{"id":6327,"date":"2022-03-24T19:13:41","date_gmt":"2022-03-24T19:13:41","guid":{"rendered":"https:\/\/erste-foundation.byinfinum.co\/?p=6327"},"modified":"2022-06-07T20:00:53","modified_gmt":"2022-06-07T20:00:53","slug":"westbalkan-diaspora","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/westbalkan-diaspora\/","title":{"rendered":"Westbalkan-Diaspora"},"content":{"rendered":"
\n\tMan kann ohne \u00dcbertreibung behaupten, dass die Zukunft des Westbalkans vom Engagement der Diaspora in ihren Herkunftsl\u00e4ndern abh\u00e4ngt. Das Potenzial der Diaspora, die im Ausland gewonnenen Erfahrungen, das Wissen, die Netzwerke und die Visionen auf kreative Weise in ihr Land einzubringen, ist enorm und wohl der Schl\u00fcssel zum Erfolg der Region. Die Mehrheit der abgewanderten Bev\u00f6lkerung, die von den Chancen eines Arbeitsaufenthaltes im Ausland profitiert hat, hat nach wie vor eine enge Bindung zum Heimatland und will ihr Wissen und ihre Erfahrungen mit ihren Landsleuten teilen.<\/strong><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tDamit die Westbalkanstaaten jedoch in vollem Umfang von der Dynamik der internationalen Diaspora profitieren k\u00f6nnen, m\u00fcssen seitens der Regierungen eindeutige und transparente Strukturen die Emigration betreffend geschaffen werden, die eine rasche Informationsweitergabe zwischen den Gemeinschaften sowie die Portabilit\u00e4t von Sozialleistungen zwischen Staaten erm\u00f6glichen. Mit anderen Worten: Um das Potenzial, die Ressourcen und Kapazit\u00e4ten der Diaspora zur Unterst\u00fctzung der Entwicklung ihrer Heimatregion nutzen zu k\u00f6nnen, muss sie in alle entsprechenden politischen Dialoge miteinbezogen werden. Politische Entscheidungstr\u00e4ger m\u00fcssen einen klaren Rahmen f\u00fcr die Diaspora vorgeben, damit sie bei wichtigen und strategischen Entscheidungen auf staatlicher Ebene ein Mitspracherecht hat, was auch zur Schaffung eines f\u00f6rderlichen und positiven Umfelds zwischen Regierungen und ihrer Diaspora beitragen wird.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tDieses Unterfangen ist eine anspruchsvolle Aufgabe f\u00fcr jede Regierung, aber je fr\u00fcher die Westbalkanstaaten damit beginnen, das Potenzial der Diaspora zu erschlie\u00dfen, desto eher ist ein Nutzen zu erwarten. Wie auch andernorts zu beobachten ist, zeigt eine Diaspora-Politik erst Jahrzehnte sp\u00e4ter messbare Ergebnisse.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tUm zu verdeutlichen, wie wichtig eine enge Verbindung zur Diaspora ist und um aufzuzeigen, wie die Abwanderung von qualifizierten Arbeitskr\u00e4ften unmittelbare negative Folgen in den Herkunftsl\u00e4ndern haben kann, wird in dieser Arbeit besonders auf die aktuelle Krise eingegangen, die durch die globale Covid-19-Pandemie verursacht wurde, sowie auf deren Auswirkungen in L\u00e4ndern mit hohen Abwanderungsraten. Insbesondere mit Verweis auf die massive Abwanderung von medizinischem Personal wird hier die Ansicht vertreten, dass in den westlichen Balkanl\u00e4ndern M\u00f6glichkeiten und Anreize geschaffen werden m\u00fcssen, um Talente in der Region zu halten, aber auch enge Kontakte zu denjenigen zu pflegen sind, die das Land verlassen haben.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\t\u201eUnser Gesundheitssystem ist stark belastet. Wenn sich das Virus weiterhin mit dieser Geschwindigkeit ausbreitet, werden wir nicht in der Lage sein, allen, die sie ben\u00f6tigen, eine angemessene und schnelle medizinische Versorgung zukommen zu lassen.\u201c Dieser Appell stammt von Marko Lugonja, einem praktischen Arzt und Spezialisten f\u00fcr Bauchchirurgie in der Republika Srpska in Bosnien und Herzegowina, vom Juni 2020. \u00c4hnliche Appelle waren auch anderswo in der Region zu h\u00f6ren.