{"id":7699,"date":"2022-05-05T05:48:00","date_gmt":"2022-05-05T05:48:00","guid":{"rendered":"https:\/\/tippingpoint.net\/?p=7699"},"modified":"2022-06-01T09:13:05","modified_gmt":"2022-06-01T09:13:05","slug":"klimaangst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/klimaangst\/","title":{"rendered":"Klimaangst"},"content":{"rendered":"
\n\tEs gibt viele Geschichten wie jene von Philip, Alma und Paula. Was sich wie ein roter Faden durchzieht: Sie haben Angst vor den Folgen des Klimawandels. Diese Angst wurde l\u00e4ngst zum gesellschaftliche Ph\u00e4nomen, am st\u00e4rksten ausgepr\u00e4gt ist sie bei jungen Menschen. Aber wie geht man am besten damit um?<\/strong><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tEr sieht sich nicht in einem Garten, nicht friedlich auf einer Veranda. Er sieht nicht, wie er seinen Enkeln beim Spielen zusieht, ihnen die Berge, die er so liebt, zeigt. Wenn Philip Mauer* an die Zukunft denkt, dann sieht er Chaos. Er sieht eine unertr\u00e4gliche Normalit\u00e4t: Urlaub im Norden, w\u00e4hrend der S\u00fcden brennt. Trinkwasser, das Luxus wird. Eine Zukunft des Hungers und des Krieges, des Mangels. Eine, in der wir vermissen, was uns jetzt allt\u00e4glich erscheint. Er stellt sich vor, seinen Enkeln neue Geschichten vorzulesen, nicht mehr von Eisb\u00e4ren oder dem Amazonas, sondern von einer merkw\u00fcrdigen Gegenwart, einer der st\u00e4ndigen Zerst\u00f6rung. Er sagt: \u201eDie positiven Zukunftsbilder sind mir verloren gegangen.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tPhilip Mauer, 32, arbeitet als Projektleiter in einer F\u00f6rderagentur. Er ist Vater eines Dreij\u00e4hrigen, tr\u00e4gt einen kurzen Bart und blaue Jeans. Er zog zum Studium nach Wien. Und er hat Angst vor der Klimakrise. Damit ist Philip nicht alleine. Laut einer internationalen Studie<\/a> denken 75 Prozent der Menschen zwischen 16 und 25 Jahren, dass die Zukunft be\u00e4ngstigend ist, und 45 Prozent sagen, dass Sorgen um die Klimakrise ihren Tag negativ beeinflussen. F\u00fcr sie ist die Klimakrise nicht weit weg, nicht morgen. Sie ist jetzt, sie belastet sie jeden Tag. W\u00e4hrend solche \u00c4ngste immer wieder als unnat\u00fcrlich beschrieben werden, sind sich die meisten Expert:innen einig: Die \u00c4ngste von Menschen, die sich vor der Klimakrise f\u00fcrchten, m\u00fcssen ernst genommen werden.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tF\u00fcr Philip war es eine kleine Nachricht, die das erste Mal echte Angst ausl\u00f6ste. Welche genau es war, wei\u00df er nicht mehr. Aber er erinnert sich noch, was er gef\u00fchlt hat. \u201eIch habe so richtig die Lust am Leben verloren\u201c, sagt Philip. Alles kam ihm sinnlos vor. Sein eigenes Leben so klein, so unbedeutend, in Anbetracht der Krise. Lange sagt Philip sich, dass die Klimakrise weit weg ist, dass er nichts machen kann. Seit sein Sohn auf der Welt ist, geht das f\u00fcr ihn nicht mehr. Die Angst kommt immer \u00f6fter. Er sagt: \u201eIch f\u00fcrchte mich davor, was die Klimakrise mit unserer Gesellschaft machen wird.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tBis 2050 werden zus\u00e4tzliche 93 Millionen Menschen im n\u00f6rdlichen Mittelmeerraum von Hitze betroffen sein. Bis zu 20.000 Hitzetote im Jahr k\u00f6nnte es dann geben.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tEr wei\u00df: Schon jetzt gibt es in \u00d6sterreich deutlich mehr Hitzetage mit Temperaturen \u00fcber 30 Grad. Zwischen 1961 und 1990 verzeichnete die ZAMG<\/a> in den meisten \u00f6sterreichischen Landeshauptst\u00e4dten pro Jahr zwischen f\u00fcnf und elf Hitzetage. Zwischen 1991 und 2020 ma\u00df sie 16 bis 22 Hitzetage. Welche schlimmen Folgen Hitze hat, machen Prognosen des Weltklimarats<\/a> deutlich: Bis 2050 werden zus\u00e4tzliche 93 Millionen Menschen im n\u00f6rdlichen Mittelmeerraum von Hitze betroffen sein. Bis zu 20.000 Hitzetote im Jahr k\u00f6nnte es dann geben. Insgesamt kann die Klimakrise dazu f\u00fchren, dass es zu mehr Hunger und Kriegen kommt, das Wasser knapp wird und \u2013 so ein Entwurf des neuen Berichts des Weltklimarats \u2013 unsere Zivilisation langfristig gef\u00e4hrden.