{"id":3645,"date":"2019-09-26T00:00:00","date_gmt":"2019-09-26T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/erste-foundation.byinfinum.co\/das-rohr\/"},"modified":"2021-08-17T13:10:32","modified_gmt":"2021-08-17T13:10:32","slug":"das-rohr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/das-rohr\/","title":{"rendered":"Das Rohr"},"content":{"rendered":"<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<strong>Es ist ein Donnerstagmorgen im August, der \u00fcber die Zukunft der Bauern entscheiden soll. Um neun Uhr steht die Sonne im griechischen Kavala schon recht hoch am Himmel. Die 40 Bauern warten im Schatten einiger gro\u00dfgewachsener Walnussb\u00e4ume. Es herrscht jene aufgeladene Stille, die eintritt, bevor etwas passiert. Eigentlich w\u00fcrden die Bauern jetzt auf ihren Feldern arbeiten, aber heute gibt es Wichtigeres zu tun. Denn ihnen gegen\u00fcber stehen an einen alten Trecker gelehnt 15 Arbeiter der Gegenseite. In gelbe und rote Westen geh\u00fcllt, Schutzhelme auf dem Kopf, die Spaten bereit, warten sie darauf, ihre Arbeit fortsetzen zu k\u00f6nnen. Am fr\u00fchen Morgen hatten die Bauern ihre Arbeit gestoppt und eine Genehmigung gefordert. Eine Genehmigung daf\u00fcr, dass die M\u00e4nner Rohre der TAP-Pipeline unter ihre Felder legen. \u201eDas werden wir nicht zulassen! \u201c, ruft Themis Kalpakidis, der Vorsitzende der Bauernvereinigung, der jetzt vor dem Eingang des Maisfeldes steht.<\/strong><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tBauern und Arbeiter, sie streiten um etwas, das es noch gar nicht gibt: Die Trans-Adriatische Pipeline, kurz TAP, die Erdgas von einem Gasfeld in Aserbaidschan nach Europa transportieren soll. Was ab 2020 die Energiequellen f\u00fcr die Europ\u00e4er diversifizieren wird, ist hier, in der Region Kavala, Griechenland, in der schon flimmernden Morgensonne nur noch einen Schritt von einem Handgemenge entfernt. Die Lippen aufeinandergepresst, lehnen Arbeiter und Bauern nun gemeinsam \u00fcber der K\u00fchlerhaube eines wei\u00dfen Jeeps. Skeptisch mustern die Bauern die Dokumente, die die Arbeiter darauf ausgebreitet haben. Bis einer der Arbeiter entnervt den Bebauungsplan zusammenfaltet und die Plastikhocker und Messger\u00e4te wieder in die Jeeps wuchtet. F\u00fcr heute haben die Bauern gewonnen, aber der Kampf um die Pipeline ist damit keineswegs entschieden.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tDrei Tage zuvor sitzt der Biogasbauer Themis Kalpakidis in seinem blauen Traktor und zieht lange Bahnen auf einem abgeernteten Feld. Vor ein paar Wochen bl\u00fchte hier in grellem Gelb der Raps, jetzt bedeckt dunkelbraune Jauche den Boden. \u201eSeit ich klein bin, bin ich mit aufs Feld gegangen. Das war etwas, das ich wirklich gerne mochte\u201c, sagt Kalpakidis. \u201eWir lieben unser Land und k\u00e4mpfen gegen die Pipeline, weil wir Angst haben, dass sie unsere Region zerst\u00f6rt.\u201c Die Fensterscheiben schirmen ihn vom stechenden Gestank ab. Mit seinem Handr\u00fccken wischt er sich die Schwei\u00dfperlen von der Stirn. Die Finger, die das Lenkrad umgreifen, sind abgenutzt, die Haut rau. Kalpakidis, 51, sonnengegerbtes Gesicht, graue Haare und ebensograue Bartstoppel, \u00f6ffnet eine Landkarte auf seinem Smartphone. Eine pinkfarbene Linie zieht sich einmal quer \u00fcber den dunkelgr\u00fcnen Bildschirm, Kalpakidis w\u00fcrde sie am liebsten ausradieren. Es ist die Route der TAP, eines transnationalen Infrastrukturprojektes, an dem die britischen BP, die staatliche norwegische Statoil und SOCAR, die nationale \u00d6lgesellschaft Aserbaidschans, beteiligt sind. TAP meint also nicht nur die Pipeline selbst, sondern ist auch der Name des Unternehmens, das f\u00fcr den Bau verant\u00acwortlich