{"id":3698,"date":"2020-04-23T00:00:00","date_gmt":"2020-04-23T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/erste-foundation.byinfinum.co\/kein-land-fuer-notleidende\/"},"modified":"2021-07-07T09:47:21","modified_gmt":"2021-07-07T09:47:21","slug":"kein-land-fuer-notleidende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/kein-land-fuer-notleidende\/","title":{"rendered":"Kein Land f\u00fcr Notleidende"},"content":{"rendered":"
\n\tWie Bosniens Vers\u00e4umnis, sich um seine Kriegsvertriebenen zu k\u00fcmmern, die j\u00fcngste humanit\u00e4re Krise vorzeichnete.<\/strong><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tAm Ostersonntag 2010 kam Angelina Jolie in die Stadt Rogatica im Osten Bosniens und vollbrachte ein Wunder. Der Hollywood-Star bereiste das Land in ihrer Rolle als Botschafterin des UN-Fl\u00fcchtlingshilfswerks UNHCR. In einem zu einer Behelfsunterkunft umfunktionierten ehemaligen Schulgeb\u00e4ude lernte sie Lena Babic kennen, eine \u00e4ltere Dame, die ihr Zuhause im Bosnienkrieg 18 Jahre zuvor verloren hatte. Die beiden Frauen unterhielten sich mithilfe eines Dolmetschers \u2013 Angelina sprach \u00fcber ihre Kinder, Lena \u00fcber das lange Warten auf ein neues Zuhause.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\t\u201eIch wusste nicht, dass sie eine ber\u00fchmte Schauspielerin ist\u201c, erz\u00e4hlte Lena \u00fcber diese erste Begegnung. \u201eEs war, als ob ich sie schon ewig kennen w\u00fcrde.\u201c Es gab Kaffee und Kuchen und, da es Ostersonntag war, handbemalte hartgekochte Eier \u2013 eine orthodoxe Tradition zur Feier des Wunders der Auferstehung Christi.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tLenas Begegnung mit Angelina sollte bald weiteren Anlass zum Feiern geben. Medienberichte \u00fcber die schlimmen baulichen Zust\u00e4nde hatten Hilfsangebote aus dem Ausland zur Folge. Innerhalb von zwei Jahren wurden Lena und ihre Nachbarn in einen neuen, eigens errichteten Wohnblock umgesiedelt \u2013 eine Glanzleistung, die im Nachkriegsbosnien nur als Wunder bezeichnet werden kann.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tRund 8.000 Menschen, die im Bosnienkrieg ihr Zuhause verloren haben, warten nach wie vor auf ein Wunder. Seit 25 Jahren leben sie unter katastrophalen Bedingungen in sogenannten \u201eKollektivzentren\u201c \u2013 urspr\u00fcnglich provisorisch errichtete Kriegsbaracken, die mangels Alternativen zu einer dauerhaften Bleibe geworden sind. Vor sechs Jahren wurde diesen Menschen von den europ\u00e4ischen Regierungen ein Kredit in H\u00f6he von 60 Millionen Euro f\u00fcr ihre Umsiedelung zugesagt. Neue H\u00e4user wurden jedoch kaum gebaut.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tIm vergangenen Jahr hatte das f\u00fcr dieses anhaltende Scheitern verantwortliche Regierungssystem mit einer humanit\u00e4ren Krise zu k\u00e4mpfen \u2013 dieses Mal ging es um die Unterbringung von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die w\u00e4hrend des bosnischen Winters auf dem Weg nach Westeuropa hier gestrandet waren. Die Krise war nicht allein Bosnien zuzuschreiben. Weitgehend verantwortlich daf\u00fcr war die vom benachbarten Kroatien durchgesetzte Grenzpolitik der Europ\u00e4ischen Union.