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tDie Klimakrise hei\u00dft also Bedrohung. Johannes Klackl, der im Fachbereich Psychologie der Uni Salzburg forscht, sagt deshalb: \u201eAngst vor der Klimakrise ist nicht pathologisch, sondern gerechtfertigt.\u201c Klimaangst ist eine nat\u00fcrliche Reaktion auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Klimaforschung. Sie ist eben nicht, wie die meisten anderen \u00c4ngste, Zeichen einer psychischen Erkrankung. F\u00fcr Klackl ist es zentral, diese \u00c4ngste ernst zu nehmen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tDoch oft geschieht das nicht. Angst vor der Klimakrise wird als pers\u00f6nliches Problem dargestellt, warnen die deutschen Psychologists for Future. Dabei sei Klimaangst eine \u201eglobale Bedrohung, die nur gesellschaftlich-politisch \u00fcberwindbar ist.\u201c In einer Aussendung stellen sie sich gegen den Versuch, das Ph\u00e4nomen als krankhaft zu beschreiben. Sie finden: Menschen wie Philip verhalten sich nicht irrational, sondern vern\u00fcnftig.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tSo geht es auch der 16-j\u00e4hrigen Paula. Sie ist Aktivistin bei Fridays for Future. Sie geht tr\u00e4gt ein oversized T-Shirt und braune Locken. Paula geht in M\u00f6dling bei Wien zur Schule, sie f\u00e4hrt mit einem alten Fahrrad, das sie liebt, obwohl die meisten G\u00e4nge kaputt sind.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tKlimaangst ist eine nat\u00fcrliche Reaktion auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Klimaforschung. Sie ist eben nicht, wie die meisten anderen \u00c4ngste, Zeichen einer psychischen Erkrankung.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tEinmal, es ist schon Jahre her, hat Paula beim Siedler-von-Catan-Spielen pl\u00f6tzlich geweint. \u201eIch habe auf einmal daran denken m\u00fcssen, dass es im Amazonas brennt und die ganze Welt kaputt geht und ich nichts machen kann\u201c, sagt sie und r\u00fcckt die silberne Brille zurecht. Paula sieht zu Boden. \u201eFeminist\u201c steht auf einem von Paulas wei\u00dfen Fairfashion-Sneakers, \u201eEs wird wunderbar\u201c auf dem andern. Damals, als sie pl\u00f6tzlich w\u00e4hrend eines Brettspiels verzweifelte, haben ihre Eltern versucht sie zu tr\u00f6sten, die j\u00fcngere Schwester war richtig schockiert. Aber so richtig geholfen hat ihr das nicht.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tDennoch: Nicht alle Bev\u00f6lkerungsgruppen sind gleich stark von Klimaangst betroffen. Laut US-amerikanischen Umfragen<\/a> betrifft sie vor allem wei\u00dfe Menschen, auch wenn People of Colour und indigene Menschen \u00fcberproportional oft von den Folgen der Klimakrise betroffen sind.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tB\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger im Kampf gegen die Einschr\u00e4nkung unserer Freiheit<\/p>\t\t\t<\/a>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\t \n\tNoomi Anyanwu, Sprecherin des Black-Voices-Volksbegehren, wundert das nicht. \u201eDie Klimakrise ist auf Rassismus aufgebaut\u201c, sagt sie. In \u00d6sterreich fehle People of Colour oft Repr\u00e4sentation. Deshalb, so Anyanwu, ber\u00fchre sie das Thema auch weniger. Aber mehr noch: \u201eF\u00fcr sehr viele Menschen sind die Folgen der Klimakrise schon da, immer wieder werden PoC und ihre Realit\u00e4ten ignoriert. Es geht um wei\u00dfe Kinder, eine wei\u00dfe Zukunft.