{"id":3711,"date":"2020-07-28T00:00:00","date_gmt":"2020-07-28T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/erste-foundation.byinfinum.co\/unaufhaltsam\/"},"modified":"2021-07-07T09:21:05","modified_gmt":"2021-07-07T09:21:05","slug":"unaufhaltsam","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/unaufhaltsam\/","title":{"rendered":"Unaufhaltsam"},"content":{"rendered":"\n\n\t\n\t\t\t
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\n\tEin Vierteljahrhundert nach dem Krieg nimmt die Bev\u00f6lkerung von Bosnien und Herzegowina rasant ab \u2013 und das betrifft alle Volksgruppen.<\/strong><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tIlija war w\u00fctend. W\u00e4hrend er sein Taxi durch Sarajevo steuerte, erz\u00e4hlte der 42-J\u00e4hrige von einem Job als Lkw-Fahrer, den man ihm in Deutschland angeboten hatte, f\u00fcr den er aber eine zus\u00e4tzliche Genehmigung brauchte. Bis er jedoch in seiner Heimat eine solche erlangt hatte, war der Job weg. Er wollte Bosnien und Herzegowina fr\u00fcher nie verlassen, aber nun war er mit seiner Geduld am Ende.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\t\u201eF\u00fcnfundzwanzig Jahre lang hatte ich Hoffnung\u201c, meinte er. \u201eJetzt hasse ich mich daf\u00fcr.\u201c Wie viele andere klammerte er sich an den Glauben, dass Bosnien bald ein \u201enormales\u201c Land mit einer vern\u00fcnftigen Zukunftsperspektive sein werde \u2013 aber mittlerweile hat er resigniert und ist wieder auf dem Weg nach Deutschland.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tSein Bruder und seine Schw\u00e4gerin sind mit ihren beiden Kindern bereits dort. Sie hatten ihm gesagt, dass sie Bosnien nie verlassen w\u00fcrden, \u201eund dann gingen sie eines Tages einfach\u201c. W\u00fctende Tiraden wie jene von Ilija h\u00f6rt man in Bosnien tagt\u00e4glich. Und ein Vierteljahrhundert nach Ende des Kriegs ist der st\u00e4ndige Verweis auf die mangelnde Hoffnung ein wichtiger Anhaltspunkt, um die prek\u00e4re demografische Situation, in der sich das Land befindet, zu erkl\u00e4ren.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tLaut Umfrage des Regionalen Kooperationsrats (Balkan Public Barometer<\/a>) sind 68 Prozent der Bev\u00f6lkerung mit der Entwicklung Bosniens unzufrieden. Im Jahr 1991, kurz vor dem Bosnienkrieg, lebten rund vier Millionen Menschen im Land. Heute sind es sch\u00e4tzungsweise nur noch 3,3 Millionen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tBosnien und Herzegowina \u2013 Demografische Kennzahlen. Infografik: \u00a9 Ewelina Karpowiak \/ Klawe Rzeczy<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tFrauen bekommen in Bosnien im Durchschnitt 1,26 Kinder. Das liegt nicht nur weit unter den 2,1, die ein Land ohne Einwanderung f\u00fcr eine stabile Bev\u00f6lkerung ben\u00f6tigt, es ist auch eine der niedrigsten Geburtenziffern weltweit.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tSollte sich nichts \u00e4ndern, k\u00f6nnte die Bev\u00f6lkerung Bosniens nach Angaben der Vereinten Nationen bis 2050 auf 3,05 Millionen schrumpfen. Das w\u00e4ren etwa 29 Prozent weniger als kurz vor dem Krieg. Abh\u00e4ngig von der Abwanderungsrate k\u00f6nnte diese Zahl jedoch schon viel fr\u00fcher erreicht werden.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tBev\u00f6lkerungsver\u00e4nderung in Bosnien und Herzegowina. Infografik: \u00a9 Ewelina Karpowiak \/ Klawe Rzeczy<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tBis vor Kurzem ging es bei allen Diskussionen \u00fcber die Bev\u00f6lkerungsentwicklung Bosniens um die Anzahl und den Prozentsatz der im Land lebenden Serben, Kroaten, Bosniaken und anderen Ethnien. Diese Debatten werden weiterhin gef\u00fchrt, aber mittlerweile nimmt die gesamte Bev\u00f6lkerung ab, ungeachtet der ethnischen Zugeh\u00f6rigkeit. Die Arbeitslosigkeit war fr\u00fcher ein riesiges Problem und ist es f\u00fcr viele mancherorts noch heute, es zeichnet sich jedoch zunehmend ein Arbeitskr\u00e4ftemangel ab.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tIn den Nachbarl\u00e4ndern Serbien und Kroatien bem\u00fchen sich die Regierungen, Ma\u00dfnahmen zur Bew\u00e4ltigung dieser Probleme zu ergreifen und Paare zu ermutigen, mehr Kinder zu bekommen. Insbesondere angesichts der enormen Nachfrage nach Arbeitskr\u00e4ften in Deutschland und anderen westlichen L\u00e4ndern sind diese M\u00f6glichkeiten zur Einflussnahme jedoch begrenzt.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tBosnien ist \u00e4rmer als seine Nachbarn und hat aufgrund seines dysfunktionalen politischen Systems noch mehr M\u00fche damit, die demografische Krise in den Griff zu bekommen. In der gesamten Region des ehemaligen Jugoslawien ist es schwierig, an genaue Daten zu kommen. In Bosnien ist es noch komplizierter.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tBOSNIERINNEN UND BOSNIER IN ZAHLEN<\/h2>\n\t
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\n\tIm Jahr 1879 lebten 1,15 Millionen Menschen in Bosnien.
Im Jahr 1948 waren es 2,56 Millionen und 1991 stieg die Zahl auf 4,37 Millionen, wobei auch Personen, die im Ausland arbeiteten, mitgerechnet wurden und die tats\u00e4chliche Anzahl bei nur vier Millionen gelegen haben d\u00fcrfte. Gesch\u00e4tzte 100.000 Menschen starben w\u00e4hrend des Kriegs 1992-95.

