{"id":8615,"date":"2022-10-04T08:10:48","date_gmt":"2022-10-04T08:10:48","guid":{"rendered":"https:\/\/tippingpoint.net\/?p=8615"},"modified":"2022-12-22T12:28:54","modified_gmt":"2022-12-22T12:28:54","slug":"ukraine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/ukraine\/","title":{"rendered":"Ukraine"},"content":{"rendered":"<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<strong>Vor dem Krieg war <strong>Kyjiw<\/strong> eine Stadt mit einer pulsierenden und aufstrebenden Kreativszene. Doch dann stellte der Angriff Russlands die junge Generation pl\u00f6tzlich vor die Wahl: fliehen oder f\u00fcr die Freiheit k\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tSeit seiner Kindheit tr\u00e4umte Vlad Shast davon, die Ukraine zu verlassen. Sein Geburtsland, das Menschen wie ihm nie eine geborgene Heimat bot. Shast passt nicht in die klassischen Rollenbilder von Frauen und M\u00e4nnern, die viele seiner Landsleute vertreten. \u201eIch bin weder ein Mann noch eine Frau, sondern beides gleichzeitig. Ich habe etwas von beiden Seiten und will mich nicht f\u00fcr eine entscheiden m\u00fcssen\u201c, erkl\u00e4rt der 26-J\u00e4hrige, der bis zum 24. Februar sein Geld als Stylist und Perfomance-K\u00fcnstler in Kyjiw verdiente. Doch als Russland die Ukraine angriff, schloss sich Shast den \u201eTerritorialen Verteidigungskr\u00e4ften\u201c an, die im Jahr 2014 als Reaktion auf den Ausbruch des Krieges in der Ostukraine gegr\u00fcndet wurden und mittlerweile offiziell Teil der ukrainischen Streitkr\u00e4fte sind. Auf seiner Camouflage-Jacke tr\u00e4gt er stolz einen Aufn\u00e4her mit seinem Kampfnamen: Britney.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tSeine Freunde und Freundinnen im Ausland konnten es nicht fassen und fragten verwundert: \u201eWarum bleibst du?\u201c \u201eMein Verh\u00e4ltnis zur Ukraine ist gest\u00f6rt\u201c, antwortet Shast. \u201eAber ich wei\u00df, dass ich das Richtige mache. Ich stehe nicht f\u00fcr die ukrainische Nation ein, sondern f\u00fcr die Menschheit. Denn die russische Aggression ist nicht nur ein Angriff auf die Ukraine, sie ist ein Angriff auf die zivilisierte Welt\u201c, sagt Shast. \u201eWenn ich in einer friedlichen Welt leben will, wenn ich eine Zukunft f\u00fcr meine Familie und meine Freunde will, muss ich hier sein und mich gegen dieses Unrecht wehren.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t\n<figure class=\"block-image-caption\">\n\t<div class=\"image-wrap block-image-caption__image-wrap\" data-align=\"center center\">\n\n\t\t\t<img\n\t\t\tsrc=\"https:\/\/tippingpoint.net\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Copy-of-1_DSC08468-2022-09-09-13_26_11_small-scaled.jpg\"\n\t\t\tclass=\"image  block-image-caption__image\"\n\t\t\talt=\"\"\n\t\t\/>\n\t\n\t<\/div>\t<figcaption>\n\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--small paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-image-caption__paragraph\">\n\t&#8220;Mein Verh\u00e4ltnis zur Ukraine ist gest\u00f6rt. Aber ich wei\u00df, dass ich das Richtige mache. Ich stehe nicht f\u00fcr die ukrainische Nation ein, sondern f\u00fcr die Menschheit,&#8221; erkl\u00e4rt Vlad Shast.<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tDie \u00c4rmel seiner Armeejacke hochgekrempelt, auf Plateau-Sneakers und mit einem Hauch Glitzerpuder im Gesicht \u2013 so betritt Shast das hippe Caf\u00e9 in der zentralen Einkaufsstra\u00dfe in Kyjiw, das mit alten B\u00fcchern und Vintage-Schreibmaschinen dekoriert ist und wo das junge Publikum bei Cappuccino gedankenverloren \u00fcber Schachbrettern und MacBooks br\u00fctet. Selbstbewusst platziert Shast seine Spendenbox aus Plexiglas auf dem Tresen, \u00fcber dem die Kellnerin gerade eine hausgemachte Quiche hinwegreicht.