzung<\/em>. Wir wollten das auf dem Majdan erkl\u00e4rte Ziel weiterverfolgen: den \u00f6ffentlichen Kulturbereich in eine politische<\/em> Agora<\/em> verwandeln, auf der Kulturschaffende, K\u00fcnstlerinnen und Wissenschaftler ihre Ideen weiterentwickeln konnten. Zudem sollten Bedingungen geschaffen werden, die eine Einbindung der Initiativen und \u00f6ffentlichen politischen Stimmung, die auf dem Platz zu vernehmen waren, erm\u00f6glichen. In gewisser Weise war die Biennale eine Art Fortsetzung des Majdan im Kulturbereich, mit dem Ziel, seine Versprechen einzul\u00f6sen. Als ein \u00fcbergreifendes Projekt, das verschiedene k\u00fcnstlerische Initiativen und Diskussionsplattformen vereint, kann die Biennale als eine andere Form von Gesamtkunstwerk betrachtet werden. In der ersten Ausgabe wurde sie auf Kyjiw, die Stadt des Majdan, projiziert, um der Fortsetzung dieser Arbeit einen institutionellen Rahmen zu geben.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tAllied<\/em> – Kyiv Biennial 2021. Haus des Kinos, 16. Oktober – 14. November 2021. Foto: Oleksandr Kovalenko\u00a0\u00a0<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tAllied<\/em> – Kyiv Biennial 2021. Haus des Kinos, 16. Oktober – 14. November 2021. Foto: Oleksandr Kovalenko\u00a0\u00a0<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tWelchen Einfluss hatte der Majdan auf den ukrainischen Kunst- und Kulturbereich?<\/strong><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tDer Kulturbereich in der Ukraine wurde durch revolution\u00e4re Ereignisse wie die beiden Majdans in den Jahren 2004 und 2014 gepr\u00e4gt. Die Kunstszene, wie wir sie heute kennen, wurde aus dem Geist der Revolution geboren. Letztere hatte einen gro\u00dfen Einfluss darauf, wie K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler arbeiten, wie sie sich organisieren, welche Medien sie nutzen und mit welchen Themen sie sich befassen. Der Modus Operandi des Kulturbereichs resultierte aus der Erfahrung, auf dem Platz sowohl als Kunst- und Kulturschaffende als auch als B\u00fcrger Haltung zu zeigen. Ich denke, das ist wirklich einzigartig. Es gibt kaum ein anderes Land in Europa, in dem die Kultur so sehr mit der Art der politischen Umw\u00e4lzungen und Aufst\u00e4nde verflochten und von ihnen abh\u00e4ngig ist. Wenn man die zeitgen\u00f6ssische visuelle Kultur der Ukraine analysieren und verstehen will, muss man dies ber\u00fccksichtigen; dieser revolution\u00e4re Hintergrund<\/em> ist tats\u00e4chlich ein Ausgangspunkt. Die ukrainischen Kulturinstitutionen sowie die K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler selbst haben viele Ans\u00e4tze entwickelt, die sich auch anderswo anwenden lassen, etwa Ausstellungsformate und -orte, Performativit\u00e4t, aktionistische Praktiken, utopisches Denken, Dokumentalit\u00e4t oder die Nutzung des \u00f6ffentlichen Raums. Die erste Ausgabe der Kyiv Biennial hie\u00df nicht zuf\u00e4llig The School of Kyiv<\/em>. Unser Ziel war es, einen Rahmen zu schaffen, von dem andere lernen k\u00f6nnen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tAllied<\/em> – Kyiv Biennial 2021. Haus des Kinos, 16. Oktober – 14. November 2021. Foto: Oleksandr Kovalenko\u00a0\u00a0<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tAllied<\/em> – Kyiv Biennial 2021. Haus des Kinos, 16. Oktober – 14. November 2021. Foto: Oleksandr Kovalenko\u00a0\u00a0<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tTransperiphery Movement – Global Eastern Europe and Global South<\/em>. Kuratiert von Eszter Szak\u00e1cs und Zolt\u00e1n Ginelli. Allied<\/em> – Kyiv Biennial 2021. Haus des Kinos, 16. Oktober – 14. November 2021. Foto: Oleksandr Kovalenko\u00a0<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tIch denke, Sie haben einen wesentlichen Punkt angesprochen, als Sie den Einfluss von Revolutionen auf den Kunstbereich hervorhoben. Ich stimme auch zu, dass die Kunst in der Ukraine, anders als in den meisten europ\u00e4ischen L\u00e4ndern, tats\u00e4chlich in der Lage zu sein scheint, eine politische Wirkung zu entfalten. Ich habe mich jedoch gefragt, welche Rolle der Kontext dabei spielt. Meiner Erfahrung nach verliert diese wirklich einf\u00fchlsame und komplexe Bildsprache, mit der \u00c4ngste und soziopolitische Konflikte in der ukrainischen Gesellschaft k\u00fcnstlerisch verarbeitet werden, an Kraft, wenn die Werke anderswo ausgestellt werden.<\/strong><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tIn gewisser Hinsicht ist das nat\u00fcrlich kontextabh\u00e4ngig. Ich denke jedoch, dass das Wesen der ukrainischen Kultur es einem erlaubt, au\u00dferhalb des eigenen Metiers t\u00e4tig zu werden. Im Westen hat man k\u00fcnstlerisch alle Freiheiten, solange man sich nicht in die Politik einmischt. In der Ukraine fungiert der Kunst- und Kulturbereich selbst als Agora. Gerade der Kulturbereich hat das Potenzial, gesellschaftlich relevante Themen zu diskutieren und ideologische Fragen oder gegens\u00e4tzliche politische Ansichten zu Themen wie Erinnerungspolitik<\/em>, die Haltung gegen\u00fcber der sowjetischen Vergangenheit oder die Geschichte des 20. Jahrhunderts zu provozieren. Nicht selten sind es Kunst- und Kulturschaffende, die diese Diskussionen aufbringen und vorantreiben.