{"id":7699,"date":"2022-05-05T05:48:00","date_gmt":"2022-05-05T05:48:00","guid":{"rendered":"https:\/\/tippingpoint.net\/?p=7699"},"modified":"2022-06-01T09:13:05","modified_gmt":"2022-06-01T09:13:05","slug":"klimaangst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/klimaangst\/","title":{"rendered":"Klimaangst"},"content":{"rendered":"\n\n\t\n\t\t\t
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\n\tEs gibt viele Geschichten wie jene von Philip, Alma und Paula. Was sich wie ein roter Faden durchzieht: Sie haben Angst vor den Folgen des Klimawandels. Diese Angst wurde l\u00e4ngst zum gesellschaftliche Ph\u00e4nomen, am st\u00e4rksten ausgepr\u00e4gt ist sie bei jungen Menschen. Aber wie geht man am besten damit um?<\/strong><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tEr sieht sich nicht in einem Garten, nicht friedlich auf einer Veranda. Er sieht nicht, wie er seinen Enkeln beim Spielen zusieht, ihnen die Berge, die er so liebt, zeigt. Wenn Philip Mauer* an die Zukunft denkt, dann sieht er Chaos. Er sieht eine unertr\u00e4gliche Normalit\u00e4t: Urlaub im Norden, w\u00e4hrend der S\u00fcden brennt. Trinkwasser, das Luxus wird. Eine Zukunft des Hungers und des Krieges, des Mangels. Eine, in der wir vermissen, was uns jetzt allt\u00e4glich erscheint. Er stellt sich vor, seinen Enkeln neue Geschichten vorzulesen, nicht mehr von Eisb\u00e4ren oder dem Amazonas, sondern von einer merkw\u00fcrdigen Gegenwart, einer der st\u00e4ndigen Zerst\u00f6rung. Er sagt: \u201eDie positiven Zukunftsbilder sind mir verloren gegangen.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tPhilip Mauer, 32, arbeitet als Projektleiter in einer F\u00f6rderagentur. Er ist Vater eines Dreij\u00e4hrigen, tr\u00e4gt einen kurzen Bart und blaue Jeans. Er zog zum Studium nach Wien. Und er hat Angst vor der Klimakrise. Damit ist Philip nicht alleine. Laut einer internationalen Studie<\/a> denken 75 Prozent der Menschen zwischen 16 und 25 Jahren, dass die Zukunft be\u00e4ngstigend ist, und 45 Prozent sagen, dass Sorgen um die Klimakrise ihren Tag negativ beeinflussen. F\u00fcr sie ist die Klimakrise nicht weit weg, nicht morgen. Sie ist jetzt, sie belastet sie jeden Tag. W\u00e4hrend solche \u00c4ngste immer wieder als unnat\u00fcrlich beschrieben werden, sind sich die meisten Expert:innen einig: Die \u00c4ngste von Menschen, die sich vor der Klimakrise f\u00fcrchten, m\u00fcssen ernst genommen werden.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tF\u00fcr Philip war es eine kleine Nachricht, die das erste Mal echte Angst ausl\u00f6ste. Welche genau es war, wei\u00df er nicht mehr. Aber er erinnert sich noch, was er gef\u00fchlt hat. \u201eIch habe so richtig die Lust am Leben verloren\u201c, sagt Philip. Alles kam ihm sinnlos vor. Sein eigenes Leben so klein, so unbedeutend, in Anbetracht der Krise. Lange sagt Philip sich, dass die Klimakrise weit weg ist, dass er nichts machen kann. Seit sein Sohn auf der Welt ist, geht das f\u00fcr ihn nicht mehr. Die Angst kommt immer \u00f6fter. Er sagt: \u201eIch f\u00fcrchte mich davor, was die Klimakrise mit unserer Gesellschaft machen wird.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tBis 2050 werden zus\u00e4tzliche 93 Millionen Menschen im n\u00f6rdlichen Mittelmeerraum von Hitze betroffen sein. Bis zu 20.000 Hitzetote im Jahr k\u00f6nnte es dann geben.