{"id":3525,"date":"2018-08-16T00:00:00","date_gmt":"2018-08-16T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/erste-foundation.byinfinum.co\/auf-schiene\/"},"modified":"2021-07-01T06:13:14","modified_gmt":"2021-07-01T06:13:14","slug":"auf-schiene","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/auf-schiene\/","title":{"rendered":"Auf Schiene"},"content":{"rendered":"\n\n\t\n\t\t\t
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\n\tIn den St\u00e4dten Osteuropas wird der \u00f6ffentliche Verkehr kr\u00e4ftig ausgebaut. Fahrr\u00e4der haben gegen die Liebe zum Auto und die schwerf\u00e4llige Politik indes wenig auszurichten.<\/strong><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tDer \u00f6ffentliche Verkehr in Prag ist vor allem eines: Alltag der Prager. Knapp 60 Prozent ihrer Wege legen die Menschen in der tschechischen Hauptstadt mit der Stra\u00dfenbahn, Metro oder dem Bus zur\u00fcck, hei\u00dft es von den Prager Verkehrsbetrieben. Allein die Metro erstreckt sich auf einem Netz von rund 60 Kilometern unter den Prager Stra\u00dfen. Wer zum Wenzelsplatz muss, nimmt die gr\u00fcnen Linie A bis zur Station Muzeum. Nach Feierabend steht man in den Garnituren der roten Linie C dicht an dicht, die im Norden im Plattenbauviertel Let\u0148any endet.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tZum Vergleich: Im f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Verkehr international gelobten Wien werden rund 40 Prozent der Wege \u00f6ffentlich gemacht \u2013 vor allem im 80 Kilometer langen U-Bahnnetz.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\t entsprechen einem Prozent der europ\u00e4ischen Wirtschaftsleistung und gehen aufgrund von Staus j\u00e4hrlich europaweit verloren.<\/p>

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100 Milliarden Euro<\/font>
entsprechen einem Prozent der europ\u00e4ischen Wirtschaftsleistung und gehen aufgrund von Staus j\u00e4hrlich europaweit verloren.<\/blockquote><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t
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\n\tDie Prager jedenfalls wissen den \u00f6ffentlichen Verkehr zu sch\u00e4tzen. Er gilt als billig, effizient und sauber. 86 Prozent sind mit dem \u00f6ffentlichen Verkehr in der Stadt zufrieden \u2013 ein europ\u00e4ischer Spitzenwert, den sich die Stadt selber einiges kosten l\u00e4sst. Ein Drittel des Budgets flie\u00dft in das \u00f6ffentliche Verkehrssystem. Und Prag macht das nicht aus Eigennutz. Der \u00f6ffentliche Verkehr hat einen entscheidenden Vorteil, nicht nur in der tschechischen Hauptstadt: Im Vergleich zum Individualverkehr kann eine U-Bahn den Raum 20 Mal effizienter nutzen als der motorisierte Individualverkehr, der in seiner Konzentration in ganz Europa Probleme macht. 100 Milliarden Euro \u2013 das entspricht einem Prozent der europ\u00e4ischen Wirtschaftsleistung \u2013 gehen aufgrund von Staus j\u00e4hrlich europaweit verloren. <\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tDer Ausbau des \u00f6ffentlichen Verkehrsnetzes ist ein Ansatz, die Umwelt-, L\u00e4rm- und Raumfragen in den St\u00e4dten Europas anzugehen. Die andere Antwort ist das Fahrrad. Am besten funktionieren die Konzepte in Kombination. Doch so gut Prag bei ersterer abschneidet, so mager fallen die Resultate im zweiten Feld aus. Die Stadt schafft ihr eigenes \u2013 im Vergleich nicht ambitioniertes \u2013 Ziel nicht, dass zumindest f\u00fcnf Prozent der Wege auf zwei R\u00e4dern absolviert werden. Daran tragen weniger die Prager Bewohner Schuld, die sich etwa gegen den Drahtesel wehren. Das Fahrradwegnetz ist schlicht zu schlecht ausgebaut, zu viele Stra\u00dfen haben Kopfsteinpflaster, und dass die touristischen Innenstadtbezirke rund um Karlsstra\u00dfe, Rathaus, Karlsbr\u00fccke und dem ehemaligen j\u00fcdischen Ghetto Fahrradfahren ganz verboten haben, hilft nat\u00fcrlich auch nicht. Vor allem, wenn Autofahrer weiterhin Sondergenehmigungen f\u00fcr die Fu\u00dfg\u00e4ngerzone erhalten k\u00f6nnen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tImmerhin werden sieben Prozent der Wege in Tschechien mit dem Fahrrad zur\u00fcckgelegt. Damit kommt das mitteleurop\u00e4ische Land nicht an die skandinavischen Spitzenreiter oder die Niederlande heran, kann sich aber in der Region gut behaupten. Der Nachbar Polen etwa schafft nur zwei Prozent. In Ungarn sind es zumindest 5,5 Prozent.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tBesonders schlecht schneidet Rum\u00e4nien mit \u00fcberhaupt nur 1,7 Prozent aller Wege ab. Wer einmal in Bukarest dem z\u00e4hen, stickigen Stadtverkehr mit dem Fahrrad entkommen wollte \u2013 der wei\u00df warum. Auch wenn man der Achse Calea Victoriei in Richtung Altstadt 2015 einen Fahrradstreifen verpasst hat und diesen irgendwie gegen Falschparker zu sch\u00fctzen versucht, auch wenn ein einsamer Leihfahrradanbieter in der Stadt sein Gl\u00fcck versucht, sind es Autos, die Bukarest regieren \u2013 kompromisslos und selbstsch\u00e4digend. Rund eine Stunde verliert jeder Autofahrer t\u00e4glich in den Staus der Stadt, was Bukarest als einzige europ\u00e4ische Stadt unter die zehn am meisten durch Stau belasteten St\u00e4dte der Welt hievt. Das zumindest sagt der TomTom-Stauindex, den der Navigationsspezialist j\u00e4hrlich auf Basis der eigenen GPS-Datenbank f\u00fcr 390 St\u00e4dte erstellt.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tAutofahrer in Ljubljana hingegen verlieren t\u00e4glich nur durchschnittlich 21 Minuten, was vor allem daran liegt, dass es immer weniger Autofahrer in der slowenischen Hauptstadt gibt. Die \u201eGr\u00fcne Hauptstadt Europas\u201c von 2016 k\u00f6nnte in wenigen Jahren auf einen Radfahranteil von 30 Prozent kommen und damit das aktuelle Niveau sogar verdreifachen, sie muss daf\u00fcr nur mit demselben Eifer moderne Verkehrsl\u00f6sungen vorantreiben, wie sie es zuletzt getan hat. In den 1970er-Jahren hat die Stadtverwaltung erste Radwege implementiert \u2013 heute gilt die Stadt mit einem Netzwerk von rund 200 Kilometern f\u00fcr 280.000 Einwohner als Vorbild in der Region. Herzst\u00fcck der Bem\u00fchungen der Stadtverwaltung ist die neue Slovenska-Stra\u00dfe. Die ehemalige vierspurige Verkehrsarterie wurde 2015 in eine Fu\u00dfg\u00e4ngerzone mit Bewegungszone umgewandelt. <\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n