{"id":3642,"date":"2019-09-10T00:00:00","date_gmt":"2019-09-10T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/erste-foundation.byinfinum.co\/die-ermoeglichung\/"},"modified":"2021-07-07T18:35:39","modified_gmt":"2021-07-07T18:35:39","slug":"die-ermoeglichung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/die-ermoeglichung\/","title":{"rendered":"Die Erm\u00f6glichung"},"content":{"rendered":"\n\n\t\n\t\t\t
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\n\tMacht sich der Fortschritt selbst\u00e4ndig? Und wie sieht es eigentlich mit uns aus?<\/strong><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tWer Visionen hat, braucht vielleicht einen Arzt – aber um sicherzugehen, ob was dahintersteckt, einen Fernseher oder ein Kino. Von dort aus l\u00e4sst sich gut feststellen, was es mit der verbreiteten Auffassung zur Digitalisierung und K\u00fcnstlichen Intelligenz auf sich hat: Dass wir Menschen, weil fehlerhaft, sehr bald schon von selbstlernenden Maschinen und Robotern ins Ausgedinge geschickt werden.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tDas Mittel der Wahl w\u00e4re hier Stanley Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum<\/em> aus dem Jahr 1968. Darin fliegt die Besatzung des Raumfrachters Discovery von der Erde zum Jupiter. W\u00e4hrend der Reise ist die Besatzung bis auf zwei Astronauten – David Bowman und Frank Poole – im Tiefschlaf. Dar\u00fcber, wie \u00fcber alle anderen Details der Raumfahrt, wacht der k\u00fcnstlich intelligente Supercomputer HAL 9000. Die Abk\u00fcrzung steht f\u00fcr \u201eH<\/strong>euristisch programmiertes Al<\/strong>gorithmisches System\u201c. Der Rechner entscheidet nicht nur nach starren Regeln, die der Code vorgibt. Er kann sich an L\u00f6sungen herandenken<\/em>, so wie Menschen das tun. Heuristiken sind Faustregeln, die man im Alltag einsetzt, wo man nie genug Informationen hat, um optimal zu entscheiden, und wo man stets ein wenig unter Druck steht, um die beste, ideale L\u00f6sung zu finden. Nicht durch Perfektion kommen wir voran, sondern durch Experiment. Versuch macht klug. Dabei kann nat\u00fcrlich auch mal was danebengehen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tTipping Point Talk #3 – M\u00f6glichkeit<\/h2>\n\t
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\n\tIm Jahr 2019 feiern Erste Bank und Sparkassen, sowie die ERSTE Stiftung das 200-j\u00e4hrige Jubil\u00e4um der Sparkassenidee: Sie war in Zeiten von Industrialisierung und Urbanisierung sozial und wirtschaftlich, sie war innovativ und k\u00fchn. Was erz\u00e4hlt uns die Sparkassenidee heute im Jahr 2019?

Der Journalist und Autor Wolf Lotter<\/a> begleitet in diesem Jahr die vier Tipping Point Talks<\/em><\/a>, eine Veranstaltungsreihe zu den Themenfeldern Identit\u00e4t, Normativit\u00e4t, M\u00f6glichkeit und K\u00fchnheit mit jeweils einem Essay. In diesem Text denkt er zu\u00a0M\u00f6glichkeit<\/em><\/a> nach.<\/p>\n\t<\/div>\n<\/div>\n\t<\/div>\n\n<\/div>\n\n\n\n

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\n\tIm Film macht HAL 9000 einen Fehler. Das aber zerst\u00f6rt das Vertrauensverh\u00e4ltnis zwischen der Besatzung und dem Computer. Bowman und Poole entschlie\u00dfen sich, ihm den Stecker zu ziehen. Doch HAL reagiert darauf aggressiv. Er t\u00f6tet Poole und liefert sich mit Dave Bowman ein Duell auf Leben und Tod. Die \u201eMission\u201c, das System, so betont HAL es immer wieder, steht \u00fcber allem. W\u00e4re er ein Mensch, man w\u00fcrde den Computer wohl einen Technokraten nennen. Er tut nur seine Pflicht. Bowman aber improvisiert, er denkt sich an die L\u00f6sung seines Dilemmas heran. Dadurch gelingt es ihm, dem Computer das Handwerk zu legen. Das Motto dieser Szene hat Immanuel Kant festgehalten: Sapere Aude. Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen. Nur das bringt uns voran.

