{"id":3720,"date":"2020-08-25T00:00:00","date_gmt":"2020-08-25T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/erste-foundation.byinfinum.co\/hybrides-regime\/"},"modified":"2021-08-17T13:43:12","modified_gmt":"2021-08-17T13:43:12","slug":"hybrides-regime","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/hybrides-regime\/","title":{"rendered":"Hybrides Regime"},"content":{"rendered":"<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<strong>Auf seiner Reise nach Budapest sprach der aus Warschau stammende Kunstkritiker, Kurator und Chefredakteur des Magazins BLOK Adam Mazur mit K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstlern \u00fcber ihre Sichtweise und ihr Erleben des Kunstschaffens in illiberalen Zeiten. <\/strong><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tAls ich mit einem Stipendium des International Visegrad Fund an meinem Artikel f\u00fcr die <a href=\"https:\/\/artportal.hu\/kategoria\/east-art-mags\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">East Art Mags<\/a> (EAM) Plattform arbeitete, lie\u00df ich mich von Timothy Garton Ash inspirieren. In seinem Kommentar unter dem Titel <em>Europe Must Stop This Disgrace: Viktor Orb\u00e1n Is Dismantling Democracy<\/em>, erschienen am 29. Juni 2019 in der britischen Tageszeitung &#8220;The Guardian&#8221;, liefert Professor Ash eine kritische Analyse der derzeitigen ungarischen F\u00fchrung, die er \u201ehybrides Regime\u201c nennt.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tIch wollte eine Woche in Budapest bleiben und ungarische K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler treffen, um einen besseren Einblick in die aktuelle Lage der bildenden K\u00fcnste und der Kulturszene Ungarns zu gewinnen. Ist die Situation wirklich so schlimm, wie es scheint? Wie geht es gesellschaftlich und politisch sensiblen K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstlern in einer Atmosph\u00e4re vergleichbar mit einem autorit\u00e4ren Regime? Sind sie \u00fcberhaupt politisch interessiert?<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tDie EAM-Plattform wird von zwei befreundeten ungarischen Experten der bildenden K\u00fcnste geleitet: Gergely Nagy, Chefredakteur von Artportal.hu, und <em>Barnab\u00e1s Bencsik<\/em>, Gr\u00fcnder und Eigent\u00fcmer der Galerie Glassyard. Zu dritt stellten wir eine Liste der K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler zusammen, die ich w\u00e4hrend meines Aufenthaltes treffen wollte. Ich legte gro\u00dfen Wert auf eine m\u00f6glichst repr\u00e4sentative Gruppe von Malerinnen und Malern, Performancek\u00fcnstlerinnen und -k\u00fcnstlern, Fotografinnen und Fotografen, j\u00fcngeren wie \u00e4lteren Kunstschaffenden. Es war relativ einfach, interessante zeitgen\u00f6ssische Kunstschaffende zu kontaktieren, die Orb\u00e1ns Regime kritisch gegen\u00fcberstehen. Aber aufgrund der Spaltung innerhalb der bildenden Kunstszene befindet sich kein einziger Name von Kunstschaffenden auf der Liste, die sich mit der Politik ihres Ministerpr\u00e4sidenten identifizieren. Dar\u00fcber hinaus beschloss ich, mich auf die Budapester Kunstszene zu konzentrieren, die einen \u00fcberm\u00e4chtigen Schatten \u00fcber die kleineren Kunstszenen des Landes, wie etwa in P\u00e9cs oder Kecskem\u00e9t, wirft.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10    wrapper__divider-bottom-large\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tAnfang Dezember 2019. Ankunft in der Stadt. Zur Verwunderung der regimekritischen Kunstszene hat Orb\u00e1ns Regierung Pl\u00e4ne f\u00fcr weitere Reformen im Kulturbereich fallen gelassen. Die Aufl\u00f6sung des\u00a0<em>Nemzeti Kultur\u00e1lis Alap \/<\/em><em>\u00a0<\/em><em>National Cultural Fund of Hungary<\/em> wurde gestoppt, und damit auch der Zerst\u00f6rungsprozess der Autonomie in der Kunst gebremst. \u00c4hnlich wie die Ernennung des wenig bekannten Oppositionellen Gergely Kar\u00e1csony zum Budapester B\u00fcrgermeister stie\u00dfen auch diese Erfolge auf Skepsis und sind Hauptgespr\u00e4chsthema. Durch diese Ver\u00e4nderungen herrscht bei meinen Treffen eine gewisse Leichtigkeit; die fr\u00f6hliche Stimmung passt gut zur vorweihnachtlichen Atmosph\u00e4re der letzten Ausstellungen des Jahres.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tIch werde nicht nur Kunstschaffende treffen, sondern auch Kuratorinnen und Kuratoren sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Kunsteinrichtungen. Dar\u00fcber hinaus werde ich an Veranstaltungen wie der Verleihung des Esterh\u00e1zy Art Awards im Museum Ludwig teilnehmen. Die Kuratorin und Kunstkritikerin Andi So\u00f3s wird mich zu manchen meiner Termine begleiten. Ihre Hilfe ist von unsch\u00e4tzbarem Wert, da sie mir als \u00dcbersetzerin zur Seite steht und mich dar\u00fcber hinaus auf unz\u00e4hlige Details im k\u00fcnstlerischen Leben der Stadt aufmerksam macht. Wie sich herausstellen soll, ist die Sichtweise der K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler der interessanteste Aspekt f\u00fcr mich und wird zum Kernthema meines Artikels.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<strong>Die Freude am Prozess<\/strong><br><br>Ich treffe S\u00e1ndor Pinczehelyi in der Galerie acb, die sich in einem entz\u00fcckenden, wenn auch ziemlich verfallenen Wohnhaus befindet, mit einem unglaublich sch\u00f6nen Innenhof, wie man ihn in einem Palais erwarten w\u00fcrde. Dies ist die wichtigste privatgef\u00fchrte Galerie in Ungarn. Unser Treffen findet mitten im gesch\u00e4ftigen Festtagstreiben statt. Der Korridor ist vollger\u00e4umt mit verpackten Werken, die darauf warten, an die jeweiligen K\u00e4uferinnen und K\u00e4ufer verschickt zu werden. Paradoxerweise k\u00f6nnten das jene Werke sein, die die Zeit \u00fcberdauern.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tS\u00e1ndor Pinczehelyi ist aus P\u00e9cs, wo er lebt und arbeitet, in die Hauptstadt gereist. Er wird seine neuesten Arbeiten im Fr\u00fchjahr 2020 in der Galerie acb ausstellen. Er zeigt sich von der Atmosph\u00e4re beeindruckt und ist eher zur\u00fcckhaltend. Das ist \u00fcberraschend, zumal er in der Kunstszene als eine Legende und einer der profiliertesten K\u00fcnstler der Avantgarde der Nachkriegszeit gilt. Einst ein mutiger Kritiker des kommunistischen Regimes meidet er heute die Politik: \u201eDie Jugend soll die Welt retten. Ich habe meinen Beitrag schon geleistet\u201c, sagt er.