{"id":3675,"date":"2019-12-28T00:00:00","date_gmt":"2019-12-28T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/erste-foundation.byinfinum.co\/ein-letztes-zuhause\/"},"modified":"2022-09-08T16:39:38","modified_gmt":"2022-09-08T16:39:38","slug":"ein-letztes-zuhause","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/ein-letztes-zuhause\/","title":{"rendered":"Ein letztes Zuhause"},"content":{"rendered":"
\n\tWenn Obdachlose sterben, sind sie oft allein. Im europaweit ersten Obdachlosenhospiz werden sie auf ihrem letzten Weg begleitet. Statt anonym auf der Stra\u00dfe oder in Notschlafstellen sterben sie hier in Geborgenheit.<\/strong><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tSie waren verabredet. Doch Hans Mitterbacher ist nicht da. Seit mehr als einer Stunde warten drei Frauen im kleinen B\u00fcro des Hospizes auf ihn. Er wei\u00df, dass er Visite hat. Doch statt nach seiner Bestrahlung im Krankenhaus direkt zur\u00fcckzukehren, geht er spazieren. Spazieren, das hei\u00dft f\u00fcr ihn: fr\u00fcher oder sp\u00e4ter im Wirtshaus \u201eZu den drei goldenen Kugeln\u201c zu landen, nur wenige hundert Meter vom Hospiz entfernt. Dort trinkt er Bier, raucht. \u00c4rztin und Pflegerinnen werden sitzengelassen f\u00fcr Dinge, die Mitschuld an seinem gesundheitlichen Zustand tragen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\t\u201eDas passiert\u201c, sagt D\u00e9sir\u00e9e Amschl-Strablegg. Die 45-J\u00e4hrige leitet das Team der Palliativpflege im VinziDorf-Hospiz. Es ist Europas erstes und bisher einziges f\u00fcr obdachlose Menschen. Im April 2017 er\u00f6ffnete es auf dem Friedhofsgel\u00e4nde der St. Leonhard Gemeinde im Osten Graz. Menschen ohne festen Wohnsitz, Krankenversicherung, Geld, mit bewegenden Lebensgeschichten und schwerkrank, finden hier ein Zuhause. Manchmal ihr erstes, fast immer ihr letztes.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tD\u00e9sir\u00e9e Amschl-Strablegg ist Pflegeleiterin der Palliativstation im Krankenhaus der\u00a0Elisabethinen und im VinziDorf-Hospiz. Foto: \u00a9 Sascha Montag \/ Zeitenspiegel<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tDas Leben derjenigen, die durch alle Netze der Gesellschaft gefallen sind, in ihr keinen Fu\u00df mehr fassen k\u00f6nnen, endet oft allein, einige sterben auf Parkb\u00e4nken oder in Notschlafstellen. Krankenh\u00e4user, Palliativstationen und Hospize meiden viele von ihnen. \u201eMit ihrer unkonventionellen Art zu leben, tun sie sich mit den Strukturen in herk\u00f6mmlichen Einrichtungen sehr schwer\u201c, erkl\u00e4rt Amschl-Strablegg. Die Todkranken f\u00fchlen sich nicht verstanden und, durch die Forderung auf Alkohol zu verzichten, ihrer Freiheit beraubt.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\t\u201eWir versuchen, auf ihren eigenwilligen Lebensstil einzugehen\u201c, sagt Amschl-Strablegg. Auch im Obdachlosenhospiz gibt es Regeln. Eine Nachtruhe, zum Schutz der Bewohner. Doch Bier und Wein, Zigaretten, Besuch von Freunden von der Stra\u00dfe sind erlaubt. In dem von Spenden finanzierten Hospiz gibt es Platz f\u00fcr zwei G\u00e4ste, wie die Bewohner hier genannt werden. Eine Betreuerin steht rund um die Uhr bereit, eine Gruppe von Pflegekr\u00e4ften und Medizinern k\u00fcmmert sich, dazu ehrenamtliche Mitarbeiter.