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tShast k\u00e4mpft nicht an der Front, sondern engagiert sich als freiwilliger Helfer f\u00fcr bed\u00fcrftige Menschen in der Region, die mit dem N\u00f6tigsten versorgt werden m\u00fcssen. \u201eObijmi\u201c \u2013 Umarmung, so hei\u00dft die Wohlt\u00e4tigkeitsorganisation, die er Anfang Mai gegr\u00fcndet hat. Nach mehr als drei Monaten Krieg haben viele Menschen ihren Job verloren und leben in existentieller Not. Mit seinem Team aus 20 Leuten bringt Shast deshalb Lebensmittel, Kleidung und Medikamente in die Kyjiwer Vororte, unterst\u00fctzt die K\u00e4mpfer und versorgt, wann immer es m\u00f6glich ist, auch Haustiere, die zur\u00fcckgeblieben sind. Ein paar Tage sp\u00e4ter f\u00e4hrt er dann noch einmal hin, um zu kontrollieren, ob die Hilfsg\u00fcter auch wirklich ankommen. \u201eDie Ukraine ist korrupt, und es gibt noch immer Leute, die sich bereichern. Es ist, wie es ist. Aber jetzt sind wir in der Lage, gegen diese Leute vorzugehen. Und wir werden ein neues Land aufbauen und es besser machen.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t\n<figure class=\"block-image-caption\">\n\t<div class=\"image-wrap block-image-caption__image-wrap\" data-align=\"center center\">\n\n\t\t\t<img\n\t\t\tsrc=\"https:\/\/tippingpoint.net\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Copy-of-3_DSC08511-2022-09-09-13_26_36_small.jpg\"\n\t\t\tclass=\"image  block-image-caption__image\"\n\t\t\talt=\"\"\n\t\t\/>\n\t\n\t<\/div>\t<figcaption>\n\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--small paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-image-caption__paragraph\">\n\tShast schloss sich den \u201eTerritorialen Verteidigungskr\u00e4ften\u201c an, Kampfname: Britney.<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tShast wei\u00df, wovon er spricht. Er wuchs in einem Dorf im zentralukrainischen Oblast Kirowohrad auf. Bis er 16 war, durchlebte er seinen ganz pers\u00f6nlichen Alptraum: \u201eIch wurde jeden Tag gemobbt. Ich wusste damals nicht, dass ich nichtbin\u00e4r bin, ich hatte noch nie von diesem Begriff geh\u00f6rt. Doch die st\u00e4ndigen Anfeindungen haben mich zu einer st\u00e4rkeren Person gemacht.\u201c Mittlerweile erfahren queere Menschen wie er in der Ukraine etwas mehr Akzeptanz. Immerhin, so Shast, ginge die Regierung nicht aggressiv gegen sie vor, so wie es in Russland der Fall ist. <\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--biggest paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-quote__paragraph\">\n\t\u201eDie Ukraine ist korrupt, und es gibt noch immer Leute, die sich bereichern. Es ist, wie es ist. Aber jetzt sind wir in der Lage, gegen diese Leute vorzugehen. Und wir werden ein neues Land aufbauen und es besser machen.\u201c<\/p><p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--small paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-quote__author\">\n\t\u2014 Vlad Shast (26) hat sein Geld als Stylist und Perfomance-K\u00fcnstler in Kyjiw verdient.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tIn St\u00e4dten wie Kyjiw gibt es heute auch sichere Orte f\u00fcr die Community, den Kyrylivska-Club etwa, dessen Er\u00f6ffnung im Jahr 2019 f\u00fcr viele die inoffizielle Geburtsstunde der ukrainischen Queer-Kultur markiert. \u201eEndlich haben wir diesen Ort, an dem wir auf diese innere Suche gehen k\u00f6nnen, um herauszufinden, wer wir sind, mit wem wir Sex oder ob wir \u00fcberhaupt Sex haben wollen. Man kann sich verwandeln und dar\u00fcber sprechen. Das ist der gr\u00f6\u00dfte Unterschied zu Russland.\u201c Doch der Weg, den Shast bis hierher hinter sich legen musste, war lang. \u201eIn meiner dunkelsten Zeit war ich alkohol- und amphetamins\u00fcchtig. Das ging einher mit meinem Club-Leben und dem Versuch, vor mir selbst wegzulaufen, weil ich nicht das Ma\u00df an Akzeptanz um mich herum hatte und die Hilfe, die ich brauchte.