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tIn seiner k\u00fcnstlerischen Arbeit konzentriert sich Pinczehelyi auf die Massenproduktion und den Einsatz verschiedener Techniken. Seine Arbeiten stehen somit stark in der Tradition der Pop-Art. Er greift auf Motive und Bilder aus seiner Kindheit zur\u00fcck, die er \u00fcberarbeitet und aktualisiert. Es entsteht eine auf ihre eigene Art existenzialistische Kunst, wobei sich einige Werke auf seine Anf\u00e4nge beziehen. Im Vergleich zu seinen fr\u00fcheren ikonenhaften Arbeiten mit Hammer-und-Sichel-Motiven und den Nationalfarben Ungarns wirken seine aktuellen Werke geradezu bunt und vermitteln eine eigene Art von Fr\u00f6hlichkeit. Man k\u00f6nnte sie sogar als dekorativ bezeichnen. Pinczehelyi setzt sich mit dem kreativen Prozess und der Freude, die damit einhergeht, auseinander. Dieser Ansatz mag naiv oder gar konservativ erscheinen, aber bei einem erfahrenen K\u00fcnstler, der jahrzehntelang den Kommunismus und dann die Wende \u00fcberstanden hat, ist das authentisch und verdient Respekt.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t\u201eIst Kunst wichtig?\u201c lautet seine rhetorische Frage. \u201eKann das Werk eines K\u00fcnstlers irgendetwas ver\u00e4ndern?\u201c Er f\u00fcgt hinzu, dass die Verquickung von Kunst und Politik in Ungarn ein Fluch ist, da politisches Engagement in gewissem Ma\u00dfe Provinzialit\u00e4t zur Folge hat. Er stellt sich mit Leichtigkeit, Ironie und Distanz gegen die Besessenheit der Ungarn vom \u201eUngarischsein\u201c. Und trotzdem steht er noch zu seinen fr\u00fcheren, politischen Arbeiten, in denen nationale Motive und Politik eine wichtige Rolle spielten.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<strong>Sanfter Humor<\/strong><br><br>G\u00e1bor Erd\u00e9lyi treffe ich in der Galerie Neon, in der seine aktuellen Arbeiten ausgestellt sind. Erd\u00e9lyi arbeitet langsam. Ein Bild pro Monat, manchmal alle zwei Monate. Ich rechne das schnell aus: Sagen wir, zehn Bilder pro Jahr mal f\u00fcnfzig Jahre Schaffenszeit, das ergibt insgesamt 500 Werke. F\u00fcr Erd\u00e9lyi sind seine Bilder wie seine Kinder, ihr Entstehen vergleichbar mit einer Geburt. Dennoch f\u00e4llt es ihm nicht schwer, sich von seinen Arbeiten zu trennen. Wenn sie fertig sind, werden sie ausgestellt und in die Welt hinaus verkauft. Die Titel seiner abstrakten, kleinformatigen Kompositionen sind auf Ungarisch und klingen mitunter recht witzig. Zumindest in der \u00dcbersetzung. Wie zum Beispiel <em>Sanfter Humor<\/em>.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12 wrapper__offset-large--0\">\n\t\t\t\t\n<figure class=\"block-image-caption\">\n\t<div class=\"image-wrap block-image-caption__image-wrap\" data-align=\"center center\">\n\n\t\t\t<img\n\t\t\tsrc=\"http:\/\/tippingpoint.net\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/erdely-neon-biro.jpg\"\n\t\t\tclass=\"image  block-image-caption__image\"\n\t\t\talt=\"Foto: \u00a9 D\u00e1vid B\u00edr\u00f3\"\n\t\t\/>\n\t\n\t<\/div>\t<figcaption>\n\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--small paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-image-caption__paragraph\">\n\tG\u00e1bor Erd\u00e9lyi Ausstellung in der Galerie Neon. Foto: \u00a9 D\u00e1vid B\u00edr\u00f3<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tDie Galerie Neon befindet sich in einer adaptierten Wohnung in einem alten Wohnhaus. Im gro\u00dfen Ausstellungsraum sind die Bilder symmetrisch, in einer an eine Kapelle erinnernden Anordnung geh\u00e4ngt. W\u00e4hrend wir von Bild zu Bild gehen, sprechen wir \u00fcber Spiritualit\u00e4t und auch Religion. Meine Frage, ob er denn an Gott glaube, findet Erd\u00e9lyi eher \u00fcberraschend und befremdlich. Er besch\u00e4ftigt sich lieber mit sich selbst, mit seinen Gedanken und Gef\u00fchlen und mit seiner Arbeit im Kontext der Kunstgeschichte. Die hier ausgestellten Arbeiten sind nicht so sehr Zeugnis der Malerei, als vielmehr die Erforschung von Zwischenr\u00e4umen. Eigentlich gilt sein Interesse mehr den Ecken und Kanten, der Unterlage und den Schichten des Bildes, geht aber auch dar\u00fcber hinaus. Das ist postmoderne Kunst. Aber hat die Postmoderne im 21. Jahrhundert noch irgendeine Bedeutung? Ist es denn \u00fcberhaupt m\u00f6glich, der eigenen Lebensauffassung durch diese Art von Kunst Ausdruck zu verleihen? Die Antwort ist zweifelsfrei ja.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tErd\u00e9lyi interessiert sich nicht f\u00fcr Politik. Umso mehr f\u00fcr Fu\u00dfball. Er spielt selbst sehr gerne, ich habe aber v\u00f6llig vergessen, ihn zu fragen, auf welcher Position. Er begreift die Ausstellung seiner abstrakten Bilder nicht als ein politisches Statement. Ist es denn heute noch m\u00f6glich, solche Bilder zu schaffen? In diesen verr\u00fcckten Zeiten, mit der im Verfall begriffenen Politik, ist es nicht einfach, sich mit dieser Aufmerksamkeit und Hingabe der eigenen Arbeit zu widmen. Und doch scheint Erd\u00e9lyi genau das zu gelingen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tBei meinem Gespr\u00e4ch mit Erd\u00e9lyi werde ich von T\u00f3th \u00c1rp\u00e1d unterst\u00fctzt, dem Eigent\u00fcmer der Galerie Neon und eines Auktionshauses. Auf meine Frage nach der Marktsituation antwortet er mit einem L\u00e4cheln, dass das Gesch\u00e4ft boome und die Leute sehr kauffreudig seien. Der Taxifahrer, der mich zu diesem Treffen fuhr, traf also mit seiner Aussage den Kern: Viktor Orb\u00e1n war genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort, n\u00e4mlich in Zeiten der Hochkonjunktur, wenn es den Leuten gut geht und sie gern bereit sind, den Populisten ihre S\u00fcnden zu verzeihen. Aber eben nur solange das Geld flie\u00dft.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<strong>Sackgasse<\/strong><br><br>F\u00fcr mein Treffen mit dem Duo von Little Warsaw fahre ich \u00fcber die Donau nach Buda in ein Atelier in einem alten Reihenhaus. Unser Gespr\u00e4ch dauert \u00fcber eine Stunde und wird von B\u00e1lint Havas dominiert. Andr\u00e1s G\u00e1lik ist ebenfalls anwesend und h\u00f6rt aufmerksam zu, beteiligt sich aber erst gegen Ende an der Unterhaltung.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tDas Gespr\u00e4ch beginnt mit einem R\u00fcckblick, bei dem es haupts\u00e4chlich um den Zusammenbruch der bildenden Kunstszene nach Viktor Orb\u00e1ns Macht\u00fcbernahme vor zehn Jahren geht. Als die Verantwortlichen in Kunsteinrichtungen von regierungsnahen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ersetzt wurden, war f\u00fcr das Duo von Little Warsaw, das in den Nullerjahren eine steile Karriere gemacht hatte, eine wachsende Leere sp\u00fcrbar. Die Kuratorinnen und Kuratoren, mit denen das Duo zusammenarbeitete, gingen nach und nach ins Ausland. Ank\u00e4ufe von Arbeiten von Little Warsaw f\u00fcr \u00f6ffentliche Sammlungen lie\u00dfen nach, Einladungen zur Teilnahme an Ausstellungen und internationalen Veranstaltungen wurden immer seltener.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tZu allem \u00dcberfluss gab es noch einen Generationenwechsel. Junge Kunstschaffende und Kuratorinnen und Kuratoren haben nat\u00fcrlich wenig Interesse an fr\u00fcheren Stars, die nicht mehr ganz so hell gl\u00e4nzen. B\u00e1lint Havas vergleicht die Situation, in der sie sich pl\u00f6tzlich befanden, mit einer Sackgasse. \u201eWas bleibt zu tun, wenn pl\u00f6tzlich eine Mauer den Weg versperrt?