{"id":3688,"date":"2020-03-23T00:00:00","date_gmt":"2020-03-23T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/erste-foundation.byinfinum.co\/der-horror-von-vucjak\/"},"modified":"2021-08-24T13:15:55","modified_gmt":"2021-08-24T13:15:55","slug":"der-horror-von-vucjak","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/der-horror-von-vucjak\/","title":{"rendered":"Der Horror von Vu\u010djak"},"content":{"rendered":"\n\n\t\n\t\t\t
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\n\tEs gibt niemanden in Biha\u0107, der keine Meinung zu ihnen hat, den Fl\u00fcchtlingen. Welche man h\u00f6rt, h\u00e4ngt davon ab, wo man nach ihr fragt, und vor allem\u200a: wer gefragt wird.<\/strong><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tFragt man zum Beispiel die 54-j\u00e4hrige Blumenver\u00adk\u00e4uferin Snje\u017eana am Hauptplatz im Stadtzentrum, ist das erste, was sie sagt\u200a:\u00a0Ka \u2013 tas \u2013 trofa\u00a0<\/em>\u2013 Katastrophe. Dann macht sie eine kurze Pause, schaut betroffen und beginnt zu erz\u00e4hlen.\u00a0Sie sind krank, sie stinken und sind dreckig,\u00a0<\/em>sagt\u00a0sie,\u00a0und letztens hat mich einer von ihnen durch die Stra\u00dfe gejagt, als er die Geldb\u00f6rse in meiner Hand gesehen hat.<\/em>\u00a0W\u00e4hrend Snje\u017eana erz\u00e4hlt, greift sie unter den wei\u00dfen Tresen ihres Blumengesch\u00e4ftes und holt zwei kleine Gegenst\u00e4nde hervor. In der rechten Hand h\u00e4lt sie einen schwarzen Pfefferspray mit der gelben Aufschrift \u200a”KO”, in der linken ein Hygienegel von der deutschen Marke Balea.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tSie wei\u00df, sie d\u00fcrfte den Spray eigentlich gar nicht besitzen, sagt sie, aber sie hat Angst und der Spray lindert sie, die Angst. Er verspricht Sicherheit, zumindest ein bisschen, in einer Stadt, die sich f\u00fcr Snje\u017eana unsicher anf\u00fchlt, seitdem junge, fremde M\u00e4nner in Gruppen vor ihrem Gesch\u00e4ft stehen und um Geld betteln oder ihre Handys bei ihr laden wollen. Manchmal,\u00a0das sagt sie\u00a0ganz ehrlich, hat sie das Gef\u00fchl, dass\u00a0die\u00a0hier alles \u00fcbernehmen werden und dass das nur noch eine Frage der Zeit sei.\u00a0Es sind ja nur noch Fl\u00fcchtlinge auf der Stra\u00dfe, unsere Leute haben sich alle zu Hause verkrochen oder wandern aus.\u00a0<\/em><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tVu\u010djak liegt mitten im Wald und sei eine ehemalige M\u00fclldeponie, von der erhebliche Gesundheitsrisiken ausgehen w\u00fcrden, der Ort sei umgeben von Minen aus dem Krieg. Foto: \u00a9 PIXSELL \/ EXPA \/ picturedesk.com<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tDie Fl\u00fcchtlinge, \u00fcber die Snje\u017eana spricht, sind meist jung, m\u00e4nnlich und kommen aus Pakistan, Afghanistan, dem Irak, manche auch aus Marokko. Sie schlendern in Gruppen \u00fcber den Hauptplatz von Biha\u0107, viele von ihnen sind in alte Decken eingemummt, schlafen unter Dachvorspr\u00fcngen oder suchen Schutz in den zahlreichen vom Jugoslawienkrieg \u00fcbergeblie\u00adbenen Hausruinen. Einige tragen ihr Hab und Gut in Plastik\u00ads\u00e4cken mit sich, ihre durchgefrorenen H\u00e4nde umklammern deren Henkel, egal, wohin sie gehen. Verzweifelt bitten sie die Verk\u00e4ufer der offenen L\u00e4den am Hauptplatz darum, ihre Handys laden zu d\u00fcrfen. Eine der Trafikantinnen kommt dieser Bitte gerne nach.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tEin paar hundert Meter weiter steht die\u00a0lutrija<\/em>,\u00a0die Lotterie der Stadt. Ramo, ein Mitarbeiter der\u00a0lutrija<\/em>,\u00a0tr\u00e4gt eine hellblaue Adidas-Kappe und eine eckige Brille. Seine Stimme ist so verraucht wie das kleine, abgedunkelte Lokal, in dem er sitzt und Lottoscheine ausf\u00fcllt.