{"id":3726,"date":"2020-09-17T00:00:00","date_gmt":"2020-09-17T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/erste-foundation.byinfinum.co\/rollenvorbild\/"},"modified":"2021-08-17T13:27:48","modified_gmt":"2021-08-17T13:27:48","slug":"rollenvorbild","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/rollenvorbild\/","title":{"rendered":"Rollenvorbild?"},"content":{"rendered":"\n\n\t\n\t\t\t
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\n\tSlowenien geh\u00f6rt zu den wenigen ehemals kommunistischen L\u00e4ndern Europas, deren Bev\u00f6lkerung w\u00e4chst: Doch warum kommt bei Demografen trotzdem keine Jubelstimmung auf?<\/strong><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tVon der Adria bis zum Schwarzen Meer zeichnet sich die gleiche demografische Abw\u00e4rtsspirale ab: Die Bev\u00f6lkerung altert und allerorts werden mehr S\u00e4rge als Wiegen gebraucht. Viele wandern aus, es fehlt an Zuwanderung. Ein Bev\u00f6lkerungsr\u00fcckgang ist die Folge. Und dann ist da noch Slowenien.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tAnfang 2020 betrug die Einwohnerzahl Sloweniens nach Angaben des nationalen Statistikamts 2.096.000, was einem Zuwachs von knapp 15.000 im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Als das Land 1991 unabh\u00e4ngig wurde, lebten in Slowenien rund zwei Millionen Menschen, die Bev\u00f6lkerungszahl ist also bis 2020 um knapp f\u00fcnf Prozent gestiegen. Slowenien ist damit eines von nur wenigen ehemals kommunistischen L\u00e4ndern, dessen Bev\u00f6lkerung w\u00e4chst und in dem heute mehr Menschen leben als noch vor 30 Jahren.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tEUROPE’S FUTURES<\/h2>\n\t
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\n\tEuropa erlebt seine dramatischste und herausforderndste Zeit seit dem Ende des Zweiten Weltkrieg. Das europ\u00e4ische Projekt steht auf dem Spiel und die liberale Demokratie wird sowohl von innen als auch von au\u00dfen gefordert. Von allen Seiten der staatlichen und nicht-staatlichen Akteure ist es dringend erforderlich, sich mit den brennenden Problemen zu befassen und das, was durch das politische Friedensprojekt sorgf\u00e4ltig erreicht wurde, zu bekr\u00e4ftigen.

Zwischen 2018 und 2021 engagieren sich jedes Jahr sechs bis acht f\u00fchrende europ\u00e4ische Expertinnen und Experten als\u00a0Europe\u2019s Futures<\/a>\u00a0Fellows. Sie schaffen damit eine einzigartige eine Plattform der Ideen, um grundlegende Ma\u00dfnahmen zu pr\u00e4sentieren, deren Ziel es ist, die Vision und Realit\u00e4t Europas zu st\u00e4rken und voranzutreiben. Europe\u2019s Futures basiert auf eingehenden Untersuchungen, konkreten politischen Vorschl\u00e4gen und dem Austausch mit staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren, dem \u00f6ffentlichen Diskurs und Medien.<\/p>\n\t<\/div>\n<\/div>\n\t<\/div>\n\n<\/div>\n\n\n\n

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\n\tAngesichts der sich abzeichnenden k\u00fcnftigen staatlichen Aufwendungen f\u00fcr Pensionen und andere Sozialleistungen ist allen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern daran gelegen, dass ihre Bev\u00f6lkerungen wachsen. In Slowenien ist man aber weit davon entfernt, in Jubelstimmung auszubrechen. Hinter Sloweniens Schlagzeilen zum Bev\u00f6lkerungszuwachs verbergen sich gravierende demografische Probleme.

Wie alle anderen Europ\u00e4erinnen und Europ\u00e4er werden auch die Menschen in Slowenien immer \u00e4lter. Die Lebenserwartung liegt bei 81,5 Jahren und ist damit etwas h\u00f6her als der EU-Durchschnitt und auch h\u00f6her als in allen anderen ehemals kommunistischen L\u00e4ndern Europas.

