{"id":3512,"date":"2018-07-03T00:00:00","date_gmt":"2018-07-03T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/erste-foundation.byinfinum.co\/traenengas-im-parlament\/"},"modified":"2021-08-23T15:48:46","modified_gmt":"2021-08-23T15:48:46","slug":"traenengas-im-parlament","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/traenengas-im-parlament\/","title":{"rendered":"Tr\u00e4nengas im Parlament"},"content":{"rendered":"<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<strong>Das Parlament des Kosovo wird seit mittlerweile vier Monaten unter Einsatz von Tr\u00e4nengas blockiert. In diesem Blogeintrag wird anhand bedeutender vergangener oder zuk\u00fcnftiger Geschehnisse, der Regierungsperformance und den Positionen und Strategien der wichtigsten Parteien er\u00f6rtert, wie die aktuellen Ereignisse eine gr\u00f6\u00dfere Krise der politischen Elite im Land offenbaren.<\/strong><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<strong>Die aktuelle politische Krise<\/strong><br><br>Eine Opposition, die Tr\u00e4nengasgranaten hochgehen l\u00e4sst und jede geplante Arbeitssitzung des kosovarischen Parlaments blockiert (eine seltene Ausnahme war der Gastvortrag des \u00f6sterreichischen Bundespr\u00e4sidenten Heinz Fischer am 29. Oktober 2015), die w\u00fctende Proteste organisiert (und dabei sogar die Kosten f\u00fcr die Busfahrt von Demonstranten \u00fcbernimmt, die von weit her anreisen), die die Regierung zum R\u00fccktritt auffordert; und eine Comedy-Band, die sich \u00fcber ehemalige Kommandanten der Befreiungsarmee des Kosovo (U\u00c7K) lustig macht, die heute an der Spitze des Establishments stehen. Das sind die wichtigsten Bilder des Kosovo der vergangenen vier Monate, die nach und nach eine gr\u00f6\u00dfere Krise der politischen Elite zum Vorschein bringen, die nicht so einfach zu \u00fcberwinden sein wird: Die Elite ist entweder vom exzessiven Missbrauch und der Dauerhaftigkeit ihrer Machtposition aufgezehrt oder setzt sich f\u00fcr weitgehend irrelevante Belange ein.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tZiel der (Protest-)Aktionen der Oppositionsparteien waren zwei Abkommen, die Ende August innerhalb eines Tages in Br\u00fcssel und Wien unterzeichnet wurden. Gem\u00e4\u00df dem ersten Abkommen veranlassen Prishtina und Belgrad unter Vermittlung der Europ\u00e4ischen Union die Bildung eines Verbands zur Koordinierung der Aktivit\u00e4ten der mehrheitlich serbischen Gemeinden im Kosovo.<sup style=\"color: gray\" class=\"js-footnote\"><a href=\"http:\/\/eeas.europa.eu\/statements-eeas\/docs\/150825_02_association-community-of-serb-majority-municipalities-in-kosovo-general-principles-main-elements_en.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Associaton\/Community of Serb majority municipalities in Kosovo \u2013 general principles\/main elements<\/a> (Abgerufen am 19. Januar 2016). <\/sup> Das zweite Abkommen zwischen dem Kosovo und Montenegro soll endlich den Grenzverlauf zwischen den beiden L\u00e4ndern regeln. Laut Opposition sind beide Abkommen zum Nachteil des Kosovo, weil ersteres den Weg f\u00fcr die ethnische Spaltung des Kosovo ebne und durch das Grenzabkommen 12.000 Hektar Land an Montenegro verschenkt w\u00fcrden.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tW\u00e4hrend Montenegro den Kosovo 2008 anerkannte und beide L\u00e4nder ansonsten normale Beziehungen unterhalten (neue Grenzabkommen werden dies nicht \u00e4ndern), arbeiten Prishtina und Belgrad im Rahmen eines 2011 begonnenen, in Diplomatenkreisen als \u201etechnisch\u201c bezeichneten Dialogs weiterhin am Aufbau von Kommunikationskan\u00e4len. Alle Abkommen sind neutral formuliert, um politische Auswirkungen auf den umstrittenen Status des Kosovo zu vermeiden. Bei dem vorgeschlagenen Verband handelt es sich eindeutig nicht, wie von der Regierung im Kosovo pr\u00e4sentiert, um eine informelle Nichtregierungsorganisation (NGO), noch sind die Verhandlungen mit den Kosovo-Serben und Serbien lediglich technischer Natur.