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tWie Bosnien mit Tausenden Ausl\u00e4ndern, die in der Fremde eine Heimat suchen, umgehen w\u00fcrde, lie\u00df sich angesichts der Tausenden seiner eigenen B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger, die seit 25 Jahren auf ein Zuhause warten, schon erahnen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tBosniens Reaktion darauf versch\u00e4rfte die ohnehin schon ernste Situation jedoch zus\u00e4tzlich. Wie im Fall der Kollektivzentren wurden die Bereitstellung von Unterk\u00fcnften und ausl\u00e4ndische Hilfsma\u00dfnahmen durch ein komplexes politisches System behindert, das zu Vers\u00e4umnissen f\u00fchrt und Fragen der Verantwortlichkeit ungereimt l\u00e4sst. Auf dem H\u00f6hepunkt der Krise wurden diesen Winter Tausende von Fl\u00fcchtlingen und Migranten in einem von Krankheiten verseuchten Camp in Vu\u010djak im Nordwesten Bosniens zusammengepfercht, w\u00e4hrend man vor Ort \u00fcber ihre Umsiedelung stritt.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tDas politische System Bosniens fu\u00dft auf dem von den USA vermittelten Abkommen von Dayton, dem die Beendigung dieses Konflikts zugeschrieben wird. F\u00fcr die Unzul\u00e4nglichkeiten des Systems, die durch die Pattsituation in der Vu\u010djak-Frage zutage traten, kann jedoch nicht allein das Abkommen verantwortlich gemacht werden.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tIn Kollektivzentren wie diesem in Mihatovi\u0107i w\u00e4chst eine neue Generation heran. Foto: \u00a9 Milena Mitrovi\u0107<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\t\u201eDer Zweck von Dayton war es, den Krieg zu stoppen, nicht, einen funktionierenden Staat zu errichten\u201c, meinte Jessie Barton-Hrone\u0161ov\u00e1, eine Forschungsstipendiatin und Balkanexpertin des Instituts f\u00fcr internationale Entwicklung der Universit\u00e4t Oxford. \u201eBosnien h\u00e4tte ein funktionierender Staat sein k\u00f6nnen, wenn der politische Wille vorhanden gewesen w\u00e4re und wenn die entscheidenden Politiker beschlossen h\u00e4tten, aus Bosnien einen funktionierenden Staat zu machen.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tVon den Lagern auf den griechischen Inseln bis zum Zaun entlang der ungarischen Grenze: Die Reaktion einzelner L\u00e4nder auf die Migranten und Fl\u00fcchtlinge hat ebenso viel \u00fcber sie ausgesagt wie \u00fcber die Europ\u00e4ische Union. In Bosnien kam zur Migrationskrise Europas das Versagen des Staates hinzu. Wie das Land mit Tausenden Ausl\u00e4ndern, die in der Fremde eine Heimat suchen, umgehen w\u00fcrde, lie\u00df sich angesichts der Tausenden seiner eigenen B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger, die seit 25 Jahren auf ein Zuhause warten, schon erahnen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\t\u201eWir haben wertvolle Zeit verloren.\u201c<\/strong> \n\tDas Projekt hinkt jedoch mindestens f\u00fcnf Jahre hinter dem Zeitplan her. Der urspr\u00fcnglich f\u00fcr das Jahr 2017 festgelegte Fertigstellungstermin wurde auf 2022 revidiert. Bisher sind nur acht der 121 Kollektivzentren geschlossen worden. Die CEB-L\u00e4ndermanagerin f\u00fcr Bosnien, Karin Lepp, erkl\u00e4rte dem Balkan Investigative Reporting Network (BIRN), dass die Bank nicht f\u00fcr die Umsetzung des Projekts verantwortlich sei. \u201eDie Verwendung der geliehenen Mittel ist Sache der bosnischen Beh\u00f6rden\u201c, meinte sie. \u201eWir haben keinerlei Art von Mechanismus, um Druck auf den Staat auszu\u00fcben.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tWie auch immer es mit dem Projekt weitergeht, f\u00fcr Grozdan Cvijanovi\u0107 kommt es zu sp\u00e4t. Der ehemalige Soldat verstarb im vergangenen Februar im Alter von 59 Jahren. Er war bettl\u00e4gerig und inkontinent und verbrachte die letzten Monate seines Lebens allein in einer Holzh\u00fctte am Rande von Zvornik, einer Stadt in Ostbosnien. Die H\u00fctte geh\u00f6rt zu einem kasernenartigen Komplex, der f\u00fcr die Belegschaft einer nahegelegenen Tonerdefabrik errichtet wurde und aus der Zeit Jugoslawiens stammt. Seit dem Krieg dient er als Kollektivzentrum.