{"id":3758,"date":"2021-04-13T00:00:00","date_gmt":"2021-04-13T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/erste-foundation.byinfinum.co\/keine-kohle\/"},"modified":"2021-08-17T13:18:42","modified_gmt":"2021-08-17T13:18:42","slug":"keine-kohle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/keine-kohle\/","title":{"rendered":"Keine Kohle"},"content":{"rendered":"<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<strong>Seit die Kohlenbergwerke im rum\u00e4nischen Schiltal geschlossen wurden, suchen viele ehemalige Grubenarbeiter und ihre Familien ihr Gl\u00fcck in den Spielhallen, die in der Gegend immer mehr werden.<\/strong><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tIn den im Schiltal im S\u00fcdwesten Rum\u00e4niens gelegenen Bergbaust\u00e4dten tragen die meisten Menschen Schwarz. Vor ein paar Jahrzehnten, als man hier nach Kohle grub und mit ihrer Verbrennung die sozialistische Industrie am Laufen hielt, kaschierte die dunkle Kluft den Ru\u00df. Jetzt, da die meisten Minen geschlossen sind und die Luft sauberer ist, erinnert die farblose Garderobe der Menschen nur an vergangene Zeiten und ist Teil der d\u00fcsteren Umgebung. Doch nicht alles ist schwarz. Die bunten Farben und grellen Lichter der Spielhallen, die im gesamten Tal betrieben werden, kontrastieren stark mit den grauen Bauten aus dem Kommunismus, in denen sie sich befinden, und den verlassenen Industriegeb\u00e4uden der Umgebung. Sie scheinen eine bessere Zukunft zu versprechen. Ebenso wie in den meisten einkommensschwachen Gegenden Rum\u00e4niens, die in wirtschaftliche und soziale Turbulenzen geraten sind, hat sich hier in den letzten Jahrzehnten eine Gl\u00fccksspielindustrie entwickelt. Nach Ansicht eines ehemaligen Bergarbeiters w\u00fcrden die Spielautomaten im Schiltal \u2013 wo man den Zeiten des Kohlebergbaus noch immer nachtrauert \u2013 bereits seit den fr\u00fchen 1990er-Jahren \u201ezum Leben\u201c geh\u00f6ren.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tAndrei, der Sohn eines ehemaligen Grubenarbeiters, ist einer von jenen, die den Verlockungen der Spielautomaten erlegen sind. \u201eIch werde nicht mehr spielen, zur H\u00f6lle mit den Automaten!\u201c, sagt er sich. Aber Andrei (dessen Name auf Wunsch ge\u00e4ndert wurde) kennt sich selbst gut genug, um zu wissen, dass es so nicht funktioniert. Nach einer Weile \u2013 vielleicht einem Monat, vielleicht sechs \u2013 wird ihn der Rausch wieder \u00fcberkommen und er wird wieder anfangen zu spielen. Er wird sich im L\u00e4rm und den Lichtern verlieren und niemanden um sich herum wahrnehmen. Knapp zwei Monate zuvor hatte Andrei in der Bar, in der wir uns trafen, in einer Stunde 8.000 Lei (1.650 Euro) \u2013 etwa zwei Monatsl\u00f6hne \u2013 verzockt. Er spiele nur, wenn er angelogen wird, sagt er; das mache ihn w\u00fctend und er k\u00f6nne seine Emotionen nicht mehr kontrollieren. An jenem Tag hatte ihn ein Arbeitskollege angelogen. Er traf ihn sp\u00e4ter in der Bar und wurde zornig. Andrei stand vom Tisch auf und begann, an den Automaten zu spielen. \u201eIch mag es nicht, wenn man mich anl\u00fcgt.\u201c Andrei ist 31 Jahre alt und lebt in Petrila, einer Kleinstadt im Schiltal. Er kam zum ersten Mal im Alter von 12 Jahren in einer Lottoannahmestelle in der N\u00e4he seiner Schule mit Spielautomaten in Ber\u00fchrung. Dort traf er sich mit seinen Schulkollegen nach dem Unterricht. Die Dame am Schalter verbot ihnen nie zu spielen. \u201eUnd Sie wissen ja, wie das ist, am Anfang hat man Gl\u00fcck.