\u00a0Ich w\u00fcnschte, es w\u00fcrden sogar noch mehr kommen<\/em>,\u00a0sagt er,\u00a0ich habe kein Problem mit ihnen, ganz im Gegenteil, sie sind meine Freunde<\/em>.\u00a0Probleme hat Ramo eher mit dem Nachbarn, der direkt \u00fcber der Lotterie lebt und ihn vor kurzem heimlich bei der Polizei gemeldet hat, weil es ihn st\u00f6rt, dass Ramo die pakistanischen und afghanischen Fl\u00fcchtlinge t\u00e4glich von der Stra\u00dfe zu sich in die Lotterie einl\u00e4dt und mit Essen und Kaffee versorgt.\u00a0Ich habe ja keine Straftat begangen\u200a!\u00a0<\/em>Niemand k\u00f6nne ihm vorschreiben, wen er zum Essen einl\u00e4dt, auch nicht die Polizei, sagt Ramo.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tDie meiste Zeit sitzt er auf seinem Barhocker und blickt abwechselnd auf den Fernsehbildschirm, der vor ihm an der Wand h\u00e4ngt, und auf die Lottoscheine, die am Tisch liegen. Ab und zu steht er auf und kommt n\u00e4her \u2013 das macht er, wenn ihm etwas besonders wichtig ist, immer dann, wenn es darum geht, sein Gegen\u00fcber davon zu \u00fcberzeugen, wie harmlos sie nicht sind, diese Fl\u00fcchtlinge, \u00fcber die alle sagen, dass sie stinken und krank sind.\u00a0Ich w\u00fcrde auch stinken, wenn ich mich nicht duschen k\u00f6nnte,\u00a0sagt er dann,\u00a0die leben dort oben ja wie Viecher\u200a!\u00a0<\/em><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tDort oben<\/em>\u00a0\u2013 das ist ein Synonym f\u00fcr den Ort Vu\u010djak geworden, der eine viertelst\u00fcndige Autofahrt entfernt von Biha\u0107 liegt. Vu\u010djak wird in internationalen Medien oft als \u200a”Horrorcamp\u200a” f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge bezeichnet. Es wurde im Fr\u00fchsommer 2019 auf einer ehemaligen M\u00fclldeponie errichtet, der B\u00fcrgermeister Biha\u0107s, \u0160uhret Fazli\u0107, tat das in der Hoffnung, die EU w\u00fcrde ihm sp\u00e4ter noch dabei helfen, ein ordentliches Camp daraus zu machen. Hat sie aber nicht. F\u00fcr die rund 700 bis tausend Gefl\u00fcchteten, die dort unter widrigsten Umst\u00e4nden leben, sorgen zurzeit vier bis f\u00fcnf Mitarbeiter des lokalen Roten Kreuzes. Zwei Mal am Tag werden kleine Mahlzeiten ausgegeben.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tNach einem Innenministertreffen Anfang November in Wien hat der bosnische Sicherheitsminister Dragan Mekti\u0107 \u00f6ffentlich die Schlie\u00dfung des “Camps\u200a” angek\u00fcndigt und stattdessen die Er\u00f6ffnung zweier neuer Camps in ehemaligen Milit\u00e4rkasernen vorgeschlagen, um die Stadt Biha\u0107 zu entlasten. Und w\u00e4hrend nun in fast allen aktuellen Medienberichten von der Schlie\u00dfung Vu\u010djaks die Rede ist, glauben die Menschen vor Ort nicht richtig daran.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tDas mag an der Unglaubw\u00fcrdigkeit einzelner Poli\u00adtiker im Land liegen, es liegt aber vor allem daran, dass es kaum ein Land auf dieser Welt gibt, in dem politische Entscheidungen so schwer zu treffen sind wie in Bosnien. Das Land, welches aus zwei Landesteilen, zehn Kantonen und einem selbstst\u00e4ndigen Distrikt besteht, hat drei Staatsoberh\u00e4upter, 14 Parlamente und nahezu 150 Minister und wird von Experten deswegen oft als “\u200adas komplizierteste politische System der Welt\u200a” bezeichnet. Hinzu kommt, dass Bosnien seit den letzten Wahlen im Jahr 2018 immer noch keine neue Regierung hat und somit in einer poli\u00adtischen \u00dcbergangsphase steckt. Das alles sind nur einige von vielen Gr\u00fcnden, warum bis heute kein neuer Ort f\u00fcr die Unterbringung der Fl\u00fcchtlinge aus Vu\u010djak in Bosnien organisiert werden konnte.