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tGrozdans Nachbarn erz\u00e4hlten BIRN, dass sich seine ohnehin schon schlechte geistige und k\u00f6rperliche Verfassung nach dem Tod seiner Mutter rasch verschlimmert habe. Bedingt durch seine Bettl\u00e4gerigkeit waren seine Wohnr\u00e4ume von Ratten verseucht, die von den Speiseresten angezogen wurden. In den letzten Monaten seines Lebens k\u00fcmmerten sich Grozdans Nachbarn darum, die Sch\u00e4dlinge zu vertreiben. Milan Petrovi\u0107, der in der N\u00e4he wohnt, berichtete, dass er einmal eine Ratte von Grozdans Bett springen und in ein anderes Zimmer rennen gesehen habe. \u201eAuf ihrer Flucht versuchte die Ratte, an mir vorbeizukommen\u201c, erz\u00e4hlte er BIRN. \u201eIch sagte: \u201aOh nein, heute entkommst du mir nicht\u2018 und t\u00f6tete sie kurzerhand.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tWarum leben und sterben Menschen 25 Jahre nach Kriegsende in Ratten verseuchten Kriegsbaracken? Die Suche nach Antworten f\u00fchrt durch ein kompliziertes politisches System, das auf dem Dayton-Vertrag basiert. Das vordringlichste Ziel des Abkommens wurde erf\u00fcllt: die drei Parteien eines ungel\u00f6sten Konflikts am Friedensprozess teilhaben zu lassen. Erreicht wurde dies, indem man Bosnien in zwei etwa gleich gro\u00dfe Landesteile aufteilte \u2013 die Republika Srpska, in der Serben die Mehrheit bilden, und die F\u00f6deration Bosnien und Herzegowina, wo \u00fcberwiegend Bosniaken und Kroaten leben. Diese beiden Entit\u00e4ten bilden eine mittlere Verwaltungsebene zwischen der Zentralregierung und der lokalen Verwaltung. Erschwerend kommt hinzu, dass die F\u00f6deration zwei Verwaltungsebenen \u2013 die Kantone und Gemeinden \u2013 hat, w\u00e4hrend die Republika Srpska nur in Gemeinden unterteilt ist.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tZu den Vers\u00e4umnissen des Staates und der Verschwendung von Ressourcen kommt hinzu, dass man nicht wei\u00df, wem genau die Schuld daf\u00fcr zuzuschreiben ist. Boris Divjak, Gr\u00fcnder der bosnischen Zweigstelle der Antikorruptionsorganisation Transparency International: \u201cUnd so beschuldigen sich am Ende alle gegenseitig des Versagens oder der mangelnden Transparenz.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tViele Aufgaben des Staates, wie die Bereitstellung von Wohnraum und Bildung, wurden auf all diese Ebenen \u00fcbertragen, um die Forderungen nach weitgehender Autonomie mit der Gewaltenteilung in Einklang zu bringen. In der Praxis hat dies jedoch zu \u00dcberschneidungen und Missverh\u00e4ltnissen gef\u00fchrt. Zu den Vers\u00e4umnissen des Staates und der Verschwendung von Ressourcen kommt hinzu, dass man nicht wei\u00df, wem genau die Schuld daf\u00fcr zuzuschreiben ist.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\t\u201eDinge fallen durch das Raster, zwischen die verschiedenen Regierungsebenen\u201c, meinte Boris Divjak, Gr\u00fcnder der bosnischen Zweigstelle der Antikorruptionsorganisation Transparency International gegen\u00fcber BIRN. \u201eUnd so beschuldigen sich am Ende alle gegenseitig des Versagens oder der mangelnden Transparenz.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tF\u00fcr Karin Lepp von der CEB tragen die lokalen Beh\u00f6rden in ganz Bosnien die gr\u00f6\u00dfte Verantwortung f\u00fcr die Schlie\u00dfung der Kollektivzentren, gefolgt von der Ebene der Entit\u00e4ten, w\u00e4hrend die Zentralregierung bei der Umsetzung von CEB II ihrer Meinung nach nur \u201ebegrenzte Befugnisse\u201c habe.