{"id":3673,"date":"2019-12-17T00:00:00","date_gmt":"2019-12-17T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/erste-foundation.byinfinum.co\/faules-spiel\/"},"modified":"2021-07-07T13:45:18","modified_gmt":"2021-07-07T13:45:18","slug":"faules-spiel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/faules-spiel\/","title":{"rendered":"Faules Spiel"},"content":{"rendered":"\n\n\t\n\t\t\t
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\n\tSie haben Freunde in hohen Positionen und private Sicherheitsdienste im W\u00fcrgegriff. Serbiens Fu\u00dfballrowdys zeigen gro\u00df auf.<\/strong><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tSlobodan Vuki\u0107 sa\u00df im Tilt Club, einen am Belgrader Saveufer gelegenen Nachtklub, und trank Whiskey, als der feuchtfr\u00f6hliche Abend eine katastrophale Wendung nahm. Nachdem er an der Bar ein paar Gl\u00e4ser umgesto\u00dfen hatte, wollte der drei\u00dfigj\u00e4hrige Lkw-Fahrer eine weitere Runde bestellen. Seine Freunde versuchten ihn zum Gehen zu \u00fcberreden. Vuki\u0107 blieb hartn\u00e4ckig. Dann kamen die Rausschmei\u00dfer. \u201eIch kenne diese Lokale und diese Typen\u201c, meinte Miroslav Basta, ein Freund, der an jenem Dezemberabend des Jahres 2015 mit Vuki\u0107 im Klub war. \u201eSie verpr\u00fcgeln dich, dann schmei\u00dfen sie dich raus, egal ob du \u00c4rger gemacht hast oder nicht.\u201c Seine Angst war begr\u00fcndet. Als die Rausschmei\u00dfer mit ihm fertig waren, sei Vuki\u0107 blut\u00fcberstr\u00f6mt auf dem Gehsteig vor dem Nachtlokal zusammengesackt, erinnerte sich Basta. Kurz darauf fiel Vuki\u0107 ins Koma. Zwei Wochen sp\u00e4ter war er tot. Todesursache war eine Entz\u00fcndung der inneren Organe.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tDreieinhalb Jahre sp\u00e4ter steht einer der T\u00fcrsteher wegen schwerer K\u00f6rperverletzung vor dem Obergericht in Belgrad. Milovan Tadi\u0107 gibt zu, Vuki\u0107 gegen das Bein getreten zu haben, bestreitet jedoch, ihm einen schweren Schlag in den Unterleib versetzt zu haben. Der Vorfall im Tilt reiht sich ein in eine Serie von \u00dcbergriffen auf Nachtklubbesucher, die in den letzten Jahren in manchen F\u00e4llen t\u00f6dlich, in anderen mit schweren Verletzungen geendet sind. Verantwortlich daf\u00fcr waren T\u00fcrsteher, die sich eher wie Hooligans benahmen und nicht wie Sicherheitskr\u00e4fte, die eigentlich f\u00fcr Ruhe und Ordnung sorgen sollen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tExpertInnen zufolge gibt es daf\u00fcr eine einfache Erkl\u00e4rung: Die f\u00fcr Nachtklubs zust\u00e4ndigen Sicherheitskr\u00e4fte sind in Serbien h\u00e4ufig fest in den H\u00e4nden waschechter Hooligans \u2013 Banden eingefleischter Fu\u00dfballfans, die sowohl im als auch au\u00dferhalb des Stadions f\u00fcr ihre Gewaltbereitschaft ber\u00fcchtigt sind. Kontrolliert man die T\u00fcr, dann kontrolliert man auch den Drogenhandel, der dahinter stattfindet \u2013 ein lukratives Nebengesch\u00e4ft, wie ExpertInnen meinen. Auch neue Gesetze, die Rowdys im Sicherheitsdienst verbieten sollen, k\u00f6nnen nicht verhindern, dass auch Hooligans als Bodyguards, Nachtw\u00e4chter und Sicherheitskr\u00e4fte angestellt werden \u2013 denen die Sorge f\u00fcr die \u00f6ffentliche Sicherheit anvertraut wird.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tSerbische Fu\u00dfballfans geraten bei einem Qualifikationsspiel zwischen Serbien-Montenegro und Bosnien-Herzegowina f\u00fcr die WM 2006 mit der serbischen Polizei aneinander. Foto: \u00a9 Koca Sulejmanovic \/ EPA \/ picturedesk.com<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tSerbien ist bekannt f\u00fcr seine Toleranz gegen\u00fcber Hooliganismus. W\u00e4hrend der Balkankriege der 1990er-Jahre f\u00fcllten Hooligans die Reihen der Paramilit\u00e4rs. Am bekanntesten war die \u201eTiger-Miliz\u201c unter dem Kommando des sp\u00e4ter ermordeten \u017deljko \u201eArkan\u201c Ra\u017enatovi\u0107, Vorsitzender des Hardcore-Fanklubs von Roter Stern Belgrad. In Friedenszeiten haben sie die \u00f6ffentliche Meinung mit Gewalt beherrscht. Nachdem sie seine Kriege gef\u00fchrt hatten, waren die Fangruppen auch am Sturz des serbischen Machthabers Slobodan Milo\u0161evi\u0107 beteiligt. Sie sind daf\u00fcr bekannt, aufr\u00fchrerische Proteste gegen die Festnahme von Kriegsverbrechern, die Unabh\u00e4ngigkeit des Kosovo oder LGBT-Rechte anzuf\u00fchren.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tMit dem Aufstieg der regierenden Serbischen Fortschrittspartei im Laufe der vergangenen sechs Jahre habe sich die Beziehung zwischen Staat und Fu\u00dfballfans zu einer Art Arbeitsvereinbarung entwickelt, meinen ExpertInnen: Daf\u00fcr, dass auf den Stra\u00dfen Ruhe herrscht, k\u00f6nnen Hooligans ihren Gesch\u00e4ften relativ unbehelligt nachgehen. Um diesen neuen Kuschelkurs zu illustrieren, verweisen sie auf eine ber\u00fcchtigte Fangruppierung aus Belgrad mit angeblichen Verbindungen zu privaten Sicherheitsdiensten, aber auch Staatsbeamten, darunter einen ranghohen Polizeiberater und den Generalsekret\u00e4r des serbischen Parlaments. Sie bezeichnen die Gruppe als die \u201eJanji\u010dari\u201c.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tQuid pro quo<\/strong>

