{"id":3559,"date":"2018-10-29T00:00:00","date_gmt":"2018-10-29T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/erste-foundation.byinfinum.co\/eine-seidenstrasse-fuer-den-balkan\/"},"modified":"2022-03-30T16:59:05","modified_gmt":"2022-03-30T16:59:05","slug":"eine-seidenstrasse-fuer-den-balkan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/eine-seidenstrasse-fuer-den-balkan\/","title":{"rendered":"Eine Seidenstra\u00dfe f\u00fcr den Balkan"},"content":{"rendered":"<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<strong>Im achten Stock eines altsozialistischen Plattenbaus in der serbischen Hauptstadt Belgrad sitzt der 69-j\u00e4hrige Imre Kern und erz\u00e4hlt von der Zukunft. Genauer gesagt: Er erz\u00e4hlt von seiner letzten Dienstreise nach Peking. \u201eDie Hochgeschwindigkeitsz\u00fcge sind phantastisch\u201c, schw\u00e4rmt Kern, \u201ees f\u00fchlt sich an, als w\u00fcrden Sie fliegen!\u201c Er \u00f6ffnet eine Fotogalerie auf seinem Laptop. \u201eSchauen Sie, dieser Bahnsteig!\u201c, ruft er begeistert, \u201eso sauber wie ein Spiegel.\u201c Kern klickt sich durch Fotos von chinesischen Teppichen, Teigtaschen und Wolkenkratzern. F\u00fcr einen Moment wirkt er wie ein Tourist, der gerade aus den Ferien zur\u00fcckgekommen ist.<\/strong><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tKern ist Staatssekret\u00e4r im serbischen Infrastrukturministerium. Ein in die Jahre gekommener Beamter, der im Jugoslawien der 1970er Jahre Chemietechnik studierte und sp\u00e4ter in der Sowjetunion ausgebildet wurde. Heute verhandelt Kern f\u00fcr die serbische Regierung Bauvertr\u00e4ge in Milliardenh\u00f6he. Es geht um Br\u00fccken, Autobahnen, Kraftwerke. Und um das \u201egr\u00f6sste Projekt in der Geschichte Serbiens\u201c, wie Kern es nennt: eine Hochgeschwindigkeitsbahn zwischen Belgrad und Budapest. \u201eGut, dass die Chinesen uns f\u00fcr die Verhandlungen \u00dcbersetzer zur Verf\u00fcgung stellen\u201c, sagt der Staatssekret\u00e4r beil\u00e4ufig, \u201edenn die k\u00f6nnten wir uns gar nicht leisten.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t\n<div class=\"block-columns block-columns__gutter-large--10 block-columns__vertical-spacing-large--0\">\n\t\n\n<div class=\"block-column block-column__width-large--5 block-column__width-mobile--12\">\n\t\n<div class=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\">\n\n\t\n\t\t\t\n<div class=\"block-infobox\">\n\t<h2 class=\"heading heading__color--primary heading__size--small heading__align--left heading__font--secondary block-infobox__heading\">\n\tGro\u00dfe Kredite, kleine Investitionen<\/h2>\n\t<div class=\"block-infobox__content\">\n\t\t\n<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--default paragraph__align--left paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-infobox__paragraph\">\n\tIst China ein wichtiger Investor in den L\u00e4ndern des Westbalkans? Nein, die EU bleibt mit Abstand gr\u00f6\u00dfte Geldgeberin in der Region. 2015 investierten die EU-Mitgliedsl\u00e4nder in Serbien 21,8 Milliarden Euro, China nur 139 Millionen. Laut dem Berliner Institut Merics betragen die chinesischen Direktinvestitionen in die Region nicht einmal 5 Prozent derjenigen aus dem EU-Raum. China hat aber mittlerweile bei den Kreditvergaben die Nase vorne. Zwischen 2007 und 2017 vergab China an Serbien Kredite in der H\u00f6he von 3 Milliarden Dollar. Nach Angaben des serbischen Infrastrukturministeriums haben die Projekte, die derzeit mit China verhandelt werden, einen Wert von 6 Milliarden Dollar. Zu den gr\u00f6ssten Projekten z\u00e4hlen: der fertiggestellte Bau der Mihajlo-Pupin-Br\u00fccke \u00fcber die Donau, im Bau befinden sich die Hochgeschwindigkeitsbahn zwischen Belgrad und Budapest, der Ausbau des W\u00e4rmekraftwerks in Kostolac und eine Autobahn an die montenegrinische K\u00fcstenstadt Bar. Chinas gr\u00f6sste Direktinvestition in Serbien war 2016 der Kauf des Stahlwerks Smederevo f\u00fcr 46 Millionen Euro.