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tZvorniks B\u00fcrgermeister Zoran Stevanovi\u0107 best\u00e4tigte, dass die Gemeinde letztlich f\u00fcr die Schlie\u00dfung des Kollektivzentrums neben der Tonerdefabrik verantwortlich sei. Die lokalen Beh\u00f6rden h\u00e4tten das Zentrum zun\u00e4chst nicht priorit\u00e4r behandelt, da man nach dem Krieg mit der Nachfrage nach Wohnraum seitens der Vertriebenen \u00fcberfordert war. Erst 2011 wurde der Ankauf neuer Wohnungen f\u00fcr die Bewohnerinnen und Bewohner der Zentrums beantragt \u2013 aber, so Stevanovi\u0107, auf Ebene der Entit\u00e4t Republika Srpska habe man vier Jahre gebraucht, um den Antrag zu pr\u00fcfen und abzulehnen. \u201eWir wollten die Angelegenheit so schnell wie m\u00f6glich kl\u00e4ren, aber wir haben wertvolle Zeit verloren\u201c, erz\u00e4hlte er BIRN.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tDer Krieg in Bosnien hat mehr als die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung des Landes aus ihren H\u00e4usern vertrieben. Foto: \u00a9 Anja Niedringhaus \/ EPA \/ picturedesk.com<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tDie Regierung der Republika Srpska wollte den spezifischen Fall des Kollektivzentrums nebst der Tonerdefabrik nicht kommentieren. Dragan \u0160trbac, der f\u00fcr die Unterbringung der Vertriebenen zust\u00e4ndige h\u00f6chste Beamte des serbischen Landesteils, meinte jedoch, dass es in Zvornik \u201e\u00fcberhaupt kein Problem\u201c bei der Umsetzung von CEB II gebe. Er beharrte au\u00dferdem darauf, dass das Projekt in der gesamten Entit\u00e4t reibungslos voranschreite. \u201eAlles l\u00e4uft wie urspr\u00fcnglich geplant\u201c, erkl\u00e4rte er gegen\u00fcber BIRN.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tBosniens Ministerin f\u00fcr Menschenrechte und Fl\u00fcchtlingsfragen, Semiha Borovac, die f\u00fcr die Umsetzung von CEB II zust\u00e4ndige Vertreterin der Zentralregierung, reagierte nicht auf Interviewanfragen seitens BIRN. Stattdessen erkl\u00e4rte das Ministerium in einer E-Mail, dass sich das Projekt wegen seiner \u201eKomplexit\u00e4t\u201c und aufgrund von \u201e\u00c4nderungsw\u00fcnschen seitens der Gemeinden\u201c verz\u00f6gert habe.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\t \u201eSubvention der Korruption\u201c<\/strong> \n\t\u201eWirklich jedes Thema in Bosnien wird momentan politisiert, und auch das ist eine Frage der politischen Priorit\u00e4ten\u201c, meinte Dr. Barton-Hrone\u0161ov\u00e1 vom Institut f\u00fcr internationale Entwicklung der Universit\u00e4t Oxford. \u201eDiese 8.000 Menschen werden jedoch keine Wahl beeinflussen. Seien wir uns ehrlich \u2013 niemand schert sich um sie.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tBosnien hat an vielen Fronten versagt. Es funktioniert nicht als Einheitsstaat, weil die Zerw\u00fcrfnisse aus Kriegszeiten im politischen System weiterbestehen. Nach den Wahlen im Jahr 2018 herrschte im Land \u00fcber ein Jahr lang administrativer Stillstand, w\u00e4hrend an seiner Spitze \u00fcber die zuk\u00fcnftige Regierung gestritten wurde. Angesichts einer der weltweit h\u00f6chsten Jugendarbeitslosenraten sind seitdem die f\u00e4higsten B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger ins Ausland geflohen. Hilfszahlungen, Geldtransfers und Kredite halten die von Korruption geplagte Wirtschaft \u00fcber Wasser.