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t\n<figure class=\"block-image-caption\">\n\t<div class=\"image-wrap block-image-caption__image-wrap\" data-align=\"center center\">\n\n\t\t\t<img\n\t\t\tsrc=\"https:\/\/tippingpoint.net\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Copy-of-2_DSC08501-2022-09-09-13_26_12_small.jpg\"\n\t\t\tclass=\"image  block-image-caption__image\"\n\t\t\talt=\"\"\n\t\t\/>\n\t\n\t<\/div>\t<figcaption>\n\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--small paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-image-caption__paragraph\">\n\tIn seine Wohnung im 16. Stock eines himmelblauen Wohnhauses, das sich in der N\u00e4he des Bahnhofs befindet, ist Shast erst vor einem Monat wieder zur\u00fcckgekehrt. Davor lebte er wochenlang mit seiner Mutter in einem Einkaufszentrum. Seit den Luftangriffen auf Kyjiw ist die Angst davor, in einem Hochhaus zu wohnen, gro\u00df.<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tIn seine Wohnung im 16. Stock eines himmelblauen Wohnhauses, das sich in der N\u00e4he des Bahnhofs befindet, ist Shast erst vor einem Monat wieder zur\u00fcckgekehrt. Davor lebte er wochenlang mit seiner Mutter in einem Einkaufszentrum. Seit den Luftangriffen auf Kyjiw ist die Angst davor, in einem Hochhaus zu wohnen, gro\u00df. Im Wohnzimmer erinnern halb abgebrannte R\u00e4ucherst\u00e4bchen, eine friedvoll dreinblickende Buddha-Statue, Federboas und extravaganten Kost\u00fcme an die Zeit vor dem Krieg. Als noch Platz war f\u00fcr Selbstverwirklichung, Selfcare und Partys. \u201eMein Leben ist auf Eis gelegt\u201c, stellt Shast n\u00fcchtern fest. Heute widmet er seine Energie ganz denjenigen, die weniger Gl\u00fcck als er haben.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tZehntausende Menschenleben hat der russische Angriffskrieg bereits gekostet und die Bev\u00f6lkerung eines ganzen Landes terrorisiert. Junge Ukrainer und Ukrainerinnen, die vorher in St\u00e4dten wie Kyjiw eine Perspektive hatten, stellte er pl\u00f6tzlich vor die Wahl: fliehen oder f\u00fcr die Freiheit k\u00e4mpfen?<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tAuch die beiden stadtbekannten Stra\u00dfenk\u00fcnstlerinnen Michelle und Nicol Feldman entschieden sich f\u00fcrs Bleiben. Die zweieiigen Zwillinge, die sich mit ihren Graffitis und Murals schon auf vielen Mauern in der Stadt verewigt haben, tragen Baggy-Hosen und festes Schuhwerk, mit dem man Skaten kann \u2013 oder eben auf Panzerigel klettern, die heute das Kyjiwer Stra\u00dfenbild pr\u00e4gen. Bis vor Kurzem lebten die Schwestern mit den blond gef\u00e4rbten Haaren das relativ sorglose Leben, das 25-J\u00e4hrige f\u00fchren sollten. Sie interessierten sich f\u00fcr Kunst, reisten, feierten Partys. \u201eWir wollten einfach unser Leben genie\u00dfen\u201c, sagt Nicol. \u201eSeit der Krieg anfing, sind wir unfassbar w\u00fctend.\u201c W\u00fctend \u00fcber das russische Gerede von der Entnazifizierung der Ukraine und \u00fcber Putin, der dem Land seine Existenzberechtigung abspricht. Und w\u00fctend dar\u00fcber, dass mittlerweile mehr als 14 Millionen Ukrainer und Ukrainerinnen fliehen mussten: F\u00fcnf Millionen haben das Land verlassen, der Rest suchte in anderen Regionen innerhalb der Ukraine Schutz.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t\n<figure class=\"block-image-caption\">\n\t<div class=\"image-wrap block-image-caption__image-wrap\" data-align=\"center center\">\n\n\t\t\t<img\n\t\t\tsrc=\"https:\/\/tippingpoint.net\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Copy-of-7_DSC08889-2022-09-09-13_27_28_small.jpg\"\n\t\t\tclass=\"image  block-image-caption__image\"\n\t\t\talt=\"\"\n\t\t\/>\n\t\n\t<\/div>\t<figcaption>\n\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--small paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-image-caption__paragraph\">\n\tDie beiden stadtbekannten Stra\u00dfenk\u00fcnstlerinnen Michelle und Nicol Feldman haben sich mit ihren Graffitis und Murals schon auf vielen Mauern in der Stadt verewigt.