{"id":3685,"date":"2020-02-06T00:00:00","date_gmt":"2020-02-06T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/erste-foundation.byinfinum.co\/bye-bye-balkan\/"},"modified":"2021-08-17T12:55:24","modified_gmt":"2021-08-17T12:55:24","slug":"bye-bye-balkan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/bye-bye-balkan\/","title":{"rendered":"Bye-Bye Balkan"},"content":{"rendered":"<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<strong>Die ehemals kommunistischen L\u00e4nder S\u00fcdosteuropas leiden unter einem katastrophalen Bev\u00f6lkerungsschwund, mit weitreichenden gesellschaftlichen und politischen Folgen.<\/strong><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tDie Jungen ziehen weg. Die Geburten gehen zur\u00fcck. Die Gesellschaften altern. Und obwohl hunderttausende Fl\u00fcchtlinge und Migranten durch weite Teile der Region str\u00f6men, wollen nur wenige von ihnen bleiben. Grenzen, ethnisch bedingte Kontroversen, EU-Beitritt, NATO-Mitgliedschaft und Altlasten aus dem Krieg der 1990er \u2013 diese Themen beherrschen die Nachrichten aus dem Balkan. Seri\u00f6se Analysen \u00fcber den demografischen R\u00fcckgang, die Entv\u00f6lkerung und die schrumpfende Erwerbsbev\u00f6lkerung in der Region findet man jedoch kaum. M\u00f6glicherweise liegt das daran, dass Regierungen weder glaubw\u00fcrdige Antworten noch die Ressourcen haben, um dem entgegenzuwirken. Wenn Demografie Schicksal ist, dann sieht die Zukunft des Balkans d\u00fcster aus \u2013 aber dem ist nicht nur hier so. Von Griechenland bis Polen k\u00e4mpfen beinah alle ost-, mittel- und s\u00fcdosteurop\u00e4ischen L\u00e4nder mit denselben Problemen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tAktuellen Prognosen zufolge werden bis 2050 in Bulgarien 38,6 Prozent weniger Menschen leben als 1990. In Serbien werden es 23,8 Prozent weniger sein, in Kroatien 22,4 Prozent und in Rum\u00e4nien 30,1 Prozent. Die Republik Moldau hat bereits 33,9 Prozent ihrer Bev\u00f6lkerung verloren. Die Fertilit\u00e4tsrate Bosnien-Herzegowinas ist mit 1,26 eine der niedrigsten weltweit. Mit einem Medianalter von 29 ist der Kosovo zwar das Land mit den j\u00fcngsten Einwohnerinnen und Einwohnern in der Region, aber auch hier sind die Bev\u00f6lkerungszahlen r\u00fcckl\u00e4ufig. Auch wenn sich die Zahlen und Prozents\u00e4tze unterscheiden, so lassen sich doch beinahe \u00fcberall \u00e4hnliche Tendenzen beobachten, wobei sie in manchen L\u00e4ndern noch ausgepr\u00e4gter sind. Das Medianalter in Serbien betr\u00e4gt 43 und liegt damit \u00fcber dem EU-Durchschnitt von 42,6 Jahren. Wie man es auch dreht und wendet: Die demografische Zukunft des Balkans und diesem von Abwanderung und chronisch niedrigen Geburtenraten betroffenen Teil Europas ist dramatisch.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<strong>Anders als in der Vergangenheit<\/strong><br><br>Historisch gesehen gab es in allen L\u00e4ndern der Region, und genau genommen in fast ganz Europa, Perioden starker Abwanderung. Im Fall des ehemaligen Jugoslawiens gingen ab den 1960er-Jahren Hundertausende als Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter ins Ausland. Auch wenn sie nicht unbedingt vorhatten, ihrer Heimat f\u00fcr immer den R\u00fccken zu kehren, so kamen doch viele von ihnen nicht mehr zur\u00fcck &#8211; vielleicht, weil ihre Kinder im Ausland lebten oder aufgrund des Kriegs oder aus beiderlei Gr\u00fcnden. Einige Jahrzehnte zuvor verlie\u00dfen die Juden das Land \u2013 oder kamen im Holocaust ums Leben &#8211; und ethnische Deutsche wurden vertrieben oder get\u00f6tet. Noch eine Generation fr\u00fcher waren es Muslime, Albaner und T\u00fcrken aus Bosnien und anderen Teilen des ehemaligen Jugoslawiens und der Balkanregion im Allgemeinen, die im Zuge verschiedener Wellen w\u00e4hrend des 19. und 20. Jahrhunderts abwanderten. Von den dalmatinischen Inseln und aus Teilen Montenegros wanderten viele in die Vereinigten Staaten aus. Aus Griechenland zog man in die T\u00fcrkei oder Bulgarien oder umgekehrt.