{"id":3423,"date":"2018-01-11T00:00:00","date_gmt":"2018-01-11T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/erste-foundation.byinfinum.co\/selektive-amnesie-kroatiens-holocaust-leugner\/"},"modified":"2022-03-30T16:31:23","modified_gmt":"2022-03-30T16:31:23","slug":"selektive-amnesie-kroatiens-holocaust-leugner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/selektive-amnesie-kroatiens-holocaust-leugner\/","title":{"rendered":"Selektive Amnesie: Kroatiens Holocaust-Leugner"},"content":{"rendered":"<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<strong>Die Fahndungsbilder zeigen Ivo Goldstein, einen j\u00fcdischen Bibliothekar und Buchh\u00e4ndler, der einen munteren und ruhigen Eindruck macht \u2013 selbst nach neun Tagen Haft in einer kroatischen Polizeizelle. Auf einem der Abz\u00fcge steht die Nummer 28888 und ein Datum: 21. April 1941.<\/strong><br><br>Aufgenommen wurden die Fotos vor 76 Jahren von einem Polizeifotografen. Heute h\u00e4ngen sie wie ein Triptychon an der Schlafzimmerwand von Goldsteins Sohn Daniel in einem d\u00fcsteren Wohnblock im Zagreber Stadtteil Zaprudje. Daniel (85) ist Historiker und Menschenrechtsaktivist. Er war neun Jahre alt, als seine Kindheit durch die Verhaftung des Vaters in dem w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs neu entstandenen Unabh\u00e4ngigen Staat Kroatien (USK) zerr\u00fcttet wurde. Dieser Marionettenstaat Nazi-Deutschlands und des faschistischen Italiens wurde nach der Invasion des K\u00f6nigreichs Jugoslawien durch die Achsenm\u00e4chte im Fr\u00fchjahr 1941 gegr\u00fcndet. Staatsf\u00fchrer wurde der ultranationalistische Diktator Ante Pavelic, dessen faschistische Ustascha-Bewegung sich mit allen Mitteln um einen kroatischen Staat bem\u00fcht hatte.<br><br>Die Ustascha-Einheiten, die sich weitgehend an der deutschen SS orientierten, vergeudeten keine Zeit mit der Umsetzung von Rassengesetzen nach dem Vorbild der Nazis; sie verhafteten und t\u00f6teten Juden, Serben und Roma ebenso wie Antifaschisten. Die Ustascha errichtete Konzentrationslager im gesamten USK, dessen Gebiet die heutigen L\u00e4nder Kroatien und Bosnien-Herzegowina sowie Teile Serbiens und Sloweniens umfasste.<br><br>Ivo Goldstein war einer der ersten Juden, die in der Industriestadt Karlovac verhaftet wurden. Er landete im Lager Jadovno an den Ausl\u00e4ufern des Velebit-Gebirges in der N\u00e4he der Adria. Aufzeichnungen zufolge wurde er dort vier Monate nach seiner Verhaftung im Alter von 41 Jahren ermordet. In Erinnerung an seinen Vater nahm Daniel nach dem Krieg den Nachnamen Ivin (Ivos Sohn) an. Er sagt, dass er ebenfalls get\u00f6tet worden w\u00e4re, wenn er nicht \u2013 im Alter von zehn Jahren \u2013 der antifaschistischen Partisanenbewegung unter der F\u00fchrung des in Kroatien geborenen Kommunisten Josip Broz Tito beigetreten w\u00e4re, der Jugoslawien nach dem Krieg 35 Jahre lang regieren sollte. \u201eKurz nachdem ich den Partisanen beigetreten war, wurden meine nahen Verwandten in den USK-Lagern get\u00f6tet \u2013 auch meine Gro\u00dfeltern, die sich bis dahin um mich gek\u00fcmmert hatten\u201c, erz\u00e4hlte Daniel. \u201eMein Onkel, der in Auschwitz ermordet wurde, konnte sich ebenso wenig retten.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12 wrapper__offset-large--0\">\n\t\t\t\t\n<figure class=\"block-image-caption\">\n\t<div class=\"image-wrap block-image-caption__image-wrap\" data-align=\"center center\">\n\n\t\t\t<img\n\t\t\tsrc=\"http:\/\/tippingpoint.net\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/ndh-new-eng.png\"\n\t\t\tclass=\"image  block-image-caption__image\"\n\t\t\talt=\"\"\n\t\t\/>\n\t\n\t<\/div>\t<figcaption>\n\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--small paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-image-caption__paragraph\">\n\tKarte des Unabh\u00e4ngigen Staates Kroatien, NDH mit den Grenzen von 1941-1945<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tAngesichts seiner Lebensgeschichte ist es nicht verwunderlich, dass Daniel Ivin \u00fcber die wachsende Zahl von Stimmen in Kroatien ver\u00e4rgert ist, die danach trachten, die Verbrechen der Ustascha w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs wei\u00dfzuwaschen. Zu diesen Verbrechen z\u00e4hlt die Ermordung Zehntausender Serben, Juden und Roma im ber\u00fcchtigten Konzentrationslager Jasenovac, das oft als das Auschwitz des Balkans bezeichnet wird.<br><br>In einem politischen Klima, das seit dem Beitritt Kroatiens zur EU im Jahr 2013 nach rechts gedriftet ist, \u00e4u\u00dfern Ustascha-Apologeten ihre Ansichten ganz offen &#8211; in sozialen Medien, H\u00f6rs\u00e4len und im Fernsehen zur besten Sendezeit. In Buchhandlungen liegen Monografien auf, die die \u00fcberw\u00e4ltigenden Beweise daf\u00fcr, dass Jasenovac ein Vernichtungslager der Ustascha war, in Abrede stellen. Prominente Politiker bezweifeln die v\u00f6lkerm\u00f6rderische Natur des Pavelic-Regimes. Kritikern zufolge kommt dieser Revisionismus einer Holocaustleugnung gleich.<br><br>\u201eDie Verleugnung dessen, dass Jasenovac ein Todeslager war, verbittert mich\u201c, sagte Ivin. \u201eIch halte Revisionisten, die solche Dinge behaupten, f\u00fcr Verbrecher, weil sie mit ihren L\u00fcgen die Opfer ein zweites Mal t\u00f6ten. Ich verstehe nicht, wie die Regierung das zulassen kann.