\u00a0Ein weiterer triftiger\u200a: In Bosnien geh\u00f6ren die meisten Grundst\u00fccke lokalen Kommunen oder Privatpersonen, die sich meist gegen die Errichtung eines Fl\u00fcchtlingscamps auf ihren Grundst\u00fccken aussprechen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tUnweit von den Schlafpl\u00e4tzen der Lager\u00adbewohner befinden sich die sogenannten “suspected areas” mit Landminen. In der Mitte ist ein kleiner Wassertank, aus welchem ein d\u00fcnner Gartenschlauch f\u00fchrt, mit dem sich die Menschen unter freiem Himmel in der K\u00e4lte \u201eduschen\u201c k\u00f6nnen. Foto: \u00a9 PIXSELL \/ EXPA \/ picturedesk.com<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tDer Weg nach Vu\u010djak f\u00fchrt \u00fcber steile Serpentinen den Berg hinauf, bis die kurvige Stra\u00dfe schlie\u00dflich in eine steinige voller Schlagl\u00f6cher m\u00fcndet. Am Ende dieser Stra\u00dfe warten zwei Polizisten in einem kleinen Container, die streng kontrollieren, wer in das “Camp” kommt. Sie haben keine guten Erfahrungen mit den ausl\u00e4ndischen Journalisten gemacht, die in den vergangenen Wochen hier waren.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tDie Unmenschlichkeit des Ortes Vu\u010djak \u00e4u\u00dfert sich dann gleich in seinem Anblick\u200a: Undichte, l\u00f6chrige Zelte, die bei der Errichtung von einer t\u00fcrkischen NGO gespendet wurden und nun als Unterk\u00fcnfte dienen, sind von M\u00fcll und vor allem Landminen umgeben, die es in Bosnien auch ein Vierteljahrhundert nach dem Jugoslawienkrieg noch zuhauf gibt. Eine kleine, alte Karte nahe des Einganges, die den Eindruck erweckt, sie k\u00e4me noch aus dem Krieg, macht auf die Landminen aufmerksam\u200a: Auf ihr sind die “suspected areas” eingezeichnet, denn diese befinden sich unweit von den Schlafpl\u00e4tzen der Lager\u00adbewohner, unweit von dem kleinen Wassertank, aus welchem ein d\u00fcnner Gartenschlauch f\u00fchrt, mit dem sich die Menschen unter freiem Himmel in der K\u00e4lte “duschen” k\u00f6nnen. Ist den Bewohnern diese Gefahr bewusst\u200a?\u00a0Die haben andere Sorgen<\/em>,\u00a0sagt ein junger Mitarbeiter des Roten Kreuzes.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tDie Gefl\u00fcchteten waten in zerschlissenen Schuhen kn\u00f6cheltief durch den Schlamm. Der Schlamm ist \u00fcberall\u200a: zwischen den Zelten, in den Zelten, auf den Schlafpl\u00e4tzen. Und auch hier ist der Begriff Schlafplatz wieder nur eine weitere Verharmlosung, denn diese Menschen schlafen auf nichts weiter als durchl\u00f6cherten Plastik\u00adplanen. Mit ein wenig Gl\u00fcck haben manche noch ihren eigenen Schlafsack von der Flucht bei sich, der ihnen ein wenig Schutz vor der K\u00e4lte spendet.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tAufgrund der mangelnden Hygiene im “Camp” leiden viele Fl\u00fcchtlinge unter der hochansteckenden Hautkrankheit Kr\u00e4tze. Manchmal sind Mitarbeiter von “\u00c4rzte ohne Grenzen” hier, heute, an einem Samstag, ist jedoch keiner anwesend. Wenn die Organisation vor Ort ist, versorgt das \u00c4rzteteam die Menschen lieber au\u00dferhalb des “Camps”, weil es mit seiner Anwesenheit Vu\u010djak nicht als offizielles Camp legitimieren will. Hier oben, an einem Ort ohne Heizung, misst man durchschnittlich f\u00fcnf Grad Celsius weniger als in der tiefergelegenen Stadt Biha\u0107.