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tLeben und Sterben in enger Gemeinschaft<\/strong> \n\tDie Steine in diesem Glas im VinziDorf-Hospiz werden mit den Namen und Todestagen der Verstorbenen versehen. Foto: \u00a9 Sascha Montag \/ Zeitenspiegel<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tZum Sterben mussten viele der G\u00e4ste nur \u00fcber einen schmalen Weg gehen. Sie kamen aus dem VinziDorf. Die Containersiedlung, die direkt gegen\u00fcber vom Hospiz liegt, wurde vor mehr als 25 Jahren von Wolfgang Pucher gegr\u00fcndet. In Graz als der \u201eArmenpfarrer\u201c bekannt, wollte er wohnungslosen und chronisch alkoholkranken M\u00e4nnern eine Heimat geben, die sie sonst nirgendwo in der Stadt finden. Anders als in Notschlafstellen und anderen Obdachlosenasylen darf jeder einen sieben Quadratmeter gro\u00dfen Container solange bewohnen, wie er m\u00f6chte.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\t\u201eAls wir \u00fcberlegten, wo das Hospiz in Graz er\u00f6ffnet werden soll, war schnell klar, dass hier der richtige Ort daf\u00fcr ist\u201c, sagt Amschl-Strablegg. Seit sieben Jahren arbeitet sie als Leiterin der Palliativstation im Grazer Elisabethinnen-Krankenhaus. Nonnen des Ordens hatten die Idee zu dem Hospiz.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tEin freies Bett im Hospiz<\/strong> \n\tVor vier Jahren kam Mitterbacher das erste Mal ins VinziDorf, war schon damals Alkoholiker, hatte mehrere Schlaganf\u00e4lle hinter sich, schwere Lebersch\u00e4den und war inkontinent. Schnell wurde klar, dass er in diesem Zustand im Dorf nicht versorgt werden konnte. Er ging in ein Pflegeheim, k\u00fcmmerte sich dort um Hasen, Ziegen, Katzen. Das tat ihm gut. Auch k\u00f6rperlich ging es ihm schnell besser. Doch als er die starren Regeln des Heimes, vor allem das Alkoholverbot, nicht mehr aushielt, zog er aus, irrte umher, schlief auf der Stra\u00dfe, in Notunterk\u00fcnften. Im April 2018 kehrte er ins VinziDorf zur\u00fcck. Doch nur wenig sp\u00e4ter verschlechterte sich sein Zustand erneut. Er verlor viel Gewicht, war st\u00e4ndig heiser. Im Herbst vergangenen Jahres bekam er die Diagnose: Kehlkopfkrebs. Mehrmals die Woche wird der Tumor bestrahlt. Um ihm das Atmen zu erleichtern, wurde eine Kan\u00fcle eingesetzt, dazu eine Magensonde gelegt. Ihn erneut in ein Heim zu schicken, brachte Sabine Steinacher nicht \u00fcbers Herz. \u201eWir h\u00e4tten ihn damit wieder aus der Umgebung, die ihm vertraut ist, herausgerissen.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tD\u00e9sir\u00e9e Amschl-Strablegg und Anette Erdeli, die 24-Stunden-Pflegerin im VinziDorf-Hospiz, beim gemeinsamen Kaffeetrinken mit dem Hospizbewohner Hans Friedrich Mitterbacher. Foto: \u00a9 Sascha Montag \/ Zeitenspiegel<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tHans Mitterbacher hatte Gl\u00fcck. Ein Bett im Hospiz wurde frei. Nur ein paar Schritte von seinem Container entfernt, k\u00fcmmert sich Anette Erdelji rund um die Uhr um ihn, p\u00fcriert ihm Bananenmilch, wenn er vor Schmerzen kaum schlucken kann, sucht ihm Hemden, Pullover und Jacken aus einem Lager gespendeter Kleidung aus, h\u00f6rt ihm zu.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tKeinen Kontakt zur Familie<\/strong> \n\tVor 64 Jahren in K\u00e4rnten geboren, wuchs Mitterbacher mit vier Geschwistern in der Oststeiermark auf, lernte Automechaniker und Elektriker. Sp\u00e4ter verpflichtete er sich als Soldat und ging mit dem Bundesheer nach Zypern. Er heiratete, bekam eine Tochter. Im Hospiz besucht ihn niemand. Zu seiner Familie, seiner Tochter hat er keinen Kontakt.