<br><br><em>China plant, den griechischen Hafen Pir\u00e4us &#8211; wo der chinesische Reeder Cosco Pacific eine 35-j\u00e4hrige Konzession f\u00fcr die Modernisierung und den Betrieb von zwei Container-Frachtterminals erhalten hat &#8211; in eine regionale Drehscheibe f\u00fcr den Handel mit Europa zu verwandeln. Foto: \u24b8 Medin Halilovic \/ Anadolu Agency \/ Getty<\/em><\/p>\n\t<\/div>\n<\/div>\n\t<\/div>\n\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"block-column block-column__width-large--7 block-column__width-mobile--12\">\n\t\n<div class=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\">\n\n\t\n\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<strong>China hat den Balkan f\u00fcr sich entdeckt<\/strong><br><br>Eine Region, die seit dem Zerfall Jugoslawiens versucht, zum Rest Europas aufzuholen. Mehr als zwanzig Jahre nach dem Krieg fehlt es den L\u00e4ndern immer noch an Mitteln, um die marode Infrastruktur voranzubringen. Das macht den Balkan zum idealen Einfallstor nach Europa f\u00fcr Chinas au\u00dfenpolitisches Prestigeprojekt: die neue Seidenstra\u00dfe. Mit diesem Infrastrukturprogramm will Staatspr\u00e4sident Xi Jinping neue Handelsrouten zwischen Asien, Afrika und Europa erschlie\u00dfen. Den L\u00e4ndern, die entlang der Seidenstra\u00dfe liegen, stellen chinesische Banken Kredite zur Verf\u00fcgung. In einer Zeit, in der die EU vor allem mit sich selber besch\u00e4ftigt ist, kommt Pekings Jahrhundertprojekt den L\u00e4ndern S\u00fcdosteuropas gerade recht. Im griechischen Pir\u00e4us-Hafen entsteht mit chinesischer Hilfe der am schnellsten wachsende Containerterminal Europas. In Bosnien werden mit chinesischen Krediten Kraftwerke gebaut und in Montenegro Autobahnen. In Albanien haben chinesische Firmen eine Konzession f\u00fcr den Flughafen von Tirana erworben und \u00d6lfelder im Wert von 450 Millionen Euro gekauft. Mazedonien soll zu einem Br\u00fcckenkopf ausgebaut werden, der den Pir\u00e4us-Hafen ans europ\u00e4ische Schienennetz anbinden soll. Und dann ist da noch die Hochgeschwindigkeitsbahn, die uns zur\u00fcck in das B\u00fcro von Imre Kern f\u00fchrt.<br><br>Zwischen der serbischen und der ungarischen Hauptstadt soll die Fahrtzeit von neun auf zweieinhalb Stunden verk\u00fcrzt werden. Langfristig k\u00f6nnte die Seidenstra\u00dfe durch den Balkan zur wichtigsten Transportroute f\u00fcr asiatische G\u00fcter nach Mitteleuropa werden. Verl\u00e4sst ein Containerschiff den Hafen von Athen in Richtung Hamburg oder Rotterdam, dann muss es derzeit einen Umweg \u00fcber die Stra\u00dfe von Gibraltar nehmen und ganz Spanien und Frankreich umschiffen. Die Route \u00fcber Land ist deutlich schneller. \u201eUnd Zeit ist f\u00fcr Schifffahrtsunternehmen Geld\u201c, sagt Nektarios Demenopoulos, Sprecher der Hafengesellschaft Piraeus Port Authority, die seit 2016 mehrheitlich der China Ocean Shipping Company (Cosco) geh\u00f6rt. \u201eWir wollen die Anzahl an Z\u00fcgen, die \u00fcber den Balkan fahren, signifikant steigern\u201c, so Demenopoulos.<br><br>In Br\u00fcssel sieht man das wirtschaftliche Engagement Chinas mit Misstrauen. Die EU-Kommission hat f\u00fcr den ungarischen Abschnitt der Hochgeschwindigkeitsbahn ein Verfahren eingeleitet, um die Vergabe von Baukonzessionen zu \u00fcberpr\u00fcfen. Die Chinesen bezeichnen das Vorgehen als Win-win-Strategie. Darunter ist eine Politik zu verstehen, von der alle Beteiligten profitieren sollen.<\/p>\t<\/div>\n\n<\/div>\n\n<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tChina verspricht g\u00fcnstige Kredite und schnelle Verhandlungen. Im Gegenzug akzeptieren die Empf\u00e4nger, dass chinesische Baufirmen zum Zug kommen. Dabei stellt sich eine Frage, die derzeit noch niemand wirklich beantworten kann: Erkauft sich ein autorit\u00e4rer Einparteienstaat Einfluss in einer Region, deren L\u00e4nder Anw\u00e4rter auf eine EU-Mitgliedschaft sind?<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--biggest paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-quote__paragraph\">\n\t\u201eChina h\u00e4lt Europa den Spiegel vor, indem es eine klare Strategie aus einer Hand verfolgt und den Balkan in die globale Seidenstrasse einbettet.