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tDer kalte Winter in Bosnien, welcher in den n\u00e4chsten Wochen \u00fcber das Land hereinbrechen wird, l\u00e4sst keine Zweifel daran, dass eine humanit\u00e4re Katastrophe vor der T\u00fcr steht, wenn nicht bald eine Alternative zu Vu\u010djak gefunden wird. Das ist vielleicht auch der Grund, warum kaum jemand\u00a0Fl\u00fcchtlingscamp\u00a0oder\u00a0provisorisches Aufnahmezentrum<\/em>\u00a0zu Vu\u010djak sagen m\u00f6chte, Ramo aus der Lotterie nicht, aber auch Peter Van der Auweraert nicht, der Westbalkan-Koor\u00addinator der Internationalen Organisation f\u00fcr Migration (IOM). Und das ist vermutlich eine der wenigen Meinungen, die hier in Biha\u0107\u00a0alle<\/em>\u00a0miteinander teilen\u200a: Vu\u010djak ist ein Ort, der nicht existieren sollte.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tW\u00e4hrend im Jahr 2015 die meisten Fl\u00fcchtlinge noch von Griechenland aus \u00fcber Mazedonien, Serbien, Ungarn nach \u00d6sterreich und Deutschland kamen, nehmen sie heute den Weg \u00fcber Bosnien nach Kroatien, dem j\u00fcngsten EU-Mitgliedsstaat \u2013 und scheitern dabei regelm\u00e4\u00dfig an der bosnisch-kroatischen Grenze. Dort werden sie von der kroatischen Polizei aufgegriffen und zur\u00fcck nach Bosnien gepr\u00fcgelt. Davor nimmt die Polizei ihnen noch ihre Handys ab, zertr\u00fcmmert sie, verbrennt ihre Schlaf\u00ads\u00e4cke und schickt sie ohne Schuhe in den Wald zur\u00fcck nach Bosnien. “Pushbacks” werden diese brutalen Zur\u00fcckweisungen an der Grenze genannt, die verschiedene NGOs, wie etwa Amnesty International oder NoNameKitchen, schon seit \u00fcber einem Jahr in Berichten und mit Fotos von verwundeten Fl\u00fccht\u00adlingen dokumentieren.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tEine ehrenamtliche Helferin, die na\u00ad\u00ad\u00admentlich nicht genannt werden m\u00f6chte, wirkt m\u00fcde, als sie davon erz\u00e4hlt\u200a: Auch sie dokumentiert die Gewalt, die gegen die Gefl\u00fcchteten von der kroatischen Polizei\u00a0\u00a0eingesetzt wird. Sie versucht langsam und durch viele Gespr\u00e4che das Vertrauen der betroffenen Fl\u00fcchtlinge zu gewinnen, damit diese ihr davon erz\u00e4hlen, wie sie an der kroatischen Grenze niedergeschlagen wurden. Sie macht Fotos der teils schweren Verletzungen, ohne die Gesichter der Fl\u00fcchtlinge zu zeigen, und ver\u00f6ffentlicht diese gemeinsam mit den Schilderungen in sogenannten “violence reports”, die man auf der Homepage “Border Violence Monitoring” abrufen kann.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tDiese muss man erst gar nicht nachgelesen haben, wenn man in Biha\u0107 ist, denn jeder wei\u00df von dem bru\u00adtalen Vorgehen der kroatischen Polizei, auch Ramo, zu dem regelm\u00e4\u00dfig zusammengeschlagene und teils schwer verwundete Fl\u00fcchtlinge in die Lotterie humpeln. Die Tat\u00adsache, dass Kroatien kurz vor einem Beitritt in den EU-\u00adSchengenraum steht, l\u00e4sst vermuten, dass es der kro\u00ad\u00ad\u00ada\u00adtischen Regierung vor allem darum geht, sich als effektiver Besch\u00fctzer der EU-Au\u00dfengrenze zu beweisen, die nun entlang ihrer eigenen Grenze verl\u00e4uft. Das bleibt auf der Ebene der Union nicht unbemerkt, auch in \u00d6sterreich nicht, wo Karoline Edtstadler, die Delegationslei\u00adterin der \u00d6VP im EU-Parlament, sich erst k\u00fcrzlich der APA gegen\u00fcber positiv \u00fcber den\u00a0effektiven<\/em>\u00a0Grenzschutz der kroatischen Polizei \u00e4u\u00dferte und deswegen daf\u00fcr pl\u00e4diert, den j\u00fcngsten EU-Mitgliedstaat\u00a0mit offenen Armen im Schengenraum<\/em> willkommen zu hei\u00dfen<\/em>.