{"id":3422,"date":"2017-12-20T00:00:00","date_gmt":"2017-12-20T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/erste-foundation.byinfinum.co\/das-puzzle-neu-zusammensetzen\/"},"modified":"2021-08-23T15:51:18","modified_gmt":"2021-08-23T15:51:18","slug":"das-puzzle-neu-zusammensetzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/das-puzzle-neu-zusammensetzen\/","title":{"rendered":"Das Puzzle neu zusammensetzen"},"content":{"rendered":"\n\n\t\n\t\t\t
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\n\tZwischen 2012 und 2013 fanden in ungarischen K\u00fcnstlerkreisen zahlreiche Proteste und Demonstrationen statt, die letzten Endes vergebens waren. Die OFF-Biennale<\/a> ist kein weiterer Protest, sondern der Versuch, konkrete Ergebnisse zu erzielen.<\/strong>

<\/span>Die zweite Ausgabe, “Gaudiopolis 2017. Stadt der Freude”, fand vom 29. September bis 5. November 2017 statt. Martyna Nowicka sprach mit zwei Mitgliedern des KuratorInnenteams \u00fcber diese “gr\u00f6\u00dfte zivilgesellschaftliche, unabh\u00e4ngige Kunstinitiative in Ungarn” (OFF-Biennale).<\/span><\/div><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t
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\n\tWas hat Sie dazu bewogen, f\u00fcr die OFF-Biennale zu arbeiten?<\/strong>

Nikolett Er\u0151ss<\/strong>: Ich bin eigentlich gelernte Kunsthistorikerin, arbeite jedoch als Kuratorin. Ich war f\u00fcr Kunstinstitutionen in Budapest t\u00e4tig, zuletzt f\u00fcr das Ludwig M\u00fazeum, wo ich bis 2013 angestellt war. Bald darauf erreichte der langwierige Aufl\u00f6sungsprozess der Budapester Kunstinstitutionen seinen H\u00f6hepunkt. Da entschloss ich mich, f\u00fcr die OFF-Biennale zu arbeiten. Orb\u00e1n war damals bereits seit drei Jahren an der Macht und hatte begonnen, alle Kunsteinrichtungen von sich abh\u00e4ngig zu machen. Aspekte, die wir sch\u00e4tzten, wie soziales Engagement oder Kritik, wurden eliminiert. Dann kam Hajnalka Somogyi [Initiatorin und Chefkuratorin der OFF-Biennale \u2013 Red.] zu dem Schluss, dass, da es ja\u00a0eine lokale Kunstszene gab und\u00a0zahlreiche Ideen und die f\u00fcr das Organisieren von Ausstellungen notwendige Expertise und die Fertigkeiten vorhanden waren, es doch lohnenswert w\u00e4re, diese auch zu nutzen. Und so begannen wir, au\u00dferhalb der bestehenden institutionellen Strukturen t\u00e4tig zu werden.

Neue Vorhaben lassen sich auf unterschiedlichste Weise in Angriff nehmen; man muss sich nicht zwangsl\u00e4ufig von den Dingen trennen, die bereits vorhanden sind. In diesem Fall fanden wir es jedoch wichtig, etwas v\u00f6llig Eigenst\u00e4ndiges zu schaffen, ohne jegliche Vereinbarungen mit der Regierung, Institutionen oder irgendwelchen Autorit\u00e4ten \u2013 weder substanzieller noch symbolischer Art. Dieser Zugang spiegelte sich in unserer Arbeit wider: Wir wollten einen Rahmen f\u00fcr unabh\u00e4ngiges k\u00fcnstlerisches Schaffen entwickeln. Dabei mussten wir die ersten Schritte selbst setzen und eine transparente Basis schaffen. M\u00f6glicherweise wird sich unsere Herangehensweise in Zukunft \u00e4ndern. Vielleicht wollen wir in zwei oder vier Jahren die staatlich verwaltete Infrastruktur nutzen, wenn auch nur aus dem einfachen Grund, weil Museen \u00fcber eindrucksvolle Sammlungen verf\u00fcgen, gepaart mit Archiven und Wissen. Vorerst wollen wir jedoch unabh\u00e4ngig bleiben.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tEAST ART MAGS lesen im erstestiftung.org Magazin<\/h2>\n\t
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\n\tEAST ART MAGS<\/a> (EAM) ist ein Gemeinschaftsprojekt von vier Kunstzeitschriften in Ostmitteleuropa: Artalk<\/a> (Tschechien\/Slowakei), Artportal<\/a> (Ungarn), Revista Arta Online<\/a> (Rum\u00e4nien) und SZUM<\/a> (Polen). EAM versteht sich als Plattform zur Aufbereitung und Ver\u00f6ffentlichung von Inhalten verbunden\u00a0mit dem Angebot von Capacity Building\u00a0f\u00fcr KunstjournalistInnen in der Region. EAM wird unterst\u00fctzt vom VISEGRAD FUND<\/a> und AFCN<\/a>.

erstestiftung.org<\/em> teilt ausgew\u00e4hlte EAM Artikel, \u00fcbersetzt sie ins Deutsche und – falls noch nicht verf\u00fcgbar – ins Englische.