\u201c Andrei erinnert sich, dass er bei seinem ersten Spiel 30 Lei (6 Euro) gewonnen hat.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12 wrapper__offset-large--0\">\n\t\t\t\t\n<figure class=\"block-image-caption\">\n\t<div class=\"image-wrap block-image-caption__image-wrap\" data-align=\"center center\">\n\n\t\t\t<img\n\t\t\tsrc=\"http:\/\/tippingpoint.net\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/03_dor_pacanele_16_9.png\"\n\t\t\tclass=\"image  block-image-caption__image\"\n\t\t\talt=\"\"\n\t\t\/>\n\t\n\t<\/div>\t<figcaption>\n\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--small paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-image-caption__paragraph\">\n\tIllustration: \u00a9 Mircea Dr\u0103goi<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tMit 16 bekam er einen Job als Monteur von Eingangst\u00fcren. Am Ende eines jeden Arbeitstages hatte er etwa 100 Lei (20 Euro) zur Verf\u00fcgung. Er machte sich nicht einmal die M\u00fche, nach Hause zu gehen, um sich umzuziehen, sondern ging direkt zu den Automaten und warf etwa 80 % seines Geldes ein; mit dem Rest kaufte er sich zwei Bier und eine Schachtel Zigaretten. Die ersten ein, zwei Tage gewann Andrei meistens und verdoppelte oder verdreifachte sein Geld. Aber am dritten Tag verlor er alles in einer halben Stunde \u2013 und das war\u2019s dann.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tWas treibt Menschen wie Andrei dazu, immer wieder an den Automaten zu spielen, und was tun sie, wenn sie alles verloren haben? Welche Mittel, wenn \u00fcberhaupt, stehen der Gemeinde zur Verf\u00fcgung, um ihnen zu helfen, wieder auf die Beine zu kommen? Und angesichts der Pandemie, die auch die wenigen noch existierenden Arbeitspl\u00e4tze im Tal lahmlegt, stellt sich eine neue Frage: Was geschieht mit diesen Menschen, deren Leben sich um das Gl\u00fccksspiel und die Spielautomaten dreht?<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<strong>Vom Helden zum Verlierer<\/strong><br><br>W\u00e4hrend des Kommunismus galten Bergleute als Helden, die die Industrie\u00f6fen am Brennen hielten. Statuen, Mosaike und Flachreliefs stellten sie mit kr\u00e4ftigen Armen und entschlossenem Blick dar, als mythische Gesch\u00f6pfe, die Berge versetzen konnten. Vom Staat wurden sie f\u00fcr die harte Arbeit unter Tage gut bezahlt und hatten ebenso Anspruch auf Urlaub wie auf Kuraufenthalte. Aus ganz Rum\u00e4nien kamen Menschen, um sich den Reihen der Werkt\u00e4tigen im Schiltal anzuschlie\u00dfen und das Land mit Kohle zu versorgen. Der Kapitalismus verschaffte ihnen eine andere Art von Belohnung. In den ersten Monaten nach dem Systemwechsel schossen im Schiltal zahlreiche Kneipen aus dem Boden. Ion Barbu, ein lokaler K\u00fcnstler, machte eine Bestandsaufnahme der Lokale, die pl\u00f6tzlich die durch das Zentrum von Petrila f\u00fchrende Hauptstra\u00dfe s\u00e4umten. Er kam auf 42. \u201eDamals gaben wir uns noch der Illusion hin, wir seien reich\u201c, meinte Ina Berar, die aus Petrila stammt und als Psychologin in Petrosani arbeitet.