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tEine innerstaatliche serbische Union w\u00fcrde die institutionelle Auffassung vervollkommnen, die die Geschichte des Konflikts zwischen der albanischen Mehrheit und der serbischen Minderheit und ihren legitimen Forderungen nach Selbstverwaltung widerspiegelt. Insofern w\u00fcrde der Kosovo institutionell eher Belgien oder der Schweiz \u00e4hneln als homogeneren L\u00e4ndern wie \u00d6sterreich oder Ungarn. Die k\u00fcnftige Rolle des Verbandes serbischer Gemeinden \u2013 ob spaltend oder integrativ \u2013 wird stets vom Verhalten der wichtigsten politischen Akteure und der Situation in der Region und in Europa abh\u00e4ngen. Aus diesem Grund wird der Dialog zwischen Serben und Albanern auch nicht enden, wie es von vielen in Prishtina erwartet wird: Er wird und sollte immer andauern.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tF\u00fcr die Regierungskoalition wird es jedoch schwierig sein, trotz Unterst\u00fctzung der amerikanischen und europ\u00e4ischen B\u00fcndnispartner mit der Best\u00e4tigung und Umsetzung der Abkommen fortzufahren und vorrangig vom Verfassungsgericht gr\u00fcnes Licht f\u00fcr die Schaffung eines Verbandes zu bekommen. Trotz des hohen Anteils an Parlamentssitzen (68 von 120) leidet ihre F\u00fchrung unter einem gravierenden, durch Korruption und ihre schwache Performance verursachten Mangel an \u00f6ffentlicher Legitimit\u00e4t. So wurde der kurz vor Jahresende erschienene Film einer Comedy-Gruppe, der ehemalige U\u00c7K-F\u00fchrer (die zentrale Mitglieder des heutigen Establishments sind) wegen ihrer Besitzaneignungen nach dem Krieg und Eliminierung kritischer Rivalen aufs Korn nimmt, in den vergangenen Wochen im Kosovo sehr h\u00e4ufig aufgerufen und diskutiert.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tZudem wird derzeit ein internationales, in den Niederlanden ans\u00e4ssiges Tribunal errichtet, das das Vorgehen der U\u00c7K gegen Angeh\u00f6rige von Minderheiten und Mitglieder der albanischen Oppositionsparteien w\u00e4hrend des Krieges und in der Nachkriegszeit zwischen 1998 und 2000 untersuchen soll.<sup style=\"color: gray\" class=\"js-footnote\"><a href=\"http:\/\/www.hlc-rdc.org\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/Statement_of_the_Chief_Prosecutor_of_the_SITF_EN.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Statement of the Chief Prosecutor of the Special Investigative Task Force 29 July 2014<\/a> (Abgerufen am 19. Januar 2016). <\/sup><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tEs ist eine im Untergang begriffene Elite, die beinah zwei Jahrzehnte lang f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit von Serbien gek\u00e4mpft hat: Ihr gelang es zwar, 2008 die Unabh\u00e4ngigkeit des Landes zu erkl\u00e4ren, die offiziell von 111 Mitgliedern der Vereinten Nationen, darunter 23 EU-Mitgliedsl\u00e4nder, anerkannt wird; die Bilanz ihrer Regierungsf\u00fchrung ist jedoch d\u00fcrftig und eine Verbesserung dieser wenig glaubw\u00fcrdig. Die Krise in der albanischen politischen Elite gef\u00e4hrdet sowohl ethnische Beziehungen als auch die demokratische Konsolidierung des Kosovo.