Im Herbst 2016 stieg Aleksandar Stankovi\u0107, bekannt als \u201eSale, der Totschweiger\u201c, in Belgrads Stadtbezirk Vo\u017edovac in seinen silbernen Audi A6, als zwei nicht n\u00e4her bekannte Personen das Feuer er\u00f6ffneten. In Mafia-Manier wurde mehr als 50 Mal auf ihn geschossen. Er war der Letzte in einer langen Reihe von Hooligan-Anf\u00fchrern, die in Serbien in den vergangenen Jahren ermordet wurden. \u201eSale, der Totschweiger\u201c war mehrfach angeklagt \u2013 wegen Morddrohungen, Folter, Schl\u00e4gereien, Drogendelikten und Waffenbesitz. Trotz der vielen Anschuldigungen hatte er erstaunlich wenig Zeit in Haft verbracht. 2013 wurde er f\u00fcr das Betreiben eines Drogenrings zu f\u00fcnf Jahren und zehn Monaten Freiheitsentzug verurteilt. Vom Ersten Amtsgericht in Belgrad wurde seine Haft jedoch ein dutzend Mal \u2013 in zehn F\u00e4llen aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden \u2013 aufgeschoben. Alle anderen Anklagepunkte wurden entweder fallengelassen oder waren zum Zeitpunkt seines Todes anh\u00e4ngig.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tEinen Tag nach dem Mord berief Innenminister Neboj\u0161a Stefanovi\u0107 eine emotionale Pressekonferenz ein, in der er dem organisierten Verbrechen den Kampf ansagte, was Spekulationen dar\u00fcber hervorrief, warum der Tod eines ber\u00fcchtigten Hooligans eine Reaktion auf so hoher Ebene rechtfertigte. Stankovi\u0107 war weithin als Anf\u00fchrer der \u201eJanji\u010dari\u201c bekannt, eine Gruppierung fanatischer Fans des FK Partizan, einer von zwei Belgrader Fu\u00dfballmannschaften, die in ganz Serbien frenetisch unterst\u00fctzt werden (die andere ist Roter Stern). Der Spitzname der Gruppe (deutsch: die \u201eJanitscharen\u201c) ist angelehnt an die Pr\u00e4torianergarde des osmanischen Sultans, die haupts\u00e4chlich christliche, aus dem Balkan verschleppte junge M\u00e4nner rekrutiert haben soll.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tPartizan-Hardcore-Fans, darunter Milovan Tadi\u0107 (Vierter von links, sitzend), feiern im Mai 2017 auf den S\u00fcdr\u00e4ngen des Stadions Partizana den Sieg ihrer Mannschaft. Foto: \u00a9 BIRN – Balkan Investigative Reporting Network<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tBekannt wurden die Janji\u010dari 2013, als Stankovi\u0107, zum damaligen Zeitpunkt Anh\u00e4nger des Teams Roter Stern, lokalen Medienberichten zufolge eine Gruppe von Schl\u00e4gertypen mobilisierte, um \u201eAlcatraz\u201c, der zu jener Zeit dominierenden Fangruppe, die Kontrolle der S\u00fcdr\u00e4nge des FK Partizan zu entrei\u00dfen. Kontrolliert man die Zuschauertrib\u00fcnen, dann kontrolliert man auch die Sprechch\u00f6re der Fans. Laut ExpertInnenmeinung sichert man sich dadurch aber auch das Recht auf Erbringung privater Sicherheitsdienste in bestimmten Belgrader Nachtklubs, inklusive der dort stattfindenden Drogengesch\u00e4fte. Mitglieder der Fangruppen von Roter Stern w\u00fcrden auch die Sicherheit von Nachtklubs in der Hauptstadt kontrollieren, hei\u00dft es.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tAuf Kuschelkurs<\/h2>\n\t
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\n\tSerbiens Hooligans haben lange Zeit ungew\u00f6hnlich viel Einfluss auf politische Belange ausge\u00fcbt und die \u00f6ffentliche Meinung in den Stadien und auf der Stra\u00dfe gepr\u00e4gt \u2013 oft mit der stillschweigenden Zustimmung von PolitikerInnen, meinen ExpertInnen.

F\u00fcr viele markieren die Zusammenst\u00f6\u00dfe zwischen Anh\u00e4ngern der serbischen Mannschaft Roter Stern und des kroatischen Teams Dinamo in Zagreb 1990 den Beginn des Balkankonflikts, der das ehemalige Jugoslawien zerst\u00f6rte. W\u00e4hrend des Krieges benutzte der serbische Machthaber Slobodan Milo\u0161evi\u0107 HistorikerInnen zufolge Fu\u00dfballfans zu Propagandazwecken und zur Verbreitung nationalistischen Gedankenguts.

