{"id":3449,"date":"2018-02-19T00:00:00","date_gmt":"2018-02-19T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/erste-foundation.byinfinum.co\/ein-dach-ueber-dem-kopf\/"},"modified":"2021-08-23T15:34:01","modified_gmt":"2021-08-23T15:34:01","slug":"ein-dach-ueber-dem-kopf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/ein-dach-ueber-dem-kopf\/","title":{"rendered":"Ein Dach \u00fcber dem Kopf"},"content":{"rendered":"<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<strong>&#8220;Die acht Monate, bevor ich von der Obdachlosenunterkunft (des Ordens der Barmherzigen Schwestern) in der Juki\u0107eva ulica erfuhr, verbrachte ich die meiste Zeit in Nachtstra\u00dfenbahnen und Nachtbussen. Bis Donnerstag ist alles OK, aber dann, herrje! Freitags und samstags, da sind alle betrunken, alle laut um einen herum. Du kannst es nicht erwarten, dass wieder Sonntag ist, damit du dich ausruhst.&#8221;<\/strong><br><br>\u017deljko verbrachte in Zagreb drei Jahre als Obdachloser. Jetzt verkauft er den Uli\u010dni fajter (Street Fighter), eine vom Verein Fajter (Fighter) f\u00fcr Obdachlose und \u00fcber die Obdachlosigkeit herausgegebene Zeitschrift. Ein Teil des Verkaufserl\u00f6ses geht an den Verk\u00e4ufer und ein Teil f\u00fcr den Druck der n\u00e4chsten Ausgabe. Die Zeitschrift finanziert sich zur G\u00e4nze selbst, ohne Projekte, allein aus dem Verkaufserl\u00f6s, humanit\u00e4ren Ausstellungen und Kooperationen sowie aus Spenden, die vom Vorsitzenden des Vereines, Mile Mrvalj gesammelt werden.<br><br>\u017deljkos und Miles Geschichte ist typisch f\u00fcr Menschen, die auf der Stra\u00dfe landen. Mile besa\u00df eine Galerie in Sarajevo, die er schlie\u00dfen musste, w\u00e4hrend \u017deljko nach zwanzig Jahren Arbeit in einem Ziegelwerk in Vinkova\u010dko Novo Selo im Zuge eines Personalabbaus gek\u00fcndigt wurde. Aufgrund des Jobverlustes, einer nie erhaltenen Abfindung, eines davor aufgenommenen Kredites, den er nicht mehr zur\u00fcckzahlen konnte, ungeordneter Familienverh\u00e4ltnisse war er gezwungen, seinen Geburtsort zu verlassen.<br><br>Der Studie <em>Ein Portrait der Obdachlosenunterst\u00fctzung in Kroatien<\/em>, einer ersten zu diesem Thema in Kroatien durchgef\u00fchrten Untersuchung zufolge sind unter den Obdachlosen \u00fcberwiegend M\u00e4nner (81%), mit einer mittleren Berufsausbildung (63%) in meist industriellen oder gewerblichen Berufen, die als Ursachen f\u00fcr ihre Obdachlosigkeit strukturelle Bedingungen &#8211; Langzeitarbeitslosigkeit, eine unzureichende Unterst\u00fctzung seitens der Gemeinschaft und finanzielle Unsicherheit angeben. An der Umfrage nahmen 72% aller Obdachlosen teil, die zum Zeitpunkt der Umfrage in Obdachlosenunterk\u00fcnften und Notschlafstellen in ganz Kroatien untergebracht waren.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t\n<div class=\"block-columns block-columns__gutter-large--10 block-columns__vertical-spacing-large--0\">\n\t\n\n<div class=\"block-column block-column__width-large--5 block-column__width-mobile--12\">\n\t\n<div class=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\">\n\n\t\n\t\t\t\n<div class=\"block-infobox\">\n\t<h2 class=\"heading heading__color--primary heading__size--small heading__align--left heading__font--secondary block-infobox__heading\">\n\tJournalismuspreis \u201evon unten\u201c<\/h2>\n\t<div class=\"block-infobox__content\">\n\t\t\n<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-infobox__paragraph\">\n\tDer Journalismuspreis \u201evon unten\u201c wurde 2010 von der <a href=\"http:\/\/www.armutskonferenz.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Armutskonferenz<\/a> entwickelt. Mit dem Ziel einen Journalismus zu f\u00f6rdern, der den vielen Facetten von Armut gerecht wird, Betroffene respektvoll behandelt, ihre Stimmen h\u00f6rbar bzw. sichtbar macht und Hintergr\u00fcnde ausleuchtet. Die Jury setzt sich ausschlie\u00dflich aus Menschen mit Armutserfahrungen zusammen und auch deshalb ist die W\u00fcrdigung f\u00fcr die bisher 53 ausgezeichneten JournalistInnen etwas Besonderes.