\u201c\u00a0<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tDie Autorin Sarah Jaquette Ray warnt davor<\/a>, dass Klimaangst zu einer noch gr\u00f6\u00dferen Versch\u00e4rfung von wei\u00dfem Privileg und gesellschaftlicher Spaltung f\u00fchren kann. Denn die Klimakrise als Krise der Zukunft zu erz\u00e4hlen, ignoriert, wie viele Menschen jetzt schon unter den Folgen leiden.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tF\u00fcr den Psychologen Eder ist offen, was mit einer Gesellschaft passiert, die so viel dar\u00fcber wei\u00df, dass sie ihre eigene Existenz gef\u00e4hrdet. \u201eDas ist ein Erstlingsereignis\u201c, sagt Klackl. \u201eEs war noch nie der Fall, das wir wussten, dass es in wenigen Jahrzehnten sehr wahrscheinlich sehr schrecklich wird.\u201c Der Experte sieht \u00c4ngste von Menschen wie Eder aber durchaus auch positiv: \u201eDiese Angst kann dazu motivieren, etwas zu tun,\u201c sagt Klackl. Noch k\u00f6nne man die Prognosen \u00e4ndern.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tGenau das ist es, was Paula am meisten hilft: Das Gef\u00fchl, etwas zu ver\u00e4ndern. \u201eAuf Demos oder wenn ich das Gef\u00fchl habe, geh\u00f6rt zu werden, verschwindet die Angst. Wenn ich ein Interview gebe oder eine Rede schreibe\u201c, sagt sie. Seit sie aktiv ist, ist die Angst weniger geworden. Trotzdem: \u201eIch denke immer wieder, \u201aWas, wenn das der letzte Schnee ist, der letzte normale Winter\u2018\u201c, sagt sie. \u201eIch habe Angst, dass alles anders wird.\u201c Angst, ihre Normalit\u00e4t zu verlieren.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\t\u201eEs war noch nie der Fall, das wir wussten, dass es in wenigen Jahrzehnten sehr wahrscheinlich sehr schrecklich wird.\u201c<\/p> \n\t\u2014 Johannes Klackl, Abteilung Sozialpsychologie, Paris Lodron Universit\u00e4t Salzburg<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tDoch sie wei\u00df: Das wird sie. Die Klimakrise \u00e4ndert alles: Noch verfehlen fast alle Regierungen das im Pariser Klimaabkommen festgehaltene 1,5-Grad-Ziel: Eigentlich haben sich alle Staaten der Welt verpflichtet, die Erderw\u00e4rmung bis 2100 auf h\u00f6chstens 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Niveau zu beschr\u00e4nken. Das ist essenziell, um zu gew\u00e4hrleisten, dass wir in einem stabilen Klima, der Welt, wie wir sie kennen, weiterleben. Doch im November 2021 f\u00fchren die Ziele der L\u00e4nder laut Climate Action Tracker bis 2100 zu einer Erderw\u00e4rmung von etwa 2.7 Grad.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tDamit steuern wir auf das sogenannte \u201eHothouse Earth\u201c-Szenario zu, in dem uns noch mehr D\u00fcrre, extreme Hitze, Hunger und aller Voraussicht nach Kriege erwarten. Erreichen wir die Ziele des Pariser Klimaabkommens nicht, steuern wir auf mehrere Kippunkte zu. Dann verst\u00e4rken sich die Effekte der Klimakrise von selbst noch mehr. Der Klimawandel wird irreversibel.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tIllustration: Samanta Tobisch<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tPaula wei\u00df das. Seit sie im Herbst 2020 bei Fridays for Future begonnen hat, geht es ihr besser. Sie f\u00fchlt sich verstanden, unter Gleichgesinnten geh\u00f6rt. Und sie hat das Gef\u00fchl, etwas zu ver\u00e4ndern. Trotzdem fragt sie sich, ob es genug, ob es das Richtige ist. Die Klimakrise sei so gro\u00df, da komme sie sich mit allem, das sie tue, immer wieder ziemlich klein vor.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\t\u201eManchmal habe ich noch immer Panik\u201c, sagt sie. Der Aktivismus, das Leben im Bewusstsein der Krise, ist Teil ihrer Identit\u00e4t geworden. Fr\u00fcher wollte sie mal einen Bauernhof haben und sich dort ein einfaches Leben machen. Jetzt kann sie sich das nicht mehr vorstellen. \u201eIch glaube, ich werde immer das Gef\u00fchl haben, dass ich etwas f\u00fcr die Welt machen will.