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tSpricht man mit den M\u00e4nnern, die sich dieser Tage in Vu\u010djak in einer Schlange vor dem Essen aneinanderreihen, dann wird klar, was dieser effektive Grenzschutz bedeutet. Es gibt kaum jemanden, der hier keine Geschichten von der brutalen kroatischen Polizei erz\u00e4hlen kann.\u00a0Schuhe, Schlaf\u00ads\u00e4cke, Essen, Geld\u200a: Sie nehmen uns alles weg. Auch unsere Handys<\/em>,\u00a0sagt Subhan, ein 24-j\u00e4hriger Fl\u00fcchtling aus Af\u00ad\u00adghanistan.\u00a0Das hindert die jungen M\u00e4nner aber nicht daran, immer wieder und wieder zu versuchen, \u00fcber die kroatische Grenze zu kommen. Sie nennen diese wortw\u00f6rtlichen Anlaufversuche zynisch\u00a0the game<\/em>,\u00a0das Spiel.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tSie nennen diese wortw\u00f6rtlichen Anlaufversuche zynisch “the game”, das Spiel.<\/p>

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Sie nennen diese wortw\u00f6rtlichen Anlaufversuche zynisch “the game”,\u00a0das Spiel.<\/blockquote><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t
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\n\tAuch ein junger Mann aus Pakistan erz\u00e4hlt von der Gewalt. 25 Mal hat er das\u00a0game<\/em>\u00a0\u00fcber die kroatische Grenze versucht, 25 Mal hat ihn die kroatische Polizei wieder zur\u00fcck nach Bosnien gepr\u00fcgelt, erz\u00e4hlt er.\u00a0Aber ich werde es wieder versuchen<\/em>,\u00a0sagt der junge, d\u00fcnne Mann in einem schwarzen Hemd und lacht. Wie kann ein Mensch nach solchen Erfahrungen noch so viel Lebensmut in sich tragen\u200a?\u00a0Sie m\u00fcssen das tun, anders w\u00fcrden sie nicht \u00fcberleben<\/em>,\u00a0meint die freiwillige Helferin:\u00a0F\u00fcr die gefl\u00fcchteten Menschen ist das ein Schutzmechanismus, der sie am Leben h\u00e4lt, denn aufgeben k\u00f6nnen sie nicht<\/em>,\u00a0erz\u00e4hlt sie und wirkt dabei selbst taub von all dem Leid, dessen Zeugin sie im Zuge ihrer violence reports wurde.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tManche schaffen es tats\u00e4chlich illegal \u00fcber die bergige Grenze nach Kroatien, vorbei an den Minen, B\u00e4ren und W\u00f6lfen in den W\u00e4ldern. Dann speichern sie ihre Route auf Google Maps ab und schicken sie ihren zur\u00fcckgebliebenen Leidensgenossen per Handy zu. Die meisten allerdings landen wieder barfu\u00df und schwer verletzt im Norden Bosniens, entweder in Biha\u0107 oder in dessen Nach\u00adbarort Velika Kladu\u0161a. Meist findet sich in beiden Orten kein Platz mehr in den \u00fcberf\u00fcllten, offiziellen Fl\u00fcchtlingscamps der Vereinten Nationen, und so streunen sie entweder tags\u00fcber obdachlos durch die Stra\u00dfen und lassen sich in alten, vom Jugoslawienkrieg zerbombten H\u00e4usern nieder, oder\u200a werden von der Polizei aufgegriffen und zur\u00fcck nach Vu\u010djak, dem “Horrorcamp\u200a”, ge\u00ad\u00adbracht.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tBeide St\u00e4dte, sowohl Biha\u0107 als auch Velika Kladu\u0161a, f\u00fchlen sich mit der jetzigen Situation alleine gelassen: von der EU, von der bosnischen Zentralregierung in Sarajevo, von den Vereinten Nationen. Allein in der 60.000-Einwohner-Stadt Biha\u0107 halten sich gerade laut Sch\u00e4tzungen der Stadtregierung etwa 4.000 bis 6.000 Migranten auf \u2013\u00a0das sind zehn Prozent unserer Bev\u00f6lkerung<\/em>,\u00a0sagt der Pressesprecher des B\u00fcrgermeisters,\u00a0und es werden immer mehr.