\u201c<\/p><p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--small paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-quote__author\">\n\t\u2014   Jacopo Maria Pepe, Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Politik<br><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t\u201eJa, die Gefahr besteht\u201c, sagt Jacopo Maria Pepe. Er arbeitet f\u00fcr die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Politik, einen Think-Tank, der unter anderem die deutsche Bundesregierung ber\u00e4t. Noch sei das chinesische Investitionsvolumen im Vergleich zu westlichen Staaten klein. Doch langfristig sei Europa als Ordnungsmacht herausgefordert. \u201eChina h\u00e4lt uns den Spiegel vor\u201c, sagt Pepe, \u201eindem es eine klare Strategie aus einer Hand verfolgt und den Balkan in die globale Seidenstrasse einbettet.\u201c Schaffen chinesische Investitionen neue politische Abh\u00e4ngigkeiten? Im hochverschuldeten Griechenland, wo Cosco die Mehrheitsanteile am Pir\u00e4us-Hafen erworben hat, zeigen sich erste Anzeichen daf\u00fcr. Seit Jahren haben die EU-Mitgliedsl\u00e4nder geschlossen Klage beim Uno-Menschenrechtsrat \u00fcber die Lage in China eingebracht. 2017 blockierte Griechenland erstmals die Peking-kritische Stellungnahme. Chinas Aussenminister Wang Yi applaudierte: Griechenland habe die richtige Position vertreten. China als Spaltpilz? Der serbische Staatssekret\u00e4r Imre Kern kann dar\u00fcber nur den Kopf sch\u00fctteln. \u201eUnser Weg ist ganz klar der nach Europa\u201c, sagt er. Dabei gleiten seine Finger \u00fcber eine Goldm\u00fcnze, die auf seinem Schreibtisch thront wie ein Pokal. Bekommen hat er sie von dem Bauunternehmen China Road and Bridge Corporation (CRBC). Ein Staatsunternehmen, das der Stadt Belgrad in weniger als drei Jahren eine knapp 2 Kilometer lange Br\u00fccke \u00fcber die Donau gebaut hat. Es war der Auftakt der chinesischen Bauwelle in Serbien. Pr\u00e4sident Aleksandar Vucic bezeichnete die Br\u00fccke bei der Er\u00f6ffnung als \u201eMonument f\u00fcr die Freundschaft der beiden L\u00e4nder\u201c.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12 wrapper__offset-large--0\">\n\t\t\t\t\n<figure class=\"block-image-caption\">\n\t<div class=\"image-wrap block-image-caption__image-wrap\" data-align=\"center center\">\n\n\t\t\t<img\n\t\t\tsrc=\"http:\/\/tippingpoint.net\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/road-belt_china_balkan-1.jpg\"\n\t\t\tclass=\"image  block-image-caption__image\"\n\t\t\talt=\"\"\n\t\t\/>\n\t\n\t<\/div>\t<figcaption>\n\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--small paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-image-caption__paragraph\">\n\tDie geplante 350km lange Hochgeschwindigkeitsbahn zwischen Belgrad und Budapest soll Teilabschnitt der See-Land Express-Linie vom griechischen Hafen von Pir\u00e4us ins Herzen Europas und Vorzeigeprojekt der &#8220;One Belt One Road&#8221;-Initiative des chinesischen Presidenten Xi Jinping werden. Quelle: ERSTE Stiftung\/Thomas Kloyber<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tKein Land des Westbalkans hat st\u00e4rker von chinesischen Geldern profitiert als Serbien \u2013 eines der \u00e4rmsten L\u00e4nder Europas. Wer mehr \u00fcber Chinas Strategie herausfinden will, muss hierherkommen. Doch offenbar geh\u00f6rt zu dieser Strategie auch Schweigen. Mehrere Anfragen an das Stahlwerk in Smederevo, das 2016 von einer chinesischen Firma aufgekauft wurde, bleiben \u00fcber Wochen unbeantwortet. Dann kommt die Absage. Dabei soll Smederevo eine Erfolgsgeschichte sein. Chinas Staatspr\u00e4sident Xi Jinping reiste pers\u00f6nlich an, um vor serbischen Arbeitern eine Rede zu halten. Chinas staatliche HBIS Group hatte Smederevo im selben Jahr f\u00fcr 46 Millionen Euro aufgekauft. 