ist. \u201eIn diesem Kampf geht es uns nicht um pers\u00f6nliche Vorteile, wir tun das f\u00fcr unsere Gemeinschaft, f\u00fcr unsere Kinder\u201c, sagt der Bauer. Seit f\u00fcnf Jahren k\u00e4mpft er nun diesen ungleichen Kampf. Dabei hat er nichts gegen die Pipeline, nur etwas gegen deren Route. Denn die verl\u00e4uft direkt durch die Felder, die bekannt sind f\u00fcr ihre fruchtbare, moorige Erde und die den Bauern ihre Zukunft sichern. F\u00fcr diese Felder f\u00fchlt sich Themis Kalpakidis als Pr\u00e4sident der Bauernvereinigung verantwortlich \u2013 auch wenn seine eigenen Grundst\u00fccke au\u00dferhalb der geplanten Route liegen. Aufgeben kommt f\u00fcr ihn nicht in Frage.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--biggest paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-quote__paragraph\">\n\t\u201eWir lieben unser Land und k\u00e4mpfen gegen die Pipeline, weil wir Angst haben, dass sie unsere Region zerst\u00f6rt.\u201c<\/p><p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--small paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-quote__author\">\n\t\u2014  Themis Kalpakidis, Pr\u00e4sident der Bauernvereinigung in Kavala, Griechenland<br><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t517 Kilometer westlich von Kavala, in dem kleinen Dorf Strum im Westen Albaniens, hockt Festim Malka auf seinem Wassermelonenfeld. Mit groben Bewegungen sticht er zuerst einen runden Deckel aus der Melone, dann schneidet er eine Spalte heraus, sodass ihr saftig-rotes Fleisch zum Vorschein kommt. \u201eEcht Bio, komm her und probier!\u201c, ruft er mit kratziger Stimme, die selbstgedrehte Zigarette steckt noch zwischen seinen wei\u00dfen Z\u00e4hnen. Mit seinen Ledersandalen und der beigefarbenen Caprihose sieht Malka gar nicht so aus, wie man sich einen Bauern vorstellt. Anders als sein griechischer Kollege Themis Kalpakidis hat er den Kampf gegen die Pipeline schon verloren. Seit fast einem Jahr sind ihre Rohre im Boden. Zwei Meter tief verl\u00e4uft die Pipeline einmal quer durch sein Grundst\u00fcck. Als die Leute von Abkons, dem albanischen Subunternehmen von TAP, vor zweieinhalb Jahren das erste Mal zu ihm kamen, weigerte er sich zu unterschreiben. Aber dann h\u00e4tten sie gesagt, dass es Gesetze gebe, mit denen sie ihm die Grundst\u00fccke wegnehmen k\u00f6nnten, sie w\u00fcrden dann in Grundst\u00fccke der Regierung umgewandelt. Also unterschrieb er doch und bekommt seither 350 Euro Grundst\u00fccksmiete \u2013 pro Jahr. \u201eH\u00e4tte ich den Sommer \u00fcber, also drei Monate lang, auf diesem Feld Wassermelonen angepflanzt, dann h\u00e4tte ich mindestens 2.800 Euro im Jahr verdient\u201c, sagt Malka. Jetzt aber drohen seine Wassermelonen und Tomaten immer wieder zu ertrinken. Denn wenn es regnet, sammelt sich das Wasser auf seinem Feld und kann nicht mehr abflie\u00dfen. Schuld daran sei die Drainage, die im Zuge des Pipelinebaus gemacht wurde und die die nat\u00fcrliche Laufrichtung des Wassers \u00e4ndere. Die D\u00e4mme, die er notd\u00fcrftig errichtet hat, halten den Wassermengen nicht stand. Malka sagt, er habe sich bei den Arbeitern vor Ort beschwert. Ein Anwalt w\u00e4re zu teuer und zu weit weg gewesen. Nach Tirana zu fahren, daf\u00fcr habe er keine Zeit. Dann schiebt er mit einem resignierten Lachen hinterher: \u201eAu\u00dferdem, seit wann kann der kleine Fisch den gro\u00dfen fressen, und das in diesem Land?\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--biggest paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-quote__paragraph\">\n\tDie Wassermelonen ertrinken jetzt. Das Wasser flie\u00dft nicht mehr ab.