<\/em><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tDas B\u00fcro von Elmedin Mehad\u017ei\u0107 ist in den letzten Tagen und Wochen zu einem Magnetfeld geworden, das Journalisten aus aller Welt anzieht. Gerade eben hatte er noch ein Interview mit dem russischen Fernsehen, danach hat er gleich den n\u00e4chsten Pressetermin, erz\u00e4hlt er und l\u00e4chelt m\u00fcde. Man merkt, dass Mehad\u017ei\u0107, der Sprecher einer kleinen Stadt wie Biha\u0107, diese Art von Aufmerksamkeit nicht gewohnt ist. W\u00e4hrend des Gespr\u00e4chs leuchtet sein Handy immer wieder auf und vibriert, aber er ignoriert die meisten Anrufe und antwortet unbeirrt auf die Fragen, die man ihm stellt.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tUnd die drehen sich seit Wochen nur um: Vu\u010djak. Denn: die Entscheidung, dieses “Camp” zu errichten, hat B\u00fcrgermeister Fazli\u0107 im Mai dieses Jahres getroffen, und diese Entscheidung muss sein Sprecher Mehad\u017ei\u0107 nun vor aller Welt verteidigen:\u00a0Wir hatten die Wahl, die Fl\u00fcchtlinge direkt in der Stadt Biha\u0107 unterzubringen und daf\u00fcr den Unmut unserer Bev\u00f6lkerung auf uns zu ziehen \u2013 oder aber sie au\u00dferhalb der Stadt nach Vu\u010djak zu bringen<\/em>, erkl\u00e4rt er,\u00a0wir haben uns f\u00fcr die zweite Variante entschieden \u2013 in der Hoffnung, dass die Internationale Organisation f\u00fcr Migration (IOM), die Geld von der EU bekommt, sich hinter uns stellt und dort ein ordentliches Camp errichtet.<\/em><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tFragt man direkt bei der IOM nach, so f\u00e4llt deren Antwort harsch aus\u200a:\u00a0Schon als B\u00fcrgermeister Fazli\u0107 den Ort Vu\u010djak zum ersten Mal als m\u00f6gliches Camp vorgeschlagen hat, haben wir ganz klar gesagt, dass wir als IOM den Ort nicht akzeptieren werden, weil wir nicht garantieren k\u00f6nnen, dass die Fl\u00fcchtlinge dort sicher sind<\/em>,\u00a0sagt Westbalkan-Koordinator Peter Van der Au\u00ad\u00adweraert von der IOM. Er sagt es so, als h\u00e4tte er es schon unz\u00e4hlige Male erkl\u00e4rt\u200a: gebetsm\u00fchlenartig. Vu\u010djak sei eine ehemalige M\u00fclldeponie, von der erhebliche Gesundheitsrisiken ausgehen w\u00fcrden, der Ort sei umgeben von Minen aus dem Krieg, es gebe keine Elektrizit\u00e4t, nicht einmal eine ordentliche Stra\u00dfe, um nach Vu\u010djak zu kommen, z\u00e4hlt er auf. Das alles, betont Van der Auweraert, sind die Gr\u00fcnde, warum die IOM dort kein Camp errichten wollte, und das alles habe der B\u00fcrgermeister der Stadt Biha\u0107 gewusst. Er hat aber trotz unserer Einw\u00e4nde entschieden, dort ein Camp zu errichten, und deswegen sind wir jetzt in dieser Situation<\/em>, sagt Van der Auweraert und f\u00fcgt hinzu, dass Vu\u010djak nie die L\u00f6sung war oder sein wird.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\t“Er hat aber trotz unserer Einw\u00e4nde entschieden, dort ein Camp zu errichten, und deswegen sind wir jetzt in dieser Situation.”<\/p>

\n\t\u2014 Van der Auweraert, der WestbalkanKoor\u00addinator der IOM<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tWarum f\u00fcr den Staat Bosnien die finanzielle Unterst\u00fctzung durch internationale Organisationen wie die IOM so wichtig ist, versteht man, wenn man ein Camp besucht, das von genau dieser Organisation geleitet wird. Ein solches Camp befindet sich in Velika Kladu\u0161a und hei\u00dft Camp Miral. Damit die derzeit rund 470 Camp-\u00adBewohner \u00fcberhaupt erst aufgenommen werden konnten, wurden sie zuerst beim SFA registriert, dem Service for Foreign Affairs, eine Verwaltungseinheit des Sicherheitsministeriums, die f\u00fcr die Einreise und den Aufenthalt von Ausl\u00e4ndern in Bosnien zust\u00e4ndig ist. Anschlie\u00dfend vergibt IOM eine Art Ausweis mit Foto an die Fl\u00fcchtlinge. Anders k\u00f6nnen sie die Eingangstore des Camps auch nicht passieren\u200a: Securitys fordern streng dazu auf, den Ausweis zu zeigen.