{"id":3658,"date":"2019-12-18T00:00:00","date_gmt":"2019-12-18T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/erste-foundation.byinfinum.co\/prosperitaet\/"},"modified":"2021-08-17T13:05:36","modified_gmt":"2021-08-17T13:05:36","slug":"prosperitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/prosperitaet\/","title":{"rendered":"Prosperit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<strong>Wie l\u00e4sst sich heute ein ganzheitliches Konzept f\u00fcr den Wohlstand aller umsetzen? Was bleibt privat und was sind \u00f6ffentliche G\u00fcter, Dienstleistungen, Institutionen, aber auch Verantwortlichkeiten? Wie k\u00f6nnen wir die tief greifenden Ver\u00e4nderungen, die uns bevorstehen \u2013 in Bezug auf das Klima, die Technologie und das Zusammenleben der Menschen \u2013 mitgestalten und bew\u00e4ltigen? Wer wird neue Allianzen der Verantwortung bilden? Was wir jetzt brauchen, sind k\u00fchne Initiativen.<\/strong><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<em>Dies ist die Niederschrift des Vortrags von Felwine Sarr, den er am 27. November 2019 in Wien im Rahmnen der insgesamt vier <a href=\"http:\/\/magazine.erstestiftung.org\/de\/200\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Tipping Point Talks 2019<\/a> der ERSTE Stiftung zum Jubil\u00e4um 200 Jahre Sparkassenidee in \u00d6sterreich gehalten hat.<\/em><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<strong>Transkript<\/strong><br><br>Guten Abend, sehr geehrte Damen und Herren. Ich freue mich wirklich sehr, heute Abend hier zu sein, und ich m\u00f6chte mich ganz herzlich bei Boris und Verena f\u00fcr die freundliche Einladung und den warmherzigen Empfang, den sie mir bereitet haben, bedanken. Genauso m\u00f6chte ich all jenen danken, die dazu beigetragen haben, dass ich heute hier sein darf: Ivan, Evelyne und vielen mehr.<br><br>Ich wurde gebeten, \u00fcber ein Thema zu sprechen, das mir als \u00d6konom besonders am Herzen liegt. Als meine Wahl vor vielen Jahren auf diese Studienrichtung fiel, traf ich eine Vernunftentscheidung. Ich sagte mir, dass in der Wirtschaft bzw. der Wirtschaftswissenschaft Arbeit auf mich warten w\u00fcrde, und damals \u2013 wie auch heute noch \u2013 wurde der afrikanische Kontinent als ein Kontinent dargestellt, der wirtschaftliche Entwicklung dringend notwendig hatte, und wirtschaftliche Fragen standen \u00fcberall im Mittelpunkt. Ich entschied mich f\u00fcr diese Disziplin, weil ich den Ehrgeiz hatte, einen kleinen Beitrag zu mehr Wohlergehen zu leisten. Heute, viele Jahre sp\u00e4ter, stellt sich uns die folgende Frage: Wir k\u00f6nnen wir mehr Wohlergehen und Prosperit\u00e4t f\u00fcr so viele Menschen wie m\u00f6glich schaffen? Bevor ich meinen Vortrag beginne, m\u00f6chte ich Ihnen in Erinnerung rufen, dass sich die ersten \u00d6konomen im 18. und 19. Jahrhundert die Frage nach der Moralphilosophie stellten, zu einer Zeit, als die Wirtschaftswissenschaft noch nicht als eigene Disziplin, sondern im Rahmen der Moralphilosophie gelehrt wurde. John Stuart Mill und andere fragten sich, wie man es bewerkstelligen k\u00f6nnte, dass die Wirtschaft als Wissensordung zum Wohlergehen m\u00f6glichst vieler Menschen beitr\u00e4gt.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div class=\"embed-code\"><\/div>\n<div class=\"embed-code\">\n<div style=\"width:100%;height:auto;position:relative;padding-top:56.25%;\"><iframe src=\"https:\/\/embed.streaming.at\/event\/341\" style=\"position:absolute;border:0;left:0;top:0;width:100%;height:100%\" allowfullscreen=\"\"><\/iframe><\/div>\n<\/div>\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<strong>Er\u00f6ffnung<\/strong><br>Prosperity. Ein filmischer Essay<br><small>15\u2032, NGF <a href=\"https:\/\/www.geyrhalterfilm.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Geyrhalterfilm<\/a><\/small><br><br><strong>Grussworte<\/strong><br>Boris Marte, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der <em>ERSTE Stiftung<\/em><br><br><strong>Vortrag<\/strong><br>Felwine Sarr: Wie l\u00e4sst sich ein ganzheitliches Konzept f\u00fcr den Wohlstand vieler anstatt nur einiger weniger umsetzen?<br><br><strong>B\u00fchnengespr\u00e4ch<\/strong><br>Christoph Badelt, \u00d6sterreichisches Instituts f\u00fcr Wirtschaftsforschung (WIFO)<br>Nikolaus Griller, Vizepr\u00e4sident der Jungen Industrie<br>Sergiu Manea, Banca Comerciala Romana <br>Shalini Randeria, Instituts f\u00fcr die Wissenschaften vom Menschen (IWM) <br>Felwine Sarr, Gaston-Berger-Universit\u00e4t<br>Sigrid Stagl, Institute for Ecological Economics an der WU Wien<br>Ivan Vejvoda (Moderation), Institut f\u00fcr die Wissenschaften vom Menschen (IWM)<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tZuallererst m\u00f6chte ich feststellen, dass wir uns inmitten einer Krise befinden. Worin besteht diese Krise? Ich meine damit, dass sich die neoliberale Wirtschaft, so wie wir sie kennen, in einer Krise befindet, und dass die Symptome dieser Krise einerseits die verschiedenen Auspr\u00e4gungen von Ungleichheit sind, aber vor allem die Tatsache, dass die gro\u00dfe Mehrheit der Weltbev\u00f6lkerung innerhalb dieses Systems nicht in der Lage ist, ihre Grundbed\u00fcrfnisse zu befriedigen. Insofern h\u00e4ngt diese Krise f\u00fcr mich nicht so sehr mit den Ausbr\u00fcchen der Finanzkrise (etwa im Jahr 2008 oder wie wir sie in j\u00fcngeren Jahren erlebt haben) zusammen, sondern mit der Tatsache, dass die Wirtschaftswissenschaft als Disziplin ihre grundlegende Mission nicht erf\u00fcllt. Die Mission, die sie sich urspr\u00fcnglich auf die Fahnen geheftet hatte, war es n\u00e4mlich, einen Beitrag zum wachsenden Wohlergehen m\u00f6glichst vieler zu leisten oder dieses sicherzustellen. <br><br>Es stimmt, dass wir in einer Welt der Globalisierung und Internationalisierung des Handels leben, aber wenn man diese genau unter die Lupe nimmt, erkennt man, dass eine der bedeutsamsten Konsequenzen dieses globalisierten Handels eine Privatisierung der Handelsprofite ist (nur eine kleine Minderheit profitiert von den Handelsgewinnen) und die Kosten und Risiken dabei aber von allen geteilt werden. Wo es also Kosten und Risiken gibt, werden diese von einer \u00fcberw\u00e4ltigenden Mehrheit gemeinsam getragen. Die Folgen dieses Systems sind, wie wir mittlerweile wissen, ein enormer \u00f6kologischer Fu\u00dfabdruck, klimatische Ver\u00e4nderungen, ein \u00f6kologischer Notfall, das Zeitalter, das wir Anthropoz\u00e4n genannt haben, da die Existenz des Menschen so bedeutsam geworden ist, dass die Auswirkungen auf das Biotop, wie wir f\u00fcrchten, unumkehrbar geworden sind. <br><br>Diese Krise ist im Endeffekt auch die Krise einer Weltordnung, die ihren grundlegenden Sinn verloren hat. Es ist eine Krise der Sinnhaftigkeit, die dadurch zum Ausdruck kommt, dass die Technik und das Know-how die Macht \u00fcber Sinn und Ethik \u00fcbernommen haben. Diese Krise ist in einer mechanistischen Kosmologie und einer utilitaristischen Vision verankert, die aus dem 19. Jahrhundert stammen, und entsprang einer Epistemologie, die die Ordnung, den Fortschritt und die Rationalit\u00e4t als vorrangig betrachtete. Episteme verstehe ich hier im Foucaultschen Sinn als Einheit aller Glaubenss\u00e4tze einer Epoche. Jede Epoche hat ihre Glaubensgrundlagen und ihre Art, die Realit\u00e4t rund um ihre Werte und ihren Glauben zu ordnen. <br><br><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t\n<div class=\"block-columns block-columns__gutter-large--10 block-columns__vertical-spacing-large--0\">\n\t\n\n<div class=\"block-column block-column__width-large--5 block-column__width-mobile--12\">\n\t\n<div class=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\">\n\n\t\n\t\t\t\n<div class=\"block-infobox\">\n\t<h2 class=\"heading heading__color--primary heading__size--small heading__align--left heading__font--secondary block-infobox__heading\">\n\tFELWINE SARR<\/h2>\n\t<div class=\"block-infobox__content\">\n\t\t\n<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-infobox__paragraph\">\n\tFelwine Sarr ist senegalesischer Sozialwissenschafter, Schriftsteller und Musiker. ER ist seit 2009 Professor f\u00fcr \u00d6konomie an der Gaston-Berger-Universit\u00e4t in Saint-Louis (Senegal). Sein bekanntestes Werk ist <em>Afrotopia<\/em>, in dem er sich f\u00fcr eine Neuerfindung Afrikas und eine radikale Losl\u00f6sung von der postkolonialen Vergangenheit des Kontinents ausspricht. 