\u201c, m\u00f6chte ich wissen. \u201eGar nichts\u201c, antwortet Havas. \u201eOder fast nichts\u201c. Das Duo betrachtet eine derartige Sackgasse aber auch als etwas Positives und Inspirierendes, denn sie l\u00e4sst es zu, einen Gang zur\u00fcckzuschalten und in Ruhe \u00fcber die eigene Arbeit nachzudenken. Die beiden finden aber nicht, dass diese Haltung der typisch ungarischen Melancholie oder gar Depression zuzuschreiben ist. Sie haben die derzeitige Hoffnungslosigkeit satt und m\u00f6chten daher einen Blick auf die Geschichte der postkommunistischen Transformation werfen, um die Ursachen des Stillstands zu erforschen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12 wrapper__offset-large--0\">\n\t\t\t\t\n<figure class=\"block-image-caption\">\n\t<div class=\"image-wrap block-image-caption__image-wrap\" data-align=\"center center\">\n\n\t\t\t<img\n\t\t\tsrc=\"http:\/\/tippingpoint.net\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/3littlewarsawmarblestreet.png\"\n\t\t\tclass=\"image  block-image-caption__image\"\n\t\t\talt=\"Photo: \u00a9\"\n\t\t\/>\n\t\n\t<\/div>\t<figcaption>\n\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--small paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-image-caption__paragraph\">\n\t&#8220;Marble Street&#8221; von Little Warsaw, 2000,<br>Reproduktion einer Fassade, Silikonkautschuk-Guss, Schwarzwei\u00dffilm<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tAls ich die beiden bitte, eine ihrer aktuellen Arbeiten zu nennen, die sie als besonders wichtig erachten, erw\u00e4hnen sie ein Buch, oder genauer gesagt, ein Foto-Comicbuch. Der Band mit dem Titel\u00a0<em>rebels<\/em> befasst sich mit einem Aufstand an der Ungarischen Akademie der Bildenden K\u00fcnste zu der Zeit, als der Kommunismus zerfiel. Das Buch enth\u00e4lt Screenshots von VHS-Aufzeichnungen mit eingef\u00fcgten Sprechblasen, erg\u00e4nzt durch Essays und Kommentare. Es ist die Erforschung eines gescheiterten Aufstands und der Wende von 1989. Der erkl\u00e4rte Wunsch des Duos nach Aktualit\u00e4t und grenz\u00fcbergreifender Relevanz scheint im Widerspruch zu dieser hermetischen Arbeit zu stehen. Die ungarische Kunst ist ihnen offenbar ein Anliegen, weiter gefasste Themen interessieren sie aber nicht.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tNach einer Definition der Kunst gefragt, meint das Duo von Little Warsaw, dass Kunst alles sein kann. Kunst kann Erz\u00e4hlen sein, sie kann Forschung sein. \u201eWenn das so ist,\u201c frage ich, \u201ewas ist Kunst <u>nicht<\/u>?\u201c F\u00fcr Havas \u201eist sie zum Beispiel nicht Familie und Kinder\u201c. Wenn es um Engagement geht, f\u00e4llt es den beiden also nicht schwer, das Pers\u00f6nliche vom Politischen und der k\u00fcnstlerischen Arbeit zu trennen. Feminismus und LGBTQ-Themen interessieren sie nicht, obwohl sie beispielsweise die Arbeit von Dominika Trapp sehr sch\u00e4tzen. Auf meine Frage nach der jungen Kunst erhalte ich eine launische Antwort. Sie seien selbst jung und f\u00fchlen sich sogar j\u00fcnger als die j\u00fcngste K\u00fcnstlergeneration. Zum Schluss dreht sich unser Gespr\u00e4ch um ungarische Nachnamen. Die zwei h\u00e4ufigsten sind \u201eNagy\u201c und \u201eKis\u201c oder \u201eKiss\u201c. Ersterer bedeutet gro\u00df und letzterer klein.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<strong>Volk, Kunst &amp; Prolaps <\/strong><br><br>Dominika Trapp ist in aller Munde. Wenn man nach interessanten, angesagten Kunstschaffenden fragt, oder \u201ewas hip ist und was nicht\u201c, f\u00e4llt immer ihr Name. Ich treffe mich mit ihr in ihrem Lieblingslokal Kelet Caf\u00e9 auf der Buda-Seite des Flusses. Sie kommt gerade aus New York zur\u00fcck und steckt in den Vorbereitungen f\u00fcr eine Ausstellung in der Galerie Traf\u00f3, einer der interessantesten Adressen auf der Budapester Landkarte der bildenden K\u00fcnste.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t\n<ol class=\"block-footnotes js-footnote-list\">\n\n<\/ol>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12 wrapper__offset-large--0\">\n\t\t\t\t\n<figure class=\"block-image-caption\">\n\t<div class=\"image-wrap block-image-caption__image-wrap\" data-align=\"center center\">\n\n\t\t\t<img\n\t\t\tsrc=\"http:\/\/tippingpoint.net\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/parasztok-atmoszferaban-foto-janos-donnak.jpg\"\n\t\t\tclass=\"image  block-image-caption__image\"\n\t\t\talt=\"Photo: \u00a9 Donn\u00e1k J\u00e1nos\"\n\t\t\/>\n\t\n\t<\/div>\t<figcaption>\n\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--small paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-image-caption__paragraph\">\n\tPeasants in Atmosphere. Foto: \u00a9 Donn\u00e1k J\u00e1nos<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tAlso vereinte Trapp Klimaaktivismus und politisches Engagement, indem sie sich die Diskurse der regierungsnahen Ideologen aneignete. Um ihr eigenes Narrativ dagegenzuhalten, startete sie das Projekt\u00a0<em>Peasants in Atmosphere<\/em>, im Rahmen dessen sie eine \u201eKonzept-Volksmusik-Band\u201c gr\u00fcndete, die sie nach dem Projekt benannte. In ihren Liedtexten spricht die Band Themen an, die absolut untypisch f\u00fcr dieses Musikgenre sind.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tAngesichts der planetaren Katastrophe erscheint Orb\u00e1ns Regime wie eine Lappalie und daher steht f\u00fcr Trapp nicht so sehr Aktivismus im Mittelpunkt, sondern eher die Auseinandersetzung mit einer Art Trauer, als ob das Ende der Welt schon gekommen w\u00e4re. In ihrer wissenschaftlichen Arbeit an der Moholy-Nagy-Universit\u00e4t zitiert sie jene Theorien, wonach es bereits zu sp\u00e4t f\u00fcr die Rettung des Planeten ist. Vielleicht ist mit den in der traditionellen Kultur schlummernden Denk- und Handlungsmustern und lang vergessenen Techniken und Werkzeugen ein \u00dcberleben noch m\u00f6glich. Trapp ist eine Verfechterin von Jem Bendells \u201eDeep Adaptation\u201c. \u201eIch denke, es werden h\u00f6chst wahrscheinlich nur kleinere Volksgruppen \u00fcberleben,\u201c erkl\u00e4rt sie. \u201eAber vielleicht nicht ausschlie\u00dflich aus Ungarn,\u201c denke ich.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tIm zweiten Teil unseres Gespr\u00e4chs geht es um Trapps neuere Arbeiten. W\u00e4hrend ihres Aufenthalts in New York befasste sie sich mit Choreographie und der \u00dcberarbeitung von patriarchalen Mustern in der Volkskultur. F\u00fcr die Ausstellung in der Galerie Traf\u00f3 bereitet sie einige Arbeiten zum Thema Pornographie vor. Dabei konzentriert sie sich auf den Einzug von BDSM in den Mainstream und die Rolle der Frauen in der Pornoindustrie. Einer der weniger bekannten Aspekte der ungarischen Kultur und der Budapester Szene ist n\u00e4mlich ihre Auseinandersetzung mit Pornographie. \u00c4hnlich wie Prag ist Budapest eines der globalen Zentren der Pornoindustrie.