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tAber die meisten Menschen sind nicht wie Paula, sie werden keine Aktivist:innen. Das liegt aber nicht unbedingt daran, dass sie die Krise nicht verstanden, dass sie keine Angst h\u00e4tten. Die 24-j\u00e4hrige Alma stellt wegen der Klimakrise in Frage, was sie mit ihrem Leben tun m\u00f6chte. \u201eIch bin Musikerin und das finde ich wundersch\u00f6n\u201c, sagt sie. \u201eAber ich frage mich, ob das noch eine Berechtigung hat.\u201c F\u00fcr Alma ist die Klimakrise so grundlegend, dass sie denkt, es w\u00e4re vielleicht wichtiger, Essen zu produzieren, zu helfen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\t\u201eIch bin Musikerin und das finde ich wundersch\u00f6n. Aber ich frage mich, ob das noch eine Berechtigung hat, ob Kunst in der Klimakrise \u00fcberhaupt noch Sinn macht.”<\/p> \n\t\u2014 Alma, 24 Jahre<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tAlma meditiert, sie sagt, sie versucht sich auf die guten Sachen zu fokussieren, zu genie\u00dfen was sie macht. Sie pflanzt Gem\u00fcse auf ihrem Balkon an, versucht kein Fleisch mehr zu essen. Sie tr\u00e4umt von Umweltkatastrophen. Dennoch: Die Angst vor der Zukunft kommt immer wieder. Wie eine Welle nimmt sie Alma mit. Sie ist hoffnungslos, verzweifelt. \u201eIch frage mich, ob Kunst in der Klimakrise \u00fcberhaupt noch Sinn macht,\u201c sagt sie. Auf Demos geht sie trotzdem nicht. \u201eIch habe mir \u00fcberlegt das zu machen, aber dann denke ich mir, das ich eigentlich nicht wei\u00df, wieviel Sinn es macht.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tAuch Philip geht nicht regelm\u00e4\u00dfig auf Demos. Aber er hat sein Leben umgestellt, seit er um die Klimakrise wei\u00df. Er kauft bewusster ein, isst kaum Fleisch. Er sagt: \u201eIch fliege nicht mehr f\u00fcr 23 Euro nach Barcelona.\u201c Als Aktivist sieht er sich trotzdem nicht. Warum, das kann er gar nicht so genau sagen. Irgendwie hat er Angst, irgendwie keine Zeit, keine Gruppe, die wirklich zu ihm passt. Er hat das Gef\u00fchl, mit dem Thema alleine zu sein, dass sich die Gesellschaft nicht darum k\u00fcmmert. \u201eEs ist gar nicht nur Angst, es ist auch gro\u00dfe \u00dcberforderung\u201c, sagt er. F\u00fcr Philip versagen die Medien, die Politik, die Gesellschaft.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tTrotz ihrer gro\u00dfen Angst gehen weder Alma noch Philip auf die Stra\u00dfe \u2013 und das obwohl belegt ist, dass Klimaaktivismus Ver\u00e4nderung bringen kann: Eine Studie des Wiener Politikwissenschaftlers Reinhard Steurer fand eine Korrelation zwischen Klimapolitik und Klimaaktivismus: In L\u00e4ndern, in denen es Klimaproteste gab, wurde bessere Klimapolitik gemacht. Und eine Studie<\/a> aus dem Jahr 2018 belegt, dass sich soziale Normen \u00e4ndern, wenn sich 25 Prozent der Gesellschaft f\u00fcr ein Thema, zum Beispiel die Klimakrise, engagieren. Wenn also ein Viertel der Bev\u00f6lkerung f\u00fcr Klimaschutz engagiert ist, kann das dazu f\u00fchren, dass besserer Klimaschutz umgesetzt wird und die \u00c4ngste von Philip, Paula und Alma nicht wahr werden.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tAber wieso sind es nicht 25 Prozent, die sich engagieren? Liegt das daran, dass Angst bekanntlich l\u00e4hmt? Nein, sagt Psychologe Klackl. In einem Experiment habe er feststellen k\u00f6nnen, dass Angst und Besorgnis dazu f\u00fchren k\u00f6nnen, dass Menschen eine umweltfreundlichere Einstellung entwickeln.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tTeil der L\u00f6sung, das k\u00f6nnte aber genau unsere Kultur sein, die Alma so in Frage stellt, sagt Johannes Klackl von der Universit\u00e4t Salzburg. Denn die Art und Weise, wie wir leben, hilft uns, mit Angst umzugehen: \u201eWir klammern uns gerade wegen der Angst mehr und mehr an die Kultur\u201c, sagt er. Diese Kultur oder Lebensweise ist aber oft klimasch\u00e4dlich: Wir fahren mit dem Auto oder g\u00f6nnen uns ein Steak. \u201eDie Kultur muss sich \u00e4ndern\u201c, so Klackl.