Dieses Interview von Martyna Nowicka mit den Kuratoren der OFF-Biennale, Nikolett Er\u0151ss und Eszter Szak\u00e1cs, entstand im Rahmen des Residenzprogramms des EAM in Zusammenarbeit mit Magazyn SZUM (PL).<\/span>

Es wurde erstmals am 11. November 2017 ver\u00f6ffentlicht.<\/span><\/p>\n\t<\/div>\n<\/div>\n\t<\/div>\n\n<\/div>\n\n\n\n

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\n\tEszter Szak\u00e1cs:<\/strong> Neben meiner Arbeit f\u00fcr die OFF-Biennale bin ich seit 2011 auch Kuratorin f\u00fcr die Galerie und Kunstorganisation\u00a0tranzit.hu, die zu einem gr\u00f6\u00dferen mitteleurop\u00e4ischen Netzwerk (tranzit.org) geh\u00f6rt. Ich wollte an dieser neuen Idee schon von Anfang an teilhaben, was aber aus pers\u00f6nlichen Gr\u00fcnden nicht sofort m\u00f6glich war. Mein Beitrag zur ersten Ausgabe war nicht besonders gro\u00df, erst w\u00e4hrend der Entstehung der zweiten Ausgabe konnte ich mich in vollem Umfang einbringen. Es ist kein Geheimnis, dass ich es mir aufgrund meiner Arbeit f\u00fcr eine unabh\u00e4ngige NGO leisten konnte. tranzit.hu und seine Direktorin D\u00f3ra Hegyi haben\u00a0mir die Arbeit an meinen Projekten ungemein erleichtert: Viele Menschen leisteten einen Beitrag, weil sie m\u00f6chten, dass die OFF-Biennale erfolgreich ist.

Die OFF-Biennale interessiert mich als Widerstandsbewegung. Zwischen 2012 und 2013 fanden in ungarischen K\u00fcnstlerkreisen zahlreiche Proteste und Demonstrationen statt, die letzten Endes vergebens waren. Die OFF-Biennale ist kein weiterer Protest, sondern der Versuch, konkrete Ergebnisse zu erzielen. Wir erschaffen etwas, wir versuchen etwas zu verteidigen, und wir \u00fcbernehmen die Verantwortung f\u00fcr das, was wir tun.<\/p>\t<\/div>\n\n<\/div>\n\n<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tTrotzdem frage ich mich, warum Sie sich f\u00fcr diese spezifische Form\u00a0des Arbeitens entschieden haben. In einer Welt, in der alle paar Tage irgendeine Biennale er\u00f6ffnet, wird dieses Format \u00fcblicherweise heftig kritisiert. Warum ein Festival, wenn man zum Beispiel auch eine eigene dauerhafte Galerie aufmachen k\u00f6nnte? <\/strong>

Nikolett Er\u0151ss:\u00a0<\/strong>Uns ist nat\u00fcrlich bewusst, dass das Biennale-Format vielfach kritisiert wird. Andererseits erf\u00fcllt dieses Format all unsere Anforderungen. Schon der Begriff \u201eBiennale\u201c ist allgemein bekannt und wird \u00fcberall verstanden: Jeder wei\u00df, dass es sich um eine Veranstaltungsreihe handelt, die alle zwei Jahre stattfindet. Au\u00dferdem ist eine einzelne Biennale noch keine richtige Biennale: Dieses Format lebt von der Wiederholung. Das war in unserem Fall sehr wichtig, weil wir uns dadurch verpflichtet haben, die n\u00e4chste Ausgabe zu organisieren. Es ist nun einfach eine Frage der Verantwortung: Wir machen jetzt etwas und wir werden in zwei und in vier Jahren weitermachen … Wir wollten zum Ausdruck bringen, dass unser Engagement langfristiger Natur ist. Ein weiterer Faktor war, dass eine Biennale sich aktuellen Gegebenheiten anpassen kann. Heute arbeiten einhundert Menschen an dieser Veranstaltung, aber in zwei Monaten werden wir nur unser sechsk\u00f6pfiges Kuratorinnenteam brauchen.

