{"id":3519,"date":"2018-07-26T00:00:00","date_gmt":"2018-07-26T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/erste-foundation.byinfinum.co\/wie-eine-oase-in-der-wueste\/"},"modified":"2022-03-30T16:29:46","modified_gmt":"2022-03-30T16:29:46","slug":"wie-eine-oase-in-der-wueste","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wie-eine-oase-in-der-wueste\/","title":{"rendered":"Wie eine Oase in der W\u00fcste"},"content":{"rendered":"
\n\tStaubige H\u00f6fe voller Ger\u00fcmpel und wucherndes Unkraut \u2013 in Ungarn ist das der gewohnte Anblick in den Vierteln, in denen die Armen leben. Und das, obwohl ein gepflegter Garten mit Nutzpflanzen gerade bed\u00fcrftigen Familien nicht nur einen angenehmeren Anblick, sondern auch eine wichtige Lebensmittelquelle bieten k\u00f6nnte. In diesem Bericht stellt Eszter Neuberger Menschen aus vernachl\u00e4ssigten Vierteln vor, die sie stolz durch ihre mit Blumen oder Gem\u00fcse bepflanzten G\u00e4rten f\u00fchren. Sie halten sich gern dort auf, weil sie sich f\u00fcr jeden Winkel verantwortlich f\u00fchlen. Und ganz gleich wie m\u00fcde sie nach ihrem Arbeitstag sind: Gartenarbeit bedeutet f\u00fcr sie Erholung.<\/strong> \n\tGarten in der Romasiedlung der Gemeinde Monor in Ungarn. Foto: \u00a9 Hajd\u00fa D. Andr\u00e1s<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tDer gr\u00fcnbewachsene Hof geh\u00f6rt offensichtlich zu einer Armeleutebehausung. Anstelle zusammenpassender, moderner Gartenm\u00f6bel steht ein ausgemustertes Kanapee in einer schattigen Ecke und es gibt keinen englischen Rasen. Dennoch sp\u00fcrt man, dass die Besitzerin den Garten regelm\u00e4\u00dfig pflegt, ihn planvoll angelegt hat und wahrscheinlich gerne ihre Zeit in ihm verbringt. \n\t\u201eEs entspannt mich einfach.\u201c<\/p> \n\t\u2014 Joli, Mitarbeiterin des Programms \u201eDort anwesend sein\u201c des Malteser Hilfsdienstes<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tJoli h\u00e4lt nicht nur ihren eigenen Hof in Ordnung. Unter ihrer Leitung wurden auf dem Gel\u00e4nde des Malteserzentrums Beete mit Nutzpflanzen angelegt. Es werden Erbsen, Bohnen, Kartoffeln und anderes Gem\u00fcse angebaut, wovon Joli und die anderen G\u00e4rtnerinnen und G\u00e4rtner einen Teil f\u00fcr den eigenen Bedarf mit nach Hause nehmen k\u00f6nnen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tJoli im Gemeinschaftsgarten des Malteser Hilfsdienstes in der Romasiedlung von Monor. Foto: \u00a9 Hajd\u00fa D. Andr\u00e1s<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tErbsen f\u00fcr einen Eintopf zu haben, die man nicht bezahlen muss, ist eine gro\u00dfe Hilfe. Aber Joli macht es nicht nur deshalb. \u201eEs entspannt mich einfach, wenn ich im Garten arbeite\u201c, sagt sie. Auch im eigenen Hof ist sie dauernd aktiv. Wenn sie Zeit hat t\u00e4glich mehr als eine Stunde, besonders im Sommer, wenn die Pflanzen gegossen werden m\u00fcssen, damit sie nicht vertrocknen. Joli hat aber keinen Wasseranschluss im Garten. Da sie ihre Wasserrechnung nicht belasten will, holt sie das Wasser von einem Hydranten auf der Stra\u00dfe. Manchmal muss sie diesen Weg f\u00fcnfzehnmal zur\u00fccklegen, bis sie mit ihrer F\u00fcnf-Liter-Gie\u00dfkanne die Badewanne hinten auf dem Hof angef\u00fcllt hat, aus der sie die Pflanzen gie\u00dft. \n\t\u201eDas habe ich bei meiner Mutter gesehen.