{"id":9335,"date":"2023-02-16T14:13:16","date_gmt":"2023-02-16T14:13:16","guid":{"rendered":"https:\/\/tippingpoint.net\/?p=9335"},"modified":"2023-02-16T14:13:18","modified_gmt":"2023-02-16T14:13:18","slug":"warum-die-slowakische-bevoelkerung-so-schnell-altert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/warum-die-slowakische-bevoelkerung-so-schnell-altert\/","title":{"rendered":"Warum die slowakische Bev\u00f6lkerung so schnell altert."},"content":{"rendered":"
\n\tDie Ergebnisse der slowakischen Volksz\u00e4hlung 2021 weisen auf eine schnell alternde Bev\u00f6lkerung hin. Die Situation k\u00f6nnte sogar noch dramatischer sein, da wom\u00f6glich viel weniger Menschen im Land leben, als die offiziellen Daten vermuten lassen.<\/strong><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tEine Kindergartengruppe marschiert an der Slowakischen Nationalgalerie vorbei, bevor sie auf die belebte, parallel zur Donau verlaufende Hauptstra\u00dfe einbiegt. Die Knirpse werden von drei Frauen um die Drei\u00dfig begleitet, die durchaus selbst M\u00fctter von Kindern in diesem Alter sein k\u00f6nnten. Die Gruppe dr\u00e4ngt sich an zwei elegant gekleideten \u00e4lteren Damen vorbei, die plaudernd die Stra\u00dfe entlangschlendern.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tEin paar Minuten entfernt, vor dem ber\u00fchmten Rolandsbrunnen in der Altstadt von Bratislava, sitzen ein paar M\u00e4dchen im Teenageralter auf dem Boden. Sie nehmen am w\u00f6chentlichen, von Greta Thunberg initiierten Schulstreik f\u00fcr das Klima teil. In ein oder zwei Jahren werden sie vielleicht an der hiesigen Comenius-Universit\u00e4t studieren, an der sich zumindest bis vor Ausbruch der Corona-Pandemie eifrige Studierende tummelten. Sollte eines der M\u00e4dchen beschlie\u00dfen, dort Demografie zu studieren, k\u00f6nnte es so manche \u00dcberraschung erleben.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tZun\u00e4chst einmal gibt es viel weniger Studierende als fr\u00fcher. W\u00e4hrend 2008 noch 214.309 Personen an einer slowakischen Hochschule inskribiert waren, gab es 2020 nur noch 116.124 Studierende. Das ist zum Teil der Tatsache geschuldet, dass viele im Ausland studieren \u2013 aber nicht nur. Es gibt einfach viel weniger Slowakinnen und Slowaken im Studentenalter und im Gegensatz dazu jedes Jahr mehr Pensionistinnen und Pensionisten. Auch die Zahl der Menschen im erwerbsf\u00e4higen Alter nimmt ab, und wenn nicht mehr Migrantinnen und Migranten in die Slowakei kommen, wird sich der ohnehin schon gravierende Arbeitskr\u00e4ftemangel weiter versch\u00e4rfen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tInfografik: Ewelina Karpowiak \/ Klawe Rzeczy<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tDie Bev\u00f6lkerung der Slowakei wird bald schrumpfen \u2013 sofern sie dies nicht schon getan hat \u2013 und altern. Das ist nicht \u00fcberraschend. Diese Entwicklung ist auch in weiten Teilen Mittel- und Osteuropas zu beobachten. Was die Demografinnen und Demografen jedoch beunruhigt, ist die Tatsache, dass trotz der seit Jahren relativ konstanten Bev\u00f6lkerungszahlen in der Slowakei hinsichtlich der Genauigkeit der offiziellen Daten Unsicherheit herrscht. F\u00fcr \u013dudmila Ivan\u010d\u00edkov\u00e1, Leiterin der Abteilung f\u00fcr Bev\u00f6lkerung im Statistikamt, l\u00e4uft es im Endeffekt darauf hinaus, dass die Slowakinnen und Slowaken nicht nur schnell altern, sondern dies auch viel schneller tun als ihre Nachbarinnen und Nachbarn.