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<strong>Kennzahlen der Regierungsf\u00fchrung<\/strong><br><br>In einer lokalen Fernsehsendung sagte der nationalistische Autor Rexhep Qosja im Dezember, dass er die U\u00c7K wegen ihres Kampfes gegen die Regierung Serbiens zwischen 1998 und 1999 unterst\u00fctzt habe, distanzierte sich aber erstmals davon, wie die Rebellenf\u00fchrer das Land nach dem Krieg regiert hatten. Qosja z\u00e4hlte zu den wichtigsten Intellektuellen, die U\u00c7K-Anf\u00fchrer Hashim Tha\u00e7i, den wohl m\u00e4chtigsten politischen Akteur seit 1999, unterst\u00fctzten. Qosja bezeichnete den Krieg der U\u00c7K als \u201eRevolution\u201c.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tStreng politisch gesehen k\u00f6nnte man ihn durchaus als Revolution bezeichnen, da die Aktionen der U\u00c7K zum milit\u00e4rischen Eingreifen der NATO beitrugen, was zum Abzug der serbischen Verwaltung und Streitkr\u00e4fte aus dem Kosovo f\u00fchrte \u2013 und dem Wunsch der Mehrheit der albanischen Bev\u00f6lkerung entsprach. Nach dem Krieg entstanden neue Institutionen, die politische Beteiligung auf Parteitagen war hoch und bei den ersten Wahlen 2001 lag die Wahlbeteiligung bei 65,71 %.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tWas jedoch die Verbesserung der sozialen Bedingungen der Bev\u00f6lkerung betrifft, so weisen die Daten darauf hin, dass es in wichtigen Bereichen \u2013 wie etwa der Besch\u00e4ftigung \u2013 im Vergleich zu Mitte der 1980er-Jahre, als der Kosovo eine Provinz Jugoslawiens war, nur geringe Fortschritte gibt.<sup style=\"color: gray\" class=\"js-footnote\">Die Daten basieren auf dem statistischen Jahrbuch der Republik Kosovo (Statistisches Amt Kosovo 2015 und seine anderen Berichte), Jugoslawien 1945-1985: statistische Auswertung (Bundesamt f\u00fcr Statistik Jugoslawien, 1986) und Arbeitskr\u00e4fteerhebung Kosovo (Weltbank, 2013). <\/sup><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div class=\"embed-code\"><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/e.infogram.com\/d1fde5af-48f4-4ff8-8fc5-4b6e32663757?src=embed\" title=\"\" width=\"\" height=\"\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none;\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/div>\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tDem letzten offiziellen statistischen Jahrbuch zufolge machen den gr\u00f6\u00dften Unterschied hinsichtlich der Besch\u00e4ftigung die 81.600 ArbeitnehmerInnen in der neuen staatlichen Verwaltung aus. Das sind weitaus mehr, als der Kosovo noch vor drei Jahrzehnten hatte. Mittel f\u00fcr Sozialhilfeleistungen kommen etwa 350.000 Menschen zugute, die dann nicht als erwerbslos erfasst sind. Die \u00f6ffentliche Besch\u00e4ftigung und der Sozialhilfebereich werden jedoch stark von politischem Klientelismus beherrscht: Parteien vergeben einen Gro\u00dfteil der \u00f6ffentlichen Stellen und Sozialhilfeleistungen an ihre W\u00e4hlerschaft und sichern sich so Loyalit\u00e4t und Stimmen. Die serbische Gemeinschaft profitiert kaum von Sozialhilfeleistungen und die Armut in von Serben dominierten Gebieten ist deutlich h\u00f6her. Deshalb wird das Gesundheits- und Bildungssystem fast ausschlie\u00dflich von Serbien organisiert.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tTrotz fortlaufender internationaler Budgetzuwendungen und einem gegenw\u00e4rtigen Jahresbudget von rund 1,6 Milliarden Euro haben die wichtigsten strategischen Investitionen der kosovarischen Regierung \u2013 in die Infrastruktur \u2013 seit 1984 nicht einmal zu einer Verdoppelung der bestehenden asphaltierten Stra\u00dfen gef\u00fchrt. Der j\u00fcngste Boom auf dem Wohnungsmarkt ist beinah g\u00e4nzlich von privaten Einzelinvestitionen und Geldern der gro\u00dfen Diaspora getrieben.