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tIn einem Kollektivzentrum in der Ortschaft Mihatovi\u0107i in der F\u00f6deration Bosnien-Herzegowina machen sich junge Familien um ihre Spr\u00f6sslinge Sorgen, die inmitten von Elend und grassierendem Drogenmissbrauch aufwachsen. Mit rund 500 Bewohnerinnen und Bewohnern z\u00e4hlt das Zentrum zu den gr\u00f6\u00dften Bosniens. Hier leben viele arme Roma, die in sch\u00e4bigen H\u00fctten hausen, deren abbl\u00e4tternde Fassaden mit Gras und Schimmel \u00fcberzogen sind.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\t\u201cDiese 8.000 Menschen [die noch in den Zentren leben] werden jedoch keine Wahl beeinflussen. Seien wir uns ehrlich \u2013 niemand schert sich um sie.\u201d<\/p> \n\t\u2014 \u00a0Dr. Jessie BartonHrone\u0161ov\u00e1, Balkanexpertin des Instituts f\u00fcr internationale Entwicklung der Universit\u00e4t Oxford<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\t\u201eEs war hart, hier aufzuwachsen\u201c, meinte Adnan Mekic und verwies auf das Drogenproblem. Der 25-J\u00e4hrige habe es seinem Vater zu verdanken, einem \u00e4lteren, auf Kr\u00fccken gest\u00fctzten Herrn, dass er ihn und seine Schwestern \u201eaus Schwierigkeiten herausgehalten hat\u201c. Adnan ist mittlerweile selbst Vater und f\u00e4hrt regelm\u00e4\u00dfig nach Deutschland, wo er als Schwei\u00dfer arbeitet.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tBosnien hat sich im Rahmen des Dayton-Abkommens dazu verpflichtet, die Menschen in den Kollektivzentren umzusiedeln. Das Abkommen gew\u00e4hrt den Vertriebenen das Recht auf R\u00fcckkehr an ihre urspr\u00fcnglichen Wohnorte. Die Nichteinhaltung dieser Verpflichtung kann jedoch nicht allein dem politischen System zugeschrieben werden, das sich an diesem Abkommen orientiert. Auch Generationen bosnischer Politikerinnen und Politiker sind schuld daran.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tSenad Brati\u0107, vormals Pr\u00e4sident der f\u00fcr Fl\u00fcchtlingsrechte zust\u00e4ndigen Regierungskommission der Republika Srpska, ist der Ansicht, dass CEB II nicht umgesetzt worden sei, weil es am politischen Willen mangelte. \u201eDie Mittel sind vorhanden, die Vertr\u00e4ge wurden unterzeichnet, die Ausschreibungen ver\u00f6ffentlicht\u201c, erkl\u00e4rte er BIRN. \u201eAber die Menschen m\u00fcssen die Arbeit auch tun wollen.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tKorruption hat bei der nicht erfolgten Schlie\u00dfung der Kollektivzentren ebenfalls eine Rolle gespielt, auch wenn sich dies nicht auf den ersten Blick erschlie\u00dft: Es gibt keine Hinweise darauf, dass die dem Projekt zugewiesenen ausl\u00e4ndischen Mittel missbr\u00e4uchlich verwendet wurden. Boris Divjak von Transparency International findet jedoch, dass der Bedarf Bosniens an ausl\u00e4ndischer Unterst\u00fctzung selbst ein Symptom f\u00fcr die endemische missbr\u00e4uchliche Verwendung an anderer Stelle im System sei.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tIn den Kollektivzentren haben viele die Hoffnung auf ein neues Zuhause aufgegeben. Foto: \u00a9 Milena Mitrovi\u0107<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\t\u201eDas von internationalen Organisationen bereitgestellte Geld dient dazu, die Korruption zu subventionieren\u201c, so Divjak. \u201eWenn es in Bosnien keine Korruption g\u00e4be, wenn es ein transparenter Staat w\u00e4re, dann w\u00fcrden die Steuereinnahmen und Geldtransfers ausreichen, um die Dinge am Laufen zu halten.\u201c Dies gelte f\u00fcr jeden Sektor, auch f\u00fcr den Wohnungsbau. \u201eEs ist inzwischen genug Geld vorhanden, um die Kollektivzentren zu schlie\u00dfen \u2013 auf lokaler und auf nationaler Ebene\u201c, ist Divjak \u00fcberzeugt.