\u00a0Die, die es am meisten brauchen<\/em>,\u200a\u00a0werden hier registriert, erz\u00e4hlt eine IOM-Mitarbeiterin knapp und meint damit: Menschen, die schwer krank oder verletzt sind, oder aus L\u00e4ndern kommen, in denen Krieg herrscht.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tMan muss nicht viel Zeit im Camp Miral verbringen, um zu erkennen, dass dieser Ort nicht vergleichbar mit Vu\u010djak ist: Hier schlafen die Fl\u00fcchtlinge in einer beheizbaren Halle und k\u00f6nnen an \u00fcberdachten Feuerstellen oder in einer kleinen Innen\u00adk\u00fcche kochen, sie schneiden sich gegenseitig die Haare oder verkaufen Kleinigkeiten wie Schuhe oder Kleidungsst\u00fccke untereinander.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tVor dem Camp stehen obdachlose Gefl\u00fcchtete, f\u00fcr die es keinen Platz mehr gibt. Sie frieren, bitten und flehen die Securitys der IOM an, ihnen wenigstens einen Arzt im Camp zu vermitteln, weil sie krank sind und eine Behandlung brauchen. Nur ein Eisentor trennt sie von der Hilfe der IOM-Mitarbeiter, die ihren Anblick nur schwer ertragen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tFreiwillige Organisationen versuchen sie wenigstens mit Essen und Kleidung zu versorgen, und das m\u00f6glichst unauff\u00e4llig.\u00a0Wir m\u00fcssen aufpassen<\/em>,\u00a0schildert eine freiwillige Helferin, die anonym bleiben will, denn ein offizielles Arbeitsvisum f\u00fcr freiwillige Helfer bek\u00e4me in Bosnien nahezu niemand,\u00a0wahrscheinlich auch deshalb, weil wir die Gewalt an der kroatischen Grenze dokumentieren<\/em>,\u00a0meint sie. Sie arbeitet \u2013 wie ihre Kollegen \u2013 mit einer sogenannten “white card”, einem 30-t\u00e4gigen Touristenvisum, das nur auf insgesamt 90 Tage verl\u00e4ngert werden kann. Wenn sie bei ihrer “Arbeit” gesehen und nach ihren P\u00e4ssen gefragt werden, l\u00fcgen sie, sie seien Touristen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tWie all diese obdachlosen Menschen und die Campbewohner Vu\u010djaks den Winter \u00fcberleben sollen, wei\u00df niemand. Mehad\u017ei\u0107, Pressesprecher des B\u00fcrgermeisters, sagt in seinem kleinen B\u00fcro in Biha\u0107\u200a:\u00a0Vu\u010djak wird sicher nicht schlie\u00dfen, definitiv nicht. So lange nicht, bis wir einen neuen Ort finden, wo wir die Fl\u00fcchtlinge stattdessen unterbringen k\u00f6nnen<\/em>.\u00a0Wenn man ihn dann auf die Worte des heimischen Sicherheitsministers Mekti\u0107 anspricht, der die Schlie\u00dfung angek\u00fcndigt hat, muss er fast ein bisschen schmunzeln\u200a:\u00a0Man sollte Mekti\u0107 nicht zu viel glauben,\u00a0sagt er,\u00a0ich glaube jedenfalls nicht daran<\/em>.\u00a0Und mit dieser Meinung steht Mehad\u017ei\u0107 nicht alleine da. Fragt man n\u00e4mlich einen \u00e4lteren Mitarbeiter des lokalen Roten Kreuzes, ob er an die Schlie\u00dfung Vu\u010djaks glaubt, beginnt er zu lachen: Was Politiker in Bosnien sagen und was sie tun, sind zwei Paar Schuhe<\/em>, sagt er sichtlich am\u00fcsiert.