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tTrapp tells me that she is particularly interested in \u201cprolapse\u201d. I am forced to confess; \u201cI\u2019m not sure what you mean. You\u2019ll have to explain it to me\u201d. Rectal prolapse, where the rectum, located at the end of the large intestine, becomes displaced and slips downwards to protrude through the anus, creates a fairly specific iconography, which converges with her folk-orientated work in an unexpected way.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tVielleicht findet sich irgendwo versteckt in Trapps Kunst die L\u00f6sung des Problems der Regionalit\u00e4t, des Ungarischseins, das wiederum die Antwort zu den universellen Problemen der Menschheit in sich birgt, aber auch zu jenen existenziellen Fragen, die viele besch\u00e4ftigen. Und zwar nicht nur in Ungarn. Das erinnert mich an B\u00e9la Bart\u00f3ks ethnographische Forschungen. Trapp gibt mir eine plastische Darstellung von den Auswirkungen eines Prolapses. Als wir uns verabschieden, \u00fcberkommt mich ein Gef\u00fchl des Unbehagens beim Gedanken daran, im Internet zu recherchieren, wie so etwas aussehen kann.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<strong>Zeitlos<\/strong><br><br>Imre Bak hat f\u00fcr die bildende Kunstszene Ungarns den gleichen Stellenwert wie Frank Stella f\u00fcr die amerikanische. Mit einem einzigen Unterschied: Der 80-j\u00e4hrige Bak ist noch sehr aktiv und erfreut sich bester Gesundheit. Wir sind in der Galerie acb verabredet, wo gerade seine neuesten Bilder ausgestellt sind. Helle, fr\u00f6hliche Arbeiten, die Lebensenergie ausstrahlen \u2013 emotional anspruchsvoll und doch durchaus ansprechend.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tBak beginnt, von den Anf\u00e4ngen seiner Kunst zu sprechen, auf meinen Wunsch hin wechseln wir aber bald in die Gegenwart. Jahre zur\u00fcckliegende Erinnerungen und oft besprochene \u00dcberlegungen interessieren mich nicht. Vielmehr m\u00f6chte ich wissen, was er heute denkt und woran er arbeitet. Er erz\u00e4hlt mir, dass er sich \u00fcber aktuelle Trends in der Malerei und der bildenden Kunst im Internet informiert. Sofern es ihm m\u00f6glich ist, besucht er Ausstellungen in Budapest und auch im Ausland. Er ist bem\u00fcht, den Zeitgeist zu vermitteln, in Dialog mit der Gegenwart zu treten, und gleichzeitig mit seinen Arbeiten die Zeit zu \u00fcberwinden. Die aktuelle Situation in Ungarn interessiert ihn kaum.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12 wrapper__offset-large--0\">\n\t\t\t\t\n<figure class=\"block-image-caption\">\n\t<div class=\"image-wrap block-image-caption__image-wrap\" data-align=\"center center\">\n\n\t\t\t<img\n\t\t\tsrc=\"http:\/\/tippingpoint.net\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/3499.jpg\"\n\t\t\tclass=\"image  block-image-caption__image\"\n\t\t\talt=\"Photo: \u00a9\"\n\t\t\/>\n\t\n\t<\/div>\t<figcaption>\n\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--small paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-image-caption__paragraph\">\n\t&#8220;SELF-FACE-PICTURE&#8221; von Imre Bak, Galerie acb, 2017<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tBak spricht von B\u00e9la Bart\u00f3k, dessen Genie er in der Verschmelzung des Ungarischen mit dem Universellen verortet. Das erinnert mich an Dominika Trapp. Er sucht in der Kunst die Spiritualit\u00e4t und m\u00f6chte durch seine Bilder Energie vermitteln. Die Metaphysik weicht aber dem Interesse an Abstraktion, Geometrie und einer sehr eigent\u00fcmlichen Ordnung der Dinge und der von ihm angestrebten Harmonie. Er ignoriert meine Frage nach der aktuellen politischen Lage. Er m\u00f6chte lieber \u00fcber Kunst sprechen, zitiert Matisse. Zur Zeit des Kommunismus galt Abstraktion als politisch, da sie mit Einfl\u00fcssen aus der westlichen Kunst in Verbindung gebracht wurde. \u201eKann sie auch heute eine politische Bedeutung haben?\u201c, m\u00f6chte ich wissen, und er antwortet: \u201eNat\u00fcrlich. Als ein Raum f\u00fcr k\u00fcnstlerische Freiheit, als eine Reaktion auf Krisen und politische Dominanz. Dabei erhebt uns Kunst \u00fcber das Hier und Jetzt, sie \u00fcberwindet all die verg\u00e4nglichen, fl\u00fcchtigen und profanen Grenzen und Probleme.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tWir gehen gemeinsam durch die Ausstellung. Bak beschreibt seine Arbeiten als Selbstportr\u00e4ts oder innere Landschaften. Er arbeitet nicht an einer Staffelei, sondern legt die Leinwand flach auf einen Tisch. Die Gr\u00f6\u00dfe seiner Bilder wird durch die Reichweite seines Armes bestimmt. Sein Ma\u00dfstab ist der Mensch. Die meisten seiner Werke bestehen aus mehreren kleineren Bildern. In den anderen beiden Ausstellungsr\u00e4umen sind einige seiner \u00e4lteren Arbeiten, vor allem aus den 1980er-Jahren, zu sehen. Diese Arbeiten sind eher figurativ, beinahe narrativ. \u201eSo verhielten sich die Dinge damals und so hat man damals gemalt\u201c, erkl\u00e4rt er. Die Arbeiten stehen nat\u00fcrlich zum Verkauf. Vor vielen Jahren w\u00e4re der Preis seiner fr\u00fcheren Werke nicht der Rede wert gewesen. Heute ist jedes einzelne Bild von ihm ein Verm\u00f6gen wert. Diese hat er aus seiner Privatsammlung zur Verf\u00fcgung gestellt. \u201eDie Idee, einige meiner Arbeiten als Altersvorsorge aufzubewahren, war eine geniale Eingebung. Ich h\u00e4tte noch mehr behalten sollen\u201c, f\u00fcgt er l\u00e4chelnd hinzu.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<strong>Unter Druck <\/strong><br><br>Die Direktorin der Galerie acb, Orsolya Heged\u00fcs, ist bei meinem Treffen mit Bak anwesend. Sie erz\u00e4hlt, dass sie in den letzten Jahren sehr viel zu tun hatten. Das liegt nicht nur am wachsenden Interesse an zeitgen\u00f6ssischer Kunst und den steigenden Preisen, sondern auch daran, dass die privaten Galerien nolens volens die Rolle \u00f6ffentlicher Einrichtungen \u00fcbernahmen. B\u00fcrokratisierung und Politisierung haben dazu gef\u00fchrt, dass Kuratorinnen und Kuratoren, Kritikerinnen und Kritiker sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sich eher auf Einrichtungen wie die acb konzentrieren, die jetzt zu Zentren des k\u00fcnstlerischen Lebens avanciert sind.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tHeged\u00fcs\u2019 Worte werden vom gesch\u00e4ftigen Treiben in der Galerie untermauert. \u00dcberall sind Leute, es herrscht ein Kommen und Gehen, es wird geplaudert, gegr\u00fc\u00dft, es werden Verabredungen getroffen &#8230; Als es also Zeit wird f\u00fcr meinen Termin mit \u00c1gnes Eperjesi, suchen wir uns einen ruhigen Winkel, wo wir uns ungest\u00f6rt unterhalten k\u00f6nnen. Schlie\u00dflich landen wir im weitl\u00e4ufigen Lagerraum der Galerie und ich bekomme die Gelegenheit, einen weiteren Bereich dieses au\u00dfergew\u00f6hnlichen \u201eKunstpalais\u201c zu erkunden.