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12 wrapper__offset-large--0\">\n\t\t\t\t\n<figure class=\"block-image-caption\">\n\t<div class=\"image-wrap block-image-caption__image-wrap\" data-align=\"center center\">\n\n\t\t\t<img\n\t\t\tsrc=\"http:\/\/tippingpoint.net\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/daniel-ivin.jpg\"\n\t\t\tclass=\"image  block-image-caption__image\"\n\t\t\talt=\"\u00a9 Tamara Opacic\"\n\t\t\/>\n\t\n\t<\/div>\t<figcaption>\n\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--small paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-image-caption__paragraph\">\n\tDaniel Ivin mit einem Foto von sich selbst im Alter von 13 Jahren. Das Imperial War Museum in London erkennt Ivin als den j\u00fcngsten lebenden Partisanen an. Foto: \u00a9 Tamara Opacic<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tMenschenrechtsaktivisten sagen, dass die verschiedenen Regierungen unter der F\u00fchrung der konservativen Partei HDZ (Kroatische Demokratische Union) die Augen vor neofaschistischer Nostalgie verschlie\u00dfen und dadurch zulassen, dass Hassreden gedeihen. Indes werfen sie den staatlichen Institutionen vor, bei der Durchsetzung der im Vorfeld des kroatischen EU-Beitritts 2013 eingef\u00fchrten Gesetze, die das \u00f6ffentliche Leugnen, Verharmlosen oder Billigen von V\u00f6lkermordverbrechen verbieten, versagt zu haben.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--biggest paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-quote__paragraph\">\n\t&#8220;Mit ihren L\u00fcgen t\u00f6ten sie die Opfer ein zweites Mal.&#8221;<\/p><p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--small paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-quote__author\">\n\t\u2014  Daniel Ivin, Sohn eines j\u00fcdischen Bibliothekars, der in einem von der Ustascha geleiteten Konzentrationslager ermordet wurde.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tEfraim Zuroff, der seit mehr als 40 Jahren f\u00fcr das Simon-Wiesenthal-Zentrum Nazis auf der Spur ist, beschreibt Kroatien als ein Land, das sich von einer der Wiegen des Holocaust zu einer \u201eWiege der Holocaustverzerrung\u201c entwickelt hat. Er reiht Kroatien in die Riege einiger osteurop\u00e4ischer Staaten, die seiner Ansicht nach unter selektiver Amnesie leiden, was die Aufzeichnungen von Kollaborateuren, Quislingen und lokalen Antisemiten zu Kriegszeiten anbelangt. Zu diesen L\u00e4ndern z\u00e4hlen Estland, Lettland, Litauen, die Ukraine, Ungarn und bis zu einem gewissen Grad auch Polen (siehe Infokasten).<br><br>\u201eSpezifisch f\u00fcr diese L\u00e4nder ist, dass sie ehemalige K\u00e4mpfer f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit und gegen den Kommunismus zu Nationalhelden machen wollen\u201c, sagte Zuroff in einem Telefoninterview aus seinem B\u00fcro am Sitz der antifaschistischen Organisation in Jerusalem. \u201eIn manchen F\u00e4llen sind das Personen, die f\u00fcr die Ermordung j\u00fcdischer B\u00fcrger w\u00e4hrend des Holocaust verantwortlich sind, was ausreichen sollte, um sie zu disqualifizieren.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<strong>Opferzahlen<\/strong><br><br>Niemand wei\u00df, wie viele Serben von Ustascha-Einheiten w\u00e4hrend der vier Jahre der Gemetzel get\u00f6tet wurden, die Historikern zufolge selbst Pavelics Nazi-Hinterm\u00e4nner in Deutschland \u00fcberrascht haben sollen. Das Holocaust-Gedenkmuseum der Vereinigten Staaten beziffert die Zahl auf 320.000 bis 340.000 &#8211; eine Sch\u00e4tzung, die Partisanen und serbische Royalisten miteinschlie\u00dft. In den 1980er-Jahren sch\u00e4tzte der Demograf Vladimir Zerjavic, dass 197.000 der Toten Zivilisten waren.<br><br>Die Vernichtung der Juden ist gut dokumentiert. Etwa 30.500 der 39.000 Juden, die im Gebiet des USK lebten, wurden von der Ustascha ermordet oder in Nazi-Todeslager in andere Teile Europas gebracht. Viele \u00dcberlebende zogen nach dem Krieg nach Israel. Die j\u00fcdische Gemeinde Kroatiens hat laut der letzten Volksz\u00e4hlung von 2011 heute nur etwas mehr als 500 Mitglieder.<br><br>Im zentralkroatischen Jasenovac mordete die Ustascha mit Messern und H\u00e4mmern in einem Komplex von Lagern nahe der heutigen bosnischen Grenze. Durch die akribische, wissenschaftlich abgesicherte Forschung seitens der Gedenkst\u00e4tte Jasenovac wurde die Identit\u00e4t von <a href=\"http:\/\/www.jusp-jasenovac.hr\/Default.aspx?sid=6711\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">83.145 Opfern<\/a> festgestellt. Doch wie viele Tote es letztendlich waren, steht noch immer nicht fest. Nachforschungen ergaben, dass 47.627 Serben, 16.173 Roma und 13.116 Juden sowie mehrere Tausend regimekritische Kroaten und Menschen anderer Nationalit\u00e4ten w\u00e4hrend des Kriegs in Jasenovac umkamen. Von diesen Opfern waren 20.101 Kinder.<br><br>Nebst antifaschistischen Organisationen boykottieren Vertreter serbischer und j\u00fcdischer Gemeinden seit zwei Jahren staatliche Gedenkgottesdienste f\u00fcr die Jasenovac-Opfer &#8211; aus Protest gegen die ihrer Ansicht nach von der Regierung gegen\u00fcber den Ustascha-Sympathisanten an den Tag gelegte Nachsicht. Was sie besonders erz\u00fcrnte, war die im vergangenen November von Veteranen des kroatischen Konflikts 1991\u20131995 <a href=\"https:\/\/www.balkaninsight.com\/en\/article\/plaque-near-wwii-concentration-camp-scandalises-region-12-05-2016\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">aufgestellte Tafel in der N\u00e4he von Jasenovac<\/a>, auf der der Schriftzug \u201eZa dom spremni\u201c (\u201eF\u00fcr die Heimat bereit\u201c), das Ustascha-\u00c4quivalent des Nazi-Gru\u00dfes \u201eSieg Heil\u201c, prangte. Staatspr\u00e4sidentin Kolinda Grabar-Kitarovic spielte die Verwendung des Spruchs herunter und bezeichnete ihn als einen \u201ealten kroatischen Gru\u00df\u201c &#8211; eine Definition, die von etablierten Historikern infrage gestellt wird, denen zufolge der Spruch eine Erfindung der Ustascha gewesen ist.