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tJoli bezieht ihre Enkelkinder, den \u00e4lteren J\u00f3zsi und den j\u00fcngeren Kriszti\u00e1n, in die Gartenarbeit ein. Sie nimmt wahr, wie interessiert die beiden daran sind. \u201eBeim Pflanzen und S\u00e4en haben die Kinder gestaunt, und gefragt, woher ich das alles wei\u00df. Ich sagte: Das habe ich bei meiner Mutter gesehen\u201c, erz\u00e4hlt Joli. Sie ist der Meinung, dass fr\u00fchere Generationen, die ebenso arm waren, sehr viel aktiver und anspruchsvoller lebten als die Erwachsenen heutzutage. Ihr Vater beispielsweise war Korbmacher, die Mutter Hausfrau und dazu geh\u00f6rte eben auch, dass sie einen kleinen Garten bestellte.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tJoli m\u00f6chte ihre Liebe zum G\u00e4rtnern an ihre Enkelkinder weitergeben. Foto: \u00a9 Hajd\u00fa D. Andr\u00e1s<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tJoli m\u00f6chte die Liebe zum G\u00e4rtnern an die Jugend der Siedlung weitergeben. Vielversprechend ist, dass die Nachbarskinder regelm\u00e4\u00dfig helfen den Garten bei den Maltesern in Ordnung zu halten. Jetzt, in der Ferienzeit, haben sie zwischen den Ferienprogrammen der Nachmittagsbetreuung Zeit ein paar Erbsen zu pfl\u00fccken oder Unkraut zu j\u00e4ten.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\t\u201eIch poste auch auf Facebook.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tWir befinden uns in Told im ostungarischen Komitat Hajd\u00fa-Bihar, einem Dorf mit 350 Einwohnern an der rum\u00e4nischen Grenze, wo wir den Hof von Ang\u00e9la und ihrem Ehemann Imre betreten. Das Ehepaar err\u00f6tet bei unserer Ankunft und bittet uns ins Haus. Ang\u00e9la hat es vor einem Jahr von ihrem verstorbenen Vater geerbt. Im Fr\u00fchling ist die Familie hierher gezogen. \n\tAng\u00e9la bekommt f\u00fcr ihren Gem\u00fcsegarten viele likes auf Facebook. <\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\t\u201eWir haben gelernt viel Geld zu sparen.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tAng\u00e9la hat im Gegensatz zu Joli das G\u00e4rtnern nicht von ihren Eltern gelernt. Bis zum Alter von zw\u00f6lf Jahren lebte sie in einem Heim. Dann kam sie zu ihrem Vater und ihrer Stiefmutter, aber die besch\u00e4ftigten sich nicht mit der G\u00e4rtnerei. \u201eMein Mann und ich haben das einfach gelernt, um damit Geld sparen zu k\u00f6nnen. Wenn wir weniger f\u00fcr Gem\u00fcse ausgeben, bleibt mehr Geld f\u00fcr Fleisch\u201c, sagt sie. \n\tDie Tierhaltung hat ihren Preis, aber auch ihre Vorteile. Foto: \u00a9 Hajd\u00fa D. Andr\u00e1s<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tDie Tierhaltung hat ihren Preis: Futtermittel kosten monatlich 11.000 Forint (34 Euro), Geld, das sie Anfang des Monats zur\u00fccklegen. Sie leben von Imres Gehalt als Arbeiter im Arbeitsdienst, dem Kindergeld, das Ang\u00e9la f\u00fcr ihr zweieinhalbj\u00e4hriges Kind erh\u00e4lt, Familienbeihilfe und die Waisenrente f\u00fcr Ang\u00e9las Bruder. Das ergibt insgesamt 130.000 Forint (400 Euro) im Monat f\u00fcr eine vierk\u00f6pfige Familie.