2018 verfasste Sarr gemeinsam mit der franz\u00f6sischen Kunsthistorikerin B\u00e9n\u00e9dicte Savoy im Auftrag von Frankreichs Pr\u00e4sident Emmanuel Macron einen wissenschaftlichen Bericht \u00fcber die Restitution von Kolonialkunst.<br><br><em>Foto: \u00a9 Antoine Temp\u00e9<\/em><\/p>\n\t<\/div>\n<\/div>\n\t<\/div>\n\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"block-column block-column__width-large--7 block-column__width-mobile--12\">\n\t\n<div class=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\">\n\n\t\n\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tDie Anthropologie hat uns gezeigt, dass s\u00e4mtliche menschliche Gesellschaften auf einer Erz\u00e4hlung, einer Gr\u00fcndungserz\u00e4hlung oder, besser gesagt, einem Gr\u00fcndungsmythos basieren. Dieser Mythos dient in gewisser Weise dazu, uns die Welt und ihren Aufbau zu erkl\u00e4ren. Er bringt bestimmte Werte hervor, die untereinander hierarchisch organisiert sind. Und oft wird dieses Narrativ durch einen sozialen oder linguistischen Code konzeptualisiert, den s\u00e4mtliche Mitglieder dieser Gruppe von Menschen oder dieser Gemeinschaft verinnerlicht haben. Jeder menschlichen Gemeinschaft liegt ein symbolischer Code zugrunde, der es ihren Mitgliedern erm\u00f6glicht, relativ eindeutig zu denken, zu sprechen, und die Wirklichkeit um sie herum zu erfahren. Moderne Gesellschaften, vor allem die westliche Industriegesellschaft, kommen an diesem Aufbau nicht vorbei. Diese Gesellschaft hat das Bed\u00fcrfnis, ihre Entwicklung zu legitimieren. Sie hat das Bed\u00fcrfnis, ihre Aneignung der Zukunft durch ein Narrativ oder eine Mythologie zu legitimieren, die ihre Kosmologien und gesellschaftlichen Ideologien widerspiegelt. <br><br>Aus dieser Perspektive kann man den \u00f6konomischen Diskurs als dominant betrachten, man kann davon ausgehen, dass er in der industrialisierten Gesellschaft wie ein \u201e\u00d6komythos\u201c funktioniert, der die Aufrechterhaltung der industriellen sozialen Ordnung garantiert. Aus diesem \u00d6komythos speist sich die Darstellung des Universums und der Gesellschaft, er legitimiert die Institutionen, verankert \u00dcberzeugungen, formt unsere Art zu leben und zu denken und damit auch die Anordnung und Struktur der Realit\u00e4t auf eine Weise, die der urspr\u00fcnglichen Botschaft des Narrativs entspricht. <\/p>\t<\/div>\n\n<\/div>\n\n<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tWenn das Narrativ Wohlergehen, Wachstum, Fortschritt und Gleichheit als Ziele und Schl\u00fcsselkonzepte ausgibt, hat der Mythos bzw. das Narrativ oder der \u00d6komythos die Aufgabe, die Wirklichkeit rund um diese \u00dcberzeugungen anzuordnen. Der \u00f6konomische Diskurs hat sich in eine Sprache verwandelt, die die Etablierung des symbolischen Codes sicherstellt. Dieser Code wiederum wird von einer Gemeinschaft genutzt, um zu kommunizieren, zu denken und die Realit\u00e4t zu erfahren. Ebenso hat sich in unserer Realit\u00e4t eine Hegemonie der wirtschaftlichen Ordnung und des wirtschaftlichen Diskurses bemerkbar gemacht. Und diese Hegemonie des wirtschaftlichen Diskurses ist so m\u00e4chtig, dass sie es schafft, die Realit\u00e4t zu verschleiern und einen Diskurs hervorzubringen, der sich deutlich von der Realit\u00e4t unterscheidet. <br><br>Der Mythos lautet: Wohlergehen, Wachstum, Fortschritt, Gleichberechtigung. Das alles sind die Schl\u00fcsselbegriffe dieser Kosmologie. Wenn man jedoch die Weltlage betrachtet, wird einem bewusst, dass all das nicht gegeben ist, und dass diese Weltwirtschaft, das System, in dem wir leben, im Gegenteil tiefgehende Ungleichheiten verursacht. Diese Weltwirtschaft ist auf die Erwirtschaftung eines Mehrwerts durch Handelsverkehr sowie die weltweite Verteilung dieses Mehrwerts oder des produzierten Werts ausgerichtet. Sie ist jedoch auf einem strukturell ungerechten Welthandel aufgebaut und f\u00fchrt daher auch zu einer ungerechten Verteilung der erwirtschafteten Werte, des Know-hows und der technologischen Innovationen. Es ist ein System, das unfairen Wettbewerb zwischen den M\u00e4rkten und den Produzenten an verschiedenen Orten der Welt hervorbringt: Einige subventionieren ihre Produzenten und ihre Landwirte, errichten gleichzeitig kommerzielle und nicht kommerzielle Barrieren, agieren aber zeitgleich ohne jegliche Hindernisse auf den M\u00e4rkten der anderen. Dieses System bringt Monopole, angeborene Privilegien, politische Renten, Asymmetrien und die Dominanz \u00fcber ganze Segmente der Weltwirtschaft mit sich. <br><br>Wenn wir uns eine Welt w\u00fcnschen, in der deutlich mehr Gerechtigkeit und Wohlstand f\u00fcr alle herrschen, ist es vielleicht an der Zeit, an der Einf\u00fchrung von Regeln f\u00fcr eine wesentlich gerechtere Verteilung des globalen Mehrwerts zu arbeiten. Die WTO ist ein solcher Ort, an dem Regeln definiert und Verhandlungen gef\u00fchrt werden. Sie ist auch ein Ort, an dem an internationalen Handelsgesetzen gearbeitet wird. W\u00e4hrend des Wirtschaftsstudiums lernt man, dass der Handelsverkehr den L\u00e4ndern zum gegenseitigen Vorteil gereicht, dass es komparative Vorteile gibt, die sie ausspielen k\u00f6nnen und dass vom Handel jeder profitiert. Soweit die Theorie. In der Realit\u00e4t beobachten wir jedoch, dass dieser Handel keine gegenseitigen Gewinne hervorbringt und dass wir uns zeitweise in einer Art Nullsummenspiel befinden, in dem manche das gewinnen, was andere verlieren, und dass die internen Strukturen, die den Handel regeln, grundlegende Ungleichheiten produzieren. Das w\u00e4re also der erste Weg, den es zu beschreiten gilt: an Regeln zu arbeiten, die die globale Verteilung des Mehrwerts wesentlich gerechter gestalten. <br><br>W\u00e4hrend wir diesen poetischen, fast wie einem Traum entstammten Film gesehen haben, wurde mir nicht nur die gro\u00dfe Vielfalt, sondern auch die eklatante und frappante Kluft zwischen den unterschiedlichen Lebensstandards bewusst. F\u00fcr mich war das wie eine Allegorie auf die Welt. Man hat klar gesehen, dass das eine Realit\u00e4t unserer Welt ist. Eine andere Option w\u00e4re es, an der besseren Verteilung des Reichtums und einer gerechteren globalen Wirtschaft zu arbeiten. Dieser Idee folgend k\u00f6nnte man durch verschiedene Mechanismen zur Finanzierung der Entwicklung einer nachhaltigen, gesunden, \u00f6kologisch verantwortungsvollen Wirtschaft in den verwundbarsten Gegenden, die wir gemeinhin Global South nennen, beitragen, und zwar mit Entschlossenheit und in dem Bewusstsein, dass wir von diesem asymmetrischen System profitieren und dass wir, wenn wir die Welt ver\u00e4ndern m\u00f6chten, den Wohlstand grundlegend umverteilen m\u00fcssen. Das erfordern sowohl unsere Ethik als auch die globale Gerechtigkeit. Es geht vielleicht gar nicht so sehr um Solidarit\u00e4t, sondern um globale Gerechtigkeit und Chancengleichheit. (\u2026) Wenn man etwa in den Amazonas f\u00e4hrt, findet man dort ein etabliertes \u00d6kosystem vor, dessen BewohnerInnen ihr eigenes Territorium unter Kontrolle haben und funktionierende Wirtschaftsbeziehungen aufgebaut haben. Dort soll nun eine Extraktionsindustrie errichtet, die Beziehung zwischen Mensch und Umwelt auf den Kopf gestellt und daf\u00fcr gesorgt werden, dass wir unseren Zugang zur Wirtschaft auf der ganzen Welt als den einzig richtigen durchsetzen k\u00f6nnen, anstatt Raum zu schaffen f\u00fcr die verschiedenen Auspr\u00e4gungen dessen, was ich \u201e\u00d6konomizit\u00e4t\u201c nenne, also jegliche Form wirtschaftlichen Handelns. <\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12 wrapper__offset-large--0\">\n\t\t\t\t\n<figure class=\"block-image-caption\">\n\t<div class=\"image-wrap block-image-caption__image-wrap\" data-align=\"center