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--biggest paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-quote__paragraph\">\n\tW\u00e4hrend Geburtendefizite und Emigration im Westen durch Zuwanderung ausgeglichen werden, ziehen relativ wenige Menschen in die Balkanl\u00e4nder.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tZahlenm\u00e4\u00dfig wirkte sich das nicht gro\u00df aus, da Frauen damals f\u00fcnf bis sieben Kinder hatten. Die Emigration verringerte zumindest in Friedenszeiten den Druck auf Land und Ressourcen, und die Bev\u00f6lkerung wuchs weiterhin. Das ist einer der Gr\u00fcnde, warum sich die heutige Situation von jener in der Vergangenheit so grundlegend unterscheidet. Damals wiesen die Balkanstaaten die klassischen demografischen Merkmale armer Auswanderungsl\u00e4nder auf. Heute zeigen sich in der Region jedoch sowohl Symptome reicher als auch armer L\u00e4nder. Das hat es noch nie gegeben.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t\n<div class=\"block-columns block-columns__gutter-large--10 block-columns__vertical-spacing-large--0\">\n\t\n\n<div class=\"block-column block-column__width-large--5 block-column__width-mobile--12\">\n\t\n<div class=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\">\n\n\t\n\t\t\t\n<div class=\"block-infobox\">\n\t<h2 class=\"heading heading__color--primary heading__size--small heading__align--left heading__font--secondary block-infobox__heading\">\n\tStatistischer Albtraum<\/h2>\n\t<div class=\"block-infobox__content\">\n\t\t\n<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-infobox__paragraph\">\n\tUm die Auswirkungen des demografischen R\u00fcckgangs besser zu verstehen, muss man wissen, welche Fragen zu stellen und wie die verf\u00fcgbaren Daten zu interpretieren sind. Rund um das Thema Emigration liegen keine zuverl\u00e4ssigen Zahlen vor. Geburten und Todesf\u00e4lle werden erfasst, diese Daten sind uns bekannt. Ob jemand tot oder lebendig ist, steht au\u00dfer Zweifel. Aber wo man lebt, das ist eine ganz andere Frage. Geht man zum Arbeiten ins Ausland, dann muss man dies keiner Stelle im eigenen Land melden. In den Ziell\u00e4ndern liegen vielleicht Zahlen vor, wie viele Personen sich ebendort registriert haben, diese werden jedoch nur selten ausgewertet. Die kroatische Nationalbank ist eine der wenigen Institutionen, die diese Daten untersucht und damit gezeigt hat, wie schwierig es ist, konkrete Zahlen zu ermitteln. Ein und dieselbe Person kann etwa im eigenen Land als W\u00e4hler und Steuerzahler registriert sein und gleichzeitig auch in mehreren anderen L\u00e4ndern aufscheinen.<br><br>Nehmen wir etwa das Beispiel einer Frau aus dem Osten Kroatiens, wo es nicht viel Arbeit oder zumindest nicht viel gut bezahlte Arbeit gibt. Sie lebt ein halbes Jahr zu Hause und pflegt in der anderen H\u00e4lfte \u00e4ltere Menschen im Ausland. Sie kann eine irische oder britische Sozialversicherungsnummer und vor Kurzem vielleicht auch in Deutschland gearbeitet haben. Sie k\u00f6nnte auch Serbin sein und einen serbischen oder bosnischen Pass besitzen. Wenn sie in einem dieser L\u00e4nder eine Immobilie besitzt, k\u00f6nnte sie dort ebenso als Einwohnerin in der Statistik aufscheinen. Erschwerend kommt hinzu, dass viele der als kroatische Staatsb\u00fcrgerinnen und Staatsb\u00fcrger im Ausland registrierten Personen in Wirklichkeit aus Bosnien stammen. Man kann in etwa davon ausgehen, dass 20 Prozent von ihnen bosnischer Herkunft sind, aber valide Daten gibt es dazu nicht. Bosnische Kroatinnen und Kroaten und jede oder jeder, die oder der \u00fcberzeugend darlegen kann, eine oder einer zu sein, hat Anspruch auf einen kroatischen Pass. Da Bosnien im Gegensatz zu Kroatien nicht zur EU geh\u00f6rt, erh\u00f6ht eine kroatische Staatsb\u00fcrgerschaft die Chancen auf einen Job in der Union. Ungarn vergibt Reisep\u00e4sse an Ungarinnen und Ungarn in Rum\u00e4nien, Serbien und anderswo, und Rum\u00e4nien verleiht einem gro\u00dfen Teil der moldauischen Bev\u00f6lkerung die rum\u00e4nische Staatsb\u00fcrgerschaft. Bulgarien stellt Personen aus Mazedonien P\u00e4sse aus. Aus diesen und anderen Gr\u00fcnden sind selbst die in seri\u00f6sen Medien zitierten Zahlen hinsichtlich Bev\u00f6lkerung und Demografie oft v\u00f6llig falsch.