{"id":3562,"date":"2018-11-09T00:00:00","date_gmt":"2018-11-09T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/erste-foundation.byinfinum.co\/vielfalt-nicht-nur-spezialisten-fuers-digitale\/"},"modified":"2021-08-23T13:40:05","modified_gmt":"2021-08-23T13:40:05","slug":"vielfalt-nicht-nur-spezialisten-fuers-digitale","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/vielfalt-nicht-nur-spezialisten-fuers-digitale\/","title":{"rendered":"Vielfalt, nicht nur Spezialisten f\u00fcrs Digitale"},"content":{"rendered":"\n\n\t\n\t\t\t
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\n\tK\u00fcrzlich hat Google-Chef Sundar Pichai in einem aufsehenerregenden Video einen vollautomatischen Assistenten vorgestellt. Der von k\u00fcnstlicher Intelligenz gesteuerte Assistent vereinbart darin in sympathischem Plauderton telefonisch zun\u00e4chst einen Friseurtermin und anschlie\u00dfend einen Restaurantbesuch. Was banal klingt, gleicht einer Revolution. Der Assistent spricht fl\u00fcssig, antwortet sinnvoll und umschifft gekonnt sprachliche Missverst\u00e4ndnisse. Ganz en passant besteht er dabei den Turing-Test: Die Gespr\u00e4chspartner scheinen gar nicht zu bemerken, dass sie es hier nicht mit einem Menschen aus Fleisch und Blut zu tun haben.<\/strong><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tAngesichts der rasanten Entwicklung von k\u00fcnstlicher Intelligenz schwanken viele \u00d6sterreicherinnen und \u00d6sterreicher zwischen Faszination f\u00fcr diese neuen Technologien und der Angst um ihren Arbeitsplatz. Wie unl\u00e4ngst im Standard<\/em> nachzulesen war, sieht jeder Vierte seinen Arbeitsplatz durch die Automatisierung gef\u00e4hrdet. Die Bef\u00fcrchtungen kommen nicht von ungef\u00e4hr. L\u00e4ngst sind k\u00fcnstliche Intelligenzen dem Menschen nicht mehr nur bei Brettspielen wie Go und Schach \u00fcberlegen, sondern lenken Fahrzeuge, analysieren R\u00f6ntgenbilder und erlernen gerade eine weitere vermeintlich menschliche Kernkompetenz: die gesprochene Sprache.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tWie weitreichend die Auswirkungen der Automatisierung auf den Arbeitsmarkt sein werden, ist schwer abzusehen. Manche Studien prognostizieren den Verlust der H\u00e4lfte aller Jobs binnen der n\u00e4chsten 15 Jahre, vorsichtigere Sch\u00e4tzungen sehen kurzfristig zehn bis 20 Prozent der Arbeitspl\u00e4tze gef\u00e4hrdet. Nahezu alle Experten sind sich einig, dass die Automatisierung Arbeitspl\u00e4tze kosten wird. Die Frage ist vor allem, wie viele durch neu entstehende Arbeitspl\u00e4tze kompensiert werden k\u00f6nnen und in welchen Branchen diese Jobs entstehen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tDie Hierarchie des Digitalen<\/strong>

Auch in \u00d6sterreich nimmt die Diskussion Fahrt auf. Viele Unternehmen und ihre Berater bereiten sich intensiv auf die Digitalisierung vor, und auch das Regierungsprogramm zeugt davon, dass die Digitalisierung ernst genommen werden will. Gez\u00e4hlte 188 Mal finden sich allerlei Variationen der Forderung, \u00d6sterreich zu digitalisieren. Viele sehen dabei in technologischen Berufen die gr\u00f6\u00dften Zukunftschancen. Dass jedes Kind programmieren lernen soll, gilt zunehmend als Mantra, Transhumanisten wie Elon Musk schw\u00e4rmen bereits von einer Symbiose von Mensch und Maschine.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tNicht so hoch im Kurs stehen hingegen Sozialberufe, die meist mit niedrigem Gehalt und wenig Anerkennung assoziiert werden. \u00c4hnliches gilt im Gr\u00fcndungskontext, in dem soziale Start-ups eher als freundliche Nische wahrgenommen werden denn als Wachstumsthema. Dabei spricht vieles daf\u00fcr, den Sozialbereich f\u00fcr Beruf und Gr\u00fcndung ernst zu nehmen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tZun\u00e4chst einmal die nackten Zahlen. Knapp 40 Milliarden Euro bzw. elf Prozent der \u00f6sterreichischen Wertsch\u00f6pfung wurden 2017 im Bereich Bildung, Soziales und Gesundheit erwirtschaftet, wobei die Millionen Stunden ehrenamtliches Engagement noch gar nicht ber\u00fccksichtigt sind. Das entspricht in etwa der gesamten Wertsch\u00f6pfung im Bereich IT, Bauwirtschaft und Finanzwirtschaft zusammen. Eine Nische sieht anders aus. \u00dcber die vergangenen 20 Jahre hat sich die Wertsch\u00f6pfung im Sozialbereich mehr als verdoppelt. Die Nachfrage nach Arbeitskr\u00e4ften im Sozialbereich sollte dabei auch in Zukunft nicht ausgehen. Langfristige gesellschaftliche Trends wie lebenslanges Lernen, der demografische Wandel und wachsender Pflegebedarf werden den Bedarf auch weiterhin steigen lassen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tAuf menschliche St\u00e4rken konzentrieren<\/strong>

