{"id":3321,"date":"2017-07-14T00:00:00","date_gmt":"2017-07-14T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/erste-foundation.byinfinum.co\/wir-waren-nur-kinder\/"},"modified":"2021-07-01T07:08:52","modified_gmt":"2021-07-01T07:08:52","slug":"wir-waren-nur-kinder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wir-waren-nur-kinder\/","title":{"rendered":"&#8220;Wir waren nur Kinder!&#8221;"},"content":{"rendered":"<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<strong>\u00dcberall in Europa gibt es sie noch, die Angeh\u00f6rigen jener Generation, die in die Agonie\u00a0und Ausweglosigkeit der sozialistischen Gesellschaften der 1980er-Jahre hineingeboren wurden. Wer im von Konflikten und Krisen gesch\u00fcttelten Jugoslawien der 1980er- und fr\u00fchen 1990er-Jahre aufwuchs, hat die Schrecken der Balkankriege hautnah miterlebt. Bei diesen Kindern und Jugendlichen \u00fcberlagerten die Erfahrungen von kriegerischer Gewalt die Erfahrungen des gesellschaftlichen und politischen Umbruches in existenzieller Weise. Sie lernten, Tag f\u00fcr Tag im Ausnahmezustand jener Jahre zu leben \u2013 und im Ausnahmezustand physisch wie psychisch zu \u00fcberleben. <\/strong><br><br>Die Einstellungen, die Haltungen und die Handlungen dieser jungen Erwachsenen werden\u00a0im Laufe des kommenden Jahrzehntes entscheidende soziale und politische Wirkungen entfalten. Denn mittlerweile sind die damaligen Kinder und Jugendlichen zu jungen Leuten um die 30 herangewachsen. Sie werden bald vor elementaren Herausforderungen stehen, die sie in besonderer Weise bew\u00e4ltigen m\u00fcssen und die uns \u00fcberall in Europa unmittelbar politisch betreffen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t\n<div class=\"block-columns block-columns__gutter-large--10 block-columns__vertical-spacing-large--0\">\n\t\n\n<div class=\"block-column block-column__width-large--5 block-column__width-mobile--12\">\n\t\n<div class=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\">\n\n\t\n\t\t\t\n<div class=\"block-infobox\">\n\t<h2 class=\"heading heading__color--primary heading__size--small heading__align--left heading__font--secondary block-infobox__heading\">\n\tGeneration In-Between<\/h2>\n\t<div class=\"block-infobox__content\">\n\t\t\n<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-infobox__paragraph\">\n\t<strong>Die Kinder der Balkankriege:\u00a0Ann\u00e4herungen an eine europ\u00e4ische Schl\u00fcsselgeneration<\/strong><br>AutorInnen: Eva T. Asboth, Michaela Griesbeck, Christina Krakovsky | Franz Vranitzky Chair for European Studies, Universit\u00e4t Wien 2016<\/p>\n\t<\/div>\n<\/div>\n\t<\/div>\n\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"block-column block-column__width-large--7 block-column__width-mobile--12\">\n\t\n<div class=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\">\n\n\t\n\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tIn den kommenden Jahren wird es die Aufgabe der Angeh\u00f6rigen ebendieser Generation sein, die europ\u00e4ische Integration ihrer L\u00e4nder fortzusetzen, zu vertiefen und weiter auszugestalten \u2013 oder wom\u00f6glich erst in Gang zu setzen. Und das, obschon viele junge Erwachsene gerade in Ost- und S\u00fcdosteuropa der europ\u00e4ischen Idee mittlerweile mit Skepsis und Desinteresse gegen\u00fcberstehen.<br><br>Aus diesem Grund hat es sich der Franz Vranitzky Chair for European Studies an der Universit\u00e4t Wien mit Partnern aus \u00d6sterreich, Deutschland und S\u00fcdosteuropa zur Aufgabe gemacht, diese k\u00fcnftige Tr\u00e4gergeneration Europas langfristig wissenschaftlich zu beobachten und zu begleiten. Generation In-Between \u00fcber die Generation dazwischen versteht sich als eine einf\u00fchrende Bestandsaufnahme zur Geschichte, Psychologie und Politik dieser Schl\u00fcsselgeneration.