{"id":3632,"date":"2019-07-10T00:00:00","date_gmt":"2019-07-10T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/erste-foundation.byinfinum.co\/vom-alten-und-neuen\/"},"modified":"2021-08-24T13:25:13","modified_gmt":"2021-08-24T13:25:13","slug":"vom-alten-und-neuen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/vom-alten-und-neuen\/","title":{"rendered":"Vom Alten und Neuen"},"content":{"rendered":"
\n\tDie Geschichte der albanischen Hauptstadt ist so kurz, wie abwechslungsreich. In wenigen Jahren vom Dorf zur Metropole herangewachsen, soll Tirana nun ein Vorzeigebeispiel des modernen Lebens werden. Ganz ohne Konflikte geht das freilich nicht, meint Julia Putzger von Postcards from Albania<\/a>. <\/strong><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tAlbanien hat viele Gesichter. Das zeigt sich besonders in Tirana. Wer sich am Hauptplatz umschaut, der sieht eine moderne Stadt, die sich im wirtschaftlichen Aufschwung befindet und europ\u00e4isch denkt. Wer sich jedoch in die Randbezirke und Vororte im Norden wagt, der sieht Wasserbeh\u00e4lter auf den D\u00e4chern der bauf\u00e4lligen H\u00e4uschen, denn eine fl\u00e4chendeckende Wasserversorgung gibt es hier nicht. Und wer es schafft, einen Platz in den \u00fcberf\u00fcllten \u00f6ffentlichen Bussen zu ergattern und sich so im Schneckentempo zur\u00fcck ins Zentrum qu\u00e4lt, der sieht unterwegs riesige Plattenbausiedlungen, moderne B\u00fcrogeb\u00e4ude und jede Menge Baustellen. Tirana ist eine Stadt der Gegens\u00e4tze, die sich in einer Umbruchphase befindet. Neues erg\u00e4nzt und verdr\u00e4ngt Altes. Stadtentwicklungskonzepte sollen bei der Orientierung im Projekte-Dschungel helfen und ganzheitliche L\u00f6sungen finden.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tMehr als 800.000 Menschen leben heute im Ballungsraum Tirana \u2013 die Stadt alleine z\u00e4hlt laut offiziellen Angaben mehr als eine halbe Million Einwohner. Als das kommunistische Regime im Jahr 1991 zerfiel, waren es nur etwa halb so viele. Die neue \u00c4ra brachte eine Aufbruchsstimmung mit sich: Tausende Albaner wanderten nach Mitteleuropa aus, aber auch Tirana wurde zu einem Anziehungspunkt. Der regelrechte Ansturm auf die Hauptstadt f\u00fchrte dazu, dass diese sich besonders nach Norden hin stark ausdehnte. In das gesetzlose Durcheinander der damaligen Bebauung ist auch gegenw\u00e4rtig nur schwer Ordnung zu bringen. \n\tDer umfassendste Plan f\u00fcr Albaniens Hauptstadt nennt sich Tirana 2030. Ausgearbeitet hat ihn der italienische Stararchitekt Stefano Boeri, der international vor allem f\u00fcr innovative Fassadenbegr\u00fcnung bekannt ist. Boeri gewann mit seiner Idee der kaleidoskopischen Stadt \u2013 also einer Stadt, die in vielen Facetten gl\u00e4nzen kann \u2013 2016 den internationalen Wettbewerb und legte eine Strategie mit insgesamt 13 verschiedenen Projekten vor. Im Fokus steht die Schaffung von mehr Gr\u00fcnfl\u00e4chen und \u00f6ffentlich nutzbarem Raum sowie die Verbesserung der Infrastruktur. Dies betrifft besonders die Vororte, die mehr Eigenst\u00e4ndigkeit entwickeln und das Zentrum dadurch entlasten sollen. So soll ein sogenannter \u201evierter, gr\u00fcner Ring\u201c rund um die Stadt entstehen, der M\u00f6glichkeiten