Nach umstrittenen Wahlen, die zu massiven Stra\u00dfenprotesten f\u00fchrten, wandten sich Hooligangruppen 2000 gegen Milo\u0161evi\u0107, um die \u201eRevolution vom 5. Oktober\u201c zu unterst\u00fctzen. Nach der Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovo 2008 verw\u00fcsteten Mitglieder von Fu\u00dfballfangruppen das Zentrum von Belgrad und setzten die US-Botschaft in Brand. \u201eDie verdeckte Beeinflussung der Hooligans war nicht zu \u00fcbersehen\u201c, meinte Sicherheitsanalyst Sa\u0161a \u0110or\u0111evi\u0107. \u201eW\u00e4hrend des \u201aKosovo geh\u00f6rt zu Serbien\u2018-Protests [2008] hat die Polizei praktisch zugelassen, dass die Hooligans die Stadt zerst\u00f6ren. Man setzte sie ganz offensichtlich in bestimmten Situationen ein, die mit Gesetzen nicht zu l\u00f6sen waren.\u201c In den darauffolgenden Jahren sollen Hooligans f\u00fcr Chaos bei Gay-Pride-Paraden gesorgt und Menschen aus der LGBT-Szene zusammengeschlagen haben. Sie schickten auch Morddrohungen an JournalistInnen.

Als die neu gegr\u00fcndete Serbische Fortschrittspartei unter Aleksandar Vu\u010di\u0107 2012 st\u00e4rkste Kraft wurde, nahm die Beziehung zwischen Hooligans und Staat laut ExpertInnen eine neue Wendung. Vu\u010di\u0107, der die serbische Politik in den vergangenen sechs Jahren in immer h\u00f6heren Positionen an der Spitze der Regierung dominiert hat, ging zun\u00e4chst mit H\u00e4rte gegen die Hooligans vor und erkl\u00e4rte ihnen 2013 als stellvertretender Ministerpr\u00e4sident uneingeschr\u00e4nkt den Krieg.

2014 sch\u00fctzten rund 7.000 Polizeibeamte die Pride-Parade in Belgrad und signalisierten so, dass Hooligans in Serbien, einem EU-Beitrittskandidaten, dessen Menschenrechtssituation international unter Beobachtung stand, nicht l\u00e4nger LGBT-DemonstrantInnen verpr\u00fcgeln konnten. Bald schlug Vu\u010di\u0107 jedoch widerspr\u00fcchlichere T\u00f6ne an. Auf die Frage, ob er sich zu einem harten Durchgreifen gegen gewaltt\u00e4tige Fu\u00dfballfangruppen bekennen w\u00fcrde, antwortete Vu\u010di\u0107, nunmehr Ministerpr\u00e4sident, 2016: \u201eDas ist eine sehr schwierige Frage f\u00fcr uns.\u201c Er lie\u00df weiters durchblicken, dass der Staat gegen die Hooligans machtlos sei.

Als Vu\u010di\u0107 im Mai 2017, nach tagelangen Massendemonstrationen gegen die f\u00fcr viele zunehmend autorit\u00e4re Politik, als Pr\u00e4sident angelobt wurde, entstanden Aufnahmen von privaten, von der Fortschrittspartei angestellten Sicherheitskr\u00e4ften, die gegen\u00fcber JournalistInnen und AktivistInnen handgreiflich wurden.

Investigative JournalistInnen des Netzwerks zur Erfassung und Ver\u00f6ffentlichung von organisierter Kriminalit\u00e4t und Korruption (KRIK) deckten sp\u00e4ter auf, dass es sich bei einem der Sicherheitsm\u00e4nner, die an jenem Tag rohe Gewalt<\/a> (Text auf Serbisch) angewandt haben sollen, um Borko Aranitovi\u0107 handelte, einem Mann im Umfeld der Janji\u010dari-Gruppe, der im Nachtklub Tilt als T\u00fcrsteher angestellt war. (Auf einem \u00dcberwachungsvideo wurde dieser au\u00dferdem bei einem zweiten Vorfall im gleichen Lokal aufgezeichnet, der mit der Auseinandersetzung mit Vuki\u0107 nicht im Zusammenhang steht. Die Aufnahme zeigt, wie er zusieht, w\u00e4hrend ein Gast von anderen Wachleuten verpr\u00fcgelt wird<\/a>).<\/p>\n\t<\/div>\n<\/div>\n\t<\/div>\n\n<\/div>\n\n\n\n

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\n\tW\u00e4hrend die Belgrader Hooligans als die aggressivsten Fans in ganz Europa gelten, glauben SicherheitsexpertInnen, dass ein Gro\u00dfteil der Gewalt wenig mit Fu\u00dfball zu tun hat. Laut einem Bericht der Organisation f\u00fcr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa zeigte eine Studie \u00fcber 30 Anf\u00fchrer von Fangruppen in Serbien 2012, dass 26 von ihnen von der Polizei wegen krimineller Gewalttaten, 11 wegen Gewalt bei Sportveranstaltungen und 16 wegen Straftaten gegen Regierungsbeh\u00f6rden angeklagt worden waren. \u201eMit anderen Worten: Die Verwaltung und Unterst\u00fctzung von Fu\u00dfballvereinen dient oft als \u201aFeigenblatt\u2018 f\u00fcr schwere Straftaten\u201c, so der Bericht. \u201eKriminelle Gruppierungen betreiben unter dem Deckmantel des Fu\u00dfballfantums Geldw\u00e4sche, Korruption, Drogenkriminalit\u00e4t, Steuerhinterziehung und andere Formen des organisierten Verbrechens.\u201c Laut ExpertInnen w\u00fcrden die Hooligans ungestraft davonkommen, weil sie PolitikerInnen anderweitig n\u00fctzlich sind (siehe Kasten: Auf Kuschelkurs).