Das Nachbarland Kroatien beispielsweise liegt diesbez\u00fcglich mit 78,2 Jahren weit zur\u00fcck. In Slowenien sterben mehr Menschen als geboren werden \u2013 2018 betrug die Differenz 900 \u2013 und obwohl die Fertilit\u00e4tsrate slowenischer Frauen in den letzten Jahren auf 1,62 gestiegen ist und \u00fcber dem EU-Durchschnitt von 1,55 liegt, ist das weit unter dem f\u00fcr den Erhalt einer Bev\u00f6lkerung notwendigen Wert von 2,1.

Die steigende Fertilit\u00e4tsrate Sloweniens bedeutet jedoch nicht, dass mehr Babys geboren werden, sondern ist darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass die Zahl der Frauen im geb\u00e4rf\u00e4higen Alter, anhand derer sie berechnet wird, sinkt, wodurch die Rate steigt. Der Bev\u00f6lkerungszuwachs in Slowenien ist in erster Linie der Tatsache geschuldet, dass man zumindest bis zum Auftreten des Coronavirus aufgrund des Arbeitskr\u00e4ftemangels so viele ausl\u00e4ndische Arbeitskr\u00e4fte wie m\u00f6glich ins Land geholt hat.<\/p>\t<\/div>\n\n<\/div>\n\n<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tGleichzeitig sank im Jahr 2019 die Anzahl der in Slowenien ans\u00e4ssigen Staatsb\u00fcrgerinnen und -b\u00fcrger um rund 3.200, w\u00e4hrend die Zahl ausl\u00e4ndischer Personen um beinah 18.200 zunahm und ihr Anteil an der Bev\u00f6lkerung mittlerweile 7,5 Prozent ausmacht. 86,4 Prozent aller Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4nder stammen aus anderen L\u00e4ndern des ehemaligen Jugoslawien, davon kommen 54 Prozent aus Bosnien. Im Jahr 2018, dem letzten Jahr, f\u00fcr das Daten vorliegen, immigrierten 28.455 Personen nach Slowenien, darunter rund 4.300 B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger, die in ihre Heimat zur\u00fcckkehrten, w\u00e4hrend 13.527 das Land verlie\u00dfen, von denen knapp die H\u00e4lfte slowenischer Nationalit\u00e4t waren. In Summe gab es also 14.928 mehr Zu- als Auswanderer. Ohne diese Nettozuwanderung w\u00fcrde die Bev\u00f6lkerung des Landes abnehmen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tBetrachtet man die Entwicklung der slowenischen Bev\u00f6lkerung in den letzten drei Jahrzehnten, so lassen sich in den 1990er-Jahren ungew\u00f6hnliche Schwankungen der Gesamtzahl feststellen, was vor allem auf unterschiedliche Z\u00e4hlweisen zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. So wurden etwa Tausende ehemalige Jugoslawinnen und Jugoslawen, die nach der Unabh\u00e4ngigkeit nicht die slowenische Staatsb\u00fcrgerschaft angenommen oder sich als Ausl\u00e4nder registriert hatten, aus der Gesamtbev\u00f6lkerung \u201egel\u00f6scht\u201c und erst sp\u00e4ter wieder dazugez\u00e4hlt.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tBev\u00f6lkerungsver\u00e4nderung in Slowenien. Infografik: \u00a9 Ewelina Karpowiak \/ Klawe Rzeczy<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tTats\u00e4chlich ist die Bev\u00f6lkerung des Landes bei rund zwei Millionen bemerkenswert stabil geblieben, hat aber dank der Zuwanderung in den letzten Jahren zugenommen. In den meisten anderen L\u00e4ndern l\u00e4sst sich die Zahl der Abwanderungen nur schwer feststellen. Slowenien verf\u00fcgt jedoch \u00fcber weitaus bessere Daten, weil die Z\u00e4hlung mittels Bev\u00f6lkerungsregister erfolgt und jede Person verpflichtet ist, ihren Wohnsitz anzumelden und sich bei einer \u00dcbersiedlung ins Ausland abzumelden.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tDies l\u00e4sst zwar weiterhin Spielraum f\u00fcr Fehler, einschlie\u00dflich einer Grauzone, was ausl\u00e4ndische Arbeitnehmer wie Bosnier betrifft, die mit Wohnsitz in Slowenien gemeldet sind, tats\u00e4chlich aber nach Deutschland oder in ein anderes EU-Land \u201eentsandt\u201c werden. Danilo Dolenc, Leiter der Abteilung f\u00fcr Bev\u00f6lkerungsstatistik im slowenischen Statistikamt meint jedoch: \u201eWir wissen, dass es ein \u00dcberma\u00df an Registrierungen gibt, weshalb die Bev\u00f6lkerungszahl zu hoch gesch\u00e4tzt wurde. Dabei handelt es sich aber um weniger als ein Prozent.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tDemografische Kennzahlen \u2013 Slowenien. Infografik: \u00a9 Ewelina Karpowiak \/ Klawe Rzeczy<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tDer kritische Punkt sei laut Alenka Kajzer vom Institut f\u00fcr makro\u00f6konomische Analysen und Entwicklung (UMAR), dass die Gesamtbev\u00f6lkerungszahl zwar mehr oder weniger stabil ist, nicht aber ihre Struktur. Die Zahl der \u00dcber-65-J\u00e4hrigen \u201enimmt stark zu\u201c. Im Jahr 1990 machte ihr Anteil 10,6 Prozent der Gesamtbev\u00f6lkerung aus, hat sich aber seither auf knapp 19 Prozent beinahe verdoppelt und wird Kajzer zufolge bis 2030 voraussichtlich auf etwa 25 Prozent anwachsen. Gleichzeitig schrumpft die Bev\u00f6lkerung im erwerbsf\u00e4higen Alter (zwischen 20 und 64 Jahren), insbesondere seit 2012.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\t\u201eSie wollen einfach ein besseres Leben\u201c<\/h2>\n\t
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\n\tSlowenien hat mit 22.080 Euro das h\u00f6chste Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt aller ehemals kommunistischen L\u00e4nder der EU. Das Land wird gut verwaltet, die Lebensqualit\u00e4t ist hoch. Und doch wollen viele junge Sloweninnen und Slowenen noch immer auswandern, wobei die meisten Arbeit in Deutschland und \u00d6sterreich suchen, wo das Pro-Kopf-BIP etwa doppelt so hoch ist.

