{"id":3608,"date":"2019-04-29T00:00:00","date_gmt":"2019-04-29T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/erste-foundation.byinfinum.co\/normativitaet\/"},"modified":"2021-07-01T05:46:11","modified_gmt":"2021-07-01T05:46:11","slug":"normativitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/normativitaet\/","title":{"rendered":"Normativit\u00e4t"},"content":{"rendered":"\n\n\t\n\t\t\t
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\n\tDie Welt ist aus den Fugen geraten, weil sie ihren Zusammenhang verloren hat. Es wird Zeit, die Regeln f\u00fcr eine neue Geschichte zu besprechen.<\/strong><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tIm Jahr 1851 erschien Arthur Schopenhauers Sammlung \u201eParerga und Paralipomena\u201c. Die Magie dieses Werks liegt in den zeitlosen Themen und Bildern, die der deutsche Meisterphilosoph darin zusammengetragen hat. Einer der bekanntesten Gleichnisse aus diesem Buch tr\u00e4gt den Titel \u201eDie Stachelschweine\u201c. Schopenhauer beschreibt darin das Verhalten einer \u201eGesellschaft Stachelschweine\u201c die sich an einem Wintertag \u201erecht nah\u201c zusammendr\u00e4ngt, um sich vor dem Erfrieren zu sch\u00fctzen. Die enge Gesellschaft, dicht gedr\u00e4ngt und nur mit geringen Freir\u00e4umen ausgestattet, bietet Sicherheit. Doch die N\u00e4he ist t\u00fcckisch, denn die Stachelschweine bel\u00e4stigen einander mit ihren Stacheln, und so r\u00fccken sie wieder voneinander ab, bis ihnen kalt wird und sie so frieren, dass sie sich wieder aneinanderdr\u00e4ngen. So werden sie \u201ezwischen beiden Leiden hin und her geworfen\u201c, schreibt der Philosoph, \u201ebis sie eine m\u00e4\u00dfige Entfernung voneinander herausgefunden hatten, in der sie es am besten aushalten konnten (\u2026) So treibt das Bed\u00fcrfnis der Gesellschaft, aus der Leere und Monotonie des eigenen Innern entsprungen, die Menschen zueinander; aber ihre vielen widerw\u00e4rtigen Eigenschaften und unertr\u00e4glichen Fehler sto\u00dfen sie wieder voneinander ab.\u201c Das Verhalten der Stachelschweine sucht nach der \u201emittleren Entfernung\u201c, wie Schopenhauer den unsicheren Zustand zwischen Hin und Her nennt, und wo er erreicht ist, herrscht \u201eH\u00f6flichkeit und feine Sitte.\u201c

Wer Schopenhauers Parabel in die heutige Zeit und unsere Sprache \u00fcbersetzt, erkennt in H\u00f6flichkeit<\/em> und feiner Sitte<\/em> nicht nur eine Frage der Etikette. Sie sind eine Chiffre f\u00fcr den richtigen Abstand zwischen Individuum und Gesellschaft, dem Ich und dem Wir, Uns und den Anderen, dem Eigenen und dem Fremden. Diese Worte umweht wieder ein kalter Wind, sie sind unbehaglich geworden. Das ist kein Zufall. Unausgesprochen geht es dabei immer auch um Regeln und Normen, die die \u201eMittlere Entfernung\u201c ausmachen. <\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tTipping Point Talk #2 – Normativit\u00e4t<\/h2>\n\t
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\n\tIm Jahr 2019 feiern Erste Bank und Sparkassen, sowie ERSTE Stiftung das 200-j\u00e4hrige Jubil\u00e4um der Sparkassenidee: Sie war in Zeiten von Industrialisierung und Urbanisierung sozial und wirtschaftlich, sie war innovativ und k\u00fchn. Was erz\u00e4hlt uns die Sparkassenidee heute im Jahr 2019?

