{"id":3508,"date":"2018-07-17T00:00:00","date_gmt":"2018-07-17T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/erste-foundation.byinfinum.co\/wildes-feld\/"},"modified":"2021-07-01T06:16:35","modified_gmt":"2021-07-01T06:16:35","slug":"wildes-feld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wildes-feld\/","title":{"rendered":"Wildes Feld"},"content":{"rendered":"
\n\tDer Fotograf Florian Rainer und die Journalistin Jutta Sommerbauer dokumentieren in ihrem Buch Grauzone: Eine Reise zwischen den Fronten im Donbass<\/a><\/em> die Geschichten von Menschen aus dem Kriegsgebiet. Fragen nach der pers\u00f6nlichen Verortung in diesem Konflikt, der Bewahrung von Individualit\u00e4t und den Perspekti\u00adven f\u00fcr die Zukunft haben die beiden auf ihrer Recherche geleitet. <\/strong><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tGrauzone<\/em> ergr\u00fcndet die neuen Realit\u00e4ten, die die militarisierte Grenze schafft. Improvisation, Stillstand und Un\u00adgewissheit, Angst und Melancholie bestimmen das t\u00e4gliche Leben, aber auch menschliches Durch\u00adhalteverm\u00f6gen und verhaltene Hoffnung, die sich meist aus den kleinen Dingen des Alltags speist. Mehr zur Reise hier<\/a>. \n\tDer Donbass ist eine Landschaft, die sich Grenzen widersetzt. Sein Boden erstreckt sich in sanften Wellen bis zum Horizont. Seine Felder haben die Gr\u00f6\u00dfe von gr\u00e4flichen L\u00e4ndereien. \u00dcber seine schnurgeraden Stra\u00dfen muss man einfach rasen. Im Fr\u00fchling und Herbst lodern auf seinen \u00c4ckern die Feuerw\u00e4lle wie Kunstwerke eines Wahnsinnigen. Manchmal, wenn es still ist, kannst du die Pferdehufe der Reiternomaden h\u00f6ren, die einst \u00fcber die Steppe donnerten. Dikoje polje, wildes Feld, das ist der zweite Name des Donbass.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\t\u00a9 Florian Rainer<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tDer Krieg ist der schlimmste Feind der grenzenlosen Landschaft. Er hat sich in den Boden gebohrt und den Donbass zerteilt. Gezogen sind die erste, zweite und dritte Verteidigungslinie. Gerechnet wird von der Nullposition aus. Gedacht wird in wir da und die dort.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\t, wildes Feld, das ist der zweite Name des Donbass.<\/p> \n\t\u2014 \n\tDie Architektur des Krieges: Sch\u00fctzengr\u00e4ben, Verteidigungsw\u00e4lle, unterirdische Parkpl\u00e4tze f\u00fcr Kriegsger\u00e4t. Panzersperren ziehen sich quer \u00fcber den Acker, in den Feldern quillt die Erde aus den Bombentrichtern. Zerplatzte Sands\u00e4cke am Stra\u00dfenrand, Betonsperren haben Stra\u00dfen in Labyrinthe verwandelt, bunte Plastikschnipsel warnen vor verminten Feldern. F\u00fcr Schilder reicht das Geld nicht immer.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\t\u00a9 Florian Rainer<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\t\u00a9 Florian Rainer<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tFoto: \u00a9 Florian Rainer<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tSeitdem der Krieg in den Donbass gezogen ist, gibt es keine Natur mehr. \u00dcbrig geblieben ist Topografie, derer man Herr werden will: strategische H\u00f6hen, die zu erobern sind, Felder, die \u00fcberrollt werden k\u00f6nnen, W\u00e4ldchen, die Versteck bieten, Fl\u00fcsse, die das Vorw\u00e4rtskommen erschweren.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tDer Krieg ist der schlimmste Feind der grenzenlosen Landschaft.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tDein Blick folgt den Zeigefingern der Soldaten. Sie weisen dorthin, wo der Feind steht. \u00dcblicherweise versteckt er sich in der N\u00e4he von abgewaschenen Wohnbl\u00f6cken, zwischen Rauchf\u00e4ngen und Schlackeh\u00fcgeln, hinter den F\u00f6rdert\u00fcrmen der Zechen. Irgendwo im satten Gr\u00fcn zwischen hier und dort verl\u00e4uft die Front. Wo das Feindesland beginnt, ist mit freiem Auge nicht zu erkennen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\t\u00a9 Florian Rainer<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\t\u00a9 Florian Rainer<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\t\u00a9 Florian Rainer<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\t\u00a9 Florian Rainer<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n \n\tAuszug aus dem Buch Grauzone: Eine Reise zwischen den Fronten im Donbass<\/a>, erschienen im April 2018 bei bahoe books, Wien. Die Recherchereisen wurden durch das Grenzg\u00e4nger Programm der Robert Bosch Stiftung<\/a> erm\u00f6glicht.<\/em> Der Krieg ist der schlimmste Feind der grenzenlosen Landschaft. Er hat sich in den Boden gebohrt und den Donbass zerteilt.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1231,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[433,299],"tags":[273,253,266,341,347,558],"formats":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3508"}],"collection":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3508"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3508\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4526,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3508\/revisions\/4526"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1231"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3508"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3508"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3508"},{"taxonomy":"format","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/formats?post=3508"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}
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Dikoje polje<\/em>, wildes Feld, das ist der zweite Name des Donbass.<\/blockquote><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n
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Dieser Text ist urheberrechtlich gesch\u00fctzt: \u00a9 bahoe books \/ Florian Rainer, Jutta Sommerbauer. Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Verlags. Bei Interesse an Wiederver\u00f6ffentlichung bitten wir um Kontaktaufnahme mit der Redaktion<\/a>.
Titelbild und alle Fotografien: \u00a9 bahoe books \/ Florian Rainer.<\/em><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"