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tEr wei\u00df: Schon jetzt gibt es in \u00d6sterreich deutlich mehr Hitzetage mit Temperaturen \u00fcber 30 Grad. Zwischen 1961 und 1990 verzeichnete die ZAMG<\/a> in den meisten \u00f6sterreichischen Landeshauptst\u00e4dten pro Jahr zwischen f\u00fcnf und elf Hitzetage. Zwischen 1991 und 2020 ma\u00df sie 16 bis 22 Hitzetage. Welche schlimmen Folgen Hitze hat, machen Prognosen des Weltklimarats<\/a> deutlich: Bis 2050 werden zus\u00e4tzliche 93 Millionen Menschen im n\u00f6rdlichen Mittelmeerraum von Hitze betroffen sein. Bis zu 20.000 Hitzetote im Jahr k\u00f6nnte es dann geben. Insgesamt kann die Klimakrise dazu f\u00fchren, dass es zu mehr Hunger und Kriegen kommt, das Wasser knapp wird und \u2013 so ein Entwurf des neuen Berichts des Weltklimarats \u2013 unsere Zivilisation langfristig gef\u00e4hrden.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tDie Klimakrise hei\u00dft also Bedrohung. Johannes Klackl, der im Fachbereich Psychologie der Uni Salzburg forscht, sagt deshalb: \u201eAngst vor der Klimakrise ist nicht pathologisch, sondern gerechtfertigt.\u201c Klimaangst ist eine nat\u00fcrliche Reaktion auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Klimaforschung. Sie ist eben nicht, wie die meisten anderen \u00c4ngste, Zeichen einer psychischen Erkrankung. F\u00fcr Klackl ist es zentral, diese \u00c4ngste ernst zu nehmen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tDoch oft geschieht das nicht. Angst vor der Klimakrise wird als pers\u00f6nliches Problem dargestellt, warnen die deutschen Psychologists for Future. Dabei sei Klimaangst eine \u201eglobale Bedrohung, die nur gesellschaftlich-politisch \u00fcberwindbar ist.\u201c In einer Aussendung stellen sie sich gegen den Versuch, das Ph\u00e4nomen als krankhaft zu beschreiben. Sie finden: Menschen wie Philip verhalten sich nicht irrational, sondern vern\u00fcnftig.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tSo geht es auch der 16-j\u00e4hrigen Paula. Sie ist Aktivistin bei Fridays for Future. Sie geht tr\u00e4gt ein oversized T-Shirt und braune Locken. Paula geht in M\u00f6dling bei Wien zur Schule, sie f\u00e4hrt mit einem alten Fahrrad, das sie liebt, obwohl die meisten G\u00e4nge kaputt sind.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tKlimaangst ist eine nat\u00fcrliche Reaktion auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Klimaforschung. Sie ist eben nicht, wie die meisten anderen \u00c4ngste, Zeichen einer psychischen Erkrankung.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tEinmal, es ist schon Jahre her, hat Paula beim Siedler-von-Catan-Spielen pl\u00f6tzlich geweint. \u201eIch habe auf einmal daran denken m\u00fcssen, dass es im Amazonas brennt und die ganze Welt kaputt geht und ich nichts machen kann\u201c, sagt sie und r\u00fcckt die silberne Brille zurecht. Paula sieht zu Boden. \u201eFeminist\u201c steht auf einem von Paulas wei\u00dfen Fairfashion-Sneakers, \u201eEs wird wunderbar\u201c auf dem andern. Damals, als sie pl\u00f6tzlich w\u00e4hrend eines Brettspiels verzweifelte, haben ihre Eltern versucht sie zu tr\u00f6sten, die j\u00fcngere Schwester war richtig schockiert. Aber so richtig geholfen hat ihr das nicht.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tDennoch: Nicht alle Bev\u00f6lkerungsgruppen sind gleich stark von Klimaangst betroffen. Laut US-amerikanischen Umfragen<\/a> betrifft sie vor allem wei\u00dfe Menschen, auch wenn People of Colour und indigene Menschen \u00fcberproportional oft von den Folgen der Klimakrise betroffen sind.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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