Laut Expertenmeinung ist heute von einer Bev\u00f6lkerung von 3,3 Millionen Menschen auszugehen \u2013 aber niemand wei\u00df das mit Sicherheit. Die Geburtenziffer Bosniens ist mit 1,26 Kindern pro Frau eine der niedrigsten weltweit.

Gem\u00e4\u00df den revidierten Zahlen der Volksz\u00e4hlung 2013 betrug die Bev\u00f6lkerung Bosniens 3,53 Millionen, von denen 2,21 Millionen in der F\u00f6deration, 1,22 Millionen in der Republika Srpska und 83.500 in Br\u010dko lebten.

Im Jahr 2050 werden laut Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen 3,058 Millionen Menschen in Bosnien leben. Abgesehen von Kroatien und Serbien ist eine gro\u00dfe Zahl von Bosnierinnen und Bosniern in Deutschland, \u00d6sterreich und Slowenien ans\u00e4ssig.

Dem j\u00fcngsten Balkan Public Barometer<\/a> zufolge w\u00fcrden 34 Prozent erw\u00e4gen, der Arbeit wegen ins Ausland zu gehen. Im Jahr 2015 waren es 58 Prozent.

Im Jahr 2017 waren in \u00d6sterreich 167.000 Personen registriert, die in Bosnien geboren wurden. Am 1. J\u00e4nner 2018 z\u00e4hlte man 95.000 bosnische Staatsb\u00fcrgerinnen und Staatsb\u00fcrger mit Wohnsitz in \u00d6sterreich.

Am 31. Dezember 1992 waren knapp 20.000 in Deutschland lebende Bosnierinnen und Bosnier registriert. Diese Zahl stieg w\u00e4hrend des Kriegs sprunghaft an und erreichte Ende 1996 mit 341.000 ihren H\u00f6chststand. Bis Ende 2010 war sie auf 152.000 gesunken. Seitdem steigt die Zahl wieder allm\u00e4hlich an. Ende 2018 waren in Deutschland 190.000 Bosnierinnen und Bosnier registriert. Hinzu kamen 396.000 Kroatinnen und Kroaten, von denen bis zu 20 Prozent aus Bosnien stammen k\u00f6nnten, die aber kroatische P\u00e4sse besa\u00dfen. Die Zahl der in Deutschland lebenden serbischen B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger belief sich auf 216.000.