5000 Arbeitspl\u00e4tze wurden gesichert. Weder die Bank of China noch die chinesische Botschaft in Belgrad wollen dazu ein Statement abgeben. Transparenz? \u201eFehlanzeige\u201c, sagt ein Kenner des serbischen Wirtschaftsmarktes, der \u00fcber seine Erfahrungen mit chinesischen Investoren sprechen m\u00f6chte \u2013 allerdings nur anonym. Das Treffen mit dem Insider zeigt, dass es in der Branche heikel sein kann, Kritik an China zu \u00e4ussern. Vor Ver\u00f6ffentlichung des Artikels ruft seine Sprecherin mehrmals an und bittet, s\u00e4mtliche Hinweise auf den Insider aus dem Text zu l\u00f6schen: Berufsbezeichnung, B\u00fcrolage, Alter. Hat der Mann Angst, dass er f\u00fcr chinesische Unternehmen zum roten Tuch wird, wenn er Kritik \u00e4ussert? Seine Sprecherin am Telefon lacht verlegen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tDer Insider empf\u00e4ngt in einem klimatisierten Sitzungssaal seines B\u00fcros in Belgrad. Zu Beginn legt er eine Liste mit Chinas gr\u00f6ssten Bauprojekten auf den Tisch. Vor jene, die bereits stehen, hat er ein H\u00e4kchen gesetzt. Der Rest sei Zukunftsmusik. Zum Beispiel ein Industriepark in Belgrad, den die Stadtregierung mit einem 300-Millionen-Euro-Kredit zu einer Art \u201eSilicon Valley Serbiens\u201c ausbauen will. \u201eDas Grundst\u00fcck ist reserviert, es gibt eine Arbeitsgruppe, aber die Verhandlungen laufen unter Ausschluss des privaten Sektors\u201c, sagt der Insider. Das sei ein ganz eigener \u201eZirkel\u201c, in den man nur sehr schwer hineinkomme. Bei Deals w\u00fcrden sogenannte Pakete angeboten: \u201eDie Chinesen bringen Geld, und sie bringen Firmen. Sogar das Essen f\u00fcr die Arbeiter wird importiert.\u201c Sp\u00e4ter, beim Italiener um die Ecke, holt der Mann belustigt sein Smartphone aus der Tasche, w\u00e4hrend er auf seinen Risotto wartet. Er m\u00f6chte ein Video zeigen, das er letzte Woche in der amerikanischen Late-Night-Show des britischen Komikers John Oliver gesehen hat. Darin macht sich Oliver \u00fcber ein Kampagnenvideo lustig, mit dem China die Seidenstrasse bewirbt. Man sieht fr\u00f6hliche Kinder Ukulele spielen und Hand in Hand durch eine kunterbunte Spielzeugwelt wandern. \u201eWir reissen Barrieren ein. Wir schreiben Geschichte\u201c, singen die Kinder. Zwei Wochen nachdem die Late-Night-Show online gegangen ist, meldet die BBC, dass die staatlichen Zensoren John Oliver aus dem chinesischen Internet gel\u00f6scht h\u00e4tten.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12 wrapper__offset-large--0\">\n\t\t\t\t\n<figure class=\"block-image-caption\">\n\t<div class=\"image-wrap block-image-caption__image-wrap\" data-align=\"center center\">\n\n\t\t\t<img\n\t\t\tsrc=\"http:\/\/tippingpoint.net\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/serbien_china-delegation.jpg\"\n\t\t\tclass=\"image  block-image-caption__image\"\n\t\t\talt=\"\"\n\t\t\/>\n\t\n\t<\/div>\t<figcaption>\n\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--small paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-image-caption__paragraph\">\n\tDer serbische Pr\u00e4sident Aleksandar Vucic trifft sich am 18. September 2018 in der Gro\u00dfen Halle des Volkes in Peking, China, mit dem chinesischen Pr\u00e4sidenten Xi Jinping. Foto: \u00a9 Lintao Zhang \/ POOL \/ AFP\/ picturedesk.com<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tDie serbischen Projekte auf der Liste waren Ende 2017 laut Ministerpr\u00e4sidentin Ana Brnabic 6 Milliarden Dollar wert. Das ist sechs Mal so viel, wie die Europ\u00e4ische Bank f\u00fcr Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) in einem Jahr im gesamten Westbalkan investiert. Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied. Serbien muss die chinesischen Gelder zur\u00fcckzahlen. \u201eWas oft mit Direktinvestitionen verwechselt wird, sind in Wirklichkeit sogenannte \u2018soft loans\u2019\u201c, sagt Vesko Garcevic \u2013 ehemaliger Botschafter Montenegros in Br\u00fcssel und Wien. Seine These: \u201eChina ist von allen geopolitischen Akteuren auf dem Balkan der leiseste, aber der effektivste.