<br><br>Einige aktuelle Beispiele:<br><br>Laut der Financial Times leben in der Republik Moldau 3,5 Millionen Menschen. Im Jahre 2018 berichtete das Blatt, dass 3,6 Millionen Rum\u00e4ninnen und Rum\u00e4nen \u2013 bzw. 16 Prozent der Bev\u00f6lkerung \u2013 seit 2007 ausgewandert seien. Der Guardian hob k\u00fcrzlich in einer Grafik hervor, dass der Kosovo zwischen 2007 und 2018 15,4 Prozent seiner Bev\u00f6lkerung verloren habe und so europaweit den st\u00e4rksten R\u00fcckgang verzeichnete. All diese Zahlen sind falsch.<br><br>Heute leben in der Republik Moldau nicht mehr als drei Millionen Menschen, m\u00f6glicherweise sogar weit weniger. Die Zahlen f\u00fcr Rum\u00e4nien verweisen auf den Bev\u00f6lkerungsr\u00fcckgang zwischen 1990 (nicht 2007) und 2017 und beziehen auch andere Faktoren mit ein, nicht nur die Abwanderung. Die Bev\u00f6lkerungsabnahme im Kosovo ab 1991 (nicht 2007) liegt tats\u00e4chlich bei etwa 4,3 Prozent. Was den Kosovo anbelangt, so liegt der Grund f\u00fcr den krassen Irrtum darin, dass es keine verl\u00e4sslichen Zahlen vor der Volksz\u00e4hlung 2011 gab, die aufzeigte, dass viel weniger Menschen in dem Land lebten als bisher angenommen. Es wurden also Vergleiche zwischen den aktuellen Zahlen und den hohen, jedoch v\u00f6llig unzutreffenden bisherigen Zahlen angestellt. In den Medien und der Wissenschaft geht man wohl davon aus, dass die Zahlen auf den Webseiten nationaler Statistik\u00e4mter korrekt sein sollten, da es sich um staatliche Beh\u00f6rden handelt. Zumindest in dieser Region ist dies nicht unbedingt der Fall bzw. werden die Zahlen nicht ausreichend erl\u00e4utert. 1991 erfasste die letzte jugoslawische Volksz\u00e4hlung rund eine Million im Ausland lebende B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger. \u00c4u\u00dferst selten wird dies bei einer Analyse der Bev\u00f6lkerungszahlen vor und nach dem Krieg ber\u00fccksichtigt, weshalb hier in der Regel \u00c4pfel mit Birnen verglichen werden, d.h. einer Gesamtzahl inklusive Menschen, die 1991 nicht im Land lebten, wird die Summe der nach dem Krieg tats\u00e4chlich in den Nachfolgestaaten lebenden Menschen gegen\u00fcbergestellt.<\/p>\n\t<\/div>\n<\/div>\n\t<\/div>\n\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"block-column block-column__width-large--7 block-column__width-mobile--12\">\n\t\n<div class=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\">\n\n\t\n\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tDie Menschen auf dem Balkan leben lange \u2013 nicht so lange wie in den reicheren L\u00e4ndern Europas, aber wesentlich l\u00e4nger als in \u00e4rmeren Staaten. Gleichzeitig sind die Fertilit\u00e4tsraten, wie auch in den wohlhabenderen L\u00e4ndern, drastisch gesunken. Aber w\u00e4hrend Geburtendefizite und Emigration im Westen durch Zuwanderung ausgeglichen werden, ziehen relativ wenige Menschen in die Balkanl\u00e4nder. In Mittel- und Osteuropa konnte die starke Abwanderung und niedrigen Geburtenraten nur in Polen durch die ungeplante Zuwanderung von mehr als einer Million Menschen aus der Ukraine, dank derer auch der andernfalls kritische Arbeitskr\u00e4ftemangel abgemildert werden konnte, signifikant kompensiert werden<br><br><strong>Hilflosigkeit der Regierungen<\/strong><br><br>Auch wenn man sich allerorts der Situation sehr wohl bewusst ist, wissen die Regierungen nicht, was sie dagegen tun sollen bzw. verf\u00fcgen nicht \u00fcber die erforderlichen Mittel. In Kroatien k\u00f6nnen junge Paare staatlich gef\u00f6rderte Hypotheken in Anspruch nehmen. Doch auch daf\u00fcr muss zuerst ein gewisses Grundkapital vorhanden sein, und die Anzahl der verf\u00fcgbaren Hypotheken sowie der in Frage kommenden Paare ist im Vergleich zum Ausma\u00df des Problems verschwindend klein. Manche L\u00e4nder zahlen Frauen und Familien mit mehreren Kindern spezielle Beihilfen aus. Es gibt jedoch keinerlei Anzeichen daf\u00fcr (zumindest noch nicht), dass derartige Ma\u00dfnahmen sie dazu bewegen k\u00f6nnen, mehr Kinder zu bekommen.