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tW\u00e4hrend die Zahl der Infizierten jeden Tag zunimmt, schlagen \u00c4rztinnen und \u00c4rzte aus den Westbalkanl\u00e4ndern aufgrund ihrer zunehmenden \u00dcberforderung und der \u00dcberlastung des Gesundheitssystems Alarm. \u201eWir sind seit Langem am Limit\u201d, erkl\u00e4rten junge, in den Kliniken der Republika Srpska in Bosnien und Herzegowina t\u00e4tige Medizinerinnen und Mediziner.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tMit \u00fcber 300 neuen Covid-19-F\u00e4llen pro Tag im August 2020 und mittlerweile Hunderten Toten haben die L\u00e4nder der Region, insbesondere Serbien und Bosnien, mit den Auswirkungen der Pandemie schwer zu k\u00e4mpfen. Die Kapazit\u00e4ten der Krankenh\u00e4user sind ausgelastet, es fehlt an medizinischem Personal, und die Ressourcen des Gesundheitssystems sind ersch\u00f6pft.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tF\u00fcr Expertinnen und Experten der Region ist das Unverm\u00f6gen des Gesundheitssystems des Westbalkans, mit den Folgen der globalen Pandemie fertig zu werden, nicht \u00fcberraschend. Die Qualit\u00e4t der Gesundheitsversorgung in der Region nimmt bereits seit mehr als einem Jahrzehnt stark ab, was auf veraltete und desolate Ausstattung und medizinische Einrichtungen, aber auch auf den R\u00fcckgang hochqualifizierter Fach\u00e4rztinnen und -\u00e4rzte zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Die massive Abwanderung gut ausgebildeter \u00c4rztinnen und \u00c4rzte war f\u00fcr die Region schon vor der Pandemie nicht unproblematisch; Covid-19 hat den Ernst der Lage jedoch deutlich gemacht.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tMit finanzieller Unterst\u00fctzung der Europ\u00e4ischen Union wurden in den ersten Monaten der Pandemie Teilma\u00dfnahmen zur St\u00e4rkung der Kapazit\u00e4ten des Gesundheitssektors in der gesamten Region ergriffen. In Albanien wurden beispielsweise Mittel in H\u00f6he von 3,5 Milliarden Lek (1 Million US-Dollar) f\u00fcr den Ankauf von pers\u00f6nlicher Schutzausr\u00fcstung (PSA) f\u00fcr das Gesundheitspersonal bereitgestellt. \u00c4rztinnen und \u00c4rzten erhielten Zulagen in H\u00f6he von 1.000 Euro, Pflegekr\u00e4fte 500 Euro. Nationale Regierungen wandten sich au\u00dferdem an alle verf\u00fcgbaren medizinischen Fachkr\u00e4fte. Am 10. M\u00e4rz rief [Albaniens] Pr\u00e4sident Ilir Meta pensionierte albanische \u00c4rztinnen und \u00c4rzte dazu auf, ihre berufliche T\u00e4tigkeit wieder aufzunehmen. Fachkr\u00e4ften im Gesundheitsbereich und Studierenden der Medizin wurden Gehaltserh\u00f6hungen und Boni angeboten, und \u00c4rztinnen und \u00c4rzte im Ruhestand aufgefordert, wieder zu arbeiten. \u00c4hnliche Aufrufe gab es in Bosnien, Serbien und dem Rest der Region, wo Regierungen verzweifelt versuchten, ausreichendes medizinisches Personal bereitzustellen. Tatsache ist jedoch, dass es nur noch eine begrenzte Anzahl an verf\u00fcgbaren \u00c4rztinnen und \u00c4rzten, Pflegekr\u00e4ften und medizinischem Personal in der Region gibt, und dass auch die, die noch hier sind, m\u00f6glicherweise ebenso mit dem Gedanken spielen, auszuwandern.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tExport von medizinischem Personal<\/strong> \n\tLaut Angaben der \u00c4rztekammer von Bosnien und Herzegowina haben im Jahr 2016 rund 300 hochqualifizierte \u00c4rztinnen und \u00c4rzte das Land verlassen. Im September 2019 gab das Kantonskrankenhaus Zenica in Bosnien in einer \u00f6ffentlichen Erkl\u00e4rung bekannt, dass in der \u00fcber 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner z\u00e4hlenden Stadt Zenica keine neurop\u00e4diatrische Versorgung mehr gew\u00e4hrleistet ist. Zum Zeitpunkt der Ank\u00fcndigung waren zahlreiche Kinder zu Kontrolluntersuchungen angemeldet, was dazu f\u00fchrte, dass diese Termine bis auf Weiteres verschoben wurden.