<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tDas Geschwisterpaar wuchs in einer j\u00fcdischen Familie in der Stadt Dnipro auf. Die Mutter ist Malerin, ein Bruder ist Schauspieler und der andere Tattoo-K\u00fcnstler. Und Vater Boris der ehemalige Vizepr\u00e4sident der Slawjanskij-Bank. In den Nullerjahren wurde er unter dem damaligen Pr\u00e4sidenten Leonid Kutschma zu vier Jahren Gef\u00e4ngnis verurteilt. Kutschmas Amtszeit war von zahlreichen Korruptionsskandalen und der Beschneidung der Medienfreiheit gepr\u00e4gt. Die Verurteilung Feldmans f\u00fchrte damals zu einem Aufschrei von Menschenrechtsaktivisten und -aktivistinnen. Das Verfahren sei nicht fair gewesen. Doch der Protest half nichts, Michelles und Nicols Vater musste hinter Gitter. \u201eWir waren damals acht Jahre alt und haben ihm ein Bild geschenkt\u201c, erz\u00e4hlt Michelle. \u201eSo haben wir angefangen zu malen.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--biggest paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-quote__paragraph\">\n\t\u201eWenn man einfach nur lebt und alles in Ordnung ist, k\u00fcmmert man sich nicht um die eigene politische Geschichte. Und pl\u00f6tzlich betrifft es einen und man begreift, dass man lernen und sich bilden muss.\u201c\u00a0<\/p><p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--small paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-quote__author\">\n\t\u2014 Nicol Feldman (25) und ihre Schwester Michelle arbeiten als K\u00fcnstlerinnen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tVor acht Jahren, nach der Maidan-Revolution, zogen die beiden Schwestern nach Kyjiw. Am Anfang lebten beide in einem Hostel namens Dream Story. \u201eMonatelang haben wir uns das Zimmer zu zehnt geteilt, aber das macht uns nichts aus, weil wir selbst aus einer gro\u00dfen Familie kommen\u201c, erkl\u00e4rt Nicol. Manchmal sprechen sie auf Russisch, manchmal auf Ukrainisch. Politik habe sie nie interessiert, erz\u00e4hlen die beiden Schwestern. \u201eWenn man einfach nur lebt und alles in Ordnung ist, k\u00fcmmert man sich nicht um die eigene politische Geschichte. Und pl\u00f6tzlich betrifft es einen und man begreift, dass man lernen und sich bilden muss\u201c, sagt Nicol. W\u00e4hrend die zwei erz\u00e4hlen, heult in der Stadt die Sirene auf, eine t\u00e4gliche Begleiterscheinung des Krieges. \u201eWir sind das Ger\u00e4usch schon gewohnt. Wir sind die Angst gewohnt. Aber an jedem Tag, an dem wir in Kyjiw aufwachen, sind wir gl\u00fccklich hier zu sein\u201c, erz\u00e4hlt Michelle. Ihre Kunst besch\u00e4ftigt sich mit dem Krieg oder mit ukrainischen Themen und Symbolen. Und sie sind damit nicht allein.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t\n<figure class=\"block-image-caption\">\n\t<div class=\"image-wrap block-image-caption__image-wrap\" data-align=\"center center\">\n\n\t\t\t<img\n\t\t\tsrc=\"https:\/\/tippingpoint.net\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Copy-of-8_DSC09052-2022-09-09-13_27_29_small.jpg\"\n\t\t\tclass=\"image  block-image-caption__image\"\n\t\t\talt=\"\"\n\t\t\/>\n\t\n\t<\/div>\t<figcaption>\n\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--small paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-image-caption__paragraph\">\n\tBis vor Kurzem lebten die Schwestern mit den blond gef\u00e4rbten Haaren das relativ sorglose Leben, das 25-J\u00e4hrige f\u00fchren sollten. Sie interessierten sich f\u00fcr Kunst, reisten, feierten Partys.