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tDie offizielle Arbeitslosenrate lag 2014 bei 35,3 %. Zu dieser Zahl gelangt man, wenn man etwa die unter 18-J\u00e4hrigen, Besch\u00e4ftigte, Sozialhilfeempf\u00e4nger und Studierende von der gesamten Einwohnerzahl wegrechnet. Die meisten Studierenden erhalten keine Stipendien. Die Zahl k\u00f6nnte dennoch theoretisch stimmen, wenn man Personen ber\u00fccksichtigt, die auf dem informellen Markt t\u00e4tig sind. Laut einem \u00e4hnlichen Berechnungsverfahren und unter besseren Studienbedingungen lag die Arbeitslosenrate 1984 bei etwa 44 %.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tDie Besch\u00e4ftigung im Wirtschaftssektor ist nach wie vor schwach und entspricht nahezu den Einkommen der Haushalte aus staatlichen Geh\u00e4ltern. Darin liegt wohl das gr\u00f6\u00dfte Problem. \u00dcber 100.000 Menschen, vorwiegend albanischer Ethnie, flohen 2014 und 2015 aus dem Kosovo, um in der Europ\u00e4ischen Union Arbeit zu suchen. Nach Angaben der Regierung wanderten 1989, dem Jahr, als die Autonomie des Kosovo aufgehoben wurde, etwa 18.000 Menschen in den Westen aus. Allgemeine Armut betrifft sch\u00e4tzungsweise 30 % der Bev\u00f6lkerung.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tLebensqualit\u00e4t, Minderheitenrechte, Meinungsfreiheit und wirtschaftliche Chancen sind wichtige Aspekte einer guten Regierungsf\u00fchrung. Nat\u00fcrlich zeichnen Statistiken kein vollst\u00e4ndiges Bild, und Ressourcen sind wahrscheinlich an andere Teile der Bev\u00f6lkerung verteilt worden. Dennoch kann man wohl kaum von revolution\u00e4ren Ver\u00e4nderungen im Laufe der Zeit sprechen, insbesondere nicht angesichts der Dimension des vorhergehenden Konflikts und der Opferzahlen. Stattdessen konzentriert sich weitaus mehr Geld in den H\u00e4nden der \u201ewenigen Neuen\u201c, die mit der Unabh\u00e4ngigkeitsbewegung in Verbindung stehen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<strong>Blockade der Parteireform<\/strong><br><br>Die Leistung der Regierung wird zus\u00e4tzlich durch Korruption beeintr\u00e4chtigt. Nicht lange nach seinem Amtsantritt fand sich Premierminister Isa Mustafa 2015 auf den Titelseiten der Zeitungen wieder, bizarrerweise weil sein B\u00fcro den Auftrag f\u00fcr Wartung und Service eines Regierungsfahrzeuges an ein Unternehmen vergab, das seinem Sohn geh\u00f6rte.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tMustafa, Parteivorsitzender der Demokratischen Liga des Kosovo (LDK), war w\u00e4hrend der fr\u00fchen \u00c4ra Milo\u0161evi\u0107, die von den Albanern massenhaft boykottiert wurde, Regierungsbeamter im Kosovo. Von 2007 bis 2013 fungierte er als B\u00fcrgermeister von Prishtina, ohne nennenswerte Erfolge vorweisen zu k\u00f6nnen. Zudem wurde ihm Machiavellismus vorgeworfen, als er sich weigerte, eine Koalition mit der Demokratischen Partei des Kosovo (PDK) einzugehen, aber schlie\u00dflich 2014 die Seiten wechselte. Vor der Wahl<sup style=\"color: gray\" class=\"js-footnote\">Basierend auf den Webseiten der zentralen Wahlkommission Kosovo und des kosovarischen Parlaments: <a href=\"http:\/\/www.kqz-ks.org\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/1.-Rezultatet-e-p%C3%ABrgjithshme-sipas-Subjekteve-2014.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.kqz-ks.org<\/a> und <a href=\"http:\/\/kuvendikosoves.org\/?cid=1,107\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.kuvendikosoves.org<\/a> (Abgerufen am 19. Januar 2016). <\/sup> einigte sich Mustafa mit allen Oppositionsparteien (den Parteien, die derzeit Proteste organisieren), eine Regierung ohne die PDK zu bilden \u2013 eine Position, die sechs Monate lang die Einf\u00fchrung neuer Institutionen blockierte.