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tEperjesi startete ihre Karriere als Fotografin und konzentrierte sich auf Fotogramme und Abstraktionen. Sie wurde zunehmend politisch aktiv und nahm auch an Protesten gegen Orb\u00e1ns Ma\u00dfnahmen teil. Auch ihre Kunst hat sich stark gewandelt. Fotografie hat nun Platz gemacht f\u00fcr Aktionskunst, Installationen und \u00f6ffentliche Auftritte.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tSie steht den vorherrschenden Mechanismen der Macht und der m\u00e4nnlichen Dominanz, die nicht nur an den konservativen Hochschulen f\u00fcr bildende Kunst, sondern in der gesamten bildenden Kunstszene Ungarns vorherrschen, kritisch gegen\u00fcber. Eperjesi verarbeitet die aktuelle Situation, indem sie auf die j\u00fcngere Geschichte in den 1980er-Jahren zur\u00fcckgreift, konkret auf 1989, den entscheidenden Wendepunkt. \u00c4hnlich wie Little Warsaw geht sie der Frage nach, was seitdem schiefgelaufen ist. Warum folgte der f\u00fcr die Wende gew\u00e4hlte Weg einem derart konservativen und im Grunde frauenfeindlichen Muster? Sie wei\u00df sehr genau \u00fcber die Schw\u00e4chen der feministischen Bewegung in Ungarn Bescheid. Als Hochschuldozentin ist ihr vollkommen bewusst, dass Universit\u00e4ten und Hochschulen die letzten Bastionen der Freiheit sind. \u201eTrotzdem w\u00e4re so etwas wie #MeToo auch hier notwendig, wenn man bedenkt, wie m\u00e4nnerdominiert diese Einrichtungen sind,\u201c merkt sie an.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tW\u00e4hrend wir \u00fcber die Situation in Ungarn sprechen, f\u00fcgt Eperjesi hinzu: \u201eIch w\u00fcrde nicht auswandern wollen, weil ich in der Szene hier verwurzelt und mit sehr vielen Kunstschaffenden befreundet bin.\u201c Es ist als ob sie ihre pers\u00f6nliche Karriere hinten anstellt, weil sie sich verantwortlich f\u00fchlt und f\u00fcr eine Alternative k\u00e4mpfen m\u00f6chte. Dennoch scheint sie unter Druck zu stehen und genug vom Aktivismus und dem Kampf gegen Populismus zu haben. \u201eWie viele andere Kunstschaffende nehme auch ich an Protesten und Demonstrationen teil,\u201c erz\u00e4hlt sie, \u201ein meiner Kunst bin ich aber an einem Punkt angelangt, an dem ich mich gern auf etwas anderes konzentrieren m\u00f6chte.\u201c Und deshalb hat sie auf ihre fr\u00fcheren Werke zur\u00fcckgegriffen und ihre abstrakten Fotogramme in Buchform herausgebracht. Das sind gro\u00dfartige Arbeiten, die \u00fcber die Grenzen von Sex und Politik hinausgehen und an die gro\u00dfe Tradition von L\u00e1szl\u00f3 Moholy-Nagy ankn\u00fcpfen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<strong>Das gr\u00f6\u00dfte Problem im Leben <\/strong><br><br>Unter den Kunstschaffenden, die ich traf, ist Mikl\u00f3s Erhardt der Einzige, der sich f\u00fcr Emigration entschieden hat. Er arbeitet zwar in Budapest an der Moholy-Nagy-Universit\u00e4t f\u00fcr Kunst und Design, lebt aber mit seiner Familie im zwei Stunden entfernten Wien. \u201eWien ist extrem b\u00fcrgerlich und engstirnig,\u201c erz\u00e4hlt er mir, \u201eaber es ist eine angenehme Stadt mit vielen Kunsteinrichtungen und Galerien von internationalem Format.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12 wrapper__offset-large--0\">\n\t\t\t\t\n<figure class=\"block-image-caption\">\n\t<div class=\"image-wrap block-image-caption__image-wrap\" data-align=\"center center\">\n\n\t\t\t<img\n\t\t\tsrc=\"http:\/\/tippingpoint.net\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/erhardt-parrezia-06.jpg\"\n\t\t\tclass=\"image  block-image-caption__image\"\n\t\t\talt=\"Photo: \u00a9\"\n\t\t\/>\n\t\n\t<\/div>\t<figcaption>\n\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--small paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-image-caption__paragraph\">\n\t&#8220;Parrhesia&#8221;, Video-Installation von \u00a9 Mikl\u00f3s Erhardt, 2019<br><\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tWir sitzen im Lumen-Caf\u00e9 und unterhalten uns \u00fcber Politik und die Rolle der Kunstschaffenden in der aktuellen Situation. Erhardt merkt an, dass Orb\u00e1ns Regierung f\u00fcr viele K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler nicht zwangsl\u00e4ufig schlecht ist. Damit meint er nicht nur die Angepassten, die jetzt Teil des Staatsapparats geworden sind, oder die Institutionen, die klein beigegeben haben, sondern auch die vielen Kunstschaffenden, die in ihrer eigenen Blase leben und ihre Freiheit in ihren Ateliers und an den Hochschulen ausleben.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t\u201eVor allem junge Kunstschaffende lassen die Politik komplett au\u00dfer Acht,\u201c f\u00fcgt er hinzu. Er meint, dass er in der Zeit vor Orb\u00e1n in seiner Kunst politisch aktiver war als jetzt, also bevor politisches Engagement, oder die Behauptung davon, zur Mode wurde. Er befasste sich mit der Kritik am Neoliberalismus und der Scheinheiligkeit sozialdemokratischer Regierungen. Das Fiasko, das dem Machtwechsel folgte, und das Versagen aller Beteiligten brachten Orb\u00e1n an die Macht. Erhardt besch\u00e4ftigte sich mit sozialen Ungerechtigkeiten und arbeitete, sowohl im Kollektiv als auch allein, mit sozial benachteiligten Gruppen und Obdachlosen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tIn den letzten Jahren hat sich einiges ver\u00e4ndert. Einerseits versucht er jetzt als Hochschuldozent etwas zu bewirken, indem er die n\u00e4chste Generation von Kunstschaffenden auf die Indoktrinierungsmechanismen der Machthaber aufmerksam macht. Andererseits ist er nachdenklicher geworden und man k\u00f6nnte sagen, er hat einen existenzialistischen Zugang zur bildenden Kunst entwickelt. Ich frage ihn, welche Arbeit derzeit f\u00fcr sein Werk repr\u00e4sentativ ist. \u201eDie Video-Installation mit dem zehnmin\u00fctigen Monolog des Rom, der die zentrale Figur in Istv\u00e1n D\u00e1rdays Film <em>Rongyos hercegn\u00f6<\/em> (Prinzessin in Lumpen) ist.\u201c D\u00e1rdays Video in Schwarz-Wei\u00df ist 1974 entstanden. Das Video von Erhardt, ebenfalls in Schwarz-Wei\u00df, stellt den Monolog nach, wobei er die Rolle des anonymen Protagonisten einnimmt, sich in seine Lage versetzt und seinen sozialen Verh\u00e4ltnissen nachsp\u00fcrt.