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tDie \u00c4rzteflucht in den Westen in den vergangenen Jahren l\u00e4sst sich in allen ehemals sozialistischen L\u00e4ndern S\u00fcdosteuropas und des Balkans beobachten. \u00c4rztinnen und \u00c4rzte aus Polen, Rum\u00e4nien, Moldawien, Bulgarien, Slowenien, Kroatien, Bosnien, Serbien, Nordmazedonien, Albanien und dem Kosovo wandern zu Tausenden aus.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tSo alarmierend sind die Auswirkungen der Auswanderung.<\/p>\t\t\t<\/a>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\t \n\tZwischen Juni 2013 und M\u00e4rz 2016 traten 4.213 Bosnierinnen und Bosnier eine Stelle im deutschen Gesundheitswesen an, wodurch sich die Gesamtzahl der in diesem Sektor in Deutschland t\u00e4tigen Bosnierinnen und Bosnier auf 10.726 erh\u00f6hte. Nach Angaben der deutschen Bundesagentur f\u00fcr Arbeit waren im M\u00e4rz 2016 in Deutschland 1.102 bosnische \u00c4rztinnen und \u00c4rzte besch\u00e4ftigt, was einen Anstieg von 20 Prozent im Zeitraum von Juni 2013 bis M\u00e4rz 2016 bedeutet. In den letzten Jahren hat sich dieser Anteil stark erh\u00f6ht. Sch\u00e4tzungen zufolge arbeitet von sechs \u00c4rztinnen und \u00c4rzten in Bosnien eine bzw. einer in Deutschland.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tEine k\u00fcrzlich in Albanien durchgef\u00fchrte Studie der gemeinn\u00fctzigen Organisation \u201eTogether for Life\u201c und der Friedrich-Ebert-Stiftung ergab, dass 78 Prozent der \u00c4rztinnen und \u00c4rzte Albanien verlassen wollen, davon 24 Prozent so schnell wie m\u00f6glich. Als Hauptgr\u00fcnde wurden in der Studie mangelnde Professionalit\u00e4t am Arbeitsplatz, unzureichende Bezahlung und schlechte Arbeitsbedingungen genannt. W\u00e4hrend Gesundheitsfachkr\u00e4fte im Kosovo bestenfalls mit ein paar hundert Euro im Monat rechnen k\u00f6nnen, liegt das Einstiegsgehalt in Deutschland bei 2.000 Euro monatlich. Am Universit\u00e4tsklinikum in Pristina, dem gr\u00f6\u00dften Krankenhaus des Kosovo, betr\u00e4gt das Monatsgehalt einer \u00c4rztin oder eines Arztes gerade einmal 632 Euro, das einer Pflegekraft 403 Euro.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tDie serbische \u00c4rztekammer stellt pro Jahr etwa 800 Unbescholtenheitsbescheinigungen aus. Der Gewerkschaft der Gesundheitsberufe im Kosovo zufolge hat das Land 400 medizinische Fachkr\u00e4fte allein im Jahr 2013 verloren, ein Trend, der sich in den Folgejahren weiter fortgesetzt hat. In Nordmazedonien verlie\u00dfen Sch\u00e4tzungen zufolge 2013 und 2014 etwa 300 \u00c4rztinnen und \u00c4rzte das Land.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tHarun Drljevi\u0107, Pr\u00e4sident der \u00c4rztekammer der bosnischen F\u00f6deration, meint dazu: \u201eDie EU-Staaten bekommen \u201afertige\u2018 Mediziner, ohne irgendetwas in deren Aus- und Weiterbildung zu investieren. Fertig ausgebildet und kostenlos! Das ist ein gro\u00dfes Geschenk f\u00fcr die Gesundheitssysteme der EU-L\u00e4nder.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tBereits vor der Covid-19-Krise waren die Folgen der massiven Abwanderung des Gesundheitspersonals vor Ort sp\u00fcrbar. Mangels ad\u00e4quatem Ersatz ist die Gesundheitsversorgung in diesen Regionen unzureichend oder schlichtweg nicht existent. Dar\u00fcber hinaus f\u00fchrt die Abwanderung von Fachkr\u00e4ften im Gesundheitswesen zu einer sektoralen Unterversorgung, die besonders in Randregionen und bei \u00e4lteren Menschen, Kindern und Frauen offenkundig ist. Die \u00c4rzteflucht wirkt sich auf die Kapazit\u00e4ten der Gesundheitssysteme ihrer Herkunftsl\u00e4nder aus und bringt diese Systeme an den Rand des Zusammenbruchs, f\u00fchrt aber auch zum Verlust von gesundheitlichen Versorgungsleistungen, Qualit\u00e4tseinbu\u00dfen in der Gesundheitsversorgung, fehlendem Mentoring, Forschung und Supervision.