<br><br><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12 wrapper__offset-large--0\">\n\t\t\t\t\n<figure class=\"block-image-caption\">\n\t<div class=\"image-wrap block-image-caption__image-wrap\" data-align=\"center center\">\n\n\t\t\t<img\n\t\t\tsrc=\"http:\/\/tippingpoint.net\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/06_dor_pacanele_16_9.png\"\n\t\t\tclass=\"image  block-image-caption__image\"\n\t\t\talt=\"\"\n\t\t\/>\n\t\n\t<\/div>\t<figcaption>\n\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--small paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-image-caption__paragraph\">\n\tIllustration: \u00a9 Mircea Dr\u0103goi<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tDas Schiltal bot sich f\u00fcr den jungen Gesch\u00e4ftsmann Sorin Constantinescu als perfekter Ort an, um die vier Spielautomaten zu testen, die er aus Jugoslawien mitgebracht hatte, wo er als Tagel\u00f6hner auf dem Bau gearbeitet hatte. Damals gab es in Rum\u00e4nien noch kein Gesetz, das das Gl\u00fcckspiel regelte, sodass die Betreiber der Automaten weder Lizenz- noch Konzessionszahlungen leisten mussten. Es gab nur den Gesch\u00e4ftsmann, seine Spielautomaten und das gro\u00dfe Verlangen der Menschen nach allem, was gl\u00e4nzte und neu war.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tConstantinescu machte sich im Schiltal auf die Suche nach einem geeigneten Standort und es dauerte nicht lange, bis er eine Bar fand, die bereit war, seine Automaten aufzustellen. \u201eEs gab keine Computer, also riss der Barbesitzer ein Blatt Papier aus einem Schulheft. Wir setzten den Vertrag auf, tranken ein Bier und unterhielten uns. Die Bar war voll mit Bergleuten. W\u00e4hrend der drei Stunden, die ich dort war, waren die Kosten f\u00fcr meine vier Automaten gedeckt und sie brachten mir sogar Gewinn ein.\u201c Die Spielautomaten wurden rasch fixer Bestandteil des Freizeitlebens im Tal. Und mit dem Geld, das er im Schiltal verdiente, erwarb Sorin Constantinescu immer mehr Spielautomaten und weitete sein Gesch\u00e4ft auf das ganze Land aus. Er machte eine Menge Geld, betrieb Kasinos und wurde zu einem der ber\u00fchmtesten Gl\u00fccksspielanbieter.<br><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tDem Schiltal war hingegen kein solches Gl\u00fcck beschieden. Zun\u00e4chst waren da die \u201e<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mineriaden\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Mineriaden<\/a>\u201c \u2013 Vergeltungsma\u00dfnahmen der Regierung gegen Proteste der Opposition in Bukarest Anfang der 1990er-Jahre, im Zuge derer Arbeiter aus dem Schiltal als bewaffnete Miliz eingesetzt wurden. Die Bilder von Kumpeln, die in Uniformen und Helmen mit Sonderz\u00fcgen nach Bukarest kamen und Leute verpr\u00fcgelten, ersetzten schnell die idealisierten Darstellungen von Grubenarbeitern aus dem Kommunismus. In den darauffolgenden Jahren wurden die Bergleute von den neuen politischen Machthabern mit hohen L\u00f6hnen bedacht und vor den schlimmsten Auswirkungen des wirtschaftlichen Zusammenbruchs bewahrt, auch wenn die Kohlef\u00f6rderung im Vergleich zur Zeit des Kommunismus um knapp 50 % zur\u00fcckgegangen war.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tDoch 1997, als sich die neue Regierung eher zu Umstrukturierungen und Entlassungen bereit zeigte, erlitt das Schiltal einen schweren wirtschaftlichen Schlag: Von insgesamt 45.000 Bergleuten verloren zwischen 1997 und 1999 knapp 20.000 ihren Arbeitsplatz. Um eine soziale Katastrophe zu vermeiden, bot man den Bergleuten je nach Dienstalter zwischen 12 und 20 Monatsl\u00f6hne als Abfindung an, woraufhin viele freiwillig den Hut nahmen. Die Entsch\u00e4digungszahlungen erschienen wie \u201eGratisgeld\u201c, und viele wussten mit den hohen Summen nichts anzufangen, erinnert sich der B\u00fcrgermeister von Vulcan, Gheorghe Ile. Ein Teil des Geldes floss unweigerlich in die Spielautomaten, so die Psychologin Ina Berar: \u201eSo manche Abfindung ging fl\u00f6ten.