zur Naherholung bieten und gleichzeitig den Fluss des \u00f6ffentlichen Verkehrs optimieren k\u00f6nnte. Au\u00dferdem ist der Bau von 20 \u00f6ffentlichen Schulen vorgesehen. \n\tF\u00fcr das Fahrrad Veliajs besteht allerdings Verwechslungsgefahr: 4.000 St\u00fcck gibt es davon seit Kurzem \u2013 in ganz Tirana verteilt. Es handelt sich n\u00e4mlich um Leihfahrr\u00e4der der chinesischen Firma Mobike, die mit Hilfe einer App genutzt und an eigenen Fahrradparkpl\u00e4tzen abgestellt werden k\u00f6nnen. Die albanische Hauptstadt ist mit diesem Konzept ein Vorreiter am Balkan. Veliaj ist darauf stolz und sieht darin einen wichtigen Schritt in eine gr\u00fcnere Zukunft. Wie w\u00e4re es also, wenn der B\u00fcrgermeister sein Rad aus dem B\u00fcro schieben w\u00fcrde, um sein Tirana radelnd vorzustellen?<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\t\u201eWir haben den einst verkehrsreichsten zum belebtesten Ort der Stadt gemacht\u201c<\/p> \n\t\u2014 Erion Velija, B\u00fcrgermeister von Tirana <\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tDas Rathaus der Hauptstadt ist in einem rot-gelben Geb\u00e4ude untergebracht, das italienische Architekten zu Beginn des 20. Jahrhunderts erbauten. Es liegt direkt am Hauptplatz, der nach dem Nationalhelden Skanderbeg benannt ist \u2013 ihm zu Ehren steht eine \u00fcberlebensgro\u00dfe Statue im S\u00fcden des Platzes. Steigt Veliaj hier auf sein Fahrrad, kann er gro\u00dfe Kreise drehen und kein einziges Auto wird ihn dabei st\u00f6ren. Der Skanderbeg-Platz ist das Herz Tiranas, hier bietet die albanische Hauptstadt ausnahmsweise Raum f\u00fcr Ideen und Ruhe, f\u00fcr ihre Bewohner und ihre Besucher. Auf 97.000 Quadratmetern flanieren, genie\u00dfen und feiern Jung und Alt. Die weite Fl\u00e4che ist mit polierten Steinen aus allen Regionen Albaniens gepflastert, rundherum gibt es kleine gr\u00fcne Oasen. In den G\u00e4rten w\u00e4chst Salbei und Minze, das Laub der jungen Linden raschelt und zwischen den dichten Str\u00e4uchern der in Albanien typischen Macchia laden B\u00e4nke zum Verweilen ein. Albanien pr\u00e4sentiert sich hier europ\u00e4isch, aufstrebend und modern.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\t\u201eWir haben den einst verkehrsreichsten zum belebtesten Ort der Stadt gemacht\u201c, stellt der B\u00fcrgermeister zufrieden fest. Die Pl\u00e4ne zur Umgestaltung des Skanderbeg-Platzes stammen vom belgischen Architekturb\u00fcro 51N4E, bereits Veliajs Vor-Vorg\u00e4nger, der jetzige Premierminister Edi Rama, hatte \u00c4hnliches im Sinn. Schlie\u00dflich setzte man die Pl\u00e4ne 2017 mit finanzieller Unterst\u00fctzung der Vereinigten Arabischen Emirate erfolgreich um. Erfolgreich, weil das Projekt auch international Anklang fand: Unter 279 Einreichungen aus 32 L\u00e4ndern wurde die Neugestaltung des Skanderbeg-Platzes zum Gewinner der zehnten Ausgabe des European Prize for Urban Public Spaces 2018 gek\u00fcrt. Die Jury begr\u00fcndete ihre Entscheidung damit, dass es eine \u201ebewusste, aber nicht anma\u00dfende Verbindung zur nationalen Identit\u00e4t Albaniens\u201c gebe. Denn obwohl das Herz Tiranas ein Blick in die Zukunft des Landes zu sein scheint, k\u00f6nnte das Zentrum geschichtstr\u00e4chtiger nicht sein.