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12 wrapper__offset-large--0\">\n\t\t\t\t\n<figure class=\"block-image-caption\">\n\t<div class=\"image-wrap block-image-caption__image-wrap\" data-align=\"center center\">\n\n\t\t\t<img\n\t\t\tsrc=\"http:\/\/tippingpoint.net\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/img_2877.jpg\"\n\t\t\tclass=\"image  block-image-caption__image\"\n\t\t\talt=\"\u00a9 Tamara Opacic\"\n\t\t\/>\n\t\n\t<\/div>\t<figcaption>\n\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--small paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-image-caption__paragraph\">\n\tEine Tafel mit dem eingravierten Spruch \u201eZa dom spremni\u201c (\u201eF\u00fcr die Heimat bereit\u201c) aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs an einer Wand in Jasenovac, bevor sie im September entfernt wurde. Foto: \u00a9 Tamara Opacic<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tNach monatelanger Kritik an der Zul\u00e4ssigkeit des Verbleibs der Tafel in Jasenovac verbrachte die Regierung sie im September in die nahe gelegene Stadt Novska. Zu sp\u00e4t und zu schwach war diese Reaktion nach Meinung vieler. \u201eWenn es in einer Gesellschaft zu faschistischen Ereignissen kommt, bewirkt dies bei Juden ein Gef\u00fchl des Unbehagens\u201c, sagte Sanja Zoricic Tabakovic, eine Richterin und Vertreterin der j\u00fcdischen Gemeinde in Zagreb. \u201eAber wenn Institutionen nicht darauf reagieren, l\u00f6st das Angst aus, weil man nicht wei\u00df, wohin uns das wirklich f\u00fchren kann.\u201c<br><br>Laut dem j\u00fcngsten, im Mai ver\u00f6ffentlichten Jahresbericht des unabh\u00e4ngigen kroatischen B\u00fcrgerbeauftragten ist eine Zunahme von Hassreden und Holocaustverzerrungen zu bemerken. \u201eEs gibt immer mehr Medien, die Vorurteile und Stereotypen propagieren und verbreiten; es erscheinen Texte, die zu Hass gegen Minderheiten anstacheln, das Ustascha-Regime wird rehabilitiert und Verbrechen, die im Zweiten Weltkrieg begangen wurden, werden verharmlost oder geleugnet\u201c, hei\u00dft es in dem Bericht.<br><br>Zu den lautst\u00e4rksten Revisionisten z\u00e4hlt die \u201eGesellschaft zur Erforschung des dreifachen Lagers Jasenovac\u201c \u2013 eine Nichtregierungsorganisation, der Journalisten, Lehrer, Universit\u00e4tsprofessoren und katholische Priester angeh\u00f6ren. Die Gesellschaft vertritt die These, dass Jasenovac lediglich ein Arbeitslager unter der Leitung der Ustascha war und erst infolge der \u00dcbernahme durch Titos Partisanen nach dem Krieg zu einem Vernichtungslager wurde.<br>Die Theorie steht im Widerspruch zu unz\u00e4hligen offiziellen Dokumenten, Zeugenaussagen und Studien von Holocaustexperten und international anerkannten Historikern.<br><br>Laut Natasa Matausic, Historikerin und Pr\u00e4sidentin des Verwaltungsrates der Gedenkst\u00e4tte Jasenovac, g\u00e4be es keine Beweise daf\u00fcr, dass jugoslawische Kommunisten nach dem Krieg ein Konzentrationslager in Jasenovac betrieben h\u00e4tten. \u201eSie [die Mitglieder der Gesellschaft] benutzen Dokumente aus den staatlichen Archiven \u2013 dieselben, die wir seit Jahren benutzen \u2013 und interpretieren sie, wie es ihnen passt\u201c, so Matausic. \u201eZum Beispiel die Tatsache, dass eine Person 1943 im Lager Jasenovac starb und 1946 f\u00fcr tot erkl\u00e4rt wurde: Das verwenden sie als Beweis daf\u00fcr, dass diese Person 1946 ermordet wurde.\u201c Igor Vukic, der Sekret\u00e4r der Gesellschaft, verteidigt die Theorie. \u201eWir sagen: Das ist es, was wir herausgefunden haben, und wir haben eigentlich nichts verschwiegen, was unsere Behauptungen nicht best\u00e4tigt\u201c, sagte er.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<strong>Umgang mit der Vergangenheit<\/strong><br><br>Im vergangenen Dezember hie\u00df es von Seiten der Regierung, dass man einen <a href=\"https:\/\/www.balkaninsight.com\/en\/article\/croatian-govt-forms-dealing-with-past-council-03-02-2017\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">eigenen Expertenrat<\/a> einrichten w\u00fcrde, der Empfehlungen \u201ezum Umgang mit der Vergangenheit\u201c aussprechen sollte: Es war dies eine Reaktion auf die Kontroverse um die Veteranentafel in Jasenovac.<br><br>Vukic zufolge ersuchte die Gesellschaft zur Erforschung des dreifachen Lagers Jasenovac die Regierung, in den Rat aufgenommen und mit Themen wie etwa der Art und Weise, auf die Geschichte in Schulen unterrichtet werden soll oder Jahrestage zu begehen seien, beauftragt zu werden. Laut Vukic fand der Vorschlag die Unterst\u00fctzung von Bozo Petrov, dem fr\u00fcheren Parlamentspr\u00e4sidenten und Vorsitzenden einer Juniorpartei in der damaligen Koalitionsregierung. Vukic gab an, dass \u201eFreunde aus dem Land, Europa und der Welt\u201c bef\u00fcrwortende Botschaften im Hinblick auf die Aufnahme der Gesellschaft in den Rat an Petrov geschickt h\u00e4tten, dessen \u201eBr\u00fccke unabh\u00e4ngiger Listen\u201c (MOST) sich selbst als eine nicht-ideologische Partei in Kroatiens polarisierter Politik bezeichnet.<br><br>Mitte Februar, zwei Wochen vor der offiziellen Einsetzung des Rates, schrieb Petrov an Premierminister Andrej Plenkovic und \u00fcbermittelte ihm die Unterst\u00fctzungsbotschaften. \u201eIch nutze diese Gelegenheit, um Ihnen Vorschl\u00e4ge dahingehend zu \u00fcbermitteln, dass Vertreter der Gesellschaft zur Erforschung des dreifachen Lagers Jasenovac in die Arbeit des Rates einbezogen werden sollten\u201c, schrieb Petrov in einem Brief, der vom Balkan Investigative Reporting Network (BIRN) eingesehen wurde. BIRN hat die weitergeleiteten Vorschl\u00e4ge nicht gesehen und hat auch keine Informationen dar\u00fcber, von wem sie stammten. Petrov lehnte eine Interviewanfrage ab. Doch laut MOST-Sprecherin Ruzica Popovic bedeute die Tatsache, dass er die Botschaften weiterleitete, nicht, dass er sie bef\u00fcrwortete. \u201eSie [das B\u00fcro des Parlamentspr\u00e4sidenten] leiten alle eingehenden Vorschl\u00e4ge weiter\u201c, so Popovic. Letztendlich wurde das Ersuchen der Gesellschaft, dem Rat anzugeh\u00f6ren, von der Regierung abgewiesen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--biggest paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-quote__paragraph\">\n\t&#8220;Was sie wirklich tun, ist ein Leugnen der V\u00f6lkermord- und Holocaustereignisse im damaligen Kroatien.&#8221;<\/p><p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--small paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-quote__author\">\n\t\u2014  Natasa Matausic, Pr\u00e4sidentin des Verwaltungsrates der Gedenkst\u00e4tte Jasenovac.