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tWie Angelina Jolie zeigte, muss das Ersetzen der Kollektivzentren keine besonders kostspielige Sache sein. Lenas neues Haus in Rogatica wurde innerhalb von zwei Jahren errichtet, nachdem die US-Regierung 500.000 US-Dollar (453.000 Euro) daf\u00fcr zugesagt hatte. Dass ein fl\u00fcchtiger Besuch eines Hollywood-Stars etwas zuwege brachte, was den bosnischen Beh\u00f6rden jahrzehntelang nicht gelang, war weniger ein Beweis f\u00fcr den Einfluss der Ber\u00fchmtheit als vielmehr f\u00fcr die Tr\u00e4gheit des Nachkriegsstaates.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tVon den sch\u00e4tzungsweise 50.000 Fl\u00fcchtlingen und Migranten, die im vergangenen Jahr nach Bosnien eingereist sind, sind etwa 8.000 aufgrund der \u201ePushbacks\u201c im Land geblieben. Viele von ihnen suchten Zuflucht in den Bergen nahe der Grenze oder landeten im \u00fcberf\u00fcllten, verschmutzten Zeltlager Vu\u010djak, nahe der Stadt Biha\u0107 im Nordwesten des Landes.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tDas Lager wurde im vergangenen Sommer von den Beh\u00f6rden in Biha\u0107 auf einer ehemaligen M\u00fclldeponie inmitten von Minenfeldern errichtet. Es gibt weder Strom noch flie\u00dfendes Wasser. Aufgrund des Regens und der eisigen Temperaturen im Herbst warnten die Hilfsorganisationen, dass das Gel\u00e4nde f\u00fcr ihre Mitarbeiter und die Fl\u00fcchtlinge und Migranten, die auf ihre Hilfe angewiesen sind, zu gef\u00e4hrlich geworden sei. Im Oktober beherbergte Vu\u010djak zeitweise etwa 2.500 Menschen \u2013 mehr als drei Mal so viel, wie das Gel\u00e4nde aufnehmen kann. Auch die Kr\u00e4tze breitete sich im Lager aus.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tEine Reihe von internationalen humanit\u00e4ren und Menschenrechtsorganisationen \u2013 vom Roten Kreuz bis zu Amnesty International \u2013 dr\u00e4ngte die lokalen Beh\u00f6rden, das Gel\u00e4nde abzuriegeln und seine Bewohnerinnen und Bewohner umzusiedeln. Von der Europ\u00e4ischen Union wurden Mittel f\u00fcr ein neues Camp zugesagt. Alle Versuche, eine alternative Unterbringung zu finden, scheiterten jedoch am Widerstand der lokalen Kommunen, die nicht bereit waren, Fl\u00fcchtlinge und Migranten aufzunehmen. Und so blieb das Lager monatelang offen, w\u00e4hrend der Winter immer strenger wurde und die Warnungen aufrecht blieben.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tVu\u010djak liegt mitten im Wald und sei eine ehemalige M\u00fclldeponie, von der erhebliche Gesundheitsrisiken ausgehen w\u00fcrden, der Ort sei umgeben von Minen aus dem Krieg. Foto: \u00a9 PIXSELL \/ EXPA \/ picturedesk.com<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tIn einem Interview mit BIRN im vergangenen November warf der B\u00fcrgermeister von Biha\u0107, \u0160uhret Fazli\u0107, der lokalen Politik vor, die Versuche zur Umsiedelung des Lagers blockiert zu haben. Er kritisierte auch die bosnischen Staatsbeh\u00f6rden, das Fl\u00fcchtlingsthema an nahe der Grenze zu Kroatien liegende Gemeinden wie die seine delegiert zu haben. Der Staat, so erkl\u00e4rte er BIRN, habe die Aufgabe, die Migranten zu registrieren, f\u00fcr ihre Unterbringung zu sorgen und ihre Antr\u00e4ge zu bearbeiten. Aber stattdessen w\u00fcrden sie einfach \u201enach Biha\u0107 weitergeschickt\u201c werden.