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div class=\"embed-code\"><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/e.infogram.com\/bc5be4dc-fb1f-45ce-949d-b8bb03c46a62?src=embed\" title=\"\" width=\"\" height=\"\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none;\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/div>\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tKritische Stimmen aus seiner Partei, darunter junge Parlamentsmitglieder und vielversprechende zuk\u00fcnftige F\u00fchrungskr\u00e4fte, wurden rasch aus zentralen Parteifunktionen verdr\u00e4ngt. Die Einigung mit der PDK, die Isa Mustafa zum zweiten Premierminister des unabh\u00e4ngigen Kosovo machte, wird seinem Amtsvorg\u00e4nger Hashim Tha\u00e7i diesen Fr\u00fchling voraussichtlich zur Pr\u00e4sidentschaft verhelfen. Tha\u00e7is enger Verb\u00fcndeter Kadri Veseli, Chef des ehemaligen Nachrichtendienstes des Kosovo (SHIK) \u2013 einer Organisation, die zwischen 1999 und 2008 illegal den Interessen der PDK diente \u2013, ist der derzeitige stellvertretende Parteichef der PDK und Parlamentspr\u00e4sident. Jetzt, da Tha\u00e7i das Pr\u00e4sidentenamt anstrebt und seine Parteifunktionen zur\u00fccklegen muss, gilt Veseli de facto eher als Vorsitzender der PDK als einige neue Funktion\u00e4re. W\u00e4hrend der PDK-Regierung kontrollierte Veselis SHIK die staatliche Verwaltung, Wirtschaft und Medien. Zudem waren Mitglieder der PDK in zahlreiche bizarre Kriminalit\u00e4ts- und Korruptionsf\u00e4lle verwickelt.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tVier der wichtigsten PDK-Spitzen, darunter Tha\u00e7i und Veseli, finden in dem bekannten Bericht des Schweizer Politikers Dick Marty an die Parlamentarische Versammlung des Europarats im Dezember 2010 Erw\u00e4hnung. W\u00e4hrend sich Tha\u00e7i auf seine Aufgaben als Pr\u00e4sident vorbereitet, wird in Den Haag ein internationales Gericht installiert, das sich auf Martys Bericht st\u00fctzt und mutma\u00dfliche Verbrechen der ehemaligen U\u00c7K gegen Serben, andere Minderheiten und ihre politischen Gegner zwischen J\u00e4nner 1998 und Dezember 2000 untersuchen soll. Wichtigster Gegner war damals ausgerechnet die LDK, derzeitiger Partner in der Regierungskoalition.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tBeide Parteien haben interne Reformen unterbunden. Einige ehemalige Berater und Funktion\u00e4re der PDK n\u00e4hern sich nun der wichtigsten Oppositionspartei, Vet\u00ebvendosje, an. In diesem Sinn ist Rexhep Qosjas j\u00fcngste Position durchaus relevant. Zwei Oppositionsparteien, die sich den gegenw\u00e4rtigen Protesten angeschlossen haben, die Allianz f\u00fcr die Zukunft Kosovos (AAK) und die Initiative Nisma, gingen aus der U\u00c7K hervor. Nisma war ebenfalls eine Fraktion der PDK. Ihre Parteispitzen waren in Korruptionsf\u00e4lle verwickelt, sind wenig beliebt, und Vorsitzende beider Parteien waren vor dem internationalen Kriegsverbrechertribunal f\u00fcr das ehemalige Jugoslawien angeklagt. Auch sie werden in Martys Bericht erw\u00e4hnt.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tAlle genannten Parteien \u2013 PDK, LDK, AAK und Nisma \u2013 haben wesentlich zum Erfolg der Unabh\u00e4ngigkeitsbewegung beigetragen und tragen nahezu alle oben angef\u00fchrten Folgelasten. Dazu z\u00e4hlt auch das Vers\u00e4umnis, die Serben nach dem Krieg auf vern\u00fcnftige Weise in den Kosovo zu integrieren, was den serbischen Ministerpr\u00e4sident Aleksandar Vu\u010di\u0107 zu einer wichtigen internen Stimme im Kosovo macht.