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tMatausic von der Gedenkst\u00e4tte Jasenovac ist der Meinung, dass die Gesellschaft zur Erforschung des dreifachen Lagers Jasenovac verboten werden sollte. \u201eWas sie wirklich tun, ist ein Leugnen der V\u00f6lkermord- und Holocaustereignisse im damaligen Kroatien\u201c, so Matausic.<br><br>Auf die Frage, ob die Gesellschaft eine solche Leugnung betreibt, antwortete Vukic: \u201eWenn von V\u00f6lkermord die Rede ist, geht es meist um Serben. Falls davon die Rede ist, leugnen wir es.\u201c Vukic weiter: \u201eNat\u00fcrlich leugnen wir den Holocaust nicht &#8230; Wenn es um j\u00fcdische Menschen geht, kann niemand, der seri\u00f6s, niemand, der intelligent ist, das leugnen oder nicht mitf\u00fchlend sein.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t\n<div class=\"block-columns block-columns__gutter-large--10 block-columns__vertical-spacing-large--0\">\n\t\n\n<div class=\"block-column block-column__width-large--6 block-column__width-mobile--12\">\n\t\n<div class=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\">\n\n\t\n\t\t\t\n<figure class=\"block-image-caption\">\n\t<div class=\"image-wrap block-image-caption__image-wrap\" data-align=\"center center\">\n\n\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/tippingpoint.net\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/razum.jpg\" class=\"image  block-image-caption__image\" alt=\"\" \/>\n\t\n\t<\/div>\t<figcaption>\n\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--small paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-image-caption__paragraph\">\n\tEin Screenshot von Stjepan Razums Facebook-Profil<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t<\/div>\n\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"block-column block-column__width-large--6 block-column__width-mobile--12\">\n\t\n<div class=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\">\n\n\t\n\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tBei einer \u00dcberpr\u00fcfung des Facebook-Profils des Vorsitzenden der Gesellschaft, eines katholischen Priesters namens Stjepan Razum, der im kroatischen Staatsarchiv t\u00e4tig ist, kamen jedoch mehrere Videos prominenter Holocaustleugner zum Vorschein, die mit seinen anerkennenden Kommentaren versehen waren.<br><br>Am 17. Mai teilte Razum ein Video von Richard Williamson, einem britischen katholischen Bischof, der 2013 von einem deutschen Gericht wegen Holocaustleugnung verurteilt wurde. In dem Video sagt Williamson: \u201eIch glaube, dass die historisch gesicherten Fakten stark gegen die sechs Millionen Juden sprechen, die absichtlich, als eine bewusste Politik Adolf Hitlers, in Gaskammern vergast worden sein sollen.\u201c<br><br>Dieses Video kommentierte Razum mit den Worten: \u201eSehr mutig! Gratuliere!\u201d<\/p>\t<\/div>\n\n<\/div>\n\n<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tRazum lehnte die Anfrage f\u00fcr ein telefonisches Interview ab, erkl\u00e4rte sich aber bereit, Fragen per E-Mail zu beantworten. Zu Williamsons Ansichten befragt, schrieb Razum: \u201eIch danke Gott, dass ich in der Republik Kroatien lebe, einem freien und demokratischen Staat; die Vorteile dessen sind, dass wir frei denken, frei sprechen, frei FB [Facebook] benutzen, frei kommentieren, frei forschen, uns frei mit wissenschaftlichen Arbeiten befassen k\u00f6nnen, frei reisen, frei fragen, frei gratulieren k\u00f6nnen &#8230;\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t\n<div class=\"block-columns block-columns__gutter-large--10 block-columns__vertical-spacing-large--0\">\n\t\n\n<div class=\"block-column block-column__width-large--5 block-column__width-mobile--12\">\n\t\n<div class=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\">\n\n\t\n\t\t\t\n<div class=\"block-infobox\">\n\t<h2 class=\"heading heading__color--primary heading__size--small heading__align--left heading__font--secondary block-infobox__heading\">\n\tPogrome in Polen<\/h2>\n\t<div class=\"block-infobox__content\">\n\t\t\n<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--default paragraph__align--left paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-infobox__paragraph\">\n\tHolocaustleugnung ist seit 1998 in Polen strafbar, wo die Nazi-Besatzer w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs Millionen europ\u00e4ischer Juden in Todeslagern ermordeten, die im Rahmen der deutschen \u201eEndl\u00f6sung\u201c errichtet wurden. Polnische antifaschistische K\u00e4mpfer bildeten eine der gr\u00f6\u00dften Widerstandsbewegungen Europas und viele christliche Polen trugen zur Rettung von Juden vor der Vernichtung bei.<br><br>Historikern zufolge weisen jedoch Pogrome lokaler Antisemiten darauf hin, dass einige Polen zumindest willige Mitt\u00e4ter bei Verbrechen gegen Juden waren. Kritiker der regierenden Partei f\u00fcr Recht und Gerechtigkeit (PiS) sagen, die Regierung leiste dem Nationalismus viel zu sehr Vorschub, indem sie die polnische Beteiligung an den Verbrechen des Zweiten Weltkriegs besch\u00f6nigt und gegen Anspielungen auf eine polnische Schuld hart vorgeht. Im August 2016 legte die Regierung einen Entwurf f\u00fcr ein Gesetz vor, das die Verwendung des Begriffs \u201epolnische Todeslager\u201c anstelle von \u201eKonzentrationslager im besetzten Polen\u201c unter Strafe stellt. Im Falle einer Verabschiedung k\u00f6nnte dieses Gesetz Rechts\u00fcbertreter f\u00fcr bis zu drei Jahre ins Gef\u00e4ngnis bringen.<br><br>Unterdessen geriet Bildungsministerin Anna Zalewska im vergangenen Sommer unter Beschuss, weil sie in einem Fernsehinterview die polnische Beteiligung an zwei bekannten Massakern infrage stellte: die Verbrennung von mindestens 340 Juden in einer Scheune in Jedwabne 1941 und die Ermordung von 42 Holocaust-\u00dcberlebenden in Kielce 1946. \u201eWas sie sagte, war dumm\u201c, so Bogdan Bialek, Organisator der j\u00e4hrlichen Gedenkfeier in der s\u00fcdostpolnischen Stadt Kielce. \u201eEs w\u00e4re angebrachter, sich mit etwas N\u00fctzlichem zu befassen.