Nach und von Deutschland herrscht ein reges Kommen und Gehen. Im Jahr 2018 wurden in Deutschland 25.000 Menschen erfasst, die aus Bosnien einreisten, um sich in der Bundesrepublik niederzulassen und zu arbeiten, und knapp 11.000, die Deutschland Richtung Bosnien verlie\u00dfen.
In den Jahren 2014-18 registrierte man in Deutschland 119.000 Personen aus Bosnien und 68.000 verlie\u00dfen Deutschland Richtung Bosnien, was bedeutet, dass sich in diesem Zeitraum 50.000 dauerhaft in Deutschland niederlie\u00dfen.
Zwischen 2000 und 2018 z\u00e4hlte man knapp 40.000 Bosnierinnen und Bosnier, die die deutsche Staatsb\u00fcrgerschaft annahmen. Im Jahr 2018 waren es 1.880. Die Zahl ist in den vergangenen 15 Jahren etwa gleich geblieben.

Seit 2009 sterben jedes Jahr mehr Bosnierinnen und Bosnier als geboren werden. Im Jahr 2016 z\u00e4hlte das Land 30.183 Geburten und 36.571 Sterbef\u00e4lle, was einen nat\u00fcrlichen Verlust von mehr als 6.000 bedeutet.
Im Jahr 1997 gab es einen H\u00f6chststand von 48.397 Geburten und 27.875 Sterbef\u00e4lle, was einem nat\u00fcrlichen Zuwachs von knapp 21.000 Personen entspricht. Diese Periode des positiven Wachstums ging 2007 zu Ende.

\u00dcber die gesamte Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg gab es ein nat\u00fcrliches Bev\u00f6lkerungswachstum, das 1958 mit rund 80.000 mehr Geburten als Sterbef\u00e4lle seinen H\u00f6hepunkt erreichte und danach abzunehmen begann.

Bei der Volksz\u00e4hlung aus dem Jahr 1971 wurden Muslime\/Bosniaken erstmals als gr\u00f6\u00dfte Volksgruppe in Bosnien erfasst, eine Position, die in der Vergangenheit den Serben vorbehalten war. Gem\u00e4\u00df der Volksz\u00e4hlung von 1991 betrug der Anteil der Muslime\/Bosniaken 43,5 Prozent der Bev\u00f6lkerung, der der Serben 31,2 Prozent und der der Kroaten 17,43 Prozent. Im Jahr 2013 z\u00e4hlte man 50,11 Prozent Bosniaken, 30,78 Serben und 15,43 Prozent Kroaten.<\/p>\n\t<\/div>\n<\/div>\n\t<\/div>\n\n<\/div>\n\n\n\n

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\n\tGem\u00e4\u00df der letzten jugoslawischen Volksz\u00e4hlung von 1991 lebten in Bosnien 4,37 Millionen Menschen. Tats\u00e4chlich waren es weit weniger, m\u00f6glicherweise etwa vier Millionen, denn die jugoslawischen Volksz\u00e4hlungen bezogen auch jene, die im Ausland arbeiteten, sowie ihre Familien ein.

Weitaus schwieriger gestaltet sich die Sch\u00e4tzung der aktuellen Bev\u00f6lkerung. Auf allen Seiten haben Politikerinnen und Politiker ein Interesse daran, die Bev\u00f6lkerungszahlen ihrer eigenen Gemeinden h\u00f6her und jene der anderen niedriger anzusetzen. Bosniens Statistik\u00e4mter sind auch nicht in der Lage, die Zahl der Abwanderer zu ermitteln.

Im Zuge der Volksz\u00e4hlung 2013 wurden Serben, Kroaten und Bosniaken in der Diaspora, einschlie\u00dflich derer in Serbien und Kroatien, die nicht weit reisen mussten, dazu angehalten, f\u00fcr den Zeitraum, in dem die Daten erhoben wurden, zur\u00fcckzukehren.