\u201eZu ihren Aufgaben [als Hooligans] geh\u00f6rt es zuallererst, in der \u00d6ffentlichkeit ein nationalistisches Narrativ zu bedienen sowie nationalistische, chauvinistische und \u00e4hnliche Haltungen zu best\u00e4rken\u201c, meinte Sa\u0161a \u0110or\u0111evi\u0107, ein Forscher am Belgrader Zentrum f\u00fcr Sicherheitspolitik. \u201eAn zweiter Stelle folgt der Drogenhandel und an dritter der private Sicherheitsdienst. Die erste Aufgabe ist aus politischen Gr\u00fcnden wichtig und scheint eine Art Gef\u00e4lligkeit [f\u00fcr regierende PolitikerInnen] zu sein. Im Gegenzug d\u00fcrfen die Hooligans ihren illegalen Machenschaften nachgehen.\u201c

Lasche Lizenzvergabe?<\/strong>

Zumindest zwei der T\u00fcrsteher, die im Tilt t\u00e4tig waren, als Vuki\u0107 t\u00f6dlich verletzt wurde, sind weithin als Janji\u010dari-Handlanger bekannt. Tadi\u0107, der wegen Drogenhandels und schwerer K\u00f6rperverletzung vor Gericht steht, ist einer von ihnen. Aus einem Polizeibericht geht hervor, dass an jenem Abend ein Unternehmen namens Fort Security f\u00fcr die Sicherheit des Klubs zust\u00e4ndig war. Die Firma geh\u00f6rt Svetislav Nikolajev, einem stark t\u00e4towierten Mixed-Martial-Arts-K\u00e4mpfer aus Vr\u0161ac in der serbischen autonomen Provinz Vojvodina. Nikolajev war selbst in die Auseinandersetzung mit Vuki\u0107 verwickelt, wurde aber nicht angeklagt. Auf den Videoaufzeichnungen der \u00dcberwachungskameras, die vor Gericht gezeigt wurden, ist zu sehen, wie er Vuki\u0107 einen Schlag auf den Kopf versetzt. Im Prozess gegen Tadi\u0107 wegen schwerer K\u00f6rperverletzung wurde Nikolajev als Zeuge aufgerufen. Er gab an, den Klubbesucher mit der offenen Hand und nicht mit der Faust geschlagen zu haben.

2013 wurde in Serbien ein Gesetz zur Regelung von ArbeitnehmerInnen im privaten Sicherheitsgewerbe verabschiedet \u2013 dazu z\u00e4hlen bestimmte Personen, die befugt sind, Schusswaffen zu tragen, wie etwa Sicherheitskr\u00e4fte zum Schutz von Geldtransporten. Personen, die den Milit\u00e4rdienst absolviert haben, k\u00f6nnen ebenfalls eine Lizenz als private Sicherheitskr\u00e4fte beantragen, die zum F\u00fchren von Waffen berechtigt. Das neue Gesetz schreibt fest, dass jeder, der in dieser Branche t\u00e4tig ist, eine Ausbildung absolvieren und eine Pr\u00fcfung ablegen muss sowie einer Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung unterzogen wird, um die vom Innenministerium vorgeschriebene Lizenz zu bekommen. Gem\u00e4\u00df diesem Gesetz kann ein Sicherheitsunternehmen nur dann legal t\u00e4tig sein, wenn alle MitarbeiterInnen \u00fcber eine Lizenz verf\u00fcgen. F\u00fcr die Einhaltung der Vorschriften sah das Gesetz eine Frist bis zum 1. Januar 2017 vor; ExpertInnen sind jedoch der Ansicht, dass vielerorts noch gro\u00dfer Aufholbedarf besteht.

Nikolajev beantwortete weder Fragen zu seiner Arbeit im Sicherheitsdienst noch dar\u00fcber, ob M\u00e4nner mit angeblichen Verbindungen zu Janji\u010dari f\u00fcr ihn im Klub Tilt gearbeitet h\u00e4tten. Das Innenministerium gab keine Auskunft dar\u00fcber, ob Nikolajev oder f\u00fcr ihn t\u00e4tige M\u00e4nner \u00fcber Sicherheitslizenzen verf\u00fcgten, selbst dann nicht, als der Kommissar f\u00fcr Informationen von \u00f6ffentlichem Interesse nach einer Beschwerde einem Antrag auf Offenlegung von Informationen stattgab. Fort Security ist seit Juli 2017, ein halbes Jahr nach dem Vorfall im Klub Tilt, inaktiv. Das Balkan Investigative Reporting Network (BIRN) konnte jedoch aufdecken, dass Nikolajev im privaten Sicherheitsdienst auch andere Interessen verfolgt.

Aus \u00f6ffentlichen Unterlagen geht hervor, dass er offiziell eine Firma namens MK Obezbedjenje (MK Sicherheit) vertritt. Eigent\u00fcmer von MK Obezbedjenje ist Mladen Kuribak. In Serbien wurde Kuribak (59), ein ehemaliger Polizeichef, bekannt, als er 2014 im Zuge einer S\u00e4uberungsaktion ebenso wie andere Polizeichefs vom damaligen Ministerpr\u00e4sidenten Aleksandar Vu\u010di\u0107 entlassen wurde. Vu\u010di\u0107 warf ihnen vor, politischen Interessen mehr Gewicht beigemessen zu haben als der Polizeiarbeit.
Kurz nach seiner Entlassung gr\u00fcndete Kuribak ein Unternehmen namens Edukator MK, das sich laut Firmenregister mit der Ausbildung und Zulassung privater Sicherheitskr\u00e4fte befasst. Im Dezember 2016 gr\u00fcndete er die Schwesterfirma MK Obezbedjenje, die zertifiziertes privates Sicherheitspersonal bereitstellt \u2013 das Unternehmen, das Nikolajev vertritt.<\/p>\t<\/div>\n\n<\/div>\n\n<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tKuribak reagierte nicht auf Fragen seitens BIRN. Einem Bericht des Belgrader Zentrums f\u00fcr Sicherheitspolitik zufolge war Edukator MK jedoch die erste Firma in Serbien, die vom Innenministerium die Genehmigung erhielt, Personen zu zertifizierten Sicherheitskr\u00e4ften auszubilden. Ende 2015 verf\u00fcgte sie laut Angaben des Innenministeriums \u00fcber zehn Ausbildungszentren in ganz Serbien, die meisten in gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dten des Landes. MK Obezbedjenje erhielt indes Anfang 2017 eine Konzession f\u00fcr die Bereitstellung von Sicherheitskr\u00e4ften f\u00fcr den Personen- und Objektschutz sowie den Schutz von Sportveranstaltungen. Dies geht aus Informationen des Innenministeriums hervor, die von der serbischen Handelskammer ver\u00f6ffentlicht wurden.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tEinflussreiche Freunde<\/strong>