Gleichzeitig sind Berufe in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Kinderbetreuung oder Pflege wahrscheinlich jene, in denen der Mensch am l\u00e4ngsten seinen “Wettbewerbsvorteil” gegen\u00fcber k\u00fcnstlicher Intelligenz behalten wird. W\u00e4hrend Letztere in einzelnen Bereichen bereits au\u00dfergew\u00f6hnliche F\u00e4higkeiten hat, gilt die Entwicklung von allgemeiner Intelligenz, Kreativit\u00e4t und Empathie, wie sie im sozialen Berufen gebraucht werden, als h\u00e4rteste Nuss in der Entwicklung von k\u00fcnstlicher Intelligenz. Oder wie Jack Ma, der Gr\u00fcnder der digitalen Einkaufsplattform Alibaba, uns zuruft: Wir sollten erst gar nicht versuchen, mit Maschinen und k\u00fcnstlicher Intelligenz zu konkurrieren, sondern uns vor allem auf unseren ureigensten menschlichen St\u00e4rken konzentrieren.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tDie ERSTE Stiftung unterst\u00fctzt Non-Profit-Organisationen und Social Businesses. Eine Teilnehmerin und ein Teilnehmer der ERSTE Foundation NGO Academy w\u00e4hrend eines Workshops in Wien. Foto: \u00a9 Igor Ripak \/ ERSTE Stiftung.<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tNeben der h\u00f6heren Arbeitsplatzsicherheit oder zumindest Zukunftsf\u00e4higkeit haben Jobs im Bereich der sozialen Dienstleistungen auch weitere positive Nebenwirkungen. Die Wertsch\u00f6pfung im Sozialbereich generiert besonders starke Multiplikator-Effekte in Form von Folgenachfrage, Produktion und Arbeitspl\u00e4tzen bei Zulieferbetrieben. Zugleich ist die Arbeitsplatzzufriedenheit vielfach h\u00f6her als in anderen Branchen, weil die Arbeit als sinnvoll erlebt wird. Berufst\u00e4tige, Ehrenamtliche und Sozialunternehmer haben die M\u00f6glichkeit, unmittelbar an den Herausforderungen der Gesellschaft zu arbeiten. Angesichts der absehbaren Umw\u00e4lzungen am Arbeitsmarkt im Zuge der Digitalisierung erscheint das als keine schlechte Idee.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tDass sozial “zieht”, haben mittlerweile auch viele Arbeitgeber erkannt. Nahezu alle Unternehmen der Forbes 500 produzieren Nachhaltigkeitsberichte, h\u00e4ufig mit dem Kalk\u00fcl, damit qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anzulocken. Dass diese Rechnung aufgeht, haben die Chicagoer \u00d6konomen John List, Daniel Hedblom und Brent Hickman unl\u00e4ngst eindrucksvoll belegt. F\u00fcr ein eigens f\u00fcr das Experiment gegr\u00fcndetes Unternehmen wurden Stellen abwechselnd mit und ohne Hinweis beworben, dass sie einen sozialen Mehrwert erzielen und Unicef unterst\u00fctzen. Die Annoncen mit dem sozialen Zusatz erhielten nicht nur 33 Prozent mehr Zusendungen, sondern auch die besseren: Die \u00fcber soziale Annoncen eingestellten Arbeitskr\u00e4fte waren bis zu 25 Prozent produktiver. Wie sozial und nachhaltig Unternehmen tats\u00e4chlich agieren, ist f\u00fcr viele Bewerber aber oft schwer nachzuvollziehen. F\u00fcr den obengenannten Produktivit\u00e4tseffekt ist echter sozialer Impact auch gar nicht zwingend notwendig. Die Autoren der Studie beteuern glaubw\u00fcrdig, dass sie im Experiment Spenden an Unicef abgef\u00fchrt haben \u2013 letztlich h\u00e4tten sie die Effekte mit ihren Annoncen aber zumindest kurzfristig wohl auch erzielen k\u00f6nnen, ohne einen Cent zu \u00fcberweisen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tSozialunternehmen ohne Gewinnstreben<\/strong>

Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben diesen Zusammenhang schon verinnerlicht, wie in einer aktuellen Studie des Unternehmens Deloitte nachzulesen war. Gut die H\u00e4lfte der Befragten zeigte wenig Vertrauen in die ethische Integrit\u00e4t ihrer Arbeitgeber. Selbst bei Unternehmen, die soziale Ziele proklamierten, wurden diese h\u00e4ufig als unglaubw\u00fcrdig erlebt. Das gleiche Beratungsunternehmen lieferte vor wenigen Tagen auch die vermeintliche Antwort auf diese Malaise und proklamierte in einer weiteren Studie “the rise of the social enterprise”. Den F\u00fchrungskr\u00e4ften der Unternehmen dieser Welt wurde darin ans Herz gelegt, ihre Organisationen als Sozialunternehmen neu zu definieren: Ein Sozialunternehmen in dieser Diktion verbindet Gewinnstreben mit der nebul\u00f6s umschriebenen Notwendigkeit, die Unternehmensumwelt zu respektieren und zu unterst\u00fctzen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tDass damit ein Begriff gekapert wird, der weltweit f\u00fcr ein Zielsystem steht, das eben nicht das Gewinnstreben, sondern das L\u00f6sen gesellschaftlicher Probleme zur prim\u00e4ren Handlungsmaxime erkoren hat, bleibt nonchalant unerw\u00e4hnt. Der n\u00e4chste Vertrauensverlust dr\u00e4ut heran.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tDie L\u00f6sung: Miteinander<\/strong>

Angesichts solcher zweifelhafter Angebote erscheint es wenig \u00fcberraschend, dass viele Arbeiternehmerinnen und Arbeitnehmer zu extremen Ma\u00dfnahmen greifen und lieber gleich selbst soziale Unternehmen gr\u00fcnden. Bereits jedes vierte in Europa gegr\u00fcndete Unternehmen verfolgt vorrangig ein soziales Ziel \u2013 ein Trend, der insbesondere von der jungen Generation getragen wird.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tSoziales Arbeiten und Gr\u00fcnden kann aber nur ein Teil der L\u00f6sung sein. Statt zu versuchen, sich selbst oder ganze Begriffe umzulackieren, sollten sich Unternehmen glaubw\u00fcrdig sozial engagieren. Eine M\u00f6glichkeit dazu bieten beispielweise intersektorale Partnerschaften mit Sozialorganisationen, bei denen Unternehmen nebenbei auch Kompetenzen in den sozialen Bereichen erwerben k\u00f6nnen, die auch im digitalen Zeitalter relevant bleiben. Selbiges gilt f\u00fcr die Politik, die sich aktuell so stark der Digitalisierung verschrieben hat.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tGerade ein Land wie \u00d6sterreich, das sich bis vor kurzem noch seiner sozialen Errungenschaften ger\u00fchmt hat, m\u00fcsste angesichts der digitalen Herausforderungen soziale Innovationen zum Exportschlager werden lassen. Andernfalls werden wir uns auch hier auf die Inspiration und Konzepte der Vordenker aus Kalifornien verlassen m\u00fcssen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tErstmals publiziert am 19. Juni 2018 auf derStandard.at<\/a>.<\/em>

Dieser Text ist urheberrechtlich gesch\u00fctzt. \u00a9 Peter Vandor, Reinhard Millner \/ DER STANDARD. Bei Interesse an Wiederver\u00f6ffentlichung bitten wir um Kontaktaufnahme mit der
Redaktion<\/a>.
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern, Grafiken und Videos sind direkt bei den Abbildungen vermerkt. Titelbild: TeilnehmerInnen des Social Innovation and Management Programme der ERSTE Foundation NGO Academy. Foto: \u00a9 Igor Ripak \/ ERSTE Stiftung.<\/em><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"

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