Infolgedessen belief sich die anf\u00e4nglich ver\u00f6ffentlichte Zahl der bosnischen Bev\u00f6lkerung auf 3,79 Millionen. Davon wurden jedoch sp\u00e4ter 260.832 Personen, die als nicht dauerhaft ans\u00e4ssig galten, wieder abgezogen. Aus diesem Grund lag das endg\u00fcltige Ergebnis der Volksz\u00e4hlung bei 3,5 Millionen. Von der Republika Srpska (RS), dem serbisch dominierten Landesteil, wurden die Ergebnisse der Volksz\u00e4hlung allerdings abgelehnt.

Wie Damir Josipovi\u0107, ein Demograf am Institut f\u00fcr ethnische Studien in Ljubljana,
schriftlich festhielt<\/a>, \u201eergab eine Analyse, dass die offizielle Bev\u00f6lkerungszahl in Bosnien-Herzegowina viel zu hoch angesetzt war\u201c. Er kam zu dem Schluss, dass diese im Jahr 2013 nur 3,3 Millionen betragen haben k\u00f6nnte.

Emir Kremic, der Direktor des statistischen Bundesamts, und Nermin Oruc, Leiter des sozialwissenschaftlichen Think-Tanks CREDI, sind allerdings beide der Ansicht, dass die Zahl der heute in Bosnien lebenden Menschen mit 3,3 Millionen korrekt gesch\u00e4tzt ist.

Sollte die revidierte Zahl der Volksz\u00e4hlung von 2013 stimmen, w\u00fcrde dies bedeuten, dass die Bev\u00f6lkerung Bosniens infolge der Abwanderung und aufgrund einer h\u00f6heren Anzahl an Todesf\u00e4llen im Vergleich zu Geburten um rund 200.000 Menschen abgenommen hat. Es sei \u201eein Witz\u201c zu behaupten \u2013 wie es einige Nichtregierungsorganisationen getan haben \u2013, so Kremic, dass dies der Anzahl an Personen entspreche, die allein in den letzten drei Jahren ausgewandert sind.

Ein gro\u00dfes Problem stellen nicht nur der Mangel an zuverl\u00e4ssigen Daten, sondern auch die widerspr\u00fcchlichen Zahlen dar. Den Arbeitskr\u00e4fteerhebungen zufolge sind die Bev\u00f6lkerungszahlen Bosniens niedriger als die Sch\u00e4tzungen der Statistik\u00e4mter.

Jeder Konflikt, von 1878 bis zum letzten Krieg, hatte enorme Bev\u00f6lkerungsbewegungen zur Folge. Es wird angenommen, dass rund zwei Millionen Menschen w\u00e4hrend des Kriegs von 1992 bis 1995 entweder innerhalb Bosniens vertrieben wurden oder ins Ausland gefl\u00fcchtet sind. Nach dem Krieg kehrte eine gro\u00dfe Anzahl von ihnen zur\u00fcck, in vielen F\u00e4llen jedoch nicht in ihre angestammten Wohngebiete.

Eine gro\u00dfe Zahl bosnischer Kroatinnen und Kroaten floh nach Kroatien und bosnische Serbinnen und Serben nach Serbien, w\u00e4hrend viele Serbinnen und Serben, die aus Kroatien flohen, sich in der RS niederlie\u00dfen und so den Verlust an bosnischen und kroatischen B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern zum Teil \u201eausglichen\u201c.

W\u00e4hrend die Neuordnung der ethnischen Landkarte von nationalistischen Ideologen gefeiert wurde, f\u00fchrte der Konflikt zu enormen demografischen Ver\u00e4nderungen innerhalb des Landes und zu Verlusten auf allen Seiten \u2013 ganz zu schweigen von den rund 100.000 Menschen, die im Krieg umkamen.

Laut Josipovi\u0107 fielen 32 Prozent der kroatischen Bev\u00f6lkerung Bosniens dem Krieg zum Opfer. Der Anteil der Verluste in der serbischen Volksgruppe belief sich dabei auf 25 Prozent, bei den Bosniaken waren es 12 Prozent.

Die Zahl der Geburten \u00fcberwog bei Weitem die Zahl der Sterbef\u00e4lle, was m\u00f6glicherweise der Tatsache geschuldet war, dass die unmittelbaren Nachkriegsjahre eine Zeit der Hoffnung waren.