center\">\n\n\t\t\t<img\n\t\t\tsrc=\"http:\/\/tippingpoint.net\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/tippingtalk_god_6596.jpg\"\n\t\t\tclass=\"image  block-image-caption__image\"\n\t\t\talt=\"Foto: \u00a9 ERSTE Stiftung \/ APA-Fotoservice \/ Jacqueline Godany\"\n\t\t\/>\n\t\n\t<\/div>\t<figcaption>\n\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--small paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-image-caption__paragraph\">\n\tFoto: \u00a9 ERSTE Stiftung \/ APA-Fotoservice \/ Jacqueline Godany<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tEs ist wichtig, die Wirtschaft bzw. die Wirtschaftswissenschaft, die sich als Wissensordnung etabliert hat, als Disziplin zu unterscheiden von den althergebrachten wirtschaftlichen Praktiken, die sich im Laufe der Menschheitsgeschichte herausgebildet haben und die der theoretischen Formulierung einer Ordnung, die zur Wissensordnung geworden ist, vorausgehen. Wir wissen, dass die Wirtschaft als Disziplin ein effizienzorientiertes System ist, das die optimale Nutzung von Ressourcen anstrebt. Auf die Diskussion der formellen und substanziellen Definitionen innerhalb der Epistemologie der Wirtschaft m\u00f6chte ich nicht n\u00e4her eingehen, aber es ist wichtig zu wissen, dass die \u00d6konomie eine relativ junge akademische Disziplin ist, der in s\u00e4mtlichen menschlichen Gemeinschaften wirtschaftliches Handeln vorausging. Und die \u00d6konomizit\u00e4t, also das wirtschaftliche Handeln, ist eine anthropologische Konstante in allen Gesellschaften. Keine Gesellschaft hat auf die Einrichtung einer akademischen Disziplin namens Wirtschaftswissenschaft gewartet, um wirtschaftliche Beziehungen einzugehen. Die Anthropologie lehrt uns, dass alle menschlichen Gemeinschaften, die in einem spezifischen geografischen Umfeld mit eingeschr\u00e4nkten Ressourcen und Bed\u00fcrfnissen leben, ein Wirtschaftssystem entwickeln, das von eben diesem Umfeld und seinen Besonderheiten bestimmt ist. Die Wirtschaft, und damit wirtschaftliches Handeln, sind also reaktiv. Die Wirtschaft ist kein Naturgesetz, sondern eine gesellschaftliche Gegebenheit, also etwas, das sich soziohistorisch in einem bestimmten Kontext entwickelt hat. <br><br>Es gibt Schenk\u00f6konomien, \u00d6konomien des Gegengeschenks, Tauschhandel, \u00dcberflusswirtschaft, \u00d6konomien des Lebensunterhalts. Die Menschheitsgeschichte hat in verschiedenen Kontexten unterschiedliche Arten des wirtschaftlichen Handelns hervorgebracht. Und aus diesem unersch\u00f6pflichen Erfahrungsschatz k\u00f6nnen wir lernen, wenn wir unser Wirtschaftsmodell neu gestalten wollen. Ich w\u00fcrde dem noch hinzuf\u00fcgen, dass die Wirtschaft nicht in einem Vakuum existieren kann: Jeder wirtschaftliche Prozess spielt sich in einem gewissen soziokulturellen Rahmen ab, und wirtschaftliches Handeln ist eng mit individuellen und kollektiven Entscheidungen verbunden. Die These, die ich in meinem Buch Afrotopia vorgestellt habe, besagt, dass die Effizienz eines wirtschaftlichen Systems stark an den Grad der Anpassung an den kulturellen Kontext gekoppelt ist. Sie sehen vermutlich, worauf ich hinaus will. Wir haben eine Weltwirtschaft, die auf der einen Seite die \u00d6konomizit\u00e4t f\u00f6rdert und auf der anderen Seite die verschiedenen kulturellen Kontexte v\u00f6llig au\u00dfer Acht l\u00e4sst. Wir wissen, dass kulturelle Faktoren einen Einfluss auf die wirtschaftliche Performance haben. Genauso ist aber auch die Wirtschaft selbst als Disziplin ein kultureller Prozess, der eine Sicht auf die Welt entwirft. Die Wirtschaft ist nicht neutral, sie wirkt sich nicht neutral auf unseren Blick auf die Welt aus, sondern sie bringt eine spezifische und eigene Werteskala hervor. <br><br>Aber wenn wir zur Wirtschaft als Theorie des menschlichen Handelns zur\u00fcckkehren, kommt im Rahmen der Wirtschaftswissenschaft oft die Frage auf, wodurch menschliches Handeln bestimmt wird. Wie entscheiden sich Menschen zwischen verschiedenen Optionen? Wie trifft man eine notwendige kollektive Entscheidung, wenn die Ressourcen eingeschr\u00e4nkt sind? Wir wissen, dass individuelle Entscheidungsprozesse stark vom kulturellen Umfeld des Menschen beeinflusst sind und dass dieses Umfeld mehr oder weniger die Pr\u00e4ferenzen des Einzelnen bestimmt und seine Verhaltensweisen regelt. Als Entscheidungsgrundlage f\u00fcr die Erf\u00fcllung der Grundbed\u00fcrfnisse \u2013 Nahrung, Wohnen, Kleidung \u2013 werden nicht ausschlie\u00dflich die bestehenden Alternativen herangezogen, also die Menge der verf\u00fcgbaren Waren und Dienstleistungen. Die kulturelle Matrix eines Menschen, die aus sozialen Konventionen, religi\u00f6sen \u00dcberzeugungen (Ern\u00e4hrungs- und Kleidungsvorschriften), Kulinarik, \u00e4sthetischen Vorstellungen und ethischen Richtlinien besteht, hat die Aufgabe, die W\u00fcnsche und Bed\u00fcrfnisse des Einzelnen sowie die zeitlichen und r\u00e4umlichen Umst\u00e4nde ihrer Erf\u00fcllung zu formen. <br><br>Die \u00f6konomische Anthropologie hat uns gezeigt, dass Spar- und Investitionsverhalten, die Anh\u00e4ufung von Kapital sowie die Logik und Rationalit\u00e4t des Konsums kulturell bestimmt sind. Daf\u00fcr gibt es unz\u00e4hlige Beispiele. Herskovits, der traditionelle afrikanische Gesellschaften wie etwa die Yoruba oder die Tallensi in Ghana erforscht hat, fand heraus, dass diese V\u00f6lker ihre Nahrungsmittelreserven zwischen dem Ende der Trockenzeit und dem Beginn der Winterzeit ohne jegliche Zur\u00fcckhaltung aufbrauchen. Rational betrachtet m\u00fcssten diese Vorr\u00e4te f\u00fcr etwaige Versorgungsengp\u00e4sse gelagert werden. Im Laufe der Beobachtung ist man darauf gekommen, dass diese Verhaltensmuster keinem Mangel an Voraussicht geschuldet, sondern von kulturellen \u00dcberzeugungen gepr\u00e4gt sind. In diesen Kulturen haben Rituale, im Zuge derer alle Vorr\u00e4te aufgebraucht werden, einen ebenso hohen Stellenwert wie der ostentative Konsum oder der Konsum aus Prestigegr\u00fcnden. Der Nahrungsaufnahme wird damit eine Bedeutung zugeschrieben, die \u00fcber die biologische Notwendigkeit und Kalorienzufuhr hinausgeht. <br><br>Zusammenfassend l\u00e4sst sich sagen, dass die verschiedenen individuellen Auffassungen des wirtschaftlichen Handelns und der Haushaltsf\u00fchrung niemals zuf\u00e4llig sind, egal, welchem geografischen Umfeld man entstammt. Diese Auffassungen sind das Ergebnis verschiedener gesellschaftlicher Bewertungen der Kategorien Zeit, Arbeit und Freizeit sowie kultureller, sozialer und religi\u00f6ser Verpflichtungen. Sie sind durch die Anzahl verf\u00fcgbarer Ressourcen bedingt und geben die Produktivit\u00e4t und den Lebensstandard des Einzelnen und der Gemeinschaft vor. Diese \u00dcberlegung gilt f\u00fcr die traditionellen afrikanischen, asiatischen, indischen und indianischen Gesellschaften, aber sie trifft auch auf die Marktwirtschaft zu. Ungeachtet der Tatsache, dass sich dieses Wirtschaftssystem ver\u00e4ndert hat, bleibt der Einfluss der kulturellen Matrix der gesellschaftlichen Gruppen auf die Entscheidungspraxis bestehen. <br><br>Nehmen wir einmal unsere Wirtschaft, die moderne Weltwirtschaft als Beispiel: Sie entstand gegen Ende des 18. Jahrhunderts in Westeuropa. Dieses Subsystem basiert auf theoretischen \u00dcberlegungen und Denkprozessen. Es gibt vier Menschen, die diese Prozesse besonders vorangetrieben haben: Smith, Ricardo (ein Schotte und ein Engl\u00e4nder), ein Deutscher, Marx, und ein Franzose, Jean-Baptiste Say, um nur diese vier zu erw\u00e4hnen. Zu Beginn waren ihre \u00dcberlegungen moralphilosophischer Natur, und dann kam es zum \u00dcbergang von der Moralphilosophie zur politischen \u00d6konomie. Der Kanon, der diese Disziplin begr\u00fcndete und innerhalb dessen die Autoren Beziehungsmuster zwischen \u00f6konomischen Variablen aufzeigten, um deutlich zu machen, welche Variable die andere beeinflusste, gr\u00fcndete auf Beobachtungen, die sich aus ihrem geografischen Umfeld \u2013 n\u00e4mlich dem europ\u00e4ischen \u2013 ergaben. <br><br>An einem bestimmten Punkt hat