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tAuf EU-Ebene hat man das Problem zumindest ansatzweise erkannt und vereinzelt diskutiert. Gleichzeitig profitiert die EU aber stark von dieser Abwanderung. Deutschland, die reichste Volkswirtschaft der EU, z\u00e4hlt zu jenen L\u00e4ndern, die diesen Trend am st\u00e4rksten forcieren. Heute werden im Rahmen des neuen deutschen Gesundheitsplans Personen mit neu zugewiesenen Mitteln im Ausland ausgebildet und auf die Arbeit im deutschen Gesundheitswesen vorbereitet. Neun Millionen Euro werden zus\u00e4tzlich in die Ausbildung von Personal in anderen Sektoren f\u00fcr die Arbeit in Deutschland investiert. Kosovo, Nordmazedonien, Bosnien, die Philippinen und Kuba werden \u00fcblicherweise als m\u00f6gliche Kooperationspartner aufgef\u00fchrt. Angesichts der Tatsache, dass es in Deutschland derzeit mindestens 36.000 unbesetzte Stellen im Gesundheitswesen gibt, davon 15.000 in Seniorenheimen, \u00fcberrascht dieses Projekt nicht. Zudem wird sich die Zahl der Pflegebed\u00fcrftigen in Deutschland voraussichtlich bis zum Jahr 2060 von 2,86 Millionen auf 4,5 Millionen erh\u00f6hen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\t\u00c4rztedichte (Gesamtzahl pro 10.000 Einwohner, letztes verf\u00fcgbares Jahr)<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tIn den Monaten M\u00e4rz und April 2020, als klar wurde, dass sich die Pandemie mit beispielloser Geschwindigkeit ausbreitet, lie\u00df man in \u00d6sterreich Pflegekr\u00e4fte aus der bulgarischen Hauptstadt Sofia und der rum\u00e4nischen Stadt Timisoara mit Charterfl\u00fcgen einfliegen, um eine 24-Stunden-Betreuung in \u00d6sterreich weiterhin sicherzustellen. Interessant ist hier ein europaweiter Vergleich. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) gab es 2016 \u00f6sterreichweit knapp 52 \u00c4rztinnen und \u00c4rzte pro 10.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Das sind beinahe drei- bis viermal mehr als in Albanien und Bosnien und Herzegowina, wo es 12 bzw. 21 sind.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tWas nun?<\/strong> \n\tAngesichts eines prognostizierten Wirtschaftswachstums von weniger als 3 Prozent vor der Pandemie, das aufgrund der neuen Covid-19-Bedingungen stark r\u00fcckl\u00e4ufig ist, kann sich kein Land in der Region eine derart starke Abwanderung wirklich leisten.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tUm auf solche Herausforderungen reagieren zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen die Regierungen der Westbalkanregion die Talente hochqualifizierter B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger, die nicht ausgewandert sind, halten und nutzen. Die Einf\u00fchrung attraktiver Programme sowie die F\u00f6rderung ihrer pers\u00f6nlichen Entwicklung sind ma\u00dfgebend, um einen Braindrain zu verhindern. Programme, um die Abwanderung von Fachkr\u00e4ften zu verlangsamen, sind \u00fcberf\u00e4llig und m\u00fcssen in die Politik der einzelnen Regierungen der Westbalkanstaaten einbezogen werden.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tZirkul\u00e4re Migration als Ausweg?