Auf den ersten Blick k\u00f6nnte man von einem Babyboom der Nachkriegszeit sprechen. Vergleicht man die Zahlen mit den Geburten- und Sterbeziffern vor dem Krieg, so sind diese zwar geringer, als ohne Krieg zu erwarten gewesen w\u00e4ren, aber sie entsprechen den Entwicklungen vor dem Krieg.

Die Zahl der Geburten nahm jedoch einige Jahre nach dem Krieg rapide ab, w\u00e4hrend die Zahl der Todesf\u00e4lle zunahm. Im Jahr 2016 gab es 6.388 mehr Sterbef\u00e4lle als Geburten.

W\u00e4hrend der Zeit der jugoslawischen Republik verschoben sich die Bev\u00f6lkerungszahlen und das ethnische Gleichgewicht in Bosnien. Z\u00e4hlten Serben historisch gesehen zur gr\u00f6\u00dften Volksgruppe, so ergab die Volksz\u00e4hlung von 1971, dass Muslime (jetzt Bosniaken genannt) diesen Platz eingenommen hatten.<\/p>\t<\/div>\n\n<\/div>\n\n<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tNach dem Zweiten Weltkrieg zog eine gro\u00dfe Zahl von Serbinnen und Serben aus den \u00e4rmeren Regionen in Serbiens fruchtbare Vojvodina, aus der ethnische Deutsche im Zuge der ethnischen S\u00e4uberung vertrieben worden oder geflohen waren. Serbinnen und Serben gingen auch eher nach Serbien, um dort zu studieren oder zu arbeiten, w\u00e4hrend bosnische Kroatinnen und Kroaten nach Kroatien \u00fcbersiedelten und Bosniakinnen und Bosniaken aus der Region Sand\u017eak, die Teile Serbiens und Montenegros umfasst, nach Bosnien zogen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tIn den vergangenen 25 Jahren waren verschiedene Trends zu beobachten. Da Kroatien bosnischen Kroatinnen und Kroaten und allen, die geltend machen k\u00f6nnen, kroatischer Herkunft zu sein, die Staatsb\u00fcrgerschaft verleiht, haben viele dieses Recht in Anspruch genommen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tEUROPE’S FUTURES<\/h2>\n\t
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\n\tEuropa erlebt seine dramatischste und herausforderndste Zeit seit dem Ende des Zweiten Weltkrieg. Das europ\u00e4ische Projekt steht auf dem Spiel und die liberale Demokratie wird sowohl von innen als auch von au\u00dfen gefordert. Von allen Seiten der staatlichen und nicht-staatlichen Akteure ist es dringend erforderlich, sich mit den brennenden Problemen zu befassen und das, was durch das politische Friedensprojekt sorgf\u00e4ltig erreicht wurde, zu bekr\u00e4ftigen.

Zwischen 2018 und 2021 engagieren sich jedes Jahr sechs bis acht f\u00fchrende europ\u00e4ische Expertinnen und Experten als\u00a0Europe\u2019s Futures<\/a>\u00a0Fellows. Sie schaffen damit eine einzigartige eine Plattform der Ideen, um grundlegende Ma\u00dfnahmen zu pr\u00e4sentieren, deren Ziel es ist, die Vision und Realit\u00e4t Europas zu st\u00e4rken und voranzutreiben. Europe\u2019s Futures basiert auf eingehenden Untersuchungen, konkreten politischen Vorschl\u00e4gen und dem Austausch mit staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren, dem \u00f6ffentlichen Diskurs und Medien.<\/p>\n\t<\/div>\n<\/div>\n\t<\/div>\n\n<\/div>\n\n\n\n

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\n\tZu Zeiten Jugoslawiens zogen viele Kroatinnen und Kroaten, vor allem aus der westlichen Herzegowina, zum Arbeiten nach Deutschland oder in andere L\u00e4nder. Nach dem Krieg \u2013 vor allem nach dem Beitritt Kroatiens zur Europ\u00e4ischen Union 2013 \u2013 gingen viele Bosnierinnen und Bosnier zun\u00e4chst nach Kroatien, um die Arbeitspl\u00e4tze der Kroatinnen und Kroaten zu \u00fcbernehmen, die nun nach Deutschland ziehen.