man sich in dieser Disziplin schlie\u00dflich die Frage nach der Universalit\u00e4t der Beziehungen zwischen den postulierten Variablen und der Axiomatik der Entscheidungsfindung gestellt. Kann man aufgrund von Beobachtungen, die innerhalb eines geografischen Umfelds gemacht wurden, darauf schlie\u00dfen, dass s\u00e4mtliche Beziehungen zwischen diesen Variablen in der \u00d6konomie dieselben sind, auch wenn sie an v\u00f6llig unterschiedlichen Orten stattfinden? Vergleichen Sie es mit jemandem, der ein geologisches Fachbuch publiziert, in dem er den afrikanischen Boden und seine Besonderheiten analysiert. K\u00f6nnte er behaupten, dass sein geologisches Werk f\u00fcr die ganze Welt gilt, wenn er weder Europa, China noch Asien erforscht hat? Diese Frage stellt den theoretischen und axiomatischen Beitrag der \u00d6konomie in ihrer Arch\u00e4ologie und Historizit\u00e4t wieder her und zeigt, dass die Beziehungen, die wir als universal gegeben hingenommen haben, innerhalb eines bestimmten Kontextes und einer bestimmten Epoche beobachtet wurden. An dieser Stelle m\u00f6chte ich die Beziehung zwischen Wirtschaft, Geografie und Kultur beleuchten, um auf die Frage zur\u00fcckzukommen, die uns heute besch\u00e4ftigt.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12 wrapper__offset-large--0\">\n\t\t\t\t\n<figure class=\"block-image-caption\">\n\t<div class=\"image-wrap block-image-caption__image-wrap\" data-align=\"center center\">\n\n\t\t\t<img\n\t\t\tsrc=\"http:\/\/tippingpoint.net\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/tippingtalk_god_6573.jpg\"\n\t\t\tclass=\"image  block-image-caption__image\"\n\t\t\talt=\"Foto: \u00a9 ERSTE Stiftung \/ APA-Fotoservice \/ Jacqueline Godany\"\n\t\t\/>\n\t\n\t<\/div>\t<figcaption>\n\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--small paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-image-caption__paragraph\">\n\tFoto: \u00a9 ERSTE Stiftung \/ APA-Fotoservice \/ Jacqueline Godany<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tDie kulturellen Annahmen, die den \u00d6konomInnen vererbt wurden, die ja auch nicht losgel\u00f6st von ihrem geografischen Umfeld existieren und einer bestimmten Kultur und damit auch einer bestimmten Sicht auf die Welt entspringen, beeinflussen ihre F\u00e4higkeit, die \u00f6konomische Realit\u00e4t, die sie beobachten, zu vermitteln, vor allem, wenn diese einem Umfeld entstammt, das nicht das ihre ist. Und der kulturelle Kontext der \u00d6konomie ist sowohl eine Frage der sozialen Organisation als auch der Denkweise.Ich m\u00f6chte eine Hypothese aufgreifen, die in der \u00d6konomie einen zentralen Stellenwert besitzt, n\u00e4mlich die Hypothese der Rationalit\u00e4t, die instrumental genannt wird: Sie beschreibt die Tatsache, dass Menschen rational handeln und ihre Entscheidungen mit Blick auf ihre Einschr\u00e4nkungen optimieren. Der Konsument oder die Konsumentin versucht, N\u00fctzlichkeit und Genuss zu maximieren. ProduzentInnen und Wirtschaftstreibende versuchen, ihre Vorteile unter Ber\u00fccksichtigung ihrer Kosteneinschr\u00e4nkungen zu optimieren. Der Vorstellung des Homo oeconomicus liegt die Idee zugrunde, dass der Mensch, wenn er zwischen verschiedenen Optionen w\u00e4hlen muss, unter Ber\u00fccksichtigung seiner Einschr\u00e4nkungen in erster Linie rational entscheidet. Doch wenn man sich \u00f6konomische Entscheidungen genauer ansieht, wird deutlich, dass optimierende Verhaltensweisen zwar nat\u00fcrlich verbreitet sind, dass die individuellen Entscheidungen aber von mehr als nur einer rationalen Sichtweise gepr\u00e4gt sind. Es gibt nicht nur die optimierende Vernunft, sondern auch andere Auspr\u00e4gungen der Vernunft, und die Entscheidungen des Einzelnen werden nicht notwendigerweise frei getroffen. Es kann sich auch um Entscheidungen handeln, die sozialen Einschr\u00e4nkungen unterworfen sind: Menschen k\u00f6nnen durchaus Entscheidungen treffen, die nicht ausschlie\u00dflich ihren egoistischen und individuellen W\u00fcnschen zuzuschreiben sind. Die Entscheidung des Einzelnen wird von der Logik des Schenkens, des Gegengeschenks, der Emotion und der sozialen Gruppenpsychologie beeinflusst. Herbert Simon hat um etwa 1975 gezeigt, dass selbst diese Rationalit\u00e4t von der Menge an Informationen, die uns zur Verf\u00fcgung stehen, eingeschr\u00e4nkt wird. Wir k\u00f6nnen keine optimale Entscheidung treffen, da wir nicht f\u00fcr jede Entscheidungssequenz \u00fcber den gesamten Informationshorizont verf\u00fcgen, der uns dabei helfen w\u00fcrde, die bestm\u00f6gliche Entscheidung zu treffen. Die Reduktion des Konsumenten oder Produzenten auf einen Homo oeconomicus ist eine Reduktion der Vielschichtigkeit der Rationalit\u00e4t, die im wirtschaftlichen Handeln am Werk ist. <br><br>Ich m\u00f6chte kurz noch auf die kulturelle Komponente eingehen und komme dann auf die Frage zur\u00fcck, die uns heute besch\u00e4ftigt. Das erste Argument lautete: Wir k\u00f6nnen \u00fcber Regeln nachdenken, wie wir den Mehrwert auf wesentlich gerechtere Weise teilen k\u00f6nnen. Wir k\u00f6nnen uns eine Verteilung des Wohlstands und des Mehrwerts vorstellen, die auf dem Prinzip der globalen wirtschaftlichen Gerechtigkeit basiert. Wir k\u00f6nnten uns auch sagen, dass wir nicht an der Vereinheitlichung der Welt arbeiten m\u00fcssen, sondern verschiedenen Formen der \u00d6konomizit\u00e4t Raum geben k\u00f6nnen, die in verschiedenen Gegenden koexistieren und denen m\u00f6glicherweise unterschiedliche Rationalit\u00e4ten zugrunde liegen, die es aber den Menschen gleicherma\u00dfen erm\u00f6glichen, ihre Grundbed\u00fcrfnisse zu befriedigen, und wir k\u00f6nnten einsehen, dass die Geschichte diese Vielfalt hervorgebracht hat. <br><br>Afrika ist f\u00fcr mich ein interessantes Beispiel, weil der Kontinent am industriellen Abenteuer des 20. Jahrhunderts nicht wesentlich beteiligt war. Wirtschaftlich gesehen ist es der am wenigsten \u201eentwickelte\u201c Kontinent. Aus meiner Sicht bietet sich diesem Kontinent dadurch die M\u00f6glichkeit, zu einem Ort zu werden, an dem verschiedene Formen der \u00d6konomizit\u00e4t neu erfunden werden, indem Lehren aus den Erfahrungen des 20. und 21. Jahrhunderts gezogen werden, ohne ihre Fehler zu wiederholen, und indem wieder an die urspr\u00fcngliche Funktion der Wirtschaftswissenschaft angekn\u00fcpft wird, n\u00e4mlich zum Wohlergehen m\u00f6glichst vieler beizutragen. In der Beobachtung des afrikanischen Kontinents stelle ich mit gro\u00dfem Interesse fest, dass innovative Formen der \u00d6konomizit\u00e4t umgesetzt werden, die einem wirtschaftlichen Umdenken auf globaler Ebene Vorschub leisten k\u00f6nnen, sowie Wirtschaftsformen, die in erster Linie auf Kreislaufwirtschaft und relationaler Wirtschaft basieren. Auf das Konzept der relationalen Wirtschaft \u2013 das kein afrikanisches Exklusivum ist \u2013 komme ich sp\u00e4ter noch zur\u00fcck. An vielen Orten der Welt dient die relationale Wirtschaft als eine Art Ger\u00fcst f\u00fcr die materielle Wirtschaft. Auf die Definitionen dieser beiden Formen m\u00f6chte ich ein wenig sp\u00e4ter noch eingehen. Wichtiger noch sind die Herausforderungen, denen der Kontinent jetzt und im kommenden Jahrhundert angesichts seiner demografischen Entwicklung begegnen muss und die zu einem Umdenken bez\u00fcglich der zentralen Faktoren der Wirtschaft \u2013 wie Arbeit, Handelsmarkt und Produktion \u2013 sowie des eigentlichen Zwecks der Wirtschaft f\u00fchren (werden).