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12 wrapper__offset-large--0\">\n\t\t\t\t\n<figure class=\"block-image-caption\">\n\t<div class=\"image-wrap block-image-caption__image-wrap\" data-align=\"center center\">\n\n\t\t\t<img\n\t\t\tsrc=\"http:\/\/tippingpoint.net\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/02_dor_pacanele_16_9.png\"\n\t\t\tclass=\"image  block-image-caption__image\"\n\t\t\talt=\"\"\n\t\t\/>\n\t\n\t<\/div>\t<figcaption>\n\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--small paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-image-caption__paragraph\">\n\tIllustration: \u00a9 Mircea Dr\u0103goi<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tDann schloss ein Bergwerk nach dem anderen. Von den 14 Zechen, die 1990 im Schiltal Kohle f\u00f6rderten, sind heute nur noch vier in Betrieb, aber auch diese stehen vor dem Aus. Wie aus einem vor einigen Monaten zur \u00f6ffentlichen Diskussion gestellten Entwurf eines Regierungsbeschlusses hervorgeht, soll das Bergwerk Lonea, das sich in Petrila befindet, bis Ende 2020 geschlossen werden. Die Zeche in Lupeni \u2013 ebenfalls im Schiltal gelegen \u2013 wird bis Mitte 2021 geschlossen. Der traditionelle Bergmannsgru\u00df \u201eGl\u00fcckauf\u201c, der fr\u00fcher am Eingang zu fast jedem Bergwerk prangte, passt nun ebenso gut \u00fcber die Eing\u00e4nge der neuen Spielhallen.<br><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<strong>Wehmut statt Neubeginn<\/strong><br><br>Im Schiltal blickt man auf die Zeiten des Kohlebergbaus noch immer wehm\u00fctig zur\u00fcck; das ist verst\u00e4ndlich, wenn man bedenkt, dass die Einheimischen die letzten 200 Jahre vom Bergbau gelebt haben, ohne \u00fcber Alternativen nachzudenken. In den gr\u00f6\u00dften St\u00e4dten der Region \u2013 Petrosani, Vulcan, Lupeni, Petrila, Uricani und Aninoasa \u2013 leben heute rund 130.000 Menschen. Seit 1992 \u2013 als die Bergbauindustrie noch eine bedeutende Rolle spielte \u2013 haben diese Orte etwa 20 % ihrer Bev\u00f6lkerung verloren. Viele ehemalige Bergleute und ihre Familien zogen weg, um in anderen Regionen Rum\u00e4niens oder anderswo in Europa zu leben und zu arbeiten. Die Hoffnungen vieler der Zur\u00fcckgebliebenen sind so d\u00fcster geworden wie das Grau der postindustriellen Landschaft.<br><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tIn den kommenden Jahren sollen das Schiltal und die Kleine Walachei nicht r\u00fcckzahlbare EU-F\u00f6rdermittel in H\u00f6he von 757 Millionen Euro erhalten, um die regionale Konjunkturbelebung nach den letzten Grubenschlie\u00dfungen zu unterst\u00fctzen. Diese Mittel sind jedoch an die Existenz von Entwicklungsprojekten in der Region gekn\u00fcpft, und die Erfahrung der vergangenen 30 Jahre hat gezeigt, dass solche Projekte nur schwer zu entwickeln und umzusetzen sind.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tAlex Kelemen ist Programmkoordinator bei Caritas Petro\u0219ani, einer NGO, die auch junge Menschen im Schiltal in Ausbildungsfragen unterst\u00fctzt und ber\u00e4t. Kelemen sch\u00e4tzt, dass es etwa zwei Generationen dauern wird, bis die Menschen die Vergangenheit hinter sich gelassen haben und beginnen, ihre Zukunft in andere Richtungen zu lenken. Die St\u00e4dte im Schiltal reihen sich entlang der von Wasser geformten Senke zwischen vier Gebirgsmassiven auf, deren imposante Konturen die Kulisse f\u00fcr die verfallenen T\u00fcrme und Minenanlagen oder deren \u00dcberreste bilden. Der Tourismus wird von den hiesigen B\u00fcrgermeistern immer wieder als Chance f\u00fcr die Region ins Treffen gef\u00fchrt, sie tun dies aber ohne gro\u00dfe \u00dcberzeugung.