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tEin schnell alterndes Land<\/strong><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tIm Dezember [2021, Anm. d. Red.] ver\u00f6ffentlichte das Statistikamt die ersten auf der Volksz\u00e4hlung 2021 basierenden Daten. Am 1. J\u00e4nner 2021 lebten gem\u00e4\u00df dieser Analyse 5.449.270 Menschen im Land. Schenkt man dieser Zahl Glauben, bedeutet dies, dass die Gesamtzahl der Menschen in der Slowakei zu jenem Zeitpunkt um 45.000 h\u00f6her war als ein Jahrzehnt zuvor und um 166.270 bzw. 3,1 Prozent h\u00f6her als 1991.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tNach Angaben des slowakischen Innenministeriums waren Mitte des vergangenen Jahres 152.902 ausl\u00e4ndische Personen legal im Land ans\u00e4ssig, was 2,8 Prozent der Bev\u00f6lkerung entspricht. Bis zum EU-Beitritt der Slowakischen Republik 2004 lebten nur sehr wenige Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4nder in der Slowakei. Zieht man sie also von der Gesamtbev\u00f6lkerung des Landes ab, denn viele von ihnen \u2013 darunter zum Gro\u00dfteil Menschen aus der Ukraine und Serbien \u2013 halten sich nur mit einem befristeten Arbeitsvisum im Land auf und gelten nicht als Zugewanderte, dann hat es den Anschein, als ob die Bev\u00f6lkerung des Landes in etwa gleich gro\u00df w\u00e4re wie vor 30 Jahren.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tAngesichts der in den letzten drei Jahrzehnten \u2013 mit Ausnahme von Tschechien und Slowenien \u2013 oft recht dramatisch sinkenden Bev\u00f6lkerungszahlen in allen ehemals kommunistischen L\u00e4ndern Europas w\u00e4re dies wohl ein Grund zum Feiern. Tats\u00e4chlich w\u00e4re es jedoch sehr verfr\u00fcht, die Champagnerkorken knallen zu lassen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tInfografik: Ewelina Karpowiak \/ Klawe Rzeczy<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tIm Jahr 2011 lebten in der Slowakei 832.572 Kinder (bis 14 Jahre), 3,88 Millionen Menschen im Alter von 15 bis 64 Jahren und 690.662 Menschen im Alter von 65 und mehr Jahren. Gem\u00e4\u00df Volksz\u00e4hlung gab es Anfang 2021 im Land 867.410 Kinder, 3,65 Millionen Menschen im sogenannten \u201eproduktiven Alter\u201c und 929.181 \u00e4ltere Menschen. In nur zehn Jahren war die Zahl \u00e4lterer Menschen von 12,78 Prozent der Bev\u00f6lkerung auf 17,05 Prozent hochgeschnellt, w\u00e4hrend die Zahl der Menschen im erwerbsf\u00e4higen Alter von 71,81 Prozent auf 67,03 Prozent gesunken war. Der Anteil der Kinder erh\u00f6hte sich nur um ein halbes Prozent. Und die weiteren Prognosen verhei\u00dfen nichts Gutes.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tLaut Branislav Bleha, Leiter des Fachbereichs Demografie an der Comenius-Universit\u00e4t, ist dem wahrscheinlichsten Szenario zufolge davon auszugehen, dass die Zahl der Menschen im \u201eproduktiven Alter\u201c bis 2060 auf 2,66 Millionen sinken, die Zahl der Personen ab 65 hingegen auf 1,77 Millionen ansteigen wird. Diese Sch\u00e4tzungen beruhen auf der optimistischen Annahme, dass die Gesamtbev\u00f6lkerung nur auf 5,43 Millionen zur\u00fcckgehen wird, obwohl sie m\u00f6glicherweise schon jetzt geringer ist. Laut einer Prognose von Eurostat, dem statistischen Amt der EU, k\u00f6nnte die Bev\u00f6lkerungszahl der Slowakei bis 2060 auf 4,95 Millionen Menschen gesunken sein.