<br><br>Bleiben wir also in Afrika, meiner wissenschaftlichen Spielwiese, und werfen einen Blick auf zeitgen\u00f6ssische oder traditionelle afrikanische Gesellschaften, so sehen wir, dass die wirtschaftliche Ordnung in den jeweiligen Soziokulturen eingeschrieben ist und nicht getrennt davon betrachtet werden kann. Sie ist keine Einheit f\u00fcr sich, sondern Teil eines sozialen Systems, das viel mehr umfasst und Eigenschaften wie Zirkularit\u00e4t und Reziprozit\u00e4t aufweist. Diese Ordnung erf\u00fcllt (oder versucht es zumindest) ihre klassischen Funktionen, etwa Lebensunterhalt, Ressourcenverteilung, Umverteilung, Produktion, Wertsch\u00f6pfung, aber in all dem ist sie sozialen, kulturellen und zivilisatorischen Zwecken eindeutig untergeordnet. Die Wirtschaft dient keinem Selbstzweck, also nicht der Massenproduktion oder der Erwirtschaftung von Profit, sondern hat ganz einfach gesellschaftliche Zwecke zu erf\u00fcllen. Wer sich f\u00fcr den afrikanischen Kontinent interessiert, wird dort wohl auch das Aufkommen der sogenannten relationalen Wirtschaft beobachtet haben. Die relationale Wirtschaft kann man als Wirtschaft verstehen, die in erster Linie auf das Erschaffen authentischer Beziehungen abzielt, und die Herstellung dieser Beziehungen ist bereits ein Wert an sich. <br><br>Bevor noch ein Handels-, W\u00e4hrungs- oder anders gearteter materieller Austausch initiiert wird, geht es darum, Beziehungen jeglicher Art zwischen Einzelnen herzustellen. Diese Beziehungen positiver oder negativer Natur, die die Menschen zueinander aufbauen und im Lauf der Zeit ungeachtet jeglicher materieller Interessen verfestigen, stellen das eigentliche Substrat der materiellen Wirtschaft dar, die erst in einem n\u00e4chsten Schritt folgt. Das Beziehungsgeflecht, das auf diese Art entsteht, erh\u00e4lt eine derartige Qualit\u00e4t und Macht, dass es bereits einen Wert per se darstellt. Dieses Beziehungsgeflecht kann auch au\u00dferhalb der klassischen Wirtschaft funktionieren. <br><br>Wenn man versucht, das Einkommen der Menschen in Afrika in Umfragen zu erheben, findet man heraus, dass viele von ihnen kein Einkommen beziehen, niemals gearbeitet oder einen Arbeitsvertrag gehabt haben. Aber sobald sie Teil dieses Beziehungsgeflechts sind, der Onkel, der Sohn, die Tante oder der Neffe von jemandem sind, werden sie Teil des Netzes, innerhalb dessen die Ressourcen und der Reichtum verteilt werden. Man braucht keinen Gehaltszettel und kann trotzdem arbeiten, Einkommen und Ersparnisse haben, weil man Teil dieses Beziehungsgeflechts ist, das Vorrang gegen\u00fcber der materiellen Wirtschaft einnimmt. Ein Beispiel aus meiner Familie: Meine Mutter ist Hausfrau, wie man so sch\u00f6n sagt, sie hat ihre Kinder gro\u00dfgezogen, aber ihr ganzes Leben lang niemals offiziell gearbeitet. Sie hat sich also um ihre Familie gek\u00fcmmert, aber es hat ihr nie an etwas gefehlt, weil sie Teil eines Beziehungsgeflechts war, das ihr eine gewisse Form von Einkommen garantiert hat und es ihr erm\u00f6glicht hat, Ersparnisse anzulegen, was selbst manche ihrer Kinder nicht schaffen. Wenn man nun eine Umfrage machte und sie nach ihrem Einkommen auf der Grundlage ihrer Gehaltszettel fragte, w\u00fcrde man sie in die Gruppe von Menschen einordnen, die sich unterhalb der Armutsgrenze befinden, nachdem sie keinen Lohnzettel mit mehr als 1,50 Dollar pro Tag Einkommen \u00fcber den Monat gerechnet vorweisen kann. Aber ihre Lebensrealit\u00e4t passt \u00fcberhaupt nicht zu der Kategorie, in die man sie f\u00e4lschlicherweise stecken w\u00fcrde. <br><br>Diese relationale Wirtschaft ist in vielen unserer Gesellschaften die Grundlage der kollektiven Intelligenz einer Gruppe. Das kann ein Unternehmen oder eine Genossenschaft sein. In jedem Fall schafft sie Mehrwert und interagiert mit der materiellen Wirtschaft. Jede sogenannte informelle Wirtschaft basiert auf diesem Kriterium der Relationalit\u00e4t. Tats\u00e4chlich handelt es sich dabei nicht um eine informelle Wirtschaft, sondern um eine Wirtschaft, der andere Codes zugrunde liegen als der klassischen Wirtschaft. In dieser sogenannten informellen Wirtschaft werden Darlehen ohne Garantie vergeben, weil die Vertrauensbasis bereits langfristig hergestellt wurde. Diese Darlehen st\u00fctzen sich auf den Wert des m\u00fcndlichen Versprechens. Auch in dieser Wirtschaftsform gibt es Ressourcenverteilung und Umverteilung, die wirtschaftliche und soziale Zwecke erf\u00fcllen. Das wirtschaftliche Handeln ist an die gesellschaftlichen Zwecke gebunden und kann nicht getrennt von ihnen betrachtet werden. <br><br>Im Senegal gibt es eine sehr bekannte Gemeinschaft, die Mouriden, an deren Beispiel die Verbindungen zwischen der relationalen und der materiellen Wirtschaft aufgezeigt werden k\u00f6nnen. Die Mouriden sind eine spirituelle bzw. religi\u00f6se Bruderschaft, in deren Kultur Arbeit und k\u00f6rperliche Anstrengung einen hohen Stellenwert einnehmen. Ebenso wichtig sind aber Engagement, Selbstaufopferung und das Befolgen der religi\u00f6sen Vorschriften des spirituellen Anf\u00fchrers. Letzterer ist in der Lage, eine gewaltige Arbeitskraft f\u00fcr verschiedenste gemeinschaftliche Projekte zu mobilisieren, zum Beispiel um einen 45.000 Hektar umfassenden Wald zu landwirtschaftlichen Zwecken anzulegen. Die wesentlichen wirtschaftlichen Interaktionen gr\u00fcnden sich auf das Netz, das die einzelnen Mitglieder der Gemeinschaft miteinander verbindet. Es ist ein Beispiel einer bl\u00fchenden materiellen Wirtschaft, der die Prinzipien einer relationalen Wirtschaft zugrunde liegen. Sie ist von einer Solidarit\u00e4t innerhalb der Bruderschaft gekennzeichnet, die wirtschaftliches Handeln erm\u00f6glicht und dabei die Transaktionskosten minimiert. <br><br>Diese Art von Wirtschaft, die man an vielen Orten der Welt und in vielen Gemeinschaften antrifft, minimiert die Transaktionskosten durch die Herstellung von Beziehungen, Sozialkapital und Vertrauen. Dieses Vertrauen und dieses Sozialkapital sind die Werte, auf die sich die materielle Wirtschaft st\u00fctzt. In diesen Wirtschaftssystemen existieren Mechanismen, die Geldtransfer durch Entsch\u00e4digung erm\u00f6glichen. Ein Mouride und H\u00e4ndler, der in die USA auswandert, muss dort keinen Kredit bei der Bank aufnehmen: Sobald er angekommen ist, wird seine Bruderschaft ihm Waren und finanzielle Mittel zur Verf\u00fcgung stellen. Er wird sein Gesch\u00e4ft aufnehmen und das Darlehen zur\u00fcckzahlen, sobald er Gewinn macht. Man leiht ihm das Geld ohne eine Garantie zu verlangen, weil man wei\u00df, dass er Teil dieses Kreislaufs von Geschenk und Gegengeschenk ist und das Geld zur\u00fcckzahlen wird. Dass er es tats\u00e4chlich zur\u00fcckzahlen wird, ist in einer Relationalit\u00e4t begr\u00fcndet, die auf anderen Grundlagen aufgebaut wurde. Soviel zur Idee der relationalen Wirtschaft. <br><br>Der letzte Denkansatz, den ich mit Ihnen er\u00f6rtern m\u00f6chte, scheint mir noch viel dringlicher zu sein. Neben dem Bem\u00fchen um ein gerechteres Wirtschaftssystem und eine \u00d6konomizit\u00e4t in vielen verschiedenen Auspr\u00e4gungen, die nebeneinander existieren d\u00fcrfen (\u2026), geht es um die M\u00f6glichkeit, die dominante Weltwirtschaft neu zu erfinden. Ich spreche von jenem Wirtschaftssystem, in dem wir leben, arbeiten und uns engagieren, und das nicht nur hegemoniale Tendenzen hat, sondern schlicht und einfach eine absolute Hegemonie darstellt. Eine der Herausforderungen bei dieser Neuerfindung wird darin bestehen, das zu vermeiden, was ich ein Durcheinander der Ordnungen nenne. Es geht darum, in der Lage dazu zu sein bzw. zumindest daran zu arbeiten, der Wirtschaft den richtigen Platz zuzuweisen, einen Platz, an dem sie ihre anf\u00e4nglichen oder urspr\u00fcnglichen Funktionen erf\u00fcllen kann: zum Wohlergehen m\u00f6glichst vieler Menschen beizutragen. Der Wirtschaft diesen Platz zuzuweisen bedeutet auch, nicht kommerzielle Aspekte der \u00d6konomie zu bewahren. Es bedeutet, sich dessen bewusst zu sein, dass auch der soziale Austausch eine kommerzielle Komponente in sich tr\u00e4gt, dass es aber auch R\u00e4ume gibt, die von diesem kommerziellen Austausch unber\u00fchrt bleiben m\u00fcssen. Wir brauchen gemeinsame R\u00e4ume, und zwar nicht kommerzielle Wirtschaftsr\u00e4ume, die nicht von privaten Interessen geleitet sind und dem Wohlergehen m\u00f6glichst vieler dienen. Einer dieser Wege besteht darin, daran zu arbeiten, dass die \u00d6konomie ihre zentrale Position aufgibt und ihr einen passenden Platz zuzuweisen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12 wrapper__offset-large--0\">\n\t\t\t\t\n<figure class=\"block-image-caption\">\n\t<div