Der Journalist und Autor Wolf Lotter<\/a> begleitet in diesem Jahr die vier Tipping Point Talks<\/em><\/a>, eine Veranstaltungsreihe zu den Themenfeldern Identit\u00e4t, Normativit\u00e4t, M\u00f6glichkeit und K\u00fchnheit mit jeweils einem Essay. In diesem Text denkt er \u00fcber\u00a0Normativit\u00e4t<\/a><\/em> nach.<\/p>\n\t<\/div>\n<\/div>\n\t<\/div>\n\n<\/div>\n\n\n\n

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\n\tNormatives Verhalten ist das Ergebnis einer Mischung aus sozialer und pers\u00f6nlicher Positionsangabe. Ihr Ergebnis sorgt daf\u00fcr, dass es uns weder \u201ezu kalt\u201c noch \u201ezu stachelig\u201c wird, weder zu unsicher also noch zu eng und unfrei. Es geht um die nie zu Ende gebrachte, immer neu zu verhandelnden Frage aller Gemeinschaften: um die Spielregeln der Freiheit. Wieviel davon kann man haben? Und wie viel brauchen wir, um unser Leben nicht als unertr\u00e4glich zu empfinden?

Zu den verst\u00f6renden Entdeckungen unserer Zeit geh\u00f6rt, dass sich die Annahme der westlichen liberalen Wohlstandsgesellschaften, nach dem Ende der gro\u00dfen Diktaturen des 20. Jahrhunderts \u00fcber Freiheit eigentlich nicht mehr neu verhandeln zu m\u00fcssen, als Illusion herausstellte. Der Glaube, dass die \u201emittlere Entfernung\u201c eigentlich hinl\u00e4nglich gesetzt ist, geradezu zum normativen Global Positioning System geworden ist, erweist sich fataler Irrtum, als grobes Missverst\u00e4ndnis.

Man nahm an, dass der wachsende Wohlstand, die Erweiterung der materiellen Wahlm\u00f6glichkeiten und Freiheiten, auch ein unbegrenztes Wachstum der pers\u00f6nlichen Freir\u00e4ume versprach. Das eine schien das andere zu bedingen, geradezu zu garantieren.

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\n\tNicht nur die k\u00f6rperliche Unversehrtheit, die elementaren Menschen- und B\u00fcrgerrechte, nein, auch die Entwicklung der Pers\u00f6nlichkeit, ihre Selbstbestimmung, die Selbstverwirklichung des Individuums schien mit einer Eintrittsgarantie versehen worden zu sein. Man musste sich um nichts k\u00fcmmern. Alles schien sich von selbst zu ergeben, und wo die vollst\u00e4ndige Sicherung der Freiheit noch nicht eingetreten war, schien das nur noch eine Frage der Zeit zu sein \u2013 man wartete auf die gelegentliche Zustellung. Selbst Kritiker \u201edes Systems\u201c mussten sich eingestehen, dass die westlichen liberalen Marktwirtschaften in Sachen Grund- und Entwicklungsfreiheiten die gr\u00f6\u00dften Fortschritte in der Geschichte erzielt hatten. Die \u201eMittlere Entfernung\u201c der Schopenhauerschen Stachelschweine zueinander hatte sich eingependelt, schien zu einer festen Gr\u00f6\u00dfe geworden zu sein. F\u00fcr immer und ewig.