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tDer Rom und Erhardt erz\u00e4hlen beide \u00fcber ihr jeweiliges Leben, \u00fcber ihre Probleme, ihren Alltag und \u00fcber die Gr\u00fcnde, warum sie vom Scheitern verfolgt sind statt vom Erfolg. Es geht nicht um eine spektakul\u00e4re Niederlage, sondern um das ganz gew\u00f6hnliche Versagen eines Menschen in seinem Leben. Das Dahinvegetieren kann genauso als Versagen empfunden werden wie das Fehlen von besonderen Leistungen, die Monotonie des Alltags oder der Zwang, sich seiner Umgebung anpassen zu m\u00fcssen. Wenn das aber das gr\u00f6\u00dfte Problem im Leben jenes ungarischen Rom oder dieses ungarischen K\u00fcnstlers ist, dann kann es nicht so schlecht um sie bestellt sein.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<strong>Careerist<\/strong><br><br>Am Tag nach der Verleihung des Esterh\u00e1zy Art Awards befinde ich mich wieder im Museum Ludwig, um dort P\u00e9ter Puklus zu treffen. Er ist einer der drei Preistr\u00e4ger von 2019, war aber bei der Gala nicht anwesend, da er gerade einen Kurs in Deutschland hielt. Eigentlich ein Zufall, aber derartigen Vorkommnissen werden in der kleinen ungarischen Kunstszene symbolhafte Bedeutung beigemessen. Es \u00fcberrascht also kaum, dass ich da und dort Kritik an Puklus vernehme. Der international anerkannte K\u00fcnstler selbst ist dar\u00fcber am\u00fcsiert und nimmt das Gerede nicht allzu ernst.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tDer 40-j\u00e4hrige, gutaussehende Puklus hat gerade eine pers\u00f6nliche Krise \u00fcberwunden, aus der er als ganz neuer Mensch hervorgeht. In der Ausstellung im Museum Ludwig zeigt er seine neuesten Arbeiten. Puklus war bereits ein bekannter Fotograf, als er sich auch Installationen und Objekten widmete. Jetzt stellt er aber erstmals als Maler aus und gewinnt gleich den mit f\u00fcnftausend Euro dotierten Esterh\u00e1zy-Preis. Auf meine Frage, warum er zu malen begonnen habe, erwidert er: \u201eIch wollte schon immer ein Maler sein.\u201c In einem Schaukasten neben seinen Bildern sind Notizhefte mit Entw\u00fcrfen zu sehen. Ein Entwurf ist ein Selbstportr\u00e4t mit dem Title\u00a0<em>Careerist<\/em>. Er h\u00f6rte, wie ein eifers\u00fcchtiger Kollege ihn so nannte und \u00fcbernahm den Beinamen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12 wrapper__offset-large--0\">\n\t\t\t\t\n<figure class=\"block-image-caption\">\n\t<div class=\"image-wrap block-image-caption__image-wrap\" data-align=\"center center\">\n\n\t\t\t<img\n\t\t\tsrc=\"http:\/\/tippingpoint.net\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/peter-pukus.jpg\"\n\t\t\tclass=\"image  block-image-caption__image\"\n\t\t\talt=\"Photo: \u00a9\"\n\t\t\/>\n\t\n\t<\/div>\t<figcaption>\n\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--small paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-image-caption__paragraph\">\n\tPeter Puklus\u2019 Arbeiten im Rahmen der Ausstellung des Esterh\u00e1zy Art Award <br>im Museum Ludwig. Mit freundlicher Genehmigung von Esterh\u00e1zy Art Award<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tWir \u00fcberqueren den Fluss und gehen nach Buda in sein Atelier in einer alten Fabrik und zu seinen noch expressiveren und wilderen Bildern, die von einer \u00fcberstr\u00f6menden Farbenf\u00fclle und Energie sind. In seinem Atelier gibt es verschiedene R\u00e4ume, die Puklus gerade umbaut, um sie als Arbeitsbereiche und Lagerr\u00e4ume zu nutzen. Seine Bilder sind so gro\u00df wie sein Bett und haben englische Titel.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tAuch Puklus \u00e4rgert sich \u00fcber die Situation in Ungarn. In der Kunstszene, die er als provinziell beschreibt, komme man nur durch Beziehungen voran, was wiederum durch politische Kontakte verst\u00e4rkt werde. Das allein bestimmt, wer was mit wem macht und wer nicht dazugeh\u00f6rt. F\u00fcr Kunstschaffende, die ausgeschlossen werden, ist die einzige L\u00f6sung eine Karriere im Ausland. F\u00fcr Puklus\u2019 Generation gibt es keine Grenzen (nach oben) und er ergreift ohne Z\u00f6gern jede Chance, die sich ihm bietet, ob in Budapest, D\u00fcsseldorf, Warschau, Paris oder New York.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tAls K\u00fcnstler ist Puklus nicht sonderlich an Politik interessiert. In den meisten seiner Arbeiten behandelt er seine pers\u00f6nliche Situation. Er selbst und seine Familie sind seine zentralen Motive. Dabei entsteht eine sehr intime Kunst, die aber dadurch \u00fcberzeugt, dass sie viele Themen aufgreift, die Vertreterinnen und Vertretern seiner Generation und gesellschaftlichen Schicht vertraut sind. Durch die Einbeziehung von Erotik vermeidet er Monotonie. Er hat einen Wandel vollzogen, von einem K\u00fcnstler, der ein Projekt nach dem anderem abarbeitet, zu einer komplett anderen Person, einem K\u00fcnstler, dem es nicht auf das Timing ankommt oder darauf, eine Arbeit zu vollenden oder weitere B\u00fccher herauszubringen. Seine neuen Bilder sind provokativ und kontrovers, aber das ist durchaus in seinem Sinne. Puklus strebt vieles an &#8230; aber bestimmt nicht Berechenbarkeit.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<strong>Die Pr\u00e4sentation und Sichtbarmachung von Nichts <\/strong><br><br>Ich bin im K\u00e9t Szerecsen, einem wunderbaren Lokal, in dem ich mich mit Zsuzsa Magyari verabredet habe. Magyari, deren Nachname \u201eungarisch\u201c bedeutet, hat vor Kurzem ihren Abschluss gemacht. Sie und eine Gruppe von Freundinnen und Freunden bilden das Kollektiv hinter Pince, einem von K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstlern selbst betriebenen Offspace. Es \u00fcberraschte mich sehr, dass gerade sie, die j\u00fcngste unter meinen Interviewpartnerinnen und -partnern, kein Englisch spricht. Dankeswerterweise begleitet mich Andi So\u00f3s und mit ihrer Hilfe flie\u00dft das Gespr\u00e4ch problemlos.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tMagyari ist keine Feministin und w\u00e4hrend ihres Studiums war m\u00e4nnliche Dominanz kein Thema f\u00fcr sie. Abgesehen von den Aufnahmepr\u00fcfungen vielleicht, bei denen, trotz der viel h\u00f6heren Zahl an Kandidatinnen, M\u00e4nner bevorzugt aufgenommen werden. Ich erz\u00e4hle, dass man in Polen wohl kaum eine K\u00fcnstlerin findet, die sich vom Feminismus distanziert. \u201eEine Freundin von mir ist Feministin,\u201c sagt sie darauf.