<br><br>Im weitaus wohlhabenderen Polen profitieren Familien mit niedrigem Einkommen von erheblichen steuerlichen Vorteilen, wodurch sie gleichzeitig zu treuen Anh\u00e4ngern der regierenden Partei Recht und Gerechtigkeit wurden, aber auch hier werden nicht mehr Kinder geboren. Will man nicht auf Reisebeschr\u00e4nkungen im alten kommunistischen Stil zur\u00fcckgreifen, l\u00e4sst sich scheinbar auch wenig gegen die Abwanderung tun, abgesehen von starken Lohnerh\u00f6hungen in bestimmten Bereichen wie dem Gesundheitswesen. Geld ist jedoch nicht der einzige Grund, warum Menschen ihre Heimat verlassen. Fr\u00fcher zogen jene, die nicht ins Ausland gehen wollten, vom Dorf in die Kleinstadt und von dort weiter in die Hauptstadt.<br><br>Der Unterschied zwischen dem damaligen und heutigen Europa besteht darin, dass es heute einfacher denn je ist, diesen Schritt zu \u00fcberspringen. Der Balkan und andere ehemals kommunistische L\u00e4nder sind die D\u00f6rfer von heute. Wenn man aus dem l\u00e4ndlichen Bulgarien oder einer Kleinstadt in Polen kommt, warum sollte man dann in das kleine Sofia oder triste Breslau ziehen, wenn man gleich direkt nach London oder Berlin gehen kann? Da drau\u00dfen wartet die gro\u00dfe weite Welt. F\u00fcr die meisten westlichen L\u00e4nder ben\u00f6tigen die meisten Europ\u00e4erinnen und Europ\u00e4er kein Visum und billige Fluglinien bedeuten, dass man z.B. von \u00d6sterreich oder Italien hin- und herfliegen kann, so wie das fr\u00fchere Generationen innerhalb des eigenen Landes mit dem Bus gemacht h\u00e4tten. Sekund\u00e4rflugh\u00e4fen wie Stansted oder Beauvais spielen heute die gleiche Rolle wie Busbahnh\u00f6fe, von denen man fr\u00fcher in weit entfernte Provinzen fuhr.<br><br><strong>Arbeitsmarktkrise<\/strong><br><br>Indes f\u00fchren Demografie und Abwanderung allerorts zu einem Arbeitskr\u00e4ftemangel. Regierungen stehen vor einem echten Problem. Die durch die Arbeitslosigkeit bedingten Probleme und Kosten werden durch die Migration, die auch f\u00fcr Kapitalzufl\u00fcsse durch Geldsendungen sorgt, enorm abgefedert. Gleichzeitig nimmt jedoch auch die erwerbsf\u00e4hige Bev\u00f6lkerung ab, sodass ausl\u00e4ndische Investoren abgeschreckt werden oder in manchen F\u00e4llen sogar abwandern. Die logische Antwort auf den Arbeitskr\u00e4ftemangel w\u00e4ren Lohnerh\u00f6hungen, was aber nicht geschieht, zumindest nicht im gro\u00dfen Stil. Im ehemaligen Jugoslawien verf\u00fcgen Busunternehmen nicht \u00fcber die n\u00f6tigen Geldmittel, um mit den L\u00f6hnen deutscher Firmen, die Fahrer brauchen, konkurrieren zu k\u00f6nnen. Das gilt f\u00fcr Belgrad ebenso wie f\u00fcr Rijeka in Kroatien. In Bereichen, in denen die Arbeit relativ einfach ist und auf niedrigen L\u00f6hnen basiert, wie etwa die Automobilzulieferindustrie in der Republik Moldau, ist es f\u00fcr Unternehmen billiger, abzuwandern als h\u00f6here L\u00f6hne zu zahlen.<br><br>Das ist nat\u00fcrlich nicht in allen Bereichen der Fall: In manchen Unternehmen werden L\u00f6hne erh\u00f6ht und Mitarbeiter weiterbesch\u00e4ftigt, besonders in Sektoren mit Bedarf an hochqualifiziertem Personal, wie etwa der Informationstechnologie. Die L\u00f6hne k\u00f6nnen vielleicht nicht mit jenen in London oder Kalifornien mithalten, aber da auch die Lebenshaltungskosten deutlich niedriger sind, lohnt es sich f\u00fcr viele \u2013 wenn nicht alle \u2013 zu bleiben. In anderen Bereichen trifft das aber nicht zu oder die herrschenden wirtschaftlichen Strukturen machen es schwierig, konkurrenzf\u00e4hig zu bleiben. In Kroatien z.B. verzerrt der alles dominierende saisonale Tourismus die tats\u00e4chlichen Gegebenheiten.