Kurz nach Stankovics Ermordung 2016 ver\u00f6ffentlichte das Enth\u00fcllungsmagazin Insajder<\/em> ein Foto des verstorbenen Hooligan-Anf\u00fchrers, auf dem zu sehen ist, wie er auf den Zuschauerr\u00e4ngen zwei andere M\u00e4nner umarmt, die als bekannte Janji\u010dari-Mitglieder identifiziert wurden. Bei einem der M\u00e4nner handelte es sich um Nenad Vu\u010dkovi\u0107. Vu\u010dkovi\u0107 \u2013 alias \u201eVucko\u201c \u2013 ist kein gew\u00f6hnlicher Fu\u00dfballfan. Von Innenminister Stefanovi\u0107 wurde \u00f6ffentlich best\u00e4tigt, dass Vu\u010dkovi\u0107 f\u00fcr die Bereitschaftseinheit der Gendarmerie arbeitet, die bei Fu\u00dfballspielen und \u00f6ffentlichen Demonstrationen f\u00fcr Sicherheit und Ordnung sorgen soll und mit der Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t befasst ist. \u201eIch denke nicht, dass das Anfeuern einer Fu\u00dfballmannschaft bzw. das Anf\u00fchren einer Fangruppe eine strafbare Handlung darstellt\u201c, erkl\u00e4rte Stefanovi\u0107 gegen\u00fcber den Medien kurz nach der Ver\u00f6ffentlichung des Fotos durch Insajder<\/em>. \u201eEr wechselte vom Milit\u00e4r zur Polizei. Meinem Daf\u00fcrhalten nach haben alle Sicherheitspr\u00fcfungen gezeigt, dass er keine Straftaten begangen hat.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tDer serbische Fan Ivan Bogdanov am 12. Oktober 2010 vor einem Qualifikationsspiel zwischen Italien und Serbien f\u00fcr die Endrunde der Fu\u00dfball-Europameisterschaft 2012. Bogdanov, der auch als \u201eIvan der Schreckliche\u201c bekannt ist, wurde 2011 von einem Gericht in Genua zu drei Jahren und drei Monaten Haftstrafe verurteilt, weil er ma\u00dfgeblich an den Ausschreitungen vor und nach dem Spiel beteiligt gewesen sein soll. Foto: \u00a9 Luca Zennaro \/ EPA \/ picturedesk.com<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tStefanovi\u0107s Aussagen zufolge war Vu\u010dkovi\u0107 Soldat, bis er zur Gendarmerie wechselte. Bis Juni 2016 geh\u00f6rte er der Sonderbrigade, einer Eliteeinheit der serbischen Streitkr\u00e4fte, an. Weder das Verteidigungs- noch das Innenministerium beantworteten Fragen \u00fcber Vu\u010dkovi\u0107s Rolle beim Milit\u00e4r und der Polizei. Interviewanfragen seitens eines von Stefanovi\u0107 im Dezember 2017 gegr\u00fcndeten Beirats zur Pr\u00e4vention von Gewalttaten im Sport blieben ebenfalls unbeantwortet. \u0110or\u0111evi\u0107 vom Belgrader Zentrum f\u00fcr Sicherheitspolitik meinte, Vu\u010dkovi\u0107 h\u00e4tte aufgrund seiner mutma\u00dflichen Verbindungen zu Janji\u010dari nie das Screening des Innenministeriums bestehen d\u00fcrfen, als er zur Polizei ging. \u201eJeder Kandidat muss sich einer Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung unterziehen\u201c, sagte er. \u201eDiese dient unter anderem dazu herauszufinden, ob eine Person direkt oder indirekt mit Mitgliedern krimineller Gruppierungen in Verbindung steht. Wenn solche Verbindungen bestehen, hat diese Person bei der Polizei nichts zu suchen.\u201c Trotz wiederholter Bem\u00fchungen konnte BIRN Vu\u010dkovi\u0107 nicht f\u00fcr eine Stellungnahme erreichen. Von verschiedenen Medien wird Vu\u010dkovi\u0107 eine Aff\u00e4re mit Dijana Hrkalovi\u0107, einer ehemaligen Staatssekret\u00e4rin im Innenministerium, nachgesagt. Das Ministerium reagierte nicht auf die Bitte um ein Interview mit Hrkalovi\u0107. Ihr Ausscheiden aus dem Amt wurde Ende Mai unerwartet und ohne weitere Angaben bekanntgegeben.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tVu\u010dkovi\u0107 war einst kein Unbekannter auf den von Hooligans bev\u00f6lkerten S\u00fcdr\u00e4ngen des Partizana-Stadions, wo er im Beisein von Janji\u010dari-Mitgliedern, darunter Stankovi\u0107 und Tadi\u0107, von den lokalen Medien beim Anfeuern der Spieler fotografiert wurde. Er war auch offizieller Vertreter der Partizan-Fans bei den Generalversammlungen ihres Vereins. Im Februar 2017 behauptete die serbische Milit\u00e4rgewerkschaft, dass Vu\u010dkovi\u0107 gemeinsam mit Stankovi\u0107 und Veljko Belivuk, einem anderen, mehrfach wegen Gewaltdelikten verurteilen Schl\u00e4ger aus der Gruppe, wiederholt \u2013 und widerrechtlich \u2013 einen Schie\u00dfstand sowie Waffen und Munition des Milit\u00e4rs f\u00fcr Schie\u00df\u00fcbungen benutzt h\u00e4tte<\/a>. Der Gewerkschaft zufolge befand sich auch noch ein vierter Mann unter ihnen: Novak Nedi\u0107, Generalsekret\u00e4r der serbischen Regierung. Vu\u010dkovi\u0107 gab im November 2018 der Ermittlungseinheit der Milit\u00e4rpolizei eine Stellungnahme zu dem Sachverhalt ab. Die Anklagen gegen die Aufseher des Schie\u00dfstandes wurden schlussendlich fallengelassen, nachdem Beweismaterial auf mysteri\u00f6se Weise verschwunden war<\/a>. Dies geht aus Berichten des in Belgrad ans\u00e4ssigen Netzwerks investigativer JournalistInnen KRIK, das Verbrechen und Korruptionsf\u00e4lle aufdeckt, hervor. Es war nicht das einzige Mal, dass Nedi\u0107 und Vu\u010dkovi\u0107 eines Vergehens beschuldigt wurden.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tNenad Vu\u010dkovi\u0107 (Erster von links) w\u00e4hrend eines milit\u00e4rischen Zeremoniells zu Ehren der Sonderbrigade im September 2013. Foto: \u00a9 Serbisches Verteidigungsministerium, September 2013<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tNedi\u0107, ein 37-j\u00e4hriger ehemaliger Anwalt, war von August 2013 bis April 2014 Vorstandsmitglied von Partizan gewesen, als er aus dieser Funktion ausschied, um seinen neuen Posten in der Regierung anzutreten. Es ist durchaus nicht ungew\u00f6hnlich, dass regierende Parteimitglieder in Serbien in den Vorst\u00e4nden gro\u00dfer Sportvereine sitzen. Nedi\u0107s Interesse am Verein endete jedoch nicht mit seinem R\u00fccktritt, sind Vereinsinsider \u00fcberzeugt. Im Fr\u00fchjahr 2016 ver\u00f6ffentlichte der FK Partizan eine Pressemitteilung, worin Nedi\u0107 und Vu\u010dkovi\u0107 beschuldigt werden, Fans mobilisiert zu haben, prominente Partizan-Fans in der VIP-Loge mit Eiern zu bewerfen, mit dem Ziel, im Vorfeld der Wahl zum neuen Vereinsvorstand \u201eeine Atmosph\u00e4re der Angst und \u00f6ffentlichen Lynchjustiz zu schaffen\u201c. \u201eDas geht alles von Novak Nedi\u0107 aus, dem Generalsekret\u00e4r der Regierung\u201c, erkl\u00e4rte Milorad Vu\u010deli\u0107, der amtierende Pr\u00e4sident des FK Partizan, gegen\u00fcber den Medien. \u201eEs k\u00f6nnten Bomben oder Steine [anstelle von Eiern] sein\u201c, f\u00fcgte er hinzu. Nedi\u0107 reagierte nicht auf eine Interviewanfrage seitens BIRN.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tWissentlich ignoriert?<\/strong>