<\/strong> \n\tDie bekannteste Form einer geregelten Migration im ehemaligen Jugoslawien waren die Gastarbeiterprogramme in den 1950er-, 1960er- und 1970er-Jahren, im Zuge derer Deutschland gezielt gering qualifizierte Arbeitskr\u00e4fte im Industriesektor einsetzte. In j\u00fcngerer Zeit waren die Bem\u00fchungen der EU-Kommission, die zirkul\u00e4re Migration zu regulieren, relativ erfolgreich. Die Wirtschaftskrise im Jahr 2008 ver\u00e4nderte jedoch den Verlauf dieser Bem\u00fchungen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tF\u00f6rderliches Milieu f\u00fcr die Diaspora<\/strong> \n\tRegierungen k\u00f6nnen die Arbeits- und Abwanderungsdynamik innerhalb einer Gesellschaft grundlegend ver\u00e4ndern, indem sie die Portabilit\u00e4t von Sozialleistungen \u00fcber L\u00e4ndergrenzen hinweg, Zusatzausbildungen und Spezialisierungen zulassen, aber auch daf\u00fcr sorgen, dass die im Ausland erworbenen F\u00e4higkeiten in der Heimat anerkannt und gew\u00fcrdigt werden. Besonders in manchen Branchen war es noch nie so einfach wie heute, in ein anderes Land zu ziehen und dort zu arbeiten.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tEs ist \u00e4u\u00dferst wichtig, umfassende Rahmenbedingungen daf\u00fcr zu schaffen, wie zirkul\u00e4re Migration funktionieren k\u00f6nnte und wie sie an ein bestimmtes Umfeld angepasst werden kann. Das ist umso wichtiger f\u00fcr kleinere L\u00e4nder mit h\u00f6heren Abwanderungsraten qualifizierter Fachkr\u00e4fte und weniger M\u00f6glichkeiten, diese schnell zu ersetzen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tDie Grundpr\u00e4misse, dass Migrantinnen und Migranten das Recht haben sollten, in das Zielland zur\u00fcckzukehren und sich zu jedem Zeitpunkt wieder in ihrer Heimat niederzulassen, ist zumindest die Grundlage f\u00fcr zirkul\u00e4re Migration. Rechte, die mit einer solchen Regelung einhergehen, m\u00fcssen rechtzeitige und vollst\u00e4ndige Informationen \u00fcber Gegebenheiten, Arbeits- und Pensionsrechte sowie die M\u00f6glichkeit einer Doppelstaatsb\u00fcrgerschaft und eines Daueraufenthaltsrechts sicherstellen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tZirkul\u00e4re Migrationspolitik muss realit\u00e4tsnah sein, damit sie umgesetzt werden kann. Tiefgreifende und langfristige \u00c4nderungen in der Gesetzgebung und des Sozialsystems, Dienstleistungen zur Unterst\u00fctzung der zirkul\u00e4ren Migration, offene und zug\u00e4ngliche Unternehmensnetzwerke, gemeinn\u00fctziges Engagement, Ausweitung von Programmen im Ausland, Diaspora-Forschung, Diaspora-Kongresse, das Experimentieren mit neuen sozialen Technologien und die F\u00f6rderung von Verb\u00e4nden und Organisationen des Westbalkans im Ausland sind nur einige der Ma\u00dfnahmen, die ergriffen werden sollten. Mit ihrer Hilfe k\u00f6nnten die L\u00e4nder des Westbalkans Kompetenzen und Know-how rasch in konkrete Ergebnisse umsetzen. Die Einrichtung nationaler und globaler elektronischer Datenbanken, die alle Mitglieder der Diaspora und Diaspora-Organisationen umfassen, w\u00fcrde einen effizienten Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen den Gemeinschaften erm\u00f6glichen. Die bestehende Infrastruktur in der Region kann neben den nationalen Regierungen dabei eine wichtige Rolle spielen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tIm Falle des Westbalkans sollte jedes Land aktiv an der Entwicklung und Umsetzung von politischen Programmen zur F\u00f6rderung einer zirkul\u00e4ren Migration mit jenen L\u00e4ndern zusammenarbeiten, in denen die meisten seiner ausgewanderten B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger leben: Deutschland, \u00d6sterreich, Slowenien, die Vereinigten Staaten und Kanada. Serbiens neues Projekt, die Einrichtung einer Agentur f\u00fcr zirkul\u00e4re Migration, klingt vielversprechend, da nicht nur Erfahrungen an einem Ort gesammelt werden sollen, sondern auch das Modell der Zusammenarbeit zwischen Bev\u00f6lkerung und Regierung getestet wird, die oft durch gegenseitiges Misstrauen gekennzeichnet ist.