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tAnette Erdeli k\u00fcmmert sich rund um die Uhr um Hans Friedrich Mitterbacher. Sie p\u00fcriert ihm Bananenmilch, wenn er vor Schmerzen kaum schlucken kann, sucht ihm Hemden, Pullover und Jacken aus einem Lager gespendeter Kleidung aus, h\u00f6rt ihm zu. Foto: \u00a9 Sascha Montag \/ Zeitenspiegel<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tEr braucht lange, um Menschen zu vertrauen, um Hilfe anzunehmen. Doch Anette Erdelji gibt nicht auf. Seitdem er in das Hospiz eingezogen ist, hat er zwei Kilo und 200 Gramm zugenommen. Wenn sie von diesem kleinen Erfolg berichtet, sp\u00fcrt man einen kurzen Moment ihre Hoffnung. Ginge er regelm\u00e4\u00dfig zur Bestrahlung, k\u00f6nnte sich sein Zustand doch vielleicht stabilisieren? Vielleicht k\u00f6nnten dann die Kan\u00fcle und die Magensonde entfernt werden? Vielleicht k\u00f6nnte er dann doch noch einmal zur\u00fcck in seinen Container in das VinziDorf ziehen? Er w\u00e4re nicht der erste Gast des Obdachlosenhospizes, den die Pfleger und \u00c4rzte aufgep\u00e4ppelt haben.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tDer vielleicht letzte Abschied<\/strong> \n\tSie sitzt im Schaukelstuhl in der Ecke des Wohnzimmers. Auf ihrem Scho\u00df liegt ein Notizbuch mit Erinnerungen an die Verstorbenen. Ein paar Zeilen Text, einige Bilder. Erdelji bl\u00e4ttert durch die Seiten. Sie schmunzelt. \u201eEs hei\u00dft immer, dass es mit jedem Mal leichter wird, so ist es aber nicht. An das Sterben kann man sich nicht gew\u00f6hnen\u201c, sagt sie. \u201eEs schaut sch\u00f6n aus bei uns, wir haben viel Spa\u00df, aber wenn du das Leid und die letzten Stunden begleitest, ist das schon sehr hart.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\t\u201eEs ist nichts mehr von mir da\u201c, r\u00f6chelt Hans Mitterbacher. Langes Sprechen f\u00e4llt ihm schwer. Foto: \u00a9 Sascha Montag \/ Zeitenspiegel<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tAm n\u00e4chsten Morgen m\u00fcssen sich Anette Erdelji und Hans Mitterbacher verabschieden. Er geht spazieren, hat sich Mantel und Hut angezogen, nach drei Wochen in Graz f\u00e4hrt Erdelji nach Hause, zu ihrem Mann und ihren zwei Kindern nach Kroatien. F\u00fcr die n\u00e4chsten Wochen k\u00fcmmert sich eine andere Pflegerin um Mitterbacher. Er umarmt sie, streichelt ihr \u00fcber den Hinterkopf durch ihre kurzen Haare. \u201eImmer sch\u00f6n brav essen, h\u00f6rst du!\u201c, sagt sie. \u201eZu Befehl!\u201c, erwidert er, lupft seinen Hut, schiebt ihn ein St\u00fcck aus der Stirn und verschwindet in der kalten Luft.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tObwohl sich Anette Erdelji f\u00fcr ihre Heimreise Make-Up aufgelegt hat und eine bunte Bluse tr\u00e4gt, wirkt sie m\u00fcder und trauriger als sonst. Ob die Menschen, mit denen sie ihren Alltag teilt, noch leben, wenn sie zur\u00fcckkehrt? Sie wei\u00df es nicht: Jeder Abschied kann der letzte sein.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tZwei Monate nach der Recherche starb Hans Mitterbacher im VinziDorf-Hospiz. Er h\u00f6rte auf zur Bestrahlung zu gehen, pfiff auf alle Ratschl\u00e4ge. \u201eDamit hat er uns eine wunderbare Lektion gelehrt\u201c, schreibt D\u00e9sir\u00e9e Amschl-Strablegg in der Nachricht, in der sie den Reportern den Tod mitteilt. \u201eGenau damit konnte er bis zum letzten Tag tun, wonach ihm der Sinn stand … leben!\u201c<\/em><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tEine abgewandelte Geschichte dieser Recherche wurde als Visual Story in der Spiegel-Digitalausgabe<\/a> 14\/2019 und am 29. M\u00e4rz 2019 auf spiegel.de<\/a> ver\u00f6ffentlicht.<\/em> In Europas erstem und bisher einzigem Hospiz f\u00fcr obdachlose Menschen finden sie Geborgenheit anstatt den Tod auf der Stra\u00dfe.