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tBlick nach Norden: Brauste einst der Verkehr rund um den Skanderbeg-Platz, so dient er nach dem stilsicheren Umbau \u2013 mit seinen Gr\u00fcnoasen und den aus dem Boden sprudelnden Quellen \u2013 heute als Ort der Begegnung im Stadtzentrum. Fotos: \u00a9 Michael Sommer (heute), Robert Pichler (damals)<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tWer als Besucher nur wenige Tage in Albanien verbringt, droht sich im herrschenden Durcheinander zu verlieren. Es f\u00e4llt nicht leicht, sich zu orientieren \u2013 weder im Gewirr der Gassen noch beim Beurteilen dessen, was in albanischen Medien und in der Politik aufgeregt und oft schablonenhaft in Schwarz-Wei\u00df diskutiert wird. Auch, wenn man noch so umfassend recherchiert. Man k\u00f6nnte einfach in den Chor der Unzufriedenen einstimmen, die Korruption als allgegenw\u00e4rtig anprangern und sich lautstark wundern, warum denn nicht alles ganz anders gemacht wird. \n\tDer Skanderbeg-Platz im Wandel der Zeit<\/strong> \n\t\u201eStatt der versprochenen Gr\u00fcnfl\u00e4chen f\u00fcr die Bewohner der Stadt entsteht eine Betonw\u00fcste im Sinne der Unternehmer.\u201c<\/p> \n\t\u2014 Regierungskritiker Redi Muci<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tSinnbilder f\u00fcr Gemeinschaft und gesellschaftliche Treffpunkte sind am Balkan vor allem die belebten Basare. Zwischen den engen St\u00e4nden geht es drunter und dr\u00fcber, es wird gefeilscht, geschwatzt und genascht. Jener von Tirana befand sich einst neben der Et’hem-Bey Moschee, der \u00e4ltesten der Stadt, die direkt am Skanderbeg-Platz steht. Heute muss der B\u00fcrgermeister allerdings l\u00e4nger in die Pedale treten, um sich frisches Obst und Gem\u00fcse zu kaufen. Vom Hauptplatz aus geht es nach Osten, knapp 500 Meter entfernt glitzert das gl\u00e4serne Dach der neuen Markthalle. Dort herrscht Ordnung und Sauberkeit, es gibt breite G\u00e4nge zwischen den fix montierten Verkaufstischen. Der neue Basar ist eines von Veliajs Vorzeigeprojekten: \u201eIch glaube, wenn ich drei Lieblingsorte in Tirana nennen m\u00fcsste \u2013 und das ist wirklich nicht einfach \u2013 dann w\u00e4re der neue Basar dabei\u201c, erkl\u00e4rt der Politiker im Interview. Wer sich allerdings ein paar Stra\u00dfenecken weiter umsieht, lernt die andere Verkaufskultur Albaniens kennen: Winzige Garagenshops und H\u00e4ndler, die ihre Waren auf den ohnehin schon schmalen Gehwegen anbieten, offene K\u00fchltheken und wankende Regale, die wohl kaum den europ\u00e4ischen Hygiene- und Sicherheitsstandards entsprechen. Zwar gibt es mittlerweile Regeln, die solche Zust\u00e4nde unterbinden sollen, doch die n\u00f6tige Infrastruktur zur Umsetzung fehlt.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tPlatz f\u00fcr Verkaufsfl\u00e4chen g\u00e4be es eigentlich genug, doch viele der geplanten Geb\u00e4ude sind noch im Entstehen. Das markanteste dieser unvollendeten Projekte ist der 4 Evergreen Tower im S\u00fcdwesten des Skanderbeg-Platzes. Wie ein riesiger Wackelzahn ragt der 85 Meter hohe Beton-Rohbau schon seit zehn Jahren in die H\u00f6he, positiv gesehen k\u00f6nnte er Veliaj wohl als Orientierung beim Radfahren im Irrgarten von Tiranas Gassen