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tOb die Slowakei auf einen derart starken R\u00fcckgang der Erwerbsbev\u00f6lkerung bei gleichzeitiger Zunahme der Zahl und des Anteils an Pensionistinnen und Pensionisten vorbereitet ist, bleibt abzuwarten. Staatliche Pflegeeinrichtungen sind bereits jetzt unterfinanziert und aufgrund der vielen, wegen der h\u00f6heren L\u00f6hne im Ausland besch\u00e4ftigten Pflegekr\u00e4fte unterbesetzt. Das gilt auch f\u00fcr private Pflegeheime. Laut J\u00e1n Bu\u010dek, Professor f\u00fcr Humangeografie an der Comenius-Universit\u00e4t, w\u00fcrden die verschiedenen Regierungen seit Jahren mit wissenschaftlich gesicherten Fakten, Zahlen und Empfehlungen versorgt. Er beklagt jedoch, dass \u201eWissenschaft und Fachwissen nicht in vollem Umfang ber\u00fccksichtigt werden\u201c; die vorgeschlagenen Strategien zur Bew\u00e4ltigung der bevorstehenden rapiden und massiven Alterung der Gesellschaft w\u00fcrden weder entsprechend befolgt noch umgesetzt und \u201estets durch neue ersetzt\u201c werden.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tHinter dem \u201eHajnal-Vorhang\u201c<\/strong><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tAlle europ\u00e4ischen L\u00e4nder altern. Was die Slowakei jedoch von anderen unterscheidet, ist die Geschwindigkeit dieser Entwicklung. In den 1980er-Jahren z\u00e4hlte die Slowakei zu den j\u00fcngsten L\u00e4ndern Europas. In den kommenden Jahrzehnten wird sie zu den \u00e4lteren L\u00e4ndern geh\u00f6ren. Im Jahr 1965 zog der britische Statistiker John Hajnal eine imagin\u00e4re Linie von St. Petersburg bis nach Triest und stellte die Hypothese auf, dass Frauen \u00f6stlich dieser Linie aus kulturellen Gr\u00fcnden eher fr\u00fcher heiraten und mehr Kinder bekommen als ihre Geschlechtsgenossinnen im Westen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tDie sogenannte \u201eHajnal-Linie\u201c gilt seit Langem als umstritten und ist vor allem in diesem Jahrhundert in Verruf geraten bzw. aufgrund der ver\u00e4nderten Faktenlage einfach nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df. Dennoch ist sie in der ehemaligen Tschechoslowakei nach wie vor zutreffend, denn die Linie trennte die beiden Landesteile, die tats\u00e4chlich unterschiedliche demografische Entwicklungen durchlaufen haben. W\u00e4hrend des Kommunismus bekamen Slowakinnen wesentlich mehr Kinder als Tschechinnen. Bleha nennt als Gr\u00fcnde daf\u00fcr den h\u00f6heren Anteil der l\u00e4ndlichen Bev\u00f6lkerung, die im Vergleich zu Tschechien geringere Industrialisierung und die im Allgemeinen religi\u00f6sere und konservativere Gesellschaft. Im Jahr 1989, zum Zeitpunkt des Zusammenbruchs des Kommunismus, lag die Fertilit\u00e4tsrate in Tschechien bei 1,85 und in der Slowakei bei 2,09. Dann geschah etwas Au\u00dfergew\u00f6hnliches.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tInfografik: Ewelina Karpowiak \/ Klawe Rzeczy<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tIm Zuge der Verwerfungen und des darauffolgenden Wirtschaftseinbruchs gingen die Geburtenziffern in beiden L\u00e4ndern \u2013 wie auch in anderen mittel- und osteurop\u00e4ischen L\u00e4ndern \u2013 stark zur\u00fcck; in der Slowakei vollzog sich diese Entwicklung jedoch viel drastischer und schneller als in Tschechien. Dies war unter anderem der viel schwierigeren Wirtschaftslage in der Slowakei, einer h\u00f6heren Abwanderungsrate j\u00fcngerer Menschen und der schnellen \u00dcbernahme eines neuen Wertesystems geschuldet. Seit 2004 ist die Fertilit\u00e4tsrate in der Slowakei, die damals 1,23 