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<strong>Neue Nationalisten<\/strong><br><br>Die wichtigste Partei der albanischen Opposition, Vet\u00ebvendosje (Selbstbestimmung, VV), hebt sich von den anderen Parteien ab und vervollst\u00e4ndigt doch das Bild der Krise der politischen Elite. Trotz ihres zumeist intellektuellen Images aufgrund der rhetorischen Eloquenz ihrer Mitglieder in der \u00d6ffentlichkeit ist die politische Glaubw\u00fcrdigkeit der Partei bei der W\u00e4hlerschaft aus guten Gr\u00fcnden weiterhin gering.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tVet\u00ebvendosje hat die wichtigen Ereignisse in der j\u00fcngeren Geschichte des Kosovo nie akzeptiert: das Ergebnis der Pariser Verhandlungen 1999, das zum milit\u00e4rischen Eingreifen der NATO f\u00fchrte, die Vorschl\u00e4ge zum Status des Kosovo des ehemaligen UN-Vermittlers Martti Ahtisaari und die daraus resultierende Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung 2008. Sie ist gegen eine Dezentralisierung, die die serbisch dominierten Gemeinden st\u00e4rken w\u00fcrde, und spricht sich noch st\u00e4rker gegen den neuen Verband aus, der diese koordinieren soll. Die Bewegung bem\u00fcht sich um den Zusammenschluss aller Albaner in einem Staat. Aus diesem Grund organisierte sie am 28. November, dem albanischen Tag der Flagge, symbolhaft eine der j\u00fcngsten Protestkundgebungen gegen die Abkommen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tDer Schritt in Richtung einer Vereinigung mit Albanien auf lange Sicht k\u00f6nnte tats\u00e4chlich eher zur ethnischen Teilung des Kosovo beitragen als zur ethnischen Integration, wenn nicht sogar zum Wiederaufleben ethnischer Spannungen. Das letzte Mal, als eine nationalistische Bewegung in Serbien in den sp\u00e4ten 1980er-Jahren entstanden war, wurde sie zun\u00e4chst ebenso von vielen als intellektuell erfrischend empfunden, endete jedoch mit verheerenden Folgen. Zugleich ist der Dialog, den Vet\u00ebvendosje mit der internationalen Gemeinschaft unterh\u00e4lt, schwach, weil die Partei diese oberfl\u00e4chlich als schlichtweg neokoloniale Instanz wahrnimmt, die keine Alternativen anzubieten hat.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tWas das politische Geschick betrifft, so konzentriert VV ihre Kritik dezent auf den ehemaligen Ministerpr\u00e4sidenten Hashim Tha\u00e7i, weil man sich in der Partei bewusst ist, dass er der popul\u00e4rste Unabh\u00e4ngigkeitsf\u00fchrer ist und viele Jahre lang Anf\u00fchrer der albanischen Hardliner war. VV wei\u00df auch, dass die PDK unter der F\u00fchrung von Kadri Veseli aufgrund der gegen ihn bestehenden Verd\u00e4chtigungen schw\u00e4cher ist. Der diskursive Kampf dreht sich also darum, wer \u2013 die PDK oder Vet\u00ebvendosje \u2013 den wahren albanischen Patriotismus verficht.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tMit seinem Vorsitzenden Albin Kurti, einem erfahrenen Demonstranten seit 1998, spezialisiert sich Vet\u00ebvendosje auf Protestaktionen. Sie kann Menschen mobilisieren und ihre Versammlungen sind beliebt. Diese Eigenschaften und die Vorliebe ihrer Funktion\u00e4re f\u00fcr klassische deutsche und italienische Philosophen tragen zu ihrem intellektuellen Image bei. Andererseits bleibt ihre F\u00e4higkeit, in erster Linie viele Stimmen zu sammeln, fragw\u00fcrdig, weil die Herausforderung f\u00fcr Vet\u00ebvendosje darin besteht, die kulturelle Elite und die W\u00e4hlerschaft der Gro\u00dfparteien davon zu \u00fcberzeugen, dass sie etwas Besseres anzubieten hat. Eine orthodoxe Kritik am System \u2013 den schlechten Zustand zu bem\u00e4ngeln, dabei aber keine \u00fcberw\u00e4ltigenden L\u00f6sungen zur \u00c4nderung anzubieten \u2013 ist wenig hilfreich.