<br><br>Seit 2015 wird mit Unterst\u00fctzung der ERSTE Stiftung und des <a href=\"https:\/\/www.eapn.eu\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">EAPN<\/a> (Europ\u00e4isches Armutsnetzwerk) an einer internationalen Verbreitung des Preises gearbeitet und daf\u00fcr internationale Austausch-Workshops organisiert. Zuletzt wurde der Journalismuspreis f\u00fcr respektvolle Armutsberichterstattung erstmals auch in Ungarn, Kroatien, Finnland und Island verliehen. Dieser Artikel wurde von Matea Grgurinovi\u0107 in der Kategorie Print ausgezeichnet.<\/p>\n\t<\/div>\n<\/div>\n\t<\/div>\n\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"block-column block-column__width-large--7 block-column__width-mobile--12\">\n\t\n<div class=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\">\n\n\t\n\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t&#8220;Als ich gek\u00fcndigt wurde, konnte ich meinen Kredit nicht mehr zur\u00fcckzahlen, in der Familie gab es Streit, also entschied ich mich zu gehen; Ich ging nach Mali Lo\u0161inj, um als Bauhelfer zu arbeiten, verbrachte dort acht Monate, ging vier Mal hin, erhielt keinen Lohn.&#8221;<br><br>Die Karte f\u00fcr den Katamaran von Rijeka nach Mali Lo\u0161inj kostet 40 HRK. \u017deljko hatte gerademal so viel und musste von Vinkova\u010dko Novo Selo bis dorthin mit Schnellz\u00fcgen schwarzfahren. Aber auch die Arbeit auf Mali Lo\u0161inj endete nicht gut; wieder kein Lohn. &#8220;Also beschloss ich, nach Zagreb zu gehen, um dort &#8216;mein Gl\u00fcck zu versuchen&#8217;. Als ich jedoch hinkam, hatte ich der Umst\u00e4nde halber keinen Platz zum Schlafen.&#8221; So verbrachte \u017deljko die ersten acht Monate drau\u00dfen, im Freien und nachts in Stra\u00dfenbahnen und Bussen. &#8220;Zwischen \u010crnomerec und der Save-Br\u00fccke. Du hast da eine Stra\u00dfenbahnstrecke, auf der du st\u00e4ndig hin- und herf\u00e4hrst.&#8221;<br><br>Zumindest ist es warm&#8230;<br><br>&#8220;Ja, es ist warm, aber am meisten, wei\u00dft du, leiden deine F\u00fc\u00dfe. Weil du deine Schuhe nicht ausziehen kannst. Du traust dich nicht, dir die Schuhe auszuziehen.&#8221;<\/p>\t<\/div>\n\n<\/div>\n\n<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<strong>Der Wiederaufbau eines sozialen Netzes<\/strong><br><br>Nino \u017dganec, au\u00dferordentlicher Professor am Studienzentrum f\u00fcr Sozialarbeit und Vorsitzender des Kroatischen Netzwerkes gegen Armut, best\u00e4tigt, dass meist tiefe Einschnitte im Leben eines Menschen, wie in \u017deljkos Fall \u2013 der Verlust des Arbeitsplatzes, eine Scheidung, die Unm\u00f6glichkeit der R\u00fcckzahlung von Krediten, zerr\u00fcttete famili\u00e4re Verh\u00e4ltnisse, aber auch der Verlust der Wohnung aufgrund von Naturkatastrophen und dergleichen zur Obdachlosigkeit f\u00fchren. In den seltensten F\u00e4llen ist die Obdachlosigkeit eine pers\u00f6nliche Wahl.<br><br>Bei solchen einschneidenden Ver\u00e4nderungen sind es gerade die sozialen Netze &#8211; Familie und Freunde -, die ma\u00dfgeblich verhindern k\u00f6nnen, dass jemand auf der Stra\u00dfe landet. \u017dganec schreibt den sozialen Netzen \u201eeine ausgesprochen wichtige pr\u00e4ventive Funktion\u201c zu und meint, dass alle \u201epotentiellen Risiken und Ursachen der Obdachlosigkeit mit der Hilfe von Mitgliedern des sozialen Netzes, dem wir angeh\u00f6ren und das bereit ist, uns in Krisenzeiten aufzufangen, leichter bew\u00e4ltigt werden k\u00f6nnen\u201c. Der Gemeinschaft kommt eine enorm wichtige Rolle zu, selbst dann, wenn eine Person einen Obdachlosenstatus hat; das Stigma, mit dem Obdachlose konfrontiert sind, ist enorm, denn sie befinden sich in einer Lebenslage, \u201ewelche die Gemeinschaft eher verurteilt und nicht versteht oder zu verstehen versucht, und leider ungerechtfertigterweise der Unf\u00e4higkeit eines Menschen zuschreibt, sein Leben in entsprechender Weise zu meistern\u201c, f\u00e4hrt \u017dganec fort.