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12 wrapper__offset-large--0\">\n\t\t\t\t\n<figure class=\"block-image-caption\">\n\t<div class=\"image-wrap block-image-caption__image-wrap\" data-align=\"center center\">\n\n\t\t\t<img\n\t\t\tsrc=\"http:\/\/tippingpoint.net\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/05_dor_pacanele_16_9.png\"\n\t\t\tclass=\"image  block-image-caption__image\"\n\t\t\talt=\"\"\n\t\t\/>\n\t\n\t<\/div>\t<figcaption>\n\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--small paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-image-caption__paragraph\">\n\tIllustration: \u00a9 Mircea Dr\u0103goi<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tAm Stadtrand von Petrila sind von der Kohlenzeche, die 2015 nach 156 Betriebsjahren stillgelegt wurde, nur noch verfallene Geb\u00e4ude und alte Anlagen \u00fcbrig. Eine Gruppe um den K\u00fcnstler Ion Barbu hat versucht, das industrielle Erbe der Mine mithilfe von Kulturprojekten zu bewahren, doch die erdr\u00fcckende B\u00fcrokratie, mangelndes Interesse und Vorf\u00e4lle von Diebstahl haben ihre Aktionen zunichtegemacht. \u201eIch habe \u00fcber das Schicksal von Petrila nachgedacht\u201c, erz\u00e4hlte Barbu gegen\u00fcber BIRN. \u201eHier passiert nichts und jeder Tag ist wie der andere. Es gibt weder ein Kino noch ein Theater. Das Stadion wurde in einen Park umgestaltet, der mittlerweile von Unkraut \u00fcberwuchert ist. Im Grunde genommen gibt es \u00fcberhaupt kein Freizeitangebot. Was sollen wir also tun?\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tS\u00e4mtliches Leben in Petrila scheint sich auf der Hauptstra\u00dfe abzuspielen. Es gibt zwei Reihen von Backsteinh\u00e4usern mit ebenerdigen Second-Hand-Gesch\u00e4ften, Apotheken, Konditoreien, vielen Bars und nat\u00fcrlich Spielhallen. An eine H\u00e4userwand hat jemand geschrieben: \u201eGeld regiert die Welt und n\u00e4hrt kleine Tr\u00e4ume\u201c. Laut Statistik arbeitet etwa ein Drittel der 24.000 Einwohnerinnen und Einwohner im Ausland. Viele sind bereits in jungen Jahren in den Ruhestand gegangen, wenn sie die M\u00f6glichkeit dazu hatten, und verf\u00fcgen \u00fcber eine gute Pension, haben viel Zeit und wenig zu tun. Wie in vielen dieser Orte ziehen die jungen Leute sp\u00e4testens nach Abschluss der Schule fort.<br><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tIch sprach mit Darius Negoi, einem 18-j\u00e4hrigen Sch\u00fcler aus Petrila, ein paar Tage, bevor er seine Abschlusspr\u00fcfungen bestand. Er hatte vor, in Timisoara Psychologie zu studieren. \u201eEs ist besser, irgendwo hinzugehen, wo ich mir eine Zukunft aufbauen kann, als hier f\u00fcr einen Mindestlohn zu arbeiten\u201c, sagte er. Ein paar Zechen gibt es noch, aber auch sie werden bald der Vergangenheit angeh\u00f6ren. \u201eDas wird, glaube ich, das Ende des Schiltals sein\u201c, meinte er seufzend. F\u00fcr die Gl\u00fccksspielindustrie sei eine arme Gemeinde wie diese ein Geschenk des Himmels, so Kelemen. \u201eIch glaube nicht, dass Firmen damit kalkulieren, wie arm oder reich eine Gemeinde ist, sondern wie sehr die Leute bereit sind, in der Hoffnung auf einen schnellen Gewinn etwas Geld auszugeben. Deshalb schaffen sie dort R\u00e4ume des Zusammenkommens, wo die Menschen keine Zukunftschancen haben.