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\n\tEs geht um die nie zu Ende gebrachte, immer neu zu verhandelnden Frage aller Gemeinschaften: um die Spielregeln der Freiheit.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tDiese Ewigkeit ist fraglos vorbei. Die offene Gesellschaft scheint es mit voller Wucht erwischt zu haben. Die Reaktionen auf Donald Trump, Wladimir Putin oder Viktor Orban waren zun\u00e4chst Staunen, Verbl\u00fcffung, dann Wut und Verzweiflung. All das sind gute Hinweise darauf, dass die liberalen Demokratien und ihre Eliten gar nicht mehr damit gerechnet haben, sich mit den Spielregeln der Freiheit auseinandersetzen zu m\u00fcssen. Der ganze normative Komplex, also alles, was Menschen an verbindlichen Regeln und Vereinbarungen setzen, um miteinander auszukommen, war eher ein historisches oder akademisches Thema. Man las Hannah Arendts \u201eOrigin of Totalitarianism\u201c oder Karl Poppers \u201eDie Offene Gesellschaft\u201c. Man war schon skeptischer, wenn der \u00d6konom Friedrich August von Hayek seine Forderung von der \u201edogmatischen\u201c und \u201edoktrin\u00e4ren Verteidigung der Freiheit\u201c erhob. Die zahllosen Warnungen der Alten, die ihre pers\u00f6nlichen, lebensbedrohlichen Erfahrungen im Umgang mit rechten wie linken Feinden der Freiheit gemacht hatten, waren gestrig und abstrakt. Man wusste, dass der V\u00f6lkerbund gescheitert war, aber die Vereinten Nationen erschienen als hinl\u00e4nglich starke B\u00fcrokratie. Der Rest w\u00fcrde sich, auch ohne eigenes Zutun, schon ergeben.
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\n\tNormativit\u00e4t ist, grundlegend gefasst, alles, was nicht Naturgesetz ist. Es ist die Gesamtheit dessen, was Menschen sich als Wirklichkeit schaffen, Gesetze, Regeln, Kulturen, Normen und vieles mehr, an das wir uns halten. Dabei ist einerseits klar, dass die darin enthaltenen Ordnungen beweglich sind, sich entwickeln, die \u201emittlere Entfernung\u201c keine statische Angelegenheit ist. Die Frage ist aber: Wie beweglich? Man kann die Aufkl\u00e4rung auch als den Versuch werten, die Spielregeln f\u00fcr die Beweglichkeit neu zu definieren, klarer, verbindlicher. Es ging nicht mehr allein um das eigene Gruppeninteresse, sondern um den Versuch anhaltender Konsensbildung, eben einer \u201eMitte\u201c, die sich nur im \u201eSt\u00fcckwerk\u201c, wie Karl Popper es nannte, entwickeln l\u00e4sst. Der Versuch, m\u00f6glichst viel Einzelgerechtigkeit herzustellen, m\u00f6glichst viel Demokratie und Vielfalt und so wenig Enge und Unfreiheit wie m\u00f6glich, das ist ein m\u00fchsames Gesch\u00e4ft, es dauert. Es bedarf des pers\u00f6nlichen Einsatzes, zivilgesellschaftlichen Engagements. Zu Immanuel Kants \u201eMut, sich des eigenen Verstandes zu bedienen\u201c, seine ber\u00fchmte Antwort auf die Frage \u201eWas ist Aufkl\u00e4rung?\u201c kommt also noch die schwierige Verpflichtung hinzu, die dabei gewonnenen Freir\u00e4ume aktiv zu verteidigen. All das macht viel Arbeit.