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tEmigration sollte Teil eines umfassenden au\u00dfenpolitischen Dossiers werden, dem h\u00f6chste Priorit\u00e4t einzur\u00e4umen ist. Regierungen sollten ihre Ressourcen mobilisieren, um mit ihrer Diaspora in Kontakt zu treten und die M\u00f6glichkeiten einer Zusammenarbeit auszuloten. Derzeit ist das Wissen \u00fcber die Mitglieder der Diaspora, ihre Netzwerke und Qualifikationen verstreut und sehr uneinheitlich. Die Lehren aus den Erfahrungen anderer EU-L\u00e4nder zu ziehen, w\u00e4re f\u00fcr den Westbalkan ein Schritt in die richtige Richtung. Dies gilt insbesondere f\u00fcr eine sektorale und wirtschaftliche Analyse der Migration.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tZu guter Letzt liegt der Schl\u00fcssel zum Erfolg darin, tatkr\u00e4ftige Personen und Organisationen in der Diaspora zu identifizieren und sie mit den entsprechenden Personen und Organisationen in ihrem Heimatland zu vernetzen. Ein kleiner Beitrag kann einen gro\u00dfen Unterschied machen und pers\u00f6nliche Beziehungen sind essenziell. Die auf individueller Ebene gewonnenen Ressourcen k\u00f6nnen leicht skaliert werden, sofern eine gewisse strukturelle Unterst\u00fctzung vorhanden ist. Es gibt sehr reale Vorteile, erfahrene Leute tempor\u00e4r oder dauerhaft in ihr Heimatland zur\u00fcckzuholen. Allerdings erfordert dieser Ansatz auch, mit gen\u00fcgend Ressourcen und der uneingeschr\u00e4nkten Mithilfe der lokalen Regierung die n\u00f6tige Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Diaspora innerhalb des Landes aufzubauen. Zusammenfassend l\u00e4sst sich sagen, dass angesichts der derzeitigen restriktiven Einwanderungspolitik und der demografischen Herausforderungen, mit denen die Region konfrontiert ist, die zirkul\u00e4re Migration m\u00f6glicherweise die sinnvollste Strategie ist, die ein Land auf dem Westbalkan verfolgen kann.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tFazit und Empfehlungen<\/strong> \n\tAber genau diese Krise kann zu einer politischen Wende f\u00fchren. Bei kritischer Analyse ist die Covid-19-Krise eine wichtige Chance f\u00fcr Regierungen, ihre Strategien zu \u00fcberdenken, die vorhandene \u00f6ffentliche Kompetenz zu st\u00e4rken, in Wissenschaft und Forschung zu investieren, die Gesundheitssysteme in der Region zu reformieren und zu konsolidieren und sich darauf zu konzentrieren, Fachkr\u00e4fte in der Heimat zu halten, aber auch Kontakte zu jenen herzustellen und zu pflegen, die ausgewandert sind. Eine M\u00f6glichkeit, dies zu tun, ist die zirkul\u00e4re Migration.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tIn den Industriel\u00e4ndern ist die tempor\u00e4re Migration dreimal so hoch wie die Dauermigration. Zwischen 20 und 50 Prozent der Migrantinnen und Migranten verlassen ihr Zielland innerhalb von drei bis f\u00fcnf Jahren. Die Regierungen der westlichen Balkanl\u00e4nder k\u00f6nnen die Arbeits- und Abwanderungsdynamik innerhalb einer Gesellschaft grundlegend ver\u00e4ndern, indem sie die Portabilit\u00e4t von Sozialleistungen \u00fcber Landesgrenzen hinweg, Zusatzausbildungen und Spezialisierungen zulassen, aber auch daf\u00fcr sorgen, dass die im Ausland erworbenen F\u00e4higkeiten in der Heimat anerkannt und gew\u00fcrdigt werden.