Der Grund, warum Menschen ihr Heimatland verlassen, liege laut Mirjam Milhar\u010di\u010d Hladnik vom slowenischen Migrationsinstitut zwar meist in der Suche nach einem h\u00f6heren Lebensstandard, oft aber auch darin, sich der erdr\u00fcckenden Kontrolle durch die Familie zu entziehen.

Slowenien sei ein Land, in dem \u201edie D\u00f6rfer und St\u00e4dte klein sind\u201c. Ehrgeizige junge Menschen wollen dort nicht leben und schon gar nicht dem Klischee entsprechen, die hundertste Generation in ihrem Dorf zu sein.

Junge Menschen wollen hinaus in die Welt, \u201eheute wie damals\u201c, so Milhar\u010di\u010d Hladnik.

Milhar\u010di\u010d Hladnik ist Koautorin eines neuen Buchs \u00fcber die Geschichte der slowenischen Migration. Der Wunsch auszuwandern sei tief in der slowenischen Tradition verwurzelt, meint sie. In den hundert Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg verlie\u00dfen rund 440.000 Menschen die von ihr als \u201eslowenische Gebiete\u201c bezeichneten Regionen, zu denen das heutige Slowenien sowie einige angrenzende Landstriche z\u00e4hlen \u2013 etwa die Gegend um den italienischen Hafen Triest.