<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tAn einem sonnigen Tag im Mai, den man am liebsten mit Freunden im Park verbringen m\u00f6chte, arbeitet Vitalii Symonenko allein an seinen Tracks. Seit dem Krieg vergisst der DJ oft, seine Wohnung im vierten Stock eines sowjetischen Geb\u00e4udes zu verlassen. Symonenko ist Mitte 30, hat kurz rasierte Haare und tr\u00e4gt einen silbernen Ohrring. Auf dem Weg ins Wohnzimmer bahnt er sich den Weg vorbei an einer Menge Sneakers, Dr. Martens, Lederjacken und Topfpflanzen, die auf dem Boden herumstehen, aber von denen nicht alle die letzten Monate heil \u00fcberstanden haben. An den W\u00e4nden h\u00e4ngen improvisiert angebrachte, stylische Stofffetzen, f\u00fcr die Katze, zum Kratzen. Es hat viele Monate und Diskussionen mit der Besitzerin gebraucht, bis er und seine Partnerin endlich die vielen Schichten an postsowjetischen Tapeten und PVA-Kleber entfernen durften und die Wohnung so einrichten konnten, wie sie sie haben wollten. Im Arbeitszimmer angekommen, setzt sich der gro\u00dfe schlaksige Mann in eine H\u00e4ngematte und schaukelt vor den Fenstern hin und her, die \u2013 wie es dieser Tage in der Ukraine \u00fcblich ist \u2013 mit Klebeband abgesichert sind. Zum Schutz vor Glassplittern bei Luftangriffen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<div class=\"story-card block-story-card__story-card\">\n\t<hr class=\"story-card__divider\">\n\t<div class=\"story-card__wrap\">\n\t\t<a class=\"story-card__image-container\" href=\"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/donezk-hip-hop\/\">\n\t\t\t<div class=\"image-wrap story-card__image-wrap\" data-align=\"center center\">\n\n\t\t\t<div\n\t\t\tstyle=\"background-image:url(https:\/\/tippingpoint.net\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/hiphop5_pano-1200x646.jpg)\"\n\t\t\tclass=\"image image--bg story-card__image\"\n\t\t>\n\t\t<\/div>\n\t\n\t<\/div>\t\t<\/a>\n\t\t<div class=\"story-card__content\">\n\t\t\t<a \n\thref=\"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/donezk-hip-hop\/\"\n\tid=\"\"\n\tclass=\"link-heading link-heading__color--primary link-heading__size--small link-heading__align--left link-heading__font--primary  link-heading--no-margin story-card__link-heading\"\n>\n\t<h2 class=\"link-heading__heading\" >\n\t\tDonezk Hip-Hop\t<\/h2>\n<\/a>\t\t\t<a href=\"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/donezk-hip-hop\/\" class=\"story-card__link\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--small paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal story-card__paragraph\">\n\tEinst als Hochburg des Rap sowohl in der Ukraine als auch in Russland ber\u00fchmt.<\/p>\t\t\t<\/a>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\t<hr class=\"story-card__divider\">\n<\/div>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tTrotz n\u00e4chtlicher Ausgangssperre und t\u00e4glichem Luftalarm ist die Atmosph\u00e4re in Kyjiw nicht mehr vergleichbar mit der zu Anfang des Krieges, als der Angriff auf die Hauptstadt noch in vollem Gange war. Viele Menschen sind zur\u00fcckgekehrt und viele Lokale haben wieder ge\u00f6ffnet. Viele, nicht alle. \u201eSelbst jetzt versuchen die Bullen noch immer uns Probleme zu machen und filzen uns, weil sie denken, dass wir kiffen. Der Krieg geht weiter, aber sie versuchen, Leute zu verhaften wegen Gras\u201c, erz\u00e4hlt Symonenko. Seit neun Jahren legt er in Kyjiw auf, das kurz vor dem Angriffskrieg von vielen noch als \u201edas neue Berlin\u201c bezeichnet wurde. Daf\u00fcr stand vor allem das Szeneviertel Podil mit seinen Clubs, Bars und kreativen Menschen wie Symonenko, die hier arbeiten. <\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t\u201eAber nur f\u00fcnf Kilometer von hier stadtausw\u00e4rts wirst du bereits mit der postsowjetischen Grobheit konfrontiert. Und du verstehst, dass du in einer Blase lebst, die dich leicht vergessen l\u00e4sst, wo du dich wirklich befindest\u201c, sagt er. Vor dem Krieg konnte er den Vergleich mit Berlin vielleicht noch mit einem ironischen Augenzwinkern durchgehen lassen. Heute ginge das schon allein aufgrund der politischen Haltung Deutschlands nicht mehr. \u201eBerlin ist sch\u00f6n, die Atmosph\u00e4re ist besonders. Vielleicht gehe ich irgendwann mal wieder dorthin\u201c, sagt Symonenko. Aber der z\u00f6gerliche politische Kurs der deutschen Regierung ist den meisten Ukrainern und Ukrainerinnen ein R\u00e4tsel. \u201eViele dieser \u201aaufgekl\u00e4rten\u2018 Gesellschaften in Europa sind nicht bereit, Demokratie und Freiheit aktiv zu verteidigen, sondern nehmen sie als selbstverst\u00e4ndlich hin. Was viele Linke nicht verstehen: Kapitulation bedeutet f\u00fcr uns den Tod.