{"id":8222,"date":"2022-08-24T12:56:26","date_gmt":"2022-08-24T12:56:26","guid":{"rendered":"https:\/\/tippingpoint.net\/?p=8222"},"modified":"2022-10-07T09:48:26","modified_gmt":"2022-10-07T09:48:26","slug":"kriegsverbrechen-gehoeren-auch-deshalb-vor-gericht-damit-die-wahrheit-ueber-den-krieg-bestaetigt-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/kriegsverbrechen-gehoeren-auch-deshalb-vor-gericht-damit-die-wahrheit-ueber-den-krieg-bestaetigt-wird\/","title":{"rendered":"“Die Wahrheit ist wichtig f\u00fcr zuk\u00fcnftige Generationen!”"},"content":{"rendered":"\n\n\t\n\t\t\t
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\n\tDie renommierte\u00a0kroatische Journalistin und Schriftstellerin Slavenka Drakuli\u0107<\/strong> stellt die Verbrechen im ehemaligen Jugoslawien, mit denen sie sich intensiv besch\u00e4ftigt hat, den Verbrechen gegen\u00fcber, die die russische Armee gegenw\u00e4rtig in der Ukraine ver\u00fcbt.<\/strong><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tSlavenka Drakuli\u0107 schildert in ihrem Buch Keiner war dabei. Kriegsverbrechen auf dem Balkan vor Gericht<\/em> Schicksale von mehr oder weniger bekannten Beteiligten an Verbrechen w\u00e4hrend der Kriege in Ex-Jugoslawien, wof\u00fcr sie Materialien und Verhandlungsakten des Internationalen Strafgerichtshofs f\u00fcr das ehemalige Jugoslawien in Den Haag detailliert ausgewertet hat.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tIn ihren Geschichten verweist sie auf die Psychologie manipulierter Staatsb\u00fcrger \u2013 damals hatten ganz normale Leute, die eigentlich Kellner oder Fischer von Beruf waren, ihre Sensibilit\u00e4t verloren und waren pl\u00f6tzlich f\u00e4hig, noch die abscheulichsten Dinge zu tun: ihre einstigen Landsleute oder Nachbarn zu foltern, zu vergewaltigen und zu t\u00f6ten \u2013 nur weil sie einer anderen Ethnie angeh\u00f6rten.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\t\u201eIch hoffe, das ist mein letztes Buch vom Krieg\u201c, hatte die Schriftstellerin 2004 gesagt. \u201eWer h\u00e4tte damals geglaubt, dass mein Buch wieder so aktuell sein wird?\u201c, \u00e4u\u00dferte sie jetzt gegen\u00fcber der slowakischen Tageszeitung\u00a0Denn\u00edk N<\/a><\/em>.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tSchon vor dem Ausbruch des Kriegs in der Ukraine hatten Sicherheitsorgane mehrerer Staaten auf Verlautbarungen der russischen Propaganda hingewiesen. Sie, Frau Drakuli\u0107, erinnern daran, dass gerade der Missbrauch von Medien durch Politiker auch zum Krieg in Ex-Jugoslawien gef\u00fchrt hat. Worin sind Ihrer Meinung nach \u2013 abgesehen von den neuen Technologien \u2013 die damaligen Kampagnen mit der gegenw\u00e4rtigen Propaganda Russlands vergleichbar, und worin liegen die Unterschiede?<\/strong><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tWir haben es hier mit dem gleichen Vorgehen, den gleichen Prinzipien, den gleichen Zielen zu tun. Unterschiedlich ist nur der Kontext in den jeweiligen L\u00e4ndern, wo zu solchen Methoden gegriffen wird. Ein grundlegendes Ziel von Propaganda ist es, einen Unterschied zwischen \u201euns\u201c und \u201edenen da\u201c zu kreieren. Wenn man klar benennt, wer \u201edie da\u201c sind, braucht man sie nur noch zu Feinden zu machen, ihnen das Menschliche abzusprechen. Das ist eine Vorbereitung auf den Krieg, in dem ein Soldat nicht mehr wahrnimmt, dass er andere Menschen t\u00f6tet, ob nun K\u00e4mpfer oder Zivilisten, er muss so programmiert sein, dass er Nicht-Lebewesen vernichtet.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\t“Die explosivste Kriegspropagandamischung entsteht aus historischen Halbwahrheiten unter Hinzuf\u00fcgung von ein paar nationalen Mythen, Vorurteilen, L\u00fcgen und Versprechungen.”