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tWoran liegt das Ihrer Meinung nach?<\/strong><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tIm Unterschied zum Westen ist die Kultur hier nicht so sehr als eigenst\u00e4ndiger Bereich strukturiert. Das mag anarchistisch erscheinen, zeigt aber auch, dass sie erst im Begriff ist, sich institutionell<\/em> und<\/em> autonom<\/em> zu formieren. Aus diesem Grund geht man in der Kunst und Kultur in viele unerwartete Richtungen und schl\u00e4gt auch neue Wege ein. <\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tDer Kulturbereich in der Ukraine ist mit einigen Ausnahmen nicht von staatlicher Finanzierung abh\u00e4ngig und dadurch selbstreguliert<\/em>. Selbst wenn es einen gewissen Druck vonseiten des Staates gibt, kann er keine wirkliche Kontrolle aus\u00fcben. Das hat nat\u00fcrlich Vor- und Nachteile. In der Ukraine ist der Kulturbereich nicht institutionell gesch\u00fctzt, weshalb sich jeder von au\u00dfen einmischen oder ihm eine bestimmte Agenda aufzwingen kann. Dies erschwert auch den Kulturbetrieb als solchen, da man sich mittelfristig nicht auf nachhaltige Strukturen verlassen kann. Andererseits steht die Kultur aufgrund des Fehlens klar definierter Grenzen in st\u00e4ndigem Austausch und Wechselbeziehung mit anderen Bereichen der Gesellschaft. <\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\t“K\u00fcnstlerin bzw. Kulturschaffender in der Ukraine zu sein, ist nicht so sehr ein Beruf als vielmehr eine Mission<\/em>.”<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tDadurch k\u00f6nnen Kunstwerke und Ausstellungen entstehen, die als direkte politische Statements funktionieren und Reaktionen von politischen Gruppierungen ausl\u00f6sen k\u00f6nnen. Diese Politizit\u00e4t spielt im Kunstsystem im Westen keine so gro\u00dfe Rolle. Du kannst dort zwar tun, was dir beliebt, aber eigentlich schenkt dir niemand ernsthaft Beachtung. In vielen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern k\u00f6nnen die Medien oder der \u00f6ffentliche Diskurs politische Alternativen anbieten, vielleicht mit Ausnahme von Ungarn \u2013 leider. In der Ukraine ist diese Alternative die Kultur, und das hat meiner Meinung nach unweigerlich Auswirkungen auf die Art und Weise, wie \u00fcber Politik gedacht wird. <\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tDas kann gro\u00dfe Chancen er\u00f6ffnen, aber gleichzeitig k\u00f6nnte es auch zu viel Druck auf die Kunst- und Kulturschaffenden aus\u00fcben.<\/strong><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tWestliche Kulturschaffende \u00fcben im Normalfall einfach ihren Beruf aus. Sie folgen vorgegebenen Abl\u00e4ufen und dem, was bereits f\u00fcr sie auf den Weg gebracht wurde. In der Ukraine gibt es, wie ich schon erw\u00e4hnte, keine klaren Richtungen. Man testet verschiedene Grenzen aus, was politische Ver\u00e4nderungen bewirken oder Reaktionen hervorrufen kann. Das bedeutet tats\u00e4chlich viel mehr Druck und Verantwortung. K\u00fcnstlerin bzw. Kulturschaffender in der Ukraine zu sein, ist nicht so sehr ein Beruf als vielmehr eine Mission<\/em>. Man hat eine gewisse politische Haltung und ist deshalb in diesem Bereich t\u00e4tig. Diese Menschen haben vielleicht keinen politischen Einfluss, aber ihre Mission besteht darin, etwas zu konzipieren und zu vermitteln, um eine ungerechte Situation zu korrigieren. Das erinnert mich an das Ph\u00e4nomen der osteurop\u00e4ischen Intelligenzija in der zweiten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts.\u00a0<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tTransperiphery Movement – Global Eastern Europe and Global South<\/em>. Kuratiert von Eszter Szak\u00e1cs und Zolt\u00e1n Ginelli. Allied<\/em> – Kyiv Biennial 2021. Haus des Kinos, 16. Oktober – 14. November 2021. Foto: Oleksandr Kovalenko\u00a0<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tTransperiphery Movement – Global Eastern Europe and Global South<\/em>. Kuratiert von Eszter Szak\u00e1cs und Zolt\u00e1n Ginelli. Allied<\/em> – Kyiv Biennial 2021. Haus des Kinos, 16. Oktober – 14. November 2021. Foto: Oleksandr Kovalenko\u00a0<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tDivided – Shared Solidarity – Political Mobilization and Visual Agency in Belarusian Protest Movement 2020-2021<\/em>. Vortrag von Almira Ousmanova. Allied<\/em> – Kyiv Biennial 2021. Haus des Kinos, 16. Oktober – 14. November 2021. Foto: Oleksandr Kovalenko<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n
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