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--biggest paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-quote__paragraph\">\n\t\u201eViele dieser \u201aaufgekl\u00e4rten\u2018 Gesellschaften in Europa sind nicht bereit, Demokratie und Freiheit aktiv zu verteidigen, sondern nehmen sie als selbstverst\u00e4ndlich hin. Was viele Linke nicht verstehen: Kapitulation bedeutet f\u00fcr uns den Tod.\u201c<\/p><p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--small paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-quote__author\">\n\t\u2014 Vitalii Symonenko, Musikproduzent und DJ<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tSo wie alle M\u00e4nner im wehrf\u00e4higen Alter stand auch er am 24. Februar unter Schock, und vor der Frage: Wie weitermachen? Flucht war keine Option, weil die Regierung das Kriegsrecht erlassen hat. Die ersten drei N\u00e4chte verbrachte er mit seiner Partnerin im Keller ihres Wohnhauses. Dann packten sie ihre Sachen und flohen nach Lwiw, Richtung ukrainisch-polnische Grenze. \u201eWir sind auf den Schie\u00dfstand und brachten uns bei, wie man eine Waffe bedient. Es w\u00e4re einfach unglaublich d\u00e4mlich, wenn wir nicht w\u00fcssten, wie man schie\u00dft, wenn wir von den Russen \u00fcberfallen werden.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t\n<figure class=\"block-image-caption\">\n\t<div class=\"image-wrap block-image-caption__image-wrap\" data-align=\"center center\">\n\n\t\t\t<img\n\t\t\tsrc=\"https:\/\/tippingpoint.net\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Copy-of-6_DSC08787-2022-09-09-13_27_02_small.jpg\"\n\t\t\tclass=\"image  block-image-caption__image\"\n\t\t\talt=\"\"\n\t\t\/>\n\t\n\t<\/div>\t<figcaption>\n\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--small paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-image-caption__paragraph\">\n\tVitalii Symonenko wuchs in Luhansk auf. Vor zehn Jahren, als es noch keinen Krieg in der Ostukraine gab, dachte Symonenko noch anders \u00fcber Russland. Er lebte sogar f\u00fcr einige Zeit in Moskau. Und er hat Verwandte dort, von denen sich jedoch keiner bei ihm gemeldet hat, seitdem die russischen Truppen sein Land angriffen. Seine Muttersprache Russisch will er heute nicht mehr sprechen.<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tVieles von dem, was derzeit in der Ukraine passiert, hat Symonenko schon einmal erlebt. Er wuchs in Luhansk auf, in der ostukrainischen Donbas-Region, die seit Jahren unter russischer Kontrolle steht und wo seit 2014 gek\u00e4mpft wird. Seine Eltern sind noch immer dort. Das letzte Mal hat er sie im August des Vorjahres gesehen. \u201eIch habe sie in die Karpaten eingeladen, in die Westukraine, weil ich wollte, dass sie unsere Kultur sehen und sich inspirieren lassen. Und es hat funktioniert. Sie waren die ganze Zeit am Nachdenken, sie haben reflektiert\u201c, sagt Symonenko. Doch die Eltern haben ihr ganzes Leben in Luhansk verbracht, haben ihre Arbeit, ihren Besitz, ihre Freunde dort. So einfach ziehen Menschen im h\u00f6heren Alter nicht mehr um und beginnen ein neues Leben. Symonenko erkl\u00e4rt, dass er vorsichtig sein muss mit dem, was er sagt. \u201eEs ist schon \u00f6fter vorgekommen, dass ich in Radiointerviews meine Meinung sagte und meine Eltern daraufhin bedroht wurden. Sie stehen in der Mitte. Sie sind keine Russen. Aber sie sind auch keine Ukrainer mehr. Sie leben in einer Gegend, in der der Rubel eingef\u00fchrt wurde und wo das russische Milit\u00e4r die Kontrolle aus\u00fcbt. Und die russische Propaganda ist wie eine Seuche.