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tAng\u00e9la in ihrem Garten. Foto: \u00a9 Hajd\u00fa D. Andr\u00e1s<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tDie Gartenarbeit verrichtet sie zusammen mit ihrem Mann, vor allem die zeit- und energieaufwendigen Arbeiten wie das Gie\u00dfen, denn auch Ang\u00e9la hat keinen Wasseranschluss im Garten, nicht einmal flie\u00dfendes Wasser im Haus. Die n\u00e4chste Wasserstelle ist 50 Meter entfernt. Von dort schleppt das Ehepaar t\u00e4glich in Zehn-Litergef\u00e4\u00dfen das Wasser f\u00fcr ihre Pflanzen, die Tiere und nat\u00fcrlich f\u00fcr den vierk\u00f6pfigen Haushalt. Wenn gerade Waschtag ist \u2013 und der ist dreimal in der Woche \u2013 m\u00fcssen sogar 100 Liter vom Brunnen geholt werden.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\t\u201e… sie kommen auch in der gr\u00f6\u00dften Armut zurecht.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\t\u201eWer die F\u00e4higkeit hat, sich selbst zu erhalten, der kommt auch in der gr\u00f6\u00dften Armut zurecht und kann sich selbst helfen. Sie haben einen Gem\u00fcsegarten hinter dem Haus, darin gibt’s Kartoffeln und Gem\u00fcse\u201c, erkl\u00e4rt N\u00f3ra L. Rit\u00f3k von der Stiftung Igazgy\u00f6ngy (\u201eEchte Perle\u201c) in Told, die Ang\u00e9la und ihre Familie gut kennt. \n\tN\u00f3ra L. Rit\u00f3k macht Aufnahmen von riesigen Kohlk\u00f6pfen im Gemeinschaftsgarten ihrer Stiftung. Foto: \u00a9 Hajd\u00fa D. Andr\u00e1s<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tDaran l\u00e4sst sich etwas \u00e4ndern. Wie in zahlreichen anderen verarmten Siedlungen gibt es auch in Told einen Gemeinschaftsgarten, der von der Stiftung betrieben wird. Die Dorfbewohner k\u00f6nnen in einem angemeldeten Arbeitsverh\u00e4ltnis, als Gelegenheitsarbeiter oder freiwillig mitarbeiten. Viele von ihnen lernen hier die Arbeitsabl\u00e4ufe f\u00fcr die Pflanzenzucht, anschlie\u00dfend bekommen sie nach M\u00f6glichkeit Saatgut und Pflanzen, die sie bei sich zu Hause im Garten anbauen k\u00f6nnen. N\u00f3ra L. Rit\u00f3k gibt sich keinen Illusionen hin. Es komme immer wieder vor, dass manche das Saatgut lieber verkaufen und die erhaltenen Kartoffeln nicht einpflanzen, sondern lieber am Wochenende aufessen. Bei unserem Besuch erlebte Nora jedoch eine \u00dcberraschung. Als sie auf den nichtumgez\u00e4unten Hof eines verfallenen Hauses tritt, findet sie in einer kleinen Ecke hinter Unkraut wild wachsenden K\u00fcrbis, Zwiebeln und Karotten. \u201eSchaut, das hier ist ein Gem\u00fcsegarten! Damit habe ich nicht gerechnet\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tOriginal auf Ungarisch. Erstmals publiziert am 10. Juli 2017 auf abcug.hu<\/a>. Aus dem Ungarischen von Zs\u00f3ka Leposa und Karlheinz Schweitzer. \n\t<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\t Eszter Neubergers preisgekr\u00f6nter Artikel \u00fcber Menschen aus vernachl\u00e4ssigten Vierteln in Ungarn<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1291,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[299,436,435],"tags":[327,370,539,312],"formats":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3519"}],"collection":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3519"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3519\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5593,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3519\/revisions\/5593"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1291"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3519"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3519"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3519"},{"taxonomy":"format","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/formats?post=3519"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}