<\/p>\t<\/div>\n\n<\/div>\n\n<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tDie Ergebnisse der Studie best\u00e4tigen: Wer als Kind oder Jugendliche\/r die Kriege der 1990er-Jahre auf dem Balkan erlebt hat, leidet bis heute massiv unter diesen pr\u00e4genden Erfahrungen milit\u00e4rischer Gewalt. Andererseits zeigen die Ergebnisse aber auch, dass die Angeh\u00f6rigen dieser Generation In-Between ein gro\u00dfes Bed\u00fcrfnis nach \u00d6ffentlichkeit haben: Sie m\u00f6chten ihre Erfahrungen und Erwartungen nach au\u00dfen tragen, pers\u00f6nlich wie gesellschaftlich thematisieren.<br><br>Dieses Bed\u00fcrfnis der Generation In-Between, \u00fcber ihre Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu sprechen, war der Ausgangspunkt der weiterf\u00fchrenden Studie \u201eGeneration In-Between. Die Kinder der Balkankriege: Pr\u00e4vention durch Kommunikation\u201c, \u00fcber die sich Jovana Trifunovi\u0107 mit Rainer Gries und seinem Team, Eva Asboth, Michaela Griesbeck und Christina Krakovsky, unterhielt.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tEs gibt nur wenige Studien, die sich mit der Analyse zivilgesellschaftlichen Engagements junger Menschen im postsozialistischen Kontext der Nachkriegszeit in S\u00fcdosteuropa befasst haben. Was hat Sie bewogen, diese Studie zu initiieren?<br><br>Mit der Generation In-Between untersuchen wir eine Schl\u00fcsselgeneration f\u00fcr die Zukunft Europas. Die jungen Erwachsenen um die 30 stehen im n\u00e4chsten Jahrzehnt vor der gro\u00dfen Aufgabe, nach den aktuellen Krisen \u201eEuropa\u201c neu zu formulieren und neu zu definieren. Wenn \u201eEuropa\u201c nicht scheitern soll, m\u00fcssen sie diese Herkulesaufgabe schultern \u2013 doch werden sie diese Herausforderung annehmen? Werden sie sich politisch engagieren? Unsere Grundfragen lauten daher: Wie positionieren sich die Angeh\u00f6rigen dieser Alterskohorten in den Nachfolgegesellschaften Jugoslawiens zwischen Orient und Okzident, zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Nation und Europa? Sind sie daf\u00fcr zu begeistern, sich f\u00fcr ihr Gemeinwesen, f\u00fcr ihre Gesellschaft, f\u00fcr ihr Land, f\u00fcr Europa einzusetzen? Und wenn ja: Wie k\u00f6nnen wir diese jungen Erwachsenen auf ihrem Weg begleiten und beraten?<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t\n<div class=\"block-columns block-columns__gutter-large--10 block-columns__vertical-spacing-large--0\">\n\t\n\n<div class=\"block-column block-column__width-large--6 block-column__width-mobile--12\">\n\t\n<div class=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\">\n\n\t\n\t\t\t\n<figure class=\"block-image-caption\">\n\t<div class=\"image-wrap block-image-caption__image-wrap\" data-align=\"center center\">\n\n\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/tippingpoint.net\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/belgrade-2012-we-were-just-children-e1505813557935.jpg\" class=\"image  block-image-caption__image\" alt=\"\" \/>\n\t\n\t<\/div>\t<figcaption>\n\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--small paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-image-caption__paragraph\">\n\tBelgrade 2012 We were just children<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t<\/div>\n\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"block-column block-column__width-large--6 block-column__width-mobile--12\">\n\t\n<div class=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\">\n\n\t\n\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<strong>W\u00fcrden Sie sagen, dass sich die Situation von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in S\u00fcdosteuropa von jener im Rest Europas unterscheidet?