\u201c<br><br>Anl\u00e4sslich des 71. Jahrestages des Pogroms im Juli schrieben Jugendliche die Namen von Opfern mit Kreide auf die Mauer eines Hauses in Kielce, wo Juden zu Tode gepr\u00fcgelt worden waren. Nach Angaben der polnischen antifaschistischen Organisation <em>Niemals Wieder<\/em> sind Hassverbrechen und F\u00e4lle von Hassreden \u2013 einschlie\u00dflich der Verwendung faschistischer Symbole und F\u00e4lle von Antisemitismus durch extremistische Gruppen \u2013 seit Ausbruch der europ\u00e4ischen Fl\u00fcchtlings- und Migrantenkrise im Jahr 2015 rapide angestiegen.<br><br>Laut dem <em>Niemals-Wieder<\/em>-Aktivisten Maciej Kaluza hat die PiS w\u00e4hrend der Parlamentswahlen in diesem Jahr danach getrachtet, auf einer Welle fremdenfeindlicher Stimmung zu reiten und weiter versucht, aus Intoleranz politisches Kapital zu schlagen. \u201eOffiziell unterst\u00fctzt die PiS keine rechtsextremen Organisationen, aber gleichzeitig tut sie nichts, um diese aufzuhalten\u201c, sagte Kaluza. Auf Fragen per E-Mail reagierte die PiS nicht.<\/p>\n\t<\/div>\n<\/div>\n\t<\/div>\n\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"block-column block-column__width-large--7 block-column__width-mobile--12\">\n\t\n<div class=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\">\n\n\t\n\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<strong>Prominente Revisionisten<\/strong><br><br>B\u00fcrgerrechtsaktivisten sagen, dass die Verzerrung der Verbrechen des Zweiten Weltkriegs in Kroatien nichts Neues sei. Besonders h\u00e4ufig sei dies w\u00e4hrend des Balkankonflikts Anfang der 1990er-Jahre der Fall gewesen, als eine hochgradig antiserbische Stimmung herrschte und Kroatien seine Identit\u00e4t als eigenst\u00e4ndige Nation schmiedete.<br><br>Franjo Tudjman, Kroatiens erster demokratisch gew\u00e4hlter Pr\u00e4sident, schrieb 1989 in seinem Buch <em>Irrwege der Geschichtswirklichkeit<\/em>, dass die Sch\u00e4tzung von sechs Millionen im Holocaust ermordeten Juden auf allzu emotionalen und parteiischen Zeugenaussagen, einseitigen Daten in Nachkriegsberechnungen zu Kriegsverbrechen und der Abrechnung mit den unterlegenen Kriegsverbrechern beruhte.<br><br>Tudjman, der die HDZ gr\u00fcndete, schrieb an anderer Stelle: \u201eJude bleibt Jude, auch im Lager Jasenovac.\u201c Im Lager h\u00e4tten sie ihre schlechten Eigenschaften beibehalten, die dort nur noch sichtbarer wurden. \u201eEgoismus, Schl\u00e4ue, Unzuverl\u00e4ssigkeit, Geiz, Heimt\u00fccke und Spitzelei\u201c seien ihre wichtigsten Charaktereigenschaften.<br><br>Politologen zufolge war Tudjman der erste Politiker, der versuchte, eine \u00c4quivalenz zwischen faschistischen und von Kommunisten begangenen Verbrechen festzustellen, einschlie\u00dflich der Ermordung von Ustascha- und USK-H\u00e4ftlingen und Zivilisten durch jugoslawische Partisanen direkt nach dem Krieg.<br><br>Diese Bem\u00fchungen waren zum Teil eine Reaktion auf Jahrzehnte jugoslawischer Geschichtsschreibung, in der die Zahl der Jasenovac-Opfer auf rund 700.000 gesch\u00e4tzt wurde, so die Politologen.<br><br>W\u00e4hrend kroatische Nationalisten in den sp\u00e4ten 1980er- und 1990er-Jahren danach trachteten, die Zahlen herunterzuspielen, wurden sie von serbischen Nationalisten in dem Bestreben, die Kroaten als v\u00f6lkerm\u00f6rderisch zu betiteln, \u00fcberproportional aufgeblasen.<br><br>Vuk Draskovic, Parteivorsitzender der Serbischen Erneuerungsbewegung, schrieb 1985, dass im USK eineinhalb Millionen Serben get\u00f6tet wurden.<br><br>Zu den prominenten kroatischen Revisionisten der letzten Jahre z\u00e4hlen unter anderen der HDZ-Parlamentsabgeordnete Vice Vukojevic (er sa\u00df in einer inzwischen nicht mehr existierenden Kommission, die die Zahl der Todesopfer in Jasenovac auf 2.238 bezifferte) und Zlatko Hasanbegovic, ein Kulturminister, der das Ende des USK 1945 als \u201eunsere gr\u00f6\u00dfte nationale Trag\u00f6die und Niederlage\u201c bezeichnete.<br><br>Staatspr\u00e4sidentin Grabar-Kitarovic verurteilte die Ustascha offiziell als kriminelles Regime und brachte w\u00e4hrend einer Israel-Reise ihr \u201etiefstes Mitgef\u00fchl f\u00fcr alle Opfer des Holocaust in Kroatien\u201c zum Ausdruck.<br><br>Doch auch sie geriet unter Beschuss, als sie mit einer Flagge fotografiert wurde, auf der ein Ustascha-Symbol zu sehen war, und als sie als ihren Lieblingsmusiker einen zum S\u00e4nger avancierten aufwieglerischen Soldaten namens Thompson nannte, in dessen Songtexten sich der \u201eZa dom spremni\u201c-Spruch findet.<br><br>Unterdessen trat Stjepan Mesic, der als zweiter Staatspr\u00e4sident Kroatiens amtierte und f\u00fcr seine liberalen Ansichten bekannt war, dieses Jahr als Ehrenvorsitzender der Allianz der antifaschistischen K\u00e4mpfer und Antifaschisten zur\u00fcck, nachdem Videos aus dem Jahr 1992 aufgetaucht waren, in denen er infrage stellt, ob Jasenovac ein Todeslager war.<br><br>\u201eMenschen wurden get\u00f6tet, aber [ausschlie\u00dflich] bevor sie nach Jasenovac kamen\u201c, sagt Mesic in einem der Videos. \u201eWer nach Jasenovac kam, war praktisch schon gerettet &#8211; als Arbeiter.