<br><br>Fr\u00fcher lie\u00dfen sich stets gen\u00fcgend Arbeitskr\u00e4fte aus den \u00e4rmeren Gegenden Kroatiens oder der umliegenden Region finden, die drei Monate lang in den Urlaubsregionen an der K\u00fcste aushalfen. Mittlerweile ist man jedoch immer weniger dazu bereit, da sich in Deutschland in einem ganzen oder auch nur halben Jahr viel mehr Geld unter weitaus besseren Bedingungen verdienen l\u00e4sst. Im Juli beugte sich die kroatische Regierung dem Druck verzweifelter Arbeitgeber und stellte mehr Arbeitserlaubnisse f\u00fcr ausl\u00e4ndisches Personal aus. Das tat auch Rum\u00e4nien. Eine M\u00f6glichkeit, das Problem der sinkenden Erwerbsbev\u00f6lkerung zu l\u00f6sen, ist die Zuwanderung. Das ist Polen gelungen, indem es Arbeitskr\u00e4ften aus der Ukraine und zunehmend auch aus anderen L\u00e4ndern die T\u00fcren ge\u00f6ffnet hat.<\/p>\t<\/div>\n\n<\/div>\n\n<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tAndere werden folgen m\u00fcssen, wenn sie auf weiteres Wirtschaftswachstum setzen wollen, aber in L\u00e4ndern ohne Einwanderungstradition wird das schwierig werden. Ein kleiner Pluspunkt, der sich zumindest in Rum\u00e4nien beobachten l\u00e4sst, ist, dass zuvor marginalisierte Roma Jobs bekommen, die ihnen fr\u00fcher verwehrt geblieben w\u00e4ren. Im Ausland verdientes Geld tr\u00e4gt ebenfalls dazu bei, dass bei den Roma erstmals eine Mittelschicht entsteht. Das Beispiel Polen hat gezeigt, dass Regierungen, die der Logik der Zuwanderung folgen, auch einen politischen Drahtseilakt vollf\u00fchren m\u00fcssen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12 wrapper__offset-large--0\">\n\t\t\t\t\n<figure class=\"block-image-caption\">\n\t<div class=\"image-wrap block-image-caption__image-wrap\" data-align=\"center center\">\n\n\t\t\t<img\n\t\t\tsrc=\"http:\/\/tippingpoint.net\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/demographic-decline-1.jpg\"\n\t\t\tclass=\"image  block-image-caption__image\"\n\t\t\talt=\"\u00a9 Ewelina Karpowiak \/ Klawe Rzeczy\"\n\t\t\/>\n\t\n\t<\/div>\t<figcaption>\n\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--small paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-image-caption__paragraph\">\n\tPrognostizierte Bev\u00f6lkerungsver\u00e4nderung in den L\u00e4ndern Mittel- und S\u00fcdosteuropas (1989-2050). Infografik: \u00a9 Ewelina Karpowiak \/ Klawe Rzeczy<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tPolens Regierung spricht sich gegen Zuwanderung aus und verweigerte w\u00e4hrend der Fl\u00fcchtlingskrise 2015 die von der EU geforderte Aufnahme von einigen tausend Fl\u00fcchtlingen. Gleichzeitig hat man insgeheim eine gro\u00dfe Anzahl (wenngleich wei\u00dfer und christlicher) Ukrainerinnen und Ukrainer ins Land gelassen. Diese Art von Politik mag zwar anderen als Vorbild dienen, aber sie k\u00f6nnte auch, zumindest was den Balkan betrifft, schwer nachzuahmen sein. Wo ist die Balkan-Ukraine? Auch wenn immer weniger Menschen in l\u00e4ndlichen Gebieten leben wollen, so kann man doch an einigen Orten auch Zuw\u00e4chse beobachten.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tDem B\u00fcrgermeister von Tirana, Erion Veliaj, zufolge w\u00e4chst die Stadt um 25.000 Einwohnerinnen und Einwohner pro Jahr, w\u00e4hrend Albanien insgesamt immer mehr Menschen an andere L\u00e4nder verliert. Cluj (Klausenburg) in Siebenb\u00fcrgen ist eine Stadt im Aufschwung, in die scharenweise Menschen aus anderen Teilen Rum\u00e4niens und dem Ausland ziehen. Ihr Erfolg basiert auf einer wissensbasierten Wirtschaft und IT. An manchen Orten in Rum\u00e4nien stoppten ausl\u00e4ndische Investitionen in den Bau moderner Fabriken die Entv\u00f6lkerung und veranlassten sogar manche zur\u00fcckzukehren. Wenn sich St\u00e4dte wie Cluj tausendmal reproduzieren lie\u00dfen und \u00fcberall an der Verbesserung des Lebensstandards gearbeitet w\u00fcrde, wie in Tirana, dann s\u00e4he die Situation ganz anders aus.