class=\"image-wrap block-image-caption__image-wrap\" data-align=\"center center\">\n\n\t\t\t<img\n\t\t\tsrc=\"http:\/\/tippingpoint.net\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/tippingtalk_god_6606.jpg\"\n\t\t\tclass=\"image  block-image-caption__image\"\n\t\t\talt=\"Foto: \u00a9 ERSTE Stiftung \/ APA-Fotoservice \/ Jacqueline Godany\"\n\t\t\/>\n\t\n\t<\/div>\t<figcaption>\n\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--small paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-image-caption__paragraph\">\n\tFoto: \u00a9 ERSTE Stiftung \/ APA-Fotoservice \/ Jacqueline Godany<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tEin zweiter, extrem steiniger Weg, den viele WirtschaftswissenschafterInnen unter gro\u00dfen Anstrengungen einschlagen, ist die Vorstellung einer postkapitalistischen Zukunft. Diese Vorstellung trotzt der durchschlagenden Macht des Wirtschaftssystems, in dem wir leben und das uns davon \u00fcberzeugt hat, alternativlos zu sein, beziehungsweise, sollte es doch Alternativen geben, dass diese Randpositionen einnehmen \u2013 und es f\u00e4llt schwer sich vorzustellen, wie marginale Erfahrungen jemals eine zentrale Stellung einnehmen k\u00f6nnen. Die Macht dieses Systems besteht darin, uns in einer immerw\u00e4hrenden Gegenwart eingesperrt und uns davon \u00fcberzeugt zu haben, dass dieses System, in dem wir leben, eine Evolution der urspr\u00fcnglichen Form von \u00d6konomizit\u00e4t darstellt, die sich \u00fcber die Zeit hinweg verfeinert und optimiert hat. Wir bef\u00e4nden uns also am H\u00f6hepunkt, in einer Art unver\u00e4nderbarem Zustand, wir h\u00e4tten einen Wissensstand und Kompetenzen erreicht, die die ultimative Auspr\u00e4gung dessen sind, was wir \u00fcber lange Zeit an wirtschaftlichen F\u00e4higkeiten erlernt haben. Hat man dieses Stadium der Evolution einmal erreicht, wird man nicht mehr zur\u00fcckgehen. Sobald alternative Formen auftreten, die von alten Narrativen und Kulturen inspiriert sind, erscheinen sie archaisch und r\u00fcckschrittlich. <br><br>Was man dabei gern vergisst, ist, dass unser System seinen Ursprung im 15. Jahrhundert hat, und wie jedes soziale Konstrukt wird es geboren, w\u00e4chst heran, altert und verschwindet irgendwann aufgrund seiner eigenen inneren Widerspr\u00fcche, und die menschlichen Gemeinschaften werden andere Zug\u00e4nge zur \u00d6konomizit\u00e4t und andere Wege, ihre Bed\u00fcrfnisse zu befriedigen, finden. Schon jetzt denken die \u00d6konomInnen dar\u00fcber nach, wie Wertsch\u00f6pfung ohne Finanzsystem und Banken funktionieren k\u00f6nnte, wenn alle Ressourcen des Planeten verbraucht sind. Was werden wir dann tun? Es ist Zukunftsforschung, aber \u00e4u\u00dferst ernst, weil sie wissen, dass diese Art zu wirtschaften, die wir kennen, nicht nat\u00fcrlich ist: Es ist eine gesellschaftliche Tatsache, ein Konstrukt, das Ergebnis einer soziohistorischen Dynamik. Wenn man das langfristig betrachtet, sieht man, dass die Menschen immer schon versucht haben, ihre Bed\u00fcrfnisse auf verschiedenste Arten zu befriedigen, und das werden sie auch in Zukunft tun. <br><br>Fangen wir also an, \u00fcber eine postkapitalistische Wirtschaft nachzudenken. Vor allem, da das derzeitige System, wie wir wissen, alles andere als nachhaltig ist: Sein \u00f6kologischer Fu\u00dfabdruck ist enorm (auf die zentrale Frage der Umwelt komme ich noch zur\u00fcck) und es ist nicht in der Lage, die Bed\u00fcrfnisse der Mehrheit zu erf\u00fcllen. Es befriedigt die Bed\u00fcrfnisse einer Minderheit und die Produktionskosten dieses Systems sind auf der ganzen Welt v\u00f6llig \u00fcberh\u00f6ht. Wir wissen bereits, dass es andere Wege gibt: gr\u00fcne, blaue oder lila Wirtschaft. Wir verf\u00fcgen \u00fcber ausreichend Erfahrungswerte, die uns zeigen, dass es alternative Produktionsformen und M\u00f6glichkeiten gibt, wie wir unsere Bed\u00fcrfnisse umweltschonend erf\u00fcllen und uns in Richtung eines \u00f6kologischen Wandels begeben k\u00f6nnen. Das ist nicht nur eine intellektuelle und wissenschaftliche Frage, sondern auch eine politische. Aber ebenso ist es eine gesellschaftliche Frage, weil sie mit unserer Vorstellungskraft und unserer Beziehung zur Wirtschaft zu tun hat. Wir m\u00fcssen noch intensiv an unserer Vorstellungskraft arbeiten, wenn wir die \u00dcberzeugung erlangen wollen, dass wir die notwendigen Mittel f\u00fcr ein anderes System, das effizient ist und einem gerechten sozialen Zweck dient, zur Verf\u00fcgung haben. <br><br>Ich m\u00f6chte an dieser Stelle nicht auf die Berichte des Weltklimarats \u00fcber alles, was wir bereits wissen und was schon Hunderte Male gesagt wurde, zur\u00fcckkommen. Was ich nicht verstehe, ist Folgendes: Wie kann es sein, dass wir trotz unseres gesammelten Wissens in Bezug auf diese Situation nicht in der Lage dazu scheinen, etwas zu bewegen und einen wirklichen Wandel einzuleiten? Woran liegt die Dichotomie zwischen dem, was wir wissen, und dem politischen und sozialen Handeln, das darauf basiert? Nehmen wir einmal nur dieses Jahr als Beispiel: Das Global Footprint Network, das sich mit dem \u00f6kologischen Fu\u00dfabdruck besch\u00e4ftigt, hat f\u00fcr das Jahr 2019 den 29. Juli als den Tag festgesetzt, an dem die Ressourcen des Planeten, die er innerhalb eines Jahres produzieren kann, verbraucht sind. Wir haben jetzt November. Das bedeutet, dass die Menschheit seit Ende Juli auf Pump lebt. Seit Ende Juli haben wir s\u00e4mtliche Ressourcen f\u00fcr unser Wirtschaftssystem und unseren Lebensstil zur G\u00e4nze ersch\u00f6pft. Um bis zum Jahresende weiterhin essen, heizen und reisen zu k\u00f6nnen, beuten wir die \u00d6kosysteme und ihre Kapazit\u00e4t zur Regeneration \u00fcber alle Ma\u00dfen aus. Dieser Tag, den man \u201eEarth Overshoot Day\u201c nennt, wurde im Lauf der letzten Jahrzehnte immer fr\u00fcher und fr\u00fcher erreicht. <br><br>1961, also vor noch gar nicht allzu langer Zeit, war am Ende des Jahres noch ein Viertel aller Ressourcen des Planeten \u00fcbrig. Am Ende des Jahres hatten wir von den Ressourcen, die wir zum Leben, Essen und f\u00fcr die Mobilit\u00e4t ben\u00f6tigten, nur 75 % verbraucht \u2013 das war im Jahr 1961. Seit 1970 bauen wir Jahr f\u00fcr Jahr ein Defizit auf und borgen uns Ressourcen von der Erde aus, die wir nicht zur\u00fcckzahlen k\u00f6nnen. Heute \u00fcberschreitet unser Konsum die verf\u00fcgbaren Ressourcen bereits um 70 % und wir br\u00e4uchten 1,7 Planeten, um unsere aktuellen Bed\u00fcrfnisse zu erf\u00fcllen. Seit der industriellen Revolution befinden wir uns in einem Zeitalter, das wir Anthropoz\u00e4n nennen. Der Mensch hat einen signifikanten Einfluss auf das \u00d6kosystem und viele WissenschafterInnen vertreten die Ansicht, dass das zum dominierenden bzw. gr\u00f6\u00dften \u00f6kologischen Problem geworden ist. Der negative Einfluss unseres Handelns macht ein Umdenken bez\u00fcglich der Modelle der Industrialisierung, unseres Konsumverhaltens und unserer Beziehung zur Umwelt notwendig, aber damit erz\u00e4hle ich Ihnen nichts Neues. Wenn wir genauer \u00fcber diese Frage nachdenken, wird uns bewusst, dass unsere Probleme ontologischer Natur sind und darin begr\u00fcndet sind, wie wir unser Sein in Bezug auf alle anderen Lebewesen definieren. <br><br>Unser modernes Zeitalter ist ein Zeitalter der gro\u00dfen Dichotomien: zwischen K\u00f6rper und Geist, Natur und Kultur. Wir haben eine instrumentale Beziehung zur Natur, die wir in eine reine Ressource verwandelt haben. In dem Moment, in dem wir beschlossen haben, uns die Natur untertan zu machen, haben wir s\u00e4mtliche andere Lebewesen objektiviert. Der Mensch hat in der zentralen Stellung, die er heute einnimmt, vergessen, dass seine eigentliche Ontologie relationaler Natur war und dass er kein Wesen war, das von allen anderen getrennt war. Er hat sich diese fiktive Vorstellung zurechtgelegt, in der er selbst nicht zu den anderen Lebewesen z\u00e4hlt, die er somit wie Objekte behandeln und f\u00fcr seine eigenen Zwecke benutzen kann. Diese nicht relationale Ontologie ist es, die dazu gef\u00fchrt