<br><br>Ger\u00e4t man einmal in diesen Teufelskreis, ist es \u00e4u\u00dferst schwer, aus diesem wieder herauszukommen, so dass manche auch \u00fcber Jahrzehnte in diesem System bleiben. Das Gef\u00fchl der Ausgrenzung ist gro\u00df. Eine der gr\u00f6\u00dften Aufgaben, vor die sich Obdachlose und diejenigen gestellt sehen, die mit ihnen arbeiten, ist in der Tat der Wiederaufbau eines sozialen Netzes. Wie wichtig das ist, zeigen auch die in der Studie Portrait der Obdachlosenunterst\u00fctzung in Kroatien erhobenen Daten, aus denen hervorgeht, dass Obdachlose die Unterst\u00fctzung seitens des Staates und der Gesellschaft als ausschlaggebend f\u00fcr den Ausstieg aus der Obdachlosigkeit sehen. \u017deljko konnte dank eines sozialen Netzes und der Bekanntschaften, die er in Zagreb kn\u00fcpfte, von der Obdachlosenunterkunft der Barmherzigen Schwestern erfahren und so von der Stra\u00dfe wegkommen, um mit dem Notwendigsten versorgt und einem Dach \u00fcber dem Kopf schlie\u00dflich einen Job suchen zu k\u00f6nnen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<strong>Zimmergenossen aus einem Abbruchhaus<\/strong><br><br>Beide, \u017deljko und Mile waren obdachlos; eigentlich kennen sie einander, weil sie gemeinsamen die Obdachlosenzeitschrift <em><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/UlicneSvjetiljke\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Uli\u010dne svjetiljke<\/a><\/em> (Stra\u00dfenlaternen) verkauften und sich in einem Abbruchhaus \u201eein Zimmer teilten\u201c. Bevor es ihnen gelang, durch den Verkauf der Zeitschriften Uli\u010dne svjetiljke und Uli\u010dni fajter einen Weg aus der Obdachlosigkeit zu finden, verbrachten sie drei Jahre lang auf der Stra\u00dfe. Die durchschnittliche Obdachlosigkeit betr\u00e4gt in Kroatien f\u00fcnf Jahre. Obwohl die Obdachlosigkeit in Kroatien als ein tempor\u00e4res Problem gesehen wird, betont Nino \u017dganec, dass gerade die langfristige Obdachlosigkeit \u201eleider eine Regel und keine Ausnahme ist. Den Ergebnissen der Studie zufolge dauert die durchschnittliche Obdachlosigkeit etwa 5 Jahre, doch diese Zahl verzerrt nur das wahre Bild, denn eine gro\u00dfe Anzahl ist auch \u00fcber mehrere Jahrzehnte obdachlos\u201c.<br><br>Mile Mrvalj weist auf das Stigma hin, mit dem Obdachlose behaftet sind. Diejenigen, die sich seit Jahren au\u00dferhalb jeglicher Unterst\u00fctzungssysteme befinden, kehren schwer in ein normales Leben zur\u00fcck. Der Verein Fajter versucht, ihnen zu helfen. T\u00e4glich melden sich bei ihnen Hilfesuchende. Mrvalj unterstreicht, dass das gr\u00f6\u00dfte Problem, die schweren depressiven Zust\u00e4nde seien, in die diese Menschen verfallen, denn eine Vielzahl von ihnen f\u00fchrte fr\u00fcher ein normales Leben &#8211; sie hatten eine Familie und ein Zuhause, eine Arbeit, doch dann verloren sie wegen B\u00fcrgschaften, Krediten, die sie nicht mehr zur\u00fcckzahlen konnten oder blo\u00df einer falschen Entscheidung im Leben alles, was sie hatten. Er weist auch darauf hin, dass eine Vielzahl von ihnen aufgrund von Depressionen zum Alkohol greife. Demnach sei Alkoholismus eine Folge und keine Ursache der Obdachlosigkeit. Diese Menschen werden dann zus\u00e4tzlich stigmatisiert. Man meint dann: \u201eDer ist nun mal so!\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--biggest paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-quote__paragraph\">\n\t&#8220;Bevor ich obdachlos wurde, konnte ich mir nicht vorstellen, etwas zu essen, ohne mir vorher die H\u00e4nde zu waschen. Und nun, was bringt mir jetzt das H\u00e4ndewaschen? Fr\u00fcher hatte ich auch einen Bart mit Schnurrbart, aber der war immer ordentlich und zurechtgestutzt, und was bringt mir das jetzt? Nichts.