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<strong>Durch die EU versch\u00e4rft<\/strong><br><br>Auch wenn man es nicht gerne zugibt: Durch die EU-Mitgliedschaft versch\u00e4rfte sich die Situation, zumindest anfangs. Mittlerweile ist in Europa jedoch kaum mehr ein Unterschied zwischen Mitgliedern und Nichtmitgliedern zu erkennen. In L\u00e4ndern wie Polen, Rum\u00e4nien oder Kroatien f\u00fchrte die \u00d6ffnung des Arbeitsmarkts dazu, dass Millionen ihre Heimat verlie\u00dfen. Jetzt \u00f6ffnen L\u00e4nder wie Deutschland ihre M\u00e4rkte auch f\u00fcr qualifizierte Arbeitskr\u00e4fte aus Nicht-EU-Staaten. Vor einigen Jahren waren illegale Migration und Schein-Asylsuchende das Problem. Heute stehen die Menschen vor den Konsulaten in Belgrad, Banja Luka oder Pristina Schlange und suchen um Arbeitserlaubnisse an, die oft von Unternehmen aus den EU-L\u00e4ndern Kroatien und Slowenien finanziert werden. Migration hat politische Konsequenzen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t\n<div class=\"block-columns block-columns__gutter-large--10 block-columns__vertical-spacing-large--0\">\n\t\n\n<div class=\"block-column block-column__width-large--5 block-column__width-mobile--12\">\n\t\n<div class=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\">\n\n\t\n\t\t\t\n<div class=\"block-infobox\">\n\t<h2 class=\"heading heading__color--primary heading__size--small heading__align--left heading__font--secondary block-infobox__heading\">\n\tEurope&#8217;s Futures<\/h2>\n\t<div class=\"block-infobox__content\">\n\t\t\n<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-infobox__paragraph\">\n\tEuropa erlebt seine dramatischste und herausforderndste Zeit seit dem Ende des Zweiten Weltkrieg. Das europ\u00e4ische Projekt steht auf dem Spiel und die liberale Demokratie wird sowohl von innen als auch von au\u00dfen gefordert. Von allen Seiten der staatlichen und nicht-staatlichen Akteure ist es dringend erforderlich, sich mit den brennenden Problemen zu befassen und das, was durch das politische Friedensprojekt sorgf\u00e4ltig erreicht wurde, zu bekr\u00e4ftigen.<br><br>Zwischen 2018 und 2021 engagieren sich jedes Jahr sechs bis acht f\u00fchrende europ\u00e4ische Expertinnen und Experten als <a href=\"https:\/\/www.europesfutures.eu\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Europe&#8217;s Futures<\/a> Fellows. Sie schaffen damit eine einzigartige eine Plattform der Ideen, um grundlegende Ma\u00dfnahmen zu pr\u00e4sentieren, deren Ziel es ist, die Vision und Realit\u00e4t Europas zu st\u00e4rken und voranzutreiben. Europe&#8217;s Futures basiert auf eingehenden Untersuchungen, konkreten politischen Vorschl\u00e4gen und dem Austausch mit staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren, dem \u00f6ffentlichen Diskurs und Medien.<\/p>\n\t<\/div>\n<\/div>\n\t<\/div>\n\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"block-column block-column__width-large--7 block-column__width-mobile--12\">\n\t\n<div class=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\">\n\n\t\n\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tIn der gesamten Region wird die Frage der Demografie zu einer Frage der Politik \u2013 und das nicht nur im Hinblick auf Regierungen, die versprechen, Ma\u00dfnahmen zu setzen. Der serbische Pr\u00e4sident verglich die aktuellen Bev\u00f6lkerungszahlen der Serbinnen und Serben und Albanerinnen und Albaner mit Prognosen, die zeigen, dass die Zahl der serbischen gegen\u00fcber der albanischen Bev\u00f6lkerung dramatisch abnehmen wird. Er versucht damit, einen Konsens zu erzielen, bevor er wom\u00f6glich ein unpopul\u00e4res Abkommen mit dem Kosovo schlie\u00dft. <br><br>Allerorts sind in den W\u00e4hlerverzeichnissen zahlreiche l\u00e4ngst ausgewanderte B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger gelistet. Das liegt im Interesse der Politik, denn es ist einfacher, mit aufgebauschten Listen Wahlen zu gewinnen. In Nordmazedonien ist 2018 das Referendum \u00fcber die Namens\u00e4nderung jedoch nicht nur am Boykott der Opposition gescheitert, sondern auch daran, dass die notwendige Schwelle nicht so leicht zu erreichen war, weil sich so viele im W\u00e4hlerverzeichnis eingetragene Personen im Ausland aufhielten.