Eine dauerhafte Institution am Laufen zu halten liegt au\u00dferhalb unserer M\u00f6glichkeiten, aber diese flexible Form k\u00f6nnte funktionieren. Wir verf\u00fcgen weder \u00fcber eigene R\u00e4umlichkeiten noch eine Regelfinanzierung. Deshalb m\u00fcssen wir uns alle zwei Jahre genau \u00fcberlegen, was wir tun. Es kann durchaus sein, dass der Rahmen bestehen bleibt, aber in zwei Jahren wird er mit anderen Inhalten bef\u00fcllt werden. Eine Biennale muss auch keine riesige Institution mit einem eindrucksvollen Budget und einem \u00fcberladenen Programm sein. Sie muss weder von der Stadt noch vom Staat subventioniert werden und auch nicht wie eine Institution aufgebaut sein \u2013 wir sind keine Institution. Eine Biennale ist zugegebenerma\u00dfen ein unvollkommenes Format, aber wir sind zuversichtlich, dieses Manko wettmachen zu k\u00f6nnen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\t“Our grass-roots model makes us exceptional.”<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tEszter Szak\u00e1cs<\/strong>: Was uns auszeichnet, ist unser Graswurzelmodell. Wir beginnen immer ganz unten, um erst dann zu wachsen und h\u00f6here Stufen und Ebenen der Organisation zu erreichen. Unsere Biennale ist keine Kopie einer der ausl\u00e4ndischen Veranstaltungen; wir hatten unterschiedliche Prinzipien im Sinn, als wir sie ins Leben riefen. Wir wollen der \u00f6rtlichen Gemeinschaft dienen. Wir beginnen damit, dar\u00fcber nachzudenken, was Budapester K\u00fcnstlerInnen und KuratorInnen brauchen. Die Biennale ist nicht der Weisheit letzter Schluss, auch nicht der Inbegriff unserer Arbeit. Sie ist nur eines der Mittel, die wir anwenden.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tNikolett Er\u0151ss<\/h2>\n\t
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\n\tNikolett Er\u0151ss war Teil des KuratorInnenteams der OFF-Biennale Budapest 2017. Co-KuratorInnen waren – neben Eszter Szak\u00e1cs – R\u00f3na Kopeczky, L\u00edvia P\u00e1ldi (2016), Hajnalka Somogyi (Regisseur), Borb\u00e1la Szalai und Katalin Sz\u00e9kely.<\/span><\/span><\/p>\n\t<\/div>\n<\/div>\n\t<\/div>\n\n<\/div>\n\n\n\n

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\n\tHei\u00dft das, dass Sie haupts\u00e4chlich auf das lokale Publikum z\u00e4hlen?<\/strong>

Nikolett Er\u0151ss:\u00a0<\/strong> Schon, aber wir sind auch darauf vorbereitet, ausl\u00e4ndische BesucherInnen zu empfangen. Die Kooperation mit internationalen Institutionen ist f\u00fcr uns essenziell: In diesem Jahr ist unser Partner die Galerie f\u00fcr Zeitgen\u00f6ssische Kunst Leipzig<\/a>,<\/em> die die meisten der Auftragsarbeiten koproduziert. Der internationale Charakter der Biennale ist wichtig, weil wir K\u00fcnstlerInnen aus der ganzen Welt einladen und vor allem, weil wir Probleme angehen, die nicht nur aus der Sicht Budapests von Bedeutung sind. Wir erleben \u00e4hnliche Krisen \u00fcberall in Europa, \u00e4hnliche L\u00f6sungen k\u00f6nnten also an vielen Orten erforderlich sein. Wir gehen von einem lokalen Kontext aus, aber unser Fokus ist krisenbedingt viel breiter. Deshalb beginnen wir mit lokalen TeilnehmerInnen, Problemen und Zielgruppen, bleiben jedoch mit der Au\u00dfenwelt in Verbindung.<\/p>\t<\/div>\n\n<\/div>\n\n<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tEszter Szak\u00e1cs<\/strong>: Wie Nikolett schon sagte, gibt es in Ungarn Probleme, wie man sie \u00fcberall in Europa erlebt. Mit dem Unterschied, dass unsere politische Situation ziemlich akut ist, und seit sieben Jahren lernen wir nun, damit umzugehen. Diese Erfahrung k\u00f6nnte besonders f\u00fcr europ\u00e4ische BesucherInnen interessant sein. Aus polnischer Sicht, sch\u00e4tze ich, kann man das nur allzu gut beobachten…<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tMich interessiert auch der \u201eOFF\u201c-Teil im Namen der Veranstaltung. Schon die Verwendung dieses Adjektivs legt nahe, dass es einen Mainstream gibt, von dem Sie sich distanzieren wollen. <\/strong>Worum geht es da<\/strong>?<\/strong>