&#8221;<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<strong>Re-start \u2013 die Kurzfristigkeit von Projektaktivit\u00e4ten<\/strong><br><br>Gerade eine umfassende psychosoziale Unterst\u00fctzung ist das, was Obdachlose ben\u00f6tigen, denn die Probleme, denen sie gegen\u00fcberstehen, sind weitaus gr\u00f6\u00dfer als das blo\u00dfe Fehlen eines Daches \u00fcber dem Kopf. In Kroatien gibt es insgesamt 14 Obdachlosenunterk\u00fcnfte und Notschlafstellen in 11 St\u00e4dten, die zwar Hilfe leisten, jedoch sind ihre Kapazit\u00e4ten begrenzt und nicht ausreichend. Olja Dru\u017ei\u0107 Ljubotina, Professorin am Studienzentrum f\u00fcr Sozialarbeit und Autorin der Studie <em>Ein Portrait der Obdachlosenunterst\u00fctzung in Kroatien<\/em> meint, dass es nicht ausreichend Hilfsangebote f\u00fcr Obdachlose g\u00e4be und &#8220;es einen Bedarf nach einer st\u00e4rkeren Unterst\u00fctzung und Bereitstellung von Dienstleistungen gibt, die vor allem darauf abzielen sollten, arbeitsf\u00e4hige Obdachlose bei der Arbeitssuche zu unterst\u00fctzten, da es sich um Langzeitarbeitslose handelt, die \u00fcber ihre erworbenen beruflichen Fertigkeiten teilweise nicht mehr verf\u00fcgen. Dar\u00fcber hinaus bed\u00fcrfen sie einer intensiveren psychosozialen Unterst\u00fctzung mit einer kontinuierlichen Begleitung durch Fachleute, die sie bef\u00e4higen und ihnen bei der Wiedereingliederung in die Gesellschaft helfen sollen\u201c.<br><br>Eines der Projekte, das Obdachlosen den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt erleichtern sollte, war Re-start. Obwohl das Projekt erfolgreich war (sieben Obdachlose fanden durch dieses Projekt eine Anstellung), unterstreicht Frau Professor Dru\u017ei\u0107 Ljubotina, dass das Problem in der kurzen Dauer einer solchen Projektaktivit\u00e4t liege und \u201ees notwendig ist, dass eine solche Ma\u00dfnahme, die auf eine bessere Vermittlungsf\u00e4higkeit von Obdachlosen abzielt, \u201esystematisiert\u201c wird, beziehungsweise zu einem integralen und kontinuierlichen Bestandteil der Unterst\u00fctzungsangebote f\u00fcr diese Gruppe von Menschen werden sollte\u201c. Der erste Schritt sei die materielle Unterst\u00fctzung \u2013 die L\u00f6sung des Wohnungsproblems &#8211; und dem sollten alle anderen Formen der Unterst\u00fctzung, die sie ben\u00f6tigen, folgen: Eingliederung in den Arbeitsmarkt, psychosoziale Hilfe und Ausbildung.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<strong>Rechtliche und institutionelle H\u00fcrden<\/strong><br><br>Sechzehn Prozent der Obdachlosen haben keine Krankenversicherung. Weder Mile noch \u017deljko sind krankenversichert. Dies w\u00fcrde bedeuten, meinen sie scherzend, dass sie gesund seien, da nur chronisch Kranke, die Sozialhilfe beziehen, Anspruch auf eine kostenlose Krankenversicherung haben. Mile f\u00fchrt noch aus, dass bei ihm oder \u017deljko, w\u00fcrden sie zum Arzt gehen, wei\u00df der Himmel was alles festgestellt werden k\u00f6nnte, so dass es so vielleicht auch besser sei.<br><br>Dies ist nur eines der Probleme, mit dem sich Obdachlose (aber auch andere Sozialhilfeempf\u00e4nger) konfrontiert sehen. Bis 2012 konnten obdachlose Personen keinen Personalausweis bekommen, weil sie nach dem damaligen Meldegesetz einen gemeldeten Wohnsitz nachweisen mussten, den Obdachlose (ganz offensichtlich) nicht haben. Durch das neue Gesetz (NN 144\/12) wurde dies ge\u00e4ndert und sie k\u00f6nnen sich nun an den Adressen der Obdachlosenunterk\u00fcnfte und \u00e4hnlicher Einrichtungen anmelden, doch sto\u00dfen sie nichtsdestotrotz immer noch auf viele H\u00fcrden. Wenn es bei der Anmeldung eines Wohnsitzes Probleme gibt, \u201ek\u00f6nnen sie keine Personaldokumente erhalten, haben keinen Anspruch auf eine Krankenversicherung, k\u00f6nnen sich nicht beim Arbeitsamt anmelden und auch all die anderen ihnen zustehenden Rechte nicht geltend machen\u201c, unterstreicht Prof. Dru\u017ei\u0107 Ljubotina.