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tBis zu einem gewissen Grad ist Magyari die Best\u00e4tigung von Erhardts These, dass die junge Generation sich f\u00fcr die politische Situation nicht interessiert. Sogar der Offspace, den sie und ihre Freundinnen und Freunde betreiben, ist an sich apolitisch. Pince wurde aus praktischen \u00dcberlegungen gegr\u00fcndet und das definiert nach wie vor seinen Zweck. Die jungen K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler hatten keine Ausstellungsr\u00e4ume, also gr\u00fcndeten sie ihre eigene Galerie. Jetzt entwickeln sie das Programm zusammen und gestalten gemeinsam die Ausstellungen. Einfach abzuwarten, bis sie ins Museum Ludwig kommen, ist genauso sinnlos, wie auf eine Karriere mit einer kommerziell gef\u00fchrten Galerie zu hoffen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12 wrapper__offset-large--0\">\n\t\t\t\t\n<figure class=\"block-image-caption\">\n\t<div class=\"image-wrap block-image-caption__image-wrap\" data-align=\"center center\">\n\n\t\t\t<img\n\t\t\tsrc=\"http:\/\/tippingpoint.net\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/youth-at-horizont-gallery-18.jpg\"\n\t\t\tclass=\"image  block-image-caption__image\"\n\t\t\talt=\"Photo: \u00a9\"\n\t\t\/>\n\t\n\t<\/div>\t<figcaption>\n\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--small paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-image-caption__paragraph\">\n\tZsuzsi Magyaris Arbeiten in der Galerie Horizont, 2019<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tIch erkundige mich vorsichtig nach finanziellen Sorgen und sonstigen \u00c4ngsten, die normalerweise junge, am Ende ihres Studiums stehende Kunstschaffende befallen. \u201eIch jobbe in einem Gesch\u00e4ft, das Hygieneartikel f\u00fcr Hunde verkauft\u201c, erz\u00e4hlt mir Magyari. \u201eDie Kunst ist einfach eine weitere T\u00e4tigkeit. Damit vermeide ich Entt\u00e4uschungen und schaffe, was ich schaffen will. Kunst ist Teil des Lebens. Eine Art Lifestyle.\u201c Ich frage nach ihrer Arbeit. Sie zeigt mir einige Fotos von einer Installation mit Plastikt\u00fcten und einer anderen mit zusammengekn\u00e4uelten Plastikfolien, die wie eine zerkn\u00fcllte Decke auf einem Bett aussehen. \u201eSch\u00f6n und poetisch,\u201c finde ich. \u201eAber nicht besonders \u00f6kologisch.\u201c \u201eDurch den Einsatz von Plastik in meiner Kunst, f\u00fchre ich ein Zero-Waste-Leben,\u201c erkl\u00e4rt sie mir. Auf meine Frage, was sie an Kunst interessiere, antwortet sie: \u201eDie Pr\u00e4sentation und Sichtbarmachung von Nichts.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<strong>Der visuelle Aspekt<\/strong><br><br>Sonntag in der Altstadt. Wieder stehe ich vor einem prachtvollen alten Haus, diesmal direkt an der Donau gelegen. Hier treffe ich G\u00e1bor \u0150sz, der in einer Wohnung im selben Geb\u00e4ude wohnt. Da ich mit seiner Frau, der Kuratorin, Autorin und Produzentin Claudia Kussel befreundet bin, wird das Interview weniger formell ablaufen. Ich bin zum Mittagessen eingeladen. Erst vor Kurzem sind die beiden nach Ungarn zur\u00fcckgekehrt, nachdem er \u00fcber 25 Jahre in Amsterdam gelebt hatte. Es war auch dort, wo er Claudia kennenlernte, mit ihr eine Familie gr\u00fcndete und die gemeinsamen Kinder aufzog. Sie haben sich aus beruflichen und privaten Gr\u00fcnden f\u00fcr den Umzug entschieden.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tWo k\u00f6nnte es zwei Lebensr\u00e4ume geben, die politisch und kulturell so diametral entgegengesetzt sind wie die Niederlande und Ungarn? \u0150sz ist sichtlich ver\u00e4rgert \u00fcber die ungarische Kunstszene und das vorherrschende Klima der Ablehnung gegen\u00fcber allem Westlichen, Liberalen und Progressiven. Aber auch die Opposition gegen Orb\u00e1ns Regierung betrachtet er durchaus n\u00fcchtern und kritisch. Seiner Meinung nach hat die Opposition keine einzige konstruktive Idee f\u00fcr Ungarn, abgesehen davon, dass sie die Fidesz-Partei absetzen m\u00f6chte. Vor Orb\u00e1n war die Situation teils noch schlimmer als jetzt, ein Beispiel sind die Rechtsextremen in der Jobbik-Partei.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12 wrapper__offset-large--0\">\n\t\t\t\t\n<figure class=\"block-image-caption\">\n\t<div class=\"image-wrap block-image-caption__image-wrap\" data-align=\"center center\">\n\n\t\t\t<img\n\t\t\tsrc=\"http:\/\/tippingpoint.net\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/liquid-horizon-osz-gabor.jpg\"\n\t\t\tclass=\"image  block-image-caption__image\"\n\t\t\talt=\"Photo: \u00a9\"\n\t\t\/>\n\t\n\t<\/div>\t<figcaption>\n\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--small paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-image-caption__paragraph\">\n\t&#8220;Liquid Horizon&#8221; von G\u00e1bor \u0150sz, No. 5 Mers les Bains, (Frankreich) 19.9.1999 (Belichtungsdauer: 5 St. 15 Min.) Camera Obscura, Cibachrome, 126 x 230,6 cm<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t\u0150sz\u2019 politische Ansichten sind eine Sache, seine Kunst eine andere. W\u00e4hrend er spricht, h\u00f6re ich eine gewisse Verbitterung heraus, eine Sehnsucht nach den Niederlanden und einer zutiefst weltoffenen Kultur, frei von nationalistischen Zw\u00e4ngen. Aber er denkt nicht ans Kapitulieren. Er gibt nicht auf und arbeitet an Ausstellungen in Budapest und versucht dabei, das Beste aus seinen internationalen Kontakten und seiner Position als im Westen anerkannter K\u00fcnstler zu machen. Er nimmt an Diskussionen zum Thema Fotografie und fotografisches Bild teil und bereitet gerade eine Ausstellung \u00fcber Fotografie vor, in der er kein einziges Foto pr\u00e4sentieren m\u00f6chte.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tWir wenden uns im Gespr\u00e4ch seiner Philosophie der Fotografie, seinen B\u00fcchern und Projekten zu. Er ist wieder zu seinen Arbeiten aus den 1990er-Jahren zur\u00fcckgekehrt, zu einer Zeit, als er sich mit einem strengen Konzeptualismus in einer von jeglichen \u00e4sthetischen Werten befreiten Fotografie besch\u00e4ftigte. Sp\u00e4ter versuchte er, die bildlichen Eigenschaften des Fotos mit einem Konzept zu verkn\u00fcpfen, das sich erst allm\u00e4hlich dem Publikum erschlie\u00dfen sollte. Dabei erw\u00e4hnt er\u00a0<em>Liquid Horizon<\/em>, eine in ehemaligen Nazi-Bunkern an der franz\u00f6sischen Atlantikk\u00fcste entstandene Fotoserie, als ein sowohl emblematisches als auch erf\u00fcllendes Projekt.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tWir sprechen \u00fcber Paul Virilio. \u00dcber das Fotografieren und Vergn\u00fcgen. <em>Liquid Horizon<\/em><em>\u00a0<\/em>ist eine gelungene Verschmelzung eines konzeptuellen Landschaftsbildes und der Freude, die das Bild bereitet. Architektur- und Landschaftsfotografie als eine Suche nach Sch\u00f6nheit. Alles auf einmal zu zeigen, bringt nichts. Die Dinge allm\u00e4hlich zeigen und heranzoomen. Den sch\u00f6nen K\u00f6rper einer uns unbekannten, aber von uns bewunderten Person fotografieren.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<strong>Nicht-K\u00fcnstler<\/strong><br><br>Tam\u00e1s St. Auby, alias Szentj\u00f3by, empf\u00e4ngt mich in seiner Wohnung auf Polnisch. Er ist schon oft in Polen gewesen. Das erste Mal 1960, als Teenager. Er kannte Tadeusz Kantor pers\u00f6nlich. Zwischen 1963 und 1981 wurde jeden Sommer in dem kleinen Ort Osiecki an der baltischen K\u00fcste eine Open-Air-Veranstaltung abgehalten, bei der sich internationale Kunstschaffende, Kunststudierende und Kunstwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler trafen. Szentj\u00f3by war 1967 dort, als Kantors legend\u00e4res\u00a0<em>Panoramiczny happeningu morski<\/em>\u00a0(Panorama-Seehappening) stattfand. Er war auch am 13. Januar 1981 in Polen, als dort das Kriegsrecht verh\u00e4ngt wurde. Er kennt beinahe alle polnischen Kunstwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler und Kunsthistorikerinnen und -historiker, sowie die meisten Neo-Avantgarde-Kunstschaffenden. Und zwar nicht nur jene aus seiner eigenen Generation.