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tNach Angaben der Nichtregierungsorganisation Bankwatch, die die Auswirkungen des Pipeline-Baus untersucht hat, sind in Albanien etwa 80 Gemeinden, deren Existenz zu einem gro\u00dfen Teil von Landwirtschaft abh\u00e4ngig ist, von der TAP betroffen. Das Unternehmen TAP weist darauf hin, dass von insgesamt 10.585 Grundst\u00fccken, die in Albanien auf der Route der TAP liegen, 22 Prozent, also 2.374, f\u00fcr den Bau enteignet wurden. Dies sei laut TAP das letzte Mittel und werde vor allem dann angewendet, wenn Landbesitzer und -nutzer keine entsprechenden Dokumente nachweisen k\u00f6nnten. Genau wie Malka haben viele Albaner keine offiziellen Urkunden, die ihren Besitz dokumentieren. \u201eDas Ganze hat meiner Familie, aber nicht mir geh\u00f6rt. Ich baue hier seit 20 Jahren an, aber nun musste ich erst einmal die Papiere fertigmachen, um zu beweisen, dass dies mein Grundst\u00fcck ist\u201c, sagt Malka. Die anderen 78 Prozent haben ihr Grundst\u00fcck an TAP vermietet oder verkauft. So wie Festim Malka am Ende auch.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tMehr als zwei Drittel der R\u00f6hren der gesamten TAP-Strecke sind bereits im Boden, die Bauarbeiten der Pipeline sind fast fertig. Ab 2020 soll sie Erdgas von einem Gasfeld in Aserbaidschan bis nach Italien bringen, von wo aus es \u00fcber bestehende Gasleitungen in andere europ\u00e4ische L\u00e4nder flie\u00dft. F\u00fcr Europa bedeutet die Pipeline, die durch Griechenland, Albanien und Italien verl\u00e4uft, vor allem eines: Etwas mehr Unabh\u00e4ngigkeit vom russischen Gas, das derzeit rund 40 Prozent der europ\u00e4ischen Nachfrage in H\u00f6he von 548 Milliarden Kubikmeter befriedigt. Damit ist der russische Anteil an Europas Gasimporten so hoch wie nie zuvor. In den kommenden Jahren soll die Nachfrage nach Erdgas in der EU weiter steigen, als Br\u00fcckentechnologie soll Gas Kohle- und Atomkraft auf dem Weg hin zu einer Umstellung auf erneuerbare Energien ersetzen. Um den russischen Anteil daran zu verringern, nimmt die EU einiges in die Hand: Die TAP ist mit geplanten Gesamtkosten von 4,5 Milliarden Euro das aktuell gr\u00f6\u00dfte und teuerste Infrastrukturprojekt der Europ\u00e4ischen Union. Das sind die Zahlen auf den Folien der Projektmanager. Auf ihrer Strecke von Ost nach West passiert die TAP insgesamt 19.060 Grund\u00acst\u00fccke und begegnet 45.000 Landbesitzern. Ein riesiges Energieprojekt also, das f\u00fcr sich reklamiert, im Sinne aller europ\u00e4ischen B\u00fcrger zu sein und dabei die Not einer Gruppe von Bauern in Kauf nimmt. Deshalb erz\u00e4hlt der Bau dieser Pipeline eine Geschichte \u00fcber die Frage: In wiefern d\u00fcrfen die Interessen der Mehrheit gegen jene einer Minderheit durchgesetzt werden? Und: Wieviel Kollateralschaden darf ein Projekt mit sich bringen, wie muss es damit umgehen? Wer darf letztlich dar\u00fcber entscheiden?<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12 wrapper__offset-large--0\">\n\t\t\t\t\n<figure class=\"block-image-caption\">\n\t<div class=\"image-wrap block-image-caption__image-wrap\" data-align=\"center center\">\n\n\t\t\t<img\n\t\t\tsrc=\"http:\/\/tippingpoint.net\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/ilirtsouko_tap_albania-8100531.jpg\"\n\t\t\tclass=\"image  block-image-caption__image\"\n\t\t\talt=\"Foto: \u00a9 Ilir Tsouko\"\n\t\t\/>\n\t\n\t<\/div>\t<figcaption>\n\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--small paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-image-caption__paragraph\">\n\tAuf ihrem 870 Kilometer langen Weg von Ost nach West passiert die TAP mehr als 19.000 Grundst\u00fccke. Foto: \u00a9 Ilir Tsouko<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tWie eine unterirdische Schlange windet sich die TAP auf 870 Kilometern durch abgeschiedene albanische