\u201c<\/p>\t<\/div>\n\n<\/div>\n\n<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12 wrapper__offset-large--0\">\n\t\t\t\t\n<figure class=\"block-image-caption\">\n\t<div class=\"image-wrap block-image-caption__image-wrap\" data-align=\"center center\">\n\n\t\t\t<img\n\t\t\tsrc=\"http:\/\/tippingpoint.net\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/jasenovac-commemoration-2017.jpg\"\n\t\t\tclass=\"image  block-image-caption__image\"\n\t\t\talt=\"\u00a9 Nenad Jovanovic\"\n\t\t\/>\n\t\n\t<\/div>\t<figcaption>\n\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--small paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-image-caption__paragraph\">\n\tBei einem von Vertretern serbischer und antifaschistischer Gruppen als Alternative zur j\u00e4hrlichen staatlichen Gedenkveranstaltung organisierten Gottesdienst im April 2017 erweisen Menschen den Toten des Konzentrationslagers Jasenovac Ehrerbietung. Foto: \u00a9 Nenad Jovanovic<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<strong>Keine Strafverfolgung<\/strong><br><br>Rechtsanw\u00e4lten zufolge l\u00e4uft die Frage, ob \u00f6ffentliche \u00c4u\u00dferungen wie diese als gesetzwidrig anzusehen sind, auf die Auslegung des Strafgesetzbuchs hinaus. Im Unterschied zu anderen EU-L\u00e4ndern wie Deutschland oder \u00d6sterreich wird im kroatischen Recht auf den Holocaust oder Verbrechen der Zeit des Zweiten Weltkriegs nicht ausdr\u00fccklich Bezug genommen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t\n<div class=\"block-columns block-columns__gutter-large--10 block-columns__vertical-spacing-large--0\">\n\t\n\n<div class=\"block-column block-column__width-large--5 block-column__width-mobile--12\">\n\t\n<div class=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\">\n\n\t\n\t\t\t\n<div class=\"block-infobox\">\n\t<h2 class=\"heading heading__color--primary heading__size--small heading__align--left heading__font--secondary block-infobox__heading\">\n\tKollaborateure in Serbien<\/h2>\n\t<div class=\"block-infobox__content\">\n\t\t\n<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--default paragraph__align--left paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-infobox__paragraph\">\n\tDer gr\u00f6\u00dfte Teil des Gebiets des heutigen Serbiens war von 1941 bis 1945 von Nazi-Deutschland besetzt. Dem Land mangelte es indes nicht an Kollaborateuren, sagen Historiker.<br><br>Am h\u00f6heren Gericht in Belgrad l\u00e4uft ein Verfahren \u00fcber eine m\u00f6gliche posthume Rehabilitierung von Milan Nedic, dem Anf\u00fchrer des von den Nazis unterst\u00fctzten serbischen Regimes zwischen August 1941 und Oktober 1944. Laut dem <a href=\"https:\/\/www.state.gov\/documents\/organization\/269108.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>International Religious Freedom Report<\/em><\/a> des US-Au\u00dfenministeriums aus dem Jahr 2016 war die Nedic-Regierung f\u00fcr die Ermordung von 90 Prozent der j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung Serbiens w\u00e4hrend des Holocaust verantwortlich. Die Nazis hatten Nedic als Premierminister der sogenannten Regierung der nationalen Rettung eingesetzt. Nach dem Krieg floh er nach \u00d6sterreich. Die Beh\u00f6rden des kommunistischen Jugoslawiens erkl\u00e4rten ihn vor seinem Tod 1946 zum Kriegsverbrecher.<br><br>In Serbien, das sich in Verhandlungen \u00fcber den Beitritt zur Europ\u00e4ischen Union befindet, hat der von Nedics Nachkommen initiierte Prozess um seine Rehabilitation die \u00f6ffentliche Meinung gespalten. Au\u00dferhalb der Gerichtsverhandlungen kam es zu Auseinandersetzungen zwischen antifaschistischen Demonstranten und schwarz gekleideten Unterst\u00fctzern, die behaupten, Nedic habe 600.000 Serben aus der gesamten Balkanregion Zuflucht gew\u00e4hrt.<br><br>\u201eUm ein Nazi-Regime zu rehabilitieren, m\u00fcsste es um Nazis gehen &#8211; Nedic war aber keiner\u201c, erkl\u00e4rte Aleksandar Nedic, Gro\u00dfneffe des Kriegsf\u00fchrers und selbsternannter serbischer Nationalist. Vor einer Wohnung aus der Zeit des Sozialismus im Belgrader Stadtviertel Banovo Brdo auf einer Bank sitzend sagte er, dass &#8211; wie auch immer das Gericht entscheiden sollte \u2013 die Anh\u00f6rungen eine Gegenerz\u00e4hlung zur Geschichte der kommunistischen \u00c4ra bieten w\u00fcrden, die er als unwahr bezeichnet. \u201eEs ist wie beim Abnehmen\u201c, sagte er. \u201eF\u00fcr all die Jahre, in denen man an Gewicht zulegt, braucht man ebenso viele, um die \u00fcberfl\u00fcssigen Kilos wieder loszuwerden. Genauso verh\u00e4lt es sich mit der historischen Rehabilitierung. So viele Jahre, wie L\u00fcgen erz\u00e4hlt wurden, muss nun die Wahrheit gesagt werden.\u201c<br><br>Laut dem Historiker Milan Radanovic , der das Buch <em>Kazna i Zlocin<\/em> (Bestrafung und Verbrechen &#8211; Kollaborationskr\u00e4fte in Serbien) geschrieben hat und ein vehementer Gegner von Nedics Rehabilitation ist, wird die Exkulpierung des Regimef\u00fchrers nur von einer Minderheit bef\u00fcrwortet. \u201eEs ist noch nie vorgekommen, dass ein europ\u00e4isches Land seine Quislinge rechtm\u00e4\u00dfig rehabilitiert hat\u201c, so Radanovic. \u201eEr wusste sehr wohl Bescheid \u00fcber die Zehntausenden Juden, Roma und serbischen Zivilisten, die in Konzentrationslager gebracht und dann hingerichtet wurden.\u201c<br><br>Im Jahr 2015 hob ein Belgrader Gericht das w\u00e4hrend der kommunistischen \u00c4ra gef\u00e4llte Urteil gegen Dragoljub \u201eDraza\u201c Mihailovic auf, einen Tschetnik-F\u00fchrer, der 1946 wegen Hochverrats und Kollaboration mit den Nazis hingerichtet worden war. W\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs kollaborierten die als Tschetniks bekannten k\u00f6nigstreuen Widerstandsk\u00e4mpfer offen mit den Achsenm\u00e4chten und nahmen nicht nur Kommunisten, sondern auch bosnische Muslime und Kroaten ins Visier. Im Mai rehabilitierte das h\u00f6here Gericht in der westserbischen Stadt Valjevo Nikola Kalabic, Kommandant des ber\u00fcchtigten Tschetnik-Berggardekorps, der von den jugoslawischen Beh\u00f6rden der Nachkriegszeit wegen Kollaboration mit den Nazis und anderer Verbrechen angeklagt worden war.<\/p>\n\t<\/div>\n<\/div>\n\t<\/div>\n\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"block-column block-column__width-large--7 block-column__width-mobile--12\">\n\t\n<div class=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\">\n\n\t\n\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tArtikel 325 des Strafgesetzbuchs besagt, dass Menschen, die \u201eStraftatbest\u00e4nde von V\u00f6lkermord, Aggressionsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder Kriegsverbrechen \u00f6ffentlich billigen, leugnen oder gr\u00f6blich verharmlosen\u201c, mit bis zu drei Jahren Gef\u00e4ngnis bestraft werden k\u00f6nnen, wenn ihre Handlungen zu Gewalt oder Hass aufstacheln.