<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tIch habe gesehen, wie die Propaganda im ehemaligen Jugoslawien funktioniert hat. Letzten Endes hatten wir in jedem der fr\u00fcheren kommunistischen L\u00e4nder eine offizielle Geschichtsschreibung, die von der kommunistischen Partei kontrolliert wurde. Je weniger Menschen die Wahrheit und die Fakten kennen, desto einfacher lassen sie sich manipulieren. Die explosivste Kriegspropagandamischung entsteht aus historischen Halbwahrheiten unter Hinzuf\u00fcgung von ein paar nationalen Mythen, Vorurteilen, L\u00fcgen und Versprechungen. Nat\u00fcrlich ist so etwas in einem totalit\u00e4ren Regime leichter als in einer Demokratie. Das Wesen von Propaganda ist aber immer gleich und sie l\u00e4sst sich auch im Westen gut nutzen. Erinnern Sie sich noch an Donald Trump und Fox News?<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tSie haben geschrieben, dass die Welt der Ukraine wesentlich mehr Aufmerksamkeit widmet als vor Jahren den Balkankriegen. Haben Sie den Eindruck, dass die internationale Gemeinschaft etwas aus den damaligen Fehlern gelernt hat? Erwarten Sie, dass sie noch nennenswert eingreifen wird, nicht erst nach einem dramatischen Zuwachs der zivilen Opferzahlen?<\/strong><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tLeider lernen wir nichts aus der Geschichte, oder zumindest nicht genug. Eine historische Parallele zu den Kriegen im ehemaligen Jugoslawien ist nur bis zu einem gewissen Punkt m\u00f6glich. Obwohl Putins Strategie derjenigen \u00e4hnelt, die Slobodan Milo\u0161evi\u010d angewandt hat, ist Russland im Unterschied zu Serbien eine milit\u00e4rische Gro\u00dfmacht, die durch ihr Kernwaffenarsenal besonders gef\u00e4hrlich ist. Die Europ\u00e4ische Union hat in den Neunzigerjahren den Kriegen in Jugoslawien keine gro\u00dfe Aufmerksamkeit geschenkt, denn diese Kriege haben f\u00fcr niemanden au\u00dfer f\u00fcr die k\u00e4mpfenden Parteien eine Bedrohung dargestellt. Im Unterschied dazu \u00e4ndert dieser Krieg schon jetzt die politischen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse und das allt\u00e4gliche Leben der Menschen. Die Politiker m\u00fcssen ihn ernst nehmen. Ob das allerdings zu einem direkten Eingreifen f\u00fchren k\u00f6nnte, zum Beispiel durch NATO-Staaten? Da habe ich gro\u00dfe Zweifel.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tSie haben \u00fcber Akteure bei Massenverbrechen auf dem Balkan geschrieben, die an das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag \u00fcbergeben worden sind. Wie sch\u00e4tzen Sie die aktuellen Bem\u00fchungen ein, Kriegsverbrechen in der Ukraine zu dokumentieren?<\/strong><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tIch bin froh, dass die Verbrechen russischer Einheiten in der Ukraine, wie etwa in Butscha, bereits jetzt vom Internationalen Strafgerichtshof untersucht werden. Der f\u00fchrende V\u00f6lkerrechtsexperte Philippe Sands setzt sich f\u00fcr die Schaffung eines Sondertribunals f\u00fcr die Verbrechen dieses Angriffskriegs ein. Dass Kriegsverbrecher tats\u00e4chlich vor Gericht landen, w\u00e4re aus mindestens zwei Gr\u00fcnden enorm wichtig: die Fakten w\u00fcrden eindeutig best\u00e4tigt und es w\u00fcrde Gerechtigkeit ge\u00fcbt. Das Haager Tribunal hat im Endeffekt Prozesse gegen lediglich zweihundert Verbrecher gef\u00fchrt, trotz tausender von Verd\u00e4chtigen. Es war physisch unm\u00f6glich, dass sich alle einem solchen Prozess stellen konnten.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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