Die Moral der Geschichte ist klar. Erstens: Maschinen, also auch Computer, sind unser<\/em> Werkzeug. Zweitens: In jeder neuen Situation gewinnt, wer sich auf das Herandenken<\/em> einl\u00e4sst, also nach L\u00f6sungen sucht und nicht nach Problemen. Als der Film 1968 erschien, war das klar. Die Beat-Pop-Jugend-Kultur hatte sich selbstbewusst ins Spiel gebracht. Die \u201e68er\u201c forderten Selbstbestimmung. Zukunft war eine Wahlm\u00f6glichkeit. Es kommt drauf an, was man draus macht. In einer Welt voller Siris und Alexas aber bl\u00fchen die Missverst\u00e4ndnisse.<\/p>\t<\/div>\n\n<\/div>\n\n<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tDie Digitalisierung ist ein weites Feld – und trotzdem nicht mehr als ein Teilabschnitt der Automatisierung. Wir Menschen bauen auf sie, seit wir Werkzeuge und Verfahren erdenken. Seit Beginn der Industrialisierung hat die Automatisierung aber richtig Fahrt aufgenommen. Der Deal klingt ganz einfach: Automaten erledigen die schwere Arbeit und die monotonen Routinen. Wir Menschen hingegen denken, l\u00f6sen Probleme also kreativ und originell. Weil dieser Prozess aber nicht einheitlich, sondern h\u00f6chst unterschiedlich schnell abl\u00e4uft, gibt es viele, die noch in der Welt der Routine leben und von ihr abh\u00e4ngig sind – materiell und kulturell – Modernisierungsverlierer und Modernisierungsgewinner. Wie h\u00e4lt man die Zahl der Verlierer so klein wie m\u00f6glich? Wie baut man den Fortschritt so, dass er barrierefrei ist? Und welche Vision brauchen wir, damit ein Wort wie Fortschritt nicht, wie heute, den meisten Angst, sondern wie Zuversicht gibt? Wie k\u00f6nnen wir uns ermutigen, nach vorne zu gehen?<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tIm Jahr 2013 erschien die Studie The Future of Employment<\/em> von Benedikt Frey und Michael Osborne. Darin versuchten die Forscher im Auftrag der Oxford Martin School die Auswirkungen von Robotik und Digitalisierung festzustellen. Bis zu 47 Prozent aller Arbeitspl\u00e4tze in den USA, so das Ergebnis, w\u00fcrden sich mit verf\u00fcgbarer Technologie ersetzen lassen. In einer Adaption der Studie auf die Verh\u00e4ltnisse in Deutschland waren es sogar 59 Prozent aller Jobs, die sich im Zuge der Digitalisierung und mit den heute erkennbaren technischen Mitteln einsparen lie\u00dfen. \u201eSeit der Ver\u00f6ffentlichung\u201c, so merkten die Verfasser der deutschen Adaption im Jahr 2018 an, \u201etobte eine geradezu religi\u00f6se Debatte \u00fcber die m\u00f6glichen Folgen von Automatisierung und Digitalisierung f\u00fcr den Arbeitsmarkt\u201c.nach www.ing-diba.de<\/a>, Februar 2019 abgerufen<\/sup><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tDie Studie benennt den gr\u00f6\u00dften Feind des Fortschritts und der Transformation: Die gr\u00f6\u00dften \u201eJobverluste\u201c drohen dort, wo sich wiederholende Arbeiten den gr\u00f6\u00dften Anteil an einer T\u00e4tigkeit haben – etwa bei \u201eB\u00fcrot\u00e4tigkeiten\u201c oder \u201eSachbearbeitern\u201c, deren Entscheidungen meist durch feste Regeln der Organisation vorgegeben sind. Akademiker hingegen m\u00fcssen kaum f\u00fcrchten, durch die Digitalisierung arbeitslos zu werden. Das liegt einfach daran, dass sie gelernt haben, zu lernen und zu entscheiden<\/em> – die Voraussetzungen f\u00fcr selbst\u00e4ndiges Handeln also. Das sind Schl\u00fcsselqualifikationen f\u00fcr die Wissensgesellschaft, in der Arbeit sich immer weniger durch Wiederholung, sondern lernendes Erschlie\u00dfen – Herandenken – ausdr\u00fcckt.