betrug, niedriger als in Tschechien, aber wie auch in Polen und Ungarn im Steigen begriffen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tIm Jahr 2020 lag die slowakische Fertilit\u00e4tsrate bei 1,59 und damit knapp \u00fcber dem EU-Durchschnitt von 1,53. Da die Zahl der Frauen im geb\u00e4rf\u00e4higen Alter im Vergleich zu fr\u00fcher gesunken ist, bedeutet dies, dass weniger Frauen mehr Kinder bekommen. Im Jahr 2016 lag der Anteil der Frauen im geb\u00e4rf\u00e4higen Alter bei 47,1 Prozent, bis 2020 sank dieser Wert jedoch auf 45,47 Prozent. Die Zahl der im Ausland lebenden Slowakinnen und Slowaken ist so hoch, dass sch\u00e4tzungsweise zehn Prozent aller neugeborenen B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger au\u00dfer Landes auf die Welt kommen, erkl\u00e4rt Boris Va\u0148o vom demografischen Forschungszentrum.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tDa sie jedoch nicht in der Slowakei geboren werden, bleiben sie bei der Berechnung der Geburtenziffern des Landes unber\u00fccksichtigt. Die fr\u00fchere hohe Fertilit\u00e4tsrate und ihr anschlie\u00dfender dramatischer R\u00fcckgang sind der Grund daf\u00fcr, dass die Slowakei in den kommenden Jahren einen ebenso dramatischen Alterungsprozess erleben wird. Ein weiterer zu ber\u00fccksichtigender Faktor ist die Abwanderung, insbesondere von Frauen im geb\u00e4rf\u00e4higen Alter. Beide Faktoren f\u00fchren dazu, dass die Bev\u00f6lkerung der Slowakei laut Ivan\u010d\u00edkov\u00e1 zwischen 2030 und 2040 zu schrumpfen beginnen wird.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tSchrumpft die Slowakei bereits?<\/strong><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tDas Problem ist, dass niemand wei\u00df, wie viele Slowakinnen und Slowaken das Land verlassen haben, wie viele zur\u00fcckgekommen sind und ob die offiziellen Bev\u00f6lkerungsdaten der Slowakei korrekt sind. Wenn dem nicht so ist, bedeutet dies, dass die Bev\u00f6lkerung des Landes bereits zu schrumpfen begonnen hat \u2013 und zwar ziemlich dramatisch. Die Diskrepanz ergibt sich vermutlich daraus, dass zwar viele Menschen die Slowakei verlassen, aber weiterhin im eigenen Land gemeldet sind oder hin und her pendeln. Man geht davon aus, dass etwa 24.000 Frauen, viele aus der Ostslowakei, einen Gro\u00dfteil des Jahres in \u00d6sterreich in der Pflege \u00e4lterer Menschen t\u00e4tig sind. Viele andere pendeln und kommen alle paar Wochen oder Monate f\u00fcr eine gewisse Zeit nach Hause.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tBratislava “Schulstreik f\u00fcr das Klima”. Foto: Tim Judah<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tIn einem Interview kurz vor der Ver\u00f6ffentlichung der aktuellen auf der Volksz\u00e4hlung basierenden Bev\u00f6lkerungsdaten erkl\u00e4rte Bleha, dass er und sein Team davon ausgehen, dass in der Slowakei 200.000 Menschen weniger leben k\u00f6nnten als die offiziellen Daten vermuten lassen. Das k\u00f6nnte zum Teil den mehr als 21.000 slowakischen Studierenden geschuldet sein, die jedes Jahr an tschechischen Universit\u00e4ten inskribieren und sich dann in Tschechien niederlassen, sowie slowakischen \u00c4rztinnen und \u00c4rzten sowie anderen medizinischen Fachkr\u00e4ften, die im Nachbarland bessere Bezahlung und Bedingungen vorfinden. Nach der Ver\u00f6ffentlichung der aktuellen Daten meinte Bleha, dass auch wenn die Methodik der Volksz\u00e4hlung offensichtlich zu Ungereimtheiten gef\u00fchrt habe, er und sein Team jedoch