Im Juni 2018 wandte sich eine der serbischen Polizeigewerkschaften in einem Schreiben an das Innenministerium und bat um Aufkl\u00e4rung bez\u00fcglich Vu\u010dkovi\u0107s Rolle in der Gendarmerie, nachdem man einen Hinweis \u00fcber seine angebliche Verwicklung in kriminelle Machenschaften erhalten hatte. In diesem Schreiben, das von BIRN eingesehen wurde, bezog sich die Gewerkschaft auf einen Vorfall im August 2017, als die Polizei bei einer Routinekontrolle einen Audi A6 anhielt, der von einem gewissen Velibor Sre\u0107kovi\u0107 gelenkt wurde. Sre\u0107kovi\u0107, ein semiprofessioneller Rugbyspieler, der nebenberuflich als Rausschmei\u00dfer t\u00e4tig ist, geh\u00f6rte zu den Sicherheitskr\u00e4ften, die im Tilt in jener Nacht, als Slobodan Vuki\u0107 attackiert worden sein soll, Dienst hatten.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tMitglieder eines Online-Fu\u00dfballfanforums bezeichneten Sre\u0107kovi\u0107 als \u201erechte Hand\u201c von Vu\u010dkovi\u0107. BIRN konnte Sre\u0107kovi\u0107 nicht f\u00fcr einen Kommentar erreichen. Laut Angaben der Polizeigewerkschaft fanden die Beamten im Handschuhfach eines Autos, in dem Sre\u0107kovi\u0107 sa\u00df, eine CZ-99 Handfeuerwaffe, 13 Geschosse, ein Polizeiausweisetui und eine T\u00fcte mit \u201ewei\u00dfem Pulver\u201c. In Belgrad erhob die Oberstaatsanwaltschaft Anklage wegen Waffenbesitzes gegen Sre\u0107kovi\u0107. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch das Belgrader Obergericht weigerten sich, BIRN eine Kopie der Anklageschrift zu \u00fcbermitteln, best\u00e4tigten aber, dass das Verfahren in K\u00fcrze beginnen soll. Es stellte sich jedoch heraus, dass der Audi nicht Sre\u0107kovi\u0107 geh\u00f6rte. Die Gewerkschaft hielt in dem Schreiben fest, dass man Grund zu der Annahme habe, dass das Fahrzeug eigentlich keinem Geringerem als Vu\u010dkovi\u0107 geh\u00f6rte \u2013 und bat Hrkalovi\u0107, die damalige Staatssekret\u00e4rin im Innenministerium, dies zu best\u00e4tigen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tZweifelhafte Freunde<\/h2>\n\t
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\n\tDer Rasen im Stadion von Samara im S\u00fcdwesten Russlands war noch nicht wiederhergestellt, als ein Skandal die Euphorie \u00fcber den serbischen Sieg \u00fcber Costa Rica im ersten Gruppenspiel der Fu\u00dfball-WM im Juli 2018 tr\u00fcbte. Es waren Fotos von Danilo Vu\u010di\u0107 aufgetaucht, dem 20-j\u00e4hrigen Sohn des serbischen Pr\u00e4sidenten Aleksandar Vu\u010di\u0107, die zeigen, wie er mit drei M\u00e4nnern \u2013 Milan Krasi\u0107, Boris Karapand\u017ei\u0107 und Aleksandar Vidojevi\u0107 \u2013 auf den Zuschauerr\u00e4ngen feiert. Sie alle waren wegen Gewaltdelikten vorbestraft und galten in den Medien als ber\u00fcchtigte Hooligans.