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tEs ist also eher eine heute als Nebensache betrachtete Eigenschaft \u201eder Akademiker\u201c, die sich als wesentlich f\u00fcr ihren Erfolg in der Wissensgesellschaft entpuppt: Die F\u00e4higkeit, selbstbestimmter und selbst\u00e4ndiger zu arbeiten als andere. Daf\u00fcr muss man nicht studiert haben. Nat\u00fcrlich k\u00f6nnen das alle, die kreativ und weitgehend weisungsfrei t\u00e4tig sind, Handwerker oder K\u00fcnstler beispielsweise. Der Wissensarbeiter, so hat es Peter Drucker sinngem\u00e4\u00df formuliert, wei\u00df \u00fcber seine Arbeit mehr als sein Chef – er ist sozusagen die Antithese der Entfremdung, der Blackbox, die vor der Komplexit\u00e4t kapituliert. Der Wissensarbeiter hat gelernt, originell Probleme zu l\u00f6sen. Nicht dem Digital Native<\/em> geh\u00f6rt die Zukunft, sondern dem Creative Native<\/em>, der den ganz selbstverst\u00e4ndlichen Anspruch erhebt, dass die Technik ihm dienen, ihm nutzen soll, seinen Interessen wie auch jenen der Gemeinschaften, die er mitbegr\u00fcndet und weiterentwickelt.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tNicht dem “Digital Native” geh\u00f6rt die Zukunft, sondern dem “Creative Native”.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tDas alles ist ein gewaltiger Bruch mit der Kultur und Realverfassung der Industriegesellschaft, die bis heute unser politisches und soziales System dominiert. Die alten Erfolge bestanden ja gerade in Gleichf\u00f6rmigkeit, B\u00fcrokratie, Routinen und Normen. Sie bauten auf Vereinheitlichung, nicht auf Differenz. Aber sogar die neue Industrie, die man \u201eIndustrie 4.0\u201c nennt, ist nichts weiter als eine personalisierte Produktion. Es geht nicht mehr um Masse und Einheit. Es geht um die Erf\u00fcllung individueller Bed\u00fcrfnisse. In saturierten M\u00e4rkten geht auch gar nichts anderes als: Jeder nach seinen M\u00f6glichkeiten, jeder nach seinen Bed\u00fcrfnissen. Die Schl\u00fcsselqualifikation f\u00fcr die Wissensgesellschaft hei\u00dft Entscheidungsf\u00e4higkeit – dem Ergebnis des Selbstst\u00e4ndigen Denkens<\/em>.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tDie Pflichtlekt\u00fcre aller Digitalisierer wie auch jener, die sich vor deren Konsequenzen f\u00fcrchten, liegt vor: Hannah Arendts Vita Activa oder Vom t\u00e4tigen Leben<\/em>, in dem die gro\u00dfen Denkerin uns deutlich machte, was Arbeit ist und was – durchaus in Abgrenzung dazu – den Menschen ausmacht. \u201eArbeit\u201c definiert Arendt als unterste Ebene aller T\u00e4tigkeit, die Auseinandersetzung mit der Natur, die Nahrungsmittelproduktion und alles, was zum Erhalt des t\u00e4glichen Daseins dient. Es ist eine Welt der einfachen Dinge, die zusehends durch die Automation bestimmt wird. Dem folgt die Welt des \u201eHerstellens\u201c, also das, was Menschen unabh\u00e4ngig von der Natur zu schaffen imstande sind, Dinge wie Ideen, Kunstwerke, aber eben auch Werkzeuge, Roboter, Prozesse und Algorithmen. Die h\u00f6chste Form der T\u00e4tigkeit aber ist mit Arendt das Handeln, die Welt der sozialen Beziehungen, und \u201edie einzige T\u00e4tigkeit der Vita Activa, die sich ohne die Vermittlung von Materie, Material und Dingen direkt zwischen Menschen abspielt\u201c, wie Arendt schreibt.