noch nicht \u00fcber gen\u00fcgend Informationen verf\u00fcgen w\u00fcrden, um ihren Verdacht, dass es viel weniger Menschen im Land gebe als angenommen, best\u00e4tigen oder widerlegen zu k\u00f6nnen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tSollten die aktuellen Zahlen zu hoch angesetzt sein, w\u00e4re das keine \u00dcberraschung, auch wenn man laut Ivan\u010d\u00edkov\u00e1 vom Statistikamt sehr darauf geachtet habe, verschiedene Verzeichnisse und statistische Auswertungen miteinander abzugleichen. Im Jahr 2017 stellte Martin Halu\u0161 im Rahmen seiner Doktorarbeit Sch\u00e4tzungen zur Bev\u00f6lkerungsentwicklung auf der Grundlage der Zahl aller krankenversicherten Personen an. Diese Versicherung ist gesetzlich verpflichtend, auch wenn diejenigen, die das Land verlassen, sich \u00fcblicherweise abmelden, um keine Beitr\u00e4ge zahlen zu m\u00fcssen. Daraus schloss er, dass im Jahr 2015 300.000 Menschen weniger im Land lebten, als die offiziellen Daten nahelegten. Aus diesem Grund, so Tom\u00e1\u0161 Sobotka, Demograf am Wittgenstein-Zentrum f\u00fcr Demografie und globales Humankapital in Wien, sei die von Bleha vor der Ver\u00f6ffentlichung der aktuellen auf der Volksz\u00e4hlung basierenden Daten genannte Zahl realistisch, auch wenn er zu bedenken gibt, dass die Ermittlung exakter Werte schwierig sei. So hatten beispielsweise 106.820 Slowakinnen und Slowaken mit Ende September 2021 im nicht mehr zur EU geh\u00f6renden Vereinigten K\u00f6nigreich eine Niederlassungserlaubnis erhalten, und laut den j\u00fcngsten Zahlen waren 45.362 Slowakinnen und Slowaken in \u00d6sterreich gemeldet.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tBei einigen dieser Personen in \u00d6sterreich k\u00f6nnte es sich jedoch um Pflegekr\u00e4fte handeln, die nach wie vor in der Ostslowakei gemeldet sind. Die Zahlen aus Gro\u00dfbritannien bedeuten au\u00dferdem, dass sich tats\u00e4chlich so viele Slowakinnen und Slowaken dort aufhalten. Ein Teil derjenigen, die im Vereinigten K\u00f6nigreich einen Antrag auf Aufenthalt gestellt haben, k\u00f6nnten unter anderem slowakische Roma sein, die inzwischen in ihre Heimat zur\u00fcckgekehrt sind, sich und ihren Familien bei Bedarf aber die M\u00f6glichkeit einer legalen Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis offengehalten haben. Unzuverl\u00e4ssige Bev\u00f6lkerungszahlen sind nicht nur deshalb ein Problem, weil sie die staatliche Planung erschweren. In der Slowakei h\u00e4ngen Zahlungen der Zentralregierung an lokale Beh\u00f6rden von der Anzahl der gem\u00e4\u00df Volksz\u00e4hlung in der jeweiligen Gemeinde lebenden Menschen ab.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tHeute leben in Bratislava sch\u00e4tzungsweise 600.000 Menschen, die die kommunalen Dienstleistungen usw. in Anspruch nehmen, aber laut den auf der Volksz\u00e4hlung basierenden Daten sind es nur 475.503, die mit ihren Steuern die Allgemeinheit unterst\u00fctzen. Als die Zahlen im Dezember ver\u00f6ffentlicht wurden, verlangte der B\u00fcrgermeister eine Erkl\u00e4rung angesichts der Tatsache, dass in der Stadt mindestens 20.000 Menschen mehr gemeldet sind, als die Volksz\u00e4hlungsdaten besagen, und weitere 100.000 Menschen in Bratislava leben, die andernorts gemeldet sind.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tWenn nicht jetzt, wann dann?