<\/strong><br><br>Nat\u00fcrlich, ganz und gar. Diejenigen, die Kinder und Jugendliche waren, als die Kriege auf dem Balkan tobten, haben nicht nur eine politische und gesellschaftliche Revolution und Transformation mitgemacht, sondern sie m\u00fcssen bis heute die Folgen der Kriege tragen \u2013 pers\u00f6nlich, gesellschaftlich und politisch. Sie sind \u201eKriegskinder\u201c in Europa!<br><br>Die Situation von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in S\u00fcdosteuropa ist besonders, weil sie zwischen zwei Welten leben. Zwischen der erlebten Unsicherheit und der Erwartung, ihre Heimatl\u00e4nder und sich selbst n\u00e4her an gut funktionierende Teile Europas heranzuf\u00fchren. Es gilt, eine Generation im Rahmen des politischen Systems, in dem sie aufgewachsen ist, zu verorten, mitsamt ihren M\u00f6glichkeiten, Privilegien und Optionen, die sie hatte oder eben nicht. In unserem Fall bedeutet das: eine Kindheit w\u00e4hrend des Krieges sowie w\u00e4hrend der politischen Instabilit\u00e4ten der 1990er-Jahre, die bis heute anhalten. Die Nachkriegsgesellschaften S\u00fcdosteuropas werden zu Recht als Gesellschaften der Transformation bezeichnet. Dies bedeutet, dass sie von einem westlichen Verst\u00e4ndnis heraus zu den demokratischen Standards aufschlie\u00dfen m\u00fcssen. Doch haben sie ihre ureigenste Geschichte, ihre ureigensten Erfahrungen und daher besondere Kompetenzen, die nicht zuletzt auch f\u00fcr die europ\u00e4ische Idee in Dienst gestellt werden sollten.<\/p>\t<\/div>\n\n<\/div>\n\n<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<strong>Sie nennen sie die Generation In-Between. Ihr wird h\u00e4ufig ein besonders geringes Interesse an Politik und sozialem Engagement nachgesagt. Wird diese Annahme durch Ihre Studie best\u00e4tigt?<\/strong><br><br>Sie haben recht. Gew\u00f6hnlich hei\u00dft es: Angeh\u00f6rige dieser Generation misstrauen PolitikerInnen, staatlichen Institutionen und sozialen Gemeinschaften. Wir wollten herausfinden, ob das so stimmt.<br><br>Die Ergebnisse unserer Studie zeigen diese jungen Leute jedoch in einem positiveren Licht. Um einen Einblick in ihr ziviles Engagement zu bekommen, waren wir vor allem daran interessiert, ihre hidden politics zu erkunden. Aus dieser Perspektive ist es eine wichtige Erkenntnis unserer Studie, dass wir die Generation In-Between nicht leichthin als\u00a0\u201eunpolitisch\u201c abstempeln sollten, wie das gew\u00f6hnlich geschieht. Freilich lehnen sie das aktuelle politische System in ihren L\u00e4ndern ab, das sie in weiten Teilen f\u00fcr korrupt halten. Es besteht jedoch andererseits kein Zweifel daran, dass sie in der Tat sehr am aktuellen politischen Geschehen und an einer Zusammenarbeit mit NGOs und B\u00fcrgerrechtsaktivistInnen interessiert sind. Solche versteckt politischen Aktionen er\u00f6ffnen vielversprechende M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die europ\u00e4ische Integration dieser Generation.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--biggest paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-quote__paragraph\">\n\t\u201eDie Kinder der 1990er-Jahre waren Kinder des Krieges. Sie lernten, sich bei Luftalarm in Kellern und Bunkern zu verkriechen, und sie befanden sich mittendrin, wenn Bomben binnen weniger Sekunden ihr zerst\u00f6rerisches Werk vollbrachten.\u201c<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<strong>Wer war die Kernzielgruppe Ihrer Untersuchung?