\u201c<br><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<strong>Spielautomaten auf dem Vormarsch<\/strong><br><br>Im Jahr 2019 gab es in Rum\u00e4nien 77.913 Spielautomaten. Ihre Zahl hat sich seit 2004, <a href=\"https:\/\/euromat.org\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/ro2005.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">als es 16.021 waren<\/a>, stetig erh\u00f6ht. Die Instanz, die f\u00fcr die Legitimierung, Kontrolle und Aufsicht der gesamten Branche verantwortlich ist, ist die<a href=\"https:\/\/euromat.org\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/ro2005.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Nationale Gl\u00fccksspielbeh\u00f6rde<\/a> (ONJN), auch Rombet genannt, die der Regierung untersteht. Im Landkreis Hunedoara, zu dem das Schiltal geh\u00f6rt, stehen 1.726 Spielautomaten. Daten der Gemeinde von Petrila zeigen, dass es allein hier inzwischen 27 Lokale mit Spielautomaten gibt \u2013 Bars oder explizite Spielsalons. Bei durchschnittlich f\u00fcnf Automaten pro R\u00e4umlichkeit (basierend auf landesweit verf\u00fcgbaren Daten) kommt in Petrila ein Automat auf sch\u00e4tzungsweise 177 Einwohnerinnen und Einwohner (unabh\u00e4ngig vom Alter). Zum Vergleich: Auf nationaler Ebene sind es 248 Einwohnerinnen und Einwohner pro Spielautomat.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t\n<ol class=\"block-footnotes js-footnote-list\">\n\n<\/ol>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tEin Verein namens \u201eJoc Responsabil\u201c (\u201eVerein f\u00fcr verantwortungsvolles Gl\u00fccksspiel\u201c), der in dieser Form seit 2018 t\u00e4tig ist, wird von den drei gro\u00dfen Branchenverb\u00e4nden unterst\u00fctzt und bietet unter anderem einen Selbsttest-Service f\u00fcr Spieler, eine kostenlose Helpline, einen rund um die Uhr verf\u00fcgbaren Chat-Service, die M\u00f6glichkeit, an f\u00fcnf kostenlosen Therapiesitzungen in einem der Zentren in Bukarest, Ia\u0219i oder Cluj teilzunehmen, oder die M\u00f6glichkeit, sich selbst von Spielst\u00e4tten auszuschlie\u00dfen, indem man sich von den Betreibern sperren l\u00e4sst. Es ist nicht bekannt, wie viele Menschen diese Option genutzt haben, da die Unternehmen nicht verpflichtet sind, Zahlen zu ver\u00f6ffentlichen. Bislang wurde weder ein Bericht \u00fcber die Anzahl der Spieler, die diese Dienste in Anspruch nehmen, noch eine Studie mit den gesammelten Daten ver\u00f6ffentlicht.<br><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12 wrapper__offset-large--0\">\n\t\t\t\t\n<figure class=\"block-image-caption\">\n\t<div class=\"image-wrap block-image-caption__image-wrap\" data-align=\"center center\">\n\n\t\t\t<img\n\t\t\tsrc=\"http:\/\/tippingpoint.net\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/04_dor_pacanele_16_9.png\"\n\t\t\tclass=\"image  block-image-caption__image\"\n\t\t\talt=\"\"\n\t\t\/>\n\t\n\t<\/div>\t<figcaption>\n\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--small paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-image-caption__paragraph\">\n\tIllustration: \u00a9 Mircea Dr\u0103goi<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tDer rum\u00e4nische Staat tut wenig f\u00fcr S\u00fcchtige. Die Kosten f\u00fcr