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tDieses System kann den Westbalkanl\u00e4ndern helfen, F\u00e4higkeiten und Know-how schnell in sichtbare Resultate umzusetzen. Beziehungen zur Diaspora erfordern, dass die Regierungen ihre Denkweise und Politik \u00e4ndern. Derzeit wird die Diaspora des Westbalkans, abgesehen von den R\u00fcck\u00fcberweisungen und vereinzelten, unregulierten (nicht-institutionellen) Verbindungen, nicht in die Politikplanung die Zukunft ihrer Herkunftsregion betreffend einbezogen. Um die Diaspora zu ermutigen, die Zukunft der Region kontinuierlich mitzugestalten, bedarf es einer bewussten Entscheidung politischer Entscheidungstr\u00e4ger, diesem Thema Priorit\u00e4t einzur\u00e4umen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tDie EU k\u00f6nnte die Beteiligung von Diaspora-Organisationen erheblich unterst\u00fctzen, indem diese in bilaterale Gespr\u00e4che zur Auswanderungspolitik einbezogen werden. Schlie\u00dflich sind die westeurop\u00e4ischen L\u00e4nder politisch und wirtschaftlich in der Region engagiert, und es liegt im gegenseitigen Interesse, dass der Westbalkan prosperiert.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tDer Artikel gibt die Meinung der Autorin wieder und repr\u00e4sentiert nicht die Standpunkte des Europe\u2019s Futures Ideas for Action Projekt, des Institut f\u00fcr die Wissenschaften vom Menschen (IWM) oder der ERSTE Stiftung.<\/em><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tOriginal auf Englisch. Erstmals publiziert am 14. Oktober 2020 auf\u00a0Europesfutures.eu<\/a>. Der vorliegende Text ist im Rahmen des\u00a0Europe\u2019s Futures<\/a>\u00a0Projekts entstanden. Ungenutztes Potenzial und Bereicherung f\u00fcr die Region<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":6652,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[436,268],"tags":[246,224,368,126],"formats":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6327"}],"collection":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6327"}],"version-history":[{"count":13,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6327\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8208,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6327\/revisions\/8208"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6652"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6327"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6327"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6327"},{"taxonomy":"format","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/formats?post=6327"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}
Die Gesundheitsversorgung der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger der westlichen Balkanl\u00e4nder finanziert sich durch eine verpflichtende Krankenversicherung, die \u00fcber ein Netzwerk von Gesundheitseinrichtungen organisiert ist. Aufgrund der jahrelangen Unterfinanzierung ist die Qualit\u00e4t des \u00f6ffentlichen Gesundheitssystems gesunken. Gesundheitsfachkr\u00e4fte sind zwar gut ausgebildet, die Ausstattung ist jedoch oft mangelhaft oder veraltet und die Geh\u00e4lter niedrig. Daher ist die Abwanderung von \u00c4rztinnen und \u00c4rzten in westliche L\u00e4nder ein zunehmendes Problem. Auch wenn die westlichen Balkanl\u00e4nder nicht zur EU geh\u00f6ren, ist es f\u00fcr \u00c4rztinnen und \u00c4rzte, Pflegekr\u00e4fte und Gesundheitspersonal relativ einfach, in ein EU-Land zu ziehen, wo die Geh\u00e4lter und Bedingungen weitaus besser sind.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n
\n\t\n\t\tWird bald der letzte Arzt den Kosovo verlassen?\t<\/h2>\n<\/a>\t\t\t\n\t\t\t\t
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Wie lange noch kann der Westbalkan das anhaltende Problem der herausfordernden demografischen Entwicklung und hohen Abwanderungsraten ignorieren? Die Bev\u00f6lkerung der Region altert: 15 Prozent sind 65 Jahre und \u00e4lter; dieser Anteil wird bis zur Mitte des Jahrhunderts auf 26 Prozent ansteigen. Angesichts der Anzahl \u00e4lterer Menschen, die mit Beginn der Pandemie zu einer gef\u00e4hrdeten Bev\u00f6lkerungsgruppe z\u00e4hlen, ist die demografische Lage in den Balkanl\u00e4ndern problematisch. Wenn die Region weiterhin qualifizierte B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger an ausl\u00e4ndische Arbeitsm\u00e4rkte verliert, wird dies wirtschaftliche, finanzielle und soziale Kosten verursachen, die nur sehr schwer zu bew\u00e4ltigen sein werden.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n