Krasi\u0107 wurde im Mai 2018 zu 14 Jahren Haft wegen Mordes verurteilt \u2013 er legte jedoch Berufung ein und reiste unbehelligt nach Russland. Im Mai 2019 wurde er vom Berufungsgericht freigesprochen. Heute ist er ein freier Mann. Laut Medienberichten war gegen Vidojevi\u0107 wegen Schl\u00e4gereien auf den Zuschauerr\u00e4ngen, Raub und Waffenbesitz Anklage erhoben worden. Karapand\u017ei\u0107 wurde 2016 wegen Drogenhandel, Waffenbesitz und gewaltt\u00e4tigem Verhalten zu vier Jahren Haft verurteilt \u2013 im M\u00e4rz 2017 jedoch auf Bew\u00e4hrung entlassen.

Vidojevi\u0107 und Karapand\u017ei\u0107 wurden sp\u00e4ter wegen der Verw\u00fcstung eines direkt neben Tilt gelegenen Nachtklubs im Oktober 2018 angeklagt. Ein vierter Mann, Nemanja Sre\u0107kovi\u0107 (nicht verwandt mit Velibor Sre\u0107kovi\u0107), der sich mit ihnen im Stadion befand, war 2016 gemeinsam mit Vidojevi\u0107 offizieller Fanvertreter im Vorstand des FK Partizan gewesen. Alle vier sind gemeinhin als Janji\u010dari-Mitglieder bekannt.

Vu\u010di\u0107 Jr. und seine Begleiter trugen im russischen Stadion mit der Karte des Kosovo bedruckte T-Shirts mit der Aufschrift \u201eWir geben nicht auf\u201c \u2013 ein Schlachtruf serbischer Nationalisten, die gegen die Unabh\u00e4ngigkeit des Kosovo auftreten. Nach den Begleitern seines Sohnes befragt, meinte Pr\u00e4sident Vu\u010di\u0107, es schmerze ihn, Vu\u010di\u0107 Jr. erkl\u00e4ren zu m\u00fcssen, warum er von den Medien kritisiert werde, nur weil er Serbien unterst\u00fctze. \u201eMein Sohn hat sich noch nie etwas zuschulden kommen lassen\u201c, erkl\u00e4rte er den Reportern.<\/p>\n\t<\/div>\n<\/div>\n\t<\/div>\n\n<\/div>\n\n\n\n

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\n\tDas Innenministerium antwortete nicht auf das Schreiben der Gewerkschaft. Auch reagierte man nicht auf eine Anfrage f\u00fcr ein Interview mit Hrkalovi\u0107 diese Angelegenheit betreffend. Vu\u010dkovi\u0107 war nicht zum ersten Mal mit Sre\u0107kovi\u0107 und einem verd\u00e4chtigen Audi in Verbindung gebracht worden. Als \u201eSale, der Totschweiger\u201c Stankovi\u0107 2013 die Kontrolle im Stadion \u00fcbernahm, stand Sre\u0107kovi\u0107 im Verdacht, an der Verw\u00fcstung des Caf\u00e9restaurants Hollywood beteiligt gewesen zu sein, einem Belgrader Lokal im Besitz des Anf\u00fchrers der verfeindeten Alcatraz-Fangruppe. Einem von BIRN eingesehenen Polizeibericht zufolge erfassten \u00dcberwachungskameras, wie Sre\u0107kovi\u0107 auf dem Gehsteig vor dem Lokal wartete, w\u00e4hrend als Janji\u010dari-Schl\u00e4ger identifizierte M\u00e4nner das Caf\u00e9 betraten, die Einrichtung zertr\u00fcmmerten und Gl\u00e4ser zerschlugen. Sre\u0107kovi\u0107 benutzte einen Audi als Fluchtfahrzeug und fuhr zur Pionir-Halle, einer Mehrzweckhalle in Belgrads Bezirk Palilula. Laut Polizeibericht traf er dort einen Mann und \u00fcbergab ihm die Schl\u00fcssel des Wagens. Bei diesem Mann habe es sich um Vu\u010dkovi\u0107 gehandelt, so der Bericht.