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tVu\u010djak wurde schlie\u00dflich Anfang Dezember geschlossen, als sich eine Einrichtung in der Hauptstadt Sarajevo bereit erkl\u00e4rte, die im Camp lebenden Menschen aufzunehmen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\t\u201eNicht optimistisch\u201c<\/strong> \n\t\u201eSie halten uns hier wie Vieh\u201c, meinte Jasmin Rizmanovi\u0107, der in einem Kollektivzentrum in Hrasnica, einem Vorort von Sarajevo, in der F\u00f6deration Bosnien-Herzegowina lebt. \u201eWir erhielten massenhaft Unterst\u00fctzung aus dem Ausland, hatten davon aber \u00fcberhaupt keinen Nutzen.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tJasmins Familie floh aus dem serbisch dominierten Osten Bosniens, als er 12 Jahre alt war. Heute ist er Mitte Drei\u00dfig und zieht seine eigenen Kinder in einem br\u00f6ckelnden, verschimmelten Geb\u00e4ude gro\u00df, in dem etwa 50 Menschen wohnen. Seine Schw\u00e4gerin Amina Rizmanovi\u0107 sagt, sie entdecke h\u00e4ufig Kakerlaken, die in der Nacht, wenn alle schlafen, \u00fcber die Betten der Familie krabbeln.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\t\u201cSie halten uns hier wie Vieh. Wir erhielten massenhaft Unterst\u00fctzung aus dem Ausland, hatten davon aber \u00fcberhaupt keinen Nutzen.\u201d<\/p> \n\t\u2014 Jasmin Rizmanovi\u0107,\u00a0Bewohner eines Kollektivzentrums in Hrasnica, einem Vorort von Sarajevo<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tBorislav Boji\u0107, ehemaliger Vorsitzender der bosnischen Staatskommission f\u00fcr Menschenrechte, ist der Meinung, dass ihnen nicht mehr viel Zeit bleibe, um das Problem anzugehen. \u201eDie meisten Personen in den Kollektivzentren sind \u00e4ltere Menschen, sie werden nicht 150 Jahre leben\u201c, sagte er gegen\u00fcber BIRN. \u201eDieses Problem muss sofort gel\u00f6st werden, aber ich bin nicht optimistisch.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tLena Babic und ihre Nachbarn in Rogatica sch\u00e4tzen sich gl\u00fccklich. Fr\u00fcher mussten sie sich im Kollektivzentrum im alten Schulgeb\u00e4ude eine Toilette teilen. In ihrem neuen Heim, das nach seiner Wohlt\u00e4terin Villa Angelina hei\u00dft, sind alle Wohnungen mit Toiletten, K\u00fchlschr\u00e4nken und Waschmaschinen ausgestattet.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\t\u201eOhne Angelina w\u00e4ren wir l\u00e4ngst verrottet\u201c, meinte Persa Radovi\u0107, die gleich neben Lena wohnt und ebenfalls in den Achtzigern ist. Die beiden Frauen treffen sich jeden Morgen zum Kaffee \u2013 das zweite ihrer gemeinsamen t\u00e4glichen Rituale. Der Tag beginnt mit dem ersten Ritual: Sie klopfen an die Wand, die ihre Wohnungen voneinander trennt, und warten auf ein Klopfen als Antwort. \u201eWenn ich das h\u00f6re\u201c, sagte Persa, \u201edann ist alles gut, dann lebt Lena noch!\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tOriginal auf Englisch. Erstmals publiziert am 22 Januar 2020 auf\u00a0Balkaninsight.com<\/a>. \n\t<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tDieser Artikel entstand im Rahmen des Balkan Fellowship for Journalistic Excellence<\/a>, unterst\u00fctzt von der ERSTE Stiftung in Kooperation mit dem Balkan Investigative Reporting Network<\/a>.<\/em><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":" Bosnien hat keinen Platz f\u00fcr Vertriebene.