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\n\tNormativit\u00e4t ist, grundlegend gefasst, alles, was nicht Naturgesetz ist. Es ist die Gesamtheit dessen, was Menschen sich als Wirklichkeit schaffen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tPopulisten und Tyrannen hingegen verhandeln nicht \u00fcber die Wirklichkeit, sie \u201eschaffen Fakten.\u201c Im Satz von der \u201eNormativen Kraft des Faktischen\u201c l\u00e4sst sich die dahintersteckende Gewalt erahnen. Diese Phrase stammt vom \u00f6sterreichisch-deutschen Staatsrechtler Georg Jellinek, der in der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts lebte und arbeitete. Jellinek wollte mit der \u201eNormativen Kraft des Faktischen\u201c auf einen real existierenden Widerspruch zum Naturrecht und zu den Prinzipien von Aufkl\u00e4rung und Vernunft hinweisen. Die Kraft der Wirklichkeit, die die Normativit\u00e4t beeinflusst, ist damit das Ergebnis der jeweiligen sozialen und kulturellen Sichtweise darauf. Nicht die statische, von Staaten und supranationalen Gemeinschaften gesetzten Regeln und Normen sichern den jeweils richtigen Abstand, sondern das, was ist \u2013 und das, was ist, ist das, was man als Wirklichkeit ausgibt<\/em>. Das erinnert an einen der Stammv\u00e4ter des Populismus des 19. und fr\u00fchen 20. Jahrhunderts, den Wiener B\u00fcrgermeister Karl Lueger, dessen Diktum \u201eWer a Jud ist, bestimm i\u201c geradezu konstituierend f\u00fcr den modernen Populismus wurde. Wer die Spielregeln der Freiheit ver\u00e4ndern oder abschaffen will, verhandelt nicht mit der Wirklichkeit \u2013 das hei\u00dft auch, dass er sein Handeln nicht erkl\u00e4rt, verteidigt oder gar Argumente liefert. Die neue \u201emittlere Entfernung\u201c kann dabei beliebig eng oder kalt sein. Ihre Leits\u00e4tze sind: Das werden wir schon sehen. Ihr werdet es schon merken.<\/em> Und selbstverst\u00e4ndlich werden dabei, wie nicht nur Donald Trumps Klimapolitik zeigt, auch naturwissenschaftliche Fakten gebeugt. Die Wirklichkeit ist, was \u201ewir\u201c dazu erkl\u00e4ren. Der \u201eTatmensch\u201c pfeift auf die Regeln, die H\u00f6flichkeit und feine Sitte, den Anstand und die anderen. Er entzieht sich und seine Anh\u00e4nger dem ungeliebten Prozess des langen und m\u00fchsamen Verhandelns.
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\n\tPopulisten und Tyrannen verhandeln nicht \u00fcber die Wirklichkeit, sie \u201eschaffen Fakten.\u201c <\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tDie Anh\u00e4nger solcher Politik werden im Allgemeinen als Modernisierungsverlierer beschrieben, die in der gegenw\u00e4rtigen Transformation von der Industrie- zur Wissensgesellschaft abgeh\u00e4ngt werden. Menschen, die mit der Komplexit\u00e4t der Welt nicht zurechtkommen. F\u00fcr sie ist das Angebot, die \u201emittlere Entfernung\u201c nun wieder vollst\u00e4ndig in die H\u00e4nde eines \u201estarken Mannes\u201c mit einem \u201estarken Staat\u201c zur\u00fcckzuf\u00fchren, durchaus attraktiv. Vergessen wir aber nicht auf jene, die sich auf der anderen Seite w\u00e4hnen, all jene also, die reichlich naiv auf ihre b\u00fcrgerlichen Pflichten verzichtet haben, weil sie meinten, das erledige sich schon von selbst. Auch unter den gut ausgebildeten Eliten gibt es viele, die durchaus abgeh\u00e4ngt sind, die verst\u00f6rt sind von zuviel Komplexit\u00e4t, die ihre Entscheidungs- und Wahlm\u00f6glichkeiten in einer komplexen Gesellschaft gerne an andere abgeben. Die Ursachen daf\u00fcr sind kaum andere als bei den Klienten, die hinter den Trumps und Putins stehen: Zuwenig Wissen \u00fcber die elementaren Zusammenh\u00e4nge von \u00d6konomie, materieller und pers\u00f6nlicher Freiheit etwa; oder eine nur verbal und h\u00f6chst virtuell ausgepr\u00e4gte Bereitschaft, die Freiheit \u201eunabdingbar\u201c zu verteidigen, und zwar