die Behandlung verschiedener Suchtkrankheiten k\u00f6nnen \u00fcbernommen werden. Es werden jedoch pro Tag nur drei Sitzungen bei einer Psychologin oder einem Psychologen in einer Klinik angeboten, die einen Vertrag mit der staatlichen Krankenversicherung hat, was die Anzahl der Personen, die kostenlos behandelt werden k\u00f6nnen, begrenzt. Das Nationale Zentrum f\u00fcr psychische Gesundheit und Drogenbek\u00e4mpfung, das zum Gesundheitsministerium geh\u00f6rt, bietet derzeit kein Programm oder Projekt an, das sich mit Gl\u00fccksspielsucht befasst.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tNicht nur, dass es von staatlicher Seite keine systematische Hilfe f\u00fcr Spiels\u00fcchtige gibt, diese werden sogar bestraft. Mehrere Gemeinden im Schiltal haben im Jahr 2019 damit begonnen, Sozialleistungen f\u00fcr Menschen zu k\u00fcrzen, die beim Ansuchen um Unterst\u00fctzung nicht erw\u00e4hnen, dass sie im vergangenen Jahr ein Einkommen aus dem Gl\u00fccksspiel erzielt haben. Unter \u201eEinkommen\u201c versteht die lokale Steuerbeh\u00f6rde jeden kleinen Beitrag, der von der Spielst\u00e4tte als Gewinn registriert wird: Wenn jemand zum Beispiel 10 Euro gewinnt, wird er als Gewinner registriert, auch wenn er Stunden sp\u00e4ter 50 Euro verliert. Allein in der Stadt Vulcan wurden 26 Familien f\u00fcr die Jahre 2017 und 2018 die Sozialleistungen gestrichen, weil sie Eink\u00fcnfte aus dem Gl\u00fccksspiel lukriert und diese nicht deklariert hatten. In der Gemeinde Petrosani entdeckte man weitere 27 unrechtm\u00e4\u00dfige Leistungsempf\u00e4nger.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tWenn Angeh\u00f6rige bemerken, dass ein Familienmitglied ein Problem mit dem Gl\u00fccksspiel hat, k\u00f6nnen sie sich an niemanden wenden. Es gebe im Schiltal keine entsprechenden Angebote, nicht einmal eine Selbsthilfegruppe f\u00fcr Suchtkranke jeder Art, beklagt Alex Kelemen von der Caritas Petrosani. In Ermangelung anderer Hilfen suchen Familien ihr Heil in der orthodoxen Kirche, um von der \u201eSpielleidenschaft\u201c loszukommen. Drei Geistliche aus dem Schiltal berichteten BIRN, dass sich die Zahl der Frauen, die sich mit Gebetslisten an sie wenden w\u00fcrden, damit ihre Ehem\u00e4nner oder S\u00f6hne das Gl\u00fccksspiel aufgeben, vervielfacht habe. Iulian Selaje, ein Pfarrer aus Petrosani, erz\u00e4hlte, er versuche, mit den Betroffenen zu reden und glaubt, dass sie \u201eein sehr ernstes Gebetsprogramm\u201c ben\u00f6tigen. Im Schiltal gibt es 40 orthodoxe Kirchen, aber keine einzige Suchtklinik.<br><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<strong>Blick in die Zukunft<\/strong><br><br>Ich traf Andrei, den 31-J\u00e4hrigen aus Petrila, im Sommer im Gastgarten jenes Lokals, in dem wir uns zum ersten Mal unterhalten hatten. Wir sa\u00dfen im Gr\u00fcnen unter gro\u00dfen Sonnenschirmen zwischen Bierkisten, aus dem Radio t\u00f6nte leise Musik: Hier drau\u00dfen schien alles eitel Wonne. Der Barbereich im Inneren ist aufgrund der Pandemie geschlossen, aber die Spielautomaten stehen weiterhin bereit. Man kann also drinnen sitzen und spielen, dort aber kein Bier trinken \u2013 das ist die neue Realit\u00e4t der Spielautomatenlokale.