dienen. Der 4 Evergreen Tower soll einmal einer von zehn unterschiedlichen T\u00fcrmen sein, die mit ihrem extravaganten Design und ihrer beachtlichen H\u00f6he aus dem Stadtbild hervorstechen. Einer davon ist bereits fertiggestellt, der TID Tower im Osten des Hauptplatzes. Mit den Arbeiten am von Boeri entworfenen Blloku Cube wurde j\u00fcngst begonnen. Die Sinnhaftigkeit dieser Geb\u00e4ude zweifeln vor allem Regierungskritiker wie Redi Muci an: \u201eStatt der versprochenen Gr\u00fcnfl\u00e4chen f\u00fcr die Bewohner der Stadt entsteht eine Betonw\u00fcste im Sinne der Unternehmer.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tTats\u00e4chlich haben bei der Stadtplanung Tiranas des \u00d6fteren einflussreiche Gesch\u00e4ftsleute ihre Finger im Spiel, meist mithilfe sogenannter \u00adPublic-Private-Partnerships, also Kooperationen zwischen privaten Investoren und der \u00f6ffentlichen Hand. Das bedeutet, dass die Regierung sich kostenintensive Projekte durch diese privaten Investoren finanzieren l\u00e4sst, im Gegenzug aber deren Interessen ber\u00fccksichtigt und ihnen beispielsweise Fl\u00e4chen \u00fcberl\u00e4sst oder deren Bauvorhaben in ihre Pl\u00e4ne integriert. Tiranas B\u00fcrgermeister Veliaj w\u00e4hlt h\u00e4ufig diesen Weg, um die Entwicklung der Stadt voranzutreiben \u2013 schlie\u00dflich ist das Stadtbudget sehr knapp.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tAktuellstes Beispiel daf\u00fcr sind die Pl\u00e4ne f\u00fcr den Neubau des Nationaltheaters. Nur wenige Schritte hinter dem Rathaus gelegen \u2013 f\u00fcr Veliaj w\u00fcrde es sich kaum lohnen, sich auf den Draht\u00adesel zu schwingen \u2013 befindet sich das unauff\u00e4llige Geb\u00e4ude, das aus der Zeit des italienischen Faschismus stammt. Es geh\u00f6rt zu den wenigen historischen Geb\u00e4uden, die es in Tirana noch gibt. Wohl auch deshalb h\u00e4ngen Schauspieler und Stadtbewohner an ihrem alten Nationaltheater. Aus funktionellen Gr\u00fcnden scheint ein Neubau allerdings unumg\u00e4nglich, urspr\u00fcnglich war der Bau n\u00e4mlich ein Kino.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tUrsache f\u00fcr die schon seit Juni 2018 fast t\u00e4glich stattfinden Proteste gegen die Pl\u00e4ne der Regierung f\u00fcr das Nationaltheater ist aber eine andere: Etwa zwei Drittel des Areals, das derzeit der Stadt geh\u00f6rt, w\u00fcrde dann an private Investoren \u00fcbergehen, die dort die Errichtung eines riesigen Geb\u00e4udekomplexes umsetzen wollen. F\u00fcr Veliaj und die Stadt Tirana scheint der Deal perfekt: Die Baufirma Fusha Shpk wird Grundeigent\u00fcmer, im Gegenzug daf\u00fcr baut sie das Nationaltheater. F\u00fcr die Stadt entstehen keine Kosten, sondern ein Mehrwert in Form der Immobilie. \u201eWir m\u00fcssen uns eben manchmal mit privaten Investoren zusammenschlie\u00dfen, damit es m\u00f6glich ist, sich Anschaffungen sofort leisten zu k\u00f6nnen\u201c, erkl\u00e4rt Veliaj lapidar. Im Fall des Nationaltheaters hat dieser Zusammenschluss aber einen bitteren Beigeschmack: F\u00fcr das Projekt gab es zwar eine \u00f6ffentlich Ausschreibung, darin wurde allerdings bereits Fusha Shpk als Partner f\u00fcr das lukrative Tauschgesch\u00e4ft vorgeschlagen. Laut dem Nachrichtenblog Exit: Explaining Albania soll die Firma der Regierung nahestehen und schon an \u00e4hnlichen Projekten in Tirana mitgewirkt haben. Damit andere Mitbewerber nicht von vornherein benachteiligt werden, hat Premierminister Rama j\u00fcngst einen neuen Gesetzesentwurf vorgestellt, der diesem Umstand zumindest formal vorbeugt. Hinter den Kulissen scheint der Bau des vom d\u00e4nischen Architektenb\u00fcro Bjarke Ingels Group entworfenen Nationaltheaters dennoch bereits beschlossene Sache zu sein.