Bergd\u00f6rfer, dichte W\u00e4lder, vorbei an arch\u00e4ologischen Aus-grabungen. Kurz vor Philippi, einer antiken r\u00f6mischen Stadt, die 2016 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erkl\u00e4rt wurde, kommt sie am Fu\u00dfe des Lekani-Gebirges zum Stehen. M\u00fchsam k\u00e4mpft sich Lefteris Kotaidis alter Gel\u00e4nde\u00acwagen den Berg hoch, vorbei an orangefarbenen Absperrb\u00e4ndern. Aus dem linken Fenster blickt er in einen vier Meter tiefen Spalt. Oben auf dem Berg stoppt Kotaidis, der die Region als ehemaliger B\u00fcrgermeister gut kennt, das Auto. Entlang des Bergr\u00fcckens frisst die Pipeline eine hellbraune Narbe in den dunkelgr\u00fcnen Waldteppich. Geht es nach den Bauern, dann w\u00fcrde die Route an dieser Stelle nicht die Berge verlassen, um anschlie\u00dfend hinunter ins Tal zu f\u00fchren, sondern einfach hier oben bleiben, ohne die Felder der Bauern zu ber\u00fchren. Kotaidis b\u00fcckt sich und zeichnet mit einem Stein zwei Linien in den sandigen Boden \u2013 eine Route, die der TAP-Betreibergesellschaft ebenfalls vorgeschlagen wurde. \u201eEs ist die Pflicht von TAP, beide Routen zu untersuchen und die beste zu finden. Aber das haben sie nicht getan. Sie sind gleich bei der geblieben, die sie anfangs vorgeschlagen hatten\u201c, sagt Kotaidis. Die geotechnische Kammer Griechenlands hat die Route ebenfalls untersucht. Sie weist auf die landwirtschaftlichen Sch\u00e4den hin, die die aktuelle Route mit sich bringen w\u00fcrde. Lisa Givert von der TAP-AG hingegen schreibt, dass man beide Verl\u00e4ufe untersucht und sich f\u00fcr jene mit den geringsten Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft entschieden habe.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--biggest paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-quote__paragraph\">\n\tDie TAP ist das aktuell gr\u00f6\u00dfte und teuerste Infrastrukturprojekt der Europ\u00e4ischen Union.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tAm Fu\u00dfe des Lekani-Gebirges, dort, wo die Pipeline den Berg verlassen soll, sitzt der Bauer Spyros Prousaef auf seinem hellgr\u00fcnen Traktor und schreit sich den Frust aus der Seele: \u201eSie werden hier nie vorbeikommen, nur \u00fcber unsere Leichen!\u201c Prousaefs Feld ist das erste auf der elf Kilometer langen Strecke des Widerstandes. 70 Prozent der Landbesitzer hier weigern sich, einen Miet- oder Kaufvertrag mit TAP zu unterschreiben. Prousaef, Anfang 40, gr\u00fcnes Poloshirt, bulliger Typ, war einer der ersten. Nicht nur, dass die schweren Maschinen der TAP die Struktur der Erde zerst\u00f6ren und somit die Bedingungen f\u00fcr den Ackerbau ver\u00e4ndern w\u00fcrden, nein, Prousaef wehrt sich auch gegen die Art und Weise, wie sich TAP den Bauern gegen\u00fcber verh\u00e4lt. Man habe versucht, sie zu teilen, die einzelnen Bauern mit Geld zu k\u00f6dern: \u201eMan h\u00e4tte sich auch mit uns allen an einen Tisch setzen k\u00f6nnen, um eine gemeinsame L\u00f6sung zu finden.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12 wrapper__offset-large--0\">\n\t\t\t\t\n<figure class=\"block-image-caption\">\n\t<div class=\"image-wrap block-image-caption__image-wrap\" data-align=\"center center\">\n\n\t\t\t<img\n\t\t\tsrc=\"http:\/\/tippingpoint.net\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/ilirtsouko_tap_greece-7301039.jpg\"\n\t\t\tclass=\"image  block-image-caption__image\"\n\t\t\talt=\"Photo: \u00a9 Ilir Tsouko\"\n\t\t\/>\n\t\n\t<\/div>\t<figcaption>\n\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--small paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-image-caption__paragraph\">\n\tThemis Kalpakidis ist Bauer in Kavala und der Anf\u00fchrer der Proteste gegen die aktuelle Route der TAP. Foto: \u00a9 Ilir Tsouko<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tVertrocknet von der Augustsonne, lassen Prousaefs Sonnenblumen ihre K\u00f6pfe h\u00e4ngen. In 25 Tagen wird das Feld abgeerntet, samt St\u00e4ngel werden sie dann zu Biodiesel verarbeitet. Liegt das Feld erst einmal brach, so seine Angst, werde es f\u00fcr TAP ein Leichtes sein, zu graben. So wie damals, am 6. Oktober 2016, als er einen Anruf von einem Freund erh\u00e4lt, der unbekannte Personen in gelben Westen auf seinem Feld gesehen habe. Kurz darauf steht Prousaef dort 15 Arbeitern gegen\u00fcber. Wenig sp\u00e4ter stehen auch 70 Bauern auf dem Feld. Die Arbeiter hatten bereits eine gerade Ebene vorbereitet und diese mit gelben Pfeilern markiert. Aber Prousaef erz\u00e4hlen sie, dass sie sich verlaufen h\u00e4tten. Vor f\u00fcnf Jahren hatte er im Internet eine Karte gefunden. Damals hatte er das erste Mal von der Pipeline erfahren. \u201eAber von der Firma habe ich nie etwas geh\u00f6rt.\u201c Prousaef behauptet, dass TAP nie auf ihn zugekommen w\u00e4re, ihm nie einen Kauf- oder Mietvertrag vorgelegt h\u00e4tte. Sie h\u00e4tten kein Recht, sein Feld ohne seine Erlaubnis zu betreten, deshalb hat er sie angezeigt \u2013 seit zwei Jahren wartet er nun darauf, dass die Justiz etwas unternimmt. F\u00fcr Prousaef ist TAP ein Dieb, nur, dass sie statt in sein Haus in sein Feld einbrechen. Ohne daf\u00fcr von der Justiz bestraft zu werden. Deshalb ist er zu seinem eigenen Sicherheitsmann geworden. Mindestens zwei Mal am Tag kommt er auf sein Feld, um zu kontrollieren, ob es jemand unerlaubt betreten hat.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--biggest paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-quote__paragraph\">\n\tMindestens zwei Mal am Tag kontrolliert er, ob jemand unerlaubt sein Feld betritt.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tTAP dagegen behauptet, seit 2013 mehrere \u00f6ffentliche und auch pers\u00f6nliche Treffen durchgef\u00fchrt zu haben, in denen sie die betroffenen Menschen \u00fcber ihre Rechte und den Verlauf der Pipeline informiert h\u00e4tten. Nur in F\u00e4llen, in denen eine Einigung nicht zustande gekommen sei, h\u00e4tte die Firma von ihrem Recht Gebrauch gemacht, das Grundst\u00fcck auch ohne Zustimmung des Besitzers zu betreten. Rechtliche Grundlage f\u00fcr dieses Vorgehen sei der sogenannte \u201eforced process\u201c, eine im griechischen Recht verankerte Praxis. Anders als bei einer Enteignung w\u00fcrde der Eigent\u00fcmer laut TAP nicht sein Eigentumsrecht verlieren, nach Abschluss der Bauarbeiten werde das Grundst\u00fcck an die rechtm\u00e4\u00dfigen Eigent\u00fcmer und Nutzer zur\u00fcckgegeben. Eine Enteignung auf Zeit, sozusagen. Bauer Spyros Prousaef sagt, er habe von diesem Gesetz noch nie etwas geh\u00f6rt.<br><br>Soll man aber tats\u00e4chlich R\u00fccksicht auf die Interessen von hundert Personen nehmen, wenn es f\u00fcr ganz Europa darum geht, sich energiepolitisch von Russland zu l\u00f6sen? Wo h\u00f6rt das individuelle Recht zugunsten jenes aller auf? Das Gesetz hat darauf eine klare Antwort: Wenn das \u00f6ffentliche Wohl betroffen ist, in diesem Fall die Versorgungssicherheit durch Erdgas, k\u00f6nnen Grundrechte wie jenes auf Eigentum oder Natur eingeschr\u00e4nkt werden. Am Anfang eines solchen Prozesses steht eine G\u00fcterabw\u00e4gung. Was ist wichtiger: dass der Bauer sein Geld verdient oder dass das Projekt umgesetzt wird? Auch in \u00d6sterreich ist dieses Verfahren g\u00e4ngige Praxis. Etwa, wenn eine neue Autobahntrasse gelegt wird. Die Demokratie hat eine L\u00f6sung f\u00fcr solche Konflikte. Kurz gesagt: Die Mehrheit gewinnt.