hat, dass wir alle anderen Lebewesen ausbeuten \u2013 eine Situation, aus der wir heute Schwierigkeiten haben auszusteigen. <br><br>Es ist nat\u00fcrlich eine philosophische und ontologische Herausforderung, unseren Platz auf diesem Planeten und unsere Beziehungen zu anderen Lebewesen zu \u00fcberdenken, aber es ist auch eine Herausforderung, die Kategorien, mit Hilfe derer wir das Wohlbefinden evaluieren, in Frage zu stellen. Das BIP hat sich zur wichtigsten Kategorie in dieser Hinsicht entwickelt. Sieht man sich das BIP jedoch an, wird deutlich, dass es nicht alle Produktionskosten erfasst: Weder die Umwelt- und die sozialen Kosten noch unbezahlte Hausarbeit fallen hinein. Die Unternehmen k\u00f6nnen ihre Gewinne, so sie welche erzielen, evaluieren, aber der gesellschaftliche Zweck der Unternehmen sollte eigentlich genau so bewertbar werden: Inwiefern hat das wirtschaftliche Handeln des Unternehmens oder das wirtschaftliche Handeln im Allgemeinen die Bef\u00e4higung (capability) des Einzelnen gest\u00e4rkt \u2013 um ein Konzept von Amartya Sen aufzugreifen? Inwiefern hat das wirtschaftliche Handeln zur Freiheit des Einzelnen, das zu tun und zu sein, was ihm wichtig ist, beigetragen? Inwiefern hat das wirtschaftliche Handeln zum Wohlergehen im weiteren Sinne beigetragen? <br><br>Auch in dieser Hinsicht gibt es grundlegende Arbeit zu leisten, um die seit dem 18. Jahrhundert dominanten wirtschaftlichen Kategorien in Bezug auf das Wohlergehen hinter uns zu lassen. Wenn unser Ziel das Wohlergehen der menschlichen Gemeinschaften ist, gibt es eine ganze Reihe an immateriellen Faktoren, die absolut grundlegend sind. Als ich hier angekommen bin und herzlich empfangen wurde, erfuhr ich etwa Freundlichkeit und Gastfreundschaft, was zu meinem Wohlbefinden beigetragen hat. Im BIP finden jedoch weder harmonisches Zusammenleben noch Gastfreundschaft Erw\u00e4hnung, und sie flie\u00dfen nat\u00fcrlich auch nicht in die Berechnung ein. Das BIP enth\u00e4lt nicht alle relationalen Werte, die zu meinem Wohlbefinden beitragen. Das Wetter, die Tatsache, dass es drau\u00dfen sch\u00f6n ist und dass die Sonne strahlt und damit zu meinem Wohlbefinden beitr\u00e4gt, wird im BIP nicht ber\u00fccksichtigt. Ich k\u00f6nnte Ihnen noch eine Vielzahl solcher Beispiele nennen. Damit m\u00f6chte ich nur verdeutlichen, dass die Realit\u00e4t auf reine Statistik reduziert und abstrahiert wird. Was zu unserem Wohlbefinden beitr\u00e4gt, geht \u00fcber die wirtschaftliche Sph\u00e4re hinaus, und dennoch herrschen \u00f6konomische Kriterien in dieser Evaluierung vor. <br><br>Wir m\u00fcssen also unsere Evaluierungskriterien wie zum Beispiel die Arbeit \u00fcberdenken. Ich m\u00f6chte das am Beispiel Afrikas veranschaulichen: Wenn man den demografischen Vorhersagen Glauben schenken darf, wird es im Jahr 2100 ca. 4 Milliarden AfrikanerInnen geben, was 40 % der Weltbev\u00f6lkerung ausmachen wird. Der gr\u00f6\u00dfte Anteil junger Menschen im Alter zwischen 25 und 45 Jahren wird in Afrika leben. Das bedeutet, dass die Weltjugend afrikanisch sein wird. Angesichts dieser Anzahl an Menschen scheint unser jetziger Ansatz der Erwerbsarbeit schwer durchf\u00fchrbar. Wie soll man all diesen Milliarden Menschen einen bezahlten B\u00fcrojob verschaffen? Das bedeutet also, dass wir den Faktor Arbeit \u00fcberdenken m\u00fcssen, genauso wie die Verteilung der Eink\u00fcnfte zwischen Kapital und Arbeit, und dass wir sogar \u00fcber die Bezahlung nachdenken m\u00fcssen. Im Grunde ist es ja so, dass wir den Eindruck haben, wir w\u00fcrden f\u00fcr unsere Arbeit bezahlt, wo wir doch in Wahrheit f\u00fcr unseren Job bezahlt werden. Wenn mein Unternehmen mich k\u00fcndigt, verliere ich mein Einkommen. Mit Arbeitslosenunterst\u00fctzung kann ich einige Zeit \u00fcberbr\u00fccken, aber das Unternehmen bezahlt weiterhin f\u00fcr den Posten, nur eben jemand anderen, der ihn \u00fcbernimmt. <br><br>Es gibt zahlreiche \u00dcberlegungen bez\u00fcglich des bedingungslosen Grundeinkommens und philosophische \u00dcberlegungen, die besagen, dass alle Menschen und alle Reicht\u00fcmer dieser Welt Teil eines gemeinsamen kognitiven kulturellen Erbes sind und dass der Zugang zu diesen Ressourcen jedem Einzelnen auf der simplen Grundlage seines menschlichen Daseins offen stehen muss, damit seine W\u00fcrde gewahrt bleibt. In D\u00e4nemark hat man interessante Erfahrungen mit dem bedingungslosen Grundeinkommen gemacht, das Menschen in einem eigens daf\u00fcr ausgew\u00e4hlten Viertel ausbezahlt wurde. Es hat sich gezeigt, dass die Nutznie\u00dferInnen sich zwar mit der Jobsuche l\u00e4nger Zeit lassen, daf\u00fcr aber dann eine Arbeit finden, mit der sie zufrieden sind. Es h\u00e4lt sie nicht von der Arbeitssuche ab, es macht sie nicht faul, diese Vorurteile haben sich nicht bewahrheitet. Es gibt ihnen aber mehr Freiheit und die M\u00f6glichkeit, sich einen Job zu suchen, in dem sie sich entfalten k\u00f6nnen. Das sind also die Wege, die uns offen stehen: <br><br>Erstens, die Mechanismen der \u00d6konomie \u00fcberdenken. Eine der dominanten Vorstellungen lautet, dass Wettbewerb die Produktivit\u00e4t steigert. In gewisser Weise stimmt das, weil der Wettbewerb die einzelnen Marktteilnehmer dazu zwingt, ihre Kapazit\u00e4ten zu vergr\u00f6\u00dfern und zu optimieren. Aber die Spieltheorie hat uns gezeigt, dass Kooperation in der Wirtschaft in vielen F\u00e4llen Formen des Gleichgewichts herstellt, die st\u00e4rker sind als das Konkurrenzgleichgewicht. Bei den meisten F\u00e4llen von Konkurrenzgleichgewicht handelt es sich um das sogenannte Nash-Gleichgewicht, das suboptimal ist. Oftmals erzeugen Einverst\u00e4ndnis und Kooperation ein weitaus besseres Gleichgewicht als der Wettbewerb. Diese Form des wirtschaftssozialen Darwinimus, die in der Biologie keine G\u00fcltigkeit hat und eine schlechte \u00dcbersetzung der Darwinschen Evolutionstheorie ist, findet sich als zentrale Kategorie im gesellschaftlichen Raum wieder, indem der Annahme Glauben geschenkt wird, dass wir den Wettbewerb brauchen, um mehr und besser produzieren zu k\u00f6nnen, was so per se nicht stimmt. <\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12 wrapper__offset-large--0\">\n\t\t\t\t\n<figure class=\"block-image-caption\">\n\t<div class=\"image-wrap block-image-caption__image-wrap\" data-align=\"center center\">\n\n\t\t\t<img\n\t\t\tsrc=\"http:\/\/tippingpoint.net\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/tippingtalk_god_6496.jpg\"\n\t\t\tclass=\"image  block-image-caption__image\"\n\t\t\talt=\"Foto: \u00a9 ERSTE Stiftung \/ APA-Fotoservice \/ Jacqueline Godany\"\n\t\t\/>\n\t\n\t<\/div>\t<figcaption>\n\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--small paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-image-caption__paragraph\">\n\tFoto: \u00a9 ERSTE Stiftung \/ APA-Fotoservice \/ Jacqueline Godany<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tZweitens, die nicht marktwirtschaftlichen Wirtschaftsr\u00e4ume ausdehnen. Elinor Ostrom, die vor einigen Jahren den Nobelpreis f\u00fcr ihre Auseinandersetzung mit dem \u00f6ffentlichen Gut, den Allmendeg\u00fctern, der Fischereiwirtschaft und der Miteigent\u00fcmerschaft erhielt, hat gezeigt, dass die Mechanismen des Marktes bzw. der staatlichen Regulierung f\u00fcr die L\u00f6sung einer Vielzahl der Probleme, mit denen wir uns besch\u00e4ftigen, weitaus weniger gut funktionieren als Mechanismen des Einverst\u00e4ndnisses, des Verhandelns, der Kooperation und der Diskussion. <br><br>Ich m\u00f6chte auf die Frage zur\u00fcckkommen, wie wir uns eine postkapitalistische Zukunft vorstellen k\u00f6nnen. Das gro\u00dfe Problem, mit dem wir dabei konfrontiert sind, ist die Tatsache, dass wir Teil unseres Systems sind und es kaum schaffen, es von au\u00dfen beziehungsweise aus einem anderen Blickwinkel oder aus reflexiver Distanz zu betrachten. Das ist ganz nat\u00fcrlich. Wir sind weder Objekte noch als Subjekte von unseren Objekten getrennt. Wir sind Teil des Raums, den wir beleuchten wollen. Aber es ist m\u00f6glich, indem wir uns darauf