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tWenn Veliaj auf dem Boulevard D\u00ebshmor\u00ebt e Kombit, einer der wichtigsten Verkehrsachsen zum Zentrum Tiranas, nach S\u00fcden radelt, dann gibt es sogar einen markierten Radweg und zudem viele Projekte zu begutachten. Linkerhand zieht vor allem die Pyramide die Blicke auf sich. Der deplatziert wirkende Betonklotz br\u00f6selt seit Jahren vor sich hin und war urspr\u00fcnglich als Mausoleum f\u00fcr den kommunistischen Diktator Enver Hoxha geplant. Als vor einigen Jahren \u00fcber den Abriss diskutiert wurde, erwachte allerdings wieder ein Verlangen nach dem Bewahren in den K\u00f6pfen vieler Albaner. Statt ein futuristisches, neues Parlamentsgeb\u00e4ude an dessen Stelle zu bauen, \u00fcberlie\u00df man die Pyramide also weiterhin dem Verfall und den Kindern, die regelm\u00e4\u00dfig die schr\u00e4gen Betonw\u00e4nde noch oben kraxeln. Veliaj verk\u00fcndete im Juni 2018 erneut seine altbekannten Pl\u00e4ne: Die Pyramide soll zum weltweit gr\u00f6\u00dften Zentrum f\u00fcr Jugendliche umgebaut werden, die Programmieren lernen wollen. Wann das passiert, steht allerdings, wie bei vielen Projekten zur Stadtentwicklung, nicht genau fest.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tDie Pyramide ist derzeit ein Abenteuerspielplatz f\u00fcr Tiranas Jugend. Foto: \u00a9 Julia Putzger<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tAuf der imagin\u00e4ren Fahrradtour des B\u00fcrgermeisters f\u00e4nden sich noch zahlreiche Ziele. Etwa die im Bau befindliche Nationalarena, die der Fu\u00dfballnationalmannschaft nach Jahren endlich ein ad\u00e4quates Zuhause geben soll und \u00fcber einen in den Himmel ragenden B\u00fcro- und Hotelturm verf\u00fcgt, nicht aber \u00fcber eine Laufbahn f\u00fcr Leichtathletikwettk\u00e4mpfe. Oder die Vor\u00adorte im Norden der Stadt, f\u00fcr die es zwar genaue Bebauungspl\u00e4ne gibt, an die sich aber niemand h\u00e4lt, da im Hintergrund viele lukrative Gesch\u00e4fte abgeschlossen werden. Ob auch Tiranas Einwohner von den millionenschweren Investitionen ins Stadtbild profitieren, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Das ambitionierte Konzept Tirana 2030 wurde bisher nur zu kleinen Teilen umgesetzt, andere Projekte warten noch auf den Startschuss. Die Hauptstadt Albaniens ist damit in vielerlei Hinsicht eine Baustelle \u2013 allerdings eine mit gro\u00dfem Potential.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tErstmals publiziert auf Postcards from Albania <\/a> im Juni 2018.