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tSzentj\u00f3by beschreibt sich selbst als einen Nicht-K\u00fcnstler. \u201eIch interessiere mich nicht f\u00fcr Kunst, sondern f\u00fcr Theologie,\u201c erkl\u00e4rt er, w\u00e4hrend er uns beiden <em>Pali\u0144ka<\/em> eingeschenkt, einen ungarischen Obstbrand. Wir sprechen \u00fcber die Urs\u00fcnde und die Konsequenzen der Vertreibung aus dem Paradies. Es ist nicht einfach, seinen Gedankeng\u00e4ngen und Assoziationen zu folgen. Er ist in bester Stimmung und lacht alle paar Minuten laut auf. Das ist ein gutes Zeichen, denn ich wurde vor seiner aufbrausenden Art und seinen spitzen Bemerkungen gewarnt.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tBald kommen wir von der Bibel zu Jesus Christus und einem sehr wichtigen Thema f\u00fcr Szentj\u00f3bys Kunst, n\u00e4mlich dem allgemeinen Grundeinkommen. Das Konzept ist f\u00fcr seine Arbeit von zentraler Bedeutung. Zurzeit arbeitet er an der Errichtung einer Grundeinkommen-Basilika, einer Art Tempel, in dem man meditieren und an einem Residenzprogramm f\u00fcr Nicht-K\u00fcnstlerinnen und Nicht-K\u00fcnstler teilnehmen kann.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tDas Thema Talent bzw. Talentlosigkeit interessiert Szentj\u00f3by. \u201eZeitgen\u00f6ssische K\u00fcnstler m\u00fcssen heute keine gute Kunst schaffen,\u201c merkt er provokativ an. \u201eIm Gegenteil, die Kunst muss heute schlecht sein, damit sie morgen als gut gelten kann.\u201c Er erz\u00e4hlt mir von seiner Ausstellung von Tausenden von schlechten Zeichnungen und zeigt mir Aufzeichnungen von dem Event. \u201eAlles geht vor die Hunde. Es wird alles immer schlechter.\u201c Aber das k\u00fcmmert Szentj\u00f3by nicht weiter. Es scheint ihn vielmehr zu am\u00fcsieren, dass immer mehr schlechte und untalentierte Leute zu guten oder gar hervorragenden Kunstschaffenden werden.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tDas ist eine verquere Auffassung von der Idee, dass jede und jeder eine K\u00fcnstlerin oder ein K\u00fcnstler sein kann und dass alles Kunst ist. Ich stelle mehrmals dieselbe Frage: \u201eIst es nicht eine zynische Haltung, die Sie da einnehmen?\u201c Er verneint und beschreibt sich selbst als einen \u201ereligi\u00f6sen K\u00fcnstler\u201c.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tWir kommen auf Solipsismus zu sprechen, auf Gut und B\u00f6se, Swedenborg und das Fegefeuer. Szentj\u00f3by weist mich darauf hin, dass sogar der Papst die Existenz der H\u00f6lle in Frage stellt. \u201eSomit sind wir alle im Fegefeuer und werden gel\u00e4utert,\u201c f\u00fcgt er hinzu. \u201eWas aber ist eigentlich das Fegefeuer?\u201c, m\u00f6chte ich wissen. \u201eUnd worin genau besteht diese L\u00e4uterung?\u201c F\u00fcr Szentj\u00f3by kommen da die Mythen ins Spiel. Dank der Mythologie ist es n\u00e4mlich m\u00f6glich, dem Fegefeuer zu entkommen und unter Umst\u00e4nden in den Himmel zu kommen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tAls ich ihn nach der aktuellen politischen Situation frage, spricht Szentj\u00f3by \u00fcber die Korruptheit von Orb\u00e1ns Regierung, steigende Preise und \u00fcber die Unverfrorenheit der Beamten, die ihm das Leben schwermachen, indem sie seine Stiftung und den Bau seiner Grundeinkommen-Basilika behindern. \u00dcber die Politik kommen wir zum Thema Streik. \u201eF\u00fcr mich,\u201c meint er, \u201eist Streik eine zutiefst k\u00fcnstlerische Handlung. Es ist eine harte Arbeit, die hier und jetzt getan werden muss, in einer Zeit, in der alles auf Ausbeutung und Produktivit\u00e4t ausgerichtet ist.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tAls K\u00fcnstler z\u00e4hlt Szentj\u00f3by zu den Vertretern der internationalen Neo-Avantgarde und somit scheinen Fragen \u00fcber Ungarn unangemessen. \u201eUnd dennoch bauen Sie Ihre Basilika hier in Ungarn,\u201c stelle ich fest. \u201eNat\u00fcrlich,\u201c sagt er, \u201eund zwar in der N\u00e4he eines erloschenen Vulkans.\u201c \u201eIch wusste gar nicht, dass es in Ungarn Vulkane gibt\u201c, werfe ich ein. \u201eIch hoffe, dass eines Tages einer von ihnen ausbricht und ganz Ungarn unter seiner Lava begr\u00e4bt,\u201c sagt Szentj\u00f3by, w\u00e4hrend er mir Pali\u0144ka nachschenkt.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<em>Dieser Artikel entstand im Rahmen des East Arts Mag Programms mit Unterst\u00fctzung des International Visegrad Fund.<\/em><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<em>Original auf Polnisch.<br>Erstmals publiziert am 5. Februar 2020 auf\u00a0<a rel=\"noopener\" href=\"https:\/\/artportal.hu\/magazin\/hybrid-regime-on-the-visual-arts-scene-in-budapest\/\" target=\"_blank\">Artportal.hu<\/a>.<br>Englische \u00dcbersetzung aus dem Polnischen von Caryl Swift. Aus dem Englischen ins Deutsche \u00fcbersetzt von <a rel=\"noopener\" href=\"http:\/\/www.wordpool.at\/\" target=\"_blank\">Mandana Taban<\/a>.<\/em><br><br><em>Dieser Text ist urheberrechtlich gesch\u00fctzt: \u00a9 Adam Mazur \/ East Art Magazines. Bei Interesse an Wiederver\u00f6ffentlichung bitten wir um Kontaktaufnahme mit der\u00a0<a rel=\"noopener\" href=\"http:\/\/magazine.erstestiftung.org\/de\/erste-stiftung\/impressum\/\" target=\"_blank\">Redaktion<\/a>.<br>Urheberrechtliche Angaben zu Bildern, Grafiken und Videos sind direkt bei den Abbildungen vermerkt. Titelbild: Zsuzsi Magyaris Arbeiten in der Galerie Horizont, 2019.<\/em><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber die bildende Kunstszene in Budapest<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2428,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[299,434],"tags":[264,312,267],"formats":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3720"}],"collection":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3720"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3720\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4995,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3720\/revisions\/4995"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2428"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3720"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3720"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3720"},{"taxonomy":"format","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/formats?post=3720"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}