<\/strong><br><br>Wir interessierten uns f\u00fcr junge Menschen in Bosnien-Herzegowina, Serbien und dem Kosovo, die aus eigenem Antrieb aktiv geworden sind \u2013 sei es, dass sie ein eigenes kleines Projekt begonnen haben, sei es, dass sie ehrenamtlich t\u00e4tig sind oder f\u00fcr eine NGO arbeiten. Unsere Studie setzt also bei denjenigen an, die sich gesellschaftlich oder politisch engagieren, und fragt nach deren Wegen und Umwegen. Denn: Eine engagierte Jugend, die Interesse an der Zivilgesellschaft zeigt, ist f\u00fcr einen langfristigen und nachhaltigen Prozess der Demokratisierung wesentlich.<br><br>Wir stellten fest, dass ebendiese zahlreichen und mannigfaltigen Grassroot-Initiativen und privaten Projekte bis heute von den wissenschaftlichen Disziplinen \u00fcbersehen und daher kaum untersucht worden sind. \u00dcberhaupt haben sich nur wenige Studien mit der Analyse dieser Art zivilen Engagements junger Menschen in S\u00fcdosteuropa befasst. Das war der Ausgangspunkt f\u00fcr unsere Untersuchung.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12 wrapper__offset-large--0\">\n\t\t\t\t\n<figure class=\"block-image-caption\">\n\t<div class=\"image-wrap block-image-caption__image-wrap\" data-align=\"center center\">\n\n\t\t\t<img\n\t\t\tsrc=\"http:\/\/tippingpoint.net\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/belgrade-2015-waterfront-protest.jpg\"\n\t\t\tclass=\"image  block-image-caption__image\"\n\t\t\talt=\"\"\n\t\t\/>\n\t\n\t<\/div>\t<figcaption>\n\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--small paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-image-caption__paragraph\">\n\tBelgrad 2015, Protest im Stadtviertel am Flu\u00df<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\tSie untersuchten nicht nur die Motive f\u00fcr ihr Engagement, sondern konzentrierten sich auch auf ihre individuellen Ziele?<br><br>Ja, so ist es. Wir wollten herausfinden: Welches sind die gro\u00dfen Fragen, die sie umtreiben? Wir haben f\u00fcnf wesentliche Ziele f\u00fcr ein solches Engagement ermittelt, die die Generation In-Between mit unterschiedlichen Strategien zu erreichen versucht:<br><br>1. Vers\u00f6hnung ist einer der wichtigsten Gr\u00fcnde f\u00fcr junge Menschen in S\u00fcdosteuropa, sich zivilgesellschaftlich zu engagieren. Der fehlende Austausch mit Menschen aus anderen L\u00e4ndern des ehemaligen Jugoslawien ist ihnen bewusst und sie sind neugierig zu erfahren, ob all die Geschichten wahr sind, die sie aus den Medien und von ihren Familien \u00fcber andere L\u00e4nder geh\u00f6rt haben. Sie bem\u00fchen sich um Vers\u00f6hnung, indem sie Austauschprogramme oder Veranstaltungen organisieren oder ganz pers\u00f6nliche Erz\u00e4hlungen sammeln. Die Erfahrungen des Austausches erm\u00f6glichen Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Horizonte des anderen; die TeilnehmerInnen k\u00f6nnen in einem gesch\u00fctzten Umfeld direkt auf Vorurteile oder andere Vorstellungen reagieren.<br><br>2. Im Zusammenhang mit dem Vers\u00f6hnungsgedanken suchen junge Erwachsene auch nach einem vern\u00fcnftigen und sinnvollen Umgang mit der Geschichte. Hier wird erneut offenkundig, dass entscheidende Details historischer Gegebenheiten in den Institutionen der Bildungssysteme weiterhin unerw\u00e4hnt bleiben und daher nicht zum Allgemeinwissen z\u00e4hlen. Angeh\u00f6rige der Generation In-Between setzen sich jedoch unvermittelt mit der Vergangenheit auseinander und wollen vergangene Gr\u00e4ueltaten der Kriege aufarbeiten. So wird es einerseits m\u00f6glich, die historischen Gegebenheiten im Allgemeinen zu begreifen und andererseits pers\u00f6nliche Biografien zu verstehen. Das Verlangen nach einer geteilten, gemeinsamen Geschichte wird so offensichtlich, die die vielf\u00e4ltigen Perspektiven der L\u00e4nder des ehemaligen Jugoslawien in den Blick nimmt, ohne bewusst Fakten zu verzerren oder zu verschleiern.