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tW\u00e4hrend sie eindeutig die einzige Partei ist, die sich mit einem klar definierten ideologischen Programm auf der linken Seite des politischen Spektrums positioniert, wird sozialen Themen bedauerlicherweise keine Priorit\u00e4t einger\u00e4umt. Das ist die gr\u00f6\u00dfte Angst der unentschlossenen W\u00e4hlerschichten: Lohnt es sich, eine weitere, im Grunde nationalistische Bewegung zu unterst\u00fctzen? Auch deshalb haben ihre priorit\u00e4ren Forderungen bislang keine breite Anerkennung in der Bev\u00f6lkerung gefunden. In Anbetracht ihres Bildungshintergrunds muten ihre Forderungen oft sogar archaisch an.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tShpend Ahmeti, der B\u00fcrgermeister von Prishtina, ist Vet\u00ebvendosjes beste Karte. Er kam mithilfe der Stimmen der PDK-W\u00e4hler 2013 an die Macht und setzte sich in der zweiten Wahlrunde gegen Isa Mustafa durch. Er setzte nicht nur mehrere erfreuliche Initiativen zur Ankurbelung kleiner Betriebe; Ahmeti hat es auch geschafft, beinah zwei Jahre lang in keinen schwerwiegenden Korruptionsskandal verwickelt zu sein. Er scheint fast der bessere Politiker als Kurti zu sein, wenn man Politiker an ihrer F\u00e4higkeit misst, legitim an die Macht zu kommen und sich mit verschiedenen Gespr\u00e4chspartnern zum Wohle der Gemeinschaft zusammenzutun. Ahmeti und mehrere seiner VV-Parteikollegen, die wirklich liberaler sind, werden innerhalb der Partei weiterhin ziemlich an den Rand gedr\u00e4ngt.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tVet\u00ebvendosje ist anders und nicht von Korruption \u00fcberschattet. Sie muss jedoch entschlossen vom Nationalismus abr\u00fccken, um mit anderen relevanten Stimmen wie der serbischen Minderheit, die ein wichtiger Stakeholder ist, zusammenarbeiten und die W\u00e4hlerschaft \u00fcberzeugen zu k\u00f6nnen, die andernfalls eine alternative Option unterst\u00fctzen w\u00fcrde, ist sie doch des seit Langem an der Macht befindlichen derzeitigen Establishments und seiner Leistung \u00fcberdr\u00fcssig. Eine gute Regierung sollte Raum f\u00fcr sozialen Dialog, Lebensqualit\u00e4t und Bildung bieten.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tVon Krisen wird behauptet, dass sie auch Chancen darstellen, was ganz dem Geschmack von VV entspricht. Die Realit\u00e4t ist, dass ohne Reformen innerhalb traditioneller politischer Parteien (die echten Wettbewerb erfordern) und einem bedeutenden Reifeprozess von Vet\u00ebvendosje die Krisen nur zu einer neuen Krise f\u00fchren.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t\n<ol class=\"block-footnotes js-footnote-list\">\n\n<\/ol>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<em>Original auf Englisch. Erstmals publiziert am 19. Januar 2016 im <a href=\"http:\/\/eastblog.univie.ac.at\/2016\/01\/19\/tear-gas-in-parliament-the-political-elite-crisis-in-kosovo\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Eastblog<\/a> (Blog der Forschungsgruppe Osteuropa am Institut f\u00fcr Politikwissenschaft der Universit\u00e4t Wien)<\/a>.<br>Aus dem Englischen von <a href=\"http:\/\/www.wordpool.at\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Barbara Maya<\/a>.<\/em><br><br><em>Dieser Text ist urheberrechtlich gesch\u00fctzt. \u00a9 Artan Mustafa. Bei Interesse an Wiederver\u00f6ffentlichung bitten wir um Kontaktaufnahme mit der <a href=\"http:\/\/magazine.erstestiftung.org\/de\/erste-stiftung\/impressum\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Redaktion<\/a>.<br>Urheberrechtliche Angaben zu Bildern, Grafiken und Videos sind direkt bei den Abbildungen vermerkt. Titelbild: Erst im M\u00e4rz 2018 explodierten wieder Tr\u00e4nengaskapseln im Plenarsaal. 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