W\u00e4hrend R\u00fcck\u00fcberweisungen nach wie vor einen wichtigen Beitrag zur finanziellen Unterst\u00fctzung der Daheimgebliebenen auf dem Westbalkan leisten, haben diese Gelder bislang nur begrenzt dazu beigetragen, wesentliche Ver\u00e4nderungen in der Region anzusto\u00dfen, insbesondere im Bereich der Forschung und Wissenschaft. Das ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass das durchschnittliche Bildungsniveau der Migrantinnen und Migranten aus Bosnien und Herzegowina nach der Emigration in ein anderes Land anstieg und die meisten ihre Ausbildung in ihrem jeweiligen Zielland fortsetzten. In ihrer jetzigen Form ist die zirkul\u00e4re Migration lediglich ein unstrukturierter Prozess, der von den Migrantinnen und Migranten selbst herbeigef\u00fchrt und aufrechterhalten wird, wobei diese sowohl in ihren Herkunfts- als auch in den Ziell\u00e4ndern Netzwerke unterhalten und von diesen Netzwerken auch unabh\u00e4ngig von jeglicher Beziehung oder Verbindung zur Regierung ihres Herkunftslandes profitieren.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n
Mehr als 80 Millionen Europ\u00e4erinnen und Europ\u00e4er leben im Ausland. Zusammen w\u00fcrden sie den gr\u00f6\u00dften Staat innerhalb der EU bilden. Dazu kommt, dass die Emigration mittlerweile weit weniger dauerhaft ist als in fr\u00fcheren Jahrzehnten. Die Wahrheit ist, dass viele, die auswandern, ihrer Heimat nicht f\u00fcr immer den R\u00fccken kehren, sondern im Zuge einer sogenannten Vertragsmigration ihr Land f\u00fcr eine begrenzte Anzahl von Jahren verlassen und sp\u00e4ter zur\u00fcckkehren. Virtuelle Arbeitspl\u00e4tze und die Zunahme von online verf\u00fcgbaren Jobs tragen zu einer stetigen Verschiebung hin zu einer weniger dauerhaften Migration bei. In den Industriel\u00e4ndern ist die tempor\u00e4re Migration dreimal so hoch wie die Dauermigration, und zwischen 20 und 50 Prozent der Migrantinnen und Migranten verlassen ihr Zielland innerhalb von drei bis f\u00fcnf Jahren.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n
Die Covid-19-Pandemie hat die von den Westbalkanl\u00e4ndern seit geraumer Zeit ignorierten Unzul\u00e4nglichkeiten des \u00f6ffentlichen Systems mehr als deutlich zutage treten lassen. Hohe Abwanderungsraten hochqualifizierter Arbeitskr\u00e4fte, insbesondere \u00c4rztinnen und \u00c4rzte, gepaart mit der begrenzten Kapazit\u00e4t des Gesundheitssektors, haben viele L\u00e4nder an den Rand gedr\u00e4ngt und die Krise ist noch lange nicht vorbei. Tats\u00e4chlich verdeutlichte die Pandemie, dass wichtige Themen in der Region jahrelang notorisch vernachl\u00e4ssigt wurden, und zeigte, wie wichtig es ist, gut ausgebildete Fachkr\u00e4fte im Land zu halten.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n
Aus dem Englischen von\u00a0Barbara Maya<\/a>.<\/em>
Dieser Text ist urheberrechtlich gesch\u00fctzt: \u00a9 Alida Vra\u010di\u0107. Bei Interesse an Wiederver\u00f6ffentlichung bitten wir um Kontaktaufnahme mit der\u00a0Redaktion<\/a>.
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern, Grafiken und Videos sind direkt bei den Abbildungen vermerkt. Titelbild:\u00a0Die bosnische Krankenschwester Majida Subai und ihre spanische Kollegin im Ageplesion-Markus-Krankenhaus in Frankfurt am Main. Foto: \u00a9\u00a0Andreas Arnold \/ dpa \/ picturedesk.com<\/em><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"