<\/strong><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tDie Slowakei ist nicht das einzige europ\u00e4ische Land, in dem man M\u00fche hat herauszufinden, wie viele Menschen tats\u00e4chlich im eigenen Land leben. Sie ist auch nicht das einzige Land, dessen Politikerinnen und Politiker wohl oder \u00fcbel \u00fcber den n\u00e4chsten Wahltermin hinaus planen m\u00fcssen. Va\u0148o zufolge wird beispielsweise das Thema der \u00dcberalterung in einem Jahrzehnt kritisch werden, aber \u201ef\u00fcr unsere Politiker ist das zu langfristig\u201c. Das Problem sei, so Va\u0148o, dass sie in zehn Jahren feststellen werden, dass es zu sp\u00e4t ist, etwas zu unternehmen, die Sache aber eigentlich jetzt, da sie an der Macht sind, angegangen werden m\u00fcsste.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tOriginal auf Englisch. Erstmals publiziert am 27. J\u00e4nner\u00a02022 auf\u00a0Reportingdemocracy.org<\/a>\u00a0einer journalistischen Plattform des Balkan Investigative Reporting Network. Der vorliegende Text ist im Rahmen des\u00a0Europe\u2019s Futures<\/a>\u00a0Projekts entstanden. \n\tDieser Text ist urheberrechtlich gesch\u00fctzt: \u00a9 Tim Judah. Bei Interesse an Wiederver\u00f6ffentlichung bitten wir um Kontaktaufnahme mit der Redaktion<\/a>. Urheberrechtliche Angaben zu Bildern, Grafiken und Videos sind direkt bei den Abbildungen bzw. am Beginn vermerkt. Titelbild: Illustration Ewelina Karpowiak \/ Klawe Rzeczy<\/em><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tReporting Democracy<\/a> ist eine grenz\u00fcberschreitende journalistische Plattform, die sich der Frage widmet, wohin sich die Demokratie in weiten Teilen Europas entwickelt. Neben der st\u00e4ndigen Produktion von Reportagen, Interviews und analytischen Artikeln durch eigene Korrespondenten, unterst\u00fctzt Reporting Democracy lokale Journalisten, indem es Geschichten in Auftrag gibt und Zusch\u00fcsse f\u00fcr eingehende Reportagen und Recherchen bereitstellt. Das Fellowship for Journalistic Excellence<\/a> ist Teil von Reporting Democracy. Beides wird vom Balkan Investigative Reporting Network (BIRN) realisiert und umgesetzt und von der ERSTE Stiftung unterst\u00fctzt.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":" Die Slowakei ist nicht das einzige europ\u00e4ische Land, in dem man M\u00fche hat herauszufinden, wie viele Menschen tats\u00e4chlich im eigenen Land leben. Tim Judah hat die Eigenheiten des Landes unter die Lupe genommen.<\/p>\n","protected":false},"author":184,"featured_media":9315,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[433,360],"tags":[429,280,449,604,105,366],"formats":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9335"}],"collection":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/184"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9335"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9335\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9392,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9335\/revisions\/9392"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/9315"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9335"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9335"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9335"},{"taxonomy":"format","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/formats?post=9335"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}\n\t\n\t<\/div>\t
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Aus dem Englischen von\u00a0Barbara Maya<\/a>.<\/em><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n
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