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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    \n\tFazli\u0107, der B\u00fcrgermeister von Biha\u0107, hat vor einer Woche den Ort Lipa als Alternative f\u00fcr Vu\u010djak vorgeschlagen \u2013 eine Weide im Besitz der Stadt Biha\u0107, die ungef\u00e4hr 22 Kilometer von der Stadt entfernt liegt, aber keinerlei Infrastruktur bietet. Und obwohl Fazli\u0107 und sein Sprecher \u00fcberzeugt davon sind, dass es mit den Geldern der EU und unter der Leitung der IOM schnell m\u00f6glich w\u00e4re, auf dem Grundst\u00fcck in Lipa ein offizielles Fl\u00fcchtlingscamp aufzubauen und es mit Wasser, Strom und Zelten auszustatten, ist IOM-Vertreter Peter Van der Auweraert anderer Meinung\u200a:\u00a0Lipa ist ein Feld, das ohne Wasser und Elek\u00adtrizit\u00e4t irgendwo im Nirgendwo steht. Selbst wenn die EU-Delegation es als Alternative zu Vu\u010djak akzeptieren sollte, wird es eine Zeit lang dauern, dort eine ordentliche Unterbringung f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge zu errichten, und ist somit keine kurzfristige L\u00f6sung<\/em>.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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    \n\tDie EU-Delegation in Bosnien akzeptiert Lipa aber nicht als Alternative. Und sie braucht nicht einmal einen Tag, um genau das in einer kurzen Mail \u00fcber ihre Pressestelle ausrichten zu lassen:\u00a0Lipa kann jetzt nicht die Antwort sein<\/em>,\u00a0hei\u00dft es, und: die EU sei zwar bereit, Bosnien bei der Planung einer langfristigen L\u00f6sung zu unterst\u00fctzen, aber oberste Priorit\u00e4t sei nun, eine schnelle L\u00f6sung zu finden, noch vor dem Winter.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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    \n\tWarum Mehad\u017ei\u0107 trotzdem sagt, dass er nun gemeinsam mit B\u00fcrgermeister Fazli\u0107 bez\u00fcglich Lipa auf gr\u00fcnes Licht der EU hofft, ist nicht klar. Manchmal gewinnt man den Eindruck, dass alle Parteien hier in Biha\u0107, die immer wieder betonen, wie wichtig es sei, Vu\u010djak endlich zu schlie\u00dfen \u2013 die EU-Delegation, die IOM, die Stadt Biha\u0107 selbst \u2013 gar nicht miteinander kommunizieren, oder sich gegenseitig einfach nicht zuh\u00f6ren.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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    \n\tW\u00e4hrend die Uneinigkeit auf politischer Ebene kein Ende nimmt, wird es in Bosnien jeden Tag k\u00e4lter, und die Mitarbeiter des lokalen Roten Kreuzes immer ungeduldiger. Ein 19-J\u00e4hriger, der schon seit Errichtung des\u200a”Camps” in Vu\u010djak aushilft, sagt, dass niemand sich vorstellen k\u00f6nne, was er hier alles schon gesehen habe. Seit Monaten f\u00e4hrt er jeden Tag um 7:30 Uhr mit den anderen vier Mitarbeitern die holprige Bergstra\u00dfe hinauf und teilt in Vu\u010djak das Fr\u00fchst\u00fcck aus. Heute bekommen die Fl\u00fcchtlinge, von denen er viele schon beim Vornamen kennt, drei leere Scheiben Brot mit Pastete. Wie so oft reicht es aber nicht f\u00fcr alle. An manchen Tagen, sagt er, w\u00fcrde er am liebsten aufh\u00f6ren, aber dann erinnert er sich wieder daran, dass die Menschen hier \u2013 ohne ihn und seine vier Kollegen \u2013 wirklich endg\u00fcltig auf sich alleine gestellt w\u00e4ren.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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    \n\tErstmals publiziert im Dezember 2019 im DATUM<\/a>.<\/em>

    Dieser Text ist urheberrechtlich gesch\u00fctzt. \u00a9 DATUM \/ Marija Bari\u0161i\u0107 und Allegra Mercedes Pirker. Bei Interesse an Wiederver\u00f6ffentlichung bitten wir um Kontaktaufnahme mit der
    Redaktion<\/a>.<\/em>
    Urheberrechtliche Angaben zu Bildern sind direkt bei den Abbildungen vermerkt. Titelbild: Eine Pflanze in Vu\u010djak. Foto: \u00a9 Manu Brabo \/ AP\u00a0\/ picturedesk.com<\/em><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"

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