<br><br>3. Ein weiteres Anliegen dieser jungen Erwachsenen ist es, Themen oder Perspektiven \u00f6ffentlich zu machen, die normalerweise von den Medien oder aus Mangel an sozialer Akzeptanz verschwiegen werden. In diesem Zusammenhang konnten wir eine lebhafte Unterst\u00fctzung f\u00fcr die LGBTQ-Community sowie f\u00fcr sozial benachteiligte Menschen feststellen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t4. In einer Region, in der die Kriege und schlechte wirtschaftliche Bedingungen nach wie vor sichtbare Spuren zeitigen, ist es nicht verwunderlich, dass junge Menschen sich aktiv daf\u00fcr einsetzen wollen, diese Lebensbedingungen zu verbessern. Dies geschieht etwa mit Mitteln der Kunst. Dabei m\u00f6chten sie vor allem die Lebensqualit\u00e4t erh\u00f6hen und etwas Sch\u00f6nes f\u00fcr alle schaffen.<br><br>5. Schlie\u00dflich ist ihnen karitative T\u00e4tigkeit wichtig: In ihrem Umfeld, in den St\u00e4dten und Gemeinden und \u00fcberall dort, wo es notwendig ist, sind sie bereit zu helfen. Sie sehen darin eine M\u00f6glichkeit f\u00fcr ihr soziales Engagement.<br><br><strong>Was war das wichtigste Ergebnis Ihrer Studie?<\/strong><br><br>Eines der wichtigsten Ergebnisse unserer Studie ist, dass sich diese jungen Menschen weiterhin engagieren wollen, um ihre Gesellschaften auf die eine oder andere Weise zu verbessern \u2013 zu diesem Zweck entscheiden sich manche von ihnen auch dazu, eine politische Karriere einzuschlagen. Sie glauben, dass Vers\u00f6hnung ihren Einsatz wert ist, nicht zuletzt auch, um die Werte der Demokratie zu entwickeln. Und sie sind bereit, ihr Wissen und ihre Erfahrungen im Umgang mit Krisen weiterzugeben, die auch bei der L\u00f6sung aktueller Probleme der EU helfen k\u00f6nnten.<br><br>Wesentlich ist, dass wir k\u00fcnftig auch kleine und unabh\u00e4ngige Initiativen unterst\u00fctzen sollten, weil gerade sie das Potenzial haben, weiteres ziviles Engagement zu f\u00f6rdern.<br><br>Wir d\u00fcrfen nicht vergessen, dass diese jungen Menschen in der Region nicht zuletzt \u201eKinder der Balkankriege\u201c sind: \u00dcber den Verlauf der j\u00fcngsten Krisen und Konflikte Bescheid zu wissen, ist f\u00fcr sie existenziell. Initiativen sollten von ihnen selbst und nicht von \u201eau\u00dfen\u201c kommen, wie etwa von externen NGOs oder SponsorInnen. Daf\u00fcr k\u00f6nnten unsere InterviewpartnerInnen wertvolle Erstkontakte abgeben. Die jungen Menschen haben das Bed\u00fcrfnis, ihr pers\u00f6nliches Wissen und ihre Kompetenzen, etwa im Umgang mit Krisen, in \u201edie Welt\u201c hinaus zu tragen und einzubringen. Wir sollten ihnen eine Plattform daf\u00fcr bieten \u2013 und ihnen zuh\u00f6ren.<br><br>Wir haben gelernt: Wir k\u00f6nnen viel voneinander lernen.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10    wrapper__divider-bottom-large\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper wrapper--overflow wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12 wrapper__offset-large--0\">\n\t\t\t\t\n<figure class=\"block-image-caption\">\n\t<div class=\"image-wrap block-image-caption__image-wrap\" data-align=\"center center\">\n\n\t\t\t<img\n\t\t\tsrc=\"http:\/\/tippingpoint.net\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/foto-forschungsteam-fvc_ausschnitt-e1505810404807.jpg\"\n\t\t\tclass=\"image  block-image-caption__image\"\n\t\t\talt=\"\"\n\t\t\/>\n\t\n\t<\/div>\t<figcaption>\n\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--primary paragraph__size--small paragraph__align--center