\u201c Peking habe es in wenigen Jahren geschafft, \u201estrategische Partnerschaften\u201c mit den Regierungen der Region aufzubauen, erz\u00e4hlt er bei einem Skype-Interview. Seit 2012 h\u00e4lt Peking seinen eigenen Wirtschaftsgipfel namens \u201e16+1\u201c ab. Geladen sind Staatschefs aus 16 L\u00e4ndern Ost- und S\u00fcdosteuropas. Anfang Juli fand der Gipfel zum siebten Mal statt \u2013 diesmal in Sofia. \u201eMan munkelt\u201c, so Garcevic, \u201edass Bulgarien gr\u00f6sseres Interesse hatte, den chinesischen 16+1-Gipfel abzuhalten als den EU-Gipfel im Mai.\u201c Schafft sich China damit exklusive Verhandlungsformate? Zsuzsanna Hargitai, die neue Direktorin der EBRD f\u00fcr den Westbalkan, gibt sich diplomatisch. Sie hoffe, dass der Gipfel politische Impulse zur verst\u00e4rkten Zusammenarbeit zwischen den L\u00e4ndern bringe. Gleichzeitig ruft sie China zu einer st\u00e4rkeren Einbeziehung des Privatsektors auf.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tNeu ist die Allianz zwischen Serbien und China nicht. In den 1990er Jahren war China ein heftiger Kritiker des Nato-Bombardements und unterst\u00fctzte das Milosevic-Regime \u2013 das es als eine letzte Bastion des Kommunismus in Europa ansah. Milosevic liess das Visaregime lockern und errichtete eine \u201eChinatown\u201c in Belgrad \u2013 bis heute als \u201eBlok 70\u201c bekannt. Inmitten von Wohnbl\u00f6cken steht die heruntergekommene Markthalle aus den 1990er Jahren neben einer neuen Shoppingmeile. Im Inneren verkaufen chinesische H\u00e4ndler neonfarbene Bikinis, gef\u00e4lschte Markenturnschuhe, blinkende Smartphone-H\u00fcllen und anderen Billigkram. Draussen unter einer Plasticplane verkauft ein junger Chinese Gem\u00fcse, Glasnudeln und Sojasauce. Er versteht kein Englisch und \u00fcbersetzt die Frage, was er hier mache, mit seinem iPhone. Nach ein paar Sekunden poppt die Antwort auf seinem Display auf. \u201eChina ist sehr modern und entwickelt sich schnell! Das wollen wir an Serbien weitergeben. Wir sollten gemeinsam Neues entdecken!\u201c Irgendwie erinnert die Antwort an das Seidenstrassen-Video, in dem Kinder Ukulele spielen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<em>Erstmals publiziert am 24. August 2018 auf <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/international\/eine-seidenstrasse-fuer-den-balkan-ld.1413987\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">nzz.ch<\/a>.<\/em><br><br><em>Dieser Text ist urheberrechtlich gesch\u00fctzt. \u00a9 NZZ \/ Franziska Tschinderle. Bei Interesse an Wiederver\u00f6ffentlichung bitten wir um Kontaktaufnahme mit der <a href=\"http:\/\/magazine.erstestiftung.org\/de\/erste-stiftung\/impressum\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Redaktion<\/a>.<br>Urheberrechtliche Angaben zu Bildern, Grafiken und Videos sind direkt bei den Abbildungen vermerkt. Titelbild: Ist Montenegros Autobahn eine Schuldenfalle oder ein Weg zum Erfolg? Das am 22. September 2018 aufgenommene Foto zeigt die Baustelle der Moracica-Br\u00fccke, der ersten Autobahn Montenegros, etwa 14 km n\u00f6rdlich der Hauptstadt Podgorica. Foto: \u00a9 Wang Huijuan Xinhua \/ Eyevine \/ picturedesk.com<\/em><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>China kauft sich in S\u00fcdosteuropa ein \u2013 das hat auch politische Folgen, wie man in Serbien sehen kann.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1443,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[433,299],"tags":[355,399,246,530,383,374,400,401,307,310,312,334],"formats":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3559"}],"collection":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3559"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3559\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6742,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3559\/revisions\/6742"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1443"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3559"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3559"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3559"},{"taxonomy":"format","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/formats?post=3559"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}