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2009,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[436,299],"tags":[327,424,332,372,371,333],"formats":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3675"}],"collection":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3675"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3675\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8398,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3675\/revisions\/8398"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2009"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3675"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3675"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3675"},{"taxonomy":"format","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/formats?post=3675"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}\n\t\n\t<\/div>\t
Betritt man das Haus, erinnert wenig an einen Ort des Sterbens. In der Wohnk\u00fcche flimmern Musikvideos \u00fcber den Fernsehbildschirm, es riecht nach Brathendl vom Mittagessen. Sara, die Katze eines ehemaligen Bewohners, hat sich in einem der W\u00e4schek\u00f6rbe im Flur zusammengerollt und schnurrt. Nur wer genau hinschaut, findet Hinweise, dass Menschen hier ihre letzten Lebensmomente verbringen: zum Beispiel eine Vase voller Steinchen, die in der K\u00fcche steht. Eine Helferin hat auf ihnen die Namen der Verstorbenen geschrieben: Michael, Ondre, Herr Ludwig.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\t\n\t<\/div>\t
Auch Hans Mitterbacher ist aus dem Dorf in das Hospiz gezogen. Noch geh\u00f6rt ihm Container Nummer 2a. Auf seinem Bett liegt eine Gitarre, an der Wand h\u00e4ngen Postkarten und Magazinschnipsel idyllischer Berglandschaften. Die Leiterin des Dorfes, Sabine Steinacher, musste ihm versprechen, dass alles in seinem Container bleibt, wie es ist \u2013 bis er zur\u00fcckkommt oder stirbt.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\t\n\t<\/div>\t
\u201eEs ist nichts mehr von mir da\u201c, r\u00f6chelt Hans Mitterbacher. Langes Sprechen f\u00e4llt ihm schwer. Er schaut an sich herunter, hebt seinen d\u00fcnnen Arm. \u201eDie zwanzig Kilo weniger merke ich.\u201c \u201eNat\u00fcrlich merken Sie die\u201c, antwortet Anette Erdelji, die vor ihm sitzt. Mitterbacher, dessen Wangen eingefallen sind, hat sein T-Shirt hochgezogen, den Zugang zu der Magensonde freigelegt. Die Pflegerin dr\u00fcckt einen hellen Brei durch die Spritze in den Sondenschlauch. \u201eSind Sie nerv\u00f6s?\u201c, fragt die 47-J\u00e4hrige mit rollendem \u201eR\u201c ihres kroatischen Akzents. Sie nimmt seine rechte Hand, dr\u00fcckt sanft zu. L\u00e4chelt. \u201eWir zwei, wir schaffen das.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\t\n\t<\/div>\t
Insgesamt 17 Menschen sind seit Bestehen im Hospiz untergekommen. Neun Monate dauerte der l\u00e4ngste Aufenthalt. Josef dagegen war nur ein Wochenende da. W\u00e4hrend Hans Mitterbacher und Anette Erdelji vor der T\u00fcr des Hospizes eine Zigarette rauchen, flackert neben ihnen eine Kerze. Sie wird angez\u00fcndet, wenn einer der G\u00e4ste stirbt. Josef ist bereits der zweite Mitbewohner, den Mitterbacher innerhalb von drei Wochen verliert. \u201eWenn jemand stirbt, dann ist es f\u00fcr den anderen Bewohner sehr schwer\u201c, sagt Anette Erdelji. \u201eHans hat zu mir gesagt, als n\u00e4chstes bin ich an der Reihe.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\t\n\t<\/div>\t
Dieser Text ist urheberrechtlich gesch\u00fctzt: \u00a9 Rike Uhlencamp \/ Zeitenspiegel. Bei Interesse an Wiederver\u00f6ffentlichung bitten wir um Kontaktaufnahme mit der Redaktion<\/a>.<\/em>
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern, Grafiken und Videos sind direkt bei den Abbildungen vermerkt. Titelbild: Hauskatze Anna im VinziDorf-Hospiz. Foto: \u00a9 Sascha Montag \/ Zeitenspiegel<\/em><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"