Auch in der Saisonarbeit kamen vermehrt Bosnierinnen und Bosnier zum Einsatz, die etwa im Sommer in Kroatien im Tourismus t\u00e4tig waren. Heute spielt die saisonale und zirkul\u00e4re Migration nach wie vor eine wichtige Rolle, insbesondere aus der RS, auch wenn Deutschland, Slowenien und \u00d6sterreich, wo es h\u00f6here L\u00f6hne und bessere Arbeitsbedingungen gibt, mittlerweile bevorzugte Ziele geworden sind.

Die Nicht-EU-Mitgliedschaft erschwerte es Bosnierinnen und Bosniern ohne kroatische Staatsb\u00fcrgerschaft, in der EU zu arbeiten. In j\u00fcngster Zeit hat die Nachfrage nach Arbeitskr\u00e4ften in verschiedenen L\u00e4ndern es jedoch weitaus einfacher gemacht, dort legal einer T\u00e4tigkeit nachzugehen. Slowenische und kroatische Agenturen rekrutieren auch Bosnier, zum Beispiel als Lkw-Fahrer, die dann in L\u00e4ndern wie Deutschland t\u00e4tig sind.

Einige finden Besch\u00e4ftigung \u00fcber die bosnische Arbeits- und Personalvermittlungsagentur, die eine Vereinbarung mit Deutschland hat, Pflege- und Arbeitskr\u00e4fte aller Art zu vermitteln. Zwischen 2013 und 2019 gingen mehr als 5.000 Pflegekr\u00e4fte im Rahmen dieses Programms nach Deutschland und \u201enur 20 sind nach Bosnien zur\u00fcckgekehrt\u201c, sagte der Sprecher der Agentur, Boris Pupic.<\/p>\t<\/div>\n\n<\/div>\n\n<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tIm gleichen Zeitraum gab es etwas mehr als 47.000 Vertr\u00e4ge f\u00fcr Slowenien, es ist jedoch nicht bekannt, wie viele dieser Arbeitskr\u00e4fte dort verbleiben. Davon sind 23 Prozent Kraftfahrer, und die meisten anderen verf\u00fcgen \u00fcber verschiedene Qualifikationen, die in der Bauwirtschaft ben\u00f6tigt werden.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tDie Abwanderung und sinkenden Geburtenraten haben nun einen Mangel an medizinischem Personal und Bauarbeitern zur Folge. Schulen wiederum m\u00fcssen schlie\u00dfen, weil es zu wenig Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler gibt. Oruc mokierte sich \u00fcber Regierungsbeamte, die von einem \u201eExport\u201c von Arbeitskr\u00e4ften sprechen. Das zeige nur, dass man der Auffassung sei, \u201eje mehr Menschen wir ins Ausland schicken, desto niedriger wird die Arbeitslosenquote sein, und es wird weniger Druck auf Sozialleistungen und mehr R\u00fcck\u00fcberweisungen geben. Ich finde es nicht richtig, dies als eine Errungenschaft und einen Erfolg darzustellen.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tGr\u00f6\u00dfte demografische Verlierer. Infografik: \u00a9 Ewelina Karpowiak \/ Klawe Rzeczy<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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    \n\tDie Situation in Bosnien l\u00e4sst sich am besten mit einer Karikatur<\/a> zusammenfassen, die von Buka, einer Online-Nachrichtenseite aus der RS, ver\u00f6ffentlicht wurde. Als Reaktion auf eine Diskussion der RS-Regierung \u00fcber Ideen, was gegen Abwanderung und niedrige Geburtenraten unternommen werden k\u00f6nne, ohne dass jedoch Ma\u00dfnahmen ergriffen worden w\u00e4ren, kommentierte Buka, dass die Minister immer noch nicht verstanden h\u00e4tten, was auf dem Spiel steht.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n

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    Buka karikatura: Populaciona politika Srpske u jednoj slici. Mi mijenjamo dan za no\u0107 https:\/\/t.co\/t1H1ecqxJj<\/a><\/p>\n

    \u2014 Buka portal (@Buka_portal) September 13, 2019<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n