<br><br>Bei der Polizei ist noch nie eine Strafanzeige im Zusammenhang mit diesem Abschnitt des Gesetzbuchs eingegangen, hei\u00dft es aus dem Innenministerium. \u201eIn Kroatien bedarf es dazu der Voraussetzung, dass zu Gewalt oder Hass gegen eine durch das Verbrechen gesch\u00e4digte soziale Gruppe aufstachelt wird\u201c, sagte die in Zagreb t\u00e4tige Anw\u00e4ltin Vesna Alaburic. \u201eDies ist ein sehr subjektiver Zusammenhang mit einem Verbrechen, das nur schwer zu beweisen ist.\u201c<br><br>In Deutschland wurden 2015, den j\u00fcngsten verf\u00fcgbaren Jahresstatistiken zufolge, laut Justizministerium 93 Personen wegen Leugnung, Billigung oder Relativierung von Verbrechen des Nazi-Genozids verurteilt. Sechs von ihnen erhielten Haftstrafen. In \u00d6sterreich gingen im vergangenen Jahr nach Angaben des \u00f6sterreichischen Justizministeriums 75 Klagen wegen Leugnung, Relativierung, Billigung oder Rechtfertigung des Nazi-Genozids oder von Verbrechen gegen die Menschlichkeit bei den Staatsanwaltschaften ein. Vier Personen kamen 2016 wegen solcher Delikte ins Gef\u00e4ngnis.<br><br>BIRN fragte bei 22 ortsans\u00e4ssigen kroatischen Staatsanwaltschaften nach, ob sie jemals Strafanzeigen von Einzelpersonen oder Gruppen wegen V\u00f6lkermords oder Holocaustverzerrung bzw. -verleugnung erhalten h\u00e4tten. Nur drei von den 20, die auf die Frage reagierten, bejahten dies.<br><br>2013 reichten drei B\u00fcrgerrechtsorganisationen bei den Staatsanw\u00e4lten der mittelkroatischen Stadt Kutina eine gemeinsame Strafanzeige ein, mit der sie Josip Miljak, den ehemaligen Vorsitzenden der rechtsextremen H\u010cSP (Kroatische Reine Rechtspartei), des Versto\u00dfes gegen das Gesetz wegen Verharmlosung der Massaker von Jasenovac bezichtigten. Laut dieser Klage des Zentrums f\u00fcr Friedensforschung, der Documenta und des B\u00fcrgerkomitees f\u00fcr Menschenrechte habe Miljak die Forschungsarbeit der Jasenovac-Gedenkst\u00e4tte, die die Zahl der Todesopfer im Lager dezidiert auf 83.000 beziffert, verunglimpft.<br><br>Die Anzeige besagt zudem, er habe in einer E-Mail an die ehemalige Leiterin der Gedenkst\u00e4tte, Natasa Jovicic, geschrieben, dass \u201eIhre L\u00fcgen und Ihr Hass auf alles, was kroatisch ist, zu Ihrem Ende beitragen wird\u201c, was Jovicic und Aktivisten als Drohung auslegten.<br><br>Die \u00f6rtliche Staatsanwaltschaft entschied, die Strafanzeige nicht zu verfolgen, weil zu Miljaks angeblicher Verharmlosung von Kriegsverbrechen keine Anhaltspunkte f\u00fcr \u00f6ffentliche Aufstachelung gegeben waren. Dies geht aus einem von BIRN eingesehenen Entscheidungsdokument hervor. Allerdings strengte die \u00f6rtliche Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit Miljaks angeblicher Drohung ein Verwaltungsstrafverfahren an. 2015 wurde Miljak vom \u00f6rtlichen Richter Robert Strniscak freigesprochen. W\u00e4hrend des Prozesses machte Strniscak selbst <a href=\"http:\/\/www.balkaninsight.com\/en\/article\/historians-and-ngos-appalled-by-jasenovac-genocide-denial\/1431\/10\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Schlagzeilen<\/a>, als er infrage stellte, ob tats\u00e4chlich 83.000 Menschen in Jasenovac gestorben waren.<br><br>Unterdessen brachte die Antifaschistische Liga Kroatiens 2016 eine <a href=\"http:\/\/www.balkaninsight.com\/en\/article\/croatian-director-reported-for-jasenovac-camp-film-07-15-2016\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Strafanzeige<\/a> bei der Staatsanwaltschaft Zagreb ein, mit der sie den Dokumentarfilmer Jakov Sedlar der \u201e\u00f6ffentlichen Aufstachelung zu Gewalt und Hass\u201c beschuldigte. Die Liga behauptete, Sedlar habe seinen Film <em>Jasenovac &#8211; Die Wahrheit<\/em>, der die offiziellen Opferzahlen der Gedenkst\u00e4tte bestreitet, dazu verwendet, um Kroatiens nationale Minderheiten, insbesondere Serben, ins Visier zu nehmen. \u201e[Sedlar] verhehlte die wissenschaftlich fundierten Fakten \u00fcber den v\u00f6lkerm\u00f6rderischen Charakter des USK\u201c, hei\u00dft es in der Anklage. Sedlar wies den Vorwurf zur\u00fcck. Im Mai erhielt er von der Stadt Zagreb eine Auszeichnung f\u00fcr seine Arbeit. \u201eEs sind noch einige Untersuchungen erforderlich, um alle notwendigen relevanten Informationen und Hinweise zu sammeln und so zu einer Entscheidung [\u00fcber eine Fortf\u00fchrung der Strafverfolgung] zu gelangen\u201c, schrieb die Staatsanwaltschaft in einer E-Mail.<br><br><strong>&#8220;Giftiger Cocktail&#8221;<\/strong><br><br>Die dritte Strafanzeige wurde Mitte Oktober von drei Menschenrechtsorganisationen bei der Staatsanwaltschaft der im Nordwesten des Landes gelegenen Stadt Pula gegen einen Blogger eingebracht, der als Anstifter gef\u00e4hrlicher Hassreden beschrieben wird. \u201eHinter all dem steckt eine konkrete Person mit Vor- und Nachnamen\u201c, sagte Drazen Hoffmann, Rechercheur f\u00fcr die B\u00fcrgerrechtsgruppe GONG und einer der Beschwerdef\u00fchrer. \u201eDie Onlinearbeit dieser Person widmet sich dem Antisemitismus, der Affirmation von Nazi-Ideen und der Negation des Holocaust.\u201c Zum Zeitpunkt der Ver\u00f6ffentlichung dieses Artikels war unklar, ob die Staatsanw\u00e4lte den Fall vor Gericht bringen w\u00fcrden.