Tab\u00e1n geh\u00f6rt zur Gemeinde Monor in Mittelungarn. Nachdem man die staubigen Stra\u00dfen und die mit Sperrm\u00fcll vollgestellten H\u00f6fe vor den H\u00e4usern der Siedlung verlassen hat, f\u00fchlt man sich im Garten von Joli Ol\u00e1h J\u00f3zsefn\u00e9 wie in einer Oase. Gerade zu dieser Jahreszeit ist der Garten am sch\u00f6nsten, weil die meisten Pflanzen unter ihrer f\u00fcrsorglichen Pflege bl\u00fchen. Ihre Lieblinge:\u00a0 die Rosen. Unser Gespr\u00e4ch f\u00fchren wir auf einer Terrasse unter Kletterrosen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\t\n\t<\/div>\t
Die 55-j\u00e4hrige Joli ist eine der treibenden Kr\u00e4fte des Programms Jelenl\u00e9t<\/em> (\u201eDort anwesend sein\u201c) des Malteser Hilfsdienstes in der Romasiedlung von Monor. Sie ist bei der Organisation angestellt und kann deshalb, im Gegensatz zu anderen Bewohnern der Siedlung, mit einem einigerma\u00dfen sicheren Einkommen kalkulieren. Zusammen mit ihrem arbeitslosen Ehemann verf\u00fcgt sie \u00fcber 70\u201380.000 Forint (210\u2013250 Euro) im Monat und steht damit kaum besser da, als ein durchschnittlicher Bewohner von Tab\u00e1n. Als wir auf der Stra\u00dfe einer jungen Frau sagen, dass wir arme Haushalte mit einem sch\u00f6nen Garten suchen, sagt sie sofort: \u201eEinen sch\u00f6nen Garten hat hier nur Joli.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\t\n\t<\/div>\t
\u201eFr\u00fcher hatte ich auch Gras im Hof, aber vor ein paar Jahren brach die Sickergrube durch und ausflie\u00dfendes Abwasser zerst\u00f6rte das Gras. Seitdem baue ich auch nicht mehr so gerne Gem\u00fcse an\u201c, erkl\u00e4rt Joli. Wegen der Bew\u00e4sserungsprobleme kann sie keinen neuen Rasen im Hof anlegen \u2013 in der ersten Zeit m\u00fcsste er n\u00e4mlich zweimal am Tag gegossen werden, was ohne Wasseranschluss im Garten \u00fcbermenschliche Kr\u00e4fte erfordern w\u00fcrde.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\t\n\t<\/div>\t
\u201eAm Haus gibt es immer noch viel zu tun, aber Sie k\u00f6nnen sich nicht vorstellen, wie es vorher hier ausgesehen hat. Hier war beispielsweise ein Rattennest\u201c, sagt Imre und zeigt auf die Wand in der Diele. Das Paar hat selbst die Renovierung des Hauses \u00fcbernommen, ihr vorheriges Zuhause haben sie ihrer Tochter und deren Familie zum Wohnen \u00fcberlassen.
Wir verlassen das Lehmhaus, das sich tats\u00e4chlich in einem erb\u00e4rmlichen Zustand befindet, und gehen sofort wieder auf den Hof, denn hier ist Ang\u00e9las Gem\u00fcsegarten und hier halten die beiden auch Tiere.
\u201ePastinaken, Zwiebeln, rote Zwiebeln, Kartoffeln. Wir hatten heuer auch Salat und Erbsen, aber die sind schon abgeerntet.\u201c Ang\u00e9la z\u00e4hlt auf, was sie in diesem Jahr alles angebaut hat. Sie s\u00e4t einen gro\u00dfen Teil davon schon im November, damit, wie sie sagt, bei ihnen der Garten schon sch\u00f6n ist, wenn die anderen noch am Auss\u00e4en sind.