wirkungsvoll. Das geschieht kaum, indem man Petitionen anklickt, sondern nur, wenn man sich als Gesellschafter, als Zivilgesellschafter, versteht, also als jemand, der f\u00fcr die eigenen Belange eintritt und sie nicht an die Instanzen delegiert, die dann den jeweils richtigen Abstand regeln. Bei der Herstellung einer liberalen, einer offenen Gesellschaft gerecht werdenden Vorstellung von Normativit\u00e4t wird es um die Frage gehen, die der deutsche \u00d6konom Birger Priddat formulierte: Eine Zivilgesellschaft bestehe \u201eaus der R\u00fcckverlegung der schwierigen Entscheidungen, wie man leben will und soll, an die Einzigen, die das entscheiden k\u00f6nnen: an die B\u00fcrger selbst.\u201c <\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tDamit wenigstens lie\u00dfe sich der Anma\u00dfung der \u201eNormativen Kraft des Faktischen\u201c all jener Kr\u00e4fte, die von rechts wie links an der Aush\u00f6hlung der Freiheit und der Aufkl\u00e4rung arbeiten, begegnen: Indem man selbst anf\u00e4ngt, die Dinge in die Hand zu nehmen, also aus der passiven Rolle herauskommt und zum aktiven, gestaltenden Teil von Gesellschaft, Fortschritt und Welt wird. \u201eDie Gewohnheit, sich in der Opferrolle einzurichten, l\u00e4hmt den Impuls zur Selbstkorrektur\u201c, schreibt Timothy Snyder in seinem grandiosen Buch \u201e\u00dcber Tyrannei\u201c. Und er gibt den Stachelschweinen den bestm\u00f6glichen Rat: Von der Passivit\u00e4t auf Aktivit\u00e4t, Selbstverantwortung, umschalten. Moralisierende Tugenddebatten f\u00fchren zu nichts. Es gehe also nicht um Reaktionen, sondern um Aktionen \u2013 nicht um moralische Emp\u00f6rung, sondern aktives, fachkundiges Handeln \u2013 um konkrete \u201eZukunftsentw\u00fcrfe\u201c.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tDas Einfallstor der Populisten besteht in der Schw\u00e4che liberaler Eliten, die eigenen Erkenntnisse und historischen Lehren nicht ausreichend ernst zu nehmen \u2013 und sie zu einer f\u00fcr alle verst\u00e4ndlichen Geschichte zu sammeln. Diese Geschichtslosigkeit hat ihren Preis, n\u00e4mlich den Verlust der Zukunftsf\u00e4higkeit. In diesem Sinne ist Odo Marquards \u201eZukunft braucht Herkunft\u201c zu verstehen: \u201eDenn die Menschen: das sind ihre Geschichten\u201c, hielt der Philosoph fest. Und Geschichten, das sind Zusammenh\u00e4nge. Sie werden in einer Welt, in der unerschlossene Komplexit\u00e4t uns kalt und unzug\u00e4nglich erscheint immer wichtiger. Diese Zusammenh\u00e4nge \u2013 zu denen auch die Regeln geh\u00f6ren \u2013 erschliessen uns das Fremde und machen es uns vertraut. Geschichte wiederholt sich dabei nicht, aber sie geht in Wiedervorlage. Was \u00fcberwunden geglaubt scheint, taucht aus den Untiefen wieder hervor, wenn wir Probleme und Ungerechtigkeiten unerledigt zur\u00fccklassen. Wer wissen will, welche Grundregeln Freiheit braucht, insbesondere unter den schwierigen Bedingungen, die sie im 21. Jahrhundert vorfindet, der muss bereit sein, in Geschichte, in Zusammenh\u00e4ngen zu denken. Zivilgesellschaft ist nicht, was wir lassen oder ohnm\u00e4chtig zulassen, sondern f\u00fcr die beste aller Welten tun \u2013 eine, die gut genug ist f\u00fcr alle.
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\n\tDieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz ver\u00f6ffentlicht: CC BY-NC-ND 3.0<\/a>. Der Name des Autors\/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden. Autor: Wolf Lotter \/ erstestiftung.org. Bei Interesse an Wiederver\u00f6ffentlichung bitten wir um Kontaktaufnahme mit der Redaktion<\/a>.
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern, Grafiken und Videos sind direkt bei den Abbildungen vermerkt. Titelbild: \u00a9 Patrick Pleul \/ dpa \/ picturedesk.com<\/em><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"

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