Auch das ist nur eine grobe Sch\u00e4tzung, da sie die R\u00fcckkehrer nicht inkludiert, sehr wohl aber Personen italienischer, deutscher oder anderer Nationalit\u00e4t, die hier lebten. Ihrer Meinung nach sei dies jedoch ein Indiz daf\u00fcr, dass diese Region einst \u201eeine der h\u00f6chsten Abwanderungsraten der Geschichte\u201c aufwies.

Vor dem Zweiten Weltkrieg verlie\u00dfen die Menschen das Land, weil sie arm oder verschuldet waren, infolge von Erbrechten und aus vielen anderen Gr\u00fcnden. Heute kommen Bosnier, um in Slowenien zu arbeiten, wohingegen nach der Eroberung Bosnien-Herzegowinas durch die Habsburger 1878 Slowenen in Bosnien als Bergleute und Waldarbeiter t\u00e4tig waren.

Vor dem Ersten Weltkrieg zogen die florierenden St\u00e4dte Triest und Wien viele Menschen nahezu magnetisch an. Dar\u00fcber hinaus emigrierten Sloweninnen und Slowenen vor allem in die Vereinigten Staaten und nach Argentinien. Als die USA 1924 der Masseneinwanderung ein j\u00e4hes Ende setzten, gingen sie nach Deutschland, Belgien und Frankreich.

Fast ein Jahrhundert lang, bis 1956, gab es in \u00c4gypten, insbesondere in Alexandria, eine prosperierende, zum Gro\u00dfteil aus Frauen bestehende slowenische Gemeinschaft aus der Region Gori\u0161ka. Die als Aleksandrinke bekannten Frauen waren h\u00e4ufig als Kinderm\u00e4dchen f\u00fcr europ\u00e4ische Familien t\u00e4tig.

Nach dem Zweiten Weltkrieg flohen etwa 25.000 vor der vorr\u00fcckenden kommunistischen Armee von Josip Broz Tito, und weitere 45.000 passierten zwischen 1945 und 1962 illegal die Grenze. Zur gleichen Zeit flohen Italiener aus Istrien und dem Gebiet der heutigen slowenischen K\u00fcste, die zwischen den Kriegen zu Italien geh\u00f6rten.

Einige Slowenen kamen auch aus Italien ins Land. Sie spielten eine wichtige Rolle bei der Wiederbev\u00f6lkerung von St\u00e4dten wie dem einst mehrheitlich italienischsprachigen Koper (Capodistria), ebenso wie Slowenen, die man dazu anregte, aus dem Landesinneren an die K\u00fcste zu ziehen.

Im kommunistischen Jugoslawien nahm der Wohlstand Sloweniens zu, viele zog es aber weiterhin zum Arbeiten in andere Teilrepubliken. Ab Mitte der 1960er-Jahre gingen Slowenen, wie andere Jugoslawen auch, als Gastarbeiter in L\u00e4nder wie Deutschland. Ab den 1970er-Jahren kamen aber auch Jugoslawen aus den \u00e4rmeren Republiken in die neuen Industriest\u00e4dte Sloweniens, um dort zu arbeiten.

Die Art der Migration nach und aus Slowenien mag sich mittlerweile ge\u00e4ndert haben, aber laut Milhar\u010di\u010d Hladnik w\u00fcrden die Menschen auch heute das Land aus den gleichen Gr\u00fcnden wie fr\u00fcher verlassen: \u201eSie wollen einfach ein besseres Leben.\u201c<\/p>\n\t<\/div>\n<\/div>\n\t<\/div>\n\n<\/div>\n\n\n\n

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\n\tIn ganz Europa altert die Bev\u00f6lkerung, Slowenien bildet in dieser Hinsicht also keine Ausnahme. Heute liegt der Anteil der \u00dcber-65-J\u00e4hrigen noch unter dem EU-Durchschnitt, was sich aber laut Kajzer \u00e4ndern werde.