Nikolett Er\u0151ss:<\/strong> \u201eOff\u201c steht f\u00fcr viele Dinge. Wir wollen uns nicht gegen regierungsfreundliche Institutionen stellen; uns geht es darum, unsere eigene Nische zu schaffen, ein anderes Modell einer Kultureinrichtung. Wir wollen uns nicht am Mainstream orientieren und halten uns lieber fern von den \u00fcblichen Pfaden. Was aber nicht hei\u00dft, dass wir die Bauten neben diesen Pfaden niederrei\u00dfen wollen. Seit Jahren ist man in Ungarn der Meinung, dass des Aufgabe des Staates sei, sich um die Kunst zu k\u00fcmmern: Dabei geht es nicht um diese oder jene Regierung. Diese Ansicht hat sich seit dem Zweiten Weltkrieg durchgesetzt. Unser Ziel ist es nun herauszufinden, ob es m\u00f6glich ist, anders zu arbeiten.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tEszter Szak\u00e1cs<\/h2>\n\t
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\n\tEszter Szak\u00e1cs ist Kuratorin der zeitgen\u00f6ssischen Kunstorganisation tranzit.hu<\/a> in Budapest, die Teil des ostmitteleurop\u00e4ischen Netzwerkes tranzit.org<\/a> ist. Sie war Co-Kuratorin der OFF Biennale Budapest 2017.<\/span><\/span><\/p>\n\t<\/div>\n<\/div>\n\t<\/div>\n\n<\/div>\n\n\n\n

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\n\tEszter Szak\u00e1cs<\/strong>: Meiner Meinung nach bedeutet \u201eoff\u201c nicht, dass wir uns in die W\u00e4lder zur\u00fcckziehen, um fernab von bestehenden Strukturen oder Institutionen zu leben. Ich denke, es ist eher der Versuch, einen neuen Raum f\u00fcr sich selbst zu schaffen. Das Gleiche gilt f\u00fcr unsere laufende Ausstellung: Sie mag utopisch erscheinen, aber es handelt sich um eine Utopie, die Realit\u00e4t werden kann.

Wir interessieren uns f\u00fcr Widerstandsbewegungen und verbl\u00fcffend einfache L\u00f6sungen. Leider werden diese von manchen als Modelle wahrgenommen, die nicht realisierbar sind. Die Kunstwerke, die wir im Rahmen von People\u2019s players<\/em> zeigen, wollen die zur Verf\u00fcgung stehenden Puzzleteilchen auf neue Weise zusammensetzen und so ein neues Bild entstehen lassen: eine andere Realit\u00e4t.

Sie erzeugen diese andere Realit\u00e4t bei der Kunstbiennale aber immer wieder.<\/strong>

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\n\tNikolett Er\u0151ss: <\/strong>Ja, aber wir reproduzieren nicht die hierarchische Struktur anderer Festivals. Die OFF-Biennale versteht sich mehr als Netzwerk, als ein Ganzes, das sich aus verschiedenen Teams zusammensetzt (die sich mit kuratorischen, p\u00e4dagogischen, administrativen und dokumentarischen Agenden oder Kommunikationsmanagement befassen). Wir, die Kuratorinnen, stehen mit allen anderen in Kontakt. Da wir alle Erfahrung mit institutioneller Arbeit haben, k\u00f6nnte unser Tun erfolgreich sein. Auch wenn wir also ein unabh\u00e4ngiges Graswurzelmodell verwenden, bleiben wir diszipliniert, und niemand stellt die Notwendigkeit infrage, detaillierte Excel-Tabellen zu erstellen.