\u201eIch poste auch auf Facebook. \u201aSchaut! So einen Salat habe ich, das ist ein Gem\u00fcsegarten!\u2018 Danach liken das viele. Ich zeige gerne, was ich f\u00fcr sch\u00f6nes Gem\u00fcse habe\u201c, erz\u00e4hlt Ang\u00e9la. Dann zeigt sie auch einen Post auf Facebook mit wild wachsendem gr\u00fcnen Kartoffelkraut.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\t\n\t<\/div>\t
Die beiden halten auch Tiere, fr\u00fcher Schweine, jetzt aber nur noch Gefl\u00fcgel. Ein K\u00fcken kostet 370 Forint (1,20 Euro). Sie ziehen es mit Maisgrie\u00df, H\u00fchnerfutter und Weizen innerhalb von 7\u20138 Monaten auf. Derzeit besitzen sie junge wie auch ausgewachsene Tiere. Die \u00e4lteren legen Eier, die Ang\u00e9la gew\u00f6hnlich ihren T\u00f6chtern weitergibt, die im Dorf leben.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\t\n\t<\/div>\t
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N\u00f3ra berichtet von Menschen, bei denen der Gartenbau zur Familientradition geh\u00f6rt \u2013 wie wir es bei Joli gesehen haben \u2013, und die seit Generationen wissen, dass es leichter ist, eine Familie zu ern\u00e4hren, wenn man selbst ein paar Grundnahrungsmittel erzeugt. In vergleichbaren Siedlungen wie denen von Told und Monor gibt es viele Menschen, denen diese Tradition nicht \u00fcberliefert wurde. Ihre G\u00e4rten liegen brach und sind staub\u00fcberzogen wie die in Tab\u00e1n, oder sie sind \u00fcberwuchert von undurchdringlichem Dschungel wie einige H\u00f6fe in der Romasiedlung von Told. Diese Haushalte leiden jedoch die gr\u00f6\u00dfte Not und es w\u00e4re gut, wenn sie am Monatsende nicht im Laden Kartoffeln und Zwiebeln kaufen m\u00fcssten.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\t\n\t<\/div>\t
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Dieser Text ist urheberrechtlich gesch\u00fctzt. \u00a9 Eszter Neuberger. <\/em>Bei Interesse an Wiederver\u00f6ffentlichung bitten wir um Kontaktaufnahme mit der Redaktion<\/a>.
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern, Grafiken und Videos sind direkt bei den Abbildungen vermerkt. Titelbild: \u00a9 Hajd\u00fa D. Andr\u00e1s.<\/em><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\nJournalismuspreis “von unten”<\/h1>
Der Journalismuspreis \u201evon unten\u201c wurde 2010 von der Armutskonferenz<\/a> entwickelt. Mit dem Ziel einen Journalismus zu f\u00f6rdern, der den vielen Facetten von Armut gerecht wird, Betroffene respektvoll behandelt, ihre Stimmen h\u00f6rbar bzw. sichtbar macht und Hintergr\u00fcnde ausleuchtet. Die Jury setzt sich ausschlie\u00dflich aus Menschen mit Armutserfahrungen zusammen und auch deshalb ist die W\u00fcrdigung f\u00fcr die bisher 53 ausgezeichneten JournalistInnen etwas Besonderes.
Seit 2015 wird mit Unterst\u00fctzung der ERSTE Stiftung und des EAPN<\/a> (Europ\u00e4isches Armutsnetzwerk) an einer internationalen Verbreitung des Preises gearbeitet und daf\u00fcr internationale Austausch-Workshops organisiert. Zuletzt wurde der Journalismuspreis f\u00fcr respektvolle Armutsberichterstattung erstmals auch in Ungarn, Kroatien, Finnland und Island verliehen. Dieser Artikel von Sandra Knopp und Udo Seelhofer wurde 2017 in der Kategorie Online<\/a> ausgezeichnet.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"