<br><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tDa die Zahl der Covid-19-F\u00e4lle in den vergangenen Monaten anstieg, hat Rum\u00e4nien je nach Inzidenz in bestimmten Gegenden Beschr\u00e4nkungen eingef\u00fchrt. So wurden zum Beispiel bei mehr als 1,5 F\u00e4llen pro 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner die Innenr\u00e4ume von Restaurants, Caf\u00e9s und Spielhallen geschlossen. Am 13. Oktober, als dieser Schwellenwert in Petrila und weiteren 36 Ortschaften in der Region erreicht wurde, kam es zu einer vor\u00fcbergehenden Schlie\u00dfung der Spielautomatenlokale. Stattdessen stieg in ganz Rum\u00e4nien die Zahl der Online-Spieler. In den ersten Monaten der Pandemie verzeichneten die Gl\u00fccksspielplattformen 15 bis 20 Prozent mehr Nutzer, so Sorin Constantinescu, CEO einer einschl\u00e4gigen Beratungsfirma.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tAuch Andrei hat ein Online-Konto bei einer Gl\u00fccksspiel-Webseite und erhielt in den letzten Monaten wiederholt Werbung per E-Mail. Er lie\u00df sich von den vielen Aktionen, die ihm angeboten wurden, aber nicht verleiten, sein Geld daf\u00fcr auszugeben. Andrei hat nicht mehr gespielt, seit die Spielautomatenlokale wieder offen sind, aber er wei\u00df, dass ihn irgendwann in Zukunft wieder jemand w\u00fctend machen wird und er wieder zu spielen beginnen wird. Umgeben von l\u00e4rmenden und blinkenden Automaten wird er die Welt um sich herum ausblenden.<br><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<em>Dieser Artikel wurde mit Unterst\u00fctzung eines von der Robert Bosch Stiftung gef\u00f6rderten Stipendiums von Reporters in the Field erm\u00f6glicht.<\/em><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<em>Original auf Englisch. Erstmals publiziert am\u00a027. Oktober 2020 auf\u00a0<a href=\"https:\/\/balkaninsight.com\/2020\/10\/27\/romanias-mining-towns-gamble-future-away\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Reportingdemocracy.org<\/a>, einer journalistischen Plattform des Balkan Investigative Reporting Network.<\/em><br><em>Aus dem Englischen von\u00a0<a href=\"http:\/\/www.wordpool.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Barbara Maya<\/a>.<\/em><br><br><em>Dieser Text ist urheberrechtlich gesch\u00fctzt: \u00a9 Vlad Odobescu, Federico Thoman und Anna Bigano \/ Reporting Democracy. Bei Interesse an Wiederver\u00f6ffentlichung bitten wir um Kontaktaufnahme mit der\u00a0<a href=\"http:\/\/magazine.erstestiftung.org\/de\/erste-stiftung\/impressum\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Redaktion<\/a>.<br>Urheberrechtliche Angaben zu Bildern, Grafiken und Videos sind direkt bei den Abbildungen vermerkt. Titelbild: Illustration: \u00a9 Mircea Dr\u0103goi.<\/em><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rum\u00e4niens Bergbaust\u00e4dte verspielen ihre Zukunft.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2690,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[299,436],"tags":[329,277,371],"formats":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3758"}],"collection":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3758"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3758\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4916,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3758\/revisions\/4916"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2690"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3758"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3758"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3758"},{"taxonomy":"format","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/formats?post=3758"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}