In zehn bis zwanzig Jahren werden im Land viel mehr \u00e4ltere Menschen leben als im EU-Durchschnitt, wodurch mit einem der \u201egr\u00f6\u00dften Anstiege altersbedingter Ausgaben\u201c (Pensionen, Pflege) in Europa zu rechnen ist.

Und dies \u201eist nicht nur auf demografische Ver\u00e4nderungen zur\u00fcckzuf\u00fchren, sondern auch der Tatsache geschuldet, dass unser Sozialversicherungssystem nicht an die neue demografische Situation angepasst ist.\u201c

Aus einem Bericht<\/a> des UMAR aus dem Jahr 2016 geht hervor, dass die altersbedingten \u00f6ffentlichen Ausgaben nach derzeitigen Prognosen bis 2060 ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts ausmachen und somit EU-weit zu den h\u00f6chsten z\u00e4hlen werden. Das Pensionssystem sei \u201ebereits jetzt nicht mehr nachhaltig\u201c und das Land habe \u201ekein umfassendes System der Langzeitpflege\u201c, so der Bericht weiter.

Im Jahr 2017 war das UMAR an der Ausarbeitung einer Strategie beteiligt, mit der man den Problemen der alternden Bev\u00f6lkerung Sloweniens begegnen wollte.

Das Institut stellte fest, dass die Ausgaben f\u00fcr Pensionen \u201eEU-weit am schnellsten ansteigen\u201c w\u00fcrden und angesichts ihres relativ niedrigen Niveaus sich die Armutsgef\u00e4hrdungsquote von Pensionistinnen und Pensionisten \u201ezu versch\u00e4rfen\u201c drohe.

\u201eLeider\u201c, so Kajzer, wurden bislang noch keine \u00c4nderungen zur Bew\u00e4ltigung der sich anbahnenden Krise beschlossen, und \u201ebreit angelegte Aktionspl\u00e4ne\u201c seien \u201enoch in Vorbereitung\u201c.

Laut Damir Josipovi\u0107 vom Institut f\u00fcr ethnische Studien w\u00fcrden Sloweniens drohende demografische Probleme dadurch verschlimmert, dass aufeinanderfolgende Regierungen versucht h\u00e4tten, diese anhand zweier gro\u00dfer Programme in Angriff zu nehmen, die Elemente des Social Engineering beinhalten.

Ein Problem besteht darin, dass infolge des Versuchs, mehr junge Menschen in die Besch\u00e4ftigung zu bringen, rund 300.000 Personen unter 65 Jahren \u2013 viele zwischen 50 und 60 \u2013 bereits im Ruhestand sind. Dies bedeute, dass Sloweniens Pensionssystem schon jetzt unter einer \u201egewaltigen Last\u201c leide, so Josipovi\u0107.

Das zweite Problem sei die nach der Unabh\u00e4ngigkeit von den Regierungen unterst\u00fctzte enorme Ausweitung der Hochschulbildung.

Dies habe mittlerweile zur Folge, dass Sloweninnen und Slowenen zwar \u00fcber eine gute Ausbildung verf\u00fcgen, aber nur wenige von ihnen in der Lage bzw. bereit seien, beispielsweise im Baugewerbe oder in der Fertigungsindustrie zu arbeiten.

Es gibt au\u00dferdem zu viele gut ausgebildete Hochschulabsolventinnen und -absolventen f\u00fcr zu wenig Arbeitspl\u00e4tze, deren Anforderungen ihren Qualifikationen entsprechen, sodass manche eine Arbeit annehmen, f\u00fcr die sie eigentlich \u00fcberqualifiziert sind, was einen Verlust von Humankapital darstellt.

Doch w\u00e4hrend die Zahl der Sloweninnen und Slowenen im erwerbsf\u00e4higen Alter naturgem\u00e4\u00df abnimmt, ist der vergleichsweise Mangel an Arbeitspl\u00e4tzen f\u00fcr Personen mit h\u00f6herer Bildung ebenfalls ein wichtiger Faktor bei der Arbeitssuche im Ausland.