paragraph__font--secondary paragraph__font-weight--normal block-image-caption__paragraph\">\n\tMichaela Griesbeck, Christina Krakovsky, Rainer Gries und Eva T. Asboth<\/p>\t<\/figcaption>\n<\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\n<div\n\tclass=\"wrapper  wrapper__bg-color--transparent  wrapper__spacing-bottom-large--10\" \n\t>\n\n\t\n\t\t\t<div class=\"wrapper__container wrapper__container-width-large--default wrapper__gutter-large--default\">\n\t\t\t<div class=\"wrapper__inner wrapper__width-large--12\">\n\t\t\t\t<p class=\"paragraph paragraph__color--secondary paragraph__size--medium paragraph__align--left paragraph__font--primary paragraph__font-weight--normal block-paragraph__paragraph\">\n\t<strong>Univ.-Prof. Dr. Rainer Gries<\/strong>, Historiker und Kommunikationswissenschaftler, ist Inhaber des transdisziplin\u00e4ren Franz Vranitzky Chair for European Studies am Institut f\u00fcr Zeitgeschichte und am Institut f\u00fcr Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universit\u00e4t Wien. Zudem hat Rainer Gries die Professur f\u00fcr psychologische und historische Anthropologie an der Sigmund Freud Privatuniversit\u00e4t Wien\/Berlin\/Paris inne.<br><br><strong>MMag. Eva Tamara Asboth<\/strong>, Historikerin,\u00a0wissenschaftliche Mitarbeiterin am transdisziplin\u00e4ren Franz Vranitzky Chair for European Studies, Doktorandin am Institut f\u00fcr Zeitgeschichte der Universit\u00e4t Wien. Forschungsschwerpunkte: Medien und Krieg, Historische Kommunikationsforschung, S\u00fcdosteuropa.<br><br><strong> Dr. Michaela Griesbeck<\/strong>, Sozialwissenschaftlerin und Semiotikerin, wissenschaftliche Mitarbeiterin am transdisziplin\u00e4ren Franz Vranitzky Chair for European Studies, Lektorin am Institut f\u00fcr Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universit\u00e4t Wien. Forschungsschwerpunkte: Kommunikation, Mobilit\u00e4t, Junges Erwachsenenalter, Interkulturelle Kommunikation.<br><br><strong>Mag. Christina Krakovsky<\/strong>, Kommunikationswissenschaftlerin, wissenschaftliche Mitarbeiterin am transdisziplin\u00e4ren Franz Vranitzky Chair for European Studies, Doktorandin am Institut f\u00fcr Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universit\u00e4t Wien, Vorstandsmitglied im Arbeitskreis f\u00fcr historische Kommunikationsforschung (Herausgabe der Fachzeitschrift \u201emedien &amp; zeit\u201c). Forschungsschwerpunkte: Partizipation und Artikulation im \u00f6ffentlichen Raum, Medien und Wiener Avantgarde, historische Kommunikationsforschung, S\u00fcdosteuropa.<\/p>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rainer Gries, Eva Asboth, Michaela Griesbeck und Christina Krakovsky \u00fcber die Kinder der Balkankriege.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3322,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[433,436,245],"tags":[246,247,248,249,250,251,252,253,254,255,256,257,258,259],"formats":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3321"}],"collection":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3321"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3321\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4596,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3321\/revisions\/4596"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3322"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3321"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3321"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3321"},{"taxonomy":"format","embeddable":true,"href":"https:\/\/tippingpoint.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/formats?post=3321"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}