{"id":3551,"date":"2018-10-01T00:00:00","date_gmt":"2018-10-01T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/erste-foundation.byinfinum.co\/schattengegner\/"},"modified":"2021-07-01T06:05:20","modified_gmt":"2021-07-01T06:05:20","slug":"schattengegner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/schattengegner\/","title":{"rendered":"Schattengegner"},"content":{"rendered":"
\n\tPolitiker in Ost- und S\u00fcdosteuropa schie\u00dfen sich auf Nichtregierungsorganisationen ein. Jenseits der wirtschaftlichen Vernunft.<\/strong><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tDer gr\u00f6\u00dfte Feind Viktor Orb\u00e1ns lebt mehr als 7.000 Kilometer von Budapest entfernt. Er hat Ungarn seit Jahren nicht mehr betreten. Einst hat er Viktor Orb\u00e1n das Studium an der britischen Oxford-Universit\u00e4t erm\u00f6glicht. Nun soll er beabsichtigen, den Ungarn und allen Europ\u00e4ern die Identit\u00e4t zu stehlen \u2013 zumindest in der Lesart des ungarischen Regierungschefs. Es handelt sich um George Soros, Gr\u00fcnder der Open Society Foundations, die seit Mitte der 1980er-Jahren die Zivilgesellschaft in Ungarn und nach der Wende in der ganzen Region zu st\u00e4rken versucht hat. Er ist zum ungarischen Staatsfeind Nummer eins aufgestiegen. Keine Rede, in der Regierungschef Orb\u00e1n den ungarischst\u00e4mmigen Investor und Philanthropen nicht angreift. Soros habe vor, Europa mit Fl\u00fcchtlingen zu \u00fcberschwemmen. Sein Ziel sei es, den Kontinent seiner christlichen und nationalen Identit\u00e4t zu berauben”, so hei\u00dft es in der ungarischen \u201eStop Soros\u201c-Kampagne. Ungarn ist in der europ\u00e4ischen Familie mittlerweile ein eigenes Kapitel. Erst vor wenigen Tagen hat die Mehrheit des EU-Parlaments f\u00fcr die Einleitung eines Rechtsstaatsverfahrens gegen Ungarn gestimmt. Soros-Bashing als willf\u00e4hriges Ablenkungsman\u00f6ver f\u00fcr die eigenen Probleme haben aber auch die slowakische und die rum\u00e4nische Regierung entdeckt. Dabei werden vor allem ausl\u00e4ndische Nichtregierungsorganisationen vor Ort laut mitgedacht.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tDie Geschichte der NGOs in der Region beginnt in den 1990er-Jahren und sie beginnt mit viel M\u00fchsal. Die ersten taten sich schwer. Sie betraten in den neo-demokratischen Staaten meist Neuland \u2013 das galt f\u00fcr beide Seiten. In den kommunistischen Zeiten war f\u00fcr eine funktionierende Zivilgesellschaft wenig bis kein Platz gewesen, und nach offizieller Auslegung auch keine Notwendigkeit: Der Staat versorgte und umsorgte seine B\u00fcrger, und konnte seinen Machtanspruch jederzeit mit Geheimdienst oder (struktureller) Gewalt untermauern. Oder beidem. Das hat er auch getan. Nach der Wende fehlten dann die Tradition sowie die gesetzlichen Regelungen. <\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tGleichzeitig standen die vorrangig westlichen Organisationen vor wesentlichen Herausforderungen: In den jeweiligen L\u00e4ndern mussten Gesetzesger\u00fcste neu aufgesetzt werden, der Governance-Prozess v\u00f6llig umgekrempelt und wirtschaftliche Reformen durchgespult sowie freie Medien gef\u00f6rdert werden \u2013 kurz, hier mussten Staaten aufgebaut werden. Mitgeholfen haben multilaterale Institutionen wie die Europ\u00e4ische Bank f\u00fcr Wiederaufbau und Entwicklung, die sich auf Infrastruktur konzentrierte und etwa die Weltbank, die Fachleute, \u00d6konomen, Ingenieure und \u00dcbersetzer weiterqualifizierte. <\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n