<\/p>\t<\/div>\n\n<\/div>\n\n<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12 wrapper__offset-large--0\">\n\t\t\t\t\n<figure class=\"block-image-caption\">\n\t<div class=\"image-wrap block-image-caption__image-wrap\" data-align=\"center center\">\n\n\t\t\t<img\n\t\t\tsrc=\"http:\/\/tippingpoint.net\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/hoffmann.jpg\"\n\t\t\tclass=\"image  block-image-caption__image\"\n\t\t\talt=\"\u00a9 Tamara Opacic\"\n\t\t\/>\n\t\n\t<\/div>\t<figcaption>\n\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--small paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-image-caption__paragraph\">\n\tDer Politologe Drazen Hoffmann wirkte an der Vorbereitung einer Strafanzeige gegen einen Blogger mit, den er als Anstifter von Hassreden und Holocaustleugnung beschreibt. Foto: \u00a9 Tamara Opacic<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tUmgeben von B\u00fcchern und alten Zeitungen im obersten Stockwerk eines Geb\u00e4udes aus dem 19. Jahrhundert mit Blick auf den Hauptplatz von Zagreb wirkt Hoffmann am Betrieb einer <a href=\"http:\/\/www.dostajemrznje.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Online-Plattform<\/a> mit, auf der Menschen unter anderem \u00fcber Holocaustleugnung und faschistische Graffiti berichten k\u00f6nnen. Laut dem 31-j\u00e4hrigen Politikwissenschaftler waren Hassreden gegen Ende 2013 wieder aufgekeimt, als radikale Elemente der HDZ die aufgeheizte antiserbische Stimmung infolge der <a href=\"http:\/\/www.balkaninsight.com\/en\/article\/vukovar-bilingualism-introduce-faces-violent-resistance\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wut \u00fcber die Anbringung kyrillischer Zeichen<\/a> in der ostkroatischen Stadt Vukovar, die 1991 von serbischen Kr\u00e4ften verw\u00fcstet worden war, als zu lukrierendes politisches Kapital witterten.<br><br>\u201eDas war ein giftiger Cocktail, dessen Nachhalle und Ausbr\u00fcche wir in der \u00d6ffentlichkeit immer noch sehen und h\u00f6ren k\u00f6nnen\u201c, so Hoffmann. \u201eHistorischer Revisionismus geht hier einher mit der Mission, jedes Verm\u00e4chtnis des Antifaschismus anzuschw\u00e4rzen \u2013 und obendrein samt und sonders mit \u201aSerbentum\u2018 zu assoziieren, sprich mit Verbrechen und Aggressionen des Kriegs der 1990er-Jahre.\u201c Auf Fragen per E-Mail und einen Telefonanruf antwortete die HDZ nicht.<br><br>Auch der EU-Beitritt Kroatiens im Jahr 2013 sei ein Meilenstein gewesen, sagte Hoffmann und merkte an, dass nach dem Beitritt keine Systeme zur \u00dcberwachung des Schutzes der Menschenrechte eingerichtet worden seien. \u201eEs ist wohl wahr, dass nachdem ein Land dieser Gemeinschaft beigetreten ist, nachdem die Konditionierung vor\u00fcber ist, gewisse Standards fallen\u201c, so Hoffmann. Auf die Frage nach der \u00dcberwachung der Menschenrechte in Kroatien antwortete der Sprecher der Europ\u00e4ischen Kommission, Christian Wigand, dass die Europ\u00e4ische Union mit den Mitgliedstaaten und Social-Media-Unternehmen zusammenarbeite, um illegale Hassreden zu bek\u00e4mpfen. \u201eHassreden und radikale Propaganda haben in unseren Gesellschaften keinen Platz &#8211; weder online noch offline\u201c, so Wigand.<br><br>Efraim Zuroff vom Simon-Wiesenthal-Zentrum meinte, dass die Regierung die Pflicht habe, den Ton von oben anzugeben. \u201eSie m\u00fcssen endlich die historische Wahrheit zugeben und den Leuten sagen: Das sind die Fakten, damit m\u00fcsst ihr leben, ihr m\u00fcsst verstehen, was geschah, und alles daran setzen, damit es nie wieder geschieht\u201c, so Zuroff.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<em>Original auf Englisch. Erstmals publiziert am 24. November 2017 auf <a target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Balkaninsight.com<\/a>.<br>Aus dem Englischen von Alexandra Hoi und <a href=\"http:\/\/www.wordpool.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Barbara Maya<\/a>.<\/em><br><br>Dieser Text ist urheberrechtlich gesch\u00fctzt: \u00a9 Tamara Opacic. Bei Interesse an Wiederver\u00f6ffentlichung bitten wir um Kontaktaufnahme mit der <a href=\"http:\/\/magazine.erstestiftung.org\/de\/erste-stiftung\/impressum\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Redaktion<\/a>.<br>Urheberrechtliche Angaben zu Bildern, Grafiken und Videos sind direkt bei den Abbildungen vermerkt. Titelbild: Ein Rabbiner beim Gebet w\u00e4hrend eines Gottesdienstes 2016 zum Gedenken an die Opfer des Konzentrationslagers Jadovno in Westkroatien. Foto: \u00a9 Nenad Jovanovic. Fotos in den Infok\u00e4sten: Polen begehen den 71. Jahrestag des Kielce-Pogroms. Foto: \u00a9 Tamara Opacic; Aleksandar Nedic, der Gro\u00dfneffe von Milan Nedic. Foto: \u00a9 Tamara Opacic.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10    wrapper__divider-bottom-large\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<em>Dieser Artikel entstand im Rahmen des <a href=\"http:\/\/fellowship.birn.eu.com\/en\/page\/home\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Balkan Fellowship for Journalistic Excellence<\/a>, unterst\u00fctzt von der ERSTE Stiftung und den <a href=\"https:\/\/www.opensocietyfoundations.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Open Society Foundations<\/a> in Kooperation mit dem <a href=\"https:\/\/birn.eu.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Balkan Investigative Reporting Network<\/a>.<br><\/em><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das j\u00fcngste EU-Mitgliedsland unternimmt bisher nur wenig gegen Stimmen, die die Gr\u00e4ueltaten des Zweiten Weltkriegs bagatellisieren.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":853,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[433,299,436,434],"tags":[273,357,492,284,285,494,295,263,336,266,358,341,310,540],"formats":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3423"}],"collection":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3423"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3423\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6740,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3423\/revisions\/6740"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/853"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3423"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3423"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3423"},{"taxonomy":"format","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/formats?post=3423"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}