<br><br>Als im Juni 2019 die Regierung der Republik Moldau gest\u00fcrzt und eine andere an die Macht kam, machte diese in einer ihrer ersten Amtshandlungen eine f\u00fcr die letzte Wahl erlassene Regelung r\u00fcckg\u00e4ngig, wonach die Diaspora ihre Stimme nur mit g\u00fcltigen moldauischen Reisep\u00e4ssen oder Ausweisen abgeben konnte. Warum war das wichtig? Weil ein Gro\u00dfteil der Unterst\u00fctzer von Maia Sandu, der designierten Premierministerin, zu der im Westen lebenden Diaspora mit rum\u00e4nischen P\u00e4ssen z\u00e4hlt, d.h. es gab unter ihnen eine h\u00f6here Quote mit abgelaufenen moldauischen Dokumenten.<\/p>\t<\/div>\n\n<\/div>\n\n<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tIn Albanien unterstellt die Opposition der Regierung Mitschuld daran, dass in den letzten Jahren bis zu einer halben Million Menschen das Land verlassen habe. Dabei handelt es sich aber um politische Fiktion, denn es sind auch Hunderttausende zur\u00fcckgekommen oder sind Pendelmigranten, die kommen und gehen. Die Migration hat auch Auswirkungen in den Ziell\u00e4ndern und bietet N\u00e4hrboden f\u00fcr nationalpopulistische Parteien. Inwieweit die Ankunft einer Flut von Menschen aus Polen, Rum\u00e4nien, Bulgarien usw. f\u00fcr das Brexit-Referendum in Gro\u00dfbritannien 2016 ausschlaggebend gewesen war, ist unm\u00f6glich in Zahlen zu fassen, aber es besteht kein Zweifel, dass es eine Rolle gespielt hat.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<strong>Aussichtslos?<\/strong><br><br>Wie k\u00f6nnen L\u00e4nder diese Probleme l\u00f6sen? Oder ist es aussichtslos? Das sind die gro\u00dfen Fragen unserer Zeit, und manchmal d\u00fcrften Regierungen das Gef\u00fchl haben, eine nach unten fahrende Rolltreppe hochzulaufen. Warum wandern Menschen aus? Es geht nicht nur um Geld. Es geht auch um Bildung, Gesundheitsversorgung und andere Dienstleistungen \u2013 und in zunehmendem Ma\u00dfe hat es auch damit zu tun, dass die Menschen die Hoffnung verloren haben, jemals in geordneten und demokratischen Gesellschaften zu leben, die nicht von Korruption beherrscht sind. Wenn der Wohlstand in diesen L\u00e4ndern gestiegen sein wird, werden weite Teile der Bev\u00f6lkerung bereits im Ausland gelebt haben und wollen die gleichen Lebensstandards, einschlie\u00dflich der Sozialleistungen, die sie in diesen westlichen L\u00e4ndern genossen haben. \u201eF\u00fcr die Generation meines Vaters\u201c, erz\u00e4hlt Majlinda, eine 25-j\u00e4hrige albanische Studentin, die in Holland studiert hat, \u201ehaben sich die Dinge sehr schnell ver\u00e4ndert, aber f\u00fcr mich geht das alles nicht schnell genug!\u201c Deshalb hat sich die Erwartungsl\u00fccke auch so sehr vergr\u00f6\u00dfert, wie noch bei keiner anderen Generation in der Vergangenheit.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--biggest paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-quote__paragraph\">\n\tRegierungen m\u00fcssen daf\u00fcr sorgen, dass die Menschen in ihren L\u00e4ndern auch leben wollen. Das ist an und f\u00fcr sich nicht so schwer, aber vielleicht ist es daf\u00fcr schon zu sp\u00e4t.