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tNichts in dieser Aufstellung ist verzichtbar, aber die Priorit\u00e4ten sind – das wird immer offensichtlicher – falsch gesetzt. Arendt warnte vor sechs Jahrzehnten schon vor den absehbaren Folgen. In der Industriegesellschaft – und damit auch in der gegenw\u00e4rtigen Konsumgesellschaft – geht es vorwiegend darum, dass Menschen arbeiten und konsumieren. Das Dilemma besteht darin, dass die Automatisierung so erfolgreich ist wie sie ist – und Arbeit im Sinne routinierter T\u00e4tigkeit allm\u00e4hlich ausstirbt. Wer aber sein Selbstwertgef\u00fchl fast ausschliesslich aus der Erwerbsarbeit zieht, wie es typisch ist f\u00fcr den Menschen der alten Arbeitskulturen, geh\u00f6rt damit ganz automatisch zu den Modernisierungsverlierern. Es l\u00e4sst sich nicht anders machen, macht uns Arendt klar: Je wirksamer die Automatisierung werde, umso gr\u00f6\u00dfer auch der Katzenjammer: \u201eWas uns bevorsteht, ist die Aussicht auf eine Arbeitsgesellschaft, der die Arbeit ausgegangen ist, also die einzige T\u00e4tigkeit, auf die sie sich noch versteht\u201c, schreibt die Denkerin.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tHeute ist offensichtlich, wovor Arendt vor mehr als einem halben Jahrhundert warnte. Es geht um die Einl\u00f6sung eines alten Versprechens: F\u00fcr jeden das Richtige. Genau das sind die Hausaufgaben unserer Zeit. Die Technologie nutzen, und von der Digitalisierung, ein oft schwammiger Begriff, klaren, konkreten Nutzen fordern. Es gen\u00fcgt nicht, mitzumachen. Jeder muss auch erkennen, was ihm der Fortschritt n\u00fctzt. Denn was uns bleibt, ganz gleich, welche T\u00e4tigkeit wir bisher ausge\u00fcbt haben, ist individuelle T\u00e4tigkeit. Selbst denken, selbst entscheiden, ein eigenes Leben leben. So haben sich das viele mit dem Paradies auf Erden nicht vorgestellt, noch nicht mal mit der Emanzipation, dem Versprechen der Aufkl\u00e4rung: Beides ist harte Arbeit. Wir m\u00fcssen lernen, selbstbestimmt zu leben.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tEs geht um die Einl\u00f6sung eines alten Versprechens: F\u00fcr jeden das Richtige. Genau das sind die Hausaufgaben unserer Zeit. Die Technologie nutzen, und von der Digitalisierung klaren, konkreten Nutzen fordern.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tNun gilt auch hier der Satz aller Transformation: Wer die Regeln brechen will, muss sie erst mal kennen. Um aus der Dystopie der Digitalisierung eine positive Vision zu machen, braucht es ein breites Bildungswerk. Es besteht heute nicht darin, m\u00f6glichst viel kurzfristige technische Fertigkeiten zu erlernen – etwa Programmieren – also sich ganz nach Art des industriellen Bildungssystems auf reproduzierbares Wissen zu konzentrieren. Es geht darum, selbst\u00e4ndiges Denken zu f\u00f6rdern und selbstbestimmtes Leben zu erm\u00f6glichen. Die Gesellschafter eine Zivilgesellschaft m\u00fcssen wissen, wie ihre gemeinsame Unternehmung funktioniert – und die Werkzeuge dazu, jedenfalls grundlegend. Es geht also darum, Zusammenh\u00e4nge zu verstehen, um selbstbestimmt entscheiden zu k\u00f6nnen. Und zu dieser ersten und wichtigsten Hausaufgabe der Wissensgesellschaft geh\u00f6rt auch, die Technologie von ihrem hohen Ross zu holen. Sie zu entzaubern hei\u00dft: Den Fortschritt ins eigene Leben holen, in den Alltag.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tArthur C. Clarke, der brillante Autor eben auch von Space Odyssey<\/em>, hat festgestellt, dass jede \u201efortgeschrittene Technologie von Magie nicht mehr zu unterscheiden\u201c sei – und das wird schnell zum faulen Zauber, wenn wir nicht fragen: Was ist der Sinn und Zweck von Technologie? Kann ich mich f\u00fcr – aber auch gegen – diesen Fortschritt entscheiden? Das sind keine neuen Fragen, sie sind nur seit langem unbeantwortet – und wir bekommen sie etwa in der Frage, wie wir die Digitalisierung f\u00fcr alle nutzen, mit Zins und Zinseszins wieder vorgelegt. Der Kern der Frage ist die alte Entfremdung, die die Industriearbeiter im 19. Jahrhundert erfuhren, als sie den Zusammenhang zwischen ihrer Arbeit und dem Ergebnis verloren. Die sp\u00e4tindustrielle Konsumgesellschaft hat sich an diese Entfremdung gew\u00f6hnt, aber sie bekommt ihr nicht. Wir sperren Komplexit\u00e4t aus und ein. Nicht nur das Digitale steckt in einer Blackbox, deren Inhalt den meisten r\u00e4tselhaft ist. Das f\u00fchrt entweder zu Gleichg\u00fcltigkeit oder Ohnmachtsgef\u00fchlen. Beides t\u00f6tet die Freiheit.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tSelbstbestimmung hei\u00dft, die Welt zu verstehen – jedenfalls so, dass man sich in ihr frei bewegen kann. Seine M\u00f6glichkeiten wahrnehmen. Es geht nicht darum, einfache Erkl\u00e4rungen f\u00fcr komplexe Lagen zu schaffen, sondern, wo immer es geht, andere zum Selberdenken zu ermutigen. Dazu braucht man gutes, aufrichtiges Leadership. Das ist nicht das Aus\u00fcben von Macht, auch nicht das Erziehen anderer, sondern ein nachhaltiges Erm\u00f6glichen und Ermutigen. Das erfordert auch den Mut der Ermutigten, von der Forderung zur Teilhabe weg hin zur Teilnahme zu kommen. Selbstbestimmung ist Selbsterm\u00e4chtigung. Und beides braucht das Selbstbewusstsein, dass ein Werkzeug eben nicht mehr als ein Werkzeug ist. Die Formel ist einfach: Bevor der Fortschritt sich selbst\u00e4ndig macht, machen wir das lieber selbst. <\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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    \n\tDieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz ver\u00f6ffentlicht: CC BY-NC-ND 3.0<\/a>. Der Name des Autors\/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden. Autor: Wolf Lotter \/ erstestiftung.org. Bei Interesse an Wiederver\u00f6ffentlichung bitten wir um Kontaktaufnahme mit der Redaktion<\/a>.
    Urheberrechtliche Angaben zu Bildern, Grafiken und Videos sind direkt bei den Abbildungen vermerkt. Titelbild: Hal 9000, Filmszene “2001: Odyssee im Weltraum” (2001: A Space Odyssey), USA\/GBR 1968, Regie: Stanley Kubrick, nach Roman von Arthur C. Clarke. Foto: \u00a9 NG Collection \/ Interfoto \/ picturedesk.com<\/em><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"

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