Gleichzeitig werden einige dieser Arbeitspl\u00e4tze von Einwanderern besetzt, die angesichts einer \u00e4hnlich schwierigen Situation in ihren Heimatl\u00e4ndern diese Stellen annehmen, auch wenn sie vielleicht unter ihren Qualifikationen liegen.

Dies, so Mirjam Milhar\u010di\u010d Hladnik vom slowenischen Migrationsinstitut, habe zur Entwicklung von Stereotypen gef\u00fchrt, d.h., dass gut ausgebildete Slowenen auswandern und schlecht ausgebildete Bosnier, Mazedonier u.a. \u201enach Slowenien kommen, um Stra\u00dfen zu bauen\u201c.

Tats\u00e4chlich zeigen die Daten der vergangenen Jahre, dass Immigranten und slowenische Auswanderer einen \u201esehr \u00e4hnlichen\u201c Bildungshintergrund aufweisen.

Die Zu- und Abwanderungszahlen korrelieren jedoch mit der Wirtschaftsentwicklung. Zwischen 2010 und 2017 entsprach die Zahl der Menschen, die nach Slowenien kamen, in etwa der Zahl jener, die das Land verlie\u00dfen.

Als sich die Wirtschaft 2018 endlich von der Krise 2008 erholt hatte, stiegen die Zuwanderungszahlen sprunghaft an.

Heute ist keineswegs klar, wie lange die Auswirkungen des Coronavirus noch sp\u00fcrbar sein werden, eine schrumpfende Wirtschaft wird jedoch zwangsl\u00e4ufig wieder zu einer r\u00fcckl\u00e4ufigen Zahl von Zuwanderern f\u00fchren.

Laut Kajzer weisen Fallberichte darauf hin, dass \u201eviele\u201c ausl\u00e4ndische Arbeitnehmer bereits in ihre Heimat zur\u00fcckgekehrt waren, als der Lockdown begann.<\/p>\t<\/div>\n\n<\/div>\n\n<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tUnterschiedliche Prognosen gehen davon aus, dass die Bev\u00f6lkerung Sloweniens im Gegensatz zu allen anderen L\u00e4ndern des ehemaligen Jugoslawien und beinah allen L\u00e4ndern des ehemals kommunistischen Europas bis 2050 nicht dramatisch zur\u00fcckgehen wird. Sie wird entweder leicht wachsen oder bei rund zwei Millionen stagnieren. Woran sich jedoch nichts \u00e4ndern wird, ist die zunehmende \u00dcberalterung der slowenischen Bev\u00f6lkerung.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tDer Artikel gibt die Meinung des Autors wieder und repr\u00e4sentiert nicht den Standpunkt von BIRN oder der ERSTE Stiftung.<\/em><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tOriginal auf Englisch. Erstmals publiziert am 18 Juni 2020 auf\u00a0Reportingdemocracy.org<\/a>, einer journalistischen Plattform des Balkan Investigative Reporting Network. Der vorliegende Text ist im Rahmen des\u00a0Europe\u2019s Futures<\/a>\u00a0Projekts entstanden.
Aus dem Englischen von\u00a0
Barbara Maya<\/a>.<\/em>

Dieser Text ist urheberrechtlich gesch\u00fctzt: \u00a9 Tim Judah. Bei Interesse an Wiederver\u00f6ffentlichung bitten wir um Kontaktaufnahme mit der\u00a0
Redaktion<\/a>.
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern, Grafiken und Videos sind direkt bei den Abbildungen vermerkt. Titelbild: Illustration \u00a9 Ewelina Karpowiak \/ Klawe Rzeczy<\/em><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"

Sloweniens steigende Bev\u00f6lkerungszahlen t\u00e4uschen \u00fcber demografische Probleme hinweg.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2407,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[360,436],"tags":[270,449,407,334,366],"formats":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3726"}],"collection":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3726"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3726\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4980,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3726\/revisions\/4980"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2407"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3726"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3726"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3726"},{"taxonomy":"format","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/formats?post=3726"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}