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tNun k\u00f6nnte man folgerichtig meinen, dass unter der Annahme, diese L\u00e4nder seien die D\u00f6rfer von heute, Steuertransfers in einem verst\u00e4rkt f\u00f6deralen Europa die Antwort sein k\u00f6nnten, aber davon ist im gegenw\u00e4rtigen Klima nicht auszugehen. Die L\u00e4nder des Westbalkans, geschweige denn die Republik Moldau, geh\u00f6ren nicht einmal zur EU, und mancherorts beginnt man, daran zu zweifeln, dass dies jemals der Fall sein wird. Aber was l\u00e4sst sich aus jenem Teil der ehemals kommunistischen Welt ablesen, der das Problem der Steuertransfers gel\u00f6st hat? Die Antwort ist nicht ermutigend. Fast drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung gehen die Bev\u00f6lkerungszahlen in Ostdeutschland noch immer zur\u00fcck. Um diese Entwicklung zu verlangsamen und hoffentlich umzukehren, m\u00fcssen die Regierungen daf\u00fcr sorgen, dass die Menschen in ihren L\u00e4ndern auch leben wollen. Das ist an und f\u00fcr sich nicht so schwer, aber vielleicht ist es daf\u00fcr schon zu sp\u00e4t. L\u00e4nder k\u00f6nnen nicht verschwinden, aber sie k\u00f6nnen alt werden und damit \u00e4rmer als westliche L\u00e4nder, was wiederum zu noch mehr Abwanderung f\u00fchrt. W\u00e4ren diese L\u00e4nder schon immer sehr reich gewesen wie etwa Japan, g\u00e4be es mehr Handlungsm\u00f6glichkeiten, aber da dies nicht der Fall ist und da die Aussichten anhaltend d\u00fcster sind, bedarf dieses Problem dringender Aufmerksamkeit. Es braucht Taten und Ideen, nicht nur seitens der Regierungen und Denkfabriken in den L\u00e4ndern mit schrumpfender Bev\u00f6lkerung, sondern in ganz Europa, bevor das Ungleichgewicht der Geschehnisse zu einem weiteren Problem wird, das unsere liberalen demokratischen Grundfesten bedroht.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<em>Der Artikel gibt die Meinung der Autorin wieder und repr\u00e4sentiert nicht den Standpunkt von BIRN oder der ERSTE Stiftung.<\/em><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<em>Original auf Englisch. Erstmals publiziert am 14. Oktober 2019 auf <a href=\"https:\/\/balkaninsight.com\/2019\/10\/14\/bye-bye-balkans-a-region-in-critical-demographic-decline\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Reportingdemocracy.org<\/a>, einer journalistischen Plattform des Balkan Investigative Reporting Network. Der vorliegende Text ist im Rahmen des <a href=\"https:\/\/www.europesfutures.eu\/archive\/a-region-in-critical-demographic-decline\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Europe&#8217;s Futures<\/a> Projekts entstanden.<br>Aus dem Englischen von <a href=\"http:\/\/www.wordpool.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Barbara Maya<\/a>.<\/em><br><br><em>Dieser Text ist urheberrechtlich gesch\u00fctzt: \u00a9 Tim Judah. Bei Interesse an Wiederver\u00f6ffentlichung bitten wir um Kontaktaufnahme mit der <a href=\"http:\/\/magazine.erstestiftung.org\/de\/erste-stiftung\/impressum\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Redaktion<\/a>.<br>Urheberrechtliche Angaben zu Bildern, Grafiken und Videos sind direkt bei den Abbildungen vermerkt. Titelbild: Illustration \u00a9 Ewelina Karpowiak \/ Klawe Rzeczy<\/em><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tim Judah \u00fcber eine Region die ihre Bev\u00f6lkerung verliert<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2067,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[360,436],"tags":[270,246,429,452,224,449,126],"formats":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3685"}],"collection":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3685"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3685\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5060,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3685\/revisions\/5060"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2067"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3685"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3685"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3685"},{"taxonomy":"format","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/formats?post=3685"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}