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tVor allem, wenn es nicht nur um eine Autobahn geht. Mit der TAP gebe es zum ersten Mal eine Pipeline, die Erdgas aus dem kaspischen Raum nach Europa bringt, sagt Kirsten Westphal, Energieexpertin von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. \u201eMan hat damit einen Link in eine interessante Region, nach Turkmenistan, Iran und dem \u00f6stlichen Mittelmeer, wo gro\u00dfe Gasreserven liegen. Das ist geopolitisch bedeutsam.\u201c Vor allem, seit Europas eigene Gasreserven abnehmen. Nicht zuletzt seit der Ukrainekrise, in der es zu Gasversorgungsengp\u00e4ssen gekommen war, wird die Abh\u00e4ngigkeit von russischem Gas in Europa zunehmend in Frage gestellt. Mit dem dritten Energiepaket distanziert sich die EU zum ersten Mal von Russland. Unter anderem verbietet es dem Betreiber einer Pipeline, gleichzeitig Gaslieferant zu sein. Diese Regelung zielt eindeutig auf den russischen Gasmonopolisten Gazprom, der bisher beide Funktionen aus\u00fcbte. Man d\u00fcrfe die Bedeutung der TAP aber auch nicht \u00fcberbewerten, meint die Energieexpertin: \u201eDie TAP wird j\u00e4hrlich zehn Milliarden Kubikmeter Erdgas nach Europa bringen. Im Vergleich zu Russland, das im vergangenen Jahr 187 Milliarden Kubikmeter geliefert hat, ist das nur ein kleiner Anteil, der aber zur Diversifizierung beitr\u00e4gt.\u201c Das gro\u00dfe Ganze ver\u00e4ndere die TAP damit also nicht.<br><br>Trotzdem ist die TAP \u00fcberall: In den Strategiepapieren der EU-Beamten, in Kavala, in den K\u00f6pfen der griechischen Bauern und im Boden des Albaners Festim Malka. Zu sehen bekommt man sie aber nur selten. Wer ihr beim Werden zuschauen m\u00f6chte, muss ins s\u00fcdalbanische Bergland, nach Skrapar fahren. Skrapar ist eine der letzten Regionen Albaniens, in der die Pipeline noch nicht im Boden ist. Neben einem Wohnhaus man\u00f6vrieren Arbeiter schwarze, etwa vier Meter lange Stahlrohre mit einem Kran in eine vorbereitete Grube. Mit rund eineinhalb Metern Durchmesser sind sie gerade so breit, dass geb\u00fcckt ein Mensch hindurchgehen kann.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--biggest paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-quote__paragraph\">\n\t&#8220;TAP wird zehn Milliarden Kubikmeter Gas liefern &#8211; Russland 187 Milliarden.&#8221;<\/p><p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--small paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-quote__author\">\n\t\u2014  sagt Kirsten Westphal, Energieexpertin von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin<br><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tDie Region Skrapar geh\u00f6rt zu den \u00e4rmsten Gegenden in Albanien. Isoliert durch schlecht erschlossene Stra\u00dfen, konnte sie sich nur langsam entwickeln. Elektrizit\u00e4t gibt es in Albanien seit den 70er-Jahren, aber die meisten Menschen hier kochen und heizen mit Gas aus zugekauften Kanistern. \u201eDank der TAP hat sich das Leben in unserer Gemeinschaft ver\u00e4ndert\u201c, sagt Krenar Xhaferraj, Direktor f\u00fcr Tourismus und Auslandsbeziehungen, der in einem Caf\u00e9 in der Altstadt von \u00c7orovoda, dem Hauptort von Skrapar sitzt. Ein Ort, der inmitten all der Armut unerwartet neu und sauber daherkommt: gepflegter Rasen, neues Pflaster, frisch gepflanzte B\u00e4ume, die die neu asphaltierte Stra\u00dfe s\u00e4umen. Seitdem hier vor vier Jahren begonnen wurde, die Pipeline zu bauen, hat das Konsortium viel Geld in neue Stra\u00dfen und andere Projekte gesteckt. Nun sollen die Touristen kommen: zum Beispiel zum Raften in die Schlucht von Osum. Das zumindest ist der Plan.