Eszter Szak\u00e1cs: <\/strong>Dadurch sind wir auch in der Lage, ohne st\u00e4ndiges B\u00fcro auszukommen. Alles wird in die Cloud hochgeladen, Dokumente k\u00f6nnen von \u00fcberall eingesehen werden. Das macht alles viel einfacher.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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\n\tWie sieht es mit den Finanzmitteln aus? Sie haben bei zahlreichen Gelegenheiten gesagt, dass Sie nicht um staatliche Gelder ansuchen.<\/strong>

Nikolett Er\u0151ss:<\/strong> M\u00f6glich macht die diesj\u00e4hrige OFF-Biennale die Unterst\u00fctzung der bereits erw\u00e4hnten Galerie f\u00fcr Zeitgen\u00f6ssische Kunst Leipzig<\/em> sowie die deutsche Kulturstiftung des Bundes<\/em>, die ERSTE Stiftung<\/em>, das Goethe-Institut<\/em>, das Adam-Mickiewicz-Institut<\/em>, das Institut Fran\u00e7ais<\/em> und das Tschechische Zentrum<\/em>. Dar\u00fcber hinaus ist es uns gelungen, Sponsoren zu finden: haupts\u00e4chlich aus Ungarn, sowohl Firmen als auch Privatleute. Wir sind sehr froh, dass wir immer mehr FreundInnen haben. Es scheint, als w\u00e4re unser Interesse daran, eine neue Welt auf den Tr\u00fcmmern der alten zu errichten \u2013 was ja auch im diesj\u00e4hrigen Titel zum Ausdruck kommt \u00ad\u2013, ein Thema, das vielen Menschen am Herzen liegt.

Welche Geschichte erz\u00e4hlt die diesj\u00e4hrige OFF-Biennale?<\/strong>

Nikolett Er\u0151ss:<\/strong> Das Hauptthema der zweiten OFF-Biennale ist Gaudiopolis, die vom lutherischen Geistlichen G\u00e1bor Sztehlo gegr\u00fcndete Kinderrepublik. Sie wurde in Budapest errichtet und nahm zwischen 1945 und 1950 in erster Linie Kinder auf, die w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs zu Waisen wurden. Heute greifen wir das Konzept erneut auf, um dar\u00fcber zu reflektieren, wie man neue Strukturen schaffen, \u00fcber pers\u00f6nliche Trag\u00f6dien der Vergangenheit sprechen und eine neue Realit\u00e4t erzeugen kann, aber auch dar\u00fcber, wie man das Leben und das Zusammensein genie\u00dft. Gerade heute erscheint es besonders wichtig, die Menschen daran zu erinnern, dass wir bereits \u00e4hnliche Krisen durchlebt haben: unter anderen Umst\u00e4nden und in anderer Form, aber dennoch Krisen. Einige Tendenzen, die jetzt sichtbar sind, gab es bereits vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Die Menschen d\u00fcrfen nicht vergessen, dass es Licht am Ende dieses Tunnels geben kann, durch den wir derzeit gehen.

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\n\tEszter Szak\u00e1cs<\/strong>: Gaudiopolis entstand zu einer ganz bestimmten Zeit: kurz nach Kriegsende, aber noch bevor der Kommunismus genug Zeit hatte, um hier Fu\u00df zu fassen. Es war eine kurze Periode, in der die Menschen dazu in der Lage waren, Utopien Wirklichkeit werden zu lassen, und es lohnt sich, darauf zur\u00fcckzublicken. Schlie\u00dflich sind es die wahrgewordenen Experimente und Utopien, die wir heute so sehr brauchen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n\n\n\t\n\t\t\t

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Erstver\u00f6ffentlichung am 11. November 2017 im East Art Magazine.<\/span><\/em>

Dieser Text ist urheberrechtlich gesch\u00fctzt: \u00a9 Martyna Nowicka. Wenn Sie an der Wiederver\u00f6ffentlichung interessiert sind, wenden Sie sich bitte an die Redaktion<\/a>.

Copyright-Informationen zu den Abbildungen:
Oben: Detail der Galerie Hidegzoba, Budapest. Foto: Zolt\u00e1n Dragon \/ OFF-Biennale Budapest Archiv; Nikolett Er\u0151ss bei der Er\u00f6ffnung von Sven Johne A Sense of Warmth. OFF-Biennale Budapest 2017. Foto: Zolt\u00e1n Dragon \/ OFF-Biennale Budapest Archiv; Eszter Szakacs. Foto: vegeldaniel.com; Gaudiopolis. Foto: Mariann Resimann<\/span><\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"

Martyna Nowicka interviewt die OFF-Biennale Kuratorinnen Nikolett Er\u0151ss und Eszter Szak\u00e1cs.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":839,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[433,245,434],"tags":[261,264,496,312,267],"formats":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3422"}],"collection":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3422"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3422\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5671,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3422\/revisions\/5671"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/839"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3422"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3422"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3422"},{"taxonomy":"format","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/formats?post=3422"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}