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tTalk Europe! with Charlotte Ruhe<\/p>\t\t\t<\/a>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\t \n\tPhilip glaubt nicht mehr ans 1,5-Grad-Ziel, an eine gute Zukunft im stabilen Weltklima. \u201eIch habe mich darauf eingestellt, dass es uns in Zukunft nicht mehr gut geht.\u201c Philip plant sein Leben im st\u00e4ndigen Bewusstsein der Krise. Er \u00fcberlegt, wo er vielleicht noch eine Wohnung kaufen kann, wo er und seine Familie auch in Zukunft sicher sein k\u00f6nnen. Im August wird er nicht mehr nach Kroatien fahren. Er erwartet schon den n\u00e4chsten Waldbrand.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tNat\u00fcrlich tr\u00e4umt auch er vom sch\u00f6nen, vom leichten Leben in einer heilen Welt. Aber Philip kann nicht mehr weitermachen, nicht so tun, als w\u00e4re nichts. \u201eIch dachte, ich kann mich darauf einstellen, was kommt,\u201c sagt er. \u201eAber ich bin von der Entwicklung \u00fcberrollt worden.\u201c Dieser Sommer mit einem Tornado in Tschechien, mit \u00dcberschwemmungen in Deutschland und \u00d6sterreich, mit Waldbr\u00e4nden am Mittelmeer, sei einfach zu viel gewesen. Es ist einfach zu schlimm, sagt Philip. \u201eIch brauche das Gef\u00fchl, es interessiert mehr Menschen.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tPsychologe Johannes Klackl kennt viele Geschichten wie jene von Philip, Alma und Paula. Diese Angst, vor allem von jungen Leuten, h\u00e4lt er f\u00fcr eine gesellschaftliche Aufgabe. Auch diese Angst mache die Klimakrise zu einem Problem im Hier und Jetzt, so der Experte. Er sagt: \u201eWir haben dann die Aufgabe, die Gesellschaft so zu \u00e4ndern, dass junge Menschen nicht in Angst leben m\u00fcssen.\u201c Klackl ist sich sicher: Das kann gelingen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\t*Name von der Redaktion ge\u00e4ndert<\/em><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tErstmals publiziert in der Ausgabe #01\/2022 von period.<\/a><\/em><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tDieser Text ist urheberrechtlich gesch\u00fctzt: \u00a9 Clara Porak \/ period. Bei Interesse an Wiederver\u00f6ffentlichung bitten wir um Kontaktaufnahme mit der Redaktion. Urheberrechtliche Angaben zu Bildern, Grafiken und Videos sind direkt bei den Abbildungen vermerkt. Titelbild: Illustration: Samanta Tobisch<\/a><\/em><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":" Wenn die Aussicht auf eine sch\u00f6ne Zukunft fehlt.<\/p>\n","protected":false},"author":184,"featured_media":7704,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[436,299],"tags":[280,553,363,563],"formats":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7699"}],"collection":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/184"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7699"}],"version-history":[{"count":28,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7699\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8073,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7699\/revisions\/8073"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7704"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7699"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7699"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7699"},{"taxonomy":"format","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/formats?post=7699"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}
\n\t\n\t\tDrei f\u00fcr Europa\t<\/h2>\n<\/a>\t\t\t\n\t\t\t\t
\n<\/div>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\t\n\t<\/div>\t
\n\t\n\t\t“Europa kann den Weg zur Klimaneutralit\u00e4t weisen.”\t<\/h2>\n<\/a>\t\t\t\n\t\t\t\t
\n<\/div>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n