<br><br>Sie weist auch auf eine Bestimmung des Sozialf\u00fcrsorgegesetzes aus 2013 hin, wonach Obdachlose, die sich in Obdachlosenheimen befinden, keinen Anspruch auf eine garantierte Mindestleistung haben. Der Gesetzgeber ist n\u00e4mlich der Ansicht, dass alle grundlegenden Lebensbed\u00fcrfnisse (Unterkunft, Essen, Schuhe und Kleidung) in den Aufnahmeeinrichtungen gesichert sind, so dass eine garantierte Mindestleistung von 800 HRK nicht erforderlich sei. Das erschwere es beispielsweise Personen, die in Obdachlosenunterk\u00fcnften untergebracht sind, aktiv nach einer Arbeit zu suchen (weil sie kein Geld haben, um sich die Autobuskarte zum Arbeitsplatz oder Kleidung f\u00fcr ein Vorstellungsgespr\u00e4ch zu kaufen) oder ihre Angeh\u00f6rigen, die in einem anderen Ort leben, zu besuchen.<br><br>All das weise darauf hin, in welchem Ma\u00dfe die Obdachlosigkeit von den Institutionen als echtes Problem verkannt wird, was auch die Tatsache zeige, dass Obdachlose erst vor wenigen Jahren als soziale Kategorie in das Sozialf\u00fcrsorgegesetz aufgenommen wurden, womit die Obdachlosigkeit \u201eformell als Tatsache und Ph\u00e4nomen anerkannt wurde\u201c, meint \u017dganec. Er kehrt hervor, dass \u201edie gesamten Mittel, die zur L\u00f6sung dieses Problems ben\u00f6tigt werden, einfach zusammengerechnet und mit den zahlreichen anderen Ausgaben verglichen werden m\u00fcssten, die sicherlich keine solchen sozialen Priorit\u00e4ten darstellen, wie es das nackte \u00dcberleben eines Menschen ist, der all jene Grundrechte, wie das Recht auf Wohnung, Essen, Kleidung und Schuhe und alles, was ein menschliches Wesen definiert, entbehrt\u201c. Die Mittel seien demnach vorhanden, aber nicht auch der Wille, dieses Problem zu l\u00f6sen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<em>Original auf Kroatisch. Erstmals publiziert am 13. November 2017 auf <a href=\"http:\/\/www.maz.hr\/2016\/11\/13\/986\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">MAZ.hr<\/a>.<br>Aus dem Kroatischen von Susanne Oroz.<\/em><br><br><em>Dieser Text ist urheberrechtlich gesch\u00fctzt. \u00a9 Matea Grgurinovi\u0107. Bei Interesse an Wiederver\u00f6ffentlichung bitten wir um Kontaktaufnahme mit der <a href=\"http:\/\/magazine.erstestiftung.org\/de\/erste-stiftung\/impressum\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Redaktion<\/a>.<br>Urheberrechtliche Angaben zu Bildern, Grafiken und Videos sind direkt bei den Abbildungen vermerkt. Titelbild: \u00a9 Adam Petto\/iStock.<\/em><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Matea Grgurinovi\u0107 erhielt den Journalismuspreis &#8220;von unten&#8221; f\u00fcr ihre Story \u00fcber die Frage, ob es ein Grundrecht ist ein Zuhause zu haben.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":932,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[299,436],"tags":[270,327,370,263,332],"formats":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3449"}],"collection":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3449"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3449\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5646,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3449\/revisions\/5646"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/932"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3449"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3449"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3449"},{"taxonomy":"format","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/formats?post=3449"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}