<br><br>Ein neuer Kindergarten, neue Ger\u00e4te f\u00fcr das Krankenhaus, Investitionen in H\u00f6he von 60 Millionen Euro, \u00fcber 1.000 Menschen, die bei TAP einen Job gefunden haben \u2013 die Menschen, denen man hier in Skrapar begegnet und nach der TAP fragt, sind dankbar. Der Bau der Pipeline hat ihre Lebensverh\u00e4ltnisse verbessert. Das ist die lokale Sichtweise. Doch was au\u00dfer den Transitgeb\u00fchren bringt die TAP Albanien, dem Land, das sich als EU-Beitrittskandidat schwer gegen Br\u00fcsseler Interessen stellen kann? Noch ist jedenfalls ungewiss, ob von den TAP-Rohren Gas auch ins albanische Netz eingespeist werden wird. Zurzeit bezieht das Land seinen Strom zu hundert Prozent aus Wasserkraft, die Wetterschwankungen ausgesetzt ist. In Zeiten von Stromarmut muss teuer aus dem Ausland zugekauft werden. Auch deshalb hofft man in der Hauptstadt Tirana neben den Einnahmen aus dem Gastransit auf einen erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen zwischen der Regierung und TAP. Sicher ist dies nicht.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tNatasha Ceta jedenfalls hat die Pipeline bislang nur Ungl\u00fcck gebracht. Die schweren Transporter, die eben noch um die Serpentinen bogen, fahren direkt an ihrem Grundst\u00fcck vorbei und wirbeln den Staub in die Rosen, die in ihrem Garten stehen. Ceta, eine kleine, \u00e4ngstliche Frau, hockt auf einem der durchgesessenen braunen Stoffsofas auf ihrer Terrasse und knetet ihre H\u00e4nde. Sie hat Angst, dass TAP ihr das nimmt, was f\u00fcr sie am wertvollsten ist: ihr Haus. 20 Jahre hat Natasha daf\u00fcr in Griechenland gearbeitet. Genau 20 Meter liegen zwischen ihrem Sofa und der Pipeline. Genug, um sich au\u00dferhalb der Sicherheitszone zu befinden, wo laut TAP keine H\u00e4user gebaut werden d\u00fcrfen, um \u00e4u\u00dfere Einfl\u00fcsse auf die Pipeline fernzuhalten und Gaslecks zu verhindern. Doch sicher f\u00fchlt sich Ceta deshalb nicht. <\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t\u201ePl\u00f6tzlich f\u00e4ngt der Boden an zu beben, ein acht Meter langer Riss tut sich vor meinem Haus auf. Am Ende wird er es verschlingen. Jede Nacht habe ich diesen Traum\u201c, sagt sie. Seit drei Jahren. Geld, um sich woanders ein Haus zu kaufen, wollte TAP ihr nicht geben. Erst, wenn ihr Haus tats\u00e4chlich Schaden nehmen w\u00fcrde, h\u00e4tte sie Anspruch darauf. Von drinnen bringt Ceta einen Plastiksack, aus dem sie einen Papierstapel zieht, den sie vor sich auf den Tisch legt. \u201eAls sie am Anfang hierherkamen, haben sie gesagt, ich solle nun endlich unterschreiben und nicht erst den ganzen Vertrag lesen, weil ich daf\u00fcr Wochen brauchen w\u00fcrde.\u201c Also unterschrieb sie. Hinter dem Haus, im Schatten eines Berges, bleibt Ceta vor einem leeren Acker stehen. \u201eDas hier war mein Grundst\u00fcck. Hier standen Olivenb\u00e4ume, die waren mindestens sechs Jahre alt\u201c, sagt sie mit br\u00fcchiger Stimme. Zwar hat sie daf\u00fcr eine Entsch\u00e4digung in H\u00f6he von 170.000 Lek, umgerechnet etwa 1.300 Euro, bekommen, aber das wiegt nicht auf, was sie verloren hat: Als die Mitarbeiter von TAP angefangen haben, die Olivenb\u00e4ume auszurei\u00dfen, ist ihr Mann Michal nach Griechenland gefahren. Er konnte nicht mitansehen, wie die B\u00e4ume, die er aus Griechenland hergebracht und mit seinen eigenen H\u00e4nden gepflanzt hatte, in weniger als einem Tag zerst\u00f6rt wurden. Seitdem lebt sie allein. Warum die Pipeline, die ihr Leben so durcheinandergebracht hat, gebaut wird, wei\u00df Ceta nicht. Aber sie wei\u00df, wer davon profitiert: \u201eDas sind die Europ\u00e4er. Bei uns hier bleibt das Problem. Wir haben verloren. Ich pers\u00f6nlich jedenfalls.