\u201c Vor zehn Jahren, als es noch keinen Krieg in der Ostukraine gab, dachte Symonenko noch anders \u00fcber Russland. Er lebte sogar f\u00fcr einige Zeit in Moskau. Und er hat Verwandte dort, von denen sich jedoch keiner bei ihm gemeldet hat, seitdem die russischen Truppen sein Land angriffen. Seine Muttersprache Russisch will er heute nicht mehr sprechen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tAus den Lautsprechern wummern seine Techno-Kl\u00e4nge, konzentriert sitzt er vor seinem PC. Viele seiner Nachbarn seien geflohen, aber die, die noch da sind, seien kulant, wenn es um seine laute Musik geht. \u201eMusik zu machen ist wie Magie. Sie erscheint aus dem Nichts\u201c, schw\u00e4rmt er. Fr\u00fcher spielte er in einer Indierock-Band, vor f\u00fcnf Jahren wagte er sich an Techno heran. \u201eJetzt ist nicht die Zeit zum Feiern. Es w\u00fcrde sich falsch anf\u00fchlen, Party zu machen.\u201c Musik produziert er trotzdem. Einer seiner neuesten Tracks hei\u00dft \u201eRussky voyenny korabl, idi na khuy\u201c, eine Hommage an die M\u00e4nner des ukrainischen Grenzschutzes auf der Schlangeninsel im Schwarzen Meer. Sie wurden am ersten Tag des Krieges vom russischen Kriegsschiff Moskwa \u00fcber Funk aufgefordert, sich zu ergeben. Ihre Antwort an die russischen Angreifer: \u201eRussisches Kriegsschiff, fick dich.\u201c Der Audiomitschnitt des Funkgespr\u00e4chs hat in der Ukraine Kultstatus erlangt und ist mittlerweile \u00fcberall im Land auf T-Shirts, Socken, Autoscheiben und Hausw\u00e4nden zu lesen. \u201eDer Satz steht f\u00fcr unseren Widerstand\u201c, sagt Symonenko. \u201eIch stand unter Schock, wie alle. Aber als ich diesen Spruch h\u00f6rte, habe ich mir gesagt: Okay, es ist Zeit etwas zu unternehmen. Zeit f\u00fcr Beats.\u201c Insgesamt zehn sollen es werden. \u201eDer Letzte soll erscheinen, wenn die Ukraine den Krieg gewinnt.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--small paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<em>Erstmals publiziert in der Ausgabe #02\/2022 (Juni) von\u00a0<a href=\"https:\/\/period.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">period.<\/a><\/em><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--small paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<em>Dieser Text ist urheberrechtlich gesch\u00fctzt: \u00a9 Daniela Prugger \/ period. Bei Interesse an Wiederver\u00f6ffentlichung bitten wir um Kontaktaufnahme mit der <a href=\"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/kontakt\/\">Redaktion<\/a>. Urheberrechtliche Angaben zu Bildern, Grafiken und Videos sind direkt bei den Abbildungen bzw. am Beginn vermerkt. Titelbild: Bis vor Kurzem lebten die Schwestern und stadtbekannten Stra\u00dfenk\u00fcnstlerinnen Michelle und Nicol Feldman mit den blond gef\u00e4rbten Haaren das relativ sorglose Leben, das 25-J\u00e4hrige f\u00fchren sollten.<\/em> <em>Foto: Astrig Agopian<\/em><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Magie, die bleibt.<\/p>\n","protected":false},"author":184,"featured_media":8618,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[436,299],"tags":[210,375,253,255,264,558,531],"formats":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8615"}],"collection":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/184"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8615"}],"version-history":[{"count":27,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8615\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8956,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8615\/revisions\/8956"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8618"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8615"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8615"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8615"},{"taxonomy":"format","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/formats?post=8615"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}