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2212,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[433,299],"tags":[247,293,273,492,252,449,362],"formats":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3698"}],"collection":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3698"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3698\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5036,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3698\/revisions\/5036"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2212"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3698"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3698"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3698"},{"taxonomy":"format","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/formats?post=3698"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}\n\t\n\t<\/div>\t
Die j\u00fcngsten Anstrengungen zur Umsiedelung der Bewohner der Kollektivzentren gingen 2013 von der Entwicklungsbank des Europarats (CEB) aus, einer in Paris ans\u00e4ssigen Einrichtung, die urspr\u00fcnglich zur Unterst\u00fctzung von Fl\u00fcchtlingen nach dem Zweiten Weltkrieg ins Leben gerufen worden war. Das Projekt der Bank f\u00fcr Bosnien, genannt CEB II, sah vor, 104 Millionen Euro f\u00fcr neue Sozialwohnungen bereitzustellen, die 121 der 158 noch genutzten Kollektivzentren ersetzen sollten. Mehr als die H\u00e4lfte dieser Mittel, also 60 Millionen Euro, wurden von den CEB-Mitgliedstaaten \u2013 in erster Linie L\u00e4nder der Europ\u00e4ischen Union \u2013 aufgebracht und \u00fcber die Bank als zinsloses Darlehen angeboten. Der Rest sollte von den lokalen Beh\u00f6rden in Bosnien beigesteuert werden.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\t\n\t<\/div>\t
W\u00e4hrend des Bosnienkriegs wurden rund 2,2 Millionen Menschen \u2013 also mehr als die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung des Landes \u2013 aus ihren H\u00e4usern vertrieben. Nach Ende des Konflikts 1995 waren Sch\u00e4tzungen des UNHCR zufolge etwa 50.000 Menschen landesweit in Kollektivzentren untergebracht. F\u00fcr die 8.000, die heute noch dort leben und auf 158 Standorte verteilt sind, gab es keine Alternative. Es sind vor allem die Armen, die Alten und Schwachen, und in einigen F\u00e4llen auch ihre Nachkommen. Sie haben keine Freunde in der Politik, und im Gegensatz zu den Veteranen des Konflikts verf\u00fcgen sie \u00fcber keine Lobby. Ihr Land hat sie im Stich gelassen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\t\n\t<\/div>\t
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Im Gegensatz zu den Fl\u00fcchtlingen und Migranten befinden sich die Menschen in den Kollektivzentren in keiner Notlage. In ihren Unterk\u00fcnften, so ungeeignet sie auch sein m\u00f6gen, ist es w\u00e4rmer als in den Zelten von Vu\u010djak. Sie haben meist Zugang zu flie\u00dfendem Wasser und Strom und m\u00fcssen nicht mehr umherziehen. Die Geschichte von Vu\u010djak veranschaulicht jedoch, was man in den Kollektivzentren bereits seit Langem wei\u00df \u2013 es bedarf mehr als nur Geld, um sich in Bosnien eine Unterkunft zu sichern; man muss auch das politische System auf seiner Seite haben.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n
Aus dem Englischen von Barbara Maya<\/a>.<\/em>
Dieser Text ist urheberrechtlich gesch\u00fctzt: \u00a9 Milena Mitrovi\u0107 \/ BIRN, bearbeitet von Timothy Large.\u00a0Bei Interesse an Wiederver\u00f6ffentlichung bitten wir um Kontaktaufnahme mit der Redaktion<\/a>.
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern, Grafiken und Videos sind direkt bei den Abbildungen vermerkt. Titelbild:\u00a0Eine Holzbarackensiedlung am Rande von Zvornik ist eines von mehr als 100 Kollektivzentren in ganz Bosnien, die noch nicht geschlossen wurden.\u00a0Foto:<\/span>\u00a0\u00a9 Milena Mitrovi\u0107<\/em><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n