Sre\u0107kovi\u0107 ist sp\u00e4ter wegen Verdachts auf Beteiligung an dem Vorfall im Hollywood-Caf\u00e9 von der Polizei verhaftet worden. Wie aus den Gerichtsakten hervorgeht, wurde die Anklage jedoch fallengelassen, nachdem er eine Strafe von ca. 330 Euro gezahlt hatte. Gegen Vu\u010dkovi\u0107, der zum damaligen Zeitpunkt noch beim Milit\u00e4r diente, wurde keine Anklage erhoben. (Er wechselte erst zweieinhalb Jahre sp\u00e4ter zur Gendarmerie.) BIRN konnte nachweisen, dass Sre\u0107kovi\u0107 und Vu\u010dkovi\u0107 zur gleichen Zeit beim Milit\u00e4r und in derselben Sonderbrigade gedient hatten. Sre\u0107kovi\u0107 verlie\u00df das Milit\u00e4r zwei Tage vor der Demolierung des Hollywood-Caf\u00e9s. Nikolajev, der Eigent\u00fcmer von Fort Security, der Sre\u0107kovi\u0107 im Nachtklub Tilt angestellt haben soll, hat allem Anschein nach ebenfalls in dieser Brigade gedient. Auf einem im September 2011 auf Nikolajevs Facebook-Profil geposteten Foto tr\u00e4gt er das unverkennbare rote Barett mit dem Abzeichen der Einheit.

Das Verteidigungsministerium best\u00e4tigte, dass Sre\u0107kovi\u0107 von Dezember 2010 bis Dezember 2013 in der Eliteeinheit gedient hatte. Er habe vor seiner Rekrutierung auch eine Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung durchlaufen. Das Ministerium dementierte allerdings, dass Nikolajev in der Einheit gedient hatte. Ob irgendeiner der M\u00e4nner nun \u00fcber kriminelle Verbindungen verf\u00fcgte, bevor sie sich dem Milit\u00e4r anschlossen, oder nicht \u2013 f\u00fcr \u0110or\u0111evi\u0107 vom Belgrader Zentrum f\u00fcr Sicherheitspolitik haben die Beh\u00f6rden bei der Eind\u00e4mmung von Sicherheitsrisiken jedenfalls versagt. \u201eIn den vergangenen sechs Jahren [seit die Fortschrittspartei st\u00e4rkste Kraft wurde] ist auftauchendes Beweismaterial [zu kriminellen Verbindungen] tendenziell wissentlich ignoriert worden\u201c, meinte er. \u201eDa fragt man sich: Wenn das in einem Fall passiert, gilt das dann auch in anderen F\u00e4llen? Wird wirklich daf\u00fcr Sorge getragen, dass die von diesen Institutionen angestellten Personen sauber sind?\u201c F\u00fcr Vuki\u0107s Familie und Freunde, die noch immer auf Gerechtigkeit hoffen, ist diese Frage nur allzu real.<\/p>\t<\/div>\n\n<\/div>\n\n<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tTadi\u0107, jener Mann, der beschuldigt wird, den t\u00f6dlichen Schlag ausgef\u00fchrt zu haben, war als private Sicherheitskraft beim \u00f6ffentlichen Rundfunksender Radio-Televizija Serbien t\u00e4tig, bevor er im Zuge seines Drogenprozesses in Untersuchungshaft genommen wurde. Der Prozess begann im M\u00e4rz. Tadi\u0107 wird des Drogenhandels angeklagt, was er bestreitet. W\u00e4hrend einer Anh\u00f6rung im Prozess im April behauptete sein Anwalt, dass Tadi\u0107 auch f\u00fcr das B\u00fcro von Nedi\u0107, dem Generalsekret\u00e4r der Regierung, gearbeitet habe. Aus Nedi\u0107s B\u00fcro erfuhr KRIK, dass Tadi\u0107 nie angestellt gewesen sei. Eine Woche sp\u00e4ter erkl\u00e4rte sein Anwalt gegen\u00fcber KRIK, dass es sich um ein Missverst\u00e4ndnis zwischen ihm und seinem Klienten gehandelt habe. Am 12. April wurde Tadi\u0107 aus der Haft entlassen und unter elektronisch \u00fcberwachten Hausarrest gestellt. Seine Verlobte postete jedoch in den sozialen Medien zahlreiche Fotos und Videos, die ihn bei diversen Aktivit\u00e4ten auch au\u00dferhalb seiner Wohnung zeigen \u2013 sogar beim Autofahren. Auf einem Foto steht Tadi\u0107 l\u00e4chelnd im Lift, seine H\u00e4nde in den Taschen seiner Trainingsjacke vergraben, w\u00e4hrend seine Verlobte in die Kamera schmollt.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tOriginal auf Englisch. Erstmals publiziert am 22. Juli 2019 auf Balkaninsight.com<\/a>.
Aus dem Englischen von
Barbara Maya<\/a>.<\/em>

Dieser Text ist urheberrechtlich gesch\u00fctzt: \u00a9 Ivana Jeremi\u0107, bearbeitet von Timothy Large. Bei Interesse an Wiederver\u00f6ffentlichung bitten wir um Kontaktaufnahme mit der
Redaktion<\/a>.
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern, Grafiken und Videos sind direkt bei den Abbildungen vermerkt. Titelbild: W\u00e4hrend eines Ligaspiels im April 2016 zwischen den serbischen Fu\u00dfballklubs Roter Stern Belgrad und dem Erzrivalen Partizan Belgrad sto\u00dfen Polizisten mit Fans von Roter Stern Belgrad zusammen. Foto: \u00a9 Darko Vojinovi\u0107 \/ AP \/ picturedesk.com<\/em><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tDieser Artikel entstand im Rahmen des Balkan Fellowship for Journalistic Excellence<\/a>, unterst\u00fctzt von der ERSTE Stiftung und den Open Society Foundations<\/a> in Kooperation mit dem Balkan Investigative Reporting Network<\/a>.<\/em><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"

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