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tDie protestierenden Bauern von Kavala, sie w\u00fcrden Natasha Ceta sicher zustimmen. An Themis Kalpakidis, dem Vorsitzenden der Bauernvereinigung, geht der Kampf gegen die TAP nicht ohne Spuren vor\u00fcber. Dennoch f\u00fchrt er ihn weiter. Als er am 27. Juni in den Gerichtssaal von Kavala gef\u00fchrt wird, taumelt er: Am Tag zuvor hatten Polizisten ihn und sieben weitere M\u00e4nner vom Feld weg verhaftet, wo sie die TAP-Arbeiter behindert hatten. Aus Protest gegen die leeren Versprechen der Politik und die Unt\u00e4tigkeit der Justiz war er acht Tage zuvor in den Hungerstreik getreten. Im Gerichtssaal bricht er zusammen, das Verfahren wird auf Dezember verschoben, er und seine Mitstreiter freigelassen. Von den Kindern im Dorf wird Themis seit dem Hungerstreik als Held gefeiert, die Bev\u00f6lkerung steht zu dem Protest. Immer wieder gelingt es den Bauern, mit Sitzblockaden die Grabungen zu stoppen. Auch, weil die Genehmigungen der Baufirma mittlerweile nicht mehr g\u00fcltig sind und weil die Arbeiter \u00dcberreste einer Stra\u00dfe aus der Antike gefunden haben.<br><br>Kalpakidis sitzt an seinem Schreibtisch im B\u00fcro. Immer wieder klingelt sein Handy. Seit dem Hungerstreik klagt er immer wieder \u00fcber Bauchschmerzen. Au\u00dferdem hat er wieder angefangen zu rauchen. Der Kampf gegen die Pipeline hat tiefe Furchen in seinem Gesicht hinterlassen. \u201eIch glaube, das liegt an den Menschen, mit denen ich mich im Zuge dieses Streits immer \u00f6fter auseinandersetzen muss. Das sind schwierige, unfreundliche Menschen. Sie haben kein Herz, das f\u00e4rbt auf mich ab.\u201c Seine Familie findet, er sei \u00e4ngstlicher, besorgter geworden.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--biggest paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-quote__paragraph\">\n\tAm Ende ist es nun einmal meist das Anliegen der Minderheit, das im Interesse der Mehrheit geopfert wird.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tWas ist die Pipeline nun also, Fluch oder Segen? Auf diese Frage gibt es zwei Antworten, und beide haben ihre Berechtigung. Am Ende ist es nun einmal meist das Anliegen der Minderheit, das im Interesse der Mehrheit geopfert wird. In dieser Geschichte sind das die Bauern, die zum Kollateralschaden der europ\u00e4ischen Energiepolitik werden. Ihre \u00c4ngste und Sorgen, sie m\u00f6gen noch so nachvollziehbar sein \u2013 im Vergleich zur Gr\u00f6\u00dfe des Projektes erscheinen sie Europa vernachl\u00e4ssigbar. Ist es \u00fcberhaupt m\u00f6glich, ein Projekt in dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung umzusetzen, ohne dabei auch die legitimen Interessen einiger Menschen zu verletzen? Wenn ja, dann ist es im Fall der TAP jedenfalls nicht gelungen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tZwischen Strandbar und Menschen in Liegest\u00fchlen im albanischen Fier verl\u00e4sst die Trans-Adriatische Pipeline Albanien in Richtung Italien. Noch in diesem Herbst soll sie dort in die Adria gef\u00fchrt werden. Zehn Stunden braucht die F\u00e4hre vom nahegelegenen Hafen in Vlora bis zur Hafen\u00acstadt Brindisi, Italien. Das Erdgas, das in zwei Jahren entlang des Meeresbodens in etwa die gleiche Strecke nehmen wird, wird nur halb so lang brauchen. Ab 2020 wird hier auf 30 Grad gek\u00fchltes Gas flie\u00dfen. Europa ist gl\u00fccklich, in einem Jahr wird die Pipeline mit einer gro\u00dfen Feier eingeweiht werden. Medien, Politiker, sie alle werden die TAP an diesem Tag als wichtige Versorgungsroute der EU feiern. Welche Narben sie dabei in den Transitl\u00e4ndern hinterlassen hat, bleibt dann vermutlich unerz\u00e4hlt.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t\n<ol class=\"block-footnotes js-footnote-list\">\n\n<\/ol>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Pipeline TAP soll Gas aus Aserbaidschan in die EU leiten. 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