st\u00fctzen, was bereits da ist, die Erfahrungen, die bereits gemacht wurden und die realen und konkreten Utopien, die wir hier und heute haben. Eines der Missverst\u00e4ndnisse in der Vorstellung einer postkapitalistischen Zukunft scheint mir zu sein, dass das kapitalistische System durch eine Alternative ersetzt werden muss, die genauso allumfassend ist. Und nachdem wir dieses ebenso vereinnahmende und allumfassende System nicht sehen k\u00f6nnen, haben wir den Eindruck, dass diese Aufgabe unm\u00f6glich zu l\u00f6sen ist. Dabei k\u00f6nnten wir versuchen, den Kapitalismus zu schw\u00e4chen, indem wir Alternativen mit emanzipatorischem Anspruch in seinen Rissen konstruieren \u2013 von diesen Rissen gibt es n\u00e4mlich mehr als genug. Die M\u00e4rkte haben Risse, das System ist fehlerhaft, und genau in diesen Spalten k\u00f6nnen wir ansetzen. <br><br>Dieses Nachdenken \u00fcber die postkapitalistische Zukunft muss nat\u00fcrlich mit einer Analyse der Machtverh\u00e4ltnisse und der Bedingungen der M\u00f6glichkeiten dieser neuen Welt einhergehen. Die Machtverh\u00e4ltnisse sind heutzutage ung\u00fcnstig f\u00fcr jene, die sich diese neue Welt w\u00fcnschen, und zwar auf der globalen Ebene. Aber es gibt ein meiner Meinung nach sehr wichtiges und fruchtbares Konzept, auf das man sich berufen kann, n\u00e4mlich das der realen Utopie und das der konkreten Utopie. Die Utopie ist ein philosophisches Konzept, das mit dem Begriff des \u201eanderen Orts\u201c zusammenh\u00e4ngt. Dabei handelt es sich nicht um einen Wunschtraum, der sich niemals erf\u00fcllen wird. Es ist vielmehr ein atopos, ein Ort, der nicht da ist. Mithilfe dieser Utopie k\u00f6nnen wir R\u00e4ume des M\u00f6glichen und der M\u00f6glichkeit in der Realit\u00e4t entdecken. Mit ihrer Hilfe k\u00f6nnen wir sagen, dass die Realit\u00e4t, die wir am heutigen Tag erleben, vor zwei Monaten nur ein Raum in der Wirklichkeit war, eine Idee, die Boris und Verena und ihr Team hatten. Vor einigen Monaten war sie noch nicht Realit\u00e4t. Doch sie haben diesen Raum er\u00f6ffnet und durch ihr Handeln, das uns zum heutigen Tag und zu diesem gemeinsam erlebten Moment in unserer Realit\u00e4t gef\u00fchrt hat, m\u00f6glich gemacht. Vor einigen Monaten war es eine Utopie, heute ist es Wirklichkeit geworden. Es war ein Raum in der Wirklichkeit, der auf uns gewartet hat. Er war bereits da, aber es hat unsere Begeisterung, unseren Willen und unser Handeln gebraucht, um ihn zu erm\u00f6glichen und zu einem Teil unserer historischen Zeit zu machen. <br><br>Das ist das Wichtigste: die Geschichte als Raum von M\u00f6glichkeiten zu betrachten. Die Geschichte, die wir erleben, passiert einfach, sie ist keine Notwendigkeit, sondern reich an einer Vielzahl von M\u00f6glichkeiten. Alle Alternativweltgeschichten, alle kontrafaktischen Geschichten haben diesen Zweck: die Wirklichkeit unter dem Gesichtspunkt dessen zu sehen, was als Realit\u00e4t firmiert, aber genauso auch die M\u00f6glichkeiten zu sehen. Miguel Abensour, ein franz\u00f6sischer Philosoph, der voriges Jahr verstorben ist, hat sich viel mit der Frage der Utopie besch\u00e4ftigt und diese als die immerw\u00e4hrende Suche nach einer gerechten und guten politischen Ordnung bezeichnet. Es geht darum, Folgendes zu sagen: Meine Lebensrealit\u00e4t passt mir nicht, ich bin unzufrieden damit, aber im Raum der Wirklichkeit gibt es M\u00f6glichkeiten, wie ich mich weiterhin auf die Suche nach einer weitaus gerechteren und faireren Ordnung machen kann. Die Alternativweltgeschichte hilft uns dabei, die Spannung zwischen Utopie und Realit\u00e4t aufzul\u00f6sen. Wenn ich von Utopien spreche, meine ich nicht die globalisierenden totalit\u00e4ren Utopien des 20. Jahrhunderts, die in Trag\u00f6dien geendet haben. Der Beitrag der Utopie besteht darin, uns die Plastizit\u00e4t der Welt zu er\u00f6ffnen (die Welt ist schlie\u00dflich plastisch) und die Geschichte als einen Raum von M\u00f6glichkeiten und Produktivit\u00e4t zu imaginieren. <br><br>Wir befinden uns hier in einem Theater und ich w\u00fcrde gern abschlie\u00dfend die Bedeutung des Imagin\u00e4ren im Prozess der Wirklichkeitsschaffung hervorheben. Cornelius Castoriadis hat ein hervorragendes Buch geschrieben, in dem er zeigt, dass sich Gesellschaften in erster Linie \u00fcber ihre Vorstellung errichten. Wenn es uns also nicht gelingt, uns eine wohlhabende Welt, in der die Wirtschaft dem Wohlergehen vieler dient, vorzustellen, werden wir es kaum schaffen, diese Welt Wirklichkeit werden zu lassen. Und dieses Imagin\u00e4re, diese Utopie, spielt eine grundlegende Rolle, wenn es darum geht, wie m\u00f6gliche Zukunftsvisionen beschaffen sind. Die gro\u00dfe Schwierigkeit der Zukunft besteht darin, dass sie in unserer Vorstellung kaum Form annimmt. Wenn sie eintritt, dann meist in einer Form, die wir uns nicht vorstellen konnten. Aber das sollte uns nicht davon abhalten, sie mit Intentionalit\u00e4t zu erf\u00fcllen.<br><br>Mit diesen Worten m\u00f6chte ich meinen Vortrag gern beenden. Diese Welt, dieses Universum oder diese Realit\u00e4t, in der unser Wirtschaftssystem dazu beitr\u00e4gt, dass jeder Einzelne von uns viel st\u00e4rker aufbl\u00fchen kann und seine anf\u00e4ngliche bzw. urspr\u00fcngliche Vision, das Wohlergehen m\u00f6glichst vieler sicherzustellen, wieder aufnimmt, ist m\u00f6glich und vorstellbar. Und zumindest f\u00fcr mich kann ich feststellen: Ich habe das Gef\u00fchl, dass ein solches System bereits am Vormarsch ist, weil es so viele Menschen an so vielen Orten der Welt gibt, denen v\u00f6llig bewusst ist, dass diese Zukunft Wirklichkeit werden muss, damit die Welt ein lebenswerter Ort f\u00fcr uns alle wird. Vielen Dank f\u00fcr Ihre Aufmerksamkeit.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<em>Dieser Text ist das Transkript eines Vortrages, der anl\u00e4sslich der <a href=\"http:\/\/magazine.erstestiftung.org\/de\/200\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Tipping Point Talks 2019<\/a> der ERSTE Stiftung am 27. November 2019 in Wien gehalten wurde. Aus dem Franz\u00f6sichen von Laura Scheifinger. <br><br>Dieser Text ist urheberrechtlich gesch\u00fctzt: \u00a9 Felwine Sarr. Bei Interesse an Wiederver\u00f6ffentlichung bitten wir um Kontaktaufnahme mit der <a href=\"http:\/\/magazine.erstestiftung.org\/de\/erste-stiftung\/impressum\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Redaktion<\/a>. Urheberrechtliche Angaben zu Bildern, Grafiken und Videos sind direkt bei den Abbildungen vermerkt.  Titelbild: Felwine Sarr bei den ERSTE Foundation Tipping Point Talks 2019. Foto: \u00a9 ERSTE Stiftung \/ APA-Fotoservice \/ Jacqueline Godany<\/em><br><br><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<em>Der vierte Tipping Point Talk wird realisiert in Kooperation mit <a href=\"https:\/\/\u00fcbermorgen.at\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">\u00fcberMorgen \u2013 Der Gesellschaftspolitische Diskurs<\/a>, ein Projekt der Industriellenvereinigung und des Roten Kreuz, mit Unterst\u00fctzung der ERSTE Stiftung.<\/em><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie l\u00e4sst sich ein ganzheitliches Konzept f\u00fcr den Wohlstand vieler anstatt nur einiger weniger umsetzen?<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1921,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[436,268],"tags":[419,470,420],"formats":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3658"}],"collection":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3658"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3658\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5074,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3658\/revisions\/5074"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1921"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3658"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3658"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3658"},{"taxonomy":"format","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/formats?post=3658"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}