<\/em> Die vielen Gesichter von Tirana<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[299,436],"tags":[355,321,400,323,409,326],"formats":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3632"}],"collection":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3632"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3632\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5759,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3632\/revisions\/5759"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3632"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3632"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3632"},{"taxonomy":"format","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/formats?post=3632"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}\n\tBev\u00f6lkerungswachstum Tirana<\/h2>\n\t
Stadtplan Tirana: \u00a9 Margit Steidl <\/em><\/p>\n\t<\/div>\n<\/div>\n\t<\/div>\n\n<\/div>\n\n\n\n
W\u00e4hrend es von der Opposition, der Demokratischen Partei Albaniens, Kritik hagelt, da das Konzept Spielereien, aber keinerlei L\u00f6sungen f\u00fcr reale Probleme beinhalte, ist der B\u00fcrgermeister der Stadt, Erion Veliaj, vollauf zufrieden. \u201eMit diesen Pl\u00e4nen werden wir aus Tirana eine europ\u00e4ische Stadt machen\u201c, verk\u00fcndete er bei der Pr\u00e4sentation des Konzepts Ende 2016. Veliaj, seit Sommer 2015 im Amt und noch keine 40 Jahre alt, stellt sich gerne als jemand dar, der Projekte vorantreibt und Schwung in das Geschehen bringt. Die Tapete in seinem B\u00fcro ist ein Stadtplan von Tirana, auf den Regalen stehen Modelle k\u00fcnftiger Bauvorhaben und teure Skulpturen bekannter K\u00fcnstler neben Basteleien von Kindergartenkindern. In diesem B\u00fcro, das wie ein \u00fcbergro\u00dfes Spielzimmer anmutet, ist Veliaj aber auf eines besonders stolz: sein Fahrrad. Blitzblank, silbern gl\u00e4nzend und mit knallorangen R\u00e4dern steht es vor einem B\u00fccherschrank und scheint nur darauf zu warten, dass der B\u00fcrgermeister damit eine Runde durch die Stadt dreht.<\/p>\t<\/div>\n\n<\/div>\n\n<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\t\n\t<\/div>\t
\n\t99 Shades of Grey<\/h2>\n\t
Aber der Alltag ist eben auch in Albanien nicht so Schwarz-Wei\u00df, wie man sich das manchmal w\u00fcnschen w\u00fcrde: Hier ist selten alles ganz gut, aber auch selten alles ganz schlecht. Stattdessen gibt es unz\u00e4hlige Schattierungen, die verschiedensten Graut\u00f6ne.
Auch die Stadtentwicklung in Tirana ist so eine Grauzone. Einige Pl\u00e4ne scheinen in eine positive Richtung zu gehen, doch in der konkreten Umsetzung l\u00e4uft noch vieles schief. Politiker wie Erion Veliaj stecken in einem Zwiespalt. Sie wollen der Welt ein modernes, attraktives Albanien zeigen. Gleichzeitig aber muss das Land auch f\u00fcr seine Bewohner im Alltag an Anziehungskraft gewinnen, damit die Bev\u00f6lkerung nicht in Scharen auf der Suche nach einer vielversprechenderen Zukunft auswandert, sondern diese in Albanien sieht.
Prestigeprojekte, wie sie derzeit im Zentrum der Hauptstadt im gro\u00dfen Stile geplant werden, sind daf\u00fcr nur bedingt geeignet, da es zugleich vielerorts an grundlegender Infrastruktur mangelt. Auf der einen Seite aus teurem Naturstein sickernde Quellen am preisgekr\u00f6nten Skanderbeg-Platz. Auf der anderen Tanks auf den D\u00e4chern der H\u00e4user, damit das Wasser nicht ausgeht. Eine Frage die bleibt, ist: Wie viele Graut\u00f6ne h\u00e4lt ein Land wie Albanien aus?
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K\u00f6nnte der B\u00fcrgermeister mit seinem silbernen Fahrrad auch in die Vergangenheit reisen, w\u00e4re die Fahrt durch das Tirana von vor 150 Jahren jedenfalls wesentlich beschaulicher. Damals gab es hier ein paar Stallungen, H\u00f6fe und Wohnh\u00e4user entlang holpriger Wege. W\u00fcrde Veliaj auf seiner Zeitreise ins Jahr 1868 den B\u00fcrgern von dutzenden glitzernden Wolkenkratzern und einem riesigen Hauptplatz erz\u00e4hlen, w\u00fcrde das f\u00fcr die Menschen des 19. Jahrhunderts wohl ebenso utopisch wirken wie eine Reise zum Mond. Knapp 50 Jahre sp\u00e4ter, im Jahr 1912, kam langsam Schwung in das damalige Landst\u00e4dtchen. Albanien erkl\u00e4rte zu diesem Zeitpunkt seine Unabh\u00e4ngigkeit vom Osmanischen Reich und war auf der Suche nach einer geeigneten Hauptstadt. Nach einigem Hin und Her wurde Tirana vorerst provisorisch dazu ernannt, 1925 wurde der Beschluss offiziell in der albanischen Verfassung niedergeschrieben.
Daraufhin entstanden rund um den Skanderbeg-Platz erste Verwaltungsgeb\u00e4ude, unter anderem das heutige Rathaus. Auch die noch erhaltenen, breiten Boulevards, die sternf\u00f6rmig auf den Platz zulaufen, wurden in dieser Zeit realisiert. W\u00e4hrend der kommunistischen Diktatur von 1944 bis 1990 entstanden ringsum nationale Bauten, wie etwa der Kulturpalast und das Historische Museum, die bis heute das Bild dominieren. Der Platz selbst \u00e4hnelte dem heutigen: Weit und offen, damit sich die Menschen klein f\u00fchlten und um die Gr\u00f6\u00dfe des Diktators Enver Hoxha zu repr\u00e4sentieren. Autos rollten nur selten \u00fcber das Pflaster \u2013 weil es kaum welche gab. Veliaj h\u00e4tte viel Platz zum Radfahren gehabt.
Das \u00e4nderte sich nach 1990 grundlegend, als der Platz zum riesigen Kreisverkehr und Knotenpunkt umgewandelt wurde. Im Jahr 2008 initiierte der damalige B\u00fcrgermeister der Stadt, Edi Rama, die Umgestaltung in ein autofreies Areal. Doch Lulzim Basha von der Demokratischen Partei Albaniens, der ihm 2011 in dieses Amt nachfolgte, hatte anderes vor: Mit zehn Millionen Euro finanzieller Unterst\u00fctzung aus Kuwait, wurde der Platz im Herzen Tiranas zwar gr\u00fcner, blieb aber ein gigantischer Kreisverkehr. Online kann man noch heute via Google Streetview eine Runde mit den Autos drehen. Offline wurden diese inzwischen unter die Oberfl\u00e4che des Areals, in eine riesige Tiefgarage, verbannt. Der Skanderbeg-Platz selbst ist ein Ort des Miteinanders geworden.
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\n\tStadtentwicklung als Privatsache <\/h2>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n
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Dieser Text ist urheberrechtlich gesch\u00fctzt: \u00a9 Julia Putzger. Bei Interesse an Wiederver\u00f6ffentlichung bitten wir um Kontaktaufnahme mit der Redaktion<\/a>.<\/em>
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern, Grafiken und Videos sind direkt bei den Abbildungen vermerkt. Titelbild: Blick nach Osten: Uhrturm und Et’hem-Bey Moschee z\u00e4hlen zu den wenigen Konstanten